Glossar
Jaiminīya-Upaniṣad-Brāhmaṇa · 51 Begriffe
- Agni
- Eine der sechs „selbstexistenten“ Gottheiten im Rangstreit von 4.11–4.13; in der Kena-Erzählung (4.20) der erste, der die Kraft des rätselhaften Wundergeists erproben soll, ohne Erfolg. In Adhyāya 3 zusammen mit Vāyu, Āditya und Candramā regelmäßig als eine der vier „strahlengleichen“, nicht fest verankerten Gottheiten genannt. Gott des (Opfer-)Feuers
- Vāyu
- Trägt im Rangstreit (4.11) den Beinamen „Atem der Götter“; in der Kena-Erzählung (4.20) unter dem Beinamen Mātariśvan der zweite, der am Wundergeist scheitert. Im Sāvitrī-Abschnitt (4.27) mit dem Luftraum (ākāśa) gepaart. Windgott
- Āditya
- Verkörpert in mehreren Passagen den Wechsel von Tag und Nacht und das für alle Werke nötige Licht; in 4.22 mit dem Atem (prāṇa), in 4.27 mit dem Himmel (dyaus) gepaart. Sonne(ngott)
- Indra
- Belehrt in 4.14–4.15 die um die „Tür der Himmelswelt“ ringenden Seher durch Agastya; in der Kena-Erzählung (4.20–4.21) derjenige unter den Göttern, dem Brahman am nächsten begegnet und der es als Erster erkennt, weshalb Indra dort als der „Beste“ unter den Göttern gilt. Trägt den Beinamen Maghavan („der Freigebige“). Gott des Gewitters, König der Götter
- Varuṇa
- Im Sāvitrī-Abschnitt (4.27) mit den Wassern (āpaḥ) als Savitṛ-Sāvitrī-Paar gesetzt. Gott der kosmischen Ordnung
- Prajāpati
- Zentrale Gestalt der Kosmogonien in Adhyāya 2 und 3 (u. a. die Erzählung von seinem Wettstreit mit dem Tod, Mṛtyu, um die Sechserweihe, sowie die große Kosmogonie von den drei Welten, drei Säften und drei Veden in 3.14ff.); erscheint in 4.24 auch als Bezeichnung der im Auge wohnenden Person (puruṣa). Schöpfergott, „Herr der Geschöpfe“
- Brahman
- In der Kena-Erzählung (4.18–4.21) zugleich das unpersönlich-höchste Prinzip „jenseits des Erkannten und Unerkannten“ und die Gestalt, die den Göttern nach ihrem Sieg als rätselhafter Wundergeist (yakṣa) erscheint, um ihren Hochmut zu brechen. Das Werk endet mit der Lehre vom „sechzehnteiligen Brahman“ (4.25). das Absolute, die letzte Wirklichkeit
- Mṛtyu
- Gegenspieler Prajāpatis in der Kosmogonie von Adhyāya 2; mit ihm ist auch die im Werk mehrfach angesprochene Furcht vor dem „Wiedertod“ (punarmṛtyu) verbunden. der Tod (personifiziert)
- Umā Haimavatī
- Offenbart in der Kena-Erzählung (4.20–4.21) dem Indra, dass der rätselhafte Wundergeist, an dem zuvor Agni und Vāyu gescheitert waren, Brahman war; später mit der Gemahlin Śivas gleichgesetzt. Tochter des Himavat
- Savitṛ
- Namensgeber der Sāvitrī (des Gāyatrī-Mantras); in 4.27 in neun Paarungen (u. a. mit Agni, Varuṇa, Vāyu, Āditya) als männliches Prinzip neben der jeweiligen „Sāvitrī“ (weiblichem Gegenstück) gesetzt. Sonnengott als „Antreiber“
- Agastya
- Meldet sich in 4.14–4.15 als „der Älteste“ unter den nach der Himmelstür suchenden Sehern und empfängt von Indra die Geheimlehre des Gāyatra-Udgītha, die er in einem langen Lehrer-Stammbaum (4.16–4.17) weitergibt. Einer der berühmtesten Ṛgveda-Seher, dem zahlreiche Hymnen zugeschrieben werden. vedischer Seher
- Baka Dālbhya
- Beantwortet in Adhyāya 4 die fünf Rätselfragen des Königs Bhagaratha Aikṣvāka und singt später dem Pratīdarśa vor; auch aus Chāndogya-Upaniṣad 1.2.13 als Glaukyāyani Baka bekannte Gestalt. vedischer Weiser
- Śaunaka Kāpeya
- Tritt in Adhyāya 3 in einem Lehrgespräch mit Abhipratārin Kākṣaseni auf, das eine Parallele in Chāndogya-Upaniṣad 4.3 hat. vedischer Lehrer
- Sudakṣiṇa Kṣaimi
- Empfänger einer Belehrung über die „drei Geburten und drei Tode“ in Adhyāya 3, einem Motiv, das auch in Kauṣītaki-Upaniṣad 2.11–13 begegnet. vedischer Lehrer
- Śāṭyāyani
- Letztes Glied einer kurzen Lehrerkette in Adhyāya 4 (4.16), nach dem die dort vermittelte Geheimlehre des Gāyatra benannt ist („Śāṭyāyanī-Upaniṣad des Gāyatra“, 4.17). vedischer Lehrer
- Uccaiśśravas Kaupayeya
- Erscheint in Adhyāya 3 dem Keśin Dārbhya nach seinem Tod als Geist (Pferdegeist) und vermittelt die Lehre der „salokatā“, zurückgeführt auf den Seher Pataṅga Prājāpatya. Gestalt einer Geistererzählung
- Bhagaratha Aikṣvāka
- Stellt in Adhyāya 4 dem versammelten Kuru-Pañcāla-Kreis fünf Rätselfragen zum Ritual, die Baka Dālbhya beantwortet. König aus dem Haus der Ikṣvākus
- Mahidāsa Aitareya
- In Adhyāya 4 als Beispiel eines Mannes genannt, der die volle Lebensspanne von 116 Jahren erreichte; nach ihm wird traditionell auch das Aitareya-Brāhmaṇa benannt. legendärer Weiser
- Sāman
- Zentraler Gegenstand des ganzen Werks; in Adhyāya 1 als männliches Prinzip der Ṛc (als weiblichem) gegenübergestellt, in Adhyāya 4 (4.13) aus „unsterblichen“ Silben der sechs Ur-Gottheiten neu zusammengesetzt gedacht. melodischer Gesang des Sāmaveda
- Ṛc
- In der Mithuna-Lehre von Adhyāya 1 das weibliche Gegenstück zum männlichen Sāman; in 4.24 mit der weißen Farbe im Auge identifiziert. Vers(strophe), insbesondere des Ṛgveda
- Yajus
- In 4.24 mit der kupferfarbenen, bräunlichen Farbe im Auge identifiziert, neben Ṛc (weiß) und Sāman (schwarz). Opferformel (des Yajurveda)
- Udgītha
- Einer der (meist sieben) Bestandteile des Sāman (mit Hiṅkāra, Prastāva, Ādi, Pratihāra, Upadrava, Nidhana); in 4.9–4.10 mit der Lösung der „Todesschlingen“ von den Sinnesorganen verknüpft. In 4.23 durch die Silben „ud“ (Atem) und „gī“ (Rede) etymologisiert. Hauptteil des Sāman-Gesangs, vom Udgātṛ gesungen
- Hiṅkāra
- Erster der Sāman-Teile; wird in mehreren Abschnitten (u. a. 4.10) mit den Körperhaaren korreliert. einleitender „Hiṅ“-Laut des Sāman-Gesangs
- Prastāva
- Wird in 4.9 mit der Rede und ihrer „Todesschlinge“ in Verbindung gebracht. Vorgesang, zweiter Teil des Sāman
- Pratihāra
- Wird in 4.9 mit dem Auge, in 4.10 mit den Gliedern korreliert. „Gegengesang“, Teil des Sāman
- Upadrava
- Wird in 4.10 mit den Knochen korreliert. „Nachgesang“, Teil des Sāman
- Nidhana
- Wird in 4.9 mit dem Ohr, in 4.10 mit dem Mark korreliert. Schlussgesang, letzter Teil des Sāman
- Vaṣaṭkāra
- Markiert nach 4.7 den Rückkehrpunkt zum Opfer auf der letzten Silbe der Gāyatrī. der rituelle Ausruf „Vaṣaṭ!“
- Stobha
- Klangformeln wie „hum bhā vo vā“ oder „ovā3c“, die die eigentlichen Wörter des Gesangs zu einer singbaren Melodie ergänzen; werden in dieser Übersetzung unübersetzt belassen. nichtlexikalische Füll- und Vollzugssilbe im Sāman-Gesang
- Gāyatra
- Gegenstand der großen Geheimlehre in 4.11–4.17: aus den „unsterblichen“ Anfangssilben der sechs Ur-Gottheiten (Agni, Vāyu, Āditya, Atem, Speise, Rede) zusammengesetzt und von Indra über Agastya und eine lange Lehrerkette weitergegeben. Sāman-Gesang im Gāyatrī-Versmaß
- Gāyatrī
- Grundlage des Gāyatra-Sāman; ihre letzte Silbe markiert nach 4.7 den Rückkehrpunkt zum Opfer. Im Sāvitrī-Abschnitt (4.28) wird die berühmteste aller Gāyatrī-Strophen, die Sāvitrī (RV 3.62.10), Vers für Vers ausgelegt. vedisches Versmaß (3×8 Silben)
- Anuvāka
- Gliederungseinheit oberhalb des Khaṇḍa; jeder Anuvāka endet mit einer eigenen Kolophonformel, die in dieser Ausgabe im Anschluss an den letzten Khaṇḍa vermerkt ist. Rezitationsabschnitt
- Khaṇḍa
- Die 145 durchlaufend nummerierten Grundeinheiten des Werks, nach Oertels Zählung über vier Adhyāyas verteilt (60, 15, 42, 28). Abschnitt
- Adhyāya
- Die vier Hauptteile des Werks. Kapitel
- Prāṇa
- Sowohl einer der sechs „selbstexistenten“ Gottheiten (4.11–4.15) als auch, in fünffacher Gliederung (Prāṇa, Apāna, Vyāna, Samāna, Udāna), Gegenstand einer eigenen Kosmogonie aus den anfänglichen Wassern (4.22). Atem, Lebenshauch
- Apāna, Vyāna, Samāna, Udāna
- Die vier weiteren Glieder der fünffachen Atemlehre neben dem (Haupt-)Atem (prāṇa); in 4.22 aus den Wassern abgeleitet und kosmisch (Agni, Wasser, Himmelsrichtungen, Mond) ausgelegt. Einatem, Zwischenatem, ausgleichender Atem, Aufwärtsatem
- Upaniṣad
- Bezeichnet im Werk selbst wiederholt die vermittelte Geheimlehre (etwa die „Geheimlehre des Gāyatra“, 4.15, oder die „Śāṭyāyanī-Geheimlehre“, 4.17); namensgebend für die Gattung, der auch die aus 4.18–4.21 stammende Kena-Upaniṣad angehört. „Geheimlehre“, esoterische Sitzbelehrung
- Mithuna
- Grundmuster der Sāvitṛ-Sāvitrī-Reihe in 4.27 (u. a. Agni/Erde, Vāyu/Luftraum, Mann/Frau) sowie der Atem-Rede-Paare in 4.22; zwei Prinzipien gelten als „ein Ursprung“ (yoni), weil jedes im anderen aufgeht. Paarbildung, Paar mit gemeinsamem Ursprung
- Nāmarūpa
- In 4.22 das Mittel, mit dem das anfänglich ungesonderte Eine sich ausdifferenziert; ein Grundbegriff der vedantischen Kosmologie. Name und Gestalt
- Punarmṛtyu
- Die für die spätvedische Literatur charakteristische Furcht, nach Erreichen der jenseitigen Welt dort abermals sterben zu müssen; wird nach 4.28 durch das Wissen um die Sāvitrī überwunden. „Wiedertod“
- Salokatā
- In 3.30 durch die Sāman-Lehre des Uccaiśśravas Kaupayeya, in 4.28 durch die Sāvitrī erlangt. „gemeinsame Welt“ (mit einer Gottheit)
- Yakṣa
- Erscheinung, in der Brahman den hochmütig gewordenen Göttern in der Kena-Erzählung (4.20) entgegentritt, ohne dass Agni oder Vāyu es zu erkennen vermögen. rätselhaftes Wundergeist-Wesen
- Tadvana
- Name, den die Willensregung (saṃkalpa) hin zum Brahman am Ende der Kena-Erzählung (4.21) erhält; als solcher soll das Brahman verehrt werden. „das ersehnte Ziel“
- Ṣoḍaśakalam Brahman
- Lehre in 4.25, die Brahman aus acht paarweise doppelt genannten Elementen (Sein/Nichtsein, Rede/Geist, Auge/Ohr, Glaube/Askese) zusammensetzt; erinnert an die Lehre vom „Puruṣa mit sechzehn Teilen“ in Praśna-Upaniṣad 6, wenn auch mit anderer Aufzählung. „sechzehnteiliges Brahman“
- Brahmāsandī
- Ritueller Ehrensitz, den der wissende Sänger in 4.24 durch seinen Ruhm besteigt. „Brahman-Thron“
- Plakṣa Prāsravaṇa
- Gilt nach 4.26 als „Nabel der Erde“; auch aus anderen vedischen Texten als mythischer Ursprungsort der Sarasvatī bekannt. heilige Feige an der Quelle
- Kena-Upaniṣad
- Entspricht wortgleich den Khaṇḍas 4.18–4.21 dieses Werks; ihr Name „Kena“ („von wem“) stammt vom ersten Wort dieses Abschnitts. Auch als Talavakāra-Upaniṣad bekannt, nach der Schulzugehörigkeit. eigenständig kanonisierte Upaniṣad
- Ṛgveda
- Wird in Adhyāya 3 mehrfach wörtlich zitiert, u. a. der Pataṅga-Vers (RV 10.177.1–2) und eine Strophe aus dem Rätsel-Hymnus des Dīrghatamas (RV 1.164.31); die Sāvitrī (RV 3.62.10) wird in 4.27–4.28 ausführlich gedeutet. älteste vedische Sammlung von Hymnen
- Chāndogya-Upaniṣad
- Weist mehrere Parallelen zur Jaiminīya-Upaniṣad-Brāhmaṇa auf, u. a. zur Śaunaka-Abhipratārin-Erzählung (ChU 4.3), zur Gestalt des Baka Dālbhya (ChU 1.2.13) und zur Om-Lehre (ChU 1.4). Upaniṣad des Sāmaveda (Kauthuma/Tāṇḍya-Schule)
- Bṛhadāraṇyaka-Upaniṣad
- Teilt mit der Jaiminīya-Upaniṣad-Brāhmaṇa u. a. das Motiv des Rangstreits der Gottheiten (vgl. BU 6.1) sowie die Lehre vom Weg des Wissenden über Wind, Wolke und Regen (Pañcāgnividyā, vgl. BU 6.2). Upaniṣad des Śukla-Yajurveda
- Kauṣītaki-Upaniṣad
- Enthält Parallelen zur Lehre von den „drei Geburten und drei Toden“ (KauU 2.11–13) sowie eine eigene Fassung des Rangstreits der Gottheiten (KauU 2.14). Upaniṣad des Ṛgveda