Glossar (Yogatattva)
Yogatattva-Upaniṣad · 45 Begriffe
- amarolī
- Verhüllend beschriebene Übung: tägliches Trinken der Amarī, Nasenspülung und beständige Vajrolī (Vers 128); in der Haṭhapradīpikā bezeichnet amarī den eigenen Harn. Übung mit dem „Unsterblichkeitstrank“ (amarī)
- aṇimā
- Stellvertretend für die acht Siddhis (aṇimā, mahimā, laghimā usw.), die dem Yogin aus Mantra-Yoga und Meditation mit Eigenschaften erwachsen (Verse 22, 105, 109). Kleinwerden; erste der acht Kräfte
- ārambhāvasthā
- Erste der vier Stufen des Yoga; ihre Kennzeichen sind Zittern, Froschbewegung, Schweben, Kräfte und Schönheit (Verse 20, 52–64). Anfangsstufe
- bindu
- Die zu bewahrende Lebensessenz; ihr Verlust durch Vereinigung mit Frauen zerstört den Erfolg, ihr Bewahren erzeugt Wohlgeruch (Verse 61–62); mit Nāda im Mūla-Bandha zur Einheit gebracht (Vers 121). Tropfen; Samen; Lebensessenz
- dārdurī
- Hüpfende Fortbewegung im Lotossitz auf der Anfangsstufe, „wie ein Frosch“ (Verse 53–54). Froschbewegung
- dhāraṇā
- Sechstes Glied des Haṭha-Yoga; im Text vor allem die fünf Element-Dhāraṇās mit Körperzone, Form, Farbe, Keimsilbe und Gottheit, je zwei Stunden gehalten (Verse 84–102). Sammlung, Fixierung
- dhyāna
- Siebtes Glied; auf Hari zwischen den Brauen (Vers 25); saguṇa (mit Eigenschaften, verleiht Kräfte) oder nirguṇa (ohne Eigenschaften, führt zum Samādhi) (Verse 104–105). Meditation
- doṣa
- Die Fehler der Einzelseele – Begierde, Zorn, Furcht, Verblendung, Gier, Hunger, Durst, Scham usw. –, von denen befreit sie das Alleinsein erlangt (Verse 12–14). Fehler, Makel
- ghaṭāvasthā
- Zweite Stufe des Yoga, in der Prāṇa und Apāna, Manas und Buddhi, Einzelseele und höchstes Selbst zur Einheit „zusammenkommen“ (ghaṭ) (Verse 65–72). Gefäß-Stufe
- ghaṭikā
- Sechzig Ghaṭikās bilden einen Tag; die Element-Dhāraṇās werden je fünf Ghaṭikās (zwei Stunden), die Meditation sechzig Ghaṭikās gehalten (Verse 86–104). Zeitmaß von 24 Minuten
- haṭha-yoga
- Dritte der vier Yoga-Arten; im Text achtgliedrig (Yama, Niyama, Āsana, Prāṇasaṃyama, Pratyāhāra, Dhāraṇā, Dhyāna, Samādhi) und mit Mudrās, Praṇava und Vajrolī verbunden (Verse 19, 24–27). Yoga der Kraft
- jālandhara-bandha
- Zusammenziehen der Kehle mit dem Kinn auf der Brust, „Löwe gegen den Elefanten Tod“ (Verse 118–119). Kehlverschluss
- jīva
- Das Selbst, insofern es durch Ich-Bewusstsein und Vorstellung mit Körper, Freuden und Leiden verbunden ist; von den Fehlern befreit ist es allein (kevala) (Verse 8–13). Einzelseele
- jīvanmukta
- Wer den Wind anhält und den Samādhi erreicht, ist schon im Leben befreit (Vers 106). zu Lebzeiten Befreiter
- jñāna
- Das Wissen um die eigene Gestalt als teilloses, makelloses Selbst; ohne Yoga nicht zur Erlösung fähig, wie Yoga nicht ohne Erkenntnis (Verse 14–18). Erkenntnis
- kaivalya
- Der höchste Stand, der auf den vielen anderen Wegen schwer, durch Erkenntnis und Yoga aber erreichbar ist (Verse 6, 13, 17). Alleinsein
- kevala-kumbhaka
- Anhalten ohne Ein- und Ausatmung, das aus dem beliebigen Halten des Windes hervorgeht; mit ihm ist nichts in den drei Welten unerreichbar (Verse 50–51, 68). reines Atemanhalten
- khecarī-mudrā
- Zurückwenden der Zunge in die Schädelhöhle mit Blick zwischen die Brauen (Verse 117–118); auch die Fähigkeit des Raumwandelns (khecaratva, Verse 101, 127). „die im Raum Wandelnde“
- kumbhaka
- Mittelphase des Prāṇāyāma, hier mit 64 Moren bemessen; viermal täglich bis zu achtzig Wiederholungen (Verse 37–43); vollendet als kevala-kumbhaka; „windlos wie eine Lampe im Krug“ (Vers 142). Atemanhalten
- kuṇḍalinī
- Wird auf der Vertrautheits-Stufe vom vertraut gemachten Wind zusammen mit dem Feuer erweckt und tritt in die Suṣumnā ein (Verse 81–82). Schlangenkraft
- laya-yoga
- Zweite Yoga-Art: die Auflösung des Geistes (citta-laya), die bei jeder Tätigkeit durch Meditation auf den teillosen Herrn geübt wird (Verse 19, 23–24). Yoga der Auflösung
- mahābandha
- Aus der Mahāmudrā entwickelt, indem der gestreckte Fuß auf den Oberschenkel gelegt wird; beidseitig zu üben (Verse 114–115). der große Verschluss
- mahāmudrā
