Quellen der Menschheit

Glossar (Yogakuṇḍalinī)

Yogakuṇḍalinī-Upaniṣad · 52 Begriffe

abhyāsa
Die regelmäßige Praxis, die im zweiten Adhyāya der „Vereinigung“ (melana) gegenübergestellt wird: Beide gelingen nicht zugleich, die Übung allein führt nicht zum Ziel (2.5–7); im dritten Adhyāya ist der „Yoga der Übung“ die Bedingung für das Aufleuchten der Erkenntnis (3.15). Übung, beständige Praxis
ājñā-cakra
Das sechste Cakra, dem Kopf zugeordnet (3.10–11); Sitz des Bindu (baindava-sthāna, 3.8) und Ort, bis zu dem die Kuṇḍalinī erregt werden soll (1.7). Befehls-Cakra zwischen den Brauen
amṛta
Der vom Mond im Kopf herabfließende Nektar (1.70–73), dessen Kosten den Geist von den Sinnesobjekten löst; zugleich die Unsterblichkeit, zu der die Yogins durch Samādhi gelangen (3.14). Nektar, Unsterblichkeit
anāhata
Das vierte Cakra im Herzen (3.10–11). In 1.69 nennt der Text abweichend ein sechzehnblättriges „Mond-Cakra“ Anāhata, das oberhalb der Brauenmitte liegt. Herz-Cakra
apāna
Der im After sitzende Wind, der durch den Mūla-Bandha mit Kraft nach oben gewendet wird; vereint mit dem Feuer und dem Prāṇa erhitzt er die Kuṇḍalinī (1.42–45, 63–65). abwärts wirkender Lebenswind
āsana
Zweites der drei Mittel zur Bezwingung des Windes (1.2); der Text lehrt zwei Sitze, Padmāsana und Vajrāsana (1.4–6). Sitzhaltung
ātivāhika
Der feinstoffliche, aus Bewusstsein bestehende Leib, den der Yogin nach der Läuterung des grobstofflichen Körpers erlangt (1.77–78); Begriff der Yogavāsiṣṭha-Tradition. Übergangsleib
bandha
Die drei muskulären Verschlüsse Mūla-Bandha, Uḍḍīyaṇa und Jālandhara, die beim Kumbhaka auszuführen sind (1.40–52) und den Prāṇa in die Brahma-Nāḍī leiten. Verschluss
bhastrī
Viertes Kumbhaka: schnelles Aus- und Einatmen wie der Blasebalg des Schmieds, dann Anhalten; erweckt die Kuṇḍalī, beseitigt den Schleimriegel am Eingang der Brahma-Nāḍī und durchbricht die drei Knoten (1.32–39). Blasebalg-Atmung
bīja
Die Keimsilbe der Khecarī, in 2.17–20 verschlüsselt angedeutet und im Melana-Mantra (hrīṃ bhaṃ saṃ paṃ phaṃ saṃ kṣam) zu Beginn des dritten Adhyāya mitgeteilt. Keimsilbe
bindu
Die Lebensessenz, zweifach als weißes śukla (Mond) und rotes rajas (Sonne), die in Śiva eingehen (1.72, 75); nach dem dritten Adhyāya entsteht der Bindu aus dem Geist wie Butterschmalz aus Milch (3.5–6) und ist mit Wind, Sattva und Prakṛti gleichzusetzen (3.8). Tropfen; Samen; Lebenspunkt
brahma-dvāra
Die Öffnung am Gaumen bzw. am Eingang der Schädelhöhle, in die die Zunge bei der Khecarī nach dreijähriger Übung eintritt (2.40–42); auch „Brahma-Riegel“ (brahmārgala) und „Brahma-Höhle“ (brahma-bila). Brahma-Tor
brahma-nāḍī
Name der Suṣumnā als Aufstiegsweg von Prāṇa und Kuṇḍalinī; ihr Eingang ist von einem Schleimriegel verschlossen, den das Bhastrī-Kumbhaka beseitigt (1.38, 46, 52). Brahma-Kanal
brahma-randhra
