Quellen der Menschheit

Caraka-Saṃhitā · Nidanasthana

Adhyāya 3: Gulma Nidana Ursachen der Bauchgeschwulst (Gulma)

Das dritte, vergleichsweise knappe Kapitel des Nidānasthāna widmet sich dem Gulma, einer geballten, tumorartigen Verhärtung im Bauchraum, und unterscheidet fünf Formen: die durch Vāta, Pitta, Kapha und deren gemeinsames Zusammenwirken (Sannipāta) entstehenden sowie den nur bei Frauen auftretenden Śoṇita- oder Blut-Gulma, der auf zurückgehaltenem Menstruationsblut in der Gebärmutter beruht und damit einen frühen gynäkologischen Krankheitsbegriff einführt. Zentral ist die Beobachtung, dass an jeder Gulma-Form Vāta beteiligt ist, weshalb seine Beruhigung als therapeutisches Grundprinzip gilt, selbst wenn die eigentliche Behandlung erst im späteren Cikitsāsthāna ausgeführt wird. Wie in den benachbarten Kapiteln steht die diagnostische Systematik – Entstehungsursache, Vorzeichen, Symptome, Anzahl und Heilbarkeit – im Vordergrund, während konkrete Heilpflanzen hier kaum genannt werden; botanisch bleibt dieses Kapitel entsprechend zurückhaltend.

DIE FÜNF GULMA-ARTEN (Vers 3, 6–14)
Typ (Sanskrit)Kennzeichen
vātagulmaan- und abschwellende Ballung mit unregelmäßigem, wanderndem Schmerz, Ameisenkribbeln, Milzschwellung, Blähungen
pittagulmabrennende, schmerzende, feuchtwarme Geschwulst mit saurem Aufstoßen, Fieber, Durst, grünlich-gelber Verfärbung
śleṣmagulma (kaphagulma)unbewegliche, schwere, harte, tiefliegende Geschwulst mit Kältefieber, Schläfrigkeit, Erstarrungsgefühl
nicayagulma (sānnipātika)durch alle drei doṣa zugleich verursacht; wegen widersprüchlicher Behandlungsanforderungen unheilbar
śoṇitagulma (Blut-Gulma)tritt nur bei Frauen auf; entsteht durch zurückgehaltenes Menstruationsblut in der Gebärmutter, mit anwachsendem Bauch ähnlich einer Scheinschwangerschaft
An jeder Gulma-Form ist vāta beteiligt; seine Beruhigung gilt daher als therapeutisches Grundprinzip (Vers 16–17).

athāto gulmanidānaṃ vyākhyāsyāmaḥ

Nun werden wir die Diagnostik des Gulma (einer geballten, tumorartigen Verhärtung im Bauchraum) erklären.

iti ha smāha bhagavānātreyaḥ

So sprach der erhabene Ātreya.

iha khalu pañca gulmā bhavanti; tadyathā- vātagulmaḥ, pittagulmaḥ, śleṣmagulmo, nicayagulmaḥ, śoṇitagulma iti

Es gibt hier fürwahr fünf Arten von Gulma, nämlich: den durch Vāta verursachten (vātagulma), den durch Pitta verursachten (pittagulma), den durch Śleṣma bzw. Kapha verursachten (śleṣmagulma), den durch das Zusammenwirken aller drei Doṣas entstandenen (nicayagulma) sowie den durch Blut verursachten (śoṇitagulma).

evaṃvādinaṃ bhagavantamātreyamagniveśa uvāca- kathamiha bhagavan pañcānāṃ gulmānāṃ viśeṣamabhijānīmahe; nahyaviśeṣavidrogāṇāmauṣadhavidapi bhiṣak praśamanasamartho bhavatīti

Als der erhabene Ātreya so sprach, fragte ihn Agniveśa: „Verehrter, wie erkennen wir hier die Unterscheidungsmerkmale dieser fünf Gulma-Arten? Denn selbst ein Arzt, der zwar die Heilmittel kennt, aber die Krankheiten nicht voneinander zu unterscheiden weiß, ist nicht imstande, sie wirksam zu behandeln.“

tamuvāca bhagavānātreyaḥ- samutthānapūrvarūpaliṅgavedanopaśayaviśeṣebhyo viśeṣavijñānaṃ gulmānāṃ bhavatyanyeṣāṃ ca rogāṇāmagniveśa! tattu khalu gulmeṣūcyamānaṃ nibodha

Darauf sprach der erhabene Ātreya zu ihm: „Agniveśa! Die Unterscheidung der Gulmas wie auch anderer Krankheiten ergibt sich aus den Besonderheiten von Entstehungsursache (samutthāna), Vorzeichen (pūrvarūpa), Kennzeichen (liṅga), Schmerzempfindung (vedanā) sowie Linderung und Verschlimmerung (upaśaya). Vernimm nun, was hierüber in Bezug auf die Gulmas gesagt wird.“

yadā puruṣo vātalo viśeṣeṇa jvaravamanavirecanātīsārāṇāmanyatamena karśanena karśito vātalamāhāramāharati, śītaṃ vā viśeṣeṇātimātram asnehapūrve vā vamanavirecane pibati, anudīrṇāṃ vā chardimudīrayati, udīrṇān vātamūtrapurīṣavegānniruṇaddhi, atyaśito vā pibati navodakamatimātram, atisaṅkṣobhiṇā vā yānena yāti, ativyavāyavyāyāmamadyaśokarucirvā, abhighātamṛcchati vā, viṣamāsanaśayanasthānacaṅkramaṇasevī vā bhavati, anyadvā kiñcidevaṃvidhaṃ viṣamamatimātraṃ vyāyāmajātamārabhate, tasyāpacārādvātaḥ prakopamāpadyate

Wenn ein von Natur aus zu Vāta neigender Mensch, insbesondere durch Fieber, Erbrechen, Abführen oder Durchfall geschwächt und ausgezehrt ist und dennoch Vāta-fördernde Nahrung zu sich nimmt; oder übermäßig viel kaltes Wasser trinkt; oder ohne vorherige Ölbehandlung (sneha) Brech- oder Abführmittel einnimmt; oder ein noch nicht von selbst auftretendes Erbrechen künstlich hervorruft; oder aufgetretene Dränge nach Windabgang, Harn- oder Stuhlentleerung zurückhält; oder übermäßig viel frisches, kaltes Wasser trinkt; oder mit einem stark erschütternden Fahrzeug fährt; oder übermäßigen Geschlechtsverkehr, übermäßige körperliche Anstrengung, übermäßigen Alkoholgenuss, Kummer oder starke Gemütsbewegung erfährt; oder eine Verletzung erleidet; oder unregelmäßige Gewohnheiten beim Sitzen, Liegen, Stehen und Gehen pflegt; oder irgendeine andere derartige unregelmäßige und übermäßige körperliche Anstrengung unternimmt – durch ein solches Fehlverhalten gerät der Vāta in Erregung (prakopa).

sa prakupito vāyurmahāsroto'nupraviśya raukṣyāt kaṭhinībhūtamāplutya piṇḍito'vasthānaṃ karoti hṛdi bastau pārśvayornābhyāṃ vā; sa śūlamupajanayati granthīṃścānekavidhān, piṇḍitaścāvatiṣṭhate, sa piṇḍitatvād 'gulma' ityabhidhīyate; sa muhurādhamati muhuralpatvamāpadyate; aniyatavipulāṇuvedanaśca bhavati calatvādvāyoḥ, muhuḥ pipīlikāsampracāra ivāṅgeṣu, todabhedasphuraṇāyāmasaṅkocasuptiharṣapralayodayabahulaḥ; tadāturaḥ sūcyeva śaṅkuneva cābhisaṃviddhamātmānaṃ manyate, api ca divasānte jvaryate śuṣyati cāsyāsyam, ucchvāsaścoparudhyate, hṛṣyanti cāsya romāṇi vedanāyāḥ prādurbhāve;plīhāṭopāntrakūjanāvipākodāvartāṅgamardamanyāśiraḥśaṅkhaśūlabradhnarogāścainamupadravanti; kṛṣṇāruṇaparuṣatvaṅnakhanayanavadanamūtrapurīṣaśca bhavati, nidānoktāni cāsya nopaśerate, viparītāni copaśerata iti vātagulmaḥ

Dieser erregte Vāyu dringt in den mahāsrotas (den großen Kanal, hier den Verdauungstrakt) ein, wird dort infolge seiner Trockenheit hart, ballt sich zusammen und bildet als geballte Masse eine feste Ansammlung im Herzbereich, in der Blase, in den Flanken oder am Nabel. Er erzeugt Schmerzen (śūla) und mancherlei Knoten (granthi) und bleibt als geballte Masse bestehen; eben wegen dieser Ballung (piṇḍita) wird sie „Gulma“ genannt. Sie schwillt bald an, bald wieder ab; wegen der Beweglichkeit des Vāta ist der Schmerz unregelmäßig, mal ausgedehnt, mal gering, und häufig entsteht ein Gefühl, als krabbelten Ameisen über die Glieder, dazu stechende, reißende, zuckende, dehnende und zusammenziehende Schmerzen, Taubheitsgefühl, Gänsehaut sowie ein wiederholtes Auftreten und Verschwinden der Beschwerden. Der Kranke meint, als werde er mit einer Nadel oder einem Pfahl durchbohrt; zudem bekommt er gegen Tagesende Fieber, sein Mund trocknet aus, der Atem wird behindert, und beim Auftreten der Schmerzen sträuben sich ihm die Körperhaare. Als Begleiterscheinungen (upadrava) befallen ihn Milzschwellung, Blähungen, Darmknurren, schlechte Verdauung, Verstopfung mit Aufwärtsdrang der Winde, Gliederschmerzen, Nacken-, Kopf- und Schläfenschmerzen sowie die Krankheit Bradhna (eine Leisten-/Hodenschwellung). Haut, Nägel, Augen, Gesicht sowie Harn und Stuhl werden schwärzlich-rötlich und rau. Was nach den Regeln der Ätiologie (nidāna) lindern sollte, bringt ihm keine Erleichterung, wohl aber gerade das Gegenteil davon – dies ist der Vāta-Gulma.

taireva tu karśanaiḥ karśitasyāmlalavaṇakaṭukakṣāroṣṇa tīkṣṇa śuktavyāpanna madyaharitakaphalāmlānāṃ vidāhināṃ ca śākadhānya māṃsādīnāmupayogādajīrṇādhyaśanādraukṣyānugate cāmāśaye vamanamativelaṃ sandhāraṇaṃ vātātapau cātisevamānasya pittaṃ saha mārutena prakopamāpadyate

Bei jemandem, der ebenso durch dieselben schwächenden Faktoren ausgezehrt ist, gerät infolge des Genusses saurer, salziger, scharfer, alkalischer, heißer und scharfer Substanzen sowie von saurem Gärgetränk (śukta), verdorbenem Alkohol, unreifen und sauren Früchten und sonstigen brennend wirkenden Gemüsen, Getreiden und Fleischsorten, ferner infolge von Verdauungsstörung (ajīrṇa) und dem Essen einer neuen Mahlzeit vor vollständiger Verdauung der vorherigen (adhyaśana), sowie – wenn der āmāśaya (der Magen, der Sitz des noch unverdauten Nahrungsbreis) bereits ausgetrocknet ist – durch übermäßiges Zurückhalten des Erbrechens und übermäßiges Aussetzen gegenüber Wind und Sonnenhitze, das Pitta zusammen mit dem Vāta in Erregung.

tat prakupitaṃ māruta āmāśayaikadeśe saṃvartya tāneva vedanāprakārānupajanayati, ya uktā vātagulme; pittaṃ tvenaṃ vidahati kukṣau hṛdyurasi kaṇṭhe ca; sa vidahyamānaḥ sadhūmamivodgāramudgiratyamlānvitaṃ, gulmāvakāśaścāsya dahyate dūyate dhūpyate ūṣmāyate svidyati klidyati śithila iva sparśāsaho'lparomāñcaśca bhavati; jvarabhramadavathupipāsāgalatālumukhaśoṣapramohaviḍbhedāścainamupadravanti; haritahāridratvaṅnakhanayanavadanamūtrapurīṣaśca bhavati; nidānoktāni cāsya nopaśerate, viparītānyupaśerata iti pittagulmaḥ

Dieses erregte Pitta wird vom Vāta an einer Stelle des āmāśaya zusammengeballt und erzeugt dieselben Schmerzarten, die beim Vāta-Gulma genannt wurden. Zusätzlich versengt es ihn brennend in Bauch, Herz, Brust und Kehle; unter Brennen stößt er auf, gleichsam wie Rauch aufsteigend, mit saurem Nachgeschmack. Die Stelle des Gulma brennt, schmerzt, dampft gleichsam, wird heiß, schwitzt, wird feucht und fühlt sich schlaff und berührungsempfindlich an, mit vereinzelter Gänsehaut. Als Begleiterscheinungen befallen ihn Fieber, Schwindel, Ohnmachtsanfälle, Durst, Trockenheit von Kehle, Gaumen und Mund, Bewusstseinstrübung und Durchfall. Haut, Nägel, Augen, Gesicht sowie Harn und Stuhl werden grünlich-gelb. Was nach den Regeln der Ätiologie lindern sollte, bringt ihm keine Erleichterung, wohl aber gerade das Gegenteil davon – dies ist der Pitta-Gulma.

taireva tu karśanaiḥ karśitasyātyaśanādatisnigdhagurumadhuraśītāśanāt piṣṭekṣukṣīratilamāṣaguḍavikṛtisevanānmandakamadyātipānāddharitakātipraṇanayādānūpaudakagrāmyamāṃsātibhakṣaṇāt sandhāraṇādabubhukṣasya cātipragāḍhamudapānāt saṅkṣobhaṇādvā śarīrasya śleṣmā saha mārutena prakopamāpadyate

Bei jemandem, der ebenso durch dieselben schwächenden Faktoren ausgezehrt ist, gerät durch übermäßiges Essen, durch den Genuss übermäßig öliger, schwerer, süßer und kalter Speisen, durch übermäßigen Verzehr von Mehlspeisen, Zuckerrohrprodukten, Milch, Sesam, schwarzen Bohnen (māṣa) und Zubereitungen aus Rohzucker (guḍa), durch übermäßigen Genuss von leichtem Bier (mandaka) und Alkohol, durch übermäßiges Essen von Blattgemüse, durch übermäßigen Verzehr von Fleisch von Sumpf-, Wasser- und Haustieren, durch das Zurückhalten des Hungergefühls bei gleichzeitig übermäßig reichlichem Wassertrinken, oder durch sonstige Erschütterung des Körpers, das Śleṣma (Kapha) zusammen mit dem Vāta in Erregung.

taṃ prakupitaṃ māruta āmāśayaikadeśe saṃvartya tāneva vedanāprakārānupajanayati ya uktā vātagulme; śleṣmā tvasya śītajvarārocakāvipākāṅgamarda harṣahṛdrogacchardinidrālasyastaimityagauravaśirobhitāpānupajanayati, api ca gulmasyasthairyagauravakāṭhinyāvagāḍhasuptatāḥ, tathākāsaśvāsapratiśyāyān rājayakṣmāṇaṃ cātipravṛddhaḥ, śvaityaṃ tvaṅnakhanayanavadanamūtrapurīṣeṣūpajanayati, nidānoktāni cāsya nopaśerate, viparītāni copaśerata iti śleṣmagulmaḥ

Dieses erregte Śleṣma wird vom Vāta an einer Stelle des āmāśaya zusammengeballt und erzeugt dieselben Schmerzarten, die beim Vāta-Gulma genannt wurden. Das Śleṣma erzeugt zudem Fieber mit Kälteempfinden, Appetitlosigkeit, schlechte Verdauung, Gliederschmerzen, Gänsehaut, Herzbeschwerden, Erbrechen, übermäßige Schläfrigkeit, Trägheit, ein Gefühl der Erstarrung, Schwere und Kopfschmerzen mit Hitzegefühl. Der Gulma selbst erscheint dabei unbeweglich, schwer, hart und tief liegend, mit Taubheitsgefühl. Bei starker Ausprägung kommen zudem Husten, Atemnot, Schnupfen und Rājayakṣma (Schwindsucht) hinzu. Haut, Nägel, Augen, Gesicht sowie Harn und Stuhl werden blass-weißlich. Was nach den Regeln der Ätiologie lindern sollte, bringt ihm keine Erleichterung, wohl aber gerade das Gegenteil davon – dies ist der Śleṣma-Gulma.

tridoṣahetuliṅgasannipāte tu sānnipātikaṃ gulmamupadiśanti kuśalāḥ| sa vipratiṣiddhopakramatvādasādhyo nicayagulmaḥ

Wenn aber Ursachen und Kennzeichen aller drei Doṣas gemeinsam zusammentreffen, so bezeichnen die Kundigen dies als den durch das Zusammenwirken aller drei Doṣas entstandenen Gulma (sānnipātika). Da seine Behandlungsmaßnahmen einander widersprechen, ist dieser Nicaya-Gulma unheilbar.

śoṇitagulmastu khalu striyā eva bhavati na puruṣasya, garbhakoṣṭhārtavāgamana vaiśeṣyāt| pāratantryādavaiśāradyāt satatamupacārānurodhādvā vegānudīrṇānuparundhatyā āmagarbhe vā'pyacirapatite'thavā'pyaciraprajātāyā ṛtau vā vātaprakopaṇānyāsevamānāyāḥ kṣipraṃvātaḥ prakopamāpadyate

Der Śoṇita-Gulma (Blut-Gulma) hingegen entsteht nur bei einer Frau, nicht bei einem Mann, da er auf der Besonderheit von Gebärmutter (garbhakoṣṭha) und Menstruationsblut (ārtava) beruht. Bei einer Frau, die – sei es aus Abhängigkeit von anderen, aus Unerfahrenheit oder aus beständiger Rücksichtnahme auf höfliche Gepflogenheiten – aufgetretene Dränge zurückhält, oder die kurz nach der Fehlgeburt eines noch unreifen Embryos (āmagarbha), oder kurz nach einer Entbindung, oder während der Menstruation Vāta-erregende Verhaltensweisen ausübt, gerät der Vāta rasch in Erregung.

sa prakupito yonimukhamanupraviśyārtavamuparuṇaddhi, māsi māsi tadārtavamuparudhyamānaṃ |kukṣimabhivardhayati| tasyāḥ śūlakāsātīsāracchardyarocakāvipākāṅgamardanidrālasyastaimitya kaphaprasekāḥ samupajāyante, stanayośca stanyam, oṣṭhayoḥ stanamaṇḍalayośca kārṣṇyam, atyarthaṃ glāniścakṣuṣoḥ, mūrcchā, hṛllāsaḥ, dohadaḥ, śvayathuśca pādayoḥ, īṣaccodgamo romarājyāḥ, yonyāścāṭālatvam, api ca yonyā daurgandhyamāsrāvaścopajāyate, kevalaścāsyā gulmaḥ piṇḍita eva spandate, tāmagarbhāṃ garbhiṇīmityāhurmūḍhāḥ

Dieser erregte Vāta dringt in die Öffnung der Gebärmutter (yonimukha) ein und hält das Menstruationsblut zurück; Monat für Monat, während dieses Blut zurückgehalten wird, wächst dadurch ihr Bauch immer mehr an. Bei ihr treten Schmerzen (śūla), Husten, Durchfall, Erbrechen, Appetitlosigkeit, schlechte Verdauung, Gliederschmerzen, Schläfrigkeit, Trägheit, Erstarrungsgefühl und vermehrter Schleimfluss auf; in den Brüsten bildet sich Milch, Lippen und Brustwarzenhöfe verfärben sich dunkel, die Augen ermatten stark, es kommt zu Ohnmacht, Übelkeit, ungewöhnlichen Gelüsten (dohada, wie bei einer Schwangerschaft), Schwellungen der Füße, einem leichten Hervortreten der Bauchbehaarungslinie sowie einer Weitung der Vagina; zudem entstehen übler Geruch und Ausfluss aus der Vagina. Der Gulma allein pulsiert dabei als geballte Masse. Törichte Leute halten eine solche Frau für schwanger, obwohl sie es nicht ist.

eṣāṃ tu khalu pañcānāṃ gulmānāṃ prāgabhinirvṛtterimāni pūrvarūpāṇi bhavanti; tadyathā-anannābhilaṣaṇam, arocakāvipākau, agnivaiṣamyaṃ, vidāho bhuktasya, pākakāle cāyuktyā chardyudgārau, vātamūtrapurīṣavegānāṃ cāprādurbhāvaḥ, prādurbhūtānāṃ cāpravṛttirīṣadāgamanaṃ vā, vātaśūlāṭopāntrakūjanāpariharṣaṇātivṛttapurīṣatāḥ, abubhukṣā, daurbalyaṃ,sauhityasya cāsahatvamiti

Bevor sich diese fünf Arten von Gulma voll ausbilden, treten folgende Vorzeichen (pūrvarūpa) auf: Abneigung gegen Nahrung, Appetitlosigkeit und schlechte Verdauung, Unregelmäßigkeit des Verdauungsfeuers (agni), Brennempfindung nach dem Essen, unpassendes Erbrechen und Aufstoßen zur Zeit der Verdauung, das Ausbleiben der Dränge nach Windabgang, Harn- und Stuhlentleerung, oder deren Auftreten ohne richtige Ausscheidung bzw. nur in geringer Menge, Windabgänge, Schmerzen, Blähungen, Darmknurren, Unbehagen sowie übermäßiger, unregelmäßiger Stuhlgang, Appetitlosigkeit, Schwäche und die Unfähigkeit, eine volle Mahlzeit zu vertragen.

sarveṣvapi khalveteṣu gulmeṣu na kaścidvātādṛte sambhavati gulmaḥ| teṣāṃ sānnipātikamasādhyaṃ jñātvā naivopakrameta, ekadoṣaje tu yathāsvamārambhaṃ praṇayet, saṃsṛṣṭāṃstu sādhāraṇena karmaṇopacaret| yaccānyadapyaviruddhaṃ manyeta tadapyavacārayedvibhajya gurulāghavamupadravāṇāṃ, gurūnupadravāṃstvaramāṇaścikitsejjaghanyamitarān| tvaramāṇastu viśeṣamanupalabhamāno gulmeṣvātyayike karmaṇi vātacikitsitaṃ praṇayet, snehasvedau vātaharau snehopasaṃhitaṃ ca mṛdu virecanaṃ bastīṃśca; amlalavaṇamadhurāṃśca rasān yuktyā'vacārayet| mārute hyupaśānte svalpenāpi prayatnena śakyo'nyo'pi doṣo niyantuṃ gulmeṣviti

Bei all diesen Gulma-Arten entsteht kein einziger Gulma ohne Beteiligung des Vāta. Erkennt man den durch das Zusammenwirken aller drei Doṣas entstandenen (sānnipātika) Gulma als unheilbar, so soll man mit der Behandlung erst gar nicht beginnen. Bei einem durch nur einen Doṣa entstandenen Gulma leite man die jeweils entsprechende Behandlung ein; bei einem durch mehrere Doṣas gemeinsam verursachten (saṃsṛṣṭa) Gulma behandle man mit einer allgemein wirksamen Methode. Auch alles Weitere, das man für nicht widersprüchlich hält, wende man an, wobei man die Begleiterscheinungen nach ihrer Schwere und Leichtigkeit unterscheidet: Bei dringlichen Fällen behandle der Arzt eilig zunächst die schwerwiegenderen Begleiterscheinungen und danach die übrigen. Erkennt der eilig handelnde Arzt bei einem Gulma in einer akuten, bedrohlichen Situation (ātyayika) keine eindeutige Zuordnung, so wende er die Vāta-Behandlung an: Öl- und Schwitzbehandlungen, die den Vāta beseitigen, ein mildes, mit Öl verbundenes Abführmittel sowie Klistiere (basti); und er verabreiche mit Bedacht saure, salzige und süße Geschmacksrichtungen (rasa). Denn ist der Vāta erst einmal beruhigt, lässt sich bei Gulma auch jeder andere erregte Doṣa schon mit geringer Anstrengung bezähmen.

bhavati cātra- gulmināmanilaśāntirupāyaiḥ sarvaśo vidhivadācaritavyā| mārute hyavajite'nyamudīrṇaṃ doṣamalpamapi karma nihanyāt

Und hierzu gibt es einen Vers: Bei Gulma-Patienten soll man mit allen geeigneten Mitteln in vorschriftsmäßiger Weise vor allem die Beruhigung des Vāta anstreben. Denn ist der Vāta erst bezwungen, kann schon eine geringe Maßnahme auch jeden anderen erregten Doṣa niederwerfen.

tatra ślokaḥ- saṅkhyā nimittaṃ rūpāṇi pūrvarūpamathāpi ca| diṣṭaṃ nidāne gulmānāmekadeśaśca karmaṇām

Dazu ein Vers: Die Anzahl, die Ursachen, die Kennzeichen sowie auch die Vorzeichen der Gulma-Arten wurden im Kapitel über die Ätiologie (Nidāna) dargelegt, ebenso ein Teilbereich ihrer Behandlung.

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