Quellen der Menschheit

Glossar (Yogacūḍāmaṇi)

Yogacūḍāmaṇi-Upaniṣad · 45 Begriffe

ajapā-gāyatrī
Das mit jedem Atemzug von selbst gesprochene Mantra haṃsa (ha beim Ausatmen, sa beim Einatmen), das nach dem Text 21.600-mal in Tag und Nacht ertönt; gilt als höchste Form des Japa, weil sie ohne willentliches Murmeln geschieht (Verse 32–35). „ungemurmelte“ Gāyatrī; das Atem-Mantra haṃsa
apāna
Einer der fünf Hauptwinde, mit Sitz im After; verantwortlich für Ausscheidung und Abwärtsbewegung. Seine Umkehr nach oben und Vereinigung mit dem Prāṇa (Mūla-Bandha, Vers 46–47) ist ein Kernanliegen des Haṭha-Yoga. abwärts wirkender Lebenswind
āsana
Erstes Glied des Yoga; der Text nennt nur zwei Sitze, das Siddhāsana und den Lotossitz (kamalāsana/padmāsana) (Vers 3). Sitzhaltung
bandha
Muskuläre Verschlusstechnik zur Lenkung von Atem und Bindu; der Text lehrt Mūla-Bandha, Oḍyāṇa/Uḍḍiyāna-Bandha und Jālandhara-Bandha (Verse 45–51). Verschluss, Bindung
bindu
Die im Körper bewahrte Lebensessenz, zweifach als weißer Bindu (śukla, Samen, Mond) und rotes Rajas (Menstrualblut, Sonne). Ihr Erhalt und ihre Vereinigung bewirken Unsterblichkeit und den „göttlichen Leib“ (Verse 56–64, 89). Tropfen; Samen; Lebenspunkt
brahma-dvāra
Der untere Eingang der Suṣumnā, den die schlafende Kuṇḍalinī mit ihrem Mund verschließt (Verse 37–38). Brahma-Tor
brahma-randhra
Die Öffnung am Scheitel, Sitz des tausendblättrigen Lotos und Ziel des Aufstiegs von Atem und Kuṇḍalinī (Vers 6). Brahma-Öffnung am Scheitel
cakra
Die sechs Zentren des feinstofflichen Körpers als Lotosse mit vier, sechs, zehn, zwölf, sechzehn und zwei Blättern (Ādhāra, Svādhiṣṭhāna, Maṇipūraka, Herzlotos, Viśuddha, Brauenzentrum), darüber der Tausendblättrige (Verse 4–6). Rad; Energiezentrum
dhāraṇā
Viertes Glied des Yoga: Festhalten des Geistes (und des Windes) an einem Ort; nach Vers 111 aus zwölf Pratyāhāras entstehend. Sammlung, Fixierung
dhyāna
Fünftes Glied des Yoga; im Text als zwölf Dhāraṇās bestimmt (Vers 112); Meditationsobjekte sind u.a. Mond- und Sonnenscheibe (Verse 96–97). Meditation
guṇa
Die drei Qualitäten Sattva, Rajas, Tamas, die den Göttern Viṣṇu, Brahmā und Rudra sowie den Lauten u, a, m zugeordnet werden (Verse 72, 75–76); in Vers 29 zugleich im Wortsinn „Schnur“ gebraucht. Grundqualität; Schnur
haṃsa
Der Atemklang ha-sa, zugleich Bezeichnung der individuellen Seele; gedeutet als tat tvam asi: sa = du (die Seele), ha = Das (der Herr) (Verse 31–33, 82–83, 93). Gans/Schwan; der Atem; die Seele
iḍā
Der links verlaufende Nāḍī, dem Mond zugeordnet; durch ihn wird beim Wechselatmen eingeatmet (Verse 16, 18, 95, 98). linker Hauptkanal
jālandhara-bandha
Zusammenziehen der Kehle mit dem Kinn auf der Brust; hält den vom Kopf herabtropfenden Nektar (nabho-jala) vor dem Verdauungsfeuer zurück (Verse 50–51). Kehlverschluss
