Glossar
Taittirīya-Saṃhitā (Kṛṣṇa-Yajurveda) · 45 Begriffe
- Agni
- Mittler zwischen Menschen und Göttern, der die Opfergaben zu den Göttern trägt; in der Taittirīya-Saṃhitā zugleich Adressat zahlloser Einzelformeln beim Entzünden, Schüren und Versorgen des Opferfeuers sowie zentrale Gottheit des Agnicayana, des Altarbaus in Kāṇḍa 4–5. Gott des (Opfer-)Feuers
- Indra
- Kriegerischer Hauptgott des vedischen Pantheons, Bezwinger des Vṛtra; im Yajurveda vor allem als Empfänger von Soma-Trankspenden angerufen und häufig Adressat mythologischer Erzählpassagen in den mittleren Kāṇḍas. Gott des Gewitters und König der Götter
- Soma
- Der aus einer (heute nicht mehr sicher identifizierten) Pflanze gepresste berauschende Opfertrank sowie die ihn verkörpernde Gottheit; das Somaopfer bildet, wie in Kāṇḍa 7 in seiner Agniṣṭoma-, Ahīna- und Sattra-Form ausführlich erläutert, das Zentrum des gesamten śrauta-Opfersystems. Somapflanze/-trank und ihr Gott
- Varuṇa
- Wächter des Ṛta, oft mit Mitra als Paar (Mitrā-Varuṇā) angerufen; ihm eigen sind die "Fesseln" (pāśa), mit denen er Eidbrüchige straft, ein häufiges Motiv in Sühne- und Bindeformeln. Gott der kosmischen Ordnung und Hüter der Eide
- Mitra
- Fast stets zusammen mit Varuṇa als Götterpaar Mitrā-Varuṇā genannt; verkörpert die vertragliche, freundschaftliche Seite der kosmischen Ordnung, wie Varuṇa deren strafende. Gott des Vertrags und der Freundschaft
- Savitṛ
- Gott, der Sonne, Welt und Menschen in Bewegung setzt und wieder zur Ruhe bringt; ihm gilt einer der einleitenden Hymnen des Aśvamedha-Abschnitts in Kāṇḍa 4, der um ungehinderten Antrieb (prasava) für das Opfer bittet. "Antreiber", Sonnengott der Anregung
- Sūrya
- Im Unterschied zu Savitṛ eher die sichtbare Sonnenscheibe als Gottheit; der Legende nach offenbarte Sūrya, in Gestalt eines Pferdes, dem Yājñavalkya die Lehre der (später so genannten) Vājasaneyi-Saṃhitā, nachdem dieser sich von Vaiśampāyana losgesagt hatte. Sonnengott, die Sonne selbst
- Rudra
- Ambivalente, gefürchtete Gottheit, Vorläufer des späteren Śiva; Adressat der großen, in Kāṇḍa 4 überlieferten Litanei Śatarudriya, die ihn unter hunderten Beinamen anruft, um seine zerstörerische Kraft von den Opfernden abzulenken. Gott des Sturms, Schrecken und Heilung
- Prajāpati
- Ursprungsgottheit der kosmogonischen Spekulation; in Kāṇḍa 2 Hauptfigur mythologischen Erzählguts im Umkreis von Bṛhaspati, Pūṣan und Soma sowie eng mit der Gestalt des Hiraṇyagarbha verbunden. "Herr der Geschöpfe", Schöpfergott
- Hiraṇyagarbha
- Kosmogonische Urgestalt, aus der sich das Weltall entfaltet, gleichgesetzt mit Prajāpati; in Kāṇḍa 2 im Zusammenhang mit weiterem Schöpfungserzählgut bezeugt. "Goldener Keim/Embryo"
- Nirṛti
- Furchterregende Gestalt, die Verderben, Verlust und Auflösung verkörpert und der man durch Opfergaben zu entgehen sucht; in Kāṇḍa 3 im Zusammenhang mit der Weihe (Dīkṣā), dem Tapas und dem Erzählgut um die Yatis genannt. Göttin des Unheils, der Auflösung und des Todes
