Glossar
Atharvaveda-Saṃhitā · 49 Begriffe
- Agni
- Gott des (Opfer-)Feuers, Mittler zwischen Menschen und Göttern, dem in der Atharvaveda-Saṃhitā neben seiner vedaweit vertrauten Rolle auch zahlreiche apotropäische Funktionen zufallen (Abwehr von Dämonen, Krankheiten und Feinden durch das Feuer). Feuergott
- Indra
- Kriegerischer Hauptgott des vedischen Pantheons, Bezwinger des Vṛtra und Anführer der Götter im Kampf gegen Dämonen; in der Atharvaveda-Saṃhitā oft als Beistand in Kampf-, Sieges- und Schutzzaubern angerufen. Gott des Gewitters und Königs der Götter
- Soma
- Sowohl der berauschende Opfertrank als auch die ihn verkörpernde Gottheit; Mond und Soma werden im späteren Veda zunehmend gleichgesetzt (vgl. Mondgott). Somapflanze/-trank und ihr Gott
- Varuṇa
- Gott, der über die Einhaltung des Ṛta (der kosmischen und sittlichen Ordnung) wacht und Eidbrüchige mit seiner Schlinge (pāśa) bindet; in der Atharvaveda-Saṃhitā häufig in Sünden- und Fesselungszaubern präsent. Hüter der kosmischen Ordnung
- Yama
- Erster Sterblicher, der den Pfad des Todes fand, und seither Herrscher über die Verstorbenen und ihr Reich; zentrale Gestalt der Bestattungs- und Totenhymnen (u. a. Buch 18). Gott der Toten
- Nirṛti
- Weibliche Verkörperung von Auflösung, Unglück und Tod, der Unheil, Krankheit und Schuld geopfert bzw. zurückgegeben werden, um sie vom Opfernden fernzuhalten. Göttin des Verderbens
- Prajāpati
- Schöpfergott, der in der jüngeren vedischen Literatur zunehmend an die Stelle älterer Schöpfungsgestalten tritt; oft nahezu gleichbedeutend mit Parameṣṭhin und Hiraṇyagarbha gebraucht. Herr der Geschöpfe
- Parameṣṭhin
- Beiname bzw. eigenständige Bezeichnung eines höchsten Schöpfergottes in den kosmogonischen und spekulativen Hymnen der Atharvaveda-Saṃhitā, oft parallel zu Prajāpati verwendet. der Höchststehende
- Hiraṇyagarbha
- Kosmogonische Gestalt, aus der das Weltall hervorgeht; bekannt v. a. aus dem gleichnamigen Ṛgveda-Hymnus (10.121), der auch in der Atharvaveda-Saṃhitā anklingt. der goldene Keim
- Rohita
- Solare Gestalt, die im großen Rohita-Hymnenzyklus (Buch 13) als kosmischer Erzeuger und Ordner der Welt gefeiert wird, eng mit der aufgehenden Sonne verbunden. der Rote/Rötliche
- Skambha
- Personifiziertes tragendes Prinzip des Kosmos, dem im großen Skambha-Hymnus (Buch 10) alle Bereiche von Welt, Zeit und Wesen als in ihm gegründet zugeschrieben werden – eine der philosophisch anspruchsvollsten Gestalten der Atharvaveda-Saṃhitā. die (kosmische) Stütze
- Brahmaṇaspati
- Auch Bṛhaspati genannt; Gott des heiligen Wortes und der priesterlichen Rede, Anführer der Götter im Kampf um die Kuhherden des Lichts. Herr der Gebetsrede
- Bhaga
- Einer der Āditya-Götter, zuständig für die gerechte Zuteilung von Glück, Reichtum und Anteil; häufig zusammen mit Anumati und anderen Glücksgottheiten angerufen. Gott des Anteils/Glücks
- Anumati
- Mit einer bestimmten Mondphase (dem Vollmondtag) verbundene Göttin der Zustimmung und Gunst, die um Beistand und Wohlwollen für Opfer und Wünsche gebeten wird. Göttin des Wohlwollens
- Śraddhā
- Personifikation von Vertrauen und Glauben, der als Voraussetzung für ein wirksames Opfer und ein gedeihliches Leben angerufen wird. Göttin des Glaubens
- Rodasī
- Bezeichnung für das Götterpaar bzw. die Doppelgottheit Himmel-und-Erde; auch als Begleiterin der Maruts verstanden. Himmel und Erde (als Paar)
- Apsaras