jīva
Die verkörperte Seele, die von Prāṇa und Apāna hin- und hergezogen wird und durch das „Mein“-Denken gebunden ist (Verse 27–30, 84). individuelle Seele, Lebewesen
kaivalya
Der Zustand der Befreiung, den das „Kronjuwel des Yoga“ verheißt (Vers 1). Alleinsein, Absolutheit
kanda
Eiförmiger Knoten zwischen Nabel und Glied, aus dem die 72.000 Nāḍīs entspringen und über dem die Kuṇḍalinī liegt (Verse 12, 14–15, 36). Knolle, Wurzelknoten
khecarī-mudrā
Zurückwenden der Zunge in die Schädelhöhle bei Blick zwischen die Brauen; verheißt Freiheit von Krankheit, Tod, Schlaf, Hunger und Durst sowie den Erhalt des Bindu (Verse 52–58). „die im Raum Wandelnde“
kumbhaka
Das Anhalten des Atems zwischen Ein- (pūraka) und Ausatmung (recaka); im Text mit sechzehn Moren bemessen (Verse 101–103). Atemanhalten
kuṇḍalinī
Die göttliche Kraft (parameśvarī), die in acht Windungen über der Knolle schläft und das Brahma-Tor verschließt; erweckt steigt sie durch die Suṣumnā auf und öffnet das Tor der Erlösung (Verse 36–39, 44). die Zusammengerollte; Schlangenkraft
liṅga
In Vers 8 das „große Liṅga“ in der Yoni des Mūlādhāra; in Vers 72 der Feinleib (liṅga-śarīra) aus Sinnen, Winden, Manas und Buddhi. Zeichen; Phallus; Feinleib
mahāmudrā
Übung mit Fersendruck auf den Damm, gehaltenem gestreckten Bein und Atemanhalten; reinigt die Nāḍīs, trocknet schädliche Säfte und heilt zahlreiche Krankheiten (Verse 65–70). das große Siegel
mātrā
Zeiteinheit des Prāṇāyāma, hier als Dauer eines Atemzugs bestimmt (Vers 100); die Stufen des Prāṇāyāma umfassen 12, 24 und 36 Moren (Vers 104). More, Zeitmaß
mitāhāra
Sehr fetthaltige, süße Speise unter Auslassung eines Viertels des Magens, gegessen zur Freude Śivas (Vers 43). maßvolle Nahrung
mudrā
Techniken zur Versiegelung und Lenkung der Lebensenergie; der Text nennt fünf (Vers 45): Mahāmudrā, Nabhomudrā (= Khecarī), Oḍyāṇa, Jālandhara, Mūla-Bandha. Siegel
mūla-bandha
Fersendruck auf den Damm und Zusammenziehen des Beckenbodens, um den Apāna nach oben zu ziehen; vereint Apāna und Prāṇa und verjüngt (Verse 46–47). Wurzelverschluss
nāḍī
Die 72.000 feinstofflichen Kanäle des Körpers; zehn Hauptkanäle werden mit Namen und Endpunkten genannt, die drei wichtigsten sind Iḍā, Piṅgalā und Suṣumnā (Verse 15–21). Kanal, Ader
nāda
Der unangeschlagene (anāhata) Ton des Praṇava, „wie ein Ölstrahl, wie eine Glocke“, der bei gereinigten Nāḍīs und im Scheitel angelangtem Wind hörbar wird (Verse 79–80, 99, 115). innerer Klang
oḍyāṇa-bandha
Zurückziehen des Bauches unterhalb des Nabels; lässt den „großen Vogel“ (Atem) auffliegen und gilt als „Löwe gegen den Elefanten Tod“ (Verse 48–49). Uḍḍiyāna, Bauchverschluss
piṅgalā
