Quellen der Menschheit

Glossar (Yoga)

Gorakṣaśataka · 212 Begriffe

yoga
Yoga bezeichnet sowohl die angestrebte Vereinigung von individuellem und höchstem Selbst als auch, im engeren Sinn des Haṭha-Yoga, das gesamte System körperlicher und geistiger Übungen (Āsana, Prāṇāyāma, Mudrā, Bandha, Meditation), die zur Befreiung führen sollen. Vereinigung, spirituelle Übungspraxis
haṭha
Wörtlich "Gewalt, Kraftanstrengung"; namensgebender Bestandteil des Haṭha-Yoga, der die energische körperliche Übungspraxis (Āsana, Prāṇāyāma, Bandha, Mudrā) im Unterschied zum eher meditativ ausgerichteten Rāja-Yoga bezeichnet. Manche Autoren deuten die Silben "ha" und "ṭha" zudem symbolisch als Sonne und Mond, deren Vereinigung im Körper das Ziel der Praxis sei. Kraft, Gewaltsamkeit
śiva
Śiva gilt in der Haṭha-Yoga-Tradition als der ursprüngliche Verkünder der Lehre, der sie an seine Gattin Pārvatī bzw. an ausgewählte Schüler weitergab; mehrere Texte, darunter die Śiva-Saṃhitā, berufen sich auf seine Autorität. Als "Sthāṇu" (Pfahl, der Unbewegliche) und "Maheśa/Maheśvara" (der große Herr) wird er zudem mit Unbeweglichkeit und höchster Herrschaft assoziiert. Gott Śiva, mythischer Urlehrer des Yoga
siddhi
Siddhi bezeichnet die durch Yoga-Praxis erlangte Vollendung oder eine übernatürliche Fähigkeit (etwa Hellhören, Leichtigkeit des Körpers, Gestaltwandlung); im weiteren Sinn auch die spirituelle Verwirklichung selbst. Die Texte nennen zahlreiche solcher Kräfte als Begleiterscheinung fortgeschrittener Praxis, warnen aber teils auch vor ihnen als Ablenkung vom eigentlichen Ziel. Vollendung, übernatürliche Kraft
vāyu
Vāyu, wörtlich "Wind", bezeichnet den Lebenshauch bzw. Lebenswind, der als Träger des Prāṇa durch die Nāḍīs im Körper zirkuliert. Die Haṭha-Yoga-Physiologie unterscheidet meist fünf oder zehn Vāyus mit unterschiedlichen Funktionen (u. a. Prāṇa, Apāna, Samāna, Udāna, Vyāna). In der Dichtung erscheinen als Synonyme u. a. Pavana, Samīraṇa, Anila und Vāta. Lebenswind, Atem
saṃsāra
Der ewige Kreislauf von Geburt, Tod und Wiedergeburt, aus dem der Yogin durch Erkenntnis und Praxis die endgültige Befreiung (Mokṣa) sucht. Kreislauf von Geburt und Wiedergeburt
prāṇa
Der Lebensatem bzw. die Lebensenergie, die durch die Nāḍīs im Körper zirkuliert und im Zentrum der Yoga-Physiologie und der Atemtechniken (Prāṇāyāma) steht; oft auch als Sammelbegriff für die Gesamtheit der Vāyus verwendet. Lebensatem, Lebensenergie
tattva
Grundprinzip bzw. Wesenselement der Wirklichkeit; in der der Sāṃkhya-Philosophie nahestehenden Kosmologie u. a. die fünf Grobelemente (Erde, Wasser, Feuer, Luft, Äther/Ākāśa), die auch als Objekte bestimmter Konzentrationsübungen (Dhāraṇās) dienen. Grundprinzip, Element
laya
Das Aufgehen bzw. Verschmelzen des individuellen Bewusstseins in der höchsten Wirklichkeit; ein Synonym für den höchsten meditativen Endzustand, das auch einer eigenständigen Übungsrichtung, dem Laya-Yoga, den Namen gibt. Auflösung, Verschmelzen
citta
Das Denkorgan bzw. der Geist als Ganzes, dessen Beruhigung und Ausrichtung (Konzentration, Meditation) das eigentliche Ziel yogischer Praxis ist; seine Wellenbewegungen werden als Vṛttis bezeichnet. Geist, Denksubstanz
jñāna
Wissen bzw. (befreiende) Erkenntnis, insbesondere die unmittelbare Einsicht in die wahre Natur des Selbst, die zur Befreiung führt. Erkenntnis, Wissen
mukti
Die endgültige Befreiung aus dem Kreislauf von Geburt und Tod; Synonym zu Mokṣa. Intensivierende bzw. verwandte Formen wie Vimukti ("vollständige Befreiung") und die Zusammensetzung Mukti-Mārga ("Weg zur Befreiung") kommen ebenfalls vor. Befreiung
guṇa
Die drei "Qualitäten" oder Grundkräfte der Natur – Sattva (Reinheit/Klarheit), Rajas (Aktivität/Leidenschaft) und Tamas (Trägheit/Dunkelheit) – aus der Sāṃkhya-Philosophie, die alles Erscheinende durchdringen und deren Überschreiten (Guṇātīta) als Ziel spiritueller Praxis gilt. Grundqualitäten der Natur
paramātman
Das "höchste Selbst" bzw. die universale Seele, mit der die individuelle Seele (Jīva/Jīvātman) in der Erkenntnis oder im Samādhi als wesensgleich erkannt wird. höchstes Selbst
mokṣa
Endgültige Befreiung aus dem Kreislauf von Geburt und Wiedergeburt (Saṃsāra) und höchstes Ziel yogischer wie vedantischer Praxis; Synonyme sind u. a. Mukti und Nirvāṇa. Erlösung, Befreiung
āsana
Körperhaltung bzw. Sitzhaltung; eines der Glieder (Aṅgas) des Haṭha-Yoga-Systems, gedacht zur Stabilisierung des Körpers und Vorbereitung auf Atemübungen (Prāṇāyāma) und Meditation. Die Haṭha-Yoga-Pradīpikā beschreibt eine kleinere Auswahl namentlich genannter Sitzhaltungen wie Padmāsana, Siddhāsana oder Vajrāsana. Sitz-/Körperhaltung
ātman
Das individuelle Selbst bzw. die Seele, die in der yogischen wie vedantischen Lehre als wesensgleich mit dem höchsten Selbst (Paramātman/Brahman) zu erkennen ist. das Selbst
samādhi
Höchster Zustand meditativer Versenkung, in dem sich das individuelle Bewusstsein von der Außenwelt löst und mit dem Objekt der Meditation bzw. dem höchsten Selbst eins wird; letztes Glied des klassischen wie des Haṭha-Yoga-Weges. Für diesen Zustand kennen die Texte eine Fülle poetischer Synonyme (u. a. Unmani, Amanaska, Nirālamba, Nirañjana, Sahaja, Śūnya). meditative Versenkung
siddha
Ein "Vollendeter": ein Adept, der durch Yoga-Praxis übernatürliche Kräfte (Siddhis) oder Befreiung erlangt hat; auch Bezeichnung für legendäre Meister der Haṭha-Yoga- und Nātha-Tradition. Vollendeter
rasa
In der der Āyurveda-Lehre nahestehenden Physiologie des Haṭha-Yoga der erste der sieben Körpergewebe (Dhātus): die Nährflüssigkeit, aus der die übrigen Gewebe (Blut, Fleisch, Fett, Knochen, Mark, Same) gebildet werden. Körpersaft, Essenz
