athāto janapadoddhvaṃsanīyaṃ vimānaṃ vyākhyāsyāmaḥ
Nun also wollen wir das Kapitel (vimāna) über die Ursachen der Verwüstung eines Landes (janapadoddhvaṃsanīya) erklären.
Caraka-Saṃhitā · Vimanasthana
Dieses dritte Kapitel des Vimānasthāna behandelt akute Massenerkrankungen, die eine ganze Landschaft gleichzeitig heimsuchen – man könnte darin eine frühe Form epidemiologischen Denkens sehen. Ātreya erklärt seinem Schüler Agniveśa, dass Menschen trotz unterschiedlicher Konstitution zugleich erkranken, weil vier allen gemeinsame Faktoren – Luft, Wasser, Land und Zeit – verdorben sind. Historisch bedeutsam ist, dass die Wurzel dieser Verderbnis im moralischen Fehlverhalten (adharma) verortet wird, das seinerseits aus einem „Verstoß gegen die Einsicht“ (prajñāparādha) entsteht – eine zentrale Kausalitätslehre, die auch in anderen Kapiteln der Caraka-Saṃhitā wiederkehrt. Das Kapitel verbindet damit Naturphilosophie, Ethik und Medizin und entwirft ein Weltzeitalter-Modell, in dem Lebensdauer und Heilkraft der Pflanzen (oṣadhi) allmählich abnehmen – konkrete Pflanzennamen fehlen jedoch, da hier eher Prinzipien als Rezepturen im Vordergrund stehen. Es schließt mit einer Fallstudie zu warmem versus kaltem Wasser bei Fieber, die das Prinzip der Gegensatzbehandlung veranschaulicht.
athāto janapadoddhvaṃsanīyaṃ vimānaṃ vyākhyāsyāmaḥ
Nun also wollen wir das Kapitel (vimāna) über die Ursachen der Verwüstung eines Landes (janapadoddhvaṃsanīya) erklären.
iti ha smāha bhagavānātreyaḥ
So sprach der erhabene Ātreya.
janapadamaṇḍale pañcālakṣetre dvijātivarādhyuṣite kāmpilyarājadhānyāṃ bhagavān punarvasurātreyo'ntevāsigaṇaparivṛtaḥ paścime gharmamāse gaṅgātīre vanavicāramanuvicarañchiṣyamagniveśamabravīt
Im Gebiet des Landes Pañcāla, in der von den Besten der Zweifachgeborenen bewohnten Königsstadt Kāmpilya, wandelte der erhabene Punarvasu Ātreya, umgeben von der Schar seiner Schüler, im letzten Monat der heißen Jahreszeit am Ufer der Gaṅgā im Wald umher und sprach zu seinem Schüler Agniveśa:
dṛśyante hi khalu saumya! nakṣatragrahagaṇacandrasūryānilānalānāṃ diśāṃ cāprakṛtibhūtānāmṛtuvaikārikā bhāvāḥ, acirādito bhūrapi ca na yathāvadrasavīryavipākaprabhāvamoṣadhīnāṃ pratividhāsyati, tadviyogāccātaṅkaprāyatā niyatā| tasmāt prāguddhvaṃsāt prāk ca bhūmervirasībhāvāduddharadhvaṃ saumya! bhaiṣajyāni yāvannopahatarasavīryavipākaprabhāvāṇi bhavanti| vayaṃ caiṣāṃ rasavīryavipākaprabhāvānupayokṣyāmahe ye cāsmānanukāṅkṣanti, yāṃśca vayamanukāṅkṣāmaḥ| na hi samyaguddhṛteṣu saumya! bhaiṣajyeṣu samyagvihiteṣu samyak cāvacāriteṣu janapadoddhvaṃsakarāṇāṃ vikārāṇāṃ kiñcit pratīkāragauravaṃ bhavati
„Man sieht ja, mein Lieber (saumya), dass Sternbilder (nakṣatra), Planeten (graha), Sternhaufen, Mond, Sonne, Wind und Feuer sowie die Himmelsrichtungen von ihrer natürlichen Beschaffenheit abweichende, der Jahreszeit widersprechende Erscheinungen zeigen; auch wird die Erde schon bald nicht mehr in gebührender Weise Geschmack (rasa), Wirkkraft (vīrya), Wirkungsweise nach der Verdauung (vipāka) und besondere Wirkung (prabhāva) der Heilpflanzen (oṣadhi) hervorbringen können, und aus deren Ausbleiben folgt zwangsläufig eine Häufung von Krankheiten (ātaṅka). Darum, mein Lieber, sammelt die Heilmittel (bhaiṣajya), bevor die Verwüstung eintritt und bevor die Erde ihres Geschmacks verlustig geht — solange Geschmack, Wirkkraft, Wirkungsweise und Wirkung der Mittel noch nicht beeinträchtigt sind! Wir wollen solche Mittel mit unversehrtem Geschmack, unversehrter Wirkkraft, Wirkungsweise und Wirkung anwenden — für uns selbst, für jene, die auf uns angewiesen sind, und für jene, um die wir uns sorgen. Denn wenn die Heilmittel, mein Lieber, richtig gesammelt, richtig zubereitet und richtig angewendet werden, bereitet die Behandlung der landverwüstenden Krankheiten keinerlei nennenswerte Schwierigkeit.“
