Quellen der Menschheit

Glossar (Dhyānabindu)

Dhyānabindu-Upaniṣad · 48 Begriffe

acyuta
Beiname Viṣṇus; im Schlussvers des Prosaabschnitts (Vers 94) wird er beim Aufstieg des Windes zum Dreieck geschaut. der Unerschütterliche; Viṣṇu
ajapā-gāyatrī
Das mit jedem Atemzug von selbst gesprochene Mantra haṃsa (ha beim Ausatmen, sa beim Einatmen), das nach dem Text 21.600-mal in Tag und Nacht ertönt; gilt als höchstes Wissen und Verdienst, weil es ohne willentliches Murmeln geschieht (Verse 61–65). „ungemurmelte“ Gāyatrī; das Atem-Mantra haṃsa
anāhata
Der ohne Anschlag zweier Körper von selbst tönende Klang, jenseits dessen das Höchste liegt (Vers 3); zugleich Name des zwölfspeichigen Herzcakra (Vers 49). unangeschlagen; der innere Klang
apāna
Einer der fünf Hauptwinde, mit Sitz im Unterleib; er zieht die Seele nach unten (Verse 58–60). Sein Hochziehen (Mūla-Bandha, Verse 74–75) und seine Vereinigung mit dem Prāṇa (Verse 73, 94, 100) sind Kernanliegen der Praxis. abwärts wirkender Lebenswind
ardha-mātrā
Der nach den drei Lauten a, u, m verklingende, nicht mehr artikulierte Nachhall des Oṃ, dem vierten Zustand zugeordnet; mit ihm verbunden verleiht der Praṇava Erlösung (Verse 17, 36, 39). halbe More
āsana
Erstes Glied des Yoga; es gibt so viele Sitze wie Arten von Lebewesen, hervorgehoben werden Siddha-, Bhadra-, Siṃha- und Padmāsana (Verse 41–43). Sitzhaltung
bandha
Muskuläre Verschlusstechnik zur Lenkung von Atem und Bindu; der Text lehrt Mūla-Bandha, Uḍḍiyāṇa-Bandha und Jālandhara-Bandha (Verse 74–79). Verschluss, Bindung
bīja
Die einsilbige Lautgestalt einer Gottheit oder eines Elements. Die Keimsilbe schlechthin ist der Bindu (Vers 2); die fünf Elemente haben die Keimsilben ya (Wind), ra (Feuer), la (Erde), va (Wasser), ha (Raum), hier mit den fünf Lebenswinden verbunden (Verse 95–97); der „Herz-Keim“ wird dem Lotos entnommen (Vers 35). Keim, Keimsilbe
bindu
Zweifach gebraucht: als Stufe des verklingenden Oṃ zwischen Silbe und Nāda (Verse 2, 37, 105) und als im Körper bewahrte Lebensessenz, weiß (śukra, Mond, Śiva) und rot (rajas, Sonne, Śakti); sein Erhalt und die Vereinigung beider bewirken den göttlichen Leib (Verse 84–90). Tropfen; Punkt; Samen
brahma-randhra
Die Öffnung am Scheitel, in die der Klang gelangt und in der das Selbst wie die Sonne strahlt (Verse 103–104); im Text auch „Öffnung des Raumes“ (vyoma-randhra). Brahma-Öffnung am Scheitel
cakra
Die Zentren des feinstofflichen Körpers: Ādhāra am Beckenboden mit Yoni und Liṅga, Svādhiṣṭhāna am Glied, Maṇipūraka im Nabel, das zwölfspeichige Herzcakra (Verse 43–49); dazu der achtblättrige Herzlotos (Verse 26, 94) und das Brauenzentrum (Vers 40). Rad; Energiezentrum
dhyāna
Fünftes Glied des Yoga und Leitbegriff des Textes: Der „Yoga der Meditation“ zerbricht bergegroße Schuld (Vers 1); Meditationsobjekte sind der Oṃkāra im Herzen (Vers 19), Viṣṇu, Brahmā und Śiva (Verse 26–32), die Elemente-Keimsilben (Vers 95) und der innere Klang. Meditation
haṃsa
Der Atemklang ha-sa, der als Ajapā-Gāyatrī unaufhörlich gemurmelt wird (Verse 61–63), zugleich das Wesen des im Innern aller Wesen leuchtenden Oṃ (Vers 24). Gans/Schwan; der Atem; das Selbst
hṛt-padma
Der achtblättrige Lotos im Herzen mit zweiunddreißig Staubfäden, nach unten gewandt, Sitz Vāsudevas und der Einzelseele; seine acht Blätter bestimmen nach dem Prosaabschnitt die Neigungen des Gemüts (Verse 19, 26–35, 94, 100). Herzlotos
iḍā