- Viśvakarman
- Gott, der als Baumeister und Werkschöpfer des Kosmos gedacht wird; ihm ist in Kāṇḍa 4, im Umfeld der Aśvamedha- und Agnicayana-Abschnitte, ein eigener Hymnus gewidmet. "Allwirker", Gott des kunstfertigen Machens
- Vāyu
- Gott des Windes und Atems, oft eng mit Indra verbunden (Vāyu erhält traditionell die erste Soma-Spende); im Yajurveda häufig zusammen mit Prāṇa (Lebensatem) gedacht. Windgott
- Aśvin
- Zwillingsgötter der Morgen- und Abenddämmerung, Heiler und Retter in Not; in Litaneien meist im Dual (Aśvinā) angerufen. Die beiden göttlichen Ärzte-Zwillinge
- Sarasvatī
- Ursprünglich Personifikation eines (heute verschwundenen) Flusses, zugleich Göttin der Sprache und Eingebung; oft mit Iḷā und Bhāratī zur Göttertriade der "drei Frauen" (tisro devīḥ) gruppiert. Flussgöttin und Göttin der Rede/Weisheit
- Yajña
- Der zentrale Begriff des vedischen Ritualsystems: das rechte, formelgemäße Opfer, oft selbst quasi-personifiziert als kosmische Kraft angesprochen, die "sich fügen" oder "gedeihen" möge. Opfer(handlung)
- Ṛta
- Das dem Kosmos, dem Ritual und dem sittlichen Handeln gemeinsam zugrundeliegende Prinzip rechter Ordnung, dessen Verletzung (anṛta) Unheil nach sich zieht; Gegenstück u. a. in vielen Reinigungs- und Sühneformeln. Die kosmische Wahrheit/Ordnung
- Tapas
- Durch Entbehrung und Konzentration erzeugte innere Glut mit schöpferischer und reinigender Kraft, aus der sich der Kosmos wie auch der geweihte Opferherr gleichermaßen erneuern; zentrales Thema in Kāṇḍa 3 neben der Dīkṣā. Askese, Glut/innere Erhitzung
- Dīkṣā
- Der Zustand rituell-asketischer Weihung, den der Opferherr (Yajamāna) vor dem Somaopfer und anderen Großriten durchläuft; in Kāṇḍa 3 zusammen mit dem Tapas ausführlich behandelt. Weihe, rituelle Konsekration
- Yajamāna
- Der Stifter des Opfers (oft ein verheirateter Hausherr oder König), in dessen Namen die Priester das Ritual vollziehen und dem seine Früchte (Nachkommenschaft, Wohlstand, Ansehen) zugutekommen sollen. Opferherr, der das Opfer in Auftrag gibt
- Adhvaryu
- Der Priester, der die eigentlichen Ritualhandlungen vollzieht; sein Handbuch ist, anders als beim Śukla-Yajurveda, die Taittirīya-Saṃhitā selbst, in der seine Sprüche und ihre erläuternde Begründung im selben Text nebeneinanderstehen. Der ausführende Opferpriester
- Hotṛ
- Der Priester, der die aus dem Ṛgveda stammenden Preislieder rezitiert; seine charakteristischen Anrufungsformeln ("Hotā yakṣat") erscheinen an vielen Stellen der großen Opfer, die die Saṃhitā begleitet. Der rezitierende Opferpriester
- Yūpa
- Der hölzerne, rituell konsekrierte Pfosten, an dem das Opfertier gebunden wird; seine Errichtung und Weihe ist Gegenstand eigener Formelgruppen. Opferpfosten
- Svāhā
- Formelhafter Ausruf, der die Darbringung einer Feuerspende begleitet und abschließt; durchzieht als Kehrreim zahllose Formeln und Litaneien der Saṃhitā. Opferruf beim Guss der Spende
- Upayāma
- Feste Formel ("upayāmagṛhīto'si"), mit der der Adhvaryu beim Somaopfer die einzelnen Opfergefäße "zum Halt ergreift", bevor er sie einer Gottheit weiht. Der Somagefäß-Ergreifungsspruch
- Iṣṭakā
- Der einzelne, rituell geweihte Backstein, aus dessen tausendfacher Schichtung der Feueraltar des Agnicayana errichtet wird; um die einzelnen Iṣṭakā-Typen ranken sich in Kāṇḍa 5 zahlreiche mystische Gleichsetzungsformeln. Ziegel
- Citi
- Eine der fünf übereinandergelegten Ziegelschichten, aus denen der Feueraltar des Agnicayana aufgebaut wird; jede Schicht ist mit eigenen Formeln und kosmischen Deutungen belegt. Schichtung, Altarschicht
- Ukhā
- Das tönerne Gefäß, in dem das für die Errichtung des Feueraltars bestimmte Feuer getragen und rituell geweiht wird; seine Weihe und die daran geknüpften mystischen Identifikationen sind Gegenstand ausführlicher Passagen in Kāṇḍa 5. Irdener Feuertopf
- Gārhapatya
- Eines der drei ständigen Opferfeuer, von dem aus die beiden anderen (Āhavanīya, Dakṣiṇāgni) bei der Feuerlegung (Agnyādhāna) entzündet werden; Ausgangspunkt zahlreicher Feuerformeln bereits in Kāṇḍa 1. Das Hausherrenfeuer
- Āhavanīya
- Das der Feueraltar-Errichtung und den Götteropfern zugeordnete zweite der drei ständigen Opferfeuer, in das die eigentlichen Opfergaben gegossen werden. Das östliche Opferfeuer
- Dakṣiṇāgni
- Das dritte der drei ständigen Opferfeuer, den Ahnen (Pitaras) und abwehrenden Riten zugeordnet; zusammen mit Gārhapatya und Āhavanīya bildet es die im Yajurveda-Ritual grundlegende Dreiheit der Feuer. Das südliche Feuer
- Agnicayana
- Monumentales, mehrtägiges Ritual des Schichtens eines aus tausenden einzeln geweihten Ziegeln errichteten Feueraltars; in der Taittirīya-Saṃhitā über weite Strecken der Kāṇḍas 4 und 5 mit zahlreichen Identifikations- und Weihformeln entfaltet. Der Bau des (vogelförmigen) Feueraltars
- Aśvamedha
- Das große königliche Herrschaftsritual, bei dem ein frei umherziehender Hengst ein Jahr lang begleitet, ehe er geopfert wird; die einleitenden Mantras, darunter ein Savitṛ-Hymnus und die Weihe von Pflug und Himmelsrichtungen, sowie weitere Roßopfer-Hymnen stehen in Kāṇḍa 4. Roßopfer
- Ahīna
- Somaopfer, das sich über zwei bis zwölf aufeinanderfolgende Tage erstreckt, mit täglich wiederholten Preßvorgängen; in Kāṇḍa 7 zusammen mit den Sattra-Sitzungsopfern behandelt. Mehrtägiges Somaopfer
- Sattra
- Ein sich über viele Tage bis zu einem vollen Jahr erstreckendes Somaopfer, das von einer Gruppe gleichberechtigter Priester ohne gesonderten Opferherrn gemeinsam vollzogen wird; seine längste Form ist das ganzjährige Gavāmayana, behandelt in Kāṇḍa 7. Sitzungsopfer
- Gavāmayana
- Das umfangreichste aller Sattra-Sitzungsopfer, das den Lauf eines vollen Jahres nachvollzieht und rituell mit dem Kreislauf der Sonne gleichgesetzt wird; in Kāṇḍa 7 im Rahmen der Sattra-Darstellung erläutert. "Gang der Kühe", das ganzjährige Sattra
- Śatarudriya
- Berühmte, in Kāṇḍa 4 überlieferte lange Litanei, die Rudra unter hunderten Namen und Erscheinungsformen (Bergbewohner, Räuber, Handwerker, Tierherr u. v. a.) anruft, um seine gefürchtete Macht zu besänftigen. Die "Hundert-Rudra"-Litanei
- Keith
- Arthur Berriedale Keiths vollständige englische Übersetzung The Veda of the Black Yajus School, entitled Taittirīya Sanhitā (Harvard Oriental Series 18–19, Cambridge MA 1914) gilt bis heute als die maßgebliche Gesamtübersetzung des Textes. Standardübersetzung ins Englische
- Anuvāka
- Die kleinste durchgezählte Grundeinheit der Saṃhitā; die vorliegende Ausgabe zählt 650 Anuvākas, wobei zwischen Anuvāka 6 und 8 des zweiten Prapāṭhaka im ersten Kāṇḍa eine genuine, im Quelltext nicht geschlossene Zählungslücke besteht. Textabschnitt innerhalb eines Prapāṭhaka
- Prapāṭhaka
- Die mittlere Gliederungseinheit zwischen Kāṇḍa und Anuvāka; die Saṃhitā zählt insgesamt 44 Prapāṭhakas, ungleich auf die sieben Kāṇḍas verteilt (von fünf bis acht je Kāṇḍa). "Vortragsabschnitt", Kapitel
- Kāṇḍa
- Die oberste Gliederungseinheit der Taittirīya-Saṃhitā; sie umfasst sieben Kāṇḍas, deren Inhalt vom Neu- und Vollmondopfer (Kāṇḍa 1) über Aśvamedha und Agnicayana (Kāṇḍa 4–5) bis zu den erklärenden, brāhmaṇaartigen Passagen zu Soma- und Sitzungsopfern (Kāṇḍa 6–7) reicht. Buch, Hauptabschnitt
- Taittirīya
- Die bedeutendste und am vollständigsten erhaltene Schule des "schwarzen" Yajurveda, deren Saṃhitā im Unterschied zur Vājasaneyi-Saṃhitā der Vājasaneyin Mantra und erläuternde Brāhmaṇa-Prosa im selben Text verwebt. Die Schule des Kṛṣṇa-Yajurveda, nach Tittiri benannt
- Tittiri
- Nach der Schulüberlieferung ein Schüler Vaiśampāyanas, der die von Yājñavalkya zurückgegebene und von den übrigen Schülern in Gestalt von Rebhühnern (tittiri) aufgenommene Lehre wieder in sich barg; Gegenstück zur Yājñavalkya-Sūrya-Legende der Vājasaneyin. Der legendäre Namensgeber der Taittirīya-Schule
- Vaiśampāyana
- Der Lehrer, von dem sich Yājñavalkya der Legende nach lossagte, um die "weiße" Lehre der Vājasaneyi-Saṃhitā zu empfangen; in der Kṛṣṇa-Yajurveda-Überlieferung gilt er zugleich als derjenige, der die von Yājñavalkya zurückgegebene Lehre unter seinen übrigen Schülern, darunter Tittiri, neu verteilte. Gemeinsamer Lehrer der Vājasaneyin- und Taittirīya-Überlieferung
- Kṛṣṇa-Yajurveda
- Der ältere der beiden Überlieferungsstränge des Yajurveda, in dem Opferformel (Mantra) und erläuternde Ritualprosa (Brāhmaṇa) im selben Textkorpus vermischt vorliegen; umfasst die Schulen Taittirīya, Maitrāyaṇīya, Kāṭhaka und Kapiṣṭhala, deren wichtigste und vollständigste Saṃhitā die Taittirīya-Saṃhitā ist. Der "schwarze" Yajurveda