Die Öffnung am Scheitel, mit der die Kuṇḍalinī verbunden ist (1.83) und die die Zunge bei vollendeter Khecarī verschließt (2.36). Brahma-Öffnung am Scheitel
brahmāṇḍa
Das Weltall, das dem Leib (piṇḍa, piṇḍāṇḍa) entspricht und mit ihm eins ist (1.81; 3.22); der Yogin schaut es im eigenen Körper (2.49) und wird selbst zum Weltei (3.13). Weltei, Makrokosmos
cakra
Die sechs Zentren Mūlādhāra (After), Svādhiṣṭhāna (Glied), Maṇipūra (Nabel), Anāhata (Herz), Viśuddhi (Kehlwurzel) und Ājñā (Kopf), die zu kennen sind, bevor man in den „Kreis der Seligkeit“ eintritt (3.9–12); die Kuṇḍalinī durchbricht sie auf ihrem Weg (1.86). Rad; Energiezentrum
cid-ābhāsa
Die aus Unwissenheit entstandene Spiegelung des Bewusstseins im Verstand, die sich für das Ich hält; sie verbrennt wie Baumwolle im Feuer, wenn das Selbst durch sein eigenes Licht erkannt wird (3.30). Abglanz des Bewusstseins
citta
Der Geist, dessen zwei Ursachen die Prägungen (vāsanā) und der Wind sind (1.1); er löst sich in der Suṣumnā auf (1.62) und wird nach dem Kosten des Nektars in sich selbst ruhend (1.73). Geist, Denkorgan
granthi
Die drei Knoten Brahma-Granthi (Rajas, Wurzelzentrum), Viṣṇu-Granthi (Herz) und Rudra-Granthi (Brauenmitte), die aus den drei Guṇas entstanden sind und von der aufsteigenden Kuṇḍalinī durchbrochen werden (1.39, 67–68, 85–86). Knoten
guru
Der Lehrer, aus dessen Mund allein die „Vereinigung“ (melana) und die Lehrschrift der Khecarī zu erlangen sind; er ist als Śiva anzusehen (2.8–15) und ist der Steuermann, dessen Wort den Krug des Leibes zerbricht (3.17). Lehrer
jālandhara-bandha
Zusammenziehen der Kehle am Ende des Einatmens, das den Weg des Windes versperrt (1.51–52); bereits beim Erregen der Sarasvatī angewandt (1.15–16). Kehlverschluss
jīvan-mukti
Der Zustand des Weisen, der bis zu Schlaf und Tod in der Meditation verharrt; mit dem Zerfall des Leibes geht er in die leiblose Befreiung ein „wie der Wind in die Bewegungslosigkeit“ (3.33–34). Befreiung zu Lebzeiten
kanda
Der Wurzelknoten nahe dem Damm, den die Kuṇḍalinī mit ihrer Haube berührt (1.82) und der beim Uḍḍīyaṇa gepresst wird (1.49); auch der Knöchel des Fußes (1.6). Knolle, Wurzelknoten
khecarī
Dreifacher Name: die Mudrā des Zurückwendens der Zunge in die Schädelhöhle (2.28–49), das Wissen samt Mantra, das Alter und Tod überwindet (2.1–27), und die Kraft, die mit beiden verbunden wird (2.16). Der Vollendete wird Herr der Raumwandler (2.17). „die im Raum Wandelnde“; Mudrā, Vidyā und Śakti
kumbhaka
Die „Zügelung“ (āyāma) des Atems; zweifach als verbundenes (sahita) und reines (kevala) Anhalten; die vier verbundenen Arten sind Sūryabheda, Ujjāyī, Śītalī und Bhastrī (1.19–39), täglich um fünf zu steigern (1.54–55). Atemanhalten
kuṇḍalinī
