Quellen der Menschheit

Pañcaviṃśa-Brāhmaṇa (Tāṇḍya-Mahābrāhmaṇa)

Vollständige zweisprachige Ausgabe: Sanskrit (IAST) und deutsche Übersetzung, Prapāṭhaka 1–25 (Zählung Prapāṭhaka.Adhyāya.Kaṇḍikā nach GRETIL).

Brāhmaṇas · 347 Adhyāyas · 3.564 Kaṇḍikās

Interaktive Leseansicht

Vorwort

Das Pañcaviṃśa-Brāhmaṇa („Fünfundzwanzig-Brāhmaṇa“, nach seinen 25 Prapāṭhakas, auch Tāṇḍya-Mahābrāhmaṇa genannt) ist das älteste und umfangreichste der erhaltenen Brāhmaṇas des Sāmaveda (Kauthuma-/Rāṇāyanīya-Schule). Es behandelt systematisch die Anwendung der Sāman-Gesänge in den verschiedenen Opferformen, insbesondere den großen Soma-Opfern, und enthält daneben berühmte eigenständige Traktate wie die Vrātyastoma-Lehre (zur rituellen Wiederaufnahme umherziehender Vrātyas) und zahlreiche Ākhyāna-Erzählungen (u.a. um den Sänger Keśin).

Die deutsche Übersetzung entstand eigens und unabhängig direkt aus dem Sanskrit. Der Text besteht überwiegend aus knappen, oft nur andeutungsweise verständlichen liturgischen Merkversen und Ritualanweisungen; Stellen mit besonderer Dunkelheit oder unsicherer Wortsegmentierung sind im laufenden Text mit „[Anm.: …]“ gekennzeichnet, statt stillschweigend geglättet zu werden. Die Zählung folgt der GRETIL-Digitalisierung (Prapāṭhaka.Adhyāya.Kaṇḍikā).

Die Übersetzung ist vollständig: alle 25 Prapāṭhakas mit 342 Adhyāyas und 3564 Kaṇḍikās sind übertragen. Wegen der oft nur andeutenden, teils verderbt überlieferten Ritualsprache (Strophenanfänge, Sāman-Namen, Stoma-Schemata) ist die Übersetzung an sehr vielen Stellen mit [?] und „[Anm.: …]“ als vorläufig gekennzeichnet; sie versteht sich als sorgfältige Arbeitsfassung. Unregelmäßigkeiten der Quellenzählung (Doppelnummern, Sprünge, Zahlendreher) sind in den Adhyāya-Notizen vermerkt.

Einführung

Anders als die etiologisch-erzählenden Brāhmaṇas des Ṛg- und Yajurveda besteht das Pañcaviṃśa-Brāhmaṇa in seinen frühen Prapāṭhakas zu einem großen Teil aus mantraartigen Kurzformeln, die den Sāman-Sänger (Udgātṛ) und seine Gehilfen bei der Durchführung des Rituals begleiten – etwa beim Auszug zum Soma-Kauf, bei der Bereitung der Opferstreu oder bei der Anschirrung des Sinnbild-Wagens. Erst in den späteren Prapāṭhakas (insbesondere den berühmten Kapiteln über den Vrātyastoma) tritt ausführlichere erzählende und lehrhafte Prosa hinzu.

Der Name „Tāṇḍya“ verweist auf einen (halb-legendären) Lehrer Tāṇḍin, dem die Schultradition zugeschrieben wird; „Pañcaviṃśa“ (die Fünfundzwanzig) bezeichnet schlicht die Zahl seiner Prapāṭhakas.

Der Aufbau des Werkes folgt der Ritualsystematik: Prapāṭhaka 1 bietet die Formeln des Soma-Antritts; 2–3 die Viṣṭutis (kunstvolle Strophenanordnungen der Stomas); 4–5 das Gavām Ayana und das Mahāvrata; 6–10 den Agniṣṭoma mit seinen Stotras, Sühneregeln und dem Ṣaḍaha; 11–15 den Dvādaśāha Tag für Tag; 16–19 Ekāhas (u.a. Vrātyastoma in Prapāṭhaka 17, Vājapeya und Rājasūya in 18); 20–22 Atirātras, Trirātras und Ahīnas; 23–25 die großen Sattras bis zum Tausendjahres-Sattra der Viśvasṛj.

Inhalt