- Linke Ferse am Damm, rechter Fuß gestreckt und gehalten, Kinn auf der Brust, Atem eingefüllt und gehalten; auf beiden Seiten zu üben (Verse 112–114). das große Siegel
- mahāvedha
- Im Mahābandha wird der Atem eingefüllt und mit der Ohren-Mudrā still gehalten, bis der Wind in die Suṣumnā aufzuckt; von den Siddhas unaufhörlich geübt (Verse 115–117). die große Durchbohrung
- mantra-yoga
- Erste und niedrigste Yoga-Art: zwölfjähriges Murmeln eines aus den Lauten der Mātṛkā gebildeten Mantra, das Erkenntnis und Kräfte verleiht (Verse 19, 21–22). Yoga des Mantra
- mātrā
- Definiert als die Zeit, in der man mit der Hand das Knie umkreist und mit den Fingern schnalzt (Vers 40); Grundlage der Maße 16 : 64 : 32. More, Zeitmaß
- māyā
- Das Netz, in dem alle Wesen mit Freuden und Leiden gefangen sind und das der Yoga zerschneidet (Verse 4–5). Täuschung, Blendwerk
- mitāhāra
- Gilt als das eine Hauptstück unter den Zügelungen (Vers 28); zu meiden sind Salz, Senf, Saures, Heißes, Scharfes, Blattgemüse, Asafoetida, empfohlen Milch, Butterschmalz, Weizen, Mungbohnen, Reis (Verse 46–49). leichte, maßvolle Nahrung
- mūla-bandha
- Fersendruck auf den Damm, Zusammenziehen und Hochtreiben des Apāna, hier auch Yoni-Bandha genannt; vereint Prāṇa und Apāna, Nāda und Bindu (Verse 120–122). Wurzelverschluss
- nāḍī-śuddhi
- Nach drei Monaten Wechselatmung erreicht; Kennzeichen: Leichtigkeit, Glanz, Verdauungsfeuer, Schlankheit (Verse 44–46). Reinigung der Kanäle
- niṣpatti
- Vierte Stufe des Yoga, die mit dem Rāja-Yoga erreicht wird und Unterscheidung und Leidenschaftslosigkeit hervorbringt (Verse 20, 129–130). Vollendung
- paricayāvasthā
- Dritte Stufe: Wind und Geist treten mit der Kuṇḍalinī in die Suṣumnā ein; Stufe der fünf Element-Dhāraṇās (Verse 81–103). Vertrautheits-Stufe
- prāṇāyāma
- Wechselatmung durch Iḍā und Piṅgalā mit dem Daumen der rechten Hand, langsam und ohne Zwang, im Maß 16 : 64 : 32 Moren (Verse 36–43). Atemzügelung
- praṇava
- Mit gedehnter More gemurmelt tilgt sie die Sünden (Verse 63–64); in ihren drei Lauten ruhen Welten, Veden, Feuer und Guṇas, ihre halbe More ist das Höchste; im Herzlotos öffnet a, spaltet u und ergibt m den Klang (Verse 134–139). die Silbe Oṃ
- pratyāhāra
- Im Kumbhaka geübt; eigentümlich gedeutet als Betrachtung alles Gesehenen, Gehörten, Gerochenen, Geschmeckten und Berührten als das Selbst (Verse 68–72). Zurückziehen der Sinne
- rāja-yoga
- Vierte und höchste Yoga-Art, die aus Vajrolī und Amarolī hervorgeht und mit der die Übung zur Vollendung kommt (Verse 19, 129). königlicher Yoga
- samādhi
- Zustand der Gleichheit von Einzelseele und höchstem Selbst, aus der eigenschaftslosen Meditation in zwölf Tagen erreicht (Verse 105–107). Versenkung
- siddhi
- Sowohl das Ziel des Yoga als auch die Kräfte auf dem Weg (Fernhören, Gestaltwandel, Unsichtbarkeit, Goldmachen), die als Hindernisse der großen Vollendung zu verbergen sind (Verse 73–77). Vollendung; übernatürliche Kraft
- suṣumnā
- Der „große Pfad“, in den auf der Vertrautheits-Stufe Wind, Geist und Kuṇḍalinī eintreten und in dem der Prāṇa beim Uḍḍiyāna auffliegt (Verse 82–83, 119). mittlerer Hauptkanal
- uḍḍiyāna-bandha
- So genannt, weil durch ihn der Lebensatem in der Suṣumnā „auffliegt“ (uḍḍīyate) (Verse 119–120). Bauchverschluss
- vajrolī
- Verhüllend genannte Technik der Bindu-Bewahrung; wer sie übt, ist ein Gefäß der Vollendung, kennt Vergangenes und Künftiges und erlangt das Raumwandeln (Verse 27, 126–128). Diamant-Übung
- viparīta-karaṇī
- Kopf unten, Füße oben, täglich etwas länger; mehrt das Verdauungsfeuer, erfordert reichliche Nahrung und beseitigt Runzeln und graues Haar (Verse 122–126). Umkehrhaltung
- vighna
- Hindernisse der Anfangszeit – Trägheit, Prahlerei, Umgang mit Schwindlern, Alchemie, Frauen, Wankelmut (Verse 30–31) – und die Siddhis selbst als Hindernisse der großen Vollendung (Vers 76). Hindernis
- yama, niyama
- Erste beiden Glieder des Haṭha-Yoga; als Hauptstücke gelten leichte Nahrung (yama) und Gewaltlosigkeit (niyama) (Verse 24, 28–29). Zügelungen und Regeln
- yogatattva
- Titel und Gegenstand des Werks: die von Viṣṇu gelehrte Wahrheit des Yoga, deren Hören und Rezitieren von allen Sünden befreit (Vers 1). Wesenheit des Yoga