Śatapatha-Brāhmaṇa (Śukla-Yajurveda)
Zweisprachige Ausgabe (Mādhyandina-Rezension): Sanskrit (IAST) und deutsche Übersetzung, Kāṇḍa 1–11 und 13 vollständig (Kāṇḍa 12 fehlt im verfügbaren Quellkorpus; Kāṇḍa 14 siehe Bṛhadāraṇyaka-Upaniṣad).
Brāhmaṇas · 82 Adhyāyas · 6.366 Kaṇḍikās
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Vorwort
Das Śatapatha-Brāhmaṇa ("Brāhmaṇa der hundert Pfade", nach der traditionellen Deutung seines Namens auf die hundert Adhyāyas, in die es sich gliedert) ist das Brāhmaṇa des Śukla- ("weißen") Yajurveda in der Mādhyandina-Rezension und zugleich das umfangreichste und inhaltsreichste aller erhaltenen Brāhmaṇa-Werke. Es erläutert Kaṇḍika für Kaṇḍika die Opferhandlungen und -formeln der Vājasaneyi-Saṃhitā: vom Agnyādhāna (der Feuerlegung) und dem täglichen Agnihotra über die Neu- und Vollmondopfer, die Soma-Opfer (Agniṣṭoma, Vājapeya, Rājasūya) bis zum Aśvamedha (Pferdeopfer) und dem großformatigen Agnicayana, dem Aufbau des Feueraltars in Vogelgestalt, dem allein die Kāṇḍas 6–10 gewidmet sind. Den Abschluss des Werks (Kāṇḍa 14) bildet, für ein Brāhmaṇa ungewöhnlich, ein ausgedehnter philosophischer Schlussteil – die Bṛhadāraṇyaka-Upaniṣad –, die in dieser Bibliothek als eigenes, nächstes Werk im Anschluss an das Śatapatha-Brāhmaṇa erscheinen wird.
Der Tradition nach geht die Vājasaneyi-Schule auf Yājñavalkya Vājasaneya zurück, der sich der Legende nach von seinem Lehrer Vaiśampāyana lossagte und die ihm bereits vermittelte Yajurveda-Lehre wieder von sich gab, woraufhin andere Schüler sie in Gestalt von Rebhühnern (tittiri) aufpickten – dies die volkstümliche Erklärung für den Namen des "schwarzen" Yajurveda (Taittirīya-Saṃhitā, in dieser Bibliothek bereits vollständig übersetzt vorliegend). Yājñavalkya selbst soll darauf den Sonnengott Sūrya in Gestalt eines Rosses (vāji) angerufen und von ihm eine neue, "weiße" (śukla) Fassung der Opferformeln erhalten haben – daher der Name Vājasaneyi ("vom Rossgott stammend") für die zugehörige Saṃhitā, die diese Bibliothek als eigenständiges Werk ebenfalls bereits enthält. Im Śatapatha-Brāhmaṇa selbst tritt Yājñavalkya wiederholt als maßgebliche, oft eine Sondermeinung vertretende Lehrautorität auf.
Diese Ausgabe folgt in Kāṇḍa-, Adhyāya- und Kaṇḍikā-Zählung der kritischen Sanskrit-Edition der Mādhyandina-Rezension, wie sie über das Göttinger Register vedischer Texte (GRETIL) digital zugänglich ist; für Kāṇḍa 12, das in der GRETIL-Fassung fehlte, wurde ergänzend die Digitalisierung des TITUS-Projekts (Frankfurt) herangezogen, die auf derselben, ursprünglich von Albrecht Weber besorgten kritischen Ausgabe beruht (Kāṇḍa 12 darin nach der Fushimi-Bearbeitung). Der Sanskrit-Text erscheint hier durchgehend unakzentuiert (IAST ohne die im TITUS-Digitalisat für Kāṇḍa 12 noch enthaltenen vedischen Ton-Akzente), in Übereinstimmung mit der Zählung und dem Erscheinungsbild der übrigen Vedasaṃhitā- und Brāhmaṇa-Bände dieser Bibliothek. Die deutsche Übersetzung entstand eigens und unabhängig direkt aus dem Sanskrit, ohne Rückgriff auf die klassische, aber sprachlich stark veraltete englische Übersetzung von Julius Eggeling (Sacred Books of the East, 5 Bände, Oxford 1882–1900). Stellen mit ungewöhnlicher philologischer Schwierigkeit oder echter Mehrdeutigkeit sind im laufenden Text mit "[Anm.: …]" gekennzeichnet, statt stillschweigend geglättet zu werden.