Die Kraft (śakti), die zusammengerollt über dem Wurzelknoten schläft, ihren Schwanz im Mund hält und die Suṣumnā verschließt (1.82–83). Erregt (śakti-cālana), erhitzt und vom Wind gestoßen richtet sie sich auf wie eine geschlagene Schlange, durchbricht Knoten und Lotosse und vereinigt sich mit Śiva (1.7–14, 45–46, 65–74, 84–86). die Zusammengerollte; Schlangenkraft
kūṭa
Die tantrische Buchstabenverschlüsselung, in der der Keimlaut der Khecarī angedeutet wird (2.18–20); ihre Auflösung ist nur durch den Lehrer zu erlangen (2.21). Verschlüsselung
kūṭa-stha
Das unveränderliche Selbst „auf dem Gipfel“, der höchste Gott jenseits der Rede, mit dem der Wissende sich in „Ich bin Er“ (so 'ham) identifiziert (3.20, 26). der Unwandelbare
mathana
Das Hin- und Herbewegen der in die Schädelhöhle eingetretenen Zunge mit Hilfe einer Sonde aus Gold, Silber oder Eisen, monatlich zu üben (2.42–47); im Bild des Feuerbohrens auch die Übung, die die Erkenntnis hervorbringt (3.14). Quirlen, Reiben
melana
Die Verbindung von Übung und mündlich überlieferter Mantra-Lehre, die nur aus dem Mund des Lehrers zu erlangen ist und die Śiva-heit verleiht (2.5–9, 12, 26); der „Melana-Mantra“ eröffnet den dritten Adhyāya. Vereinigung
mitāhāra
Sehr fetthaltige, süße Speise unter Auslassung eines Viertels des Magens, gegessen zur Freude Śivas – erstes der drei Mittel zur Bezwingung des Windes (1.2–4). maßvolle Nahrung
mūla-bandha
Zusammenziehen des Afters, das den abwärts strebenden Apāna nach oben wendet; führt Apāna und Feuer zum Prāṇa und erweckt die Kuṇḍalinī, daher stets auszuführen (1.42–46, 63–64). Wurzelverschluss
nāḍī
Die feinstofflichen Kanäle; genannt werden die rechte Nāḍī (Sonne, Piṅgalā), die Iḍā (links), die Suṣumnā (Brahma-Nāḍī) und die Sarasvatī (1.10, 24–26). Kanal
nirañjana
Bezeichnung des höchsten Absoluten, an das sich der Yogin halten soll, nachdem er Begierde und Sinnesobjekte aufgegeben hat (3.3). der Makellose
padmāsana
Sitz mit beiden Fußsohlen auf den Oberschenkeln, der alle Sünden vernichtet (1.5); Grundhaltung für Śakti-Cālana und Kumbhaka (1.10, 23, 32, 83). Lotossitz
prāṇa
Der „brennende Wind“, dessen Zügelung der Prāṇāyāma ist (1.19); von Apāna und Feuer erhitzt (1.44), verlässt er die Iḍā und tritt von selbst in die Suṣumnā ein (1.14, 52). Lebensatem; aufwärts wirkender Wind
prāṇa-rodha
Zweites Hauptmittel neben dem Erregen der Sarasvatī (1.8); umfasst die Kumbhakas und Bandhas des ersten Adhyāya (1.19–55). Atemhemmung, Prāṇāyāma
rāja-danta
Das Zäpfchen, oberhalb dessen die Kuṇḍalī als „großer Pfad“ des Weltei liegt (2.49); die Zunge überschreitet es bei der Khecarī. „Königszahn“, Gaumenzäpfchen
sahasrāra
Das Scheitelzentrum, in dem sich die Kraft mit Śiva vereint und freut (1.86); der Ort „von der Gestalt der acht Prakṛtis“ (1.74). tausendblättriger Lotos
śakti-cālana
