Aitareya-Brāhmaṇa
Vollständige zweisprachige Ausgabe: Sanskrit (IAST) und deutsche Übersetzung, mit Vorwort, Einführung, Pañcikā- und Adhyāya-Einordnungen und Glossar.
Brāhmaṇas · 40 Adhyāyas · 285 Khaṇḍas
Interaktive LeseansichtGlossar
Vorwort
Das Aitareya-Brāhmaṇa gehört zu den ältesten erhaltenen Prosawerken der indischen Literatur und zugleich zu den bedeutendsten Textzeugen der vedischen Ritualwissenschaft. Als Brāhmaṇa des Ṛgveda erläutert es nicht die Hymnen selbst, sondern deren rechten Gebrauch im Opfer: welcher Vers an welcher Stelle des Soma-Rituals zu rezitieren ist, warum er dort steht, und welche mythischen Erzählungen (die berühmten ākhyānas) diese Zuordnung begründen. Es ist damit weniger ein philosophischer als ein praktischer und zugleich erzählender Text – ein Handbuch für Priester, durchzogen von einigen der eindrücklichsten Erzählstücke der vedischen Literatur, allen voran der Legende von König Hariścandra und Śunaḥśepa.
Diese Ausgabe folgt in Aufbau und Zählung der kritischen Sanskrit-Edition von Theodor Aufrecht, Das Aitareya Brāhmaṇa (Bonn 1879), die den Text in acht Pañcikās (Büchern) zu je fünf Adhyāyas (durchgehend 1–40 gezählt) gliedert, diese wiederum in kurze, nummerierte Khaṇḍas (Prosa-Absätze). Der Sanskrit-Text wurde eigens aus dem Scan dieser Ausgabe transkribiert; die deutsche Übersetzung entstand direkt aus dem Sanskrit und wurde, soweit verfügbar, mit Martin Haugs englischer Übersetzung (The Aitareya Brahmanam of the Rigveda, Bombay/London 1863) auf den Sinn hin abgeglichen. Stellen, an denen der Scan unleserlich oder der Sinn unsicher blieb, sind im Text mit [?] beziehungsweise [Anm.: …] gekennzeichnet, statt stillschweigend geglättet zu werden – diese Ausgabe verzichtet bewusst darauf, Lücken durch Vermutungen zu füllen.
Aufrechts Ausgabe enthält im Anhang außerdem Auszüge aus dem mittelalterlichen Kommentar des Sāyaṇācārya (14. Jh.), ein Verzeichnis der zitierten Verse, ein Namensverzeichnis sowie textkritische Anmerkungen. Dieser gelehrte Apparat ist nicht Teil der vorliegenden Übersetzung; wer sich vertieft mit einzelnen Lesarten oder mit Sāyaṇas Deutung auseinandersetzen möchte, sei auf Aufrechts Originalausgabe sowie auf A. B. Keiths spätere englische Übersetzung (Rigveda Brahmanas, Harvard Oriental Series 25, 1920) verwiesen, die beide den vollständigen kritischen Apparat bieten.
Einführung
Das Aitareya-Brāhmaṇa wird traditionell einem Weisen namens Mahidāsa Aitareya zugeschrieben – der Name bedeutet wörtlich "Sohn der Itarā" und verweist auf eine im Text selbst nicht erhaltene, aber in späterer Überlieferung vielfach ausgeschmückte Herkunftslegende. Die moderne Forschung ist sich uneinig, ob ein einzelner Redaktor oder eine Schule diesen Namen trägt; sie datiert die ältere Schicht des Werks etwa auf das 7. bis 6. Jahrhundert v. Chr. und ordnet es damit in die späte vedische Zeit ein, in der die großen Brāhmaṇa-Sammlungen entstanden. Das Werk gehört zur Śākhā (Schulüberlieferung) des Śākala-Ṛgveda und ist eng mit dem etwas älteren Kauṣītaki-Brāhmaṇa verwandt: Die ersten dreißig Adhyāyas beider Werke behandeln denselben Ritualstoff in unterschiedlicher Anordnung und Ausführlichkeit, während die letzten zehn Adhyāyas des Aitareya – mit der Śunaḥśepa-Legende und dem Rājasūya – im Kauṣītaki keine echte Entsprechung finden.
Inhaltlich begleitet das Werk vor allem den Soma-Opferzyklus: von der Weihe des Opferherrn über den Erwerb des Soma, die vielfältigen Rezitationen der Hotṛ-Priester bis zu den mehrtägigen und schließlich mehrjährigen Ausweitungen des Grundrituals (Pañcikā I–VI). Die letzten beiden Bücher wenden sich einem anderen, politisch bedeutsamen Anwendungsfall des Opfers zu: der Königsweihe (rājasūya). Hier findet sich in Adhyāya 33 die Erzählung von Hariścandra, der seinen Sohn Rohita den Göttern gelobt, und von Śunaḥśepa, der an dessen Stelle als Opfer verkauft und durch die Rezitation von Versen aus dem ersten Buch des Ṛgveda (1,24–1,30) gerettet wird – eine der ältesten vollständig erzählten Geschichten der indischen Literatur überhaupt. Adhyāya 39 schließt mit einer Liste historisch bedeutsamer Könige, die durch das Rājasūya zur Herrschaft gelangt sein sollen, darunter Bharata Dauḥṣanti und Janamejaya Pārikṣita – Namen, die auch in der Mahābhārata-Tradition eine zentrale Rolle spielen.
Die europäische Erschließung des Textes beginnt mit Martin Haugs zweibändiger Ausgabe (Sanskrit-Text und Übersetzung, Bombay 1863), die trotz mancher inzwischen überholter Einzeldeutungen lange Zeit die einzige vollständige westliche Übersetzung blieb. Theodor Aufrechts Neuausgabe des Sanskrit-Textes (Bonn 1879), der diese Ausgabe folgt, korrigierte zahlreiche Lesefehler Haugs anhand weiterer Handschriften und fügte Auszüge aus Sāyaṇas Kommentar sowie ein textkritisches Nachwort bei, in dem Aufrecht seine Abweichungen von Haug ausdrücklich begründet. Erst 1920 legte Arthur Berriedale Keith mit seiner Übersetzung in der Harvard Oriental Series eine philologisch aktuellere englische Fassung vor, die jedoch – wie Haug – ohne begleitenden Sanskrit-Text erschien.
Eine vollständige deutsche Übersetzung des Aitareya-Brāhmaṇa hat es bislang nicht gegeben; einzelne Abschnitte, allen voran die Śunaḥśepa-Legende, wurden wiederholt in Anthologien und Studien übersetzt und diskutiert. Die vorliegende Ausgabe unternimmt erstmals den Versuch einer vollständigen zweisprachigen deutschen Fassung aller vierzig Adhyāyas, mit dem Ziel, Sanskrit-Kundigen wie interessierten Leserinnen und Lesern ohne Sanskrit-Kenntnisse gleichermaßen einen Zugang zu diesem für das Verständnis der vedischen Opferreligion zentralen, aber im deutschen Sprachraum bislang wenig zugänglichen Werk zu eröffnen.
Inhalt
- Prathamā Pañcikā5 von 5 übersetzt
- Dvitīyā Pañcikā5 von 5 übersetzt
- Tṛtīyā Pañcikā5 von 5 übersetzt
- Caturthī Pañcikā5 von 5 übersetzt
- Pañcamī Pañcikā5 von 5 übersetzt
- Ṣaṣṭhī Pañcikā5 von 5 übersetzt
- Saptamī Pañcikā5 von 5 übersetzt
- Aṣṭamī Pañcikā5 von 5 übersetzt