Quellen der Menschheit

Dantyoṣṭhavidhi

Adhyāya 1: Prathamo 'dhyāyaḥ Erster Adhyāya – Die labialen (auṣṭhya) Wortformen

Zählt in neun Wortgruppen (Vers 1.5–1.10) sowie zwei weiteren Ergänzungen (1.11–1.12) diejenigen Wortformen auf, die labial (b) zu rezitieren sind. Schlussregel (1.12): alle genannten Formen sind labial, alle nicht genannten dental.

atharvāṇam ṛṣiṃ devaṃ devahayaśirodharam | praṇamya sampravakṣyāmi dantyoṣṭhavidhivistaram || 1.1 ||

Den Ṛṣi Atharvan verehrend, den Gott, der das Haupt des Pferdes der Götter trägt [Anm.: Anspielung auf den Mythos vom Pferdekopf des Atharvan/Dadhyañc, vgl. Ṛgveda 1,116,12 und 1,117,22], will ich, nachdem ich mich verneigt habe, die Regel von Dental- und Labiallaut (Dantya und Auṣṭhya) ausführlich verkünden.

chandasy adhyayane prāpte viduṣām atha dhīmatām | bakāre saṃśayo nityam auṣṭhyaṃ dantyam iti sma ha || 1.2 ||

Wenn es zum Studium der vedischen Verse (Chandas) kommt, besteht bei den Gelehrten und Kundigen doch ständig Zweifel beim Laut „ba“ – ob er labial (auṣṭhya) oder dental (dantya) sei.

tasmāt tadvidhi nirṇaye saṃśayachedanāya ca | muktā dantyā prayojyāma auṣṭhyān vakṣye kramāhitaḥ || 1.3 ||

Deshalb, um jene Regel zu klären und den Zweifel zu zerschneiden: die freien [d.h. nicht gesondert aufgeführten] Wörter seien als dental anzuwenden; die labialen werde ich der Reihe nach, wohlgeordnet, verkünden.

bhaparaṃ yatra dṛśyetāniṃgye sparśanaṃ kva cit | auṣṭyaṃ tatra pade dhīro bibhīto bibhratīr yathā || 1.4 ||

Wo immer ein „bha“ folgend erscheint [Anm.: Lautbedingung unsicher] und irgendwo eine Berührung [des Lautorts, sparśana] ohne Wortfuge auftritt [Anm.: āniṅgye, Bedeutung unsicher], dort erkenne der Kundige das Wort als labial – wie bei „bibhīta“ (gefürchtet) und „bibhratī“ (die tragende, f.).

ādyudātte bale bāṇe bila śabde tathaiva ca | samaste 'pi yatra syātām antodātto viśiṣyate || 1.5 ||

Bei „bala“ (Kraft), „bāṇa“ (Pfeil) und dem Wort „bila“ (Höhle), mit Hochton auf der ersten Silbe, ebenso; wo dagegen auch im Kompositum der Hochton auf der letzten Silbe stünde, unterscheidet sich [die Zugehörigkeit].

baladābalānugrāhabaladhanvā tathaiva ca | balāsaṃ bāhū ācāryāḥ sarvāsv eva vibhaktiṣu || 1.6 ||

Ebenso bei „baladā“, „abalānugraha“, „baladhanvan“; bei „balāsa“ (ein Krankheitsdämon) und „bāhu“ (Arm) [gilt dies] nach den Lehrern in sämtlichen Kasusformen.

balī balena barhiś cābalena balīyase | bradhnaḥ kilbiṣaṃ vaḥ ketuḥ kumbaṃ bādhiṣṭa bāliti || 1.7 ||

„Balin“ (der Kräftige), „balena“ (durch Kraft), „barhis“ (Opferstreu) und mit „abalena“, „balīyas“ (der Stärkere); „bradhna“ (rötlich-falb), „kilbiṣa“ (Sünde, Vergehen), „vaḥ“ (euch), „ketu“ (Zeichen), „kumba“ [Anm.: unsicher, wohl Gefäß/Krug], „bādhiṣṭa“ (er bedrängte) und „bāli“ – so wörtlich.

bāhuṃ bohi tathā baṃdhur bahubādhe bṛhac ca yat | pibati bruvate caiva yathārthāḥ samprakīrttitāḥ || 1.8 ||

„Bāhu“ (Arm, Akk.), „bodhi“ (erkenne!) [Anm.: metrisch verkürzt zu „bohi“], ebenso „bandhu“ (Verwandter), „bahubādha“ (vielfach bedrängt) und was „bṛhat“ (groß) betrifft, sowie „pibati“ (er trinkt) und „bruvate“ (sie sprechen) – der Bedeutung nach sind sie so benannt.

bastavāsino bāhvaṃkair bāhuvīrye tathaiva ca | bahavaḥ kābavaṃ bāhvor bodha bahve tathaiva ca || 1.9 ||

„Bastavāsin“ [Anm.: unsicher, etwa „im Ziegenfell wohnend“], mit „bāhvaṅka“ (Armring/-zeichen), ebenso bei „bāhuvīrya“ (Armeskraft); „bahavaḥ“ (viele), „kābava“ [Anm.: unsicher], „bāhvoḥ“ (der beiden Arme, Gen.), „bodha“ (Erkenntnis) und ebenso bei „bahvī“ (die viele, f.).

tathāa badhnyaṃ tābuvaṃ bahvīr navamaḥ saṃprakīrttitāḥ | ete sarveṣu śabdeṣu prathamasparśyā hi matāḥ || 1.10 ||

Ebenso „badhnya“ [Anm.: unsicher], „tābuva“ [Anm.: unsicher] und „bahvīḥ“ (die vielen, f.Pl.) – als neunte [Gruppe] verkündet. Diese alle gelten bei sämtlichen [ihren] Wortformen als der ersten Berührungsart (prathamasparśya) zugehörig [d.h. labial].

vaibādha devabandhuṃ ca vibaddhas tu vibandhuṣu | dvitīya sparśyo vijñeyo vibabādhe tathaiva ca || 1.11 ||

„Vaibādha“ [Anm.: unsicher] und „devabandhu“ (Verwandter der Götter), „vibaddha“ (gebunden), aber bei „vibandhu“ [Anm.: unsicher, wohl „Verwandtschaft“], sowie ebenso bei „vibabādhe“ (er/sie bedrängte) – dies ist als zweite Berührungsart (dvitīyasparśya) zu erkennen.

bāhau bāhavo bahulaṃ budhnyaṃ baddhkam eva ca | ete sarve bhavanty oṣṭhyā ye noktās te tu dantajāḥ || 1.12 ||

„Bāhau“ (im Arm, Lok.), „bāhavaḥ“ (die Arme, Nom.Pl.), „bahula“ (reichlich), „budhnya“ (zum Grund gehörig) und „baddhaka“ [Anm.: unsicher] – all diese sind labial (auṣṭhya); was aber nicht genannt wurde, das ist dental (dantaja) entstanden.

Interaktive Leseansicht des ganzen Werks