Die Übersetzung entsteht kāṇḍaweise, in der Reihenfolge des Textes, und wird hier fortlaufend um weitere Kāṇḍas ergänzt, sobald sie vollständig erarbeitet sind.
Einführung
Das Śatapatha-Brāhmaṇa gehört, wie alle Brāhmaṇas, zur zweiten großen Schicht der vedischen Literatur: Wo die Saṃhitās die eigentlichen Opferformeln und -sprüche überliefern, erläutern die Brāhmaṇas deren rituelle Anwendung (vidhi) und liefern dazu die begründende Deutung (arthavāda) – meist in Form einer symbolischen Gleichsetzung (bandhu, "Verknüpfung"): Ein Ritualgegenstand, eine Geste oder ein Spruch wird mit einer kosmischen, göttlichen oder physiologischen Größe identifiziert, wodurch die äußere Handlung ihre eigentliche, esoterische Wirksamkeit gewinnt. Diese assoziative Denkweise – nicht die diskursive Argumentation der späteren Philosophie – ist der Kern des Brāhmaṇa-Stils, und im Śatapatha-Brāhmaṇa erreicht sie ihre ausführlichste und kunstvollste Ausprägung.
Über Alter und Entstehung des Werks lässt sich nur mittelbar urteilen. Es dürfte in seiner heutigen Gestalt über einen längeren Zeitraum gewachsen sein und enthält, wie die eingestreuten Erzählungen (etwa von Śunaḥśepa, von Purūravas und Urvaśī, oder die im ersten Kāṇḍa dieser Übersetzung enthaltene Episode von Manu, Kilāta und Ākulī) zeigen, auch älteres erzählerisches und mythologisches Material. Traditionell wird das Werk der vedischen Schule der Vājasaneyins zugeordnet, mit Yājñavalkya als ihrer prägenden Lehrgestalt; ob dessen Name für eine historische Einzelperson oder für die Lehrautorität der Schule insgesamt steht, ist in der Forschung nicht abschließend geklärt.
Für die vorliegende Übersetzung gilt dieselbe Methode wie für die übrigen vedischen Bände dieser Bibliothek: Jede Kaṇḍikā wird zunächst ohne Rückgriff auf vorhandene Übersetzungen oder Kommentare direkt aus dem Sanskrit erschlossen – mit vollständiger morphologischer und syntaktischer Analyse jedes Wortes. Bei mehrdeutigen Wörtern wird zunächst der mögliche Bedeutungsbereich bestimmt und dann gegen das im jeweiligen Satz sachlich und rituell Mögliche geprüft; eine Wörterbuchbedeutung, die zu einer unmöglichen oder unsinnigen Aussage führt, wird verworfen. Unter mehreren verbleibenden Lesarten wird stets diejenige mit den wenigsten zusätzlichen Annahmen bevorzugt. Jede Kaṇḍikā durchläuft anschließend eine unabhängige zweite Prüfung, bei der Wortwahl, Kasus- und Tempus-Bezüge sowie sachliche Plausibilität erneut, ohne Kenntnis der ersten Analyse, kontrolliert werden.
Inhalt
- Kāṇḍa 19 von 9 übersetzt
- Kāṇḍa 26 von 6 übersetzt
- Kāṇḍa 39 von 9 übersetzt
- Kāṇḍa 46 von 6 übersetzt
- Kāṇḍa 55 von 5 übersetzt
- Kāṇḍa 68 von 8 übersetzt
- Siebtes Kāṇḍa5 von 5 übersetzt
- Achtes Kāṇḍa7 von 7 übersetzt
- Neuntes Kāṇḍa5 von 5 übersetzt
- Zehntes Kāṇḍa6 von 6 übersetzt
- Kāṇḍa 118 von 8 übersetzt
- Dreizehntes Kāṇḍa8 von 8 übersetzt