athātaḥ kuṣṭhanidānaṃ vyākhyāsyāmaḥ
Nun also werden wir die Nidāna (die Krankheitsursachen und ihre Erkenntnis) der Kuṣṭha, der Hautkrankheiten, erklären.
Caraka-Saṃhitā · Nidanasthana
Das fünfte Kapitel des Nidānasthāna behandelt die Kuṣṭha, die Hautkrankheiten, deren Entstehung auf sieben gestörten Substanzen beruht: den drei Doṣas Vāta, Pitta und Kapha sowie den vier betroffenen Geweben Haut, Blut, Muskelfleisch und Lymphe. Aus deren wechselnder Vorherrschaft leiten sich sieben Grundformen ab, von denen sechs als heilbar, das durch alle drei Doṣas zugleich verursachte Kākaṇaka jedoch als unheilbar gilt – eine ähnliche Unterscheidung in überschaubare Haupt- und zahlreiche Unterformen findet sich später auch bei Suśruta. Anschaulich botanisch ist bereits die Namensgebung: Das Kākaṇaka wird nach der Kākaṇantikā-Beere (Abrus precatorius) benannt, deren charakteristische Fleckenfarbe als diagnostisches Erkennungsmerkmal dient, während das Audumbara seinen Namen von der Frucht des Udumbara-Feigenbaums (Ficus racemosa) herleitet. Betont wird zudem der programmatische Gedanke, dass frühzeitig behandelte Hautkrankheiten leicht heilbar bleiben, während vernachlässigte Fälle rasch fortschreiten und schließlich unheilbar werden.
| Name (Sanskrit) | Beteiligte Doṣa |
|---|---|
| Kapālakuṣṭha | Vāta überwiegend |
| Audumbara | Pitta überwiegend |
| Maṇḍalakuṣṭha | Kapha überwiegend |
| Ṣṣyajihvā | Vāta und Pitta gemeinsam |
| Puṇḍarīka | Pitta und Kapha gemeinsam |
| Sidhmakuṣṭha | Kapha und Vāta gemeinsam |
| Kākaṇaka | alle drei Doṣa gemeinsam – unheilbar |
athātaḥ kuṣṭhanidānaṃ vyākhyāsyāmaḥ
Nun also werden wir die Nidāna (die Krankheitsursachen und ihre Erkenntnis) der Kuṣṭha, der Hautkrankheiten, erklären.
iti ha smāha bhagavānātreyaḥ
So sprach der erhabene Ātreya.
sapta dravyāṇi kuṣṭhānāṃ prakṛtirvikṛtimāpannāni bhavanti| tadyathā- trayo doṣā vātapittaśleṣmāṇaḥ prakopaṇavikṛtāḥ, dūṣyāśca śarīradhātavastvaṅmāṃsaśoṇitalasīkāścaturdhā doṣopaghātavikṛtā iti| etat saptānāṃ saptadhātukamevaṅgatamājananaṃ kuṣṭhānām, ataḥprabhavāṇyabhinirvartamānāni kevalaṃ śarīramupatapanti
Sieben Substanzen (dravya) sind es, deren natürlicher Zustand (prakṛti) in einen veränderten Zustand (vikṛti) übergeht und so die Kuṣṭha entstehen lässt. Das sind: die drei Doṣas – Vāta, Pitta und Kapha (Śleṣman) –, die durch Erregung (prakopa) verändert werden, sowie die zu schädigenden Gewebe (dūṣya) des Körpers – Haut, Fleisch, Blut und Lymphe (Lasīkā) –, die in vierfacher Weise durch die Schädigung der Doṣas verändert werden. Dies ist, so beschaffen, die aus den sieben Geweben (dhātu) hervorgehende, siebenteilige Entstehung der Kuṣṭha; von dorther ihren Ursprung nehmend und sich entfaltend, quälen sie einzig und allein den Körper.
na ca kiñcidasti kuṣṭhamekadoṣaprakopanimittam, asti tu khalu samānaprakṛtīnāmapi kuṣṭhānāṃ doṣāṃśāṃśavikalpānubandhasthānavibhāgena vedanāvarṇasaṃsthānaprabhāvanāmacikitsitaviśeṣaḥ| sa saptavidho'ṣṭādaśavidho'parisaṅkhyeyavidho vā bhavati| doṣā hi vikalpanairvikalpyamānā vikalpayanti vikārān, anyatrāsādhyabhāvāt| teṣāṃ vikalpavikārasaṅkhyāne'tiprasaṅgamabhisamīkṣya saptavidhameva kuṣṭhaviśeṣamupadekṣyāmaḥ
Es gibt keine Kuṣṭha, die allein durch die Erregung eines einzigen Doṣa verursacht würde; wohl aber gibt es, selbst bei gleicher Grundnatur der Kuṣṭha, je nach der Verteilung der Anteile und Unteranteile der Doṣas, ihrer Verbindung untereinander und der betroffenen Körperregion, eine Besonderheit hinsichtlich Schmerz, Farbe, Form, Wirkung, Name und Behandlung. Diese ist siebenfach, achtzehnfach oder von schier unzählbarer Vielfalt. Denn die Doṣas bringen, je nachdem wie sie sich unterschiedlich verbinden, unterschiedliche Krankheitsformen hervor – außer dort, wo ohnehin Unheilbarkeit vorliegt. Da eine vollständige Aufzählung all dieser Unterscheidungen der Krankheitsformen zu weit führen würde, werden wir nur die siebenfache Besonderheit der Kuṣṭha lehren.
iha vātādiṣu triṣu prakupiteṣu tvagādīṃścaturaḥ pradūṣayatsu vāte'dhikatare kapālakuṣṭhamabhinirvartate, pitte tvaudumbaraṃ, śleṣmaṇi maṇḍalakuṣṭhaṃ, vātapittayorṛṣyajihvaṃ, pittaśleṣmaṇoḥ puṇḍarīkaṃ, śleṣmamārutayoḥsidhmakuṣṭhaṃ, sarvadoṣābhivṛddhau kākaṇakamabhinirvartate; evameṣa saptavidhaḥ kuṣṭhaviśeṣo bhavati| sa caiṣa bhūyastaratamataḥ prakṛtau vikalpyamānāyāṃ bhūyasīṃ vikāravikalpasaṅkhyāmāpadyate
Wenn hierbei die drei Doṣas – Vāta und die anderen – erregt sind und die vier Gewebe Haut usw. schädigen, entsteht bei überwiegendem Vāta das Kapālakuṣṭha; bei überwiegendem Pitta das Audumbara; bei überwiegendem Kapha das Maṇḍalakuṣṭha; bei gemeinsamem Übergewicht von Vāta und Pitta das Ṛṣyajihva; bei Pitta und Kapha das Puṇḍarīka; bei Kapha und Vāta das Sidhmakuṣṭha; und bei gleichzeitiger Vermehrung aller drei Doṣas entsteht das Kākaṇaka. So ergibt sich diese siebenfache Besonderheit der Kuṣṭha. Und diese wiederum nimmt, je feiner sich die Grundnatur weiter unterteilen lässt, eine noch größere Zahl von Krankheitsvarianten an.
tatredaṃ sarvakuṣṭhanidānaṃ samāsenopadekṣyāmaḥ- śītoṣṇavyatyāsamanānupūrvyopasevamānasya tathā santarpaṇāpatarpaṇābhyavahāryavyatyāsaṃ, madhuphāṇitamatsyalakucamūlakakākamācīḥ satatamatimātramajīrṇe ca samaśnataḥ,cilicimaṃ ca payasā, hāyanakayavakacīnakoddālakakoradūṣaprāyāṇi cānnāni kṣīradadhitakrakolakulatthamāṣātasīkusumbhasnehavanti, etairevātimātraṃ suhitasya ca vyavāyavyāyāmasantāpānatyupasevamānasya,bhayaśramasantāpopahatasya ca sahasā śītodakamavatarataḥ, vidagdhaṃ cāhārajātamanullikhya vidāhīnyabhyavaharataḥ, chardiṃ ca pratighnataḥ, snehāṃścāticarataḥ, trayo doṣāḥ yugapat prakopamāpadyante; tvagādayaścatvāraḥśaithilyamāpadyante; teṣu śithileṣu doṣāḥ prakupitāḥ sthānamadhigamya santiṣṭhamānāstāneva tvagādīn dūṣayantaḥ kuṣṭhānyabhinirvartayanti
Hierzu wollen wir nun zusammenfassend die gesamte Nidāna aller Kuṣṭha darlegen. Bei einem Menschen, der Kälte und Hitze in unregelmäßiger Abfolge pflegt, ebenso einen Wechsel von übermäßiger und unzureichender Ernährung; der ständig und im Übermaß Honig, Phāṇita (Rohrzuckersirup), Fisch, Lakuca-Früchte, Rettich und Kākamācī isst, auch wenn die vorherige Mahlzeit noch nicht verdaut ist (ajīrṇa); der Cilicima-Fisch zusammen mit Milch zu sich nimmt; der sich überwiegend von Hāyanaka-, Yavaka-, Cīnaka-, Uddālaka- und Koradūṣa-Getreide ernährt, dazu mit Milch, Dickmilch, Buttermilch, Jujube, Kulattha, Māṣa-Bohnen sowie Leinöl und Safloröl; der nach solchen Speisen im Übermaß gesättigt dennoch übermäßig Geschlechtsverkehr, körperliche Anstrengung und Hitzeeinwirkung pflegt; der, von Angst, Erschöpfung und Hitze geplagt, sich plötzlich in kaltes Wasser stürzt; der verdorbene (vidagdha) Speisen, ohne sie zuvor auszuleiten, durch weitere hitzeerzeugende (vidāhī) Speisen ergänzt; der Erbrechen unterdrückt, obwohl es angezeigt wäre; der Ölanwendungen (sneha) übertreibt – bei einem solchen Menschen geraten die drei Doṣas gleichzeitig in Erregung, während die vier Gewebe Haut, Fleisch, Blut und Lymphe erschlaffen. Sind diese erschlafft, so nehmen die erregten Doṣas dort ihren Sitz, verweilen dort, schädigen eben diese Gewebe – Haut usw. – und bringen so die Kuṣṭha hervor.
teṣāmimāni pūrvarūpāṇi bhavanti; tadyathā- asvedanamatisvedanaṃ pāruṣyamatiślakṣṇatā vaivarṇyaṃ kaṇḍūrnistodaḥ suptatā paridāhaḥ pariharṣo lomaharṣaḥ kharatvamūṣmāyaṇaṃ gauravaṃ śvayathurvīsarpāgamanamabhīkṣṇaṃ ca kāyekāyacchidreṣūpadehaḥ pakvadagdhadaṣṭabhagnakṣatopaskhaliteṣvatimātraṃ vedanā svalpānāmapi ca vraṇānāṃ duṣṭirasaṃrohaṇaṃ ceti
Deren Vorzeichen (pūrvarūpa) sind folgende: Ausbleiben des Schwitzens oder übermäßiges Schwitzen, Rauheit oder übermäßige Glätte der Haut, Verfärbung, Juckreiz, stechender Schmerz, Taubheitsgefühl, brennendes Gefühl, Wohlgefühl mit Gänsehaut, Haarsträuben, Rauheit, Hitzeempfinden, Schweregefühl, Schwellung sowie das wiederholte Auftreten sich ausbreitender Ausschläge (Visarpa), Verkrustung an den Körperöffnungen, übermäßiger Schmerz an gekochten, verbrannten, gebissenen, gebrochenen, verletzten oder durch Stolpern versehrten Stellen, und dass selbst kleine Wunden sich entzünden und nicht verheilen wollen.
kākaṇantikāvarṇānyādau paścāttu sarvakuṣṭhaliṅgasamanvitāni pāpīyasā sarvakuṣṭhaliṅgasambhavenānekavarṇāni kākaṇānīti vidyāt| tānyasādhyāni, sādhyāni punaritarāṇi
Man erkennt das Kākaṇa (Kākaṇaka) daran, dass seine Flecken anfangs die Farbe der Kākaṇantikā-Beere haben, später aber gemeinsam mit den Kennzeichen aller Kuṣṭha-Arten auftreten und, weil sich in ihnen die Merkmale sämtlicher Kuṣṭha auf schlimmste Weise vereinigen, viele verschiedene Farben zeigen. Diese Art ist unheilbar; die übrigen dagegen sind heilbar.
tatra yadasādhyaṃ tadasādhyatāṃ nātivartate, sādhyaṃ punaḥ kiñcit sādhyatāmativartate kadācidapacārāt| sādhyāni hi ṣaṭ kākaṇakavarjyānyacikitsyamānānyapacārato vā doṣairabhiṣyandamānānyasādhyatāmupayānti
Was hierbei unheilbar ist, überschreitet seine Unheilbarkeit nicht; was aber heilbar ist, kann mitunter, durch falsches Verhalten (apacāra), aus der Heilbarkeit heraustreten. Denn die sechs heilbaren Kuṣṭha-Arten – ohne das Kākaṇaka – geraten, wenn sie unbehandelt bleiben oder durch falsches Verhalten von den Doṣas überflutet werden, in die Unheilbarkeit.
sādhyānāmapi hyupekṣyamāṇānāṃ tvaṅmāṃsaśoṇitalasīkākothakledasaṃsvedajāḥ krimayo'bhimūrcchanti| te bhakṣayantastvagādīn doṣāḥ punardūṣayanta imānupadravān pṛthak pṛthagutpādayanti- tatra vātaḥ śyāvāruṇavarṇaṃparuṣatāmapi ca raukṣyaśūlaśoṣatodavepathuharṣasaṅkocāyāsastambhasuptibhedabhaṅgān, pittaṃ dāhasvedakledakothasrāvapākarāgān, śleṣmā tvasya śvaityaśaityakaṇḍūsthairyagauravotsedhopasnehopalepān, krimayastu tvagādīṃścaturaḥsirāḥ snāyūścāsthīnyapi ca taruṇānyādadate
Werden auch die heilbaren Kuṣṭha-Arten vernachlässigt, so entstehen aus der Fäulnis (kotha) und Feuchtigkeit, die in Haut, Fleisch, Blut und Lymphe verwesen und schwitzen, Würmer (krimi). Diese fressen Haut und die übrigen Gewebe, und die dadurch erneut geschädigten Doṣas bringen dann, jeder für sich, folgende Begleiterscheinungen (upadrava) hervor: Vāta erzeugt eine bräunlich-rötliche Verfärbung, Rauheit, Trockenheit, stechenden Schmerz, Ausdörren, bohrenden Schmerz, Zittern, Gänsehaut, Zusammenziehen, Ermattung, Steifheit, Taubheit, Rissigkeit und Aufbrechen der Haut; Pitta erzeugt Brennen, Schwitzen, Nässen, Fäulnis, Ausfluss, Eiterung und Rötung; Kapha erzeugt Weißfärbung, Kältegefühl, Juckreiz, Verhärtung, Schweregefühl, Anschwellen sowie öligen, klebrigen Belag; die Würmer selbst aber befallen die vier Gewebe Haut, Blutgefäße (sirā), Sehnen (snāyu) und sogar die noch weichen, jungen Knochen.
asyāṃ caivāvasthāyāmupadravāḥ kuṣṭhinaṃ spṛśanti; tadyathā- prasravaṇamaṅgabhedaḥ patanānyaṅgāvayavānāṃ tṛṣṇājvarātīsāradāhadaurbalyārocakāvipākāśca, tathāvidhamasādhyaṃ vidyāditi
In diesem Zustand befallen den Kuṣṭha-Kranken folgende Begleiterscheinungen: Ausfließen (aus den Wunden), Zerfallen der Glieder, Abfallen einzelner Körperteile, Durst, Fieber, Durchfall, Brennen, Schwäche, Appetitlosigkeit und gestörte Verdauung. Ein solcher Zustand, so wisse man, ist unheilbar.
bhavanti cātra- sādhyo'yamiti yaḥ pūrvaṃ naro rogamupekṣate| sa kiñcitkālamāsādya mṛta evāvabudhyate
Dazu gibt es folgende Verse: Der Mensch, der eine Krankheit zunächst im Glauben vernachlässigt, sie sei ja heilbar, erkennt nach einiger Zeit, dass er bereits so gut wie tot ist.
yastu prāgeva rogebhyo rogeṣu taruṇeṣu vā| bheṣajaṃ kurute samyak sa ciraṃ sukhamaśnute
Wer hingegen schon vor Ausbruch der Krankheit oder solange die Krankheit noch jung, das heißt frisch, ist, die Behandlung richtig durchführt, der erlangt für lange Zeit Wohlbefinden.
yathā hyalpena yatnena chidyate taruṇastaruḥ| sa evātipravṛddhastu chidyate'tiprayatnataḥ
So wie ein junger Baum mit geringer Anstrengung gefällt werden kann, derselbe Baum aber, einmal weit herangewachsen, nur mit größter Anstrengung gefällt wird,
evameva vikāro'pi taruṇaḥ sādhyate sukham| vivṛddhaḥ sādhyate kṛcchrādasādhyo vā'pi jāyate
ebenso lässt sich auch eine Krankheit, solange sie noch jung ist, leicht heilen; ist sie aber weit fortgeschritten, so lässt sie sich nur mit Mühe heilen, oder sie wird gar unheilbar.
tatra ślokaḥ- saṅkhyā dravyāṇi doṣāśca hetavaḥ pūrvalakṣaṇam| rūpāṇyupadravāścoktāḥ kuṣṭhānāṃ kauṣṭhike pṛthak
Dazu der Vers: Im Kapitel über die Kuṣṭha (kauṣṭhika) wurden im Einzelnen dargelegt: ihre Anzahl, die beteiligten Substanzen, die Doṣas, die Ursachen, die Vorzeichen, die Krankheitszeichen sowie die Begleiterscheinungen der Kuṣṭha.