Der rechts verlaufende Nāḍī, der Sonne zugeordnet; durch ihn wird beim Wechselatmen ausgeatmet (Verse 16, 18, 95, 98). rechter Hauptkanal
prāṇa
Sowohl der Lebensatem insgesamt als auch der erste der fünf Hauptwinde mit Sitz im Herzen; das Wissen vom Prāṇa gilt als das „große Wissen“ (Verse 22–23, 36). Lebensatem; aufwärts wirkender Hauptwind
prāṇāyāma
Zweites Glied des Yoga (im Text prāṇa-saṃrodha genannt); Wechselatmung über Iḍā und Piṅgalā, Maße 12–16–10 Moren, drei Stufen (Schweiß, Zittern, Stillstand); heilt richtig geübt alle Krankheiten, falsch geübt erzeugt er sie (Verse 92–108, 116–119). Atemzügelung
praṇava
Die aus a, u, m bestehende heilige Silbe, in der Veden, Welten, Guṇas, Zustände und die Götter Brahmā, Viṣṇu, Rudra enthalten sind und die ihnen allen übergeordnet ist (Verse 71–88). die Silbe Oṃ
pratyāhāra
Drittes Glied des Yoga: das Zurückziehen der Sinne von ihren Objekten, wie die Sonne am Abend ihr Licht zurückzieht (Verse 109, 111, 120–121). Zurückziehen der Sinne
rajas
Im Bindu-Kontext das rote Menstrualblut, der Sonne und der Śakti zugeordnet (Verse 60–64); als Guṇa die Qualität Brahmās (Vers 72, 75). Rotes; weibliche Essenz; Guṇa der Bewegung
sahasrāra
Das Scheitelzentrum im Brahmarandhra, über den sechs Cakras (Eingangsvers, Vers 6). tausendspeichiger Lotos
samādhi
Sechstes Glied des Yoga; aus zwölf Dhyānas entstehend; in ihm wird das höchste Licht geschaut, und Tatwerk wie Wiedergeburt enden (Verse 10, 110, 112–113). Versenkung
samarasa
Die Verschmelzung von Bindu und Rajas bzw. Mond und Sonne, deren Kenntnis den Yoga-Kenner ausmacht (Vers 64). Gleichgestimmtheit, Einheit im gleichen Wesen
siddhi
Das Gelingen der Praxis, das ohne Kenntnis des eigenen Körpers unerreichbar ist (Vers 4); nach einem Jahr Übung verheißen (Vers 42). Vollendung, Erfolg
śukla
Der weiße Bindu, dem Mond und Brahmā zugeordnet; sein Erhalt bewahrt vor dem Tod (Verse 60–64). das Weiße; Samen
suṣumnā
Der in der Mitte verlaufende Nāḍī, der die Knolle „wie ein Faden das Juwel“ durchzieht; Aufstiegsweg der erweckten Kuṇḍalinī (Verse 12, 16, 19, 39). mittlerer Hauptkanal
turīya
Der vierte Bewusstseinszustand jenseits von Wachen, Traum und Tiefschlaf, dessen „Person“ das Selbst als Zeuge von allem ist (Vers 72). das Vierte
vāyu
Die zehn Winde des Körpers: fünf Hauptwinde (Prāṇa, Apāna, Samāna, Udāna, Vyāna) und fünf Nebenwinde (Nāga, Kūrma, Kṛkara, Devadatta, Dhanañjaya) mit ihren Sitzen und Funktionen (Verse 22–26). Wind, Lebenswind
yoni
Der Ort im Mūlādhāra bzw. in der Knolle (Kāmarūpa/Kāmākhyā), „wie ein Vogelei“; in den Mudrās der Damm, der mit der Ferse gepresst wird (Verse 7–8, 14, 46, 66). Schoß; Damm; Ursprungsort
yoni-mudrā
Verschluss, der den entflammten Bindu zurückhält und nach oben lenkt (Vers 59). Schoß-Siegel