- Weibliches, an Wasser und Bäume gebundenes Naturwesen, oft mit dem Gandharva verbunden; in der Atharvaveda-Saṃhitā sowohl als Objekt der Verehrung als auch als Quelle gefährlicher Besessenheit (Liebeswahn, Krankheit) behandelt. himmlische Wassernymphe
- Gandharva
- Männliches Gegenstück zur Apsaras, Hüter des Soma und der himmlischen Ordnung, dem in Liebes- und Ehezaubern sowohl schützende als auch bedrohliche Rollen zukommen. himmlischer Musiker- und Wächtergeist
- Viśve Devāḥ
- Kollektivgottheit, die die Gesamtheit der Götter als gemeinsam angerufene Gruppe zusammenfasst, häufig am Ende von Hymnen oder in Segensformeln. die All-Götter
- Puruṣa
- Kosmischer Urmensch, aus dessen ritueller Zergliederung die Welt und die gesellschaftlichen Stände hervorgehen (vgl. das Puruṣa-Sūkta, das auch in die Atharvaveda-Saṃhitā, Buch 19, aufgenommen wurde). der Urmensch
- Aṅgiras
- Neben den Atharvans das zweite der beiden Sehergeschlechter, denen die Atharvaveda-Saṃhitā traditionell zugeschrieben wird ("Atharvāṅgirasaḥ"); insbesondere mit den aggressiv-magischen (abhicārika) Sprüchen assoziiert. mythisches Sehergeschlecht
- Atharvan
- Legendärer Priester und Feuerbegründer, Namensgeber des Atharvaveda; mit dem eher heilend-schützenden (bhaiṣajya, śānta) Traditionsstrang der Saṃhitā assoziiert, im Gegensatz zu den aggressiveren Aṅgiras-Sprüchen. mythischer Urpriester
- Yakṣma
- Personifizierte, den Körper auszehrende Krankheit (etwa im Sinne von Schwindsucht/Tuberkulose), gegen die zahlreiche Heil- und Bannsprüche der Atharvaveda-Saṃhitā gerichtet sind. Auszehrung(sdämon)
- Takman
- Personifiziertes Fieber, dem eigene Bannhymnen gewidmet sind (v. a. Buch 5–6); wird u. a. nach Nachbarvölkern "weitergeschickt", um es vom Opfernden fernzuhalten. Fieberdämon
- Kṣetriya
- Eine als vererbbar bzw. an Grund und Boden (kṣetra) gebundene gedachte Krankheit oder Unheilsmacht, gegen die eigene Sühne- und Heilrituale gerichtet sind. erbliches Leiden
- Balāsa
- Im Corpus der Krankheitsdämonen genannte, nicht sicher identifizierte Krankheit, die mit Anschwellungen assoziiert wird; die genaue moderne Entsprechung ist unter Vedisten umstritten. eine Krankheit (Wassersucht-artig)
- Apvā
- Personifizierte Bedrängnis oder Seuche, gegen die u. a. im Rudra/Ambulanz-Umfeld der Atharvaveda-Saṃhitā Schutz gesucht wird. Seuchen-/Angstdämon
- Viṣkandha
- Dämon, dem eine lähmende oder gliederversteifende Krankheit zugeschrieben wird; Gegenstand eigener Abwehrsprüche. Lähmungs-/Erstarrungsdämon
- Kṛtyā
- Personifizierter, gegen einen Menschen "gemachter" (feindlicher) Zauber, der in der Vorstellung der Atharvaveda-Saṃhitā als eigenständiges, aussendbares Wesen auftritt und mit Gegenzaubern zum Absender zurückgeschickt werden soll. vollzogener Zauber(-dämon)
- Abhicāra
- Sammelbegriff für auf Schädigung gerichtete magische Praktiken, wie sie insbesondere in den älteren, dem Aṅgiras-Traditionsstrang zugerechneten Partien der Saṃhitā vorkommen, im Unterschied zum heilenden bhaiṣajya. feindlicher/aggressiver Zauber
- Rakṣas
- Allgemeine Bezeichnung für schädigende, den Menschen und den Opferkult bedrohende Unholde, gegen die zahlreiche Schutzhymnen gerichtet sind. feindliche Dämonen
- Yātudhāna
- Untergruppe der Rakṣas, die selbst Zauberkräfte ausübt und daher besonders gefürchtet und in eigenen Sprüchen gebannt wird. Zauberer-Dämon
- Piśāca
- Zu den Rakṣas gehörige, insbesondere mit Leichen- und Fleischverzehr assoziierte Dämonenklasse. fleischfressender Unhold
- Ajagara
- Als bedrohliches Tier bzw. Dämon auftretende Riesenschlange, gegen deren Gift bzw. Umklammerung Schutzsprüche gerichtet sind. Riesenschlange/Boa
- Pratisara
- Um Handgelenk oder Körper gebundene Schnur mit apotropäischer Funktion, oft zusammen mit einem Amulett (maṇi) getragen. Schutzband/Amulettschnur
- Maṇi
- Meist aus Pflanzenteilen, Holz oder Metall gefertigter Talisman, dem in eigenen Hymnen schützende und heilende Kraft zugeschrieben und der rituell besprochen wird. Amulett
- Bhaiṣajya
- Sammelbegriff für die auf Heilung gerichteten Sprüche und Praktiken der Atharvaveda-Saṃhitā, im Gegensatz zum aggressiven abhicāra; Grundlage der späteren Verbindung des Atharvaveda mit der Heilkunde (vgl. Āyurveda). Heilkunde/Heilmittel
- Godhā
- Sowohl Bezeichnung einer Echsenart, der apotropäische Kraft zugeschrieben wird, als auch – in anderem Zusammenhang – Name eines Saiteninstruments; die Zuordnung ist im Einzelfall aus dem Kontext zu erschließen. Waran/Eidechse (auch: Saiteninstrument)
- Vibhīdaka
- Nuss des Vibhīdaka-Baums, aus der die vedischen Würfel gefertigt wurden; zentrales Bild des berühmten "Würfler-Hymnus" (Buch 7), der die Leidenschaft und das Verhängnis des Glücksspiels beklagt. Würfelnuss
- Vrātya
- Angehöriger einer eigentümlichen, halb kriegerischen, halb asketischen Bruderschaft am Rand der brahmanischen Ordnung, deren mystifizierte Gestalt in den großen Vrātya-Hymnen (Buch 15) zum kosmischen Prinzip erhöht wird. umherziehender Bündnis-Krieger/Asket
- Brahmacārin
- Junger Schüler in der Phase des Veda-Studiums beim Lehrer, dessen Askese und Wissenserwerb in eigenen Hymnen (u. a. Buch 11) gefeiert werden. vedischer Schüler
- Brahman (Priesteramt)
- Der vierte der großen vedischen Opferpriester, der – im Unterschied zu den drei rezitierenden/singenden Priestern – schweigend über den korrekten Ablauf des gesamten Opfers wacht; mit diesem Amt wird die besondere Stellung des Atharvaveda innerhalb der vedischen Priesterschaft begründet. der schweigende Oberpriester
- Dakṣiṇā
- Die dem Opferpriester nach vollzogenem Ritual zustehende Vergütung (Vieh, Gold, Kleidung u. a.), deren angemessene Bemessung in eigenen Hymnen behandelt wird. Priestergabe
- Kuntāpa
- Gruppe schwer verständlicher, teils rätselhafter Hymnen in Buch 20, die mit einem besonderen, im Herbst am Königshof vollzogenen Ritual verbunden sind und u. a. Preislieder auf freigebige Gönner enthalten. Rätsel-/Königshymnen (Buch 20)
- Śānti
- Rituelle Beschwichtigung drohenden oder bereits eingetretenen Unheils (böser Omina, Missgeburten u. a.); Buch 19 enthält mehrere eigens diesem Zweck gewidmete Formelhymnen. Besänftigung/Friede
- Brahman (Prinzip)
- In den spekulativen Hymnen der Atharvaveda-Saṃhitā (u. a. Skambha-, Vrātya- und Puruṣa-Komplex) auftretendes höchstes, alles tragendes und durchdringendes Prinzip, Vorläufer des späteren upaniṣadischen Brahman-Begriffs. das Absolute/die Weltmacht
- Prāṇa
- Der (kosmische wie individuelle) Lebensatem/-hauch, dem in eigenen Hymnen (u. a. Buch 11) als tragendem Lebensprinzip gehuldigt wird. Lebensatem
- Ṛta
- Das umfassende Prinzip von Wahrheit, Recht und kosmischer Ordnung, dessen Wahrung u. a. Varuṇa obliegt und gegen dessen Verletzung sich Sünden- und Sühnesprüche richten. kosmische Ordnung
- Pavamāna
- Stehendes Beiwort des durch die Wollsiebe geläuterten Soma im Augenblick seiner rituellen Reinigung. der sich selbst Läuternde