evaṃ vādinaṃ bhagavantamātreyamagniveśa uvāca-uddhṛtāni khalu bhagavan! bhaiṣajyāni, samyagvihitāni, samyagavacāritāni ca; api tu khalu janapadoddhvaṃsanamekenaiva vyādhinā yugapadasamānaprakṛtyāhāradehabalasātmyasattvavayasāṃ manuṣyāṇāṃ kasmādbhavatīti
Als der erhabene Ātreya so sprach, sagte Agniveśa zu ihm: „Nun, Erhabener, die Heilmittel sind gesammelt, richtig zubereitet und richtig angewendet — aber wodurch kommt es, dass die Verwüstung eines Landes durch eine einzige Krankheit gleichzeitig Menschen befällt, deren Konstitution (prakṛti), Ernährung, Körperbau, Kraft, Verträglichkeit (sātmya), Gemütsart (sattva) und Lebensalter doch verschieden sind?“
tamuvāca bhagavānātreyaḥ- evamasāmānyāvatāmapyebhiragniveśa! prakṛtyādibhirbhāvairmanuṣyāṇāṃ ye'nye vāḥ sāmānyāstadvaiguṇyāt samānakālāḥ samānaliṅgāśca vyādhayo'bhinirvartamānā janapadamuddhvaṃsayanti| te tu khalvime bhāvāḥ sāmānyā janapadeṣu bhavanti; tadyathā- vāyuḥ, udakaṃ, deśaḥ,kāla iti
Darauf antwortete ihm der erhabene Ātreya: „So ist es, Agniveśa. Obwohl die Menschen durch diese Faktoren — Konstitution und dergleichen — einander ungleich sind, gibt es doch andere, allen gemeinsame Faktoren; durch deren Verderbnis (vaiguṇya) entstehen Krankheiten zur gleichen Zeit und mit gleichen Krankheitszeichen (liṅga) und verwüsten so das Land. Diese den Bewohnern eines Landes gemeinsamen Faktoren sind: die Luft (vāyu), das Wasser (udaka), das Land (deśa) und die Zeit (kāla).“
kālaṃ tu khalu yathartuliṅgādviparītaliṅgamatiliṅgaṃ hīnaliṅgaṃ cāhitaṃ vyavasyet (4); imānevandoṣayuktāṃścaturo bhāvāñjanapadoddhvaṃsakarān vadanti kuśalāḥ; ato'nyathābhūtāṃstu hitānācakṣate
„Die Zeit (kāla) aber erkenne man als schädlich, wenn ihre Merkmale (liṅga) den jahreszeitlich zu erwartenden entgegengesetzt sind, übermäßig stark oder unzureichend auftreten. Eben diese vier, mit einem Fehler (doṣa) behafteten Faktoren nennen die Kundigen landverwüstend; sind sie hingegen anders — also naturgemäß — beschaffen, bezeichnet man sie als zuträglich.“
viguṇeṣvapi khalveteṣu janapadoddhvaṃsakareṣu bhāveṣu bheṣajenopapādyamānānāmabhayaṃ bhavati rogebhya iti
„Selbst wenn diese landverwüstenden Faktoren verdorben sind, besteht für jene, die mit Heilmitteln versorgt werden, keine Gefahr vor den Krankheiten.“
vaiguṇyamupapannānāṃ deśakālānilāmbhasām|garīyastvaṃ viśeṣeṇa hetumat saṃpravakṣyate
„Von der Verderbnis von Land, Zeit, Wind und Wasser soll nun insbesondere die jeweilige Schwere, mitsamt ihrer Begründung, dargelegt werden:
vātājjalaṃ jalāddeśaṃ deśāt kālaṃ svabhāvataḥ| vidyādduṣparihāryatvādgarīyastaramarthavit "
Schwerwiegender als die Verderbnis der Luft ist von Natur aus die des Wassers, schwerwiegender als die des Wassers die des Landes, schwerwiegender als die des Landes die der Zeit — der Kundige erkenne dies, entsprechend der wachsenden Schwierigkeit der Abhilfe, als jeweils gewichtiger.