Drittes Mittel zur Bezwingung des Windes: Das In-Bewegung-Setzen der Kuṇḍalinī von ihrem Ort bis zur Brauenmitte, praktisch als Erregen der Sarasvatī durch Umwickeln des Bauches mit einem Tuch und Hin- und Herbewegen mit den Händen, verbunden mit Kehlverschluss und Ausatmung durch die Piṅgalā (1.2, 7–18, 53). Erregen der Kraft
samādhi
Der Zustand, in dem die Yogins zur Unsterblichkeit gelangen (3.14); der höchste Zustand, der Seligkeit bewirkt (Schluss des ersten Adhyāya). Versenkung
sarasvatī
Der Text nennt die Suṣumnā bzw. die in ihr liegende Kuṇḍalinī Sarasvatī, auch Arundhatī; ihr Erregen bringt die Kuṇḍalī von selbst in Bewegung und heilt Bauchkrankheiten (1.8–18). Sarasvatī, „die Klangträchtige“; Name der Kuṇḍalinī-Nāḍī
śītalī
Drittes Kumbhaka: Einatmen durch die Zunge, Anhalten, Ausatmen durch die Nase; vernichtet Geschwulst, Milzleiden, Schwindsucht, Galle, Fieber, Durst und Gifte (1.30–31). kühlendes Kumbhaka
sūrya-bheda
Erstes Kumbhaka: Einatmen durch die rechte Nāḍī (Sonne), Ausatmen durch die Iḍā; reinigt den Schädel und vernichtet Wind- und Wurmleiden (1.24–26). Sonnendurchbrechung
suṣumnā
Der mittlere Kanal, in dessen Mund die Kuṇḍalinī eintritt und den der Prāṇa nach ihrem Erregen von selbst befährt (1.13–14, 47, 66–67); ihre Durchbrechung führt den Wind in die Mitte (3.7). mittlerer Hauptkanal
uḍḍīyaṇa-bandha
Zurückziehen des Bauches am Ende des Anhaltens und zu Beginn des Ausatmens, wobei der Prāṇa in der Suṣumnā „auffliegt“ (uḍḍīyate); im Vajrāsana mit Pressen des Kanda ausgeführt (1.47–50). Bauchverschluss, „Auffliegen“
ujjāyī
Zweites Kumbhaka: Einatmen durch beide Nasenlöcher mit Geräusch von der Kehle bis zum Herzen, Anhalten, Ausatmen durch die Iḍā; auch im Gehen und Stehen möglich (1.26–29). „siegreiches“ Kumbhaka
vāc
Parā (Keim), Paśyantī (zweiblättrig), Madhyamā (Knospe) und Vaikharī (Blüte): die Entfaltung der Rede vom unhörbaren Keim bis zum ausgesprochenen Wort, die in umgekehrter Reihenfolge wieder untergeht; ihr Erwecker ist der Kūṭastha (3.18–20). Rede in vier Stufen
vajrāsana
Sitz mit dem Knöchel des linken Fußes unter dem Damm und dem anderen Fuß darüber, Nacken, Kopf und Rumpf in gerader Linie (1.6) – entspricht dem Siddhāsana der Haṭhapradīpikā; Haltung für den Uḍḍīyaṇa (1.48). Donnerkeil-Sitz
vāsanā
Die im Geist liegenden Eindrücke, neben dem Wind die zweite Ursache des Geistes; vergeht eine von beiden, vergehen beide (1.1). Die durch Übung gewonnene Prägung trägt über das Meer des Daseins (3.18). Prägung, latente Neigung
vighna
Die zehn Hindernisse des Yoga: Aufgeben der Übung wegen Krankheit, Zweifel, Unachtsamkeit, Trägheit, Schlaf, Aufhören, Verwirrung, Unausgeglichenheit, das Unbenennbare und Nichterreichen des Yoga-Wesens (1.57–61); ihre Ursachen sind Tagschlaf, Nachtwachen, Ausschweifung, Umherwandern und falsche Nahrung (1.56–57). Hindernis
vyoman / kha
Das kha („Raum“) im Namen Khecarī bezeichnet die Schädelhöhle bzw. den Bewusstseinsraum, in dem die Zunge und die Kraft „wandeln“ (2.16–17). Raum