Der links verlaufende Nāḍī, dem Mond zugeordnet; durch ihn wird der Wind für die Oṃ-Meditation eingesogen (Verse 20, 52–55). linker Hauptkanal
jālandhara-bandha
Zusammenziehen der Kehle mit dem Kinn auf der Brust; hält den vom Kopf herabfließenden Nektar (nabho-jala) vor dem Verdauungsfeuer zurück (Verse 77–79). Kehlverschluss
jīva
Die verkörperte Seele, die von Prāṇa und Apāna hin- und hergezogen wird (Verse 58–61), das Atem-Mantra murmelt (Vers 62) und im Prosaabschnitt als atomkleines Licht im Herzlotos wohnt (Vers 94). individuelle Seele, Lebewesen
kaivalya
Der Zustand der Befreiung, den erlangt, wer das eigene Selbst als Puruṣa schaut (Vers 105). Alleinsein, Absolutheit
kanda
Eiförmiger Knoten zwischen Glied und Nabel, aus dem die 72.000 Nāḍīs entspringen und über dem die Kuṇḍalinī liegt (Verse 50–51, 73). Knolle, Wurzelknoten
khecarī-mudrā
Zurückwenden der Zunge in die Schädelhöhle bei Blick zwischen die Brauen; verheißt Freiheit von Krankheit, Tod, Schlaf, Hunger, Durst und Ohnmacht sowie den Erhalt des Bindu; auch Nabhomudrā genannt (Verse 79–85). „die im Raum Wandelnde“
kumbhaka
Das Anhalten des Atems zwischen Einatmung (pūraka) und Ausatmung (recaka); dem Viṣṇu (Vers 21) bzw. Brahmā (Vers 31) zugeordnet; wer den Wind anhält, ist befreit (Vers 70). Atemanhalten
kuṇḍalinī
Die „höchste Herrin“, die schlafend mit ihrem Mund das Tor zur Stätte des Brahman verschließt; erweckt durch Feuer, Geist und Wind steigt sie durch die Suṣumnā auf und öffnet wie ein Schlüssel das Tor der Erlösung (Verse 65–68, 73). die Zusammengerollte; Schlangenkraft
liṅga
Das nach hinten gewandte, goldglänzende Liṅga in der Yoni des Ādhāra-Cakra, an seinem Kopf gespalten wie ein durchbohrtes Juwel (Verse 45–46); in Vers 101 das männliche Glied, das beim Mūla-Bandha zusammengezogen wird. Zeichen; Phallus
mahāmudrā
Übung mit Fersendruck auf den Damm, gehaltenem gestreckten Bein, Kinnverschluss und Atemanhalten; reinigt die Kanäle, vereint Mond und Sonne, trocknet schädliche Säfte und vernichtet die Sünden (Verse 91–93). das große Siegel
maheśvara
Śiva als Herr des Lautes u (Vers 11), als Kenner aller Sitzhaltungen (Vers 42) und als Ziel des Weges: die „Stätte des Maheśvara“ (Vers 105). der große Herr; Śiva
mātrā
Zeiteinheit der Aussprache; der Praṇava ist dreimorig (a, u, m) und trägt die halbe More als vierten Teil (Verse 17, 36, 39). More, Zeitmaß
mitāhāra
Maßhalten im Essen, neben Keuschheit und Milchkost Bedingung dafür, dass der Yogin in einem Jahr Vollendung erlangt (Verse 71–72). maßvolle Nahrung
mūla-bandha
Fersendruck auf den Damm und Zusammenziehen des Afters, um den Apāna nach oben zu ziehen; vereint Apāna und Prāṇa, mindert die Ausscheidungen und verjüngt (Verse 73–75). Wurzelverschluss
nāda
Der über dem Bindu stehende Klang des Oṃ (Vers 2), ununterbrochen wie ein Ölstrahl und wie Glockenklang (Verse 18, 37), in den sich die Sammlung auflöst (Vers 23); nach den Schlussversen steigt er gestaltlos aus der Wirbelsäule auf und tönt in der Schädelhöhle wie Muschel und Pfauenruf (Verse 102–105). innerer Klang
nāḍī
Die 72.000 feinstofflichen Kanäle des Körpers, die aus der Knolle entspringen; zehn Hauptkanäle werden mit Namen genannt, die drei wichtigsten sind Iḍā, Piṅgalā und Suṣumnā (Verse 51–56, 98). Kanal, Ader
niṣkala
Das Höchste in seiner teillosen Form, im Gleichnis der Schatten des Baumes gegenüber dem teilhaften (sakala) Baum (Vers 8); auch Beiwort Śivas (Vers 32). ohne Teile; gestaltlos
piṅgalā
Der rechts verlaufende Nāḍī, der Sonne zugeordnet (Verse 52–55). rechter Hauptkanal