vāyvādiṣu yathoktānāṃ doṣāṇāṃ tu viśeṣavit| pratīkārasya saukarye vidyāllāghavalakṣaṇam
Wer die Besonderheiten der genannten Fehler (doṣa) bei Wind und den übrigen [Faktoren] kennt, der erkenne an der Leichtigkeit der Gegenmaßnahme das Merkmal des geringeren Gewichts.
kālānteṣu yadā narāḥ| bheṣajenopapādyante na bhavantyāturāstadā
Wenn Menschen am Ende einer solchen [ungünstigen] Zeit mit Heilmitteln versorgt werden, erkranken sie nicht.
yeṣāṃ na mṛtyusāmānyaṃ sāmānyaṃ na ca karmaṇām| karma pañcavidhaṃ teṣāṃ bheṣajaṃ paramucyate
Für jene, deren Sterben nicht gemeinsam bestimmt und deren [früheres] Wirken (karman) nicht gleich ist, gilt die fünffache Reinigungsbehandlung (pañcakarma) als das beste Heilmittel.
rasāyanānāṃ vidhivaccopayogaḥ śasyate| śasyate dehavṛttiśca bheṣajaiḥ pūrvamuddhṛtaiḥ
Auch die vorschriftsmäßige Anwendung der Verjüngungsmittel (rasāyana) wird empfohlen, ebenso eine angemessene Lebensführung (dehavṛtti), nachdem zuvor die Heilmittel gesammelt wurden.
satyaṃ bhūte dayā dānaṃ balayo devatārcanam| saddhṛttasyānuvṛttiśca praśamo guptirātmanaḥ
Wahrhaftigkeit gegenüber den Lebewesen, Mitgefühl, Freigebigkeit, Opfergaben (bali), Verehrung der Gottheiten,
hitaṃ janapadānāṃ ca śivānāmupasevanam| sevanaṃ brahmacaryasya tathaiva brahmacāriṇām
das Zuträgliche für die Landesbewohner, der Umgang mit den Wohlgesinnten, der Dienst am Keuschheitsgelübde (brahmacarya) und an denen, die es üben,
saṅkathā dharmaśāstrāṇāṃ maharṣīṇāṃ jitātmanām| dhārmikaiḥ sāttvikairnityaṃ sahāsyā vṛddhasammataiḥ
das Gespräch über die Lehrbücher der Pflicht (dharmaśāstra) und über die großen, selbstbeherrschten Seher (maharṣi), stets heiteres Beisammensein mit den Rechtschaffenen, den Gütigen (sāttvika) und den von den Alten Geachteten —
tyetadbheṣajaṃ proktamāyuṣaḥ paripālanam| yeṣāmaniyato mṛtyustasmin kāle sudāruṇe
all dies wird als Heilmittel bezeichnet, als Bewahrung des Lebens für jene, deren Tod in jener höchst schrecklichen Zeit nicht festgelegt ist.
iti śrutvā janapadoddhvaṃsane kāraṇāni punarapi bhagavantamātreyamagniveśa uvāca- atha khalu bhagavan! kutomūlameṣāṃ vāyvādīnāṃ vaiguṇyamutpadyate? yenopapannā janapadamuddhvaṃsayantīti
Nachdem er dies über die Ursachen der Landesverwüstung gehört hatte, sprach Agniveśa erneut zum erhabenen Ātreya: „Nun aber, Erhabener, worin liegt die Wurzel jener Verderbnis von Wind und den übrigen Faktoren, durch die sie, sobald sie eintritt, das Land verwüsten?“
tamuvāca bhagavānātreyaḥ- sarveṣāmapyagniveśa! vāyvādīnāṃ yadvaiguṇyamutpadyate tasya mūlamadharmaḥ, tanmūlaṃ vā'satkarma pūrvakṛtaṃ; tayoryoniḥ prajñāparādha eva| tadyathā- yadā vai deśanagaranigamajanapadapradhānā dharmamutkramyādharmeṇa prajāṃ vartayanti, tadāśritopāśritāḥ paurajanapadā vyavahāropajīvinaśca tamadharmamabhivardhayanti, tataḥ so'dharmaḥ prasabhaṃ dharmamantardhatte, tatas te'ntarhitadharmāṇo devatābhirapi tyajyante; teṣāṃ tathā'ntarhitadharmaṇāmadharmapradhānānāmapakrāntadevatānāmṛtavo vyāpadyante; tena nāpo yathākālaṃ devo varṣati na vā varṣati vikṛtaṃ vā varṣati, vātā na samyagabhivānti, kṣitirvyāpadyate, salilānyupaśuṣyanti, oṣadhayaḥ svabhāvaṃ parihāyāpadyante vikṛtiṃ; tata uddhvaṃsante janapadāḥ spṛśyābhyavahāryadoṣāt
Darauf antwortete ihm der erhabene Ātreya: „Agniveśa, die Wurzel jeder Verderbnis, die bei Wind und den übrigen Faktoren entsteht, ist das Unrecht (adharma); dessen Wurzel wiederum ist früher begangenes schlechtes Handeln (asatkarman), und deren Ursprung ist einzig ein Verstoß gegen die Einsicht (prajñāparādha). Das heißt: Wenn die Herrscher von Ländern, Städten, Marktflecken und Bezirken das Recht (dharma) übertreten und das Volk in Unrecht führen, dann mehren die ihnen anhängenden und untergeordneten [Beamten], die Landesbewohner und die vom Handel Lebenden dieses Unrecht noch weiter; dadurch verdrängt das Unrecht mit Gewalt das Recht, und diejenigen, bei denen so das Recht verdrängt ist, werden auch von den Gottheiten verlassen. Bei diesen, deren Recht verdrängt ist, bei denen das Unrecht vorherrscht und von denen sich die Gottheiten abgewandt haben, geraten die Jahreszeiten in Unordnung; dadurch regnet der Himmel entweder nicht zur rechten Zeit, oder er regnet gar nicht, oder er regnet in verkehrter Weise; die Winde wehen nicht richtig, [die Gewässer] geraten in Unordnung, vertrocknen, und die Heilpflanzen verlieren ihre natürliche Beschaffenheit und nehmen eine verkehrte an — daraufhin werden die Länder verwüstet, weil der Fehler in dem liegt, was täglich genossen wird.“
tathā śastraprabhavasyāpi janapadoddhvaṃsasyādharma eva heturbhavati| ye'tipravṛddhalobhakrodhamohamānāste durbalānavamatyātmasvajanaparopaghātāya śastreṇa parasparamabhikrāmanti, parān vā'bhikrāmanti, parairvā'bhikrāmyante
„Ebenso liegt auch bei der durch Waffen (śastra) verursachten Landesverwüstung einzig das Unrecht als Ursache zugrunde. Diejenigen, deren Gier, Zorn, Verblendung und Hochmut übermäßig angewachsen sind, greifen, um die Schwächeren, die sie verachten, oder sich selbst, ihre Angehörigen und andere zu vernichten, mit Waffen einander an, oder sie greifen andere an, oder sie werden von anderen angegriffen.“
rakṣogaṇādibhirvā vidhai rbhūtasaṅghai stamadharmamanyadvā'pya pacārāntarama upalabhyābhihanyante
„Oder sie werden von den Scharen der Rakṣas und ähnlichen Wesenscharen erschlagen, die jenes Unrecht oder eine andere Übertretung wahrgenommen haben.“
tathā'bhiśāpaprabhavasyāpyadharma eva heturbhavati| ye luptadharmāṇo rmādapetāste ruvṛddhasiddharṣipūjyānavamatyāhitānyācaranti; tatastāḥ prajā gurvādibhirabhiśaptā bhasmatāmupayānti prāgevānekapuruṣakulavināśāya, niyatapratyayopalambhādaniyatāścāpare
„Ebenso liegt auch bei der durch Verfluchung (abhiśāpa) verursachten [Verwüstung] einzig das Unrecht als Ursache zugrunde. Diejenigen, die das Recht preisgegeben haben und vom rechten Pfad abgewichen sind, begehen aus Verachtung Übles gegenüber den Alten, den Vollkommenen (siddha), den Sehern (ṛṣi) und den Verehrungswürdigen; daraufhin werden jene Menschen, von den Lehrern und anderen verflucht, zu Asche — noch bevor der Untergang vieler Geschlechter und Familien eintritt; bei manchen ist dies an festen Zeichen erkennbar, bei anderen nicht.“
prāgapi cādharmādṛte nāśubhotpattiranyato'bhūt| ādikāle hyaditisutasamaujaso'tivimalavipulaprabhāvāḥ pratyakṣadevadevarṣidharmayajñavidhividhānāḥ śailasārasaṃhatasthiraśarīrāḥ prasannavarṇendriyāḥ pavanasamabala javaparākramāścārusphico'bhirūpapramāṇākṛtiprasādopacayavantaḥsatyārjavānṛśaṃsyadānadamaniyamatapopavāsabrahmacaryavrataparā vyapagatabhayarāgadveṣamohalobhakrodhaśokamānaroganidrātandrāśramaklamālasyaparigrahāśca puruṣā babhūvuramitāyuṣaḥ| teṣāmudārasattvaguṇakarmaṇāmacintyarasavīryavipākaprabhāvaguṇasamuditāni prādurbabhūvuḥ śasyāni sarvaguṇasamuditatvāt pṛthivyādīnāṃ kṛtayugasyādau| bhraśyati tu kṛtayuge keṣāñcidatyādānāt sāmpannikānāṃ sattvānāṃ śarīragauravamāsīt, śarīragauravācchramaḥ, śramādālasyam, ālasyāt sañcayaḥ, sañcayāt parigrahaḥ, parigrahāllobhaḥ prādurāsīt kṛte| tatastretāyāṃ lobhādabhidrohaḥ, abhidrohānṛtavacanam, anṛtavacanāt kāmakrodhamānadveṣapāruṣyābhighātabhayatāpaśokacintodvegādayaḥ pravṛttāḥ| tatastretāyāṃ dharmapādo'ntardhānamagamat| tasyāntardhānāt yugavarṣapramāṇasya pādahrāsaḥ, pṛthivyādeśca guṇapādapraṇāśo'bhūt| tatpraṇāśakṛtaśca śasyānāṃ snehavaimalyarasavīryavipākaprabhāvaguṇapādabhrāṃśaḥ| tatastāni prajāśarīrāṇi hīyamānaguṇapādai rāhāravihārairayathāpūrvamupaṣṭabhyamānānyagnimārutaparītāni prāgvyādhibhirjvarādibhirākrāntāni| ataḥ prāṇino hrāsamavāpurāyuṣaḥ kramaśa iti
Aber auch schon früher, noch vor dem Aufkommen des Unrechts, gab es kein Unheil aus anderer Ursache. Am Anfang der Zeit nämlich waren die Menschen von der Kraft der Aditisöhne, von überaus reiner und gewaltiger Macht, standen in unmittelbarer Anschauung mit Göttern, Göttersehern, dem Recht und der Ordnung der Opfer; sie hatten Körper, fest wie das Wesen des Felsgesteins, heitere Gesichtsfarbe und Sinne, Kraft und Geschwindigkeit gleich dem Wind, schöne Hüften, waren wohlgestaltet an Maß und Form, voll Klarheit und Fülle; der Wahrhaftigkeit, Aufrichtigkeit, Güte, Freigebigkeit, Selbstbeherrschung, den religiösen Regeln, der Askese, dem Fasten und dem Gelübde des Brahmacarya ergeben, frei von Furcht, Leidenschaft, Hass, Verblendung, Gier, Zorn, Kummer, Hochmut, Krankheit, Schlaf, Trägheit, Erschöpfung, Ermattung und Besitzgier — solche Menschen kamen zur Welt, von unermesslicher Lebensdauer. Für sie, mit ihrer edlen Wesensart (sattva), Tugend und Tat, entstanden zu Beginn des Kṛtayuga Feldfrüchte von unfassbarem Geschmack, Wirkkraft, Wirkungsweise und Eigenschaften, weil Erde und die übrigen Elemente noch mit allen Eigenschaften vollständig ausgestattet waren. Doch schon im Kṛtayuga geriet bei manchen, die durch übermäßiges Anhäufen reich wurden, der Körper in Schwere; aus der Schwere des Körpers entstand Erschöpfung, aus der Erschöpfung Trägheit, aus der Trägheit das Anhäufen [von Besitz], aus dem Anhäufen das Besitzergreifen, und aus dem Besitzergreifen entstand noch im Kṛtayuga die Gier. Daraufhin entstand im Tretāyuga aus der Gier die Feindseligkeit, aus der Feindseligkeit das Lügen, und aus dem Lügen kamen Begierde, Zorn, Hochmut, Hass, Grausamkeit, Gewalttätigkeit, Furcht, Erregung, Kummer und Sorge auf. Daraufhin schwand im Tretāyuga ein Viertel des Rechts dahin. Durch dieses Schwinden verringerte sich auch ein Viertel des Maßes der Lebensdauer eines Zeitalters, und ein Viertel der guten Eigenschaften von Erde und den übrigen Elementen ging verloren. Aus diesem Verlust folgte auch bei den Feldfrüchten ein Schwund um ein Viertel an Ölhaltigkeit, Reinheit, Geschmack, Wirkkraft, Wirkungsweise und Eigenschaften. Daraufhin gerieten die Körper der Geschöpfe, deren Eigenschaften-Viertel abnahmen, durch Nahrung und Lebensweise, die sie nicht mehr wie zuvor stützten, unter die Vorherrschaft von Agni und Māruta [Verdauungsfeuer und Wind] und wurden von zuvor unbekannten Krankheiten wie Fieber und dergleichen befallen. So nahm die Lebensdauer der Lebewesen allmählich ab.
bhavataścātra- yuge yuge dharmapādaḥ krameṇānena hīyate| guṇapādaśca bhūtānāmevaṃ lokaḥ pralīyate
Und hierzu gilt: In jedem Zeitalter (yuga) schwindet auf diese Weise Stufe für Stufe ein Viertel des Rechts und ebenso ein Viertel der guten Eigenschaften der Elemente; so löst sich die Welt allmählich auf.
saṃvatsaraśate pūrṇe yāti saṃvatsaraḥ kṣayam| dehināmāyuṣaḥ kāle yatra yanmānamiṣyate
Ist ein Zeitraum von hundert Jahren vollendet, so schwindet [entsprechend] ein Jahr der Lebensdauer; so vermindert sich mit der Zeit das jeweils festgesetzte Maß der Lebensdauer der Geschöpfe.
iti vikārāṇāṃ prāgutpattiheturukto bhavati
So ist die ursprüngliche Ursache für das Entstehen der Krankheiten (vikāra) dargelegt.
evaṃvādinaṃ bhagavantamagniveśa uvāca- kinnu khalu bhagavan! niyatakālapramāṇamāyuḥ sarvaṃ na veti
Als er so sprach, fragte Agniveśa den Erhabenen: „Ist denn, Erhabener, die Lebensdauer für alle Wesen nicht durch ein festes Zeitmaß bestimmt?“
taṃ bhagavānuvāca- ihāgniveśa! bhūtānāmāyuryuktimapekṣate| daive puruṣakāre ca sthitaṃ hyasya balābalam
Der Erhabene sprach zu ihm: „Hier, Agniveśa, hängt die Lebensdauer der Geschöpfe von einer bestimmten Fügung ab; ihre Stärke und Schwäche beruhen nämlich auf Schicksal (daiva) und menschlichem Handeln (puruṣakāra).“
daivamātmakṛtaṃ vidyāt karma yat paurvadaihikam| smṛtaḥ puruṣakārastu kriyate yadihāparam
„Als Schicksal (daiva) erkenne man das selbst vollbrachte Wirken, das aus einem früheren Dasein herrührt; als menschliches Handeln (puruṣakāra) hingegen gilt das, was in diesem Leben gegenwärtig vollbracht wird.“
balābalaviśeṣo'sti tayorapi ca karmaṇoḥ| dṛṣṭaṃ hi trividhaṃ karma hīnaṃ madhyamamuttamam
„Auch bei diesen beiden Arten des Wirkens gibt es einen Unterschied an Stärke und Schwäche; man beobachtet nämlich ein dreifaches Wirken: gering, mittel und stark.“
tayorudārayoryuktirdīrghasya ca sukhasya ca| niyatasyāyuṣo heturviparītasya cetarā
„Sind beide, [Schicksal und Handeln,] stark, so ist ihre Verbindung die Ursache für ein langes und glückliches Leben; sind sie schwach, ist sie die Ursache für das Gegenteil.“
madhyamā madhyamasyeṣṭā kāraṇaṃ śṛṇu cāparam daivaṃ puruṣakāreṇa durbalaṃ hyupahanyate
„Sind sie mittelmäßig, gilt dies als Ursache für ein mittleres [Leben]. Höre nun eine weitere Erklärung: Ein schwaches Schicksal wird durch [starkes] menschliches Handeln überwunden,“
daivena cetarat karma viśiṣṭenopahanyate| dṛṣṭvā yadeke manyante niyataṃ mānamāyuṣaḥ
„und ebenso wird das eine [menschliche] Handeln durch ein anderes, überlegenes Schicksal überwunden. Wenn manche, dies beobachtend, meinen, das Maß der Lebensdauer sei unabänderlich festgelegt, [so irren sie].“
karma kiñcit kvacit kāle vipāke niyataṃ mahat| kiñcittvakālaniyataṃ pratyayaiḥ pratibodhyate
„Manches Wirken trägt zu einer bestimmten Zeit eine feste, große Frucht; manches andere, nicht an eine feste Zeit gebundene Wirken wird erst durch bestimmte Bedingungen (pratyaya) zur Reife gebracht.“
tasmādubhayadṛṣṭatvādekāntagrahaṇamasādhu| nidarśanamapi cātrodāhariṣyamaḥ- yadi hi niyatakālapramāṇamāyuḥ sarvaṃ syāt, tadā''yuṣkāmāṇāṃ na mantrauṣadhimaṇimaṅgalabalyupahārahomaniyamaprāyaścittopavāsasvastyayanapraṇipātagamanādyāḥ yā iṣṭayaśca prayojyeran; nodbhrāntacaṇḍacapalagojoṣṭrakharaturagamahiṣādayaḥ pavanādayaśca duṣṭāḥ parihāryāḥ syuḥ, na prapātagiriviṣamadurgāmbuvegāḥ, tathā na pramattonmattodbhāntacaṇḍacapalamohalobhākulamatayaḥ, nārayaḥ, na pravṛddho'gniḥ, ca vividhaviṣāśrayāḥ rīsṛporagādayaḥ, na sāhasaṃ, nādeśakālacaryā, na narendraprakopa ti; evamādayo hi bhāvā nābhāvakarāḥ syuḥ, āyuṣaḥ sarvasya niyatakālapramāṇatvāt|na cānabhyastākālamaraṇabhayanivārakāṇāmakālamaraṇabhayamāgacchet praṇināṃ, vyarthāścārambhakathāprayogabuddhayaḥ syurmaharṣīṇāṃ rasāyanādhikāre, nāpīndro niyatāyuṣaṃ śatruṃ vajreṇābhihanyāt, nāśvināvārtaṃ bheṣajenopapādayetāṃ , na maharṣayo yatheṣṭamāyustapasā prāpnuyuḥ, na ca viditaveditavyā maharṣayaḥ sasureśāḥ samyak paśyeyurupadiśeyurācareyurvā| api ca sarvacakṣuṣāmetat paraṃ yadaindraṃ cakṣuḥ , idaṃ cāpyasmākaṃ tena pratyakṣaṃ; yathā- puruṣasahasrāṇāmutthāyotthāyāhavaṃ kurvatāmakurvatāṃ cātulyāyuṣṭvaṃ, tathā jātamātrāṇāmapratīkārāt pratīkārācca, aviṣaviṣaprāśināṃ cāpyatulyāyuṣṭvameva, na ca tulyo yogakṣema udapānaghaṭānāṃ citraghaṭānāṃ cotsīdatāṃ; tasmāddhitopacāramūlaṃ jīvitam, ato viparyayānmṛtyuḥ| api ca deśakālātmaguṇaviparītānāṃ karmaṇāmāhāravikārāṇāṃ ca kramopayogaḥ samyak, tyāgaḥ sarvasya cātiyogāyogamithyāyogānāṃ, sarvātiyogasandhāraṇam , asandhāraṇamudīrṇānāṃ ca gatimatāṃ, sāhasānāṃ ca varjanam, ārogyānuvṛttau hetumupalabhāmahe samyagupadiśāmaḥ samyak paśyāmaśceti
„Da man also beides beobachtet, ist es nicht richtig, sich einseitig auf die eine Möglichkeit festzulegen. Wir wollen hierzu auch ein Beispiel anführen: Wäre die Lebensdauer für alle durchweg von festem Zeitmaß bestimmt, dann bräuchten diejenigen, die sich Langlebigkeit wünschen, weder Zaubersprüche, Heilmittel, Edelsteine, Glücksbringer, Opfergaben, Trankopfer, Gelübde, Sühneriten, Fasten, Segenssprüche, Verbeugungen [vor den Göttern] noch Wallfahrten und dergleichen anzuwenden; man bräuchte auch nicht scheue, wilde, unstete Rinder, Kamele, Esel, Pferde, Büffel und dergleichen sowie schädliche Winde zu meiden; ebenso wenig Abgründe, Berge, unwegsames Gelände oder reißende Gewässer; auch nicht unbesonnene, wahnsinnige, umherirrende, wilde, unstete, verblendete, von Gier erfüllte Menschen [meiden]; auch nicht Feinde, aufloderndes Feuer, mancherlei giftige Schlangen und dergleichen [fürchten]; auch keine Tollkühnheit, keine unangemessene Lebensweise nach Ort und Zeit, keinen Zorn des Königs [scheuen]. Denn wenn all dies und Ähnliches keine [vorzeitige] Vernichtung bewirken könnte, weil die Lebensdauer aller unabänderlich durch ein festes Zeitmaß bestimmt wäre — dann könnte auch bei denen, die sich nicht in der Abwehr eines vorzeitigen Todes geübt haben, keine Furcht davor entstehen; auch wären die Bemühungen, Lehren und Absichten der großen Seher hinsichtlich der Verjüngungsmittel (rasāyana) zwecklos; auch könnte Indra einen Feind mit fester Lebensdauer nicht mit dem Blitz erschlagen; auch könnten die Aśvin-Zwillinge einen Kranken nicht mit Heilmitteln heilen; auch könnten die großen Seher durch Askese nicht die gewünschte Lebensdauer erlangen; und die großen Seher, die alles Wissenswerte kennen, könnten dann, samt den Göttern und Herren, die Dinge auch nicht richtig erkennen, lehren oder ausführen. Zudem gilt: Von allen Sehvermögen ist das höchste dasjenige des Indra, und auch das unsrige ist ihm gegenüber gültig; denn so wie unter Tausenden von Menschen, die sich immer wieder zum Kampf erheben, sowohl die Kämpfenden als auch die Nichtkämpfenden ungleiche Lebensdauer haben, ebenso haben Neugeborene — je nachdem, ob eine Gegenmaßnahme erfolgt oder nicht — sowie diejenigen, die Gift zu sich nehmen, im Vergleich zu denen, die es nicht tun, gleichfalls ungleiche Lebensdauer; und nicht gleich ist das Schicksal von Wasserkrügen am Brunnen und von bunt bemalten Krügen, wenn sie zerbrechen. Deshalb ist zuträgliche Pflege die Wurzel des Lebens, und aus deren Gegenteil folgt der Tod. Ferner erkennen und lehren wir als richtige Ursache für die Erhaltung der Gesundheit: die stufenweise, angemessene Anwendung solcher Handlungen und Nahrungsänderungen, die Ort, Zeit und der eigenen Konstitution entgegengesetzt sind, sofern nötig; das Meiden von Übermaß, Mangel und falscher Anwendung bei allem; das Zurückhalten aller übermäßig aufkommenden [Triebe] sowie das Nicht-Zurückhalten der natürlicherweise aufsteigenden [Körper]regungen; und das Meiden von Tollkühnheit — dies alles erkennen und lehren wir richtig als Ursache für dauerhafte Gesundheit.“
ataḥ paramagniveśa uvāca- evaṃ satyaniyatakālapramāṇāyuṣāṃ bhagavan! kathaṃ kālamṛtyurakālamṛtyurvābhavatīti
Darauf sprach Agniveśa: „Wenn dem so ist, Erhabener, wie kommt es dann bei denen, deren Lebensdauer nicht fest bestimmt ist, zu einem zeitgemäßen Tod (kālamṛtyu) oder zu einem vorzeitigen Tod (akālamṛtyu)?“
śrūyatāmagniveśa! yathā yānasamāyukto'kṣaḥ prakṛtyaivākṣaguṇairupetaḥ sa ca sarvaguṇopapanno vāhyamāno yathākālaṃ svapramāṇakṣayādevāvasānaṃ gacchet, tathā''yuḥ śarīropagataṃ balavatprakṛtyā yathāