Quellen der Menschheit

Bṛhadāraṇyaka-Upaniṣad

Zweisprachige Ausgabe (Mādhyandina-Rezension): Sanskrit (IAST) und deutsche Übersetzung, im Aufbau befindlich (Adhyāya für Adhyāya).

Upaniṣaden · 6 Adhyāyas · 571 Kaṇḍikās

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Vorwort

Die Bṛhadāraṇyaka-Upaniṣad ("die große Upaniṣad der Wildnis/Waldeinsiedelei") gilt als die umfangreichste und, neben der Chāndogya-Upaniṣad, älteste der klassischen Upaniṣaden. Sie bildet zugleich den Abschluss des Śatapatha-Brāhmaṇa: In der Mādhyandina-Rezension, der diese Ausgabe folgt, entspricht sie dessen letztem, vierzehntem Kāṇḍa. Die vorliegende Übersetzung schließt damit unmittelbar an die in dieser Bibliothek bereits vollständig vorliegende Übersetzung des Śatapatha-Brāhmaṇa an, wird hier jedoch, ihrer eigenständigen Bedeutung und Wirkungsgeschichte entsprechend, als eigenes Werk geführt.

Der Text gliedert sich traditionell in sechs Adhyāyas (Kapitel), die sich wiederum in Brāhmaṇas (Abschnitte) und diese in Kaṇḍikās (Sinnabschnitte/Paragraphen) unterteilen. Inhaltlich reicht die Bṛhadāraṇyaka-Upaniṣad von kosmologischer Spekulation (die Aśvamedha-Pferd-Kosmos-Homologie zu Beginn, der Tod/Hunger-Schöpfungsmythos, die Lehre vom Selbst als Puruṣa) über die berühmten philosophischen Lehrgespräche Yājñavalkyas – mit seiner Gattin Maitreyī über die Natur des Selbst, am Hof des Königs Janaka von Videha, sowie im Streitgespräch mit Gārgī Vācaknavī und anderen Brahmanen – bis zur abschließenden Selbst-Erkenntnisformel "neti neti" ("nicht so, nicht so") und der berühmten dreifachen Silbe "Da Da Da" (Selbstbeherrschung, Almosengeben, Mitleid) im letzten Adhyāya.

Die Bṛhadāraṇyaka-Upaniṣad ist in zwei Rezensionen überliefert, der Mādhyandina- und der Kāṇva-Rezension, die sich in Wortlaut, Anordnung und teilweise auch im Umfang einzelner Abschnitte unterscheiden. Diese Ausgabe folgt, in Übereinstimmung mit der bereits etablierten Konvention dieser Bibliothek für das Śatapatha-Brāhmaṇa und die Vājasaneyi-Saṃhitā, durchgehend der Mādhyandina-Rezension als Haupttext; nur an drei Stellen, an denen die Mādhyandina-Überlieferung keinen eigenen Text zu bieten hat (drei kurze, genealogische Vaṃśa-Abschnitte, darunter der abschließende Kolophon der gesamten Upaniṣad), wird ersatzweise auf den Text der Kāṇva-Rezension zurückgegriffen, um keinen inhaltlichen Verlust entstehen zu lassen; solche Stellen sind im Quellenverweis der jeweiligen Kaṇḍikā gekennzeichnet.

Als Sanskrit-Grundlage dient die von Marcos Albino (Erlangen, 1996/97) für das TITUS-Projekt (Jost Gippert) digitalisierte, ITRANS-transliterierte Textfassung, die ihrerseits auf Albrecht Webers Edition der Mādhyandina- sowie W. Calands Edition der Kāṇva-Rezension beruht. Die deutsche Übersetzung wurde eigens für diese Ausgabe angefertigt und durchläuft, wie die übrigen Werke dieser Bibliothek, einen mehrstufigen Übersetzungs- und Kontrollprozess.

Einführung

Die Übersetzung folgt derselben Methodik wie die übrigen Werke dieser Bibliothek: einer ersten wörtlichen Rohübersetzung folgt eine sprachliche Verfeinerung, danach eine unabhängige kritische Gegenprüfung jeder einzelnen Kaṇḍikā gegen den Sanskrit-Text, deren Befunde eigens gegen die Quelle nachgeprüft werden, bevor sie übernommen werden. Philologische Unsicherheiten – seltene oder mehrdeutige Wörter, volksetymologische Wortspiele, die sich im Deutschen nicht direkt nachbilden lassen, unklare Satzbezüge – werden nicht stillschweigend geglättet, sondern als eingeklammerte Anmerkung [Anm.: ...] unmittelbar im laufenden Text der jeweiligen Kaṇḍikā ausgewiesen.

Die Kaṇḍikā-Zählung folgt dem Muster Brāhmaṇa.Kaṇḍikā (z. B. "5.10" für die zehnte Kaṇḍikā des fünften Brāhmaṇa) innerhalb jedes Adhyāya. Da die Mādhyandina- und Kāṇva-Rezension die Kaṇḍikās teils unterschiedlich zählen und teils unterschiedlich auf Brāhmaṇas verteilen, wurde für diese Ausgabe eine eigene, in sich konsistente Durchzählung nach der Reihenfolge der Mādhyandina-Paragraphen erstellt; die genaue Entsprechung zu traditionellen Zählungen (etwa nach Böhtlingk oder in der Kāṇva-Zählung) ist dieser jeweils benachbart, aber nicht identisch.

Zahlreiche Passagen der Bṛhadāraṇyaka-Upaniṣad – insbesondere die vaṃśa-Genealogien der Lehrerlinien am Ende einzelner Brāhmaṇas und Adhyāyas – sind reine Namenslisten ohne fortlaufenden philosophischen Gehalt; sie werden hier vollständig mitübersetzt, da sie integraler Bestandteil der Textüberlieferung sind.

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