Quellen der Menschheit

Bṛhadāraṇyaka-Upaniṣad

Adhyāya 2 Ajātaśatru und Gārgya Bālāki, die zwei Formen des Brahman, Yājñavalkya und Maitreyī, die Honig-Lehre (Madhu-Vidyā)

Adhyāya 2 der Bṛhadāraṇyaka-Upaniṣad umfasst sechs Brāhmaṇas. Brāhmaṇa 1 (2.1–2.23) erzählt das berühmte Lehrgespräch zwischen dem gelehrten Brahmanen Gārgya Bālāki und König Ajātaśatru von Kāśi: Bālāki bietet an, den König über Brahman zu belehren, und identifiziert nacheinander kosmische Größen (Sonne, Mond, Blitz, Raum, Wind, Feuer, Wasser, Spiegelbild, Schatten, Atem u.a.) mit dem puruṣa darin — der König weist jede dieser Gleichsetzungen zurück und belehrt schließlich selbst den nun als Schüler auftretenden Brahmanen anhand des Tiefschlafs über das wahre Selbst, mit der berühmten Analogie der Funken, die von einem Feuer aufsteigen, und der Formel 'satyasya satyam' ('die Wahrheit der Wahrheit'). Brāhmaṇa 2 (2.1–2.7) enthält kurze, rätselhafte Lehrstücke über den Kopf als Rätselbild sowie Identifikationen der Sinnesorgane mit berühmten Ṛṣis (Ohren = Gotama/Bharadvāja, Augen = Viśvāmitra/Jamadagni, Nasenlöcher = Vasiṣṭha/Kaśyapa, Rede = Atri), endend mit der volksetymologischen Deutung von 'Atri' aus 'attṛ' ('Verzehrer'). Brāhmaṇa 3 (3.1–3.11) entfaltet die Lehre von den zwei Formen (rūpa) des Brahman — geformt/ungeformt, sterblich/unsterblich, ruhend/bewegt, seiend/jenseitig — und endet mit der berühmten 'neti neti'-Lehre ('nicht so, nicht so'). Brāhmaṇa 4 (4.1–4.16) überliefert das weltberühmte erste Lehrgespräch zwischen Yājñavalkya und seiner Gattin Maitreyī: Yājñavalkya kündigt seinen Aufbruch in den Waldeinsiedlerstand an und belehrt Maitreyī, dass nichts um seiner selbst willen, sondern alles um des Selbst (ātman) willen lieb ist — mit der berühmten, bis heute diskutierten Aussage 'nach dem Hinscheiden gibt es kein gesondertes Bewusstsein mehr' und der abschließenden rhetorischen Frage, wodurch man den Erkennenden selbst erkennen sollte. Brāhmaṇa 5 (5.1–5.22) enthält die berühmte Madhu-Vidyā (Honig-Lehre): Erde, Wasser, Feuer, Wind, Sonne, Himmelsrichtungen, Mond, Blitz, Donner, Raum, Recht, Wahrheit, Menschheit und das Selbst werden der Reihe nach als 'Honig' füreinander und letztlich mit dem einen, unsterblichen Selbst/Brahman identifiziert; es folgen archaische Vers-Zitate zur Sage von Dadhyañc Ātharvaṇa, der den Aśvins die Honig-Lehre mit einem Pferdehaupt offenbarte, sowie eine Lehrerlinie (vaṃśa). Brāhmaṇa 6 (6.1–6.3), aus der Kāṇva-Rezension übernommen (die Mādhyandina-Überlieferung bietet hier keinen eigenen Text), führt eine weitere Lehrerlinie fort, deren Aufzählung über die drei Kaṇḍikas hinweg mitten im Satz fortläuft.

ḍṛptabālākirhānūcāno gārgya āsa sa hovācājātaśatruṃ kāśyam brahma te bravāṇīti sa hovācājātaśatruḥ sahasrametasyāṃ vāci dadmoḥ janako janaka iti vai janā dhāvantīti

Dṛptabālāki, ein gelehrter (anūcāna) Gārgya, sprach zu Ajātaśatru von Kāśi [Anm.: 'dṛpta' ('hochmütig, eingebildet') lässt sich auch als eigenständiges Beiwort zu 'Bālāki' lesen ('der hochmütige Bālāki') statt als Teil eines zusammengesetzten Eigennamens; beide Lesarten sind in der Forschung vertreten.]: „Lass mich dir das Brahman verkünden.“ Da sprach Ajātaśatru: „Wir geben dir dafür, für diese Rede, tausend (Kühe) [Anm.: 'dadmoḥ' ('wir geben') ist eine ungewöhnliche Verbform – erwartet wäre der Plural 'dadmaḥ'; möglicherweise eine Dialekt- oder Überlieferungsvariante. Der Sinn ist ironisch: Ajātaśatru vergleicht Gārgyas Angebot mit der sprichwörtlichen Freigebigkeit König Janakas, zu dem die Leute wegen seiner Belohnungen für solche Reden strömten.] – ‚Janaka, Janaka!‘, so eilen ja die Leute herbei.“

sa hovāca gārgyoḥ ya evāsāvāditye puruṣa etamevāhaṃ brahmopāsa iti sa hovācājātaśatruḥ mā maitasmintsaṃvadiṣṭhā atiṣṭhāḥ sarveṣāṃ bhūtānāṃ mūrdhā rājeti vā ahametamupāsa iti sa ya etamevamupāste atiṣṭhāḥ sarveṣāṃ bhūtānāṃ mūrdhā rājā bhavati

Gārgya sprach: „Der puruṣa, der dort in der Sonne (āditya) ist – ihn allein verehre ich als Brahman.“ Da sprach Ajātaśatru: „Rede mir hierüber nicht, nicht zu! Als den Erhabenen (atiṣṭhāḥ) [Anm.: Die genaue Bedeutung von 'atiṣṭhāḥ' ist unsicher; wörtlich etwa 'der Überragende, der Darüberstehende' (von ati- + sthā).], das Haupt aller Wesen, den König – so verehre ich ihn.“ Wer ihn so verehrt, wird zum Erhabenen, zum Haupt aller Wesen, zum König.

sa hovāca gārgyoḥ ya evāsau candre puruṣa etamevāhaṃ brahmopāsa iti sa hovācājātaśatruḥ mā maitasmintsaṃvadiṣṭhā bṛhanpāṇḍaravāsāḥ somo rājeti vā ahametamupāsa iti sa ya etamevamupāste ahar-aharha sutaḥ prasuto bhavati nāsyānnaṃ kṣīyate

Gārgya sprach: „Der puruṣa, der dort im Mond (candra) ist – ihn allein verehre ich als Brahman.“ Da sprach Ajātaśatru: „Rede mir hierüber nicht, nicht zu! Als den großen, weißgekleideten König Soma – so verehre ich ihn.“ Wer ihn so verehrt, für den wird Tag für Tag (der Soma) gepresst und dargebracht; seine Speise nimmt nicht ab.

sa hovāca gārgyoḥ ya evāyaṃ vidyuti puruṣa etamevāhaṃ brahmopāsa iti sa hovācājātaśatruḥ mā maitasmintsaṃvadiṣṭhāḥ tejasvīti vā ahametamupāsa iti sa ya etamevamupāste tejasvī ha bhavati tejasvinī hāsya prajā bhavati

Gārgya sprach: „Der puruṣa, der hier im Blitz (vidyut) ist – ihn allein verehre ich als Brahman.“ Da sprach Ajātaśatru: „Rede mir hierüber nicht, nicht zu! Als den Glanzvollen (tejasvin) – so verehre ich ihn.“ Wer ihn so verehrt, wird glanzvoll, und glanzvoll wird auch seine Nachkommenschaft.

sa hovāca gārgyoḥ ya evāyamākāśe puruṣa etamevāhaṃ brahmopāsa iti sa hovācājātaśatruḥ mā maitasmintsaṃvadiṣṭhāḥ pūrṇamapravartīti vā ahametamupāsa iti sa ya etamevamupāste pūryate prajayā paśubhiḥ nāsyāsmāl lokātprajodvartate

Gārgya sprach: „Der puruṣa, der hier im Raum (ākāśa) ist – ihn allein verehre ich als Brahman.“ Da sprach Ajātaśatru: „Rede mir hierüber nicht, nicht zu! Als den Vollen, Unbewegten (pūrṇam apravarti) – so verehre ich ihn. [Anm.: 'apravarti' (von pra-√vṛt) lässt sich auch als 'nicht abnehmend/nicht schwindend' lesen, was zum folgenden Ergebnissatz ('seine Nachkommenschaft weicht nicht') passen würde.]“ Wer ihn so verehrt, wird erfüllt mit Nachkommenschaft und Vieh; aus dieser seiner Welt weicht seine Nachkommenschaft nicht.

sa hovāca gārgyoḥ ya evāyaṃ vāyau puruṣa etamevāhaṃ brahmopāsa iti sa hovācājātaśatruḥ mā maitasmintsaṃvadiṣṭhā indro vaikuṇṭho'parājitā seneti vā ahametamupāsa iti sa ya etamevamupāste jiṣṇurhāparājiṣṇurbhavatyanyatastyajāyī

Gārgya sprach: „Der puruṣa, der hier im Wind (vāyu) ist – ihn allein verehre ich als Brahman.“ Da sprach Ajātaśatru: „Rede mir hierüber nicht, nicht zu! Als Indra, den Unbezwinglichen, das unbesiegte Heer – so verehre ich ihn.“ Wer ihn so verehrt, wird siegreich und unbesiegbar, ein Bezwinger der anderen [Anm.: Der Ausdruck 'anyatastyajāyī' ist im Sanskrit-Original unklar überliefert und wirkt wie eine verderbte Form oder Dopplung (etwa zu 'anyataḥ ajāyī', 'von jeder Seite unbesiegbar'); die Übersetzung folgt dem wahrscheinlichen Sinn.].

sa hovāca gārgyoḥ ya evāyamagnau puruṣa etamevāhaṃ brahmopāsa iti sa hovācājātaśatruḥ mā maitasmintsaṃvadiṣṭhā viṣāsahiriti vā ahametamupāsa iti sa ya etamevamupāste viṣāsahirha bhavati viṣāsahirhāsya prajā bhavati

Gārgya sprach: „Der puruṣa, der hier im Feuer (agni) ist – ihn allein verehre ich als Brahman.“ Da sprach Ajātaśatru: „Rede mir hierüber nicht, nicht zu! Als den Allbezwinger (viṣāsahi) – so verehre ich ihn.“ Wer ihn so verehrt, wird zum Allbezwinger, und zum Allbezwinger wird auch seine Nachkommenschaft.

sa hovāca gārgyoḥ ya evāyamapsu puruṣa etamevāhaṃ brahmopāsa iti sa hovācājātaśatruḥ mā maitasmintsaṃvadiṣṭhāḥ pratirūpa iti vā ahametamupāsa iti sa ya etamevamupāste pratirūpaṃ haivainamupagacChati nāpratirūpam atho pratirupo'smāj jāyate

Gārgya sprach: „Der puruṣa, der hier in den Wassern (āpas) ist – ihn allein verehre ich als Brahman.“ Da sprach Ajātaśatru: „Rede mir hierüber nicht, nicht zu! Als das Ebenbild (pratirūpa) – so verehre ich ihn.“ Wer ihn so verehrt, dem nähert sich nur seinesgleichen, nicht Ungleiches; auch wird ihm ein Ebenbild seiner selbst geboren.

sa hovāca gārgyoḥ ya evāyamādarśe puruṣa etamevāhaṃ brahmopāsa iti sa hovācājātaśatruḥ mā maitasmintsaṃvadiṣṭhā rociṣṇuriti vā ahametamupāsa iti sa ya etamevamupāste rociṣṇurha bhavati rociṣṇurhāsya prajā bhavati atho yaiḥ sannigacChati sarvāṃstānatirocate

Gārgya sprach: „Der puruṣa, der hier im Spiegel (ādarśa) ist – ihn allein verehre ich als Brahman.“ Da sprach Ajātaśatru: „Rede mir hierüber nicht, nicht zu! Als den Leuchtenden (rociṣṇu) – so verehre ich ihn.“ Wer ihn so verehrt, wird leuchtend, und leuchtend wird auch seine Nachkommenschaft; und alle, mit denen er zusammentrifft, überstrahlt er.

sa hovāca gārgyoḥ ya evāyaṃ dikṣu puruṣa etamevāhaṃ brahmopāsa iti sa hovācājātaśatruḥ mā maitasmintsaṃvadiṣṭhā dvitīyo'napaga iti vā ahametamupāsa iti sa ya etamevamupāste dvitīyavānha bhavati nāsmādgaṇaśChidyate

Gārgya sprach: „Der puruṣa, der hier in den Himmelsrichtungen (dik) ist – ihn allein verehre ich als Brahman.“ Da sprach Ajātaśatru: „Rede mir hierüber nicht, nicht zu! Als den Zweiten, den Unabtrennlichen (dvitīyo 'napagaḥ) – so verehre ich ihn.“ Wer ihn so verehrt, erhält einen Gefährten, einen Zweiten; von ihm wird sein Gefolge nicht abgeschnitten.

sa hovāca gārgyoḥ ya evāyaṃ yantaṃ paścācśabdo'nūdeti etamevāhaṃ brahmopāsa iti sa hovācājātaśatruḥ mā maitasmintsaṃvadiṣṭhā asuriti vā ahametamupāsa iti sa ya etamevamupāste sarvaṃ haivāsmiṃl loka āyureti nainaṃ purā kālātprāṇo jahāti

Gārgya sprach: „Der puruṣa, der hier – wenn einer geht – als Schall hinterher ertönt [Anm.: Das Bild vom 'Schall, der einem Gehenden nachfolgt' ist rätselhaft und dürfte das Echo bezeichnen; der genaue Bezug bleibt unsicher.] – ihn allein verehre ich als Brahman.“ Da sprach Ajātaśatru: „Rede mir hierüber nicht, nicht zu! Als den Lebenshauch (asu) – so verehre ich ihn.“ Wer ihn so verehrt, erreicht in dieser Welt die volle Lebenszeit; der Atem (prāṇa) verlässt ihn nicht vor der bestimmten Zeit.

sa hovāca gārgyoḥ ya evāyaṃ Chāyāmayaḥ puruṣa etamevāhaṃ brahmopāsa iti sa hovācājātaśatruḥ mā maitasmintsaṃvadiṣṭhā mṛtyuriti vā ahametamupāsa iti sa ya etamevamupāste sarvaṃ haivāsmiṃl loka āyureti nainaṃ purā kālānmṛtyurāgacChati

Gārgya sprach: „Der puruṣa, der aus Schatten besteht (chāyāmaya) – ihn allein verehre ich als Brahman.“ Da sprach Ajātaśatru: „Rede mir hierüber nicht, nicht zu! Als den Tod (mṛtyu) – so verehre ich ihn.“ Wer ihn so verehrt, erreicht in dieser Welt die volle Lebenszeit; der Tod kommt nicht vor der bestimmten Zeit zu ihm.

sa hovāca gārgyoḥ ya evāyamātmani puruṣo etamevāhaṃ brahmopāsa iti sa ha uvācājātaśatruḥ mā maitasmintsaṃvadiṣṭhā atmanvīti vā ahametamupāsa iti sa ya etamevamupāsta ātmanvī ha bhavati ātmanvinī hāsya prajā bhavati sa ha tūṣṇīmāsa gārgyaḥ

Gārgya sprach: „Der puruṣa, der hier im Selbst (ātman) ist – ihn allein verehre ich als Brahman.“ Da sprach Ajātaśatru: „Rede mir hierüber nicht, nicht zu! Als den Selbstbegabten (ātmanvin) – so verehre ich ihn.“ Wer ihn so verehrt, wird selbstbegabt, und selbstbegabt wird auch seine Nachkommenschaft.“ Da schwieg Gārgya.

sa hovācājātaśatruḥ etāvannv3 iti etāvaddhīti naitāvatā viditaṃ bhavatīti sa hovāca gārgyaḥ upa tvāyānīti

Da sprach Ajātaśatru: „Ist das schon alles?“ – „Das ist wahrlich alles.“ – „Damit allein ist es [das Brahman] noch nicht erkannt.“ Da sprach Gārgya: „So will ich zu dir kommen [d.h. mich dir als Schüler nähern].“

sa hovācājātaśatruḥ pratilomaṃ vai tadyadbrāhmaṇaḥ kṣatriyamupeyād brahma me vakṣyatīti vyeva tvā jñapayiṣyāmīti taṃ pāṇāvādāyottasthau tau ha puruṣaṃ suptamājagmatuḥ tametairnāmabhirāmantrayāṃ cakreḥ bṛhanpāṇḍaravāsaḥ soma rājanniti sa nottasthau taṃ pāṇināpeṣaṃ bodhayāṃ cakāra sa hottasthau

Da sprach Ajātaśatru: „Es ist wahrlich der natürlichen Ordnung entgegengesetzt (pratiloma), dass ein Brahmane sich einem Kṣatriya nähert in der Erwartung: ‚Er wird mir das Brahman verkünden.‘ Dennoch will ich es dich erkennen lassen.“ Er nahm ihn bei der Hand und stand auf. Die beiden gingen zu einem schlafenden Menschen. Sie redeten ihn mit diesen Namen an: „Großer, weißgekleideter König Soma!“ – er erhob sich nicht. Da weckte er ihn, indem er ihn mit der Hand stieß; da erhob er sich.

sa hovācājātaśatruḥ yatraiṣa etatsupto'bhūd ya eṣa vijñānamayaḥ puruṣaḥ kvaiṣa tadābhūt kuta etadāgāditi tadu ha na mene gārgyaḥ

Da sprach Ajātaśatru: „Als dieser Mensch da so eingeschlafen war – dieser puruṣa, der aus Erkenntnis besteht (vijñānamaya) –, wo war er da, und woher kam er dann zurück?“ Das wusste Gārgya nicht.

sa hovācājātaśatruḥ yatraiṣa etatsupto'bhūd ya eṣa vijñānamayaḥ puruṣaḥ tadeṣāṃ prāṇānāṃ vijñānena vijnānamādāya ya eṣo'ntarhṛdaya ākāśaḥ tasmiñcete

Da sprach Ajātaśatru: „Als dieser puruṣa, der aus Erkenntnis besteht, so eingeschlafen war, da ruht er, nachdem er mittels seiner eigenen Erkenntnis die Erkenntnis dieser Atem-Kräfte (prāṇas) in sich aufgenommen hat, in dem Raum (ākāśa), der innerhalb des Herzens ist.

tāni yadā gṛhṇāti atha haitatpuruṣaḥ svapiti nāma tadgṛhīta eva prāṇo bhavati gṛhītā vāg gṛhītaṃ cakṣuḥ gṛhītaṃ śrotraṃ gṛhītaṃ manaḥ

Wenn er diese Sinneskräfte ergriffen hat, dann heißt es von diesem Menschen, er „schlafe“. Dann ist der Atem ergriffen, ergriffen die Rede, ergriffen das Sehvermögen, ergriffen das Hörvermögen, ergriffen das Denken (manas).

sa yatraitatsvapnyayā carati te hāsya lokāḥ taduteva mahārājo bhavati uteva mahābrāhmaṇa utevoccāvacaṃ nigacChati

Wenn er sich dann im Traum bewegt, so sind das seine eigenen Welten. Da wird er gleichsam zu einem großen König, gleichsam zu einem großen Brahmanen, gleichsam gerät er in Hohes und Niedriges.

sa yathā mahārājo jānapadāngṛhītvā sve janapade yathākāmaṃ parivartetaivamevaiṣa etatprāṇāngṛhītvā sve śarīre yathākāmaṃ parivartate

Wie ein großer König, indem er die Leute seines Landes mit sich nimmt, in seinem eigenen Land nach Belieben umherzieht, so zieht dieser puruṣa, indem er diese Atem-Kräfte mit sich nimmt, in seinem eigenen Körper nach Belieben umher.

atha yadā suṣupto bhavati yadā na kasya cana veda hitā nāma nādyo dvāsaptatiḥ sahasrāṇi hṛdayātpurītatamabhipratiṣṭhante tābhiḥ pratyavasṛpya purītati śete

Wenn er dann in tiefen, traumlosen Schlaf (suṣupta) fällt, wenn er nichts von irgendetwas weiß, dann gleitet er, nachdem er durch die zweiundsiebzigtausend Adern (nāḍī) namens hitā, die vom Herzen zum purītat (der Herzhülle) hinstreben, herabgeglitten ist, in den purītat hinein und ruht dort.

sa yathā kumāro vā mahābrāhmaṇo vātighnīmānandasya gatvā śayītaivamevaiṣa etacChete

Wie ein Knabe oder ein großer Brahmane, der einen die Wonne (ānanda) noch übertreffenden Zustand erreicht hat, ruhen mag [Anm.: In der Standardfassung dieser bekannten Passage steht zwischen 'Knabe' und 'großer Brahmane' meist noch 'oder ein großer König' (mahārājo vā); dieses Glied fehlt in der vorliegenden Quelle, vermutlich durch einen alten Abschreibe- oder Digitalisierungssprung (Homoioteleuton: beide Glieder enden gleich lautend auf '...o vā mahā...'). 'vātighnīm' ist aufzulösen als 'vā atighnīm [avasthām]', 'einen die Wonne übertreffenden Zustand'.] – so ruht auch dieser (puruṣa) dort.

sa yathorṇavābhistantunoccared yathā agneḥ kṣudrā viṣphuliṅgā vyuccaranti evamevāsmādātmanaḥ sarve prāṇāḥ sarve lokāḥ sarve devāḥ sarvāṇi bhūtāni sarva eta ātmano vyuccaranti tasyopaniṣatsatyasya satyamitiḥ prāṇā vai satyaṃ teṣāmeṣa satyam

Wie eine Spinne an ihrem Faden hervorkommt (emporsteigt), wie von einem Feuer kleine Funken aufsteigen, so steigen aus diesem Selbst (ātman) alle Atem-Kräfte (prāṇas), alle Welten, alle Götter, alle Wesen auf – sie alle steigen aus diesem Selbst auf. Seine geheime Lehre (upaniṣad) lautet: „die Wahrheit der Wahrheit“ (satyasya satyam). Die Atem-Kräfte sind die Wahrheit, und er, das Selbst, ist ihre Wahrheit.

yo ha vai śiśuṃ sādhānaṃ sapratyādhānaṃ sasthūṇaṃ sadāmaṃ veda sapta ha dviṣato bhrātṛvyānavaruṇaddhi

Wer das Kind (śiśu) kennt zusammen mit seinem Pflock (ādhāna), seinem Gegenpflock (pratyādhāna), seinem Pfosten (sthūṇā) und seinem Band (dāman) – der wehrt sieben hassende Rivalen (bhrātṛvya) ab [Anm.: 'śiśu' ('Kind') steht hier vermutlich rätselhaft für den Kopf – in der Kāṇva-Rezension findet sich an entsprechender Stelle 'śiras' ('Kopf'), ein bekannter Wortunterschied zwischen den Rezensionen.].

ayaṃ vāva śiśuryo'yaṃ madhyamaḥ prāṇas tasyedamevādhānam idaṃ pratyādhānaṃ prāṇaḥ sthūṇānnaṃ dāma

Dieses Kind ist eben dies hier, nämlich der mittlere Atem (madhyama-prāṇa). Sein Pflock ist eben dies hier, sein Gegenpflock ist dies hier; der Atem ist der Pfosten, die Speise das Band [Anm.: Die Bezüge der Demonstrativpronomen ('dies') bleiben ohne weiteren Kontext (etwa begleitende Gesten des Lehrers) unklar – typisch für den rätselhaften (brahmodya-artigen) Stil dieser Passage.].

tametāḥ saptākṣitaya upatiṣṭhanteḥ

Ihm stehen diese sieben Akṣitis bei [Anm.: Die Bedeutung von 'akṣitayaḥ' ist unsicher. Möglich ist ein Bezug zu 'akṣi' ('Auge') – dann wären die sieben Öffnungen des Kopfes gemeint (zwei Augen, zwei Ohren, zwei Nasenlöcher, Mund), passend zum Fortgang in Kaṇḍikā 4 (über das Auge); möglich ist auch die wörtliche Bedeutung 'die Unvergänglichen' (von a-kṣiti).].

tadyā imā akṣaṃl lohinyo rājayaḥ tābhirenaṃ Rudro'nvāyatto atha yā akṣannāpaḥ tābhiḥ parjanyo yā kanīnakā tayādityo yacChuklaṃ tenāgniḥ yackṛṣṇaṃ tenendro adharayainaṃ vartanyā pṛthivyanvāyattā dyauruttarayā nāsyānnaṃ kṣīyate ya evaṃ veda

Was nun im Auge (akṣan) die roten Linien, die Adern, sind – durch sie ist Rudra mit ihm verbunden. Was im Auge die Feuchtigkeit ist – durch die ist Parjanya verbunden. Was die Pupille (kanīnakā) ist – durch sie Āditya, die Sonne. Was weiß ist – durch das Agni, das Feuer. Was schwarz ist – durch das Indra. Durch den unteren Lidrand ist die Erde mit ihm verbunden, durch den oberen der Himmel. Wer dies weiß, dessen Speise nimmt nicht ab.

tadeṣa śloko bhavati arvāgbilaścamasa ūrdhvabudhnas tasminyaśo nihitaṃ viśvarūpam tasyāsata ṛṣayaḥ sapta tīre vāgaṣṭamī brahmaṇā saṃvidāneti

Dazu gibt es diesen Vers: „Nach unten geöffnet, mit dem Boden nach oben ist der Becher (camasa); in ihm ist der Glanz niedergelegt, vielgestaltig (viśvarūpa). An seinem Rand sitzen sieben Ṛṣis; die Rede, als achte, ist mit dem Brahman vereint.“

arvāgbilaścamasa ūrdhvabudhna itīdaṃ tacCharīra eṣa hyarvāgbilaścamasa ūrdhvabudhnaḥ tasminyaśo nihitaṃ viśvarūpamiti prāṇā vai yaśo nihitaṃ viśvarūpaṃ prāṇānetadāha tasyāsata ṛṣayaḥ sapta tīra iti prāṇā vā ṛṣayaḥ prāṇāṇetadāha vāgaṣṭamī brahmaṇā saṃvidāneti vāgghyaṣṭamī brahmaṇā saṃvitte

„Nach unten geöffnet, mit dem Boden nach oben ist der Becher“ – damit ist dieser Körper (śarīra) gemeint; denn dieser Körper ist ja nach unten geöffnet und hat seinen Boden nach oben. „In ihm ist der Glanz niedergelegt, vielgestaltig“ – das sind die Atem-Kräfte (prāṇas); damit sind die Atem-Kräfte gemeint. „An seinem Rand sitzen sieben Ṛṣis“ – die Atem-Kräfte sind die Ṛṣis; damit sind die Atem-Kräfte gemeint. „Die Rede, als achte, ist mit dem Brahman vereint“ – denn die Rede ist ja als achte mit dem Brahman vereint.

imāveva gotamabharadvājāu ayameva gotamo ayaṃ bharadvāja imāveva viśvāmitrajamadagnīrayameva viśvāmitro ayaṃ jamadagniḥ imāveva vasiṣṭhakaśyapāu ayameva vasiṣṭho ayaṃ kaśyapo vāgevātriḥ vācā hyannamadyate attirha vai nāmaitadyadatririti sarvasyāttā bhavati sarvamasyānnaṃ bhavati ya evaṃ veda

Diese beiden (Ohren) sind eben Gotama und Bharadvāja: dieses eine ist Gotama, dieses andere ist Bharadvāja. Diese beiden (Augen) sind eben Viśvāmitra und Jamadagni: dieses ist Viśvāmitra, dieses ist Jamadagni. Diese beiden (Nasenlöcher) sind eben Vasiṣṭha und Kaśyapa: dieses ist Vasiṣṭha, dieses ist Kaśyapa. Die Rede allein ist Atri, denn durch die Rede wird die Speise gegessen, verzehrt; „Attṛ“ (der Verzehrer) ist wahrlich der Name, aus dem „Atri“ entstanden ist. Wer dies weiß, wird zum Verzehrer von allem, und alles wird ihm zur Speise. [Anm.: Die Zuordnung zu Ohren, Augen und Nasenlöchern folgt der traditionellen Deutung dieser Stelle (paarige Sinnesorgane; die Rede als einziges unpaares Organ = Atri); die Ableitung 'Atri' von 'attṛ' ist volksetymologisch, nicht sprachhistorisch korrekt.]

dve vāva brahmaṇo rūpeḥ mūrtaṃ caivāmūrtaṃ ca martyaṃ cāmṛtaṃ ca sthitaṃ ca yacca sacca tyaṃ ca

Zwei sind wahrlich die Formen (rūpa) des Brahman: die geformte (mūrta) und die ungeformte (amūrta), die sterbliche (martya) und die unsterbliche (amṛta), das Feste, Ruhende (sthita) und das, was sich regt (yat) [Anm.: 'yat' steht hier elliptisch für 'yad ejati', 'was sich bewegt' – ein drittes Begriffspaar (ruhend/bewegt) neben mūrta/amūrta, martya/amṛta und sat/tyat.], das Seiende (sat) und das Jenseitige (tyat).

tadetanmūrtaṃ yadanyadvāyoścāntarikṣāccaitanmartyam etatsthitam etatsat

Dies nun ist das Geformte: alles, was anders ist als Wind und Raum (antarikṣa) – dies ist das Sterbliche, dies ist das Feste, dies ist das Seiende.

tasyaitasya mūrtasyaitasya martyasyaitasya sthitasyaitasya sata eṣa raso ya eṣa tapati sato hyeṣa rasaḥ

Von diesem Geformten, diesem Sterblichen, diesem Festen, diesem Seienden ist dies der Extrakt (rasa): nämlich das, was da glüht und scheint – die Sonne –, denn dies ist der Extrakt des Seienden.

athāmūrtaṃ vāyuścāntarikṣaścaitadamṛtam etadyadetattyam

Nun das Ungeformte: Wind und Raum – dies ist das Unsterbliche, dies ist das, was „jenes“ (tyat) ist.

tasyaitasyāmūrtasya tasyāmṛtasyaitasya yata etasya tyasyaiṣa raso ya eṣa etasminmaṇḍale puruṣas tyasya hyeṣa rasa ityadhidevatam

Von diesem Ungeformten, diesem Unsterblichen, diesem Jenseitigen ist dies der Extrakt: nämlich der puruṣa, der in jener Scheibe (maṇḍala, der Sonnenscheibe) ist – denn dies ist der Extrakt des Jenseitigen. So in Bezug auf die Gottheiten (adhidevatam).

athādhyātmam idameva mūrtaṃ yadanyatprāṇācca yaścāyamantarātmannākāśaḥ etanmartyam etatsthitam etatsat

Nun in Bezug auf das Selbst (adhyātman): Dies eben ist das Geformte – alles, was anders ist als der Atem (prāṇa) und als dieser Raum (ākāśa), der im inneren Selbst (antarātman) ist – dies ist das Sterbliche, dies ist das Feste, dies ist das Seiende.

tasyaitasya mūrtasya etasya martyasyaitasya sthitasyaitasya sata eṣa raso yaccakṣuḥ sata hyeṣa rasaḥ

Von diesem Geformten, diesem Sterblichen, diesem Festen, diesem Seienden ist dies der Extrakt: nämlich das Auge (cakṣus) – denn dies ist der Extrakt des Seienden.

athāmūrtam prāṇaśca yaścāyamantarātmannākāśa etadamṛtam etadyad etattyam

Nun das Ungeformte: der Atem und dieser Raum, der im inneren Selbst ist – dies ist das Unsterbliche, dies ist das, was „jenes“ ist.

tasyaitasyāmūrtasyaitasyāmṛtasyaitasya yata etasya tyasyaiṣa raso yo'yaṃ dakṣiṇe'kṣanpuruṣas tyasya hyeṣa rasaḥ

Von diesem Ungeformten, diesem Unsterblichen, diesem Jenseitigen ist dies der Extrakt: nämlich der puruṣa, der hier im rechten Auge ist – denn dies ist der Extrakt des Jenseitigen.

tasya haitasya puruṣasya rūpaṃ yathā māhārajanaṃ vāso yathā pāṇḍvāvikaṃ yathendragopo yathāgnyarciḥ yathā puṇḍarīkaṃ yathā sakṛdvidyuttaṃ sakṛdvidyutteva ha vā asya śrīrbhavati ya evaṃ veda

Die Gestalt dieses puruṣa ist wie ein mit Mahārajana (einem safrangelben Färbemittel) gefärbtes Gewand, wie weiße Wolle (pāṇḍu-avika), wie das Indragopa-Insekt (ein leuchtend rotes Insekt), wie die Flamme des Feuers, wie eine weiße Lotusblüte (puṇḍarīka), wie ein plötzlicher Blitz. Wie ein plötzlicher Blitz ist wahrlich seine Schönheit, seine Herrlichkeit (śrī), für den, der dies weiß.

athāta ādeśaḥ neti neti na hyetasmāditi netyanyatparamasti atha nāmadheyaṃ satyasya satyamitiḥ prāṇā vai satyaṃ teṣāmeṣa satyam

Nun also die Belehrung (ādeśa): „Nicht so, nicht so“ (neti neti). Denn es gibt nichts anderes, nichts Höheres, jenseits davon, jenseits dieses „Nicht so“. Sein Name aber ist: „die Wahrheit der Wahrheit“ (satyasya satyam). Die Atem-Kräfte sind die Wahrheit, und er, das Selbst, ist ihre Wahrheit.

maitreyīti hovāca yājñavalkya udyāsyanvā are'hamasmātsthānādasmi hanta te'nayā kātyāyanyāntaṃ karavāṇīti

„Maitreyī!“, sprach Yājñavalkya, „ich werde nun von diesem Hausstand fortgehen. Wohlan, ich will zwischen dir und dieser Kātyāyanī eine Teilung [meines Besitzes] vornehmen.“ [Anm.: „antaṃ karavāṇi“ heißt wörtlich „ein Ende machen“; hier im Sinn von „eine Teilung/Aufteilung des Vermögens zwischen den beiden Frauen vornehmen“ – die gängige Deutung der Stelle.]

sā hovāca maitreyīḥ yanma iyaṃ bhagoḥ sarvā pṛthivī vittena pūrṇā syāt kathaṃ tenāmṛtā syāmiti neti hovāca yājñavalkyo yathaivopakaraṇavatāṃ jīvitaṃ tathaiva te jīvitaṃ syād amṛtatvasya tu nāśāsti vitteneti

Da sprach Maitreyī: „Wenn mir, Herr, diese ganze Erde voller Reichtum gehörte – würde ich dadurch unsterblich sein?“ – „Nein“, sprach Yājñavalkya, „wie das Leben derer ist, die reich mit Mitteln ausgestattet sind, so würde auch dein Leben sein; doch auf Unsterblichkeit durch Reichtum darf man nicht hoffen.“

sā hovāca maitreyīḥ yenāhaṃ nāmṛtā syāṃ kimahaṃ tena kuryām yadeva bhagavānveda tadeva me brūhīti

Da sprach Maitreyī: „Was sollte ich mit dem anfangen, wodurch ich nicht unsterblich würde? Was du, Herr, weißt – eben das sage mir!“

sa hovāca yājñavalkyaḥ priyā vatāre naḥ satī priyaṃ bhāṣasa ehi āsva vyākhyāsyāmi te vyācakṣāṇasya tu me nididhyāsasveti bravitu bhagavāniti

Da sprach Yājñavalkya: „Wahrlich, du bist uns lieb, und Liebes ist es, was du sprichst. Komm, setz dich her, ich will es dir erklären; und während ich es erkläre, sinne du darüber nach.“ – „So spreche der Herr“, [erwiderte sie]. [Anm.: Der Schlussteil „bravitu bhagavān“ (,so spreche der Herr') liest sich wie eine kurze Erwiderung Maitreyīs, ist im überlieferten Text aber nicht durch ein eigenes „sā hovāca“ als ihre Rede gekennzeichnet.]

sa hovāca yājñavalkyo na vā are patyuḥ kāmāya patiḥ priyo bhavati ātmanastu kāmāya patiḥ priyo bhavati na vā are jāyāyai kāmāya jāyā priyā bhavati ātmanastu kāmāya jāyā priyā bhavati na vā are putrāṇāṃ kāmāya putrāḥ priyā bhavanti ātmanastu kāmāya putrāḥ priyā bhavanti na vā are vittasya kāmāya vittaṃ priyaṃ bhavati ātmanastu kāmāya vittaṃ priyaṃ bhavati na vā are brahmaṇaḥ kāmāya brahma priyaṃ bhavati ātmanastu kāmāya brahma priyaṃ bhavati na vā are kṣatrasya kāmāya kṣatraṃ priyaṃ bhavati ātmanastu kāmāya kṣatraṃ priyaṃ bhavati na vā are lokānāṃ kāmāya lokāḥ priyā bhavanti ātmanastu kāmāya lokāḥ priyā bhavanti na vā are devānāṃ kāmāya devāḥ priyā bhavanti ātmanastu kāmāya devāḥ priyā bhavanti na vā are bhūtānāṃ kāmāya bhūtāni priyāṇi bhavanti ātmanastu kāmāya bhūtāni priyāṇi bhavanti na vā are sarvasya kāmāya sarvaṃ priyaṃ bhavati ātmanastu kāmāya sarvaṃ priyaṃ bhavati ātmā vā are draṣṭavyaḥ śrotavyo mantavyo nididhyāsitavyo maitreyi ātmano vā are darśanena śravaṇena matyā vijñānenedaṃ sarvaṃ viditam

Da sprach Yājñavalkya: „Wahrlich, nicht um des Gatten willen ist der Gatte lieb, sondern um des Selbst (ātman) willen ist der Gatte lieb. Nicht um der Gattin willen ist die Gattin lieb, sondern um des Selbst willen ist die Gattin lieb. Nicht um der Söhne willen sind die Söhne lieb, sondern um des Selbst willen sind die Söhne lieb. Nicht um des Reichtums willen ist der Reichtum lieb, sondern um des Selbst willen ist der Reichtum lieb. Nicht um des Brahman willen ist das Brahman lieb, sondern um des Selbst willen ist das Brahman lieb. Nicht um der Kriegerschaft (kṣatra) willen ist die Kriegerschaft lieb, sondern um des Selbst willen ist die Kriegerschaft lieb. Nicht um der Welten willen sind die Welten lieb, sondern um des Selbst willen sind die Welten lieb. Nicht um der Götter willen sind die Götter lieb, sondern um des Selbst willen sind die Götter lieb. Nicht um der Wesen willen sind die Wesen lieb, sondern um des Selbst willen sind die Wesen lieb. Nicht um des Ganzen willen ist das Ganze lieb, sondern um des Selbst willen ist das Ganze lieb. Das Selbst, o Maitreyī, ist es, das man schauen, das man hören, über das man nachsinnen und das man meditierend erfassen soll. Wahrlich, durch das Schauen, Hören, Bedenken und Erkennen des Selbst ist dieses Ganze erkannt.“

brahma taṃ parādādyo'nyatrātmano brahma veda kṣatraṃ taṃ parādādyo'nyatrātmanaḥ kṣatraṃ veda lokāstaṃ parāduryo'nyatrātmano lokānveda devāstaṃ parāduryo'nyatrātmano devānveda bhūtāni taṃ parāduryo'nyatrātmano bhūtāni veda sarvaṃ taṃ parādādyo'nyatrātmanaḥ sarvaṃ vededaṃ brahmedaṃ kṣatram ime lokā ime devā imāni bhūtānīdaṃ sarvaṃ yadayamātmā

Das Brahman verlässt den, der das Brahman anderswo als im Selbst kennt. Die Kriegerschaft verlässt den, der die Kriegerschaft anderswo als im Selbst kennt. Die Welten verlassen den, der die Welten anderswo als im Selbst kennt. Die Götter verlassen den, der die Götter anderswo als im Selbst kennt. Die Wesen verlassen den, der die Wesen anderswo als im Selbst kennt. Das Ganze verlässt den, der das Ganze anderswo als im Selbst kennt. Dieses Brahman, diese Kriegerschaft, diese Welten, diese Götter, diese Wesen, dieses Ganze – all dies ist eben dieses Selbst.

sa yathā dundubherhanyamānasya na bāhyāñcabdāñChaknuyādgrahaṇāya dundubhes tu grahaṇena dundubhyāghātasya vā śabdo gṛhītaḥ

Wie man bei einer geschlagenen Pauke die einzelnen Klänge von außen nicht erfassen könnte, durch das Erfassen der Pauke aber – oder des Paukenschlags – der Klang [zugleich] erfasst ist,

yathā vīṇāyai vādyamānāyai na bāhyāñcabdāñChaknuyādgrahaṇāya vīṇāyai tu grahaṇena vīṇāvādasya vā śabdo grhītaḥ

wie man bei einer gespielten Laute die einzelnen Klänge von außen nicht erfassen könnte, durch das Erfassen der Laute aber – oder des Lautenspiels – der Klang [zugleich] erfasst ist,

sa yathā śaṅkhasya dhmāyamānasya na bāhyāñcabdāñcaknuyādgrahaṇāya śaṅkhasya tu grahaṇena śaṅkhadhmasya vā śabdo gṛhītaḥ

wie man bei einem geblasenen Muschelhorn die einzelnen Klänge von außen nicht erfassen könnte, durch das Erfassen des Muschelhorns aber – oder des Muschelhornblasens – der Klang [zugleich] erfasst ist –

sa yathārdraidhāgnerabhyāhitasya pṛthagdhūmā viniścaranti eva vā are'sya mahato bhūtasya niśvasitam etadyadṛgvedo yajurvedaḥ sāmavedo'tharvāṅgirasa itihāsaḥ purāṇaṃ vidyā upaniṣadaḥ ślokāḥ sūtrāṇyanuvyākhyānāni vyākhyānani asyaivaitāni sarvāṇi niśvasitāni

so wie aus feuchtem, aufs Feuer gelegtem Brennholz einzelne Rauchwolken hervorquellen, so sind dies, o Freundin, wahrlich die Ausatmungen dieses großen Wesens: der Ṛgveda, der Yajurveda, der Sāmaveda, der Atharvāṅgirasa, die Geschichtsüberlieferung (Itihāsa), die Alten Erzählungen (Purāṇa), das Wissen (Vidyā), die Upaniṣaden, die Sprüche (Ślokas), die Leitfäden (Sūtras), die Erläuterungen (Anuvyākhyānas) und die Erklärungen (Vyākhyānas) – dies alles sind Ausatmungen eben dieses großen Wesens.

sa yathā sarvāsāmapāṃ samudra ekāyanam evaṃ sarveṣāṃ sparśānāṃ tvagekāyanam evaṃ sarveṣāṃ gandhānāṃ nāsike ekāyanam evaṃ sarveṣāṃ rasānāṃ jihvaikāyanam evaṃ sarveṣāṃ rūpāṇāṃ cakṣurekāyanam evaṃ sarveṣaṃ śabdānāṃ śrotramekāyanam evaṃ sarveṣāṃ saṅkalpānāṃ mana ekāyanam evaṃ sarveṣāṃ vedānāṃ vāgekāyanam evaṃ sarveṣāṃ karmaṇāṃ hastāvekāyanam evaṃ sarveṣāmadhvanāṃ pādāvekāyanam evaṃ sarveṣāmānandānāmupastha ekāyanam evaṃ sarveṣāṃ visargāṇāṃ pāyurekāyanam evaṃ sarvāsāṃ vidyānāṃ hṛdayamekāyanam

Wie das Meer der einzige Zufluchtsort (ekāyana) aller Wasser ist, so ist die Haut der einzige Zufluchtsort aller Tastempfindungen; so ist die Nase der einzige Zufluchtsort aller Gerüche; so ist die Zunge der einzige Zufluchtsort aller Geschmäcke; so ist das Auge der einzige Zufluchtsort aller Formen; so ist das Ohr der einzige Zufluchtsort aller Töne; so ist der Geist (manas) der einzige Zufluchtsort aller Entschlüsse (saṅkalpas); so ist die Sprache der einzige Zufluchtsort aller Veden; so sind die Hände der einzige Zufluchtsort aller Werke; so sind die Füße der einzige Zufluchtsort aller Wege; so ist das Zeugungsorgan der einzige Zufluchtsort aller Wonnen; so ist der After der einzige Zufluchtsort aller Ausscheidungen; so ist das Herz der einzige Zufluchtsort alles Wissens.

sa yathā saindhavakhilya udake prāsta udakamevānuvilīyeta nāhāsyodgrahaṇāyaiva syād yato-yatastvādadīta lavaṇamevaivaṃ vā ara idaṃ mahadbhūtamanantamapāraṃ vijñānaghana evaitebhyo bhūtebhyaḥ samutthāya tānyevānuvinaśyati na pretya sañjñāstītyare bravīmīti hovāca yājñavalkyaḥ

Wie sich ein Klumpen Steinsalz, ins Wasser geworfen, eben im Wasser auflöst und man ihn nicht mehr herausgreifen könnte, von welcher Stelle man auch schöpfte – es schmeckt überall salzig –, ebenso ist, o Freundin, dieses große, grenzenlose, uferlose Wesen ein einziger Erkenntnisballen (vijñānaghana): Aus eben diesen Elementen tritt es hervor und geht mit ihnen wieder unter. Nach dem Hinscheiden gibt es kein [gesondertes] Bewusstsein mehr – das sage ich dir, o Freundin.“ So sprach Yājñavalkya. [Anm.: Der Satz „na pretya sañjñāsti“ (,nach dem Tod gibt es kein gesondertes Bewusstsein/keine Wahrnehmung mehr') ist eine der berühmtesten und umstrittensten Aussagen der Upaniṣad; Yājñavalkya stellt in 4.13–16 klar, dass damit nicht Auslöschung gemeint ist, sondern das Fehlen der für getrennte Wahrnehmung nötigen Subjekt-Objekt-Zweiheit im erlösten Zustand.]

sā hovāca maitreyi atraiva mā bhagavānamūmuhad na pretya sañjñāstīti

Da sprach Maitreyī: „Hierin, o Herr, hast du mich wahrlich verwirrt, wenn du sagst: ‚Nach dem Hinscheiden gibt es kein [gesondertes] Bewusstsein mehr.‘“

sa hovāca yājñavalkyo na vā are'haṃ mohaṃ bravīmi alaṃ vā ara idaṃ vijñānāya

Da sprach Yājñavalkya: „Wahrlich, o Freundin, ich spreche nichts Verwirrendes; dies genügt wahrlich zum rechten Verständnis.

yatra hi dvaitamiva bhavati taditara itaraṃ jighrati taditara itaraṃ paśyati taditara itaraṃ śṛṇoti taditara itaramabhivadati taditara itaraṃ manute taditara itaraṃ vijānāti

Denn wo gleichsam eine Zweiheit besteht, da riecht der eine den anderen, da sieht der eine den anderen, da hört der eine den anderen, da redet der eine zum anderen, da denkt der eine an den anderen, da erkennt der eine den anderen.

yatra tvasya sarvamātmaivābhūt tatkena kaṃ paśyet tatkena kaṃ jighret tatkena kaṃ śṛṇuyāt tatkena kamabhivadet tatkena kaṃ manvīta tatkena kaṃ vijānīyād yenedaṃ sarvaṃ vijānāti taṃ kena vijānīyād vijñātāramare kena vijānīyāditi

Wo aber für ihn alles zum eigenen Selbst geworden ist – wodurch und wen sollte er da sehen? Wodurch und wen sollte er da riechen? Wodurch und wen sollte er da hören? Wodurch und zu wem sollte er da reden? Wodurch und an wen sollte er da denken? Wodurch und wen sollte er da erkennen? Wodurch sollte man den erkennen, durch den man dieses Ganze erkennt? Wodurch, o Freundin, sollte man den Erkennenden erkennen?“ [Anm.: Berühmter Schlusssatz der Lehre (vijñātāram are kena vijānīyāt) – die rhetorische Unmöglichkeit, das erkennende Subjekt selbst zum Objekt der Erkenntnis zu machen, beendet das erste Lehrgespräch mit Maitreyī.]

iyaṃ pṛthivī sarveṣāṃ bhūtānāṃ madhu asyai pṛthivyai sarvāṇi bhūtāni madhu yaścāyamasyāṃ pṛthivyāṃ tejomayo'mṛtamayaḥ puruṣo yascāyamadhyātmaṃ śārīrastejomayo'mṛtamayaḥ puruṣo ayameva sa yo'yamātmedamamṛtam idaṃ brahma idaṃ sarvam

Diese Erde ist Honig für alle Wesen, und alle Wesen sind Honig für diese Erde. Und das leuchtende, unsterbliche Wesen (puruṣa), das in dieser Erde ist, und das leuchtende, unsterbliche Wesen, das im eigenen Leib (adhyātma) den Körper ausmacht – eben dieses ist jenes, das dieses Selbst (ātman) ist: Dies ist das Unsterbliche, dies ist Brahman, dies ist das Ganze.

imā āpaḥ sarveṣāṃ bhūtānāṃ madhu āsāmapāṃ sarvāṇi bhūtāni madhu yaścāyamāsvapsu tejomayo'mṛtamayaḥ puruṣo yaścāyamadhyātmaṃ raitasastejomayo'mṛtamayaḥ puruṣo ayameva sa yo'yamātmedamamṛtam idaṃ brahma idaṃ sarvam

Dieses Wasser ist Honig für alle Wesen, und alle Wesen sind Honig für dieses Wasser. Und das leuchtende, unsterbliche Wesen (puruṣa), das in diesem Wasser ist, und das leuchtende, unsterbliche Wesen, das im eigenen Leib (adhyātma) aus dem Samen (retas) besteht – eben dieses ist jenes, das dieses Selbst (ātman) ist: Dies ist das Unsterbliche, dies ist Brahman, dies ist das Ganze. [Anm.: „raitasa“ (von retas, ,Same') bezeichnet das im Samen wirksame Lebensprinzip als leibliches Gegenstück zum kosmischen Wasser.]

ayamagniḥ sarveṣāṃ bhūtānāṃ madhu asyāgneḥ sarvāṇi bhūtāni madhu yaścāyamasminnagnau tejomayo'mṛtamayaḥ puruṣo yaścāyamadhyātmaṃ vāṅmayastejomayo'mṛtamayaḥ puruṣo ayameva sa yo'yamātmedamamṛtam idaṃ brahma idaṃ sarvam

Dieses Feuer ist Honig für alle Wesen, und alle Wesen sind Honig für dieses Feuer. Und das leuchtende, unsterbliche Wesen (puruṣa), das in diesem Feuer ist, und das leuchtende, unsterbliche Wesen, das im eigenen Leib (adhyātma) aus der Sprache besteht – eben dieses ist jenes, das dieses Selbst (ātman) ist: Dies ist das Unsterbliche, dies ist Brahman, dies ist das Ganze.

ayamākāśaḥ sarveṣāṃ bhūtānāṃ madhu asyākāśasya sarvāṇi bhūtāni madhu yaścāyamasminnākāśe tejomayo'mṛtamayaḥ puruṣo yaścāyamadhyātmaṃ hṛdyākāśastejomayo'mṛtamayaḥ puruṣo ayameva sa yo'yamātmedamamṛtam idaṃ brahmedaṃ sarvam

Dieser Raum (ākāśa) ist Honig für alle Wesen, und alle Wesen sind Honig für diesen Raum. Und das leuchtende, unsterbliche Wesen (puruṣa), das in diesem Raum ist, und das leuchtende, unsterbliche Wesen, das im eigenen Leib (adhyātma) der Raum im Herzen ist – eben dieses ist jenes, das dieses Selbst (ātman) ist: Dies ist das Unsterbliche, dies ist Brahman, dies ist das Ganze.

ayaṃ vāyuḥ sarveṣāṃ bhūtānāṃ madhu asya vāyoḥ sarvāṇi bhūtāni madhu yaścāyamasminvāyau tejomayo'mṛtamayaḥ puruṣo yaścāyamadhyātmaṃ prāṇastejomayo'mṛtamayaḥ puruṣo ayameva sa yo'yamātmedaṃ amṛtam idaṃ brahmedaṃ sarvam

Dieser Wind ist Honig für alle Wesen, und alle Wesen sind Honig für diesen Wind. Und das leuchtende, unsterbliche Wesen (puruṣa), das in diesem Wind ist, und das leuchtende, unsterbliche Wesen, das im eigenen Leib (adhyātma) der Lebensatem (prāṇa) ist – eben dieses ist jenes, das dieses Selbst (ātman) ist: Dies ist das Unsterbliche, dies ist Brahman, dies ist das Ganze.

ayamādityaḥ sarveṣāṃ bhūtānāṃ madhu asyādityasya sarvāṇi bhūtāni madhu yaścāyamasminnāditye tejomayo'mṛtamayaḥ puruṣo yaścāyamadhyātmaṃ cākṣuṣastejomayo'mṛtamayaḥ puruṣo ayameva sa yo'yamātmedamamṛtam idaṃ brahmedaṃ sarvam

Diese Sonne ist Honig für alle Wesen, und alle Wesen sind Honig für diese Sonne. Und das leuchtende, unsterbliche Wesen (puruṣa), das in dieser Sonne ist, und das leuchtende, unsterbliche Wesen, das im eigenen Leib (adhyātma) mit dem Sehvermögen (dem Auge) zusammenhängt – eben dieses ist jenes, das dieses Selbst (ātman) ist: Dies ist das Unsterbliche, dies ist Brahman, dies ist das Ganze.

ayaṃ candraḥ sarveṣāṃ bhūtānāṃ madhu asya candrasya sarvāṇi bhūtāni madhu yaścāyamasmincandre tejomayo'mṛtamayaḥ puruṣo yaścāyamadhyātmaṃ mānasastejomayo'mṛtamayaḥ puruṣo ayameva sa yo'yamātmedamamṛtam idaṃ brahmedaṃ sarvam

Dieser Mond ist Honig für alle Wesen, und alle Wesen sind Honig für diesen Mond. Und das leuchtende, unsterbliche Wesen (puruṣa), das in diesem Mond ist, und das leuchtende, unsterbliche Wesen, das im eigenen Leib (adhyātma) mit dem Denken (manas) zusammenhängt – eben dieses ist jenes, das dieses Selbst (ātman) ist: Dies ist das Unsterbliche, dies ist Brahman, dies ist das Ganze.

imā diśaḥ sarveṣāṃ bhūtānāṃ madhu āsāṃ diśāṃ sarvāṇi bhūtāni madhu yaścāyamāsu dikṣu tejomayo'mṛtamayaḥ puruṣo yaścāyamadhyātmaṃ śrautraḥ prātiśrutkastejomayo'mṛtamayaḥ puruṣo ayameva sa yo'yamātmedamamṛtam idaṃ brahmedaṃ sarvam

Diese Himmelsrichtungen sind Honig für alle Wesen, und alle Wesen sind Honig für diese Himmelsrichtungen. Und das leuchtende, unsterbliche Wesen (puruṣa), das in diesen Himmelsrichtungen ist, und das leuchtende, unsterbliche Wesen, das im eigenen Leib (adhyātma) das Gehör und der [in ihm vernommene] Widerhall ist – eben dieses ist jenes, das dieses Selbst (ātman) ist: Dies ist das Unsterbliche, dies ist Brahman, dies ist das Ganze.

iyaṃ vidyutsarveṣāṃ bhūtānaṃ madhu asyai vidyutaḥ sarvāṇi bhūtāni madhu yaścāyamasyāṃ vidyuti tejomayo'mṛtamayaḥ puruṣo yaścāyamadhyātmaṃ taijasastejomayo'mṛtamayaḥ puruṣo ayameva sa yo'yamātmedamamṛtam idaṃ brahmedaṃ sarvam

Dieser Blitz ist Honig für alle Wesen, und alle Wesen sind Honig für diesen Blitz. Und das leuchtende, unsterbliche Wesen (puruṣa), das in diesem Blitz ist, und das leuchtende, unsterbliche Wesen, das im eigenen Leib (adhyātma) aus Glanz (tejas) besteht – eben dieses ist jenes, das dieses Selbst (ātman) ist: Dies ist das Unsterbliche, dies ist Brahman, dies ist das Ganze.

ayaṃ stanayitnuḥ sarveṣāṃ bhutānāṃ madhu asya stanayitnoḥ sarvāṇi bhūtāni madhu yaścāyamasmintstanayitnau tejomayo'mṛtamayaḥ puruṣo yaścāyamadhyātmaṃ śābdaḥ sauvarastejomayo'mṛtamayaḥ puruṣo ayameva sa yo'yamātmedamamṛtam idaṃ brahmedaṃ sarvam

Dieser Donner ist Honig für alle Wesen, und alle Wesen sind Honig für diesen Donner. Und das leuchtende, unsterbliche Wesen (puruṣa), das in diesem Donner ist, und das leuchtende, unsterbliche Wesen, das im eigenen Leib (adhyātma) aus Laut und Stimme besteht – eben dieses ist jenes, das dieses Selbst (ātman) ist: Dies ist das Unsterbliche, dies ist Brahman, dies ist das Ganze.

ayaṃ dharmaḥ sarveṣāṃ bhūtānāṃ madhu asya dharmasya sarvāṇi bhūtāni madhu yaścāyamasmindharme tejomayo'mṛtamayaḥ puruṣo yaścāyamadhyātmaṃ dhārmastejomayo'mṛtamayaḥ puruṣo ayameva sa yo'yamātmedamamṛtam idaṃ brahmedaṃ sarvam

Dieses Recht (dharma) ist Honig für alle Wesen, und alle Wesen sind Honig für dieses Recht. Und das leuchtende, unsterbliche Wesen (puruṣa), das in diesem Recht ist, und das leuchtende, unsterbliche Wesen, das im eigenen Leib (adhyātma) mit dem Recht zusammenhängt – eben dieses ist jenes, das dieses Selbst (ātman) ist: Dies ist das Unsterbliche, dies ist Brahman, dies ist das Ganze.

idaṃ satyaṃ sarveṣāṃ bhūtānāṃ madhu asya satyasya sarvāṇi bhūtāni madhu yaścāyamasmintsatye tejomayo'mṛtamayaḥ puruṣo yaścāyamadhyātmaṃ sātyastejomayo'mṛtamayaḥ puruṣo ayameva sa yo'yamātmedamamṛtam idaṃ brahmedaṃ sarvam

Diese Wahrheit (satya) ist Honig für alle Wesen, und alle Wesen sind Honig für diese Wahrheit. Und das leuchtende, unsterbliche Wesen (puruṣa), das in dieser Wahrheit ist, und das leuchtende, unsterbliche Wesen, das im eigenen Leib (adhyātma) mit der Wahrheit zusammenhängt – eben dieses ist jenes, das dieses Selbst (ātman) ist: Dies ist das Unsterbliche, dies ist Brahman, dies ist das Ganze.

idaṃ mānuṣaṃ sarveṣāṃ bhūtānāṃ madhu asya mānuṣasya sarvāṇi bhūtāni madhu yaścāyamasminmānuṣe tejomayo'mṛtamayaḥ puruṣo yaścāyamadhyātmaṃ mānuṣastejomayo'mṛtamayaḥ puruṣo ayameva sa yo'yamātmedamamṛtam idaṃ brahmedaṃ sarvam

Diese Menschheit (mānuṣa) ist Honig für alle Wesen, und alle Wesen sind Honig für diese Menschheit. Und das leuchtende, unsterbliche Wesen (puruṣa), das in dieser Menschheit ist, und das leuchtende, unsterbliche Wesen, das im eigenen Leib (adhyātma) das Menschliche im Menschen ist – eben dieses ist jenes, das dieses Selbst (ātman) ist: Dies ist das Unsterbliche, dies ist Brahman, dies ist das Ganze.

ayamātmā sarveṣāṃ bhūtānāṃ madhu asyātmanaḥ sarvāṇi bhūtāni madhu yaścāyamasminnātmani tejomayo'mṛtamayaḥ puruṣo yaścāyamātmā tejomayo'mṛtamayaḥ puruṣo ayameva sa yo'yamātmedamamṛtam idaṃ brahmedaṃ sarvam

Dieses Selbst (ātman) ist Honig für alle Wesen, und alle Wesen sind Honig für dieses Selbst. Und das leuchtende, unsterbliche Wesen, das in diesem Selbst ist, und das leuchtende, unsterbliche Wesen, das eben dieses Selbst selbst ist – eben dieses ist jenes, das dieses Selbst ist: Dies ist das Unsterbliche, dies ist Brahman, dies ist das Ganze. [Anm.: Hier fällt – anders als in den vorangehenden Absätzen – die ,äußere' und die ,innere' (adhyātma) Seite der Gleichsetzung zusammen, da das Selbst selbst das Bezugsobjekt ist.]

sa vā ayamātmā sarveṣāṃ adhipatiḥ sarveṣāṃ bhūtānāṃ rājā tadyathā rathanābhau ca rathanemau cārāḥ sarve samarpitā evamevāsminnātmani sarvāṇi bhūtāni sarve devāḥ sarve lokāḥ sarve prāṇāḥ sarva eta ātmānaḥ samarpitāḥ

Dieses Selbst nun ist der Oberherr aller Wesen, der König aller Wesen. Wie an der Nabe und an der Felge eines Wagenrades alle Speichen befestigt sind, ebenso sind in diesem Selbst alle Wesen, alle Götter, alle Welten, alle Lebensatems (prāṇas) und alle Einzelselbste (ātmans) befestigt.

idaṃ vai tanmadhu ḍadhyaṅṅ atharvaṇo'śvibhyāmuvāca tadetadṛṣiḥ paśyannavocat tadvāṃ narā sanaye daṃsa ugram āviṣkṛṇomi tanyaturna vṛṣṭiṃ ḍadhyaṅ ha yanmadhvatharvaṇo vām aśvasya śīrṣṇā pra yadīmuvāceti

Dies eben ist jener Honig, den Dadhyañc, der Sohn des Atharvan, den beiden Aśvins verkündete. Dies eben sah der Seher (ṛṣi) und sprach: „Diese eure gewaltige, machtvolle Heldentat zum Gewinn [dieses Wissens] enthülle ich, wie der Donner den Regen [ankündigt] – jenen Honig, den Dadhyañc, der Sohn des Atharvan, euch mit dem Haupt des Pferdes verkündete.“ [Anm.: Vers-Zitat in archaischer, ṛgvedaartiger Sprache, an manchen Stellen philologisch unsicher; Anspielung auf die Sage, wonach Dadhyañc den Aśvins die Honig-Lehre mithilfe eines aufgesetzten Pferdekopfes offenbarte, nachdem Indra ihm mit dem Tod gedroht hatte, falls er sie einem Menschen lehre.]

idaṃ vai tanmadhu ḍadhyaṅṅ atharvaṇo'śvibhyāmuvāca tadetadṛṣiḥ paśyannavocat atharvaṇāyāśvinā ḍadhīce'śvyaṃ śiraḥ pratyairayataṃ sa vāṃ madhu pra vocadṛtāyan tvāṣṭraṃ yad dasrāu apikakṣyaṃ vāmiti

Dies eben ist jener Honig, den Dadhyañc, der Sohn des Atharvan, den beiden Aśvins verkündete. Dies eben sah der Seher und sprach: „Für Atharvans Sohn Dadhyañc setzten die beiden Aśvins ein Pferdehaupt ein; wahrheitsgemäß verkündete er euch den Honig – jenes Geheimnis des Tvaṣṭṛ, das euch, ihr Wundertäter, anvertraut war.“ [Anm.: Vers-Zitat in archaischer Sprache; einzelne Wortformen – etwa „apikakṣyam“, wörtlich etwa ,das Verborgene/Anvertraute' – sind philologisch unsicher und werden in der Forschung unterschiedlich gedeutet; dies bleibt eine offene Stelle, kein Übersetzungsfehler.]

idaṃ vai tanmadhu ḍadhyaṅṅ atharvaṇo'śvibhyāmuvāca tadetadṛṣiḥ paśyannavocat puraścakre dvipadaḥ puraścakre catuṣpadaḥ puraḥ sa pakṣī bhutvā puraḥ puruṣa āviśaditi sa vā ayaṃ puruṣaḥ sarvāsu pūrṣu puriśayo nainena kiṃ canānāvṛtaṃ nainena kiṃ canāsaṃvṛtam

Dies eben ist jener Honig, den Dadhyañc, der Sohn des Atharvan, den beiden Aśvins verkündete. Dies eben sah der Seher und sprach: „Er schuf Burgen für die Zweifüßler, er schuf Burgen für die Vierfüßler; zuvor, als Vogel geworden, ging er in die Burgen ein, [dann] als Mensch (puruṣa) betrat er die Burgen.“ Dieser Puruṣa nun ist es, der in allen Burgen [der Leiber] wohnt (puriśaya); von ihm ist nichts unbedeckt, von ihm ist nichts unumschlossen.

idaṃ vai tanmadhu ḍadhyaṅṅ atharvaṇo'śvibhyāmuvāca tadetadṛṣiḥ paśyannavocat rūpaṃ-rūpaṃ pratirūpo babhūva tadasya rūpaṃ praticakṣaṇāyendro māyābhiḥ pururūpa īyate yuktā hyasya harayaḥ śatā daśeti ayaṃ vai harayo ayaṃ vai daśa ca sahasraṇi bahūni cānantāni ca tadetadbrahmāpūrvamanaparamanantaramabāhyam ayamātmā brahma sarvānubhūḥ ityanuśāsanam

Dies eben ist jener Honig, den Dadhyañc, der Sohn des Atharvan, den beiden Aśvins verkündete. Dies eben sah der Seher und sprach: „Gestalt um Gestalt ist er zum Abbild geworden; das ist seine [wahre] Gestalt, damit man ihn erkenne. Indra erscheint durch seine Zaubermächte (māyās) in vielerlei Gestalten, denn tausend seiner falben Rosse sind angeschirrt.“ Diese falben Rosse nun, das sind die zehn und die tausend, die vielen und die endlosen [Wesen und Erscheinungen]. Dieses Brahman ist ohne Früheres, ohne Späteres, ohne Inneres, ohne Äußeres; dieses Selbst ist das Brahman, das alles erfährt (sarvānubhū) – so lautet die Unterweisung. [Anm.: Der zitierte Vers „rūpaṃ-rūpaṃ pratirūpo babhūva …“ deutet die ,falben Rosse Indras' auf die zehntausend und mehr Erscheinungsformen des einen Selbst; die genaue syntaktische Zuordnung des Prosa-Nachsatzes bleibt philologisch nicht ganz eindeutig, ohne dass dies den Sinn der Stelle in Frage stellt.]

atha vaṃśaḥ tadidaṃ vayaṃ haurpaṇāyyāc Chaurpaṇayyo gautamād gautamo vatsyād vatsyo vātsyācca pārāśaryācca pārāśaryaḥ ṣāṅktyācca bhāradvājācca bhāradvāja audāvaheśca hāṇḍilyācca hāṇḍilyo vaijavāpācca gautamācca gautamo vaijavāpāyanācca vaiṣṭapureyācca vaiṣṭapureyaḥ hāṇḍilyācca Rauhiṇāyanācca Rauhiṇāyanaḥ haunakāccātreyācca Raibhyācca Raibhyaḥ pautimāṣyāyaṇācca kauṇḍinyāyanācca kauṇḍinyāyanaḥ kauṇḍinyāt kauṇḍinyaḥ kauṇḍinyāt kauṇḍinyaḥ kauṇḍinyāccāgniveśyācca

Und nun die Lehrerlinie (vaṃśa): Wir [empfingen] dies von Śaurpaṇāyya; Śaurpaṇāyya von Gautama; Gautama von Vatsya; Vatsya von Vātsya und von Pārāśarya; Pārāśarya von Śāṅkti und von Bhāradvāja; Bhāradvāja von Audāvahi und von Hāṇḍilya; Hāṇḍilya von Vaijavāpa und von Gautama; Gautama von Vaijavāpāyana und von Vaiṣṭapureya; Vaiṣṭapureya von Hāṇḍilya und von Rauhiṇāyana; Rauhiṇāyana von Śaunaka und von Ātreya und von Raibhya; Raibhya von Pautimāṣyāyana und von Kauṇḍinyāyana; Kauṇḍinyāyana von Kauṇḍinya; Kauṇḍinya von Kauṇḍinya; Kauṇḍinya von Kauṇḍinya und von Āgniveśya. [Anm.: Diese Namensliste enthält mehrere philologisch offene Stellen: „haunakāt“ ist vermutlich eine – auch in der Mādhyandina-Überlieferung belegte – Lautform von „śaunakāt“ (von Śaunaka); die mehrfache, unmittelbar aufeinanderfolgende Nennung von „Kauṇḍinya“ bezeichnet wahrscheinlich verschiedene, nacheinander wirkende Träger desselben Lehrer-Beinamens, nicht eine einzelne Person. Beides sind offenstehende Unsicherheiten der Überlieferung, keine Fehler.]

agniveśyaḥ ṣautavāt ṣautavaḥ pārāśaryāt pārāśaryaḥ jātukarṇyāt jātukarṇyo bhāradvājād bhāradvājo bhāradvājāccāsurāyaṇācca gautamācca gautamo bhāradvājād bhāradvājo vaijavāpāyanāc vaijavāpāyanaḥ kaśikāyaneḥ kaśikāyanirghṛtakauśikād ghṛtakauśikaḥ pārāśaryāt pārāśaryaḥ pārāśaryāt pārāśaryaḥ jātukarṇyāt jātukarṇyo bhāradvājād bhāradvājo bhāradvājāccāsurāyaṇācyaskācca asurāyaṇas ṭraivaṇeḥ ṭraivaṇirāupajandhaneḥ āupajandhaniḥasurerasurirbhāradvājād bhāradvājo atreyāt

Āgniveśya [empfing es] von Ṣautava; Ṣautava von Pārāśarya; Pārāśarya von Jātukarṇya; Jātukarṇya von Bhāradvāja; Bhāradvāja von Bhāradvāja und von Āsurāyaṇa und von Gautama; Gautama von Bhāradvāja; Bhāradvāja von Vaijavāpāyana; Vaijavāpāyana von Kaśikāyani; Kaśikāyani von Ghṛtakauśika; Ghṛtakauśika von Pārāśarya; Pārāśarya von Pārāśarya; Pārāśarya von Jātukarṇya; Jātukarṇya von Bhāradvāja; Bhāradvāja von Bhāradvāja und von Āsurāyaṇa und von Yāska; Āsurāyaṇa von Traivaṇi; Traivaṇi von Aupajandhani; Aupajandhani von Asuri; Asuri von Bhāradvāja; Bhāradvāja von Ātreya. [Anm.: Wie in 5.20 bezeichnen mehrfach unmittelbar aufeinanderfolgende gleichnamige Glieder (Bhāradvāja, Pārāśarya) vermutlich verschiedene, nacheinander wirkende Träger desselben Familien- bzw. Lehrernamens – eine offene, in der Fachliteratur so belassene Unsicherheit.]

atreyo māṇṭeḥ māṇṭirgautamād gautamo gautamād gautamo vātsyād vātsyaḥ hāṇḍilyāc Chāṇḍilyaḥ kaiśoryātkāpyāt kaiśoryaḥ kāpyaḥ kumāraharitāt kumāraharito gālavād gālavo vidarbhīkauṇḍinyād vidarbhīkauṇḍinyo bābhavādvatsanapād bābhavaḥ pathaḥ ṣaubharāt panthāḥ ṣaubharo'yāsyādaṅgirasādāyāsyo aṅgirasa'bhutesṭvāṣṭrādabhutiḥ ṭvāṣṭro viśvarūpādṭvāṣṭrād viśvarūpasṭvāṣṭro'śvibhyām āśvinau ḍadhica atharvanād ḍadhyaṅṅ atharvano'tharvano ḍaivādatharvā ḍaiva mṛtyoḥ prāddhaṃsanān mṛtyuḥ prāddhaṃsanaḥ ṣanagāt ṣanagaḥ pareṣṭiṇaḥ pareṣṭī brahmano brahma svayambhu brahmaṇe namaḥ

Ātreya [empfing es] von Māṇḍi; Māṇḍi von Gautama; Gautama von Gautama; Gautama von Vatsya; Vatsya von Śāṇḍilya; Śāṇḍilya von Kaiśorya und von Kāpya; diese von Kumāraharita; Kumāraharita von Gālava; Gālava von Vidarbhīkauṇḍinya; Vidarbhīkauṇḍinya von Vatsanapād Bābhrava; dieser von Pathin Saubhara; Pathin von Āyāsya Āṅgirasa; Āyāsya von Ābhūti Tvāṣṭra; Ābhūti von Viśvarūpa Tvāṣṭra; Viśvarūpa von den beiden Aśvins; die Aśvins von Dadhyañc Ātharvaṇa; Dadhyañc vom göttlichen Atharvan; dieser vom Tod, dem Sohn des Pradhvaṃsana; der Tod von Śanaga; Śanaga von Pareṣṭin (Parameṣṭhin); dieser vom Brahman, dem selbstentstandenen (svayambhū) Brahman. Dem Brahman sei Verehrung! [Anm.: Die Kette führt bis zu den mythischen Anfangsgliedern (Aśvins, Dadhyañc, der Tod/Mṛtyu, Parameṣṭhin) und schließlich zum selbstentstandenen Brahman zurück; einzelne Namensformen (z. B. „bābhavādvatsanapād“, „pathaḥ ṣaubharāt“) lassen Eigenname und Patronymikon nicht immer eindeutig auseinanderhalten – eine offenstehende philologische Unsicherheit. Der Absatz endet mit der stehenden Kolophon-Formel „brahmaṇo brahma svayambhu brahmaṇe namaḥ“.]

atha vaṃśaḥ paśutimāṣyo gaupavanād gaupavanaḥ paśutimāṣyāt paśutimāṣyo gaupavanād gaupavanaḥ kauśikāt kauśikaḥ kauṇḍinyāt kauṇḍinyaḥ hāṇḍilyāt hāṇḍilyaḥ kauśikācca gautamācca gautamo

Und nun die Lehrerlinie (vaṃśa): Paśutimāṣya [empfing es] von Gaupavana; Gaupavana von Paśutimāṣya; Paśutimāṣya von Gaupavana; Gaupavana von Kauśika; Kauśika von Kauṇḍinya; Kauṇḍinya von Hāṇḍilya; Hāṇḍilya von Kauśika und von Gautama; Gautama … [Anm.: Der Satz bricht am Ende dieser Kaṇḍikā mitten in der Aufzählung ab (mit „Gautama …“) und wird in Kaṇḍikā 6.2 fortgesetzt – ein Artefakt der editorischen Kaṇḍikā-Einteilung, kein Fehler.]

agniveśyādagniveśyaḥ hāṇḍilyāccānabhimlātācca anabhimlāta anabhimlātādanabhimlāta anabhimlātādanabhimlāto gautamād gautamaḥ ṣaitavaprācīnayogyābhyāṃ ṣaitavaprācīnayogyau pārāśaryāt pārāśaryo bhāradvājād bhāradvājo bhāradvājācca gautamācca gautamo bhāradvājād bhāradvājaḥ pārāśaryāt pārāśaryo vaijavāpāyanād vaijavāpāyanaḥ kauśikāyaneḥ kauśikāyanir

[Fortsetzung von 6.1:] … von Āgniveśya; Āgniveśya von Hāṇḍilya und von Anabhimlāta; Anabhimlāta von Anabhimlāta; Anabhimlāta von Anabhimlāta; Anabhimlāta von Gautama; Gautama von Śaitava und Prācīnayogya [beiden]; diese von Pārāśarya; Pārāśarya von Bhāradvāja; Bhāradvāja von Bhāradvāja und von Gautama; Gautama von Bhāradvāja; Bhāradvāja von Pārāśarya; Pārāśarya von Vaijavāpāyana; Vaijavāpāyana von Kauśikāyani; Kauśikāyani … [Anm.: Wie in 6.1 bricht der Satz am Kaṇḍikā-Ende unvollständig ab („Kauśikāyani …“) und wird in 6.3 fortgesetzt – wiederum ein Artefakt der Kaṇḍikā-Einteilung, kein Fehler. Die mehrfach wiederholten gleichlautenden Namen (Anabhimlāta) deuten, wie schon in 5.20 f., auf aufeinanderfolgende Träger desselben Namens.]

ghṛtakauśikād ghṛtakauśikaḥ prāśaryāyaṇāt pāraśaryāyaṇaḥ pārāśaryāt pārāśaryo jātūkarṇyāt jātūkarṇya asurāyaṇācca yāskācca asurāyaṇasṭraivaṇeḥ ṭraivaṇiraupajandhaneḥ aupajandhanirasureḥ asurirbhāradvājād bhāradvāja atreyādatreyo māṇṭeḥ māṇṭirgautamād gautamo vātsyād vātsyaḥ hāṇḍilyāc Chāṇḍilyaḥ kaiśoryātkāpyāt kaiśoryaḥ kāpyaḥ kumārahāritāt kumārahārito gālavād gālavo vidarbhīkauṇḍinyād vidarbhīkauṇḍinyo vatsanapāto bābhravād vatsanapādbābhravaḥ pathaḥ ṣaubharāt panthāḥ ṣaubharo'yāsyādaṅgirasādāyāsya aṅgirasa abhūtesṭvāṣṭrādabhūtisṭvāṣṭro viśvarūpātṭvāṣṭrād viśvarūpasṭvāṣṭro'vśibhyām āśvinau ḍadhīca atharvaṇād ḍadhyaṅṅ atharvaṇo'tharvaṇo ḍaivādātharvā ḍaivo mṛtyoḥ prādhvaṃsanān mṛtyuḥ prādhvaṃsanaḥ pradhvaṃsanāt pradhvaṃsana ekarṣeḥ ekarṣirvipracitteḥ vipracittirvyaṣṭeḥ vyaṣṭiḥ ṣanāroḥ ṣanāruḥ ṣanātanāt ṣanātanaḥ ṣanagāt ṣanagaḥ parameṣṭhinaḥ parameṣṭhī brahmaṇo brahma svayambhu brahmaṇe namaḥ

[Fortsetzung:] … von Ghṛtakauśika; Ghṛtakauśika von Pārāśaryāyaṇa; Pārāśaryāyaṇa von Pārāśarya; Pārāśarya von Jātūkarṇya; Jātūkarṇya von Āsurāyaṇa und von Yāska; Āsurāyaṇa von Traivaṇi; Traivaṇi von Aupajandhani; Aupajandhani von Asuri; Asuri von Bhāradvāja; Bhāradvāja von Ātreya; Ātreya von Māṇḍi; Māṇḍi von Gautama; Gautama von Vatsya; Vatsya von Śāṇḍilya; Śāṇḍilya von Kaiśorya und von Kāpya; diese von Kumārahārita; Kumārahārita von Gālava; Gālava von Vidarbhīkauṇḍinya; Vidarbhīkauṇḍinya von Vatsanapād Bābhrava; dieser von Pathin Saubhara; Pathin von Āyāsya Āṅgirasa; Āyāsya von Ābhūti Tvāṣṭra; Ābhūti von Viśvarūpa Tvāṣṭra; Viśvarūpa von den beiden Aśvins; die Aśvins von Dadhyañc Ātharvaṇa; Dadhyañc vom göttlichen Atharvan; dieser vom Tod, dem Sohn des Pradhvaṃsana; der Tod von Pradhvaṃsana; Pradhvaṃsana von Ekarṣi; Ekarṣi von Vipracitti; Vipracitti von Vyaṣṭi; Vyaṣṭi von Sanāru; Sanāru von Sanātana; Sanātana von Śanaga; Śanaga von Parameṣṭhin; Parameṣṭhin vom Brahman, dem selbstentstandenen (svayambhū) Brahman. Dem Brahman sei Verehrung! [Anm.: Diese Lehrerlinie stammt laut Quellenprüfung aus der Kāṇva-Rezension (als Fallback, da die Mādhyandina-Überlieferung hier keinen eigenen Text bietet); sie führt die Kette über zusätzliche mythische Zwischenglieder (Ekarṣi, Vipracitti, Vyaṣṭi, Sanāru, Sanātana, Śanaga, Parameṣṭhin) bis zum selbstentstandenen Brahman zurück und schließt mit der stehenden Kolophon-Formel „brahmaṇo brahma svayambhu brahmaṇe namaḥ“.]

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