prāṇa
Sowohl der Lebensatem insgesamt – der „gleiche Prāṇa“, der in allen Wesen einer ist (Vers 99) – als auch der erste der fünf Hauptwinde, der die Seele nach oben zieht; das Wort sva im Namen Svādhiṣṭhāna wird auf ihn gedeutet (Verse 47, 56–60). Lebensatem; aufwärts wirkender Hauptwind
prāṇāyāma
Zweites Glied des Yoga (im Text prāṇa-saṃrodha genannt); seine Gottheiten sind Brahmā (Einatmung), Viṣṇu (Anhalten) und Rudra (Ausatmung) (Vers 21); den drei Atemphasen werden die Meditationen der drei Götter zugeordnet (Verse 30–32). Atemzügelung
praṇava
Die aus a, u, m und der halben More bestehende heilige Silbe, in der Welten, Elemente, Veden, Ausrufungen und die Götter Brahmā, Viṣṇu, Śiva enthalten sind; Bogen, mit dem der Pfeil des Selbst das Ziel Brahman trifft; in Farbe und Guṇa dreifach, mit acht Gliedern, vier Füßen, drei Stätten und fünf Gottheiten (Verse 9–24, 36–39). die Silbe Oṃ
pūraka
Das Einfüllen des Atems, die erste der drei Atemphasen; dem Brahmā (Vers 21) bzw. der Meditation Viṣṇus im Nabel (Vers 30) zugeordnet; Gegenstück recaka, die Ausatmung. Einatmung
rajas
Im Bindu-Kontext das rote Menstrualblut am Ort der Yoni, der Sonne und der Śakti zugeordnet (Verse 87–90); als Guṇa die Qualität des Lautes a (Vers 12). Rotes; weibliche Essenz; Guṇa der Bewegung
samarasa
Die Verschmelzung von weißem und rotem Bindu bzw. Mond und Sonne, deren Kenntnis den Yoga-Kenner ausmacht (Vers 91). Gleichgestimmtheit, Einheit im gleichen Wesen
siddhi
Das Gelingen der Praxis, nach einem Jahr rechter Lebensführung verheißen (Vers 72); der Yogin als „Gefäß der Vollendung“ (Vers 73). Vollendung, Erfolg
śukra
Der weiße Bindu (auch śukla), dem Mond und Śiva zugeordnet; sein Erhalt bewahrt vor dem Tod (Verse 84–90). das Weiße; Samen
suṣumnā
Der in der Mitte verlaufende Nāḍī, dem Feuer zugeordnet; Aufstiegsweg der erweckten Kuṇḍalinī und des emporgesogenen Windes, fein wie eine Lotosfaser (Verse 38, 52–56, 67, 101). mittlerer Hauptkanal
turīya
Der vierte Bewusstseinszustand jenseits von Schlaf, Traum und Tiefschlaf, in dem der Verstand allein auf das höchste Selbst bezogen ist; darüber liegt das „Jenseits des Vierten“ (turīyātīta), in dem der Befreite als Wonne selbst verweilt (Vers 94). das Vierte
uḍḍiyāṇa-bandha
Zurückziehen des Bauches nach hinten oberhalb des Nabels; lässt den „großen Vogel“ (Atem) auffliegen und gilt als „Löwe gegen den Elefanten Tod“ (Verse 75–77). Bauchverschluss
vāsudeva
Der im Herzlotos auf einem edelsteingeschmückten Thron zu meditierende Gott mit Śrīvatsa und Kaustubha, strahlend wie Kristall und zehn Millionen Monde (Verse 28–29); als vierarmiger „großer Viṣṇu“ auch im Nabel (Vers 30). Viṣṇu-Kṛṣṇa
vāyu
Die zehn Winde des Körpers: fünf Hauptwinde (Prāṇa, Apāna, Samāna, Udāna, Vyāna) und fünf Nebenwinde (Nāga, Kūrma, Kṛkaraka, Devadatta, Dhanañjaya) (Verse 56–58); die fünf Hauptwinde werden zudem mit den Keimsilben und Farben der Elemente verbunden (Verse 95–97). Wind, Lebenswind
vyāhṛti
Die drei Ausrufungen bhūḥ, bhuvaḥ, svaḥ, die mit Erde, Luftraum und Himmel den drei Lauten des Oṃ zugeordnet werden (Verse 9–12). heilige Ausrufung
yoni
Der Ort im Ādhāra-Cakra (Kāmarūpa/Kāmākhyā), der das Liṅga birgt (Verse 44–45); in den Mudrās der Damm, der mit der Ferse gepresst wird (Verse 74, 93); Sitz des roten Rajas (Vers 87). Schoß; Damm; Ursprungsort
yoni-mudrā
Verschluss, der den bereits abgeflossenen Bindu zurückhält und kraft der Śakti nach oben lenkt (Verse 85–86). Schoß-Siegel