upādhi
Ein die wahre Natur des Selbst überlagerndes bzw. bedingendes Attribut (etwa Körper oder Geist), das nach vedantischer Lehre fälschlich mit dem Selbst identifiziert wird. bedingendes Attribut
dhyāna
Meditation, die kontinuierliche, ununterbrochene Ausrichtung des Geistes auf ein Objekt; folgt in der klassischen Stufenfolge auf Dhāraṇā (Konzentration) und führt zu Samādhi. Meditation
kanda
Eine knollen- bzw. eiförmige Struktur im Körper, meist im Bereich unterhalb des Nabels lokalisiert, die als Ursprungsort der Nāḍīs gilt. Wurzelort der Nāḍīs
nāda
Der (innere, unangeschlagene) mystische Klang, dessen Wahrnehmung in fortgeschrittenen Meditationsstufen den Geist zur Auflösung (Laya) führt; Gegenstand der Übung Nādānusandhāna und namensgebend für die Übungsrichtung des Nāda-Yoga. innerer Klang
amṛta
Der "Unsterblichkeitsnektar" (auch Sudhā oder Pīyūṣa genannt), der nach der Haṭha-Yoga-Physiologie im Kopfbereich – bildlich oft als von der Mondscheibe (Candra-Bimba) herabtropfend beschrieben – entsteht und durch bestimmte Techniken (z. B. die Umkehrhaltung Viparītakaraṇī) am Herabfließen und Verlöschen im Verdauungsfeuer gehindert werden soll, um Kraft und Unsterblichkeit zu erlangen. Unsterblichkeitsnektar
puṇya
Religiös-moralisches "Verdienst", das durch gutes Handeln angesammelt wird und über das künftige Schicksal mitentscheidet; Gegenbegriff zu Pāpa (Verfehlung). religiöses Verdienst
karma
Handlung bzw. deren Wirkung (grammatische Grundform: Karman); das universelle Gesetz von Tat und Folge, das über viele Leben hinweg das Schicksal bestimmt und durch selbstloses Handeln, Erkenntnis oder Yoga überwunden werden soll. Die Bindung an die Handlungsfolgen wird auch als Karma-Bandha bezeichnet. Handlung, Tat
kalpanā
Gedankliche Konstruktion, Vorstellung oder Einbildung; im vedantischen Kontext oft die trügerische Vorstellungstätigkeit des Geistes, die die wahre Wirklichkeit verdeckt. Einbildung, Vorstellung
jīva
Die individuelle, verkörperte Seele im Unterschied zum universalen Selbst (Paramātman); auch als Jīvātman bezeichnet. individuelle Seele
dhāraṇā
Konzentration, das Fixieren des Geistes auf einen einzigen Punkt oder ein Objekt; sechstes Glied des klassischen Yoga-Wegs und Vorstufe der Meditation (Dhyāna). Das Wort wird in manchen Texten auch im Sinn von "Zurückhalten" (etwa des Atems) gebraucht. Konzentration
māruta
Poetisches Synonym zu Vāyu/Prāṇa: der Lebenswind bzw. Atem, dessen Kontrolle (Prāṇāyāma) zentrales Ziel des Haṭha-Yoga ist. Lebenswind
pūraka
Die kontrollierte Einatmung, eine der drei Grundphasen des Prāṇāyāma neben Kumbhaka (Anhalten) und Recaka (Ausatmung). Einatmung
ānanda
Glückseligkeit bzw. Wonne; Bestandteil der klassischen vedantischen Wesensbeschreibung des höchsten Selbst als Saccidānanda (Sein-Bewusstsein-Wonne) und Kennzeichen fortgeschrittener meditativer Zustände. Die Texte bilden dazu zahlreiche Zusammensetzungen wie Brahmānanda, Paramānanda, Cidānanda, Sahajānanda oder Pūrṇānanda. Wonne, Glückseligkeit
kumbhaka
Das Anhalten des Atems nach Ein- oder Ausatmung; die zentrale und wirksamste der drei Phasen des Prāṇāyāma in der Haṭha-Yoga-Praxis. Die Haṭha-Yoga-Pradīpikā lehrt mehrere benannte Kumbhaka-Techniken, u. a. Bhastrikā, Sūryabhedana und Mūrcchā. Atem-Anhalten
yoni
"Ursprung, Schoß"; im engeren Sinn Bezeichnung für die Damm- bzw. Genitalregion (Yoni-Sthāna) als unterster Sitz des feinstofflichen Körpers, in dessen Nähe u. a. der Mūlabandha ansetzt. Ursprungsort, Damm-/Genitalregion
bandha
Energetischer "Verschluss" bzw. Körperfixierung (v. a. Mūlabandha, Uḍḍiyāna-Bandha und Jālandhara-Bandha), die den Fluss von Prāṇa und Apāna lenkt und zur Kontrolle der Lebensenergie sowie des Nektarflusses eingesetzt wird. Verschluss
śakti
Göttliche bzw. kosmische Kraft/Energie, oft personifiziert als weibliches Prinzip und Gefährtin Śivas; in der Haṭha-Yoga-Physiologie eng mit der Kuṇḍalinī-Energie verbunden. Manche Texte unterscheiden zudem verschiedene Wirkkräfte wie Jñāna-Śakti (Erkenntniskraft) und Kriyā-Śakti (Handlungskraft). göttliche Kraft, Energie
prāṇāyāma
Die Kontrolle bzw. Ausdehnung des Atems/der Lebensenergie durch geregeltes Ein-, Aus- und Anhalten des Atems (Pūraka, Recaka, Kumbhaka); viertes Glied des Haṭha-Yoga und Kernpraxis zur Reinigung der Nāḍīs. Atemkontrolle
manas
Der (denkende, mit den Sinnen verbundene) Geist bzw. Verstand, dessen Beruhigung Voraussetzung für Meditation und Samādhi ist. Geist, Verstand
saṅkalpa
Willentliche Vorstellung, Wunsch- oder Gedankenbildung des Geistes; ihre Auflösung gilt als Kennzeichen eines beruhigten, meditativen Geistes. Willensvorstellung
śūnya
"Leere"; Bezeichnung für den gedankenfreien, meditativen Endzustand (auch als Mahāśūnya oder Śūnyāśūnya bekannt), eines der zahlreichen Synonyme für Samādhi in Haṭha-Yoga-Texten. Leere
śāstra
Ein (autoritatives) Lehrwerk bzw. Fachtext, insbesondere religiös-philosophische oder normative Schriften. Lehrbuch
śabda
Laut bzw. Klang als Sinnesobjekt des Gehörs, im philosophischen Sinn auch "Wort" als Erkenntnismittel (Śabda-Pramāṇa); im Yoga-Kontext abzugrenzen vom inneren, mystischen Klang (Nāda). Laut, Wort
ākāśa
Element des Raumes bzw. Äthers, eines der fünf Grundelemente (Pañcamahābhūta) der indischen Naturphilosophie; Objekt der Konzentrationsübung Ākāśa- bzw. Nabho-Dhāraṇā. Äther, Raum
tīrtha
Ort äußerer religiöser Pilgerfahrt; manche Haṭha-Yoga-Texte kontrastieren die äußeren Tīrthas mit dem eigenen Körper als der eigentlichen, inneren Pilgerstätte. Wallfahrtsstätte
sādhaka
Der Übende bzw. Praktizierende, der sich der yogischen Disziplin (Sādhanā) widmet. Übender
japa
Die wiederholte, meist stille oder gemurmelte Rezitation eines Mantras als spirituelle Übung. Mantra-Wiederholung
tapas
Askese bzw. innere Glut/Disziplin, die durch entbehrungsreiche spirituelle Übung gewonnen wird; einer der klassischen Yamas bzw. Niyamas. Askese
kriyā
Reinigende bzw. vorbereitende Übung oder Handlung; im Haṭha-Yoga insbesondere die sechs Reinigungstechniken (Ṣaṭkarma/Ṣaṭkriyā) zur Vorbereitung von Körper und Nāḍīs auf Prāṇāyāma. reinigende Übung
doṣa
Die drei körperlichen Konstitutionsprinzipien der Āyurveda-Lehre – Vāta (Wind), Pitta (Galle) und Kapha (Schleim, auch Śleṣman genannt) –, deren Gleichgewicht über die körperliche Gesundheit entscheidet. Körpersaft-Ungleichgewicht
dhātu
Körpergewebe; in der Āyurveda-nahen Tradition sieben nacheinander gebildete Gewebe (u. a. Rasa/Nährsaft, Blut, Fleisch, Fett/Meda, Knochen, Mark, Same), deren Qualität die körperliche Verfassung mitbestimmt. Körpergewebe
indriya
Die (fünf) Wahrnehmungs- und (fünf) Handlungssinne, deren Rückzug von den Sinnesobjekten (Pratyāhāra) eine wesentliche Yoga-Übung darstellt. Sinnesorgan
kāla
"Zeit", oft personifiziert als Todesprinzip; ihre Überwindung bzw. Kontrolle wird dem vollendeten Yogin durch bestimmte Praktiken zugeschrieben, bildlich auch als "Schlinge der Zeit" (Kāla-Pāśa) beschrieben. Zeit
recaka
Die kontrollierte Ausatmung, dritte Grundphase des Prāṇāyāma neben Pūraka (Einatmung) und Kumbhaka (Anhalten). Ausatmung
lambikā
Das Zäpfchen bzw. der Übergangsbereich von Rachen und weichem Gaumen, der in fortgeschrittenen Übungen wie der Khecarī-Mudrā mit der Zunge berührt bzw. manipuliert wird. Zäpfchen
vāsanā
Unbewusste Eindrücke bzw. "Duftspuren" früherer Handlungen und Erfahrungen im Geist, die künftiges Denken, Wollen und Handeln unbewusst prägen. unbewusste Prägung
dvaita
"Zweiheit, Dualität"; im vedantischen Denken die (letztlich zu überwindende) scheinbare Trennung zwischen individuellem und höchstem Selbst; Gegenbegriff zu Advaya/Advaita (Nichtzweiheit). Zweiheit, Dualität
muni
Ein schweigender Weiser bzw. Asket; ehrende Bezeichnung für einen spirituell verwirklichten Menschen (Plural: Munis). Weiser, Asket
gṛhastha
Der "Hausvater": der Haushälter-Lebensabschnitt (Āśrama) im traditionellen indischen Lebensstufenmodell (Brahmacārin, Gṛhastha, Vānaprastha, Saṃnyāsin), im Unterschied zum entsagenden Asketen. Hausvater
ajñāna
"Nichtwissen", die grundlegende Unwissenheit über die wahre Natur des Selbst, die als Ursache von Saṃsāra und Leiden gilt; eng verwandt mit dem Begriff Avidyā. Nichtwissen
vidyā
(Befreiendes) Wissen bzw. Erkenntnis, insbesondere die Erkenntnis der wahren Natur des Selbst; Gegensatz zu Avidyā. Wissen, Erkenntnis
avidyā
Die grundlegende, im vedantischen Denken als Wurzel allen Leidens und aller Bindung an Saṃsāra angesehene Unwissenheit über die wahre Natur des Selbst; nah verwandt mit Ajñāna. Unwissenheit
tejas
"Glanz, Feuer, Energie"; eines der fünf Elemente (Feuer) sowie allgemein Bezeichnung für spirituelle Ausstrahlung oder innere Energie/Hitze. Glanz, Feuerenergie
bhūta
Die (fünf) Grundelemente Erde, Wasser, Feuer, Luft und Äther, aus denen nach traditioneller Auffassung die materielle Welt und der Körper aufgebaut sind. Grundelement
bhoga
Genuss bzw. (sinnliche) Erfahrung; im Gegensatz zu Mokṣa/Befreiung oft als das an weltliche Objekte gebundene Erleben verstanden – in manchen Haṭha-Yoga-Texten wird jedoch betont, dass ein gesunder, "vollendeter" Körper dem Yogin Bhoga und Mokṣa zugleich ermögliche. Genuss, Erfahrung
padmāsana
Der Lotossitz, eine der klassischen Meditationshaltungen des Haṭha-Yoga, bei der beide Füße auf die gegenüberliegenden Oberschenkel gelegt werden. Lotossitz
īśvara
"Der Herr": Bezeichnung für Gott bzw. das höchste, persönliche Prinzip, oft mit Śiva gleichgesetzt; verstärkte Formen wie Parameśvara ("höchster Herr") kommen ebenfalls vor. der Herr, Gott
haṃsa
"Schwan/Gans"; Symbol der individuellen Seele bzw. des natürlichen Atems (verbunden mit dem unwillkürlichen Atem-Mantra "haṃ-sa"); der vollendete Yogin wird entsprechend als Paramahaṃsa ("höchster Schwan") bezeichnet. Schwan, Atem-Seele-Symbol
bīja
"Same/Keim"; Bezeichnung für die Ursache bzw. den Keimlaut eines Mantras (Bīja-Mantra) oder allgemein für den Ursprung eines Phänomens. Same, Keim
pratyāhāra
Der Rückzug der Sinne von ihren Objekten (Viṣaya); fünftes Glied des klassischen Yoga-Wegs, das den Übergang von den äußeren zu den inneren Übungen (Dhāraṇā, Dhyāna, Samādhi) markiert. Sinnesrückzug
ahiṃsā
Gewaltlosigkeit; erstes der ethischen Yamas (Verhaltensregeln) im klassischen Yoga. Gewaltlosigkeit
brahmacarya
Keuschheit bzw. enthaltsame Lebensweise, insbesondere die Bewahrung der Samenkraft (Bindu); einer der klassischen Yamas und für den Haṭha-Yogin von zentraler Bedeutung. Der Übende wird als Brahmacārin bezeichnet. Keuschheit
yamin
Ein Übender, der die Selbstbeherrschungsregeln (Yama) befolgt; allgemeine Bezeichnung für einen (asketisch) disziplinierten Praktizierenden. der sich Beherrschende
antaḥkaraṇa
Das "innere Organ" bzw. der innere Sinn, in der klassischen Philosophie unterteilt in Manas (Verstand), Buddhi (Unterscheidungsvermögen), Citta (Bewusstsein/Gedächtnis) und Ahaṅkāra (Ich-Bewusstsein). das innere Organ
ācārya
Ehrentitel für einen geistlichen Lehrer bzw. Meister, der Schüler in Lehre und Praxis unterweist. Lehrer, Meister
kapha
Der "Schleim", einer der drei Körpersäfte (Doṣas) der Āyurveda-Lehre neben Vāta (Wind) und Pitta (Galle); auch als Śleṣman bezeichnet. Schleim
granthi
"Knoten": energetische Blockaden entlang der zentralen Nāḍī (Suṣumnā), die den Aufstieg der Kuṇḍalinī behindern. Die Tradition unterscheidet meist drei solche Knoten: Brahma-Granthi, Viṣṇu-Granthi und Rudra-Granthi. energetischer Knoten
kleśa
Die "Leidensursachen" bzw. geistigen Trübungen (u. a. Unwissenheit, Ich-Anhaftung, Begierde, Abneigung, Todesfurcht), die nach der klassischen Yoga-Philosophie das Leiden verursachen. Leidensursache
pitta
Das "Gallefeuer", einer der drei Körpersäfte (Doṣas) der Āyurveda-Lehre, zuständig u. a. für Verdauung und Stoffwechsel. Gallefeuer
sahaja
Der "natürliche, spontane Zustand" (auch als Sahajāvasthā bezeichnet), ein Synonym für den höchsten, mühelosen meditativen Endzustand jenseits gezielter Anstrengung. natürlicher, spontaner Zustand
sattva
Eine der drei Guṇas (neben Rajas und Tamas): das Prinzip der Reinheit, Klarheit und Ausgewogenheit. Reinheit, Klarheit
avasthā
Allgemeiner Begriff für einen (geistigen oder praxisbezogenen) Zustand bzw. eine Stufe. Bekannt ist v. a. die vierstufige Folge der Übungsstadien der Haṭha-Yoga-Pradīpikā: Ārambhāvasthā (Anfangsstadium), Ghaṭāvasthā (Festigungsstadium), Paricayāvasthā (Vertrautheitsstadium) und Niṣpattyavasthā (Vollendungsstadium). Zustand, Übungsstufe
anāhata
"Der unangeschlagene (Klang)": sowohl Name eines der Haupt-Cakras im Herzbereich (Anāhata-Cakra) als auch Bezeichnung für den mystischen, nicht durch physischen Anschlag erzeugten inneren Klang (Anāhata-Nāda). unangeschlagener Klang; Herz-Cakra
nirañjana
"Der Makellose": Beiname Śivas sowie Synonym für den höchsten, von allen Verunreinigungen freien Bewusstseinszustand in der Synonymliste für Samādhi der Haṭha-Yoga-Pradīpikā. der Makellose
ātmajñāna
Die Erkenntnis der wahren Natur des eigenen Selbst (Ātman); auch als Ātmabodha bezeichnet und Voraussetzung für die endgültige Befreiung. Selbsterkenntnis
satya
Wahrhaftigkeit; einer der klassischen Yamas (ethischen Verhaltensregeln). Wahrhaftigkeit
śauca
(Körperliche und geistige) Reinheit; einer der klassischen Niyamas (Selbstdisziplinregeln). Reinheit
vairāgya
Leidenschaftslosigkeit bzw. Nicht-Anhaftung an weltliche Objekte und deren Ergebnisse; neben Abhyāsa (beharrlicher Übung) eine der beiden Grundvoraussetzungen für Erfolg im Yoga. Leidenschaftslosigkeit
puruṣa
Das "Geist-Prinzip" bzw. reine Bewusstsein in der Sāṃkhya-Philosophie, im Gegensatz zur Materie/Natur (Prakṛti); im Vedānta oft mit Ātman/Brahman gleichgesetzt. Geist-Prinzip
paramārtha
Die "höchste" bzw. absolute Wahrheit/Wirklichkeit im Gegensatz zur relativen, alltäglichen Erscheinungswirklichkeit (Vyavahāra). höchste Wahrheit
pāpa
"Verfehlung, Sünde": negatives moralisches Ergebnis schlechten Handelns, Gegensatz zu Puṇya (Verdienst). Verfehlung, Sünde
caitanya
Reines Bewusstsein bzw. die bewusstseinshafte Wesensnatur des Selbst; oft synonym zu Cit und Cetanā gebraucht. Bewusstsein
mithyā
In der Advaita-Vedānta-Philosophie Bezeichnung für die Seinsweise der erscheinenden Welt, die weder absolut real (wie das Selbst) noch gänzlich unreal ist, sondern nur scheinbar besteht. scheinhaft
sukha
(Sinnliches oder inneres) Glück bzw. Wohlbefinden; im Kontext der Āsana-Lehre auch Bezeichnung für die angenehme, mühelose Qualität einer korrekt eingenommenen Sitzhaltung. Wohlbefinden, Wonne
adhyāropa-apavāda
Vedantische Lehrmethode, bei der zunächst probeweise ein Attribut oder eine Vorstellung dem Selbst "überlagert" wird (Adhyāropa), um es anschließend zur Aufdeckung der wahren Natur des Selbst wieder "zurückzunehmen" (Apavāda). Überlagerung und Zurücknahme
cakra
Als "Rad" oder "Lotos" vorgestelltes energetisches Zentrum entlang der zentralen Nāḍī (Suṣumnā) im feinstofflichen Körper; die Haṭha-Yoga- und Tantra-Tradition kennt verschiedene Systeme von meist sechs oder sieben Cakras, darunter Mūlādhāra, Svādhiṣṭhāna, Maṇipūra, Anāhata, Viśuddha, Ājñā und Sahasrāra. Rad, Energiezentrum
liṅga
"Kennzeichen, Merkmal"; im philosophischen Kontext ein Erkennungs- oder Schlussmerkmal, im religiösen Kontext auch das Symbol Śivas (Śiva-Liṅga). Kennzeichen, Symbol
vṛtti
"Wirkungsweise, Modifikation": im klassischen Yoga die Gedankenwellen bzw. -bewegungen des Geistes (Citta-Vṛtti), deren Beruhigung ("Citta-Vṛtti-Nirodha") als Ziel des Yoga gilt. Gedankenwelle
śraddhā
Vertrauen bzw. gläubige Zuversicht, insbesondere gegenüber Lehrer und Lehre; gilt als notwendige Voraussetzung für erfolgreiche spirituelle Praxis. Vertrauen
aiśvarya
"Herrschaftsgewalt, göttliche Machtvollkommenheit": eine der übernatürlichen Fähigkeiten (Siddhis), die ein vollendeter Yogin erlangen kann. Herrschaftsmacht
dūraśruti
"Fernhören": eine der übernatürlichen Fähigkeiten (Siddhis) des vollendeten Yogin, entferntes Geschehen akustisch wahrzunehmen. Fernhören
kalā
"(Teil-)Kraft, Phase": u. a. Bezeichnung für die Erscheinungsphasen des Mondes (Soma-Kalā) bzw. eine feinstoffliche Teilenergie, von Bedeutung für yogische Praktiken zum Erhalt des Unsterblichkeitsnektars. Teilkraft, Mondphase
mṛtyuñjaya
"Der den Tod Bezwingende": Beiname Śivas, auch übertragen auf den durch Yoga-Praxis dem Tod entronnenen vollendeten Yogin. Todesbezwinger
rajas
Zum einen eine der drei Guṇas (Aktivität/Leidenschaft), zum anderen in der tantrischen Körperlehre Bezeichnung für den weiblichen Samen, dessen symbolische Vereinigung mit dem männlichen Same (Retas/Bindu) in manchen Praktiken thematisiert wird. Leidenschaft (Guṇa); weiblicher Same
dharma
Sittliche Pflicht, Ordnung bzw. rechtes Handeln gemäß der eigenen Stellung; auch allgemein "Lehre" oder kosmisches Gesetz. Pflicht, rechtes Handeln
homa
Vedisches Feueropfer bzw. -ritual; wird in manchen Texten der inneren yogischen Praxis gegenübergestellt oder mit ihr gleichgesetzt. Feueropfer
pratīka
Ein stellvertretendes Sinnbild oder eine symbolische Form, die in der Meditation als Stütze zur Verehrung eines nicht unmittelbar erfassbaren höheren Prinzips dient. Sinnbild
jyotis
"Licht": Bezeichnung für das innere, spirituelle Licht, das in fortgeschrittener Meditation wahrgenommen werden kann, oder für das lichthafte Wesen (Jyotiḥsvarūpa) des höchsten Selbst. inneres Licht
cidākāśa
Der "Bewusstseins-Äther" bzw. -Raum, ein Bild für die grenzenlose, raumartige Natur des reinen Bewusstseins in der vedantischen Meditation. Bewusstseinsraum
sahasrāra
Das "Tausendblättrige (Lotos-Cakra)", das oberste Energiezentrum im Scheitelbereich, das in der Kuṇḍalinī-Lehre als Sitz der Vereinigung von Kuṇḍalinī-Śakti und Śiva bzw. reinem Bewusstsein gilt. Tausendblättriges Cakra
aparokṣa
"Unmittelbar (wahrnehmbar)": vedantischer Fachbegriff für die direkte, unvermittelte Erkenntnis des Selbst (Aparokṣa-jñāna) im Unterschied zu bloß mittelbarem (Parokṣa) Wissen. unmittelbare Erkenntnis
mātrā
Zeiteinheit zur Bemessung der Atemdauer bzw. der Länge von Ein-, Aus- und Anhalten des Atems in der Prāṇāyāma-Praxis, oft an der Dauer eines Fingerschnippens oder einer Handumkreisung orientiert. Zeitmaß
varṇa
"Laut, Silbe, Farbe": u. a. Bezeichnung für die einzelnen Laute bzw. Silben der Sprache oder eines Mantras. Laut, Silbe
nātha
Ehrentitel ("Herr, Schutzherr"), der als Namensbestandteil der Gründergestalten der Nātha-Yogin-Tradition dient (z. B. Matsyendranātha, Gorakṣanātha), auf die sich der Haṭha-Yoga in seiner Überlieferung beruft. Herr, Schutzherr
gomukha
"Kuhgesicht": Bezeichnung sowohl für eine Körperhaltung (Gomukhāsana) als auch bildhaft für die trichterförmige Gestalt bestimmter Körperstrukturen in der Yoga-Physiologie. Kuhgesicht
śava
"Leiche": Namensbestandteil der Entspannungshaltung Śavāsana ("Totenstellung"), bei der der Übende reglos wie ein Leichnam am Boden liegt. Leiche; Totenhaltung
rājadanta
Die oberen Schneidezähne, die in Anleitungen zu bestimmten Mudrās (z. B. Khecarī-Mudrā) als anatomischer Orientierungspunkt für die Zungenstellung dienen. Schneidezähne
mitāhāra
Die maßvolle, ausgewogene Ernährung, die in der Haṭha-Yoga-Pradīpikā als eine der Voraussetzungen für erfolgreiche Praxis genannt wird, im Gegensatz zu Übermaß oder strengem Fasten. maßvolle Ernährung
pathya
Als bekömmlich bzw. zuträglich geltende Nahrungsmittel im Rahmen der yogischen Diätregeln (Mitāhāra); Gegenbegriff zu Apathya, den als schädlich geltenden Speisen. zuträgliche Nahrung
mala
Körperliche oder geistige Verunreinigung bzw. Schlacke, deren Beseitigung u. a. durch die Reinigungsübungen (Kriyās) und die Āsana-Praxis angestrebt wird. Unreinheit, Schlacke
bhastrā
Namensgebendes Bild ("Blasebalg") für die kräftige, rhythmische Blasebalg-Atmung (Bhastrikā), eine der klassischen Prāṇāyāma-Techniken des Haṭha-Yoga. Blasebalg-Atmung
saṃyama
Die kombinierte, aufeinanderfolgende Anwendung von Konzentration (Dhāraṇā), Meditation (Dhyāna) und Versenkung (Samādhi) auf ein und dasselbe Objekt, wie sie zur Erlangung von Siddhis gelehrt wird. kombinierte Konzentrationsübung
mūlabandha
Der "Wurzelverschluss": eine Kontraktion des Damm-/Beckenbodenbereichs nahe Anus und Perineum; einer der drei wichtigsten Bandhas des Haṭha-Yoga zur Lenkung des Apāna-Vāyu nach oben. Wurzelverschluss
jālandhara
Der "Netz-Halter-Verschluss" (Jālandhara-Bandha): eine Verschlusstechnik, bei der das Kinn zur Brust gesenkt und der Kehlkopfbereich verengt wird; einer der drei Hauptbandhas des Haṭha-Yoga, u. a. zur Kontrolle des Nektarflusses. Kehlverschluss
paścima
"Der Westen/Rücken": Bezeichnung für die Rückseite des Körpers, wie sie u. a. im Namen der Vorwärtsbeuge Paścimottānāsana sowie in der von der Haṭha-Yoga-Pradīpikā gelobten Paścima-Atemtechnik (Paścima-vidhi) vorkommt. Rückseite des Körpers
kāmadeva
Der hinduistische Gott der sinnlichen Liebe und des Begehrens (auch Kāma genannt), dessen Macht der Yogin durch Askese und die Bewahrung der Samenkraft zu überwinden sucht. Liebesgott
mūrcchā
Wörtlich "Ohnmacht, Betäubung": Name einer Prāṇāyāma-Technik, die einen benommenen, ganz nach innen gewandten Bewusstseinszustand hervorrufen soll. Betäubungs-Atmung
viparīta-karaṇī
Die "Umkehrübung" (Viparītakaraṇī-Mudrā), bei der der Körper kopfüber bzw. mit erhöhtem Becken gehalten wird, um den Nektarabfluss zum Verdauungsfeuer zu verhindern und stattdessen Kraft und Unsterblichkeit zu fördern. Umkehrübung
kāla-pāśa
Bildliche Bezeichnung für die bindende Macht von Zeit und Tod (Kāla), aus der sich der vollendete Yogin durch seine Praxis zu befreien vermag; verwandt ist das Bild der Bhava-Pāśa ("Daseinsschlinge"). Todesschlinge
sandhābhāṣā
Die "verschlüsselte" bzw. mehrdeutige, esoterische Symbolsprache (auch als "Dämmerungssprache" bekannt), in der tantrische und haṭha-yogische Texte ihre inneren Praktiken oft verhüllend beschreiben. verschlüsselte Sprache
kāyasiddhi
Die "Vollendung des Körpers" (auch Deha-Siddhi genannt): ein durch Haṭha-Yoga-Praxis erlangter, als unvergänglich, jugendlich und übernatürlich fähig beschriebener Körperzustand. Leibesvollendung
bindu
Wörtlich "Tropfen" oder "Same"; zentraler Begriff der Haṭha-Yoga-Physiologie für die männliche Samenessenz (auch Śukra oder Retas genannt), deren Bewahrung durch Brahmacarya und bestimmte Mudrās/Bandhas als Schlüssel zu Kraft, Gesundheit und Unsterblichkeit gilt. Same, Tropfen
nasya
Reinigende oder medizinische Behandlung der Nase (z. B. Einträufeln von Ölen oder Nasenspülung), verwandt mit der yogischen Reinigungstechnik Neti. Nasenreinigung
vibhūti
Heilige Asche, die u. a. mit der Śiva-Verehrung verbunden ist und rituell auf den Körper aufgetragen wird; in anderen Kontexten bezeichnet Vibhūti auch übernatürliche Manifestationen bzw. Kräfte. heilige Asche
amaratva
Die durch Haṭha-Yoga-Praxis, insbesondere durch die Bewahrung des Nektars und der Samenkraft (Bindu), angestrebte Unsterblichkeit bzw. Unvergänglichkeit des Körpers; der so vollendete Zustand wird auch als ajarāmara ("alterlos-unsterblich") beschrieben. Unsterblichkeit
amanaska
Der "geistlose" bzw. gedankenfreie Bewusstseinszustand: eines der zahlreichen Synonyme für den höchsten meditativen Endzustand (Samādhi) in der Haṭha-Yoga-Pradīpikā. Zustand des Nicht-Geistes
samarasatva
Zustand des völligen Gleichklangs bzw. der Verschmelzung gegensätzlicher Prinzipien (etwa von individuellem und kosmischem Bewusstsein); ein Synonym für die höchste Vollendung im Haṭha-Yoga. Zustand der Gleichgestimmtheit
nirvikalpa
"Frei von (Unterscheidungs-)Vorstellungen": Bezeichnung für die höchste Form der Versenkung (Nirvikalpa-Samādhi), in der jede begriffliche Unterscheidung zwischen Erkennendem, Erkennen und Erkanntem erlischt. vorstellungsfrei
cit
Das reine, unveränderliche Bewusstsein als Wesensnatur des Selbst; Teil der klassischen vedantischen Wesensbestimmung des Absoluten als Saccidānanda (Sein-Bewusstsein-Wonne). reines Bewusstsein
nādānusandhāna
Die meditative Technik des "Nachspürens" bzw. Verfolgens des inneren, unangeschlagenen Klangs (Nāda) bis zu dessen völligem Verklingen im gedankenfreien Zustand; zentrales Thema des vierten Kapitels der Haṭha-Yoga-Pradīpikā. Nachspüren des inneren Klangs
bhrūmadhya
Der Punkt zwischen den Augenbrauen: ein zentraler Fixationspunkt für Konzentrationsübungen (u. a. Śāmbhavī-Mudrā) und die Meditation auf die Ājñā-Cakra-Region. Punkt zwischen den Augenbrauen
pratyakṣa
Die unmittelbare sinnliche oder geistige Wahrnehmung als anerkanntes Erkenntnismittel (Pramāṇa) in der indischen Philosophie; im Yoga- und Vedānta-Kontext auch auf die direkte Erfahrung des Selbst bezogen. unmittelbare Wahrnehmung
prakṛti
Die "Ur-Natur" bzw. materielle Grundursache der Welt in der Sāṃkhya-Philosophie, im Gegensatz zum reinen Bewusstseinsprinzip Puruṣa; im tantrischen Kontext oft mit der weiblichen Energie Śakti gleichgesetzt. Urnatur, Materie
phala
Die "Frucht" bzw. das Ergebnis einer Handlung (Karma-Phala); die Bindung an Handlungsfolgen soll durch selbstlose oder erkenntnisgeleitete Praxis überwunden werden. Frucht, Ergebnis
svarga
Die durch gutes Handeln (Puṇya) erreichbare himmlische Daseinsform, die – wie ihr Gegenstück, die Höllenwelt Naraka – dem Kreislauf von Saṃsāra angehört und daher der endgültigen Befreiung (Mokṣa) nachgeordnet bleibt. Himmelswelt
guṇātīta
Der Zustand des "Die-Guṇas-Überschreitens", in dem der Yogin bzw. Weise nicht mehr den drei Grundqualitäten der Natur (Sattva, Rajas, Tamas) unterworfen ist. die Guṇas transzendierend
abheda
Die vedantische Lehre von der wesensmäßigen Nichtverschiedenheit bzw. Identität zwischen individueller Seele (Jīva/Ātman) und höchstem Selbst (Brahman/Paramātman); Gegenbegriff zu Bheda. Nichtverschiedenheit
saccidānanda
Die klassische vedantische Wesensbestimmung des absoluten Selbst bzw. Brahman als Einheit von reinem Sein (Sat), Bewusstsein (Cit) und Wonne (Ānanda). Sein-Bewusstsein-Wonne
vyavahāra
Die Ebene der empirischen, alltäglichen Erfahrungswirklichkeit, die die Advaita-Vedānta-Lehre von der absoluten Wirklichkeit (Paramārtha) unterscheidet. empirische Wirklichkeit
śruti
Die "gehörte" Offenbarung, insbesondere die Veden, als höchste Erkenntnisautorität in der orthodoxen indischen Philosophie; wird oft mit vernunftgestützter Reflexion (Yukti) verbunden. heilige Offenbarung
vikṣepa-āvaraṇa-śakti
In der Advaita-Vedānta die der Unwissenheit (Avidyā) zugeschriebene doppelte Kraft: die "verhüllende" Kraft (Āvaraṇa-Śakti), die die wahre Natur des Selbst verdeckt, und die "projizierende" Kraft (Vikṣepa-Śakti), die stattdessen die scheinbare Welt der Vielfalt hervorbringt. Projektions- und Verhüllungskraft
vijñāna
Erkennen bzw. differenziertes, gegenständliches Wissen; im Unterschied zum reinen, unmittelbaren Wissen (Jñāna) oft auf diskursive oder analytische Erkenntnis bezogen. differenziertes Erkennen
annamaya-kośa
Die "aus Nahrung bestehende Hülle": die grobstoffliche Körperschicht in der vedantischen Lehre von den fünf Hüllen (Pañca-Kośa), die das wahre Selbst umgeben und verdecken. Nahrungshülle
pañcīkaraṇa
Die vedantische Lehre von der "Fünffachverbindung", nach der sich die groben materiellen Elemente durch Vermischung der feinstofflichen Elemente zu je fünf Teilen bilden. Fünffachverbindung der Elemente
prajāpati
Vedische Bezeichnung für den Schöpfergott bzw. Urvater aller Geschöpfe. Herr der Geschöpfe
āyus
Die Lebenskraft bzw. Lebensspanne, deren Erhalt und Verlängerung eines der praktischen Ziele der Haṭha-Yoga-Übungen ist, insbesondere der Bewahrung von Bindu und Prāṇa. Lebenskraft, Lebensspanne
nirvāṇa
Wörtlich "Verlöschen": Bezeichnung für die endgültige Befreiung bzw. das Erlöschen des individuellen, leidbehafteten Daseins; in haṭha-yogischen Texten oft als Synonym zu Mokṣa/Mukti gebraucht. endgültiges Erlöschen
prasāda
Die (göttliche) Gnade, etwa des Lehrers (Guru) oder Gottes, die als Voraussetzung für spirituellen Erfolg und Erkenntnis gilt. Gnade
samatā
Innerer Gleichmut bzw. Ausgeglichenheit gegenüber den Gegensatzpaaren der Erfahrung (Freude/Leid, Lob/Tadel); eine angestrebte Geisteshaltung des fortgeschrittenen Yogin. Gleichmut
ahaṅkāra
Das "Ich-Prinzip" bzw. Ichbewusstsein, eines der inneren Organe (Antaḥkaraṇa) in der Sāṃkhya-Philosophie, das dem reinen Bewusstsein eine individuelle Identität ("Ich") zuschreibt. Ichbewusstsein
ghṛta
Geklärte Butter, in Haṭha-Yoga-Texten u. a. als Bestandteil der empfohlenen Ernährung (vgl. Mitāhāra) sowie zu Reinigungs- und Salbungszwecken erwähnt; Sanskrit-Synonyme sind u. a. Sarpis. geklärte Butter (Ghee)
siddhānta
Eine feststehende, als endgültig anerkannte Lehrmeinung bzw. das Lehrgebäude einer bestimmten philosophischen oder religiösen Schule. feststehende Lehre
niyama
Die "Beobachtungen" bzw. Selbstdisziplin-Regeln (u. a. Reinheit/Śauca, Genügsamkeit, Askese/Tapas, Studium, Gotteshingabe); zweites Glied des klassischen Yoga-Wegs neben den ethischen Verhaltensregeln (Yama). Selbstdisziplin-Regeln
pralaya
Die kosmische Weltauflösung am Ende eines Zeitzyklus, oft verbunden mit dem Bild eines Weltvernichtungsfeuers (Pralayāgni); dient in manchen Texten als Bild für die im Yogin-Körper wirkende innere Kraft. Weltauflösung
vāk-siddhi
Eine übernatürliche Fähigkeit (Siddhi), bei der die Worte des vollendeten Yogin unweigerlich in Erfüllung gehen. Vollendung der Rede
kāmacāritva
Eine übernatürliche Fähigkeit (Siddhi) des vollendeten Yogin, sich nach eigenem Willen frei und ungehindert fortzubewegen. Fähigkeit, sich nach Belieben zu bewegen
parakāyapraveśana
Die legendäre übernatürliche Fähigkeit (Siddhi), den eigenen Bewusstseinsgeist in einen fremden Körper zu versetzen; in der Nātha-Tradition u. a. mit der Legende um Matsyendranātha und Gorakṣanātha verbunden. Eintritt in einen fremden Körper
dīkṣā
Die rituelle Einweihung bzw. Initiation eines Schülers durch einen Guru, die traditionell als Voraussetzung für die Übermittlung geheimer, wirksamer yogischer und tantrischer Lehren gilt. Einweihung
vajrāsana
Der "Diamant-" bzw. "Blitzsitz" (von Vajra, "Diamant/Blitz"): eine Sitzhaltung des Haṭha-Yoga, die u. a. auch als Position für bestimmte Prāṇāyāma- und Mudrā-Übungen genannt wird. Diamantsitz
adhimātra
Bezeichnung für eine hohe Stufe der Übungsintensität; manche Texte unterscheiden vier Grade des Eifers bzw. der Losgelöstheit: schwach (Mṛdu), mittel (Madhya), stark (Adhimātra) und höchst stark (Adhimātratama). hoher Intensitätsgrad
aṅga
"Glied" bzw. Bestandteil; insbesondere in der Zusammensetzung Aṣṭāṅga ("achtgliedrig") Bezeichnung für die acht klassischen Übungsglieder des Yoga: Yama, Niyama, Āsana, Prāṇāyāma, Pratyāhāra, Dhāraṇā, Dhyāna und Samādhi. Glied, Übungsbestandteil
mudrā
Wörtlich "Siegel"; Sammelbegriff für spezielle Körper-, Atem- und Konzentrationstechniken (z. B. Khecarī-, Viparītakaraṇī- und Yoni-Mudrā), mit denen die Lebensenergie und der Nektar im Körper "versiegelt" bzw. gelenkt werden; neben Āsana und Prāṇāyāma eines der zentralen Übungsfelder des Haṭha-Yoga. Siegel, Körperverschluss
suṣumnā
Der zentrale, entlang der Wirbelsäule verlaufende feinstoffliche Kanal (Nāḍī), durch den die erweckte Kuṇḍalinī-Energie zum Scheitel aufsteigt; der wichtigste der zahlreichen Nāḍīs im Haṭha-Yoga-Körpermodell. Zentralkanal
liṅgaśarīra
Der "Zeichenkörper" bzw. feinstoffliche Körper, der nach Sāṃkhya-Vedānta-Lehre die individuelle Seele bei der Wiedergeburt von einem groben Körper zum nächsten begleitet. feinstofflicher Körper
akṣara
Die "unvergängliche Silbe", insbesondere Bezeichnung für die heilige Silbe Oṃ als klanglichen Ausdruck des Absoluten. unvergängliche Silbe
mantrasiddhi
Die durch beharrliche Rezitation (Japa) erlangte Wirkkraft bzw. Vollendung eines Mantras. Mantra-Vollendung
triveṇī
Der "Dreifach-Zusammenfluss": Bezeichnung für den energetischen Vereinigungspunkt der drei Hauptkanäle Iḍā, Piṅgalā und Suṣumnā, in Analogie zum Zusammenfluss der Flüsse Gaṅgā, Yamunā und Sarasvatī. Dreier-Zusammenfluss
nirālamba
"Ohne (jede) Stütze": eines der zahlreichen Synonyme für den höchsten, objektlosen meditativen Zustand (Samādhi) in der Haṭha-Yoga-Pradīpikā. ohne Stütze
abhyāsa
Die beharrliche, wiederholte Übung bzw. Praxis, die neben der Leidenschaftslosigkeit (Vairāgya) nach klassischer Yoga-Lehre die notwendige Grundlage für spirituellen Fortschritt bildet. beharrliche Übung
saṅga
Die (falsche) Anhaftung an Personen, Dinge oder die Ergebnisse des eigenen Handelns, die es nach yogischer wie vedantischer Lehre zu überwinden gilt. Anhaftung
kāmarūpa
Eine übernatürliche Fähigkeit (Siddhi) des vollendeten Yogin, nach Belieben jede beliebige Gestalt anzunehmen. Fähigkeit zur Gestaltwandlung
vīrya
Innere Kraft, Tatkraft oder Vitalität; im Kontext der Haṭha-Yoga-Physiologie oft eng mit der Bewahrung der Samenkraft (Bindu) verbunden. Kraft, Vitalität
sādhu
Allgemeine Bezeichnung für einen asketisch lebenden, gottsuchenden Praktizierenden bzw. heiligen Mann. frommer Asket
viveka
Die Fähigkeit zur Unterscheidung zwischen dem ewigen Selbst und dem vergänglichen Nicht-Selbst bzw. zwischen Wirklichkeit und Schein; zentrale Voraussetzung für die befreiende Erkenntnis in der Vedānta-Tradition. Unterscheidungskraft
moha
Geistige Verblendung bzw. Verwirrung, die den Menschen die wahre Natur der Wirklichkeit bzw. des Selbst verkennen lässt; Ursache von Leid und Bindung. Eine intensivierte Form ist Vyāmoha. Verblendung
prapañca
Die vielfältige, ausdifferenzierte Erscheinungswelt, wie sie sich aus der Sicht der letztlich nicht-dualen höchsten Wirklichkeit als Vielheit von Namen und Formen darstellt. Erscheinungsvielfalt
advaya
"Nichtzweiheit": ein zentraler Begriff der Advaita-Vedānta-Philosophie für die letztlich ungeteilte, nicht-duale Natur der höchsten Wirklichkeit, oft synonym zu Advaita gebraucht. Nichtzweiheit
saguṇa
"Mit Attributen versehen": Bezeichnung für die Vorstellung bzw. Verehrung des Absoluten in personaler, eigenschaftsbehafteter Form, im Gegensatz zum attributlosen Absoluten (Nirguṇa). mit Eigenschaften (behaftet)
meda
Das Fettgewebe, eines der sieben Körpergewebe (Dhātus) der Āyurveda-nahen Yoga-Physiologie. Fettgewebe
ādhāra
"Stütze, Grundlage": im engeren Sinn Bezeichnung für die Damm- bzw. Beckenbodenregion als unterster Stützpunkt des feinstofflichen Körpers, verwandt mit dem Namen des Mūlādhāra-Cakra. Stützpunkt, Dammregion
lakṣya
Der äußere oder innere Fixations- bzw. Zielpunkt, auf den die Aufmerksamkeit in bestimmten Konzentrationsübungen gerichtet wird; im übertragenen Sinn auch das eigentliche, formlose Meditationsziel selbst (vgl. Alakṣya, das "Unwahrnehmbare"). Fixations-/Zielpunkt
anala
Das im Bauchbereich lokalisierte "Verdauungsfeuer", das nach der Haṭha-Yoga-Physiologie den im Kopf entstehenden Nektar (Amṛta) verzehrt, sofern dieser nicht durch bestimmte Mudrās zurückgehalten wird. Verdauungsfeuer
guda
Anatomische Bezeichnung für den After, der in Anleitungen zu bestimmten Bandhas (z. B. Mūlabandha) als Orientierungspunkt dient. After
brahma-dvāra
Das "Tor Brahmans": eine energetische Öffnung im feinstofflichen Körper, durch die die Kuṇḍalinī-Energie ihren Weg nimmt; je nach Text am Scheitel oder am unteren Ende der Suṣumnā verortet. Brahma-Tor
candra-bimba
Die im Kopfbereich lokalisiert gedachte "Mondscheibe", von der nach der Haṭha-Yoga-Physiologie der Unsterblichkeitsnektar (Amṛta) herabtropft. Mondscheibe
tālu
Der Gaumen, insbesondere der weiche Gaumenbereich, der in Anleitungen zur Khecarī-Mudrā als Zielregion für die zurückgebogene Zunge dient. Gaumen
guru
Der spirituelle Lehrer bzw. Meister, dessen Unterweisung und Gnade in der Haṭha-Yoga-Tradition als unverzichtbare Voraussetzung für erfolgreiche und sichere Praxis gilt. spiritueller Lehrer
pṛthvī
Das Element Erde, eines der fünf Grundelemente (Pañcamahābhūta); Objekt einer der fünf elementbezogenen Konzentrationsübungen (Pṛthvī-Dhāraṇā). Erde (Element)
pañca-dhāraṇā
Eine Gruppe von fünf Konzentrationsübungen (Dhāraṇās), bei denen der Geist nacheinander auf die fünf Grundelemente gerichtet wird: Erde (Pṛthvī-/Bhū-Dhāraṇā), Wasser (Vāriṇī-Dhāraṇā), Feuer (Vaiśvānarī-Dhāraṇā), Luft (Vāyavī-Dhāraṇā) und Äther/Raum (Nabho-Dhāraṇā). Fünf-Elemente-Konzentration
saguṇa-nirguṇa
Das begriffliche Gegensatzpaar zur Beschreibung des Absoluten: einmal als personales Gott mit Eigenschaften (Saguṇa) verehrt, einmal als attributloses, unpersönliches Absolutes (Nirguṇa) erkannt. mit/ohne Eigenschaften
viṣaya
Die Objekte der Sinne, von denen sich der Yogin im Rahmen der Sinneszurückziehung (Pratyāhāra) löst, um den Geist nach innen zu wenden. Sinnesobjekt
vighna
Hindernisse auf dem Yoga-Weg, deren Vermeidung bzw. Überwindung in den klassischen Texten behandelt wird (u. a. durch maßvolle Ernährung, geeignete Übungsstätte und Vermeidung schlechter Gesellschaft). Hindernis
pūjā
Die rituelle Verehrung einer Gottheit oder des Lehrers (Guru), meist mit Opfergaben, Gesten und Mantra-Rezitation. rituelle Verehrung
ṛṣi
Ein vedischer Seher bzw. Weiser, dem nach traditioneller Auffassung heilige Texte "geschaut" bzw. offenbart wurden; auch allgemeine Ehrenbezeichnung für spirituelle Meister. vedischer Seher
nāḍī
Ein feinstofflicher Kanal, durch den nach der Haṭha-Yoga-Physiologie Prāṇa im Körper zirkuliert. Die Tradition zählt zahlreiche Nāḍīs, von denen Iḍā, Piṅgalā und die zentrale Suṣumnā als die wichtigsten gelten. feinstofflicher Energiekanal
kuṇḍalinī
Die im unteren Rumpfbereich (meist im Mūlādhāra-Cakra) als schlafend eingerollte Schlange vorgestellte kosmische Energie (Śakti), die durch Haṭha-Yoga-Techniken wie Bandhas, Mudrās und Prāṇāyāma erweckt und entlang der Suṣumnā zum Scheitel geführt werden soll, um dort die Vereinigung mit dem reinen Bewusstsein (Śiva) und damit die Vollendung des Yoga herbeizuführen. erweckbare Schlangenkraft
iḍā
Einer der drei Hauptkanäle (Nāḍīs) des feinstofflichen Körpers; verläuft nach traditioneller Vorstellung auf der linken Körperseite, wird mit dem Mond und kühlender Energie assoziiert und mündet meist im linken Nasenloch. linker Energiekanal (Mond)
piṅgalā
Einer der drei Hauptkanäle (Nāḍīs) des feinstofflichen Körpers; verläuft nach traditioneller Vorstellung auf der rechten Körperseite, wird mit der Sonne und erhitzender Energie assoziiert und mündet meist im rechten Nasenloch. rechter Energiekanal (Sonne)
mūlādhāra
Das "Wurzel-Cakra", das unterste der Haupt-Energiezentren im Damm-/Beckenbodenbereich, das in der Kuṇḍalinī-Lehre als Ruheort der schlafenden Kuṇḍalinī-Energie gilt. Wurzel-Cakra
khecarī
Eine der bekanntesten Mudrās des Haṭha-Yoga, bei der die verlängerte Zunge nach hinten oben in den Rachenraum eingeführt wird, um den Nektarfluss im Kopfbereich zu kontrollieren; ihrer Vorbereitung dient u. a. die schrittweise Dehnung des Zungenbändchens. Zungenverschluss (Mudrā)
gorakṣa
Gorakṣanātha (auch Gorakhnāth) gilt als legendärer Begründer bzw. prägende Gestalt der Nātha-Yogin-Tradition und wird als Autor bzw. Namensgeber des Gorakṣaśataka verehrt; der Überlieferung nach war er Schüler Matsyendranāthas. legendärer Yoga-Meister
matsyendra
Matsyendranātha gilt in der Nātha-Tradition als einer der Urväter des Haṭha-Yoga und als Lehrer Gorakṣanāthas; ihm wird u. a. die Weitergabe der von Śiva stammenden Yoga-Lehre an die Menschen zugeschrieben. legendärer Yoga-Lehrer