Quellen der Menschheit

Caraka-Saṃhitā · Nidanasthana

Adhyāya 7: Unmada Nidana Die Ursachen des Wahnsinns (Unmāda)

Das siebte Kapitel des Nidānasthāna behandelt den Unmāda, den Wahnsinn, und unterscheidet fünf Formen: vier durch Vāta, Pitta, Kapha und deren gemeinsames Zusammenwirken (Sannipāta) verursachte sowie eine fünfte, āgantu genannte Form, die auf äußere, als überirdisch gedachte Einwirkungen durch Götter, Ahnen, Gandharvas oder Rākṣasas zurückgeführt wird. Philosophisch bemerkenswert ist, dass der Text diese scheinbar übernatürliche Ursache konsequent ethisch rückbindet: Solche Wesen könnten, so wird betont, nur einen Menschen treffen, der bereits durch eigenes fehlerhaftes Handeln (Prajñāparādha) vorbelastet sei – eine frühe rationalisierende Verknüpfung von Besessenheitsvorstellungen und Karma-Denken. Behandelt werden die doṣa-bedingten Formen mit klassischen Reinigungs- und Beruhigungsverfahren, die āgantu-Form dagegen zusätzlich mit Mantras, Amuletten, Ritualen und Heilkräutern, ohne dass einzelne Pflanzen botanisch näher spezifiziert würden. Damit zeigt das Kapitel exemplarisch, wie somatische und spirituelle Krankheitsdeutung in der klassischen Ayurveda-Nosologie nebeneinanderstehen.

DIE FÜNF UNMĀDA-ARTEN (Vers 3, 7)
Typ (Sanskrit)Kennzeichen
Vāta-unmādaständiges Umherlaufen, grundloses Verziehen von Gesicht und Gliedern, ununterbrochenes regelloses Reden, Schaum vor dem Mund, Abmagerung
Pitta-unmādagesonderte Beschreibung im überlieferten Text nicht erhalten
Kapha-unmāda (śleṣma-unmāda)Verharren an einem Ort, Schweigsamkeit, Speichel- und Nasenfluss, Appetitlosigkeit, ständiges Schlafen, Verlangen nach Einsamkeit
Sānnipātika-unmādaKennzeichen aller drei Doṣa gemeinsam – unheilbar
Āgantu-unmādadurch äußere Einwirkung von Göttern, Ahnen, Gandharvas, Yakṣas, Rākṣasas oder Piśācas, stets an vorheriges Fehlverhalten (prajñāparādha) geknüpft
Die drei doṣa-bedingten Formen gelten als heilbar; beim āgantu-unmāda entscheidet die Absicht (Schädigung, Vergnügen, Verehrtwerden) über Heilbarkeit (Vers 15).

athāta unmādanidānaṃ vyākhyāsyāmaḥ

Nun also werden wir die Nidāna (die Krankheitsursachen und ihre Erkenntnis) des Unmāda, des Wahnsinns, erklären.

iti ha smāha bhagavānātreyaḥ

So sprach der erhabene Ātreya.

iha khalu pañconmādā bhavanti| tadyathā- vātapittakaphasannipātāgantunimittāḥ

Es gibt hier fünf Arten des Unmāda, nämlich solche, die durch Vāta, Pitta und Kapha (die drei Doṣas, die den Körper lenkenden Grundkräfte) je einzeln, durch deren Sannipāta (gemeinsames Zusammenwirken) oder durch āgantu (äußere Einwirkung) verursacht werden.

tatra doṣanimittāścatvāraḥ puruṣāṇāmevaṃvidhānāṃ kṣipramabhinirvartante; tadyathā- bhīrūṇāmupakliṣṭasattvānāmutsannadoṣāṇāṃ samalavikṛtopahitānyanucitānyāhārajātāni vaiṣamyayuktenopayogavidhinopayuñjānānāṃ tantraprayogamapi viṣamamācaratāmanyāśca śarīraceṣṭā viṣamāḥ samācaratāmatyupakṣīṇadehānāṃ vyādhivegasamudbhramitānāmupahatamanasāṃ vā kāmakrodhalobhaharṣabhayamohāyāsaśokacintodvegādibhirbhūyo'bhighātābhyāhatānāṃ vā manasyupahate buddhau ca pracalitāyāmabhyudīrṇā doṣāḥ prakupitā hṛdayamupasṛtya manovahāni srotāṃsyāvṛtya janayantyunmādam

Von diesen entstehen die vier durch Doṣas verursachten Unmāda-Formen rasch bei Menschen folgender Art: bei Furchtsamen, deren Sattva (geistige Widerstandskraft) geschwächt ist und deren Doṣas vermehrt sind; bei solchen, die verschmutzte, verdorbene, schädliche und ungeeignete Speisen zu sich nehmen, die in unregelmäßiger und falscher Weise essen, ihre Lebensführung unregelmäßig gestalten und auch sonst unregelmäßige Körperverrichtungen ausüben; bei solchen, deren Körper übermäßig geschwächt ist oder die durch den Ansturm einer Krankheit erschüttert sind; und bei solchen, deren Geist beeinträchtigt ist, weil sie wiederholt durch Verlangen, Zorn, Gier, übermäßige Freude, Furcht, Verwirrung, Erschöpfung, Kummer, Grübeln, Erregung und dergleichen erschüttert werden. Wenn bei ihnen der Geist (manas) beeinträchtigt und der Verstand (buddhi) ins Wanken geraten ist, steigen die erregten Doṣas auf, dringen zum Herzen vor, verschließen die geistigen Kanäle (srotas) und erzeugen so den Unmāda.

unmādaṃ punarmanobuddhisañjñājñānasmṛtibhaktiśīlaceṣṭācāravibhramaṃvidyāt

Unmāda wiederum ist als eine Verwirrung von Geist (manas), Verstand (buddhi), Bewusstsein (saṃjñā), Erkenntnisvermögen (jñāna), Gedächtnis (smṛti), Zuneigung (bhakti), Charakter (śīla), Verhalten (ceṣṭā) und Lebensführung (ācāra) zu verstehen.

tasyemāni pūrvarūpāṇi; tadyathā- śirasaḥ śūnyatā, cakṣuṣorākulatā, svanaḥ karṇayoḥ, ucchvāsasyādhikyam, āsyasaṃsravaṇam, anannābhilāṣārocakāvipākāḥ, hṛdgrahaḥ, dhyānāyāsasammohodvegāścāsthāne, satataṃ lomaharṣaḥ, jvaraścābhīkṣṇam unmattacittatvam, udarditvam arditākṛtikaraṇaṃ ca vyādheḥ, svapne cābhīkṣṇaṃ darśanaṃ bhrāntacalitānavasthitānāṃ rūpāṇāmapraśastānāṃ ca tilapīḍakacakrādhirohaṇaṃ vātakuṇḍalikābhiśconmathanaṃ nimajjanaṃ ca kaluṣāṇāmambhasāmāvarte cakṣuṣoścāpasarpaṇamiti(doṣanimittānāmunmādānāṃ pūrvarūpāṇi bhavanti)

Dessen Vorzeichen (pūrvarūpa) sind folgende: Leeregefühl im Kopf, Verwirrtheit der Augen, Klingen in den Ohren, vermehrtes Atmen, Speichelfluss aus dem Mund, Appetitlosigkeit, Geschmacklosigkeit und mangelhafte Verdauung, ein Beklemmungsgefühl im Herzen, unangebrachtes Grübeln, Erschöpfung, Verwirrung und Unruhe, ständiges Sich-Sträuben der Körperhaare, wiederholtes Fieber, ein wahnsinnähnlicher Geisteszustand, ein Unwohlsein wie bei der Udarda-Erkrankung sowie Erscheinungen, die der Ardita-Krankheit (Gesichtslähmung) ähneln, ferner häufiges Träumen von verworrenen, sich bewegenden, unbeständigen und unheilvollen Gestalten, vom Besteigen eines Sesam-Ölpressen-Rades, vom Aufgewirbeltwerden durch Vāta-Wirbelwinde, vom Versinken in Strudeln trüben Wassers sowie vom Zurückweichen der eigenen Augen. Dies sind die Vorzeichen der durch Doṣas verursachten Unmāda-Formen.

tato'nantaramevamunmādābhinirvṛttireva| tatredamunmādaviśeṣavijñānaṃ bhavati; tadyathā- parisaraṇamajasram, akṣibhruvauṣṭhāṃsahanvagrahastapādāṅgavikṣepaṇamakasmāt,satatamaniyatānāṃ ca girāmutsargaḥ, phenāgamanamāsyāt, abhīkṣṇaṃ smitahasitanṛtyagītavāditrasamprayogāścāsthāne, vīṇāvaṃśaśaṅkhaśamyātālaśabdānukaraṇamasāmnā, yānamayānaiḥ, alaṅkaraṇamanalaṅkārikairdravyaiḥ, lobhaścābhyavahāryeṣvalabdheṣu, labdheṣu cāvamānastīvramātsaryaṃ ca, kārśyaṃ, pāruṣyam, utpiṇḍitāruṇākṣatā vātopaśayaviparyāsādanupaśayatā ca; iti vātonmādaliṅgāni bhavanti(1); sthānamekadeśe, tūṣṇīmbhāvaḥ, alpaśaścaṅkramaṇaṃ, lālāśiṅghāṇakasravaṇam, anannābhilāṣaḥ,rahaskāmatā, svapnanityatā, śaucadveṣaḥ, bībhatsatvaṃ, śvayathurānane, śuklastimitamalopadigdhākṣatvaṃ, śleṣmopaśayaviparyāsādanupaśayatā ca; iti śleṣmonmādaliṅgāni bhavanti(3);tridoṣaliṅgasannipāte tu sānnipātikaṃ vidyāt; tamasādhyamācakṣate kuśalāḥ

Unmittelbar danach kommt es dann zum vollen Ausbruch des Unmāda. Dabei ergibt sich folgende genaue Kenntnis der einzelnen Unmāda-Arten: Ständiges Umherlaufen; plötzliches, grundloses Verziehen von Augen, Augenbrauen, Lippen, Schultern und Kiefer sowie Bewegen von Händen und Füßen; ununterbrochenes und regelloses Reden; Schaum vor dem Mund; häufiges, unangebrachtes Lächeln, Lachen, Tanzen, Singen und Musizieren; Nachahmen der Klänge von Vīṇā, Flöte, Muschelhorn und Taktschlägen mit unmelodischer Stimme; Fahren, ohne dass ein Fahrzeug da wäre; Sich-Schmücken mit ungeeigneten Dingen; Gier nach Essbarem, solange es nicht erlangt ist, und, sobald erlangt, Geringschätzung dafür sowie heftiger Neid; Abmagerung, Rauheit, gerötete und wie zusammengezogene Augen; und das Ausbleiben jeder Besserung durch das, was Vāta sonst lindert, ja sogar eine Verschlechterung dadurch – dies sind die Kennzeichen des Vāta-Unmāda (1). [Es folgt in der Textüberlieferung an dieser Stelle keine gesondert erhaltene Beschreibung des Pitta-Unmāda.] Verharren an einem Ort; Schweigsamkeit; nur geringes Umhergehen; Speichel- und Nasenfluss; Appetitlosigkeit; Verlangen nach Einsamkeit; ständiges Schlafen; Abneigung gegen Reinlichkeit; Widerwärtigkeit; Schwellung im Gesicht; weiße, trübe, mit Schmutz bedeckte Augen; und das Ausbleiben jeder Besserung durch das, was Kapha (Śleṣman) sonst lindert, ja sogar eine Verschlechterung dadurch – dies sind die Kennzeichen des Śleṣma-Unmāda (3). Treten aber die Kennzeichen aller drei Doṣas gemeinsam auf, so erkenne man den Sannipātika-Unmāda; diesen bezeichnen die Kundigen als unheilbar.

sādhyānāṃ tu trayāṇāṃ sādhanāni- snehasvedavamana virecanāsthāpanānuvāsanopaśamana nastaḥkarmadhūmadhūpanāñjanāvapīḍa pradhamanābhyaṅgapradeha pariṣekānulepanavadhabandhanāvarodhana vitrāsanavismāpanavismāraṇāpatarpaṇa sirāvyadhanāni, - bhojanavidhānaṃ ca yathāsvaṃ yuktyā, yaccānyadapi kiñcinnidānaviparītamauṣadhaṃ tadapi kāryaṃ syāditi

Die Behandlungsmittel der drei heilbaren Unmāda-Formen sind: Ölanwendung (sneha), Schwitzbehandlung (sveda), Brechtherapie (vamana), Abführtherapie (virecana), nicht-ölige und ölige Einläufe (āsthāpana, anuvāsana), beruhigende Maßnahmen (upaśamana), Nasenbehandlung (nasya), Räuchern, Betupfen der Augen mit Salbe (añjana), Kopf-Umschläge (avapīḍa), Einblasen von Heilpulvern (pradhamana), Einölung (abhyaṅga), Auflagen (pradeha), Übergießungen (pariṣeka), Einsalbungen (anulepana), Schlagen, Fesseln, Einsperren, Erschrecken, Verwundernlassen, Vergessenmachen, Abmagernlassen (apatarpaṇa) und Aderlass (sirāvyadhana) – dazu eine der jeweiligen Verfassung klug angepasste Ernährungsweise; und was sonst noch an Heilmitteln der Ursache entgegenwirkt, soll ebenfalls angewendet werden.

unmādān doṣajān sādhyān sādhayedbhiṣaguttamaḥ| anena vidhiyuktena karmaṇā yat prakīrtitam

Die durch Doṣas verursachten, heilbaren Formen des Unmāda soll der vorzüglichste Arzt mit eben dieser regelrecht angewandten Behandlung heilen, die hiermit dargelegt wurde.

yastu doṣanimittebhya unmādebhyaḥ samutthānapūrvarūpaliṅgavedanopaśayaviśeṣasamanvito bhavatyunmādastamāgantukamācakṣate| kecit punaḥ pūrvakṛtaṃ karmāpraśastamicchanti tasya nimittam | tasya ca hetuḥ prajñāparādha eveti bhagavān punarvasurātreyaḥ| prajñāparādhāddhyayaṃ devarṣipitṛgandharvayakṣarākṣasapiśāca guruvṛddhasiddhācāryapūjyānavamatyāhitānyācarati, anyadvā kiñcidevaṃvidhaṃ karmāpraśastamārabhate; tamātmanā hatamupaghnanto devādayaḥkurvantyunmattam

Ein Unmāda hingegen, der sich in Entstehung, Vorzeichen, Krankheitszeichen, Empfindung und besonderem Linderungsverhalten von den durch Doṣas verursachten Unmāda-Formen unterscheidet, wird als āgantu (durch äußere Einwirkung verursacht) bezeichnet. Manche halten dagegen eine früher begangene schlechte Tat für dessen Ursache. Die eigentliche Ursache aber ist allein Prajñāparādha, der Fehler des Verstandes, so sprach der erhabene Punarvasu Ātreya. Denn aus Prajñāparādha heraus missachtet der Mensch Götter, Ṛṣis, Ahnen, Gandharvas, Yakṣas, Rākṣasas und Piśācas sowie Lehrer, Alte, Vollkommene, Meister und andere Verehrungswürdige und schädigt sie, oder er unternimmt sonst eine derartige verwerfliche Handlung; einen solchen, der sich damit selbst bereits geschädigt hat, treiben die Götter und die übrigen genannten Wesen zusätzlich in den Wahnsinn.

tatra devādiprakopanimittenāgantukonmādena puraskṛtasyemāni pūrvarūpāṇi bhavanti; tadyathā- devagobrāhmaṇatapasvināṃ hiṃsārucitvaṃ, kopanatvaṃ, nṛśaṃsābhiprāyatā,aratiḥ ojovarṇacchāyābala vapuṣāmupataptiḥ, svapne ca devādibhirabhibhartsanaṃpravartanaṃ ceti; tato'nantaramunmādābhinirvṛttiḥ

Bei demjenigen, der von einem durch den Zorn der Götter und anderer Wesen verursachten āgantu-Unmāda ergriffen werden wird, treten folgende Vorzeichen auf: Gefallen an Gewalt gegen Götter, Kühe, Brahmanen und Asketen; Reizbarkeit; grausame Gesinnung; Unbehagen; ein Nachlassen von Ojas (Vitalkraft), Hautfarbe, Glanz, Kraft und Körperfülle; sowie im Traum das Bedrohtwerden und Verfolgtwerden durch Götter und andere Wesen. Unmittelbar danach bricht der Unmāda aus.

tatrāyamunmādakarāṇāṃ bhūtānāmunmādayiṣyatāmārambhaviśeṣo bhavati; tadyathā- avalokayanto devā janayantyunmādaṃ,guruvṛddhasiddhamaharṣayo'bhiśapantaḥ , pitaro darśayanta: spṛśanto gandharvāḥ, samāviśanto yakṣāḥ rākṣastvātmagandhamāghrāpayantaḥ, piśācāḥ punarāruhya vāhayantaḥ

Dabei gehen die den Wahnsinn erzeugenden Wesen, wenn sie jemanden in den Wahnsinn treiben wollen, auf je besondere Weise vor: Die Götter erzeugen den Unmāda, indem sie den Menschen bloß anblicken; Lehrer, Alte, Vollkommene und große Ṛṣis, indem sie ihn verfluchen; die Ahnen, indem sie sich ihm zeigen; die Gandharvas, indem sie ihn berühren; die Yakṣas, indem sie in ihn eindringen; die Rākṣasas, indem sie ihn ihren eigenen Geruch riechen lassen; die Piśācas schließlich, indem sie erneut in ihn hineinfahren und ihn lenken.

tasyemāni rūpāṇi bhavanti ; tadyathā- atyātmabalavīrya pauruṣaparākrama grahaṇadhāraṇasmaraṇajñānavacanavijñānāni; aniyataśconmādakālaḥ

Dessen Kennzeichen sind folgende: übermäßige eigene Kraft, Tapferkeit, Mannhaftigkeit und Tatkraft, sowie ein gesteigertes Auffassungsvermögen, Behalten, Erinnern, Wissen und Sprechvermögen; und der Zeitpunkt des Ausbruchs ist unregelmäßig, an keine feste Zeit gebunden.

unmādayiṣyatāmapi khalu devarṣipitṛgandharvayakṣarākṣasapiśācānāṃ guruvṛddhasiddhānāṃ vā eṣvantareṣvabhigamanīyāḥ puruṣā bhavanti; tadyathā- pāpasya karmaṇaḥ samārambhe, pūrvakṛtasya vā karmaṇaḥ pariṇāmakāle, ekasya vā śūnyagṛhavāse,catuṣpathādhiṣṭhāne vā, sandhyāvelāyāmaprayatabhāve vā parvasandhiṣu vā mithunībhāve, rajasvalābhigamane vā viguṇe ,niyamavratabrahmacaryabhaṅge vā, mahāhave vā, deśakulapuravināśe vā, mahāgrahopagamane vā, striyā vā prajananakāle, vividhabhūtāśubhāśucisparśane vā, vamanavirecanarudhirasrāve, aśuceraprayatasya vā caityadevāyatanābhigamane vā,māṃsamadhutilaguḍamadyocchiṣṭe vā, digvāsasi vā, niśi nagaranigamacatuṣpathopavanaśmaśānāghātanābhigamane vā, dvijagurusurayatipūjyābhidharṣaṇe vā, dharmākhyānavyatikrame vā, anyasya vā karmaṇo'praśastasyārambhe, ityabhighātakālā vyākhyātā bhavanti

Auch für Götter, Ṛṣis, Ahnen, Gandharvas, Yakṣas, Rākṣasas und Piśācas sowie für Lehrer, Alte und Vollkommene, die jemanden in den Wahnsinn treiben wollen, gibt es bestimmte Gelegenheiten, bei denen der Mensch angreifbar wird, nämlich: beim Beginn einer sündhaften Tat; zur Zeit der Reifung einer früher begangenen Tat; beim einsamen Verweilen in einem leeren Haus; beim Aufenthalt an einer Kreuzung; in der Dämmerungszeit ohne rituelle Reinheit; beim Geschlechtsverkehr an den Verbindungstagen der Mondphasen (parvan); beim Verkehr mit einer menstruierenden oder sonst unreinen Frau; beim Bruch von religiösem Vorsatz, Gelübde oder Keuschheit; in großer Schlacht; beim Untergang von Land, Familie oder Stadt; bei der Annäherung eines großen Unheilsplaneten; zur Zeit der Niederkunft einer Frau; bei der Berührung verschiedener unheilvoller und unreiner Wesen; beim Erbrechen, bei Abführung oder Blutfluss; beim Besuch eines Heiligtums oder Götterhauses in unreinem, ungesammeltem Zustand; beim Genuss der Reste von Fleisch, Honig, Sesam, Zuckerrohrmelasse oder berauschendem Getränk; beim Umhergehen unbekleidet; nachts beim Aufsuchen von Stadt, Marktflecken, Kreuzung, Hain, Leichenverbrennungsplatz oder Richtstätte; bei der Beleidigung von Brahmanen, Lehrern, Göttern, Asketen oder sonst Verehrungswürdigen; bei der Übertretung religiöser Vorschriften; sowie beim Beginn irgendeiner anderen verwerflichen Handlung – dies sind die erklärten Zeitpunkte der Verwundbarkeit.

trividhaṃ tu khalu unmādakarāṇāṃ bhūtānāmunmādane prayojanaṃ bhavati; tadyathā- hiṃsā, ratiḥ, abhyarcanaṃ ceti teṣāṃ taṃ prayojanaviśeṣamunmattācāra viśeṣalakṣaṇairvidyāt| hiṃsā, apsu vā sthalācchvabhre nimajjati, patati, śastrakaśākāṣṭhaloṣṭamuṣṭibhirhantyātmānam, anyacca prāṇavadhārthamārabhate kiñcit, vidyāt; tamasādhyaṃ sādhyau punardvāvitarau

Dreifach ist der Zweck, den die den Wahnsinn erzeugenden Wesen mit dem Wahnsinnigmachen verfolgen, nämlich: Schädigung (hiṃsā), Vergnügen (rati) und Verehrtwerden (abhyarcana). Diesen jeweiligen Zweck erkenne man an den besonderen Merkmalen des wahnsinnigen Verhaltens. Bei der Absicht der Schädigung taucht der Kranke ins Wasser oder stürzt sich von festem Boden in eine Grube, tötet sich mit Waffe, Peitsche, Holzstock, Erdklumpen oder Faust, oder unternimmt sonst etwas, um sich das Leben zu nehmen – daran erkenne man diesen Fall; er ist unheilbar, die beiden anderen dagegen sind heilbar.

mantrauṣadhimaṇimaṅgalabalyupahārahomaniyamavrataprāyaścittopavāsa svastyayanapraṇipātagamanādīni

Deren Behandlung besteht in: Mantras, Heilkräutern, Amuletten (maṇi), Segensriten (maṅgala), Opfergaben (bali), Darbringungen (upahāra), Feueropfer (homa), religiösen Regeln und Gelübden, Sühnehandlungen (prāyaścitta), Fasten, Segenssprüchen (svastyayana), Verneigung, dem Aufsuchen von Heiligtümern und dergleichen.

evamete pañconmādā vyākhyātā bhavanti

So sind diese fünf Arten des Unmāda erklärt.

pañca santo dvāveva bhavataḥ| tau ca parasparamanubadhnītaḥ kadācidyathoktahetusaṃsargāt | tayoḥ saṃsṛṣṭameva pūrvarūpaṃ bhavati, saṃsṛṣṭameva ca liṅgam| tatrāsādhyasaṃyogaṃ sādhyāsādhyasaṃyogaṃ cāsādhyaṃ vidyāt, sādhyaṃ tu sādhyasaṃyogam | tasya sādhanaṃ sādhanasaṃyogameva vidyāditi

Obwohl es fünf gibt, sind es im Grunde nur zwei: der durch Doṣas verursachte und der āgantu-Unmāda. Diese beiden können sich gegenseitig verbinden, mitunter durch das Zusammentreffen der genannten Ursachen. Bei einer solchen Verbindung sind dann auch die Vorzeichen gemischt und ebenso die Krankheitszeichen gemischt. Dabei erkenne man die Verbindung zweier unheilbarer Formen als unheilbar, ebenso die Verbindung einer heilbaren mit einer unheilbaren als unheilbar; heilbar ist dagegen nur die Verbindung zweier heilbarer Formen. Deren Behandlung erkenne man entsprechend als eine Verbindung der jeweiligen Behandlungsmethoden.

naiva devā na gandharvā na piśācā na rākṣasāḥ| na cānye svayamakliṣṭamupakliśnanti mānavam

Weder Götter noch Gandharvas, weder Piśācas noch Rākṣasas, noch andere Wesen schädigen von sich aus einen Menschen, der nicht bereits durch eigenes Tun vorbelastet ist.

ye tvenamanuvartante kliśyamānaṃ svakarmaṇā | na sa taddhetukaḥ kleśo na hyasti kṛtakṛtyatā

Sie folgen vielmehr nur jenem, der durch sein eigenes Tun bereits leidet; jenes Leiden hat also nicht sie zur Ursache, denn ohne ein solches eigenes Tun gibt es für sie keinen Ansatzpunkt.

prajñāparādhāt sambhūte vyādhau karmaja ātmanaḥ| nābhiśaṃsedbudho devānna pitṝnnāpi rākṣasān

Entsteht eine Krankheit aus Prajñāparādha, also aus dem eigenen früheren Tun des Menschen selbst, so soll der Kluge nicht die Götter beschuldigen, nicht die Ahnen und auch nicht die Rākṣasas.

ātmānameva manyeta kartāraṃ sukhaduḥkhayoḥ| tasmācchreyaskaraṃ mārgaṃ pratipadyeta no traset

Er soll sich vielmehr selbst als den Urheber von Glück und Leid erkennen; deshalb soll er den heilsamen Weg einschlagen und sich nicht fürchten.

devādīnāmapacitirhitānāṃ copasevanam| te ca tebhyo virodhaśca sarvamāyattamātmani

Die Verehrung der Götter und anderer höherer Wesen sowie die Pflege des Zuträglichen, ebenso jene Wesen selbst und die Feindschaft mit ihnen – all dies hängt letztlich vom eigenen Selbst ab.

saṅkhyā nimittaṃ prāgrūpaṃ lakṣaṇaṃ sādhyatā na ca| unmādānāṃ nidāne'smin kriyāsūtraṃ ca bhāṣitam

Zahl, Ursache, Vorzeichen, Krankheitszeichen sowie Heilbarkeit und Unheilbarkeit der Unmāda-Formen wurden in diesem Nidāna-Kapitel dargelegt, ebenso der Leitfaden der Behandlung (kriyāsūtra).

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