athātaḥśoṣanidānaṃvyākhyāsyāmaḥ
Nun wollen wir also die Nidāna (Ursachenlehre) des Śoṣa (der Auszehrung) erklären.
Caraka-Saṃhitā · Nidanasthana
Das sechste Kapitel des Nidānasthāna widmet sich dem Śoṣa, der Auszehrung, und benennt vier Hauptursachen: gewaltsame körperliche Überanstrengung (Sāhasa), das gewohnheitsmäßige Unterdrücken natürlicher Körperdränge (Sandhāraṇa), Erschöpfung insbesondere durch Samenverlust (Kṣaya) sowie unregelmäßige, unpassende Ernährung (Viṣamāśana). Durch diese vier Faktoren geraten alle drei Doṣas gemeinsam in Aufruhr und zehren den Körper allmählich aus, wobei der Text die Krankheit mit einer alten mythischen Erzählung verknüpft und damit den erzählerischen Duktus vieler Nidānasthāna-Kapitel fortsetzt. Diagnostisch wichtig ist die Prognoseregel, dass Kraft, Muskelfleisch und Blut über Heilbarkeit oder Unheilbarkeit entscheiden, unabhängig von der Zahl der vorhandenen Symptome. Botanische Einzelsubstanzen treten hier kaum hervor; im Vordergrund steht vielmehr die ethisch-diätetische Mahnung zu maßvollem, regelmäßigem Verhalten als bester Vorbeugung gegen diese schwere, den Körper systematisch schwächende Erkrankung.
athātaḥśoṣanidānaṃvyākhyāsyāmaḥ
Nun wollen wir also die Nidāna (Ursachenlehre) des Śoṣa (der Auszehrung) erklären.
itihasmāhabhagavānātreyaḥ
So sprach der erhabene Ātreya.
ihakhalucatvāriśoṣasyāyatanānibhavanti| tadyathā- sāhasaṃsandhāraṇaṃkṣayoviṣamāśanamiti
Es gibt hier nun vier Ursachen (āyatana) des Śoṣa, nämlich: Sāhasa (gewaltsame Überanstrengung), Sandhāraṇa (das Unterdrücken natürlicher Körperdränge), Kṣaya (Erschöpfung, insbesondere der Verlust von Same) und Viṣamāśana (unregelmäßige, unpassende Ernährung).
yadāpuruṣodurbalohisanbalavatāsahavigṛhṇāti, atimahatāvādhanuṣāvyāyacchati, jalpativā'pyatimātram, atimātraṃvābhāramudvahati, apsuvāplavatecātidūram, utsādanapadāghātanevā'tipragāḍhamāsevate, atiprakṛṣṭaṃvā'dhvānaṃdrutamabhipatati, abhihanyatevā, anyadvākiñcidevaṃvidhaṃviṣamamatimātraṃvāvyāyāmajātamārabhate, tasyātimātreṇakarmaṇoraḥkṣaṇyate| tasyoraḥkṣatamupaplavatevāyuḥ| satatrāvasthitaḥśleṣmāṇamuraḥsthamupasaṅgṛhyapittaṃcadūṣayanviharatyūrdhvamadhastiryakca| tasyayoṃ'śaḥśarīrasandhīnāviśatitenāsyajṛmbhā'ṅgamardojvaraścopajāyate, yastvāmāśayamabhyupaititenarogābhavantiurasyāarocakaścayaḥkaṇṭhamabhiprapadyatekaṇṭhastenoddhvaṃsyatesvaraścāvasīdati, yaḥ prāṇavahānisrotāṃsyanvetitenaśvāsaḥpratiśyāyaścajāyate, yaḥśirasyavatiṣṭhateśirastenopahanyate| tataḥkṣaṇanāccaivorasoviṣamagatitvāccavāyoḥkaṇṭhasyacoddhvaṃsanātkāsaḥsatatamasyasañjāyate, sakāsaprasaṅgādurasikṣateśoṇitaṃṣṭhīvati, śoṇitāgamanāccāsyadaurbalyamupajāyate; evametesāhasaprabhavāḥsāhasikamupadravāḥspṛśanti| tataḥsaupaśoṣaṇairetairupadravairupadrutaḥśanaiḥśanairupaśuṣyati| tasmātpuruṣomatimānbalamātmanaḥsamīkṣyatadanurūpāṇikarmāṇyārabhetakartuṃ| balasamādhānaṃhiśarīraṃ, śarīramūlaścapuruṣaiti
Wenn ein Mensch, obwohl er schwach ist, mit einem Stärkeren ringt, einen übermäßig schweren Bogen spannt, übermäßig viel spricht, eine zu schwere Last trägt, im Wasser zu weit schwimmt, sich beim Stoßen und Treten zu heftigen Kraftübungen hingibt, eine allzu weite Wegstrecke im Laufschritt zurücklegt, geschlagen wird, oder etwas anderes dieser Art beginnt – eine unangemessene, übermäßige, aus Anstrengung entstandene Handlung –, dann wird ihm durch diese übermäßige Tätigkeit die Brust (uras) verletzt. Ist seine Brust verletzt, gerät der Vāyu in Aufruhr. Dort verweilend erfasst er den in der Brust befindlichen Śleṣman (Kapha), verdirbt zugleich das Pitta und wandert nach oben, nach unten und quer durch den Körper. Der Teil von ihm, der in die Gelenke des Körpers eindringt, verursacht dort Gähnen, Gliederschmerzen (aṅgamarda) und Fieber; der Teil, der in den Āmāśaya (Magen) gelangt, verursacht dortige Krankheiten sowie Appetitlosigkeit (arocaka); der Teil, der in den Kehlkopf (kaṇṭha) eindringt, lässt diesen anschwellen, und die Stimme versagt; der Teil, der den Kanälen des Atems (prāṇavaha-srotas) folgt, erzeugt Atemnot (śvāsa) und Schnupfen (pratiśyāya); der Teil, der sich im Kopf festsetzt, schädigt den Kopf. Ferner entsteht durch die Verletzung der Brust, durch die unregelmäßige Bewegung des Vāyu und durch das Anschwellen des Kehlkopfes ständiger Husten (kāsa); durch das Fortbestehen dieses Hustens wird die Brust verletzt, und man hustet Blut aus; und durch diesen Blutverlust entsteht Schwäche. So befallen diese aus Sāhasa entstandenen, mit Sāhasa verbundenen Begleiterkrankungen (upadrava) den Menschen. Von diesen auszehrenden Begleiterkrankungen befallen, verzehrt er sich allmählich. Deshalb soll ein kluger Mensch seine eigene Kraft abschätzen und nur solche Tätigkeiten unternehmen, die ihr entsprechen. Denn der Körper besteht im Gleichgewicht der Kraft, und der Körper ist die Grundlage des Menschen.
sāhasaṃvarjayetkarmarakṣañjīvitamātmanaḥ| jīvanhipuruṣastviṣṭaṃkarmaṇaḥphalamaśnute
Man soll gewaltsame, übermäßige Tätigkeit meiden und dabei das eigene Leben schützen; denn nur der lebende Mensch genießt die erwünschte Frucht seines Tuns.
yadāpuruṣorājasamīpebhartuḥsamīpevāgurorvāpādamūledyūtasabhamanyaṃvāsatāṃsamājaṃstrīmadhyaṃvāsamanupraviśyayānairvā' pyuccāvacairabhiyānbhayātprasaṅgāddhrīmattvāddhṛṇitvādvāniruṇaddhyāgatānvātamūtrapurīṣavegāntadātasyasandhāraṇādvāyuḥprakopamāpadyate, saprakupitaḥpittaśleṣmāṇausamudīryordhvamadhastiryakcaviharati; tataścāṃśaviśeṣeṇapūrvavaccharīrāvayavaviśeṣaṃpraviśyaśūlamupajanayati, bhinattipurīṣamucchoṣayativā, pārśvecātirujati, aṃsāvavamṛdgāti, kaṇṭhamuraścāvadhamati, śiraścopahanti, kāsaṃśvāsaṃjvaraṃsvarabhedaṃpratiśyāyaṃcopajanayati| tataḥsaupaśoṣaṇairetairupadravairupadrutaḥśanaiḥśanairupaśuṣyati| tasmātpuruṣomatimānātmanaḥśārīreṣvevayogakṣemakareṣuprayatetaviśeṣeṇa; śarīraṃhyasyamūlaṃ, śarīramūlaścapuruṣobhavati
Wenn ein Mensch in der Nähe eines Königs, seines Herrn oder Lehrers, zu dessen Füßen, in einer Spielhalle oder einer anderen Versammlung angesehener Leute, oder inmitten von Frauen weilt, und er dann, sei es aus Furcht vor allerlei entgegenkommenden Fahrzeugen, aus Verstrickung, aus Scham oder aus Ekel, den sich meldenden Drang zu Wind (Blähungen), Harn oder Kot unterdrückt – dann gerät durch diese Unterdrückung der Vāyu in Aufruhr. In Aufruhr geraten, erregt er zugleich Pitta und Śleṣman und wandert nach oben, nach unten und quer durch den Körper; und je nachdem, in welchen Teil des Körpers er, wie zuvor beschrieben, eindringt, erzeugt er dort Stechen (śūla), lässt den Kot aufbrechen oder austrocknen, verursacht heftige Schmerzen in den Flanken (pārśva), zerschlägt die Schultern, drückt Kehle und Brust zusammen, schädigt den Kopf und erzeugt Husten, Atemnot, Fieber, Heiserkeit (svarabheda) und Schnupfen. Von diesen auszehrenden Begleiterkrankungen befallen, verzehrt er sich allmählich. Deshalb soll ein kluger Mensch sich besonders um das bemühen, was dem eigenen Körper Wohlergehen und Erhaltung bringt; denn der Körper ist seine Grundlage, und der Körper ist die Grundlage des Menschen.
sarvamanyatparityajyaśarīramanupālayet| tadabhāvehibhāvānāṃsarvābhāvaḥśarīriṇām
Alles andere soll man aufgeben und den Körper bewahren; denn ist dieser nicht mehr da, so ist auch alles übrige Dasein des verkörperten Wesens dahin.
yadāpuruṣo'timātraṃśokacintāparigatahṛdayobhavati, īrṣyotkaṇṭhābhayakrodhādibhirvāsamāviśyate, kṛśovāsanrūkṣānnapānasevībhavati, durbalaprakṛtiranāhāro'lpāhārovābhavati, tadātasyahṛdayasthāyīrasaḥkṣayamupaiti; satasyopakṣayācchoṣaṃprāpnoti, apratīkārāccānubadhyateyakṣmaṇā | yathopadekṣyamāṇarūpeṇa yadāvāpuruṣo'tiharṣādatiprasaktabhāvaḥstrīṣvatiprasaṅgamārabhate, tasyātimātraprasaṅgādretaḥkṣayameti| kṣayamapicopagacchatiretasiyadimanaḥstrībhyonaivāsyanivartate, tasyacātipraṇītasaṅkalpasyamaithunamāpadyamānasyanaśukraṃpravartate'timātropakṣīṇaretastvāt, tathā'syavāyurvyāyacchamānaśarīrasyaivadhamanīranupraviśyaśoṇitavāhinīstābhyaḥśoṇitaṃpracyāvayati, tacchukrakṣayādasyapunaḥśukramārgeṇaśoṇitaṃpravartatevātānusṛtaliṅgam| athāsyaśukrakṣayācchoṇitapravartanāccasandhayaḥśithilībhavanti, raukṣyamupajāyate, bhūyaḥśarīraṃdaurbalyamāviśativāyuḥprakopamāpadyate; saprakupitovaśikaṃśarīramanusarpannudīryaśleṣmapittepariśoṣayatimāṃsaśoṇite, pracyāvayatiśleṣmapittesaṃrujatipārśve, avamṛdgātyaṃsaukaṇṭhamuddhvaṃsati, śiraḥśleṣmāṇamupatkleśyapratipūrayatiśleṣmaṇā, sandhīṃścaprapīḍayankarotyaṅgamardamarocakāvipākauca, pittaśleṣmotkleśātpratilomagatvāccavāyurjvaraṃkāsaṃśvāsaṃsvarabhedaṃpratiśyāyaṃcopajanayati;sakāsaprasaṅgādurasikṣateśoṇitaṃṣṭhīvati,śoṇitagamanāccāsyadaurbalyamupajāyate, tataḥsaupaśoṣaṇairetairupadravairupadrutaḥśanaiḥśanairupaśuṣyati| tasmātpuruṣomatimānātmanaḥ| śarīramanurakṣañchukramanurakṣet| parāhyeṣāphalanirvṛttirāhārasyeti
Wenn das Herz eines Menschen übermäßig von Kummer und Sorge ergriffen ist, oder wenn er von Eifersucht, Sehnsucht, Furcht, Zorn und dergleichen erfasst wird, wenn er abgemagert ist und trockene Speisen und Getränke zu sich nimmt, wenn er von schwacher Konstitution ist und keine oder nur wenig Nahrung isst – dann schwindet ihm der im Herzen wohnende Rasa (der erste Körpersaft). Durch dessen Schwund gelangt er zu Śoṣa, und bleibt dies unbehandelt, wird er von Yakṣman (Schwindsucht) befallen. Nach demselben Muster, das nun dargelegt werden soll: Wenn ein Mensch aus übermäßiger Leidenschaft übermäßig an Frauen hängt und sich übermäßigem Geschlechtsverkehr hingibt, dann schwindet ihm durch diese übermäßige Hingabe das Retas (der Same). Schwindet nun das Retas, wendet sich sein Sinn aber dennoch nicht von den Frauen ab, so kommt bei dem, dessen Verlangen zu stark entfacht ist, beim Vollzug des Geschlechtsakts kein Same mehr hervor, weil das Retas übermäßig erschöpft ist. Ebenso dringt dabei der Vāyu, während sich der Körper anstrengt, in die blutführenden Gefäße ein und treibt aus ihnen Blut heraus; dieses Blut fließt dann, weil der Same erschöpft ist, auf dem Weg des Samens ab – ein Zeichen dafür, dass der Vāyu diesem Weg gefolgt ist. Durch den Samenverlust und den Blutabgang werden nun die Gelenke schlaff, es entsteht Trockenheit (raukṣya), der Körper wird zunehmend schwächer, und der Vāyu gerät in Aufruhr. In Aufruhr geraten, durchzieht er den ihm nun untertänigen Körper, erregt Śleṣman und Pitta und trocknet Fleisch und Blut aus; er verdrängt Śleṣman und Pitta, verursacht Schmerzen in den Flanken, zerschlägt Schultern und Kehle, füllt den Kopf mit gestautem, gestörtem Śleṣman und presst die Gelenke zusammen, wodurch Gliederschmerzen, Appetitlosigkeit und Verdauungsstörung (avipāka) entstehen; und weil Pitta und Śleṣman aufgewühlt sind und der Vāyu in die falsche Richtung (pratiloma) strömt, erzeugt er Fieber, Husten, Atemnot, Heiserkeit und Schnupfen. Durch das Fortbestehen des Hustens wird die Brust verletzt, man hustet Blut aus, und durch diesen Blutverlust entsteht Schwäche. Von diesen auszehrenden Begleiterkrankungen befallen, verzehrt sich der Mensch allmählich. Deshalb soll ein kluger Mensch, indem er seinen Körper bewahrt, auch seinen Samen bewahren; denn dieser ist die höchste Frucht, die aus der Nahrung hervorgeht.
āhārasyaparaṃdhāmaśukraṃtadrakṣyamātmanaḥ| kṣayohyasyabahūnrogānmaraṇaṃvāniyacchati
Der Same ist der höchste Sitz (dhāma) der Nahrung; ihn soll man sich bewahren. Denn sein Schwund bringt viele Krankheiten oder gar den Tod mit sich.
yadāpuruṣaḥpānāśanabhakṣyalehyopayogānprakṛtikaraṇasaṃyogarāśideśakālopayogasaṃsthopaśayaviṣamānāsevate, tadātasyatebhyovātapittaśleṣmāṇovaiṣamyamāpadyante; teviṣamāḥśarīramanusṛtyayadāsrotasāmayanamukhāniprativāryāvatiṣṭhantetadājanturyadyadāhārajātamāharatitattadasyamūtrapurīṣamevopajāyatebhūyiṣṭhaṃnānyastathāśarīradhātuḥ; sapurīṣopaṣṭambhādvartayati, tasmācchuṣyatoviśeṣeṇapurīṣamanurakṣyaṃtathā'nyeṣāmatikṛśadurbalānāṃ; tasyānāpyāyamānasyaviṣamāśanopacitādoṣāḥpṛthakpṛthagupadravairyuñjantobhūyaḥśarīramupaśoṣayanti| tatravātaḥśūlamaṅgamardaṃkaṇṭhoddhvaṃsanaṃpārśvasaṃrujanamaṃsāvamardaṃsvarabhedaṃpratiśyāyaṃcopajanayati; pittaṃjvaramatīsāramantardāhaṃca; śleṣmātupratiśyāyaṃśirasogurutvamarocakaṃkāsaṃca, sakāsaprasaṅgādurasikṣateśoṇitaṃniṣṭhīvati,śoṇitagamanāccāsyadaurbalyamupajāyate| evameteviṣamāśanopacitāstrayodoṣārājayakṣyāṇamabhinirvartayanti| satairupaśoṣaṇairupadravairupadrutaḥśanaiḥśanaiḥśuṣyati| tasmātpuruṣomatimānprakṛtikaraṇasaṃyogarāśideśakālopayogasaṃsthopaśayādaviṣamamāhāramāharet
Wenn ein Mensch Getränke, feste Speisen, Kaugut und Leckspeisen (lehya) in unpassender (viṣama) Weise zu sich nimmt – unpassend hinsichtlich der Eigenart (prakṛti), der Zubereitung (karaṇa), der Kombination (saṃyoga), der Menge (rāśi), des Ortes (deśa), der Zeit (kāla), der Art der Einnahme (upayoga), der Konstitution (saṃstha) und der Verträglichkeit (upaśaya) –, dann geraten dadurch Vāta, Pitta und Śleṣman in Ungleichgewicht. In diesem Ungleichgewicht durchziehen sie den Körper, und wenn sie sich vor den Mündungen der Srotas (Körperkanäle) stellen und diese verschließen, dann wird von der Nahrung, die der Mensch jeweils zu sich nimmt, überwiegend nur noch Harn und Kot gebildet, kein anderes Körpergewebe (dhātu) in gleichem Maße; der Körper wird dann nur noch durch die stützende Wirkung des Kotes erhalten. Deshalb soll bei einem, der zunehmend abmagert, besonders der Kot geschont werden, ebenso bei anderen, die sehr abgemagert und schwach sind. Nimmt ein solcher, der nicht zunimmt, weiterhin unregelmäßig Nahrung zu sich, so verbinden sich die dadurch vermehrten Doṣas je einzeln mit Begleiterkrankungen und zehren den Körper weiter aus. Dabei erzeugt Vāta Stechen, Gliederschmerzen, Anschwellen der Kehle, Schmerzen in den Flanken, Zerschlagenheit der Schultern, Heiserkeit und Schnupfen; Pitta erzeugt Fieber, Durchfall (atīsāra) und inneres Brennen; Śleṣman aber erzeugt Schnupfen, Schwere im Kopf, Appetitlosigkeit und Husten, und durch das Fortbestehen dieses Hustens wird die Brust verletzt, man hustet Blut aus, und durch diesen Blutverlust entsteht Schwäche. So bringen diese drei, durch unregelmäßige Ernährung vermehrten Doṣas den Rājayakṣman (die 'königliche Schwindsucht') hervor. Von diesen auszehrenden Begleiterkrankungen befallen, verzehrt sich der Mensch allmählich. Deshalb soll ein kluger Mensch seine Nahrung so einnehmen, dass sie hinsichtlich Eigenart, Zubereitung, Kombination, Menge, Ort, Zeit, Art der Einnahme, Konstitution und Verträglichkeit nicht unregelmäßig ist.
hitāśīsyānmitāśīsyātkālabhojījitendriyaḥ| paśyanrogānbahūnkaṣṭānbuddhimānviṣamāśanāt
Der Kluge, der die vielen schweren Krankheiten sieht, die aus unregelmäßiger Ernährung entstehen, soll zuträgliche Speisen essen, maßvoll essen, zur rechten Zeit essen und seine Sinne beherrschen.
etaiścaturbhiḥśoṣasyāyatanairupasevitairvātapittaśleṣmāṇaḥprakopamāpadyante| teprakupitānānāvidhairupadravaiḥśarīramupaśoṣayanti| yasmādvāpūrvamāsīdbhagavataḥsomasyoḍurājasyatasmādrājayakṣmeti
Wird man von diesen vier Ursachen des Śoṣa erfasst, so geraten Vāta, Pitta und Śleṣman in Aufruhr. In Aufruhr geraten, zehren sie den Körper durch mannigfache Begleiterkrankungen aus. Und weil diese Krankheit einst zuerst den erhabenen Soma, den König der Gestirne (uḍurāja), befiel, wird sie Rājayakṣman genannt.
tasyemānipūrvarūpāṇibhavanti; tadyathā- pratiśyāyaḥ, kṣavathurabhīkṣṇaṃ, śleṣmaprasekaḥ, mukhamādhuryam, anannābhilāṣaḥ, annakālecāyāsaḥ, doṣadarśanamadoṣeṣvalpadoṣeṣuvābhāveṣupātrodakānnasūpāpūpopadaṃśapariveśakeṣu, bhuktavataścāsyahṛllāsaḥ, tathollekhanamapyāhārasyāntarāntarā, mukhasyapādayoścaśophaḥpāṇyoścāvekṣaṇamatyartham, akṣṇoḥśvetāvabhāsatācātimātraṃ, bāhvoścapramāṇajijñāsā, strīkāmatā,nirghṛṇitvaṃ, bībhatsadarśanatācāsyakāye, svapnecābhīkṣṇaṃdarśanamanudakānāmudakasthānānāṃśūnyānāṃcagrāmanagaranigamajanapadānāṃśuṣkadagdhabhagnānāṃcavanānāṃkṛkalāsamayūravānaraśukasarpakākolūkādibhiḥ saṃsparśanamadhirohaṇaṃyānaṃvāśvoṣṭrakharavarāhaiḥkeśāsthibhasmatuṣāṅgārarāśīnāṃcādhirohaṇamiti (śoṣapūrvarūpāṇibhavanti)
Für diese Krankheit gibt es folgende Vorzeichen (pūrvarūpa): Schnupfen, häufiges Niesen, vermehrter Speichelfluss, ein süßlicher Geschmack im Mund, Widerwillen gegen Speise, Erschöpfung zur Essenszeit, das Wahrnehmen von Mängeln an Gefäßen, Wasser, Speise, Suppe, Backwerk, Beilagen und den Aufwartenden, selbst wenn diese fehlerfrei sind, nur geringfügig fehlerhaft oder gar nicht vorhanden; Übelkeit (hṛllāsa) nach dem Essen sowie wiederholtes Aufstoßen der Nahrung während des Essens; Schwellungen an Mund und Füßen; übermäßig häufiges Betrachten der eigenen Hände; übermäßige Weißlichkeit der Augen; das Bedürfnis, den Umfang der eigenen Arme zu prüfen; gesteigertes sexuelles Verlangen; Mitleidlosigkeit; ein abstoßendes Aussehen des eigenen Körpers; sowie im Traum wiederholtes Sehen von wasserlosen Gewässern und leeren Dörfern, Städten, Marktflecken und Landschaften, von vertrockneten, verbrannten oder zerbrochenen Wäldern, von Berührung oder Besteigen von Chamäleons, Pfauen, Affen, Papageien, Schlangen, Krähen, Eulen und dergleichen, das Reiten auf Pferden, Kamelen, Eseln oder Schweinen sowie das Ersteigen von Haufen aus Haaren, Knochen, Asche, Spreu oder glühender Kohle.
ataūrdhvamekādaśarūpāṇitasyabhavanti; tadyathā- śirasaḥparipūrṇatvaṃ, kāsaḥ, śvāsaḥ, svarabhedaḥ, śleṣmaṇaśchardanaṃ, śoṇitaṣṭhīvanaṃ, pārśvasaṃrojanam, aṃsāvamardaḥ, jvaraḥ, atīsāraḥ, arocakaśceti
Danach zeigen sich elf eigentliche Krankheitszeichen (rūpa): ein Völle- bzw. Schweregefühl im Kopf, Husten, Atemnot, Heiserkeit, Erbrechen von Śleṣman, Aushusten von Blut, Schmerzen in den Flanken, Zerschlagenheit der Schultern, Fieber, Durchfall und Appetitlosigkeit.
tatrāparikṣīṇabalamāṃsaśoṇitobalavānajātāriṣṭaḥsarvairapiśoṣaliṅgairupadrutaḥsādhyojñeyaḥ| balavānupacitohisahatvādvyādhyauṣadhabalasyakāmaṃsubahuliṅgo'pyalpaliṅgaevamantavyaḥ
Wer dabei an Kraft, Fleisch und Blut nicht geschwächt ist, kräftig ist und noch keine Todeszeichen (ariṣṭa) zeigt, ist, auch wenn er von allen Zeichen des Śoṣa befallen ist, als heilbar zu erkennen. Denn wer kräftig und wohlgenährt ist, vermag der Kraft der Krankheit ebenso wie der der Heilmittel standzuhalten; man soll ihn selbst dann, wenn er sehr viele Krankheitszeichen aufweist, gleichsam wie einen mit nur wenigen Zeichen Behafteten betrachten.
durbalaṃtvatikṣīṇabalamāṃsaśoṇitamalpaliṅgamajātāriṣṭamapibahuliṅgaṃjātāriṣṭaṃcavidyāt, asahatvādvyādhyauṣadhabalasya; taṃparivarjayet, kṣaṇenaivahiprādurbhavantyariṣṭāni, animittaścāriṣṭaprādurbhāvaiti
Wer hingegen schwach ist, dessen Kraft, Fleisch und Blut stark erschöpft sind, den soll man, auch wenn er nur wenige Krankheitszeichen aufweist und noch keine Todeszeichen zeigt, ebenso einschätzen wie einen mit vielen Krankheitszeichen und bereits eingetretenen Todeszeichen, weil er der Kraft der Krankheit wie der Heilmittel nicht standzuhalten vermag. Einen solchen soll man meiden; denn Todeszeichen können sich schon in einem Augenblick zeigen, und ihr Auftreten kündigt sich nicht immer an.
tatraślokaḥ- samutthānaṃcaliṅgaṃcayaḥśoṣasyāvabudhyate| pūrvarūpaṃcatattvenasarājñaḥkartumarhati
Dazu der Vers: Wer Entstehung, Krankheitszeichen und Vorzeichen des Śoṣa der Wahrheit gemäß versteht, der allein verdient es, zum Arzt eines Königs gemacht zu werden.