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Yogaśikhā-Upaniṣad

Vollständige zweisprachige Ausgabe in sechs Adhyāyas: Sanskrit (IAST) und deutsche Übersetzung, Vers für Vers mit Wort-für-Wort-Analyse, Vorwort, Einführung, Kapitel-Einordnungen und Glossar.

Upaniṣaden · 6 Adhyāyas · 393 Verse

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Vorwort

Diese Ausgabe legt die Yogaśikhā-Upaniṣad („Upaniṣad von der Krone des Yoga“) zweisprachig vor: den Sanskrit-Text in lateinischer Umschrift (IAST) neben einer durchgehenden deutschen Übersetzung, Vers für Vers, ergänzt um eine Wort-für-Wort-Analyse jedes Verses. Grundlage ist der von Sunder Hattangadi transliterierte und korrekturgelesene elektronische Text von sanskritdocuments.org (Fassung vom Juli 2000, Satz vom April 2025), der die verbreitete Textform der 108 Upaniṣaden der Muktikā-Liste (Nr. 63, Kṛṣṇa-Yajurveda) wiedergibt. Die deutsche Übersetzung wurde eigenständig und unmittelbar aus dem Sanskrit erarbeitet; zur Bedeutungsprüfung einzelner Stellen wurden die Parallelverse des Yogabīja, des Gorakṣaśataka, der Haṭhapradīpikā und der Yogacūḍāmaṇi-Upaniṣad herangezogen, die in dieser Bibliothek zum Teil ebenfalls vorliegen.

Die Vorlage gliedert den Text in sechs Adhyāyas mit 178, 22, 25, 24, 62 und 79 Versen, zusammen 390 Verse; die Zählung ist in allen Kapiteln lückenlos. Im ersten Adhyāya fehlt in der Vorlage nach den Versen 106 und 154 der schließende Doppelstrich, die Versnummern sind jedoch vorhanden; beide Verse sind vollständig übersetzt. Der vorangestellte Segensvers (yoga-jñāne yat-padāpti…) und die Friedensformel saha nāv avatu, die den Text als Upaniṣad des Schwarzen Yajurveda ausweist, sind ohne Nummer aufgenommen; die Kapitelkolophone (iti prathamo 'dhyāyaḥ usw.) sind dem jeweils letzten Vers angefügt. Mehrere Verse der Vorlage sind Halbverse (6,25; 6,50; 6,65) oder dreizeilig (2,21; 3,25; 6,19; 6,21; 6,29); 1,90 steht im Vasantatilakā-, 1,123–124 und 6,20 im Upajāti-, 6,4 im Triṣṭubh-Metrum. Offensichtliche Tippfehler des elektronischen Textes (etwa jīvāmidhā für jīvābhidhā, vyāpatṃ für vyāptaṃ, likeṣu für lokeṣu, jāḍayaḥ für nāḍyaḥ, tasmidnṛṣṭe für tasmin dṛṣṭe, sūrabhiḥ für sūribhiḥ) wurden berichtigt und in der Anmerkung zum jeweiligen Vers ausgewiesen. Drei wirklich verderbte Stellen (1,100 bandhu-samudbhūtaṃ, 1,145 kāṣṭhāsahajīvalayādikam, 6,15 suṣirātmatāḥ) sind im Sanskrit mit [?] markiert und in der Übersetzung mit einer eingeklammerten Anmerkung versehen; an weiteren Stellen (1,63 jitvā für ajitvā, 1,73 nopalakṣayet, 1,80 vastra/vaktra, 1,108 trāṇaṃ) wird die gewählte Lesung in der Anmerkung begründet.

Jedes Buchkapitel entspricht genau einem Adhyāya der Vorlage; die Verszählung beginnt in jedem Adhyāya neu, Verweise haben daher die Form „5,40“ (fünfter Adhyāya, Vers 40). Eine Einordnung je Adhyāya, eine Einführung in Stellung, Überlieferung und Lehre des Textes und ein Glossar der Fachbegriffe ergänzen die Übersetzung. Sanskrit-Fachbegriffe werden beim ersten Auftreten in Klammern beigegeben und im Glossar erklärt; Ergänzungen der Übersetzung stehen in eckigen Klammern.

Einführung

Die Yogaśikhā-Upaniṣad gehört zur Gruppe der zwanzig „Yoga-Upaniṣaden“ der südindischen Sammlung der 108 Upaniṣaden (Muktikā-Kanon), in deren Liste sie an 63. Stelle steht. Sie wird dem Kṛṣṇa-Yajurveda zugeordnet, worauf ihre Friedensformel saha nāv avatu weist, die auch Taittirīya- und Kaṭha-Upaniṣad eröffnet. Mit 390 Versen in sechs Adhyāyas ist sie die umfangreichste der Yoga-Upaniṣaden. Der Text ist als Lehrgespräch zwischen Hiraṇyagarbha (Brahmā, angeredet als Lotosgeborener, Vidhi, Viergesichtiger) und Śiva (Maheśvara, Śaṅkara) gestaltet; ihr Name – „Krone“ oder „Spitze“ (śikhā) des Yoga – wird in 1,69 und 5,60 vom Text selbst aufgenommen.

Die Überlieferung kennt zwei sehr verschiedene Fassungen: Eine kurze Rezension von rund fünfzig Versen, die in den nordindischen Sammlungen und in Deussens Übersetzung der „Sechzig Upanishads des Veda“ erscheint, und die hier übersetzte lange Rezension der südindischen Muktikā-Sammlung, die vermutlich im 17. oder 18. Jahrhundert aus älterem Material zusammengestellt wurde. Ihr erster Adhyāya deckt sich in weiten Teilen mit dem Yogabīja, einem Nātha-Text des 14.–15. Jahrhunderts, der in Form eines Gesprächs zwischen der Göttin und Śiva denselben Stoff bietet; einzelne Verse stammen aus dem Gorakṣaśataka, der Haṭhapradīpikā, der Śvetāśvatara-, Kaṭha-, Muṇḍaka- und Taittirīya-Upaniṣad sowie der Bhagavadgītā. Die Adhyāyas 2–6 vereinen tantrische Sprach- und Mantra-Lehre, einen vedāntischen Advaita-Traktat und eine vaiṣṇavisch gefärbte Fassung der Körpertempel-Lehre; die vielen Doppelungen (1,165–178 gegenüber 5,2–15; 1,130–131 gegenüber 6,53–54) zeigen, dass die Redaktoren Stücke unterschiedlicher Herkunft nebeneinandergestellt haben.

Die Lehre des Textes ruht auf einer Grundthese, die er mit Nachdruck wiederholt: Erkenntnis (jñāna) und Yoga sind aufeinander angewiesen; Erkenntnis allein ist „bloße Mühe“, weil der ungereifte Leib den Wissenden weiterhin Krankheit, Schmerz und Tod aussetzt, während der im Feuer des Yoga gereifte Leib des Yogin unverwundbar, alterslos und gestaltwandlerisch wird. Yoga ist die Vereinigung der Gegensatzpaare – Prāṇa und Apāna, Rajas und Retas, Sonne und Mond, Jīva und Paramātman –, und der eine „große Yoga“ entfaltet sich in den vier Stufen Mantra-, Laya-, Haṭha- und Rāja-Yoga. Die Praxis umfasst die Erweckung der Kuṇḍalinī, vier Kumbhakas, drei Bandhas, die Khecarī-Mudrā, das Durchbrechen der drei Knoten und die Meditation über den inneren Klang (nāda), bis Wind und Denken in der Suṣumnā zur Ruhe kommen. Charakteristisch sind die Verinnerlichung der heiligen Geographie – die vier Śākta-Pīṭhas Kāmarūpa, Pūrṇagiri, Jālandhara und Uḍyāṇa und die Wallfahrtsorte Gaṅgā, Vārāṇasī, Śrīśaila, Kedāra werden in den Körper und in die Suṣumnā verlegt –, die Lehre von den vier Stufen der Rede (parā, paśyantī, madhyamā, vaikharī), die Bestimmung des Jīvanmukta als dessen, dessen Leib nicht fällt, und die Unterscheidung der künstlich bewirkten von den natürlichen Siddhis, die dem Yogin von selbst zufallen, aber geheim zu halten sind.

Für Leser dieser Bibliothek ist die Yogaśikhā ein vielstimmiges Gegenstück zur Yogacūḍāmaṇi-Upaniṣad: Während jene die Lehrverse des Gorakṣaśataka in upaniṣadische Form bringt, verarbeitet die Yogaśikhā vor allem das Yogabīja und ergänzt es um tantrische und vedāntische Traktate. Viele Einzelverse lassen sich unmittelbar vergleichen – die von Prāṇa und Apāna hin- und hergeworfene Seele (Yogacūḍāmaṇi 27–30, Yogaśikhā 6,51–53), das Haṃsa-Mantra (Yogacūḍāmaṇi 31–33, Yogaśikhā 1,130–132 und 6,53–54), die Khecarī-Mudrā (Yogacūḍāmaṇi 52–54, Yogaśikhā 5,40–42), der Mūla-Bandha (Yogacūḍāmaṇi 46–47, Yogaśikhā 1,104–105), die Cakra-Lehre und die Elementkreise (Yogacūḍāmaṇi 4–7, Yogaśikhā 1,168–178). Die Haṭhapradīpikā bietet zu den Kumbhakas (2,44–67), zu den Bandhas (3,55–69) und zur Kuṇḍalinī-Erweckung mit dem Tuch (3,113–120) die systematisierte Fassung derselben Techniken, die Śivasaṃhitā zu den Siddhis und zur Guru-Verehrung die tantrischen Parallelen.

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