Quellen der Menschheit

Caraka-Saṃhitā · Nidanasthana

Adhyāya 1: Jwara Nidana Ursachen des Fiebers (Jvara)

Dieses Kapitel eröffnet das Nidānasthāna, das zweite der acht Bücher der Caraka-Saṃhitā, und legt zunächst dessen begriffliches Fundament: Es definiert die diagnostischen Grundpfeiler Nidāna (Ursache), Pūrvarūpa (Vorzeichen), Liṅga (Symptom), Upaśaya (Linderungsprobe) und Samprāpti (Krankheitsverlauf), die für alle folgenden Krankheitskapitel maßgeblich bleiben. Erst danach wendet es sich dem Jvara, dem Fieber, zu, das der Text selbst als die vorrangigste aller körperlichen Krankheiten bezeichnet. Unterschieden werden acht Formen, verursacht durch Vāta, Pitta und Kapha einzeln, ihre Zweierkombinationen, das gemeinsame Zusammenwirken aller drei Doṣas (Sannipāta) sowie eine von außen kommende Ursache; jeweils werden typische Auslöser wie unpassende Ernährung oder Erschöpfung und charakteristische Krankheitszeichen benannt. Als eröffnendes, streng diagnostisches Kapitel – anders als die therapeutisch ausgerichteten Cikitsāsthāna-Kapitel – steht es programmatisch für die Ätiologie- und Symptomlehre der acht hier behandelten Hauptkrankheiten; botanische Einzelsubstanzen treten dabei noch kaum hervor, da der Schwerpunkt auf Begriffsbildung und Klassifikation liegt.

DIE ACHT FIEBERARTEN (JVARA) (Vers 17, 20–31)
TypKennzeichen
Vāta-jvaraunregelmäßiges Einsetzen und Abklingen, wandernde Gliederschmerzen, raue rötlich-bräunliche Verfärbung, Verlangen nach Wärme
Pitta-jvaraplötzliches Auftreten im ganzen Körper, bitter-scharfer Mundgeschmack, Brennen, Grün-/Gelbfärbung, Verlangen nach Kälte
Kapha-jvaraplötzliches Auftreten, Schweregefühl, süßlicher Mundgeschmack, Blässe und Kältegefühl, kalte Pusteln
Vāta-Pitta-jvaraMischsymptomatik aus Väta- und Pitta-Kennzeichen (dvandvaja)
Vāta-Kapha-jvaraMischsymptomatik aus Väta- und Kapha-Kennzeichen (dvandvaja)
Pitta-Kapha-jvaraMischsymptomatik aus Pitta- und Kapha-Kennzeichen (dvandvaja)
Sānnipātika-jvaraalle drei doṣa gemeinsam beteiligt
Āgantu-jvaradurch Verletzung, dämonischen Befall, schwarze Magie oder Verwünschung ausgelöst; bleibt zunächst eigenständig, wird danach von doṣas begleitet
Fieber gilt als die vorrangigste aller körperlichen Krankheiten (Vers 16).

athāto jvaranidānaṃ vyākhyāsyāmaḥ

Nun wollen wir die Ursachenlehre (Nidāna) des Fiebers (Jvara) erklären.

iti ha smāha bhagavānātreyaḥ

So sprach der erhabene Ātreya.

iha khalu heturnimittamāyatanaṃ kartā kāraṇaṃ pratyayaḥ samutthānaṃ nidānamityanarthāntaram tattrividham- asātmyendriyārthasaṃyogaḥ, prajñāparādhaḥ, pariṇāmaśceti

Hetu, Nimitta, Āyatana, Kartṛ, Kāraṇa, Pratyaya, Samutthāna und Nidāna sind hier gleichbedeutende Bezeichnungen für „Ursache“ ohne Unterschied in der Sache. Sie ist dreifacher Art: die unzuträgliche Verbindung der Sinnesorgane mit ihren Objekten (Asātmyendriyārthasaṃyoga), der Verstoß gegen die Einsicht (Prajñāparādha) sowie der Wandel der Zeit (Pariṇāma).

atastrividhā vyādhayaḥ prādurbhavanti- āgneyāḥ, saumyāḥ,vāyavyāśca;-dvividhāścāpare- rājasāḥ, tāmasāśca

Daher entstehen Krankheiten dreifacher Art: solche feuriger Natur (Āgneya), solche mondhaft-wässriger Natur (Saumya) und solche windartiger Natur (Vāyavya); und andere, zweifacher Art: die von Rajas geprägten und die von Tamas geprägten.

tatra vyādhirāmayo gada ātaṅko yakṣmā jvaro vikāro roga ityanarthāntaram

Vyādhi, Āmaya, Gada, Ātaṅka, Yakṣmā, Jvara, Vikāra und Roga sind dabei gleichbedeutende Bezeichnungen für „Krankheit“ ohne Unterschied in der Sache.

tasyopalabdhirnidānapūrvarūpaliṅgopaśayasamprāptitaḥ

Ihre Erkenntnis erfolgt anhand von Nidāna (Ursache), Pūrvarūpa (Vorzeichen), Liṅga (Symptom), Upaśaya (Linderungsprobe) und Samprāpti (Krankheitsverlauf).

tatra nidānaṃ kāraṇamityuktamagre

Dabei wurde Nidāna soeben als „Ursache“ (Kāraṇa) erklärt.

pūrvarūpaṃ prāgutpatti lakṣaṇaṃ vyādheḥ

Pūrvarūpa ist das Zeichen, das vor dem eigentlichen Ausbruch der Krankheit erscheint.

prādurbhūtalakṣaṇaṃ punarliṅgam tatra liṅgamākṛtirlakṣaṇaṃ cihnaṃ saṃsthānaṃ vyañjanaṃ rūpamityanarthāntaram

Liṅga hingegen ist das Zeichen, das nach dem Ausbruch der Krankheit erscheint. Dabei sind Liṅga, Ākṛti, Lakṣaṇa, Cihna, Saṃsthāna, Vyañjana und Rūpa gleichbedeutende Bezeichnungen ohne Unterschied in der Sache.

upaśayaḥ punarhetuvyādhiviparītānāṃ viparītārthakāriṇāṃ cauṣadhāhāravihārāṇāmupayogaḥ sukhānubandhaḥ

Upaśaya wiederum ist die Anwendung von Heilmitteln, Speisen und Verhaltensweisen, die der Ursache und der Krankheit entgegengesetzt sind oder entgegengesetzt wirken, verbunden mit eintretender Linderung.

samprāptirjātirāgatirityanarthāntaraṃ vyādheḥ

Samprāpti, Jāti und Āgati sind gleichbedeutende Bezeichnungen ohne Unterschied in der Sache für den Entstehungs- und Verlaufsprozess der Krankheit.

sā saṅkhyāprādhānyavidhivikalpabalakālaviśeṣairbhidyate saṅkhyā tāvadyathā- aṣṭau jvarāḥ, pañca gulmāḥ, sapta kuṣṭhānyevamādiḥ prādhānyaṃ punardoṣāṇāṃ taratamābhyāmupalabhyate tatra dvayostaraḥ, triṣu tama iti vidhirnāma- dvividhā vyādhayo nijāgantubhedena,trividhāstridoṣabhedena, caturvidhāḥ sādhyāsādhyamṛdudāruṇabhedena samavetānāṃ punardoṣāṇāmaṃśāṃśabalavikalpo vikalpo'sminnarthe balakālaviśeṣaḥ punarvyādhīnāmṛtvahorātrāhārakālavidhiviniyato bhavati

Diese unterscheidet sich durch die Besonderheiten von Saṅkhyā (Anzahl), Prādhānya (Vorherrschaft), Vidhi (Art), Vikalpa (Variante), Bala (Stärke) und Kāla (Zeit). Saṅkhyā ist zum Beispiel: acht Jvara-Arten, fünf Gulma-Arten, sieben Kuṣṭha-Arten und so weiter. Die Prādhānya der Doṣas wiederum wird an ihrem jeweiligen Übergewicht erkannt: Sind zwei Doṣas beteiligt, überwiegt der eine stärker (tara); sind drei beteiligt, überwiegt einer am stärksten (tama). Vidhi bedeutet: Krankheiten sind zweifacher Art durch die Unterscheidung von Nija (innerlich bedingt) und Āgantu (äußerlich bedingt), dreifacher Art durch die Unterscheidung der drei Doṣas, vierfacher Art durch die Unterscheidung von heilbar, unheilbar, leicht und schwer. Vikalpa ist die Variation von Anteil und Anteilstärke der beteiligten Doṣas in dieser Hinsicht. Bala und Kāla der Krankheiten wiederum werden durch die Besonderheiten von Jahreszeit, Tageszeit und Zeitpunkt der Nahrungsaufnahme bestimmt.

tasmādvyādhīn bhiṣaganupahatasattvabuddhirhetvādibhirbhāvairyathāvadanubuddhyeta

Daher soll der Arzt mit ungetrübtem Geist und Verstand die Krankheiten anhand dieser Gegebenheiten – Ursache und so weiter – richtig erkennen.

ityarthasaṅgraho nidānasthānasyoddiṣṭo bhavati taṃ vistareṇopadiśanto bhūyastaramato'nuvyākhyāsyāmaḥ

Damit ist die inhaltliche Zusammenfassung des Nidānasthāna dargelegt. Um sie nun ausführlicher zu lehren, werden wir sie im Folgenden noch eingehender erklären.

tatra prathamata eva tāvadādyāṃllobhābhidrohakopaprabhavānaṣṭau vyādhīnnidānapūrveṇa krameṇa vyākhyāsyāmaḥ, tathā sūtrasaṅgrahamātraṃ cikitsāyāḥ| cikitsiteṣu cottarakālaṃ yathopacitavikārānanuvyākhyāsyāmaḥ tatra prathamata ēva tāvadādyāmṃllōbhābhidrōhakōpaprabhavānaṣṭau vyādhīnnidānapūrvēṇa kramēṇa vyākhyāsyāmaḥ, tathā sūtrasaṅgrahamātraṁ cikitsāyāḥ| cikitsitēṣu [1] cōttarakālaṁ yathōpacitavikārānanuvyākhyāsyāmaḥ [2]

Zunächst werden wir die ersten acht, aus Gier, Feindseligkeit und Zorn entstandenen Krankheiten in der Reihenfolge ihrer Ursachenlehre erklären, ebenso in knapper, sutraartiger Zusammenfassung ihre Behandlung. Danach werden wir die im Verlauf der Behandlung entstehenden weiteren Krankheitszustände entsprechend darlegen.

iha khalu jvara evādau vikārāṇāmupadiśyate, tatprathamatvācchārīrāṇām

Hier nun wird unter den Krankheiten zuallererst das Fieber gelehrt, da es unter den körperlichen Krankheiten die erste ist.

atha khalvaṣṭābhyaḥ kāraṇebhyo jvaraḥ sañjāyate manuṣyāṇāṃ; tadyathā- vātāt, pittāt, kaphāt, vātapittābhyāṃ, vātakaphābhyāṃ, pittakaphābhyāṃ, vātapittakaphebhyaḥ, āgantoraṣṭamāt kāraṇāt

Aus acht Ursachen entsteht beim Menschen Fieber, nämlich: aus Vāta, aus Pitta, aus Kapha, aus Vāta und Pitta, aus Vāta und Kapha, aus Pitta und Kapha, aus Vāta, Pitta und Kapha zusammen sowie – als achte Ursache – durch äußere Einwirkung (Āgantu).

tasya nidānapūrvarūpaliṅgopaśayaviśeṣānanuvyākhyāsyāma

Wir werden nun die Besonderheiten von Ursache, Vorzeichen, Symptomen und Linderungsprobe dieses Fiebers im Einzelnen darlegen.

rūkṣalaghuśītavamanavirecanāsthāpanaśirovirecanātiyogavyāyāmavegasandhāraṇānaśanābhighātavyavāyodvegaśokaśoṇitātiṣekajāgaraṇaviṣamaśarīranyāsebhyo'tisevitebhyo vāyuḥ prakopamāpadyate

Durch übermäßigen Genuss von trockener, leichter und kalter Nahrung, durch überzogene Anwendung von Brechmitteln, Abführmitteln, Klistieren und kopfreinigenden Mitteln, durch übermäßige Anstrengung, durch das Zurückhalten natürlicher Körperbedürfnisse, durch Fasten, durch Verletzung, durch übermäßigen Geschlechtsverkehr, durch Angst, Kummer, übermäßigen Blutverlust, nächtliches Wachen und ungünstige Körperhaltung gerät Vāta in Erregung.

sa yadā prakupitaḥ praviśyāmāśayamūṣmaṇā saha miśrībhūyādyamāhārapariṇāmadhātuṃ rasanāmānamanvavetya rasasvedavahāni srotāṃsi pidhāyāgnimupahatya paktisthānādūṣmāṇaṃ bahirnirasya kevalaṃ śarīramanuprapadyate, tadā jvaramabhinirvartayati

Wenn dieser erregte Vāta in den Āmāśaya (den Magen, den Sitz des unverdauten Speisebreis) eindringt und sich dort mit der Verdauungshitze vermischt, sodann das erste aus der Nahrung entstehende Gewebe (Dhātu), den Rasa (Nahrungssaft), erreicht, die Kanäle (Srotas), die Rasa und Schweiß führen, verstopft, den Agni (das Verdauungsfeuer) schädigt, die Verdauungshitze aus ihrem Sitz nach außen treibt und so den ganzen Körper allein durchdringt, dann erzeugt er Fieber.

tasyemāni liṅgāni bhavanti; tadyathā- viṣamārambhavisargitvam,ūṣmaṇo vaiṣamyaṃ, tīvratanubhāvānavasthānāni jvarasya, jaraṇānte divasānte niśānte gharmānte vā jvarasyābhyāgamanamabhivṛddhirvā, viśeṣeṇa paruṣāruṇavarṇatvaṃ nakhanayanavadanamūtrapurīṣatvacāmatyarthaṃ klṛptībhāvaśca; anekavidhopamāścalācalāśca vedanāsteṣāṃ teṣāmaṅgāvayavānāṃ; tadyathā- pādayoḥ suptatā, piṇḍikayorudveṣṭanaṃ, jānunoḥ kevalānāṃ ca sandhīnāṃ viśleṣaṇam, ūrvoḥ sādaḥ, kaṭīpārśvapṛṣṭhaskandhabāhvaṃsorasāṃ ca bhagnarugṇamṛditamathitacaṭitāvapāṭitāvanunna-tvamiva hanvoścāprasiddhiḥ, svanaśca karṇayoḥ, śaṅkhayornistodaḥ, kaṣāyāsyatā āsyavairasyaṃ vā, mukhatālukaṇṭhaśoṣaḥ, pipāsā, hṛdayagrahaḥ, śuṣkacchardiḥ,śuṣkakāsaḥ, kṣavathūdgāravinigrahaḥ, annarasakhedaḥ, prasekārocakāvipākāḥ, viṣādajṛmbhāvinā-mavepathuśramabhramapralāpaprajāgararomaharṣadantaharṣāḥ, uṣṇābhiprāyatā, nidānoktānāma-nupaśayo viparītopaśayaśceti vātajvarasya liṅgāni bhavanti

Dessen Symptome sind folgende: unregelmäßiges Einsetzen und Abklingen des Fiebers, Unregelmäßigkeit der Verdauungshitze, wechselnde Heftigkeit und schwankende Dauer des Fiebers, sein Auftreten oder Zunehmen am Ende der Verdauung, am Ende des Tages, am Ende der Nacht oder bei Hitze; ferner eine besonders raue, rötlich-bräunliche Verfärbung von Nägeln, Augen, Gesicht, Urin, Stuhl und Haut sowie deren übermäßige Verhärtung; mannigfaltige, wandernde und wechselnde Schmerzen in den verschiedenen Gliedern, nämlich: Taubheit der Füße, Krämpfe der Waden, Auseinanderweichen der Kniegelenke und aller übrigen Gelenke, Schwäche der Oberschenkel, ein Gefühl in Hüfte, Flanken, Rücken, Schultern, Oberarmen, Schulterblättern und Brust, als seien sie gebrochen, verletzt, zerdrückt, gequetscht, gequält, zerschlagen oder auseinandergerissen, sowie Steifheit in den Kiefern, Dröhnen in den Ohren, Stechen in den Schläfen, ein zusammenziehender oder fader Geschmack im Mund, Trockenheit von Mund, Gaumen und Hals, Durst, Beklemmung im Herzen, trockenes Erbrechen, trockener Husten, unterdrücktes Niesen und Aufstoßen, Widerwille gegen den Geschmack der Nahrung, vermehrter Speichelfluss, Appetitlosigkeit und schlechte Verdauung, Niedergeschlagenheit, Gähnen, Sich-Krümmen, Zittern, Erschöpfung, Schwindel, wirres Reden, Schlaflosigkeit, Haaresträuben und Zähneklappern, Verlangen nach Wärme sowie das Ausbleiben von Linderung durch die im Nidāna genannten Vāta-widrigen Mittel beziehungsweise Linderung durch das Gegenteil davon – dies sind die Symptome des durch Vāta verursachten Fiebers.

uṣṇāmlalavaṇakṣārakaṭukājīrṇabhojanebhyo'tisevitebhyastathā tīkṣṇātapāgnisantāpaśramakrodhaviṣamāhārebhyaśca pittaṃ prakopamāpadyate

Durch übermäßigen Genuss von heißer, saurer, salziger, alkalischer und scharfer sowie unverdauter Nahrung, ebenso durch scharfe Sonnenhitze, Feuerhitze, Erhitzung, Erschöpfung, Zorn und unregelmäßige Ernährung gerät Pitta in Erregung.

tadyadā prakupitamāmāśayādūṣmāṇamupasṛjyādyamāhārapariṇāmadhātuṃ rasanāmānamanvavetya rasasvedavahāni srotāṃsi pidhāya dravatvādagnimupahatya paktisthānādūṣmāṇaṃ bahirnirasya prapīḍayat kevalaṃ śarīramanuprapadyate, tadā jvaramabhinirvartayati

Wenn dieses erregte Pitta seine Hitze verstärkt in den Āmāśaya einbringt, sodann den Rasa erreicht, die Rasa- und schweißführenden Kanäle verstopft, durch seine flüssige Beschaffenheit den Agni schädigt, die Verdauungshitze aus ihrem Sitz nach außen treibt und bedrängend den ganzen Körper allein durchdringt, dann erzeugt es Fieber.

tasyemāni liṅgāni bhavanti; tadyathā- yugapadeva kevale śarīre jvarasyābhyāgamanamabhivṛddhirvā bhuktasya vidāhakāle madhyandine'rdharātre śaradi vā viśeṣeṇa,kaṭukāsyatā,ghrāṇamukhakaṇṭhauṣṭhatālupākaḥ, tṛṣṇā, mado, bhramo, mūrcchā, pittacchardanam, atīsāraḥ, annadveṣaḥ, sadanaṃ, khedaḥ, pralāpaḥ, raktakoṭhābhinirvṛttiḥ śarīre, haritahāridratvaṃ nakhanayanavadanamūtrapurīṣatvacām, atyarthamūṣmaṇastīvrabhāvaḥ, atimātraṃ dāhaḥ, śītābhiprāyatā, nidānoktānupaśayo viparītopaśayaśceti pittajvaraliṅgāni bhavanti

Dessen Symptome sind folgende: das plötzliche Auftreten oder Zunehmen des Fiebers im ganzen Körper zugleich, besonders zur Zeit der Nahrungsverbrennung im Magen, mittags, um Mitternacht oder im Herbst; ein bitter-scharfer Geschmack im Mund, Brennen in Nase, Mund, Hals, Lippen und Gaumen, Durst, Benommenheit, Schwindel, Ohnmacht, galliges Erbrechen, Durchfall, Abneigung gegen Nahrung, Erschöpfung, Mattigkeit, wirres Reden, das Auftreten roter Hautausschläge (Koṭha) am Körper, Grün- beziehungsweise Gelbfärbung von Nägeln, Augen, Gesicht, Urin, Stuhl und Haut, übermäßige Heftigkeit der Hitze, starkes Brennen, Verlangen nach Kälte sowie das Ausbleiben von Linderung durch die im Nidāna genannten Pitta-widrigen Mittel beziehungsweise Linderung durch das Gegenteil davon – dies sind die Symptome des durch Pitta verursachten Fiebers.

snigdhagurumadhurapicchilaśītāmlalavaṇadivāsvapnaharṣāvyāyāmebhyo'tisevitebhyaḥ śleṣmā prakopamāpadyate

Durch übermäßigen Genuss von öliger, schwerer, süßer, schleimiger, kalter, saurer und salziger Nahrung, durch Tagesschlaf, übermäßige Freude und Bewegungsmangel gerät Kapha in Erregung.

sa yadā prakupitaḥ praviśyāmāśayamūṣmaṇā saha miśrībhūyādyamāhārapariṇāmadhātuṃ rasanāmānamanvavetya rasasvedavahāni srotāṃsi pidhāyāgnimupahatya paktisthānādūṣmāṇaṃ bahirnirasya prapīḍayan kevalaṃ śarīramanuprapadyate, tadā jvaramabhinirvartayati

Wenn dieser erregte Kapha in den Āmāśaya eindringt und sich dort mit der Verdauungshitze vermischt, sodann den Rasa erreicht, die Rasa- und schweißführenden Kanäle verstopft, den Agni schädigt, die Verdauungshitze aus ihrem Sitz nach außen treibt und bedrängend den ganzen Körper allein durchdringt, dann erzeugt er Fieber.

tasyemāni liṅgāni bhavanti; tadyathā- yugapadeva kevale śarīre jvarasyābhyāgamanamabhivṛddhirvā bhuktamātre pūrvāhṇe pūrvarātre vasantakāle vā viśeṣeṇa, gurugātratvam, anannābhilāṣaḥ, śleṣmaprasekaḥ, mukhamādhuryaṃ, hṛllāsaḥ, hṛdayopalepaḥ, stimitatvaṃ, chardiḥ, mṛdvagnitā, nidrādhikyaṃ, stambhaḥ,tandrā, kāsaḥ, śvāsaḥ, pratiśyāyaḥ, śaityaṃ, śvaityaṃ ca nakhanayanavadanamūtrapurīṣatvacām, atyarthaṃ ca śītapiḍakā bhṛśamaṅgebhya uttiṣṭhanti, uṣṇābhiprāyatā, nidānoktānupaśayo viparītopaśayaśca; iti(śleṣmajvaraliṅgāni bhavanti)

Dessen Symptome sind folgende: das plötzliche Auftreten oder Zunehmen des Fiebers im ganzen Körper zugleich, besonders gleich nach dem Essen, am Vormittag, in der ersten Nachthälfte oder im Frühling; Schweregefühl der Glieder, Appetitlosigkeit, vermehrter Schleimfluss, ein süßlicher Geschmack im Mund, Übelkeit, ein Beklemmungsgefühl über dem Herzen, Erstarrungsgefühl, Erbrechen, schwacher Agni, vermehrter Schlaf, Steifheit, Schläfrigkeit (Tandrā), Husten, Atemnot, Schnupfen, Kälte- und Blässegefühl von Nägeln, Augen, Gesicht, Urin, Stuhl und Haut, und an den Gliedern brechen zahlreiche kalte Pusteln hervor, Verlangen nach Wärme sowie das Ausbleiben von Linderung durch die im Nidāna genannten Mittel beziehungsweise Linderung durch das Gegenteil davon – dies sind die Symptome des durch Kapha verursachten Fiebers.

viṣamāśanādanaśanādannaparivartādṛtuvyāpatterasātmyagandhopaghrāṇādviṣopahatasya codakasyopayogādgarebhyo girīṇāṃ copaśleṣāt svedavamanavirecanāsthāpanānuvāsanaśirovirecanānāmayathāvatprayogāt mithyāsaṃsarjanādvā strīṇāṃ ca viṣamaprajananāt prajātānāṃ ca mithyopacārādyathoktānāṃ ca hetūnāṃ miśrībhāvādyathānidānaṃ dvandvānāmanyatamaḥ sarve vā trayo doṣā yugapat prakopamāpadyante,te prakupitāstayaivānupūrvyā jvaramabhinirvartayanti

Durch unregelmäßige Nahrungsaufnahme, durch Fasten, durch abrupten Nahrungswechsel, durch jahreszeitliche Störungen, durch das Einatmen unzuträglicher Gerüche, durch den Genuss vergifteten Wassers, durch Gifte (Gara), durch die Einwirkung giftiger Bergpflanzen, durch unsachgemäße Anwendung von Schwitzkuren, Brechmitteln, Abführmitteln, Klistieren, ölhaltigen Klistieren und kopfreinigenden Mitteln, durch falsches Verhalten nach einer Reinigungstherapie, durch eine schwierige Geburt bei Frauen sowie durch falsche Pflege nach der Geburt, und durch das Zusammenwirken der zuvor genannten Ursachen entsprechend ihrem jeweiligen Nidāna geraten entweder zwei Doṣas gemeinsam oder alle drei Doṣas zugleich in Erregung; diese erzeugen, einmal erregt, in eben dieser Reihenfolge das Fieber.

tatra tathoktānāṃ jvaraliṅgānāṃ miśrībhāvaviśeṣadarśanāddvāndvikamanyatamaṃ jvaraṃ sānnipātikaṃ vā vidyāt

Dabei erkennt man anhand der besonderen Mischung der so beschriebenen Fiebersymptome, ob es sich um eines der Zwei-Doṣa-Fieber (Dvandvaja) oder um das durch alle drei Doṣas zugleich verursachte Fieber (Sānnipātika) handelt.

abhighātābhiṣaṅgābhicārābhiśāpebhya āganturhi vyathāpūrvo'ṣṭamo jvaro bhavati| sa kiñcitkālamāgantuḥ kevalo bhūtvā paścāddoṣairanubadhyate|tatrābhighātajo vāyunā duṣṭaśoṇitādhiṣṭhānena,abhiṣaṅgajaḥpunarvātapittābhyām,abhicārābhiśāpajau tu sannipātenānubadhyete

Durch Verletzung (Abhighāta), durch dämonischen Befall (Abhiṣaṅga), durch schwarze Magie (Abhicāra) und durch Verwünschung (Abhiśāpa) entsteht das achte, durch Schmerz eingeleitete, äußerlich bedingte Fieber (Āgantu-Jvara). Dieses bleibt eine Zeitlang für sich allein bestehen und wird danach von den Doṣas begleitet: Das durch Verletzung entstandene wird dabei von Vāta, gestützt auf verdorbenes Blut, begleitet; das durch Befall entstandene von Vāta und Pitta; die durch schwarze Magie und Verwünschung entstandenen hingegen werden von allen drei Doṣas gemeinsam begleitet.

sa saptavidhājjvarādviśiṣṭaliṅgopakramasamutthānatvādviśiṣṭo veditavyaḥ,karmaṇā sādhāraṇena copacaryate ityaṣṭavidhā jvaraprakṛtiruktā

Dieses Āgantu-Fieber ist von den übrigen sieben Fieberarten wegen seiner besonderen Symptome und seines besonderen Entstehungshergangs zu unterscheiden, wird aber mit den allgemeinen, für Fieber geltenden Maßnahmen behandelt. Damit sind die acht Grundarten des Fiebers dargelegt.

jvarastvekaevasantāpalakṣaṇaḥ| tamevābhiprāyaviśeṣāddvividhamācakṣate,nijāgantuviśeṣācca|tatra nijaṃ dvividhaṃ trividhaṃ caturvidhaṃ saptavidhaṃ cāhurbhiṣajo vātādivikalpāt

Das Fieber ist jedoch im Grunde eines, gekennzeichnet durch Hitze (Santāpa). Je nach betrachtetem Gesichtspunkt bezeichnet man es als zweifach, entsprechend der Unterscheidung von innerlich bedingt (Nija) und äußerlich bedingt (Āgantu). Das innerlich bedingte wiederum bezeichnen die Ärzte je nach der Unterscheidung von Vāta und den übrigen Doṣas als zweifach, dreifach, vierfach oder siebenfach.

tasyemāni pūrvarūpāṇi bhavanti; tadyathā-mukhavairasyaṃ,gurugātratvam, anannābhilāṣaḥ, cakṣuṣorākulatvam,aśrvāgamanaṃ, nidrādhikyam, aratiḥ, jṛmbhā, vināmaḥ, vepathuḥ,śramabhramapralāpajāgaraṇaromaharṣadantaharṣāḥ,śabdaśītavātātapasahatvāsahatvam, arocakāvipākau, daurbalyam, aṅgamardaḥ, sadanam, alpaprāṇatā, dīrghasūtratā, ālasyam, ucitasya karmaṇo hāniḥ, pratīpatā svakāryeṣu, gurūṇāṃ vākyeṣvabhyasūyā, bālebhyaḥ pradveṣaḥ, svadharmeṣvacintā, mālyānulepanabhojanaparikleśanaṃ,madhurebhya bhakṣebhyaḥ pradveṣaḥ, amlalavaṇakaṭukapriyatā ca,iti jvarasya pūrvarūpāṇi bhavanti prāksantāt;apicainaṃsantāpārtamanuba

Dessen Vorzeichen sind folgende: ein schlechter Geschmack im Mund, Schweregefühl der Glieder, Appetitlosigkeit, Getrübtheit der Augen, Tränenfluss, vermehrter Schlaf, Unruhe, Gähnen, Sich-Krümmen, Zittern, Erschöpfung, Schwindel, wirres Reden, Schlaflosigkeit, Haaresträuben und Zähneklappern, Unverträglichkeit gegenüber Lärm, Kälte, Wind und Sonnenhitze, Appetitlosigkeit und schlechte Verdauung, Kraftlosigkeit, Gliederschmerzen, Mattigkeit, schwacher Atem, Trägheit bei Verrichtungen, Faulheit, Vernachlässigung gewohnter Tätigkeiten, Widerwille gegen die eigenen Pflichten, Missgunst gegenüber den Worten der Lehrer, Abneigung gegen Kinder, Gleichgültigkeit gegenüber den eigenen Pflichten, Unbehagen bei Blumenkränzen, Salben und Speisen, Abneigung gegen Süßes sowie Vorliebe für Saures, Salziges und Scharfes – dies sind die Vorzeichen des Fiebers vor dessen Ausbruch. Und ferner sucht es ihn, sobald er von der Hitze gequält ist, aufs Neue heim …

ityetānyekaikaśo jvaraliṅgāni vyākhyātāni bhavanti vistarasamāsābhyām

So sind diese Symptome des Fiebers einzeln, sowohl ausführlich als auch zusammenfassend, dargelegt worden.

jvarastu khalu maheśvarakopaprabhavaḥ,sarvaprāṇabhṛtāṃ prāṇaharo,dehendriyamanastāpakaraḥ,prajñābalavarṇaharṣotsāhahrāsakaraḥ,śramaklamamohāhāroparodhasañjananaḥ; jvarayati śarīrāṇīti jvaraḥ, nānye vyādhayastathā dāruṇā bahūpadravā duścikitsyāśca yathā'yam| sa sarvarogādhipatiḥ, nānātiryagyoniṣu ca bahuvidhaiḥ śabdairabhidhīyate|sarve prāṇabhṛtaḥ sajvarā eva jāyante sajvarā eva mriyante ca; sa mahāmohaḥ, tenābhibhūtāḥ prāgdaihikaṃ dehinaḥ karma kiñcidapi na smaranti, sarvaprāṇabhṛtāṃ ca jvara evānte prāṇānādatte

Das Fieber aber entstand einst aus dem Zorn des großen Gottes (Maheśvara); es raubt allen Lebewesen den Lebensatem, es erhitzt Körper, Sinnesorgane und Geist, es mindert Einsicht, Kraft, Hautfarbe, Freude und Tatkraft, und es erzeugt Erschöpfung, Mattigkeit, Verwirrung und Appetitlosigkeit. Weil es die Körper „erhitzt“ (jvarayati), heißt es Jvara; keine andere Krankheit ist so furchtbar, von so vielen Begleitkomplikationen begleitet und so schwer zu behandeln wie dieses. Es ist der Herr aller Krankheiten und wird bei den verschiedenen Tiergattungen mit vielerlei Namen bezeichnet. Alle Lebewesen werden mit Fieber geboren und sterben auch mit Fieber; es ist die große Verblendung (Mahāmoha) – von ihr überwältigt, erinnern sich die verkörperten Wesen an nichts von ihren früheren Taten. Und bei allen Lebewesen ist es letztlich wiederum das Fieber, das ihnen am Ende den Lebensatem nimmt.

tatra pūrvarūpadarśane jvarādau vā hitaṃ laghvaśanamapatarpaṇaṃ vā, jvarasyāmāśayasamutthatvāt;tataḥkaṣāyapānābhyaṅgasnehasvedapradehapariṣekānulepanavamanavirecanāsthāpanānuvāsanopaśamananastaḥkarma-dhūpadhūmapānāñjanakṣīrabhojanavidhānaṃ ca yathāsvaṃ yuktyā prayojyam

Zeigen sich Vorzeichen oder tritt das Fieber gerade erst auf, ist leichte Kost oder Nahrungsentzug (Apatarpaṇa) zuträglich, da das Fieber seinen Ursprung im Āmāśaya hat. Danach sind, je nach Fall und mit Bedacht, das Trinken von Absuden, Einreibungen, Öleinreibungen, Schwitzkuren, Auflagen, Übergießungen, Salben, Brechmittel, Abführmittel, Klistiere, ölhaltige Klistiere, beruhigende Kopfmittel, Räucherungen, Rauchinhalationen, Augenmittel sowie die geeignete Milch- und Speisediät anzuwenden.

jīrṇajvareṣu tu sarveṣveva sarpiṣaḥ pānaṃ praśasyate yathāsvauṣadhasiddhasya; sarpirhi snehādvātaṃ śamayati, saṃskārāt kaphaṃ, śaityāt pittamūṣmāṇaṃ ca; tasmājjīrṇajvareṣu sarveṣveva sarpirhitamudakamivāgnipluṣṭeṣu dravyeṣviti

Bei allen chronischen Fiebern (Jīrṇajvara) jedoch wird das Trinken von Ghee, zubereitet mit den jeweils geeigneten Heilmitteln, empfohlen; denn Ghee besänftigt durch seine Öligkeit Vāta, durch die Zubereitung Kapha, und durch seine Kühle Pitta sowie die übermäßige Hitze. Deshalb ist Ghee bei allen chronischen Fiebern zuträglich, so wie Wasser für vom Feuer versengte Dinge.

bhavanti cātra- yathā prajvalitaṃ veśma pariṣiñcanti vāriṇā| narāḥ śāntimabhipretya tathā jīrṇajvare ghṛtam

Hierzu gibt es folgenden Vers: Wie Menschen ein brennendes Haus mit Wasser übergießen, um es zu löschen, so wirkt Ghee beim chronischen Fieber.

snehādvātaṃ śamayati, śaityāt pittaṃ niyacchati| ghṛtaṃ tulyaguṇaṃ doṣaṃ saṃskārāttu jayet kapham

Durch seine Öligkeit besänftigt es Vāta, durch seine Kühle bezähmt es Pitta; einen Doṣa von gleicher Eigenschaft wie es selbst, also Kapha, besiegt Ghee jedoch nur durch entsprechende Zubereitung.

nānyaḥ snehastathā kaścit saṃskāramanuvartate| yathā sarpirataḥ sarpiḥ sarvasnehottamaṃ matam

Kein anderes Ölmittel nimmt die zugesetzten Eigenschaften der Zubereitung so an wie Ghee; deshalb gilt Ghee als das beste unter allen öligen Substanzen.

gadyokto yaḥ punaḥ ślokairarthaḥ samanugīyate| tadvyaktivyavasāyārthaṃ dviruktaṃ tanna garhyate

Wenn ein in Prosa dargelegter Sachverhalt noch einmal in Versen wiederholt wird, so geschieht dies, um ihn deutlich hervorzuheben und zu bekräftigen; eine solche Wiederholung ist nicht zu tadeln.

trividhaṃ nāmaparyāyairhetuṃ pañcavidhaṃ gadam| gadalakṣaṇaparyāyān vyādheḥ pañcavidhaṃ graham

Dargelegt wurden die Ursache in ihrer Dreiteilung mit ihren Synonymen, die Krankheit in ihrer Fünfteilung, die Synonyme für die Merkmale der Krankheit sowie die fünffache Erfassung der Krankheit.

jvaramaṣṭavidhaṃ tasya prakṛṣṭāsannakāraṇam| pūrvarūpaṃ ca rūpaṃ ca bheṣajaṃ saṅgraheṇa ca

Ferner wurden dargelegt: das Fieber in seiner Achtteilung, seine entfernte und seine unmittelbare Ursache, sein Vorzeichen und sein Symptom sowie seine Behandlung – alles dies in gedrängter Zusammenfassung.

vyājahāra jvarasyāgre nidāne vigatajvaraḥ| bhagavānagniveśāya praṇatāya punarvasuḥ

So verkündete der erhabene Punarvasu Ātreya, selbst frei von jeder Fieberglut, dem sich verneigenden Agniveśa zu Beginn die Ursachenlehre des Fiebers.

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