Quellen der Menschheit

Glossar

Bṛhadāraṇyaka-Upaniṣad · 19 Begriffe

ātman
Das innerste, wahre Selbst eines Wesens, in der Bṛhadāraṇyaka-Upaniṣad zentraler Gegenstand der Erkenntnis; wird in Adhyāya 1 zunächst kosmogonisch als Puruṣa (Urwesen) entfaltet, später in den Lehrgesprächen Yājñavalkyas mit dem kosmischen Prinzip Brahman gleichgesetzt. das Selbst
brahman
Das unpersönliche höchste Prinzip, Grund und Wesen aller Erscheinungen; in Adhyāya 1.4 durch die Formel "ahaṃ brahmāsmi" ("ich bin Brahman") explizit mit dem individuellen Selbst identifiziert. das Absolute, Weltgrund
prāṇa
Der Atem bzw. die Lebenskraft, sowohl als einzelner der fünf Körperatem-Ströme (neben apāna, vyāna, udāna, samāna) als auch, besonders in Adhyāya 1.3 und 1.5, als übergeordnetes Prinzip, das alle Sinnesfunktionen trägt und als unerschöpflich (im Gegensatz zur endlichen Rede) gilt. Atem, Lebenshauch
apāna
Einer der fünf vedischen Körperatem-Ströme, meist als der abwärts gerichtete oder ausscheidende Atem verstanden. Einatem, Abwärtsatem
vyāna
Einer der fünf vedischen Körperatem-Ströme, der die Verbindung/Durchdringung des Körpers herstellt. Zwischenatem, Durchatem
udāna
Einer der fünf vedischen Körperatem-Ströme, der aufwärts gerichtete Atem. Aufatem
samāna
Einer der fünf vedischen Körperatem-Ströme, dem Verdauungs-/Ausgleichsprozess zugeordnet. Gleichatem
manas
Das Denk- und Willensorgan, eines der zentralen inneren Organe neben Rede (vāc) und Atem (prāṇa). Denksinn, Geist
vāc
Die Rede/Sprachkraft, in Adhyāya 1 sowohl als kosmisches Schöpfungsorgan (Partnerin des Todes bei der Erzeugung des Jahres) als auch als eines der am Udgītha-Wettstreit beteiligten Sinnesorgane. Rede, Sprache
puruṣa
Das ursprüngliche, menschengestaltige Selbst-Wesen, mit dem die Schöpfung in Adhyāya 1.4 einsetzt ("im Anfang war dies als Selbst, in Gestalt eines Puruṣa"); volksetymologisch von "pūrva" + "uṣ" ("zuvor verbrennen") abgeleitet. Urwesen, Person
mṛtyu
In Adhyāya 1.2 das Urprinzip, das zugleich als Hunger (aśanāyā) gilt und am Anfang aller Dinge steht, bevor es durch Askese Wasser, Erde und Feuer, und schließlich durch Vereinigung mit der Rede das Jahr und das Pferdeopfer hervorbringt. Tod
aśvamedha
Das große vedische Königsopfer, bei dem ein geweihtes Pferd nach einjährigem freiem Umherziehen geopfert wird; Gegenstand der kosmologischen Homologie, die die Bṛhadāraṇyaka-Upaniṣad einleitet (Pferd = Kosmos). Pferdeopfer
punarmṛtyu
Der "wiederholte Tod", eine im Śatapatha-Brāhmaṇa und der Bṛhadāraṇyaka-Upaniṣad zentrale Vorstellung eines erneuten Sterbens nach dem Tod, dem durch rechtes Ritualwissen entgangen werden kann. Wiedertod
sāman
Der sāmavedische Lobgesang; Gegenstand einer ausgedehnten symbolischen Deutung in Bṛhadāraṇyaka 1.3, die das Sāman mit dem (Mund-)Atem und zahlreichen kosmischen Größen gleichsetzt, mehrfach über volksetymologische Wortspiele (sā + ama = "sāman"). liturgischer Gesang
udgītha
Der zentrale, laut vorgetragene Teil des sāmavedischen Opfergesangs; Gegenstand des Wettstreits zwischen Göttern und Dämonen in Bṛhadāraṇyaka 1.3, den unter den Sinnesorganen allein der Mund-Atem (mukhya prāṇa) unbeschadet übersteht. der (hymnische) Hochgesang
mukhya prāṇa
Der "Haupt-Atem" im Munde, in Bṛhadāraṇyaka 1.3 identifiziert mit Ayāsya Āṅgirasa; er allein widersteht dem Ansturm des Bösen im Udgītha-Wettstreit und wird von den übrigen Sinnesorganen als überlegen anerkannt. Haupt-/Mundatem
prajāpati
Der Schöpfergott, der in Bṛhadāraṇyaka 1.5 aus den drei Veden die drei Klassen von Nachkommen – Götter, Menschen und Väter (Verstorbene) – erschafft. "Herr der Geschöpfe"
nāma-rūpa-karma
Die dreifache Grundstruktur alles Bestehenden, mit der Adhyāya 1 (Brāhmaṇa 6) schließt: Rede, Auge und Selbst (Leib) sind jeweils der gemeinsame Bezugspunkt der Namen, Gestalten bzw. Taten, die letztlich alle im einen, unsterblichen Selbst zusammenlaufen. Name, Gestalt, Tat
mithuna
Die Vereinigung zweier Prinzipien zu einem erzeugenden Paar, etwa des Todes (im Geiste) mit der Rede in Bṛhadāraṇyaka 1.2, aus der das Jahr hervorgeht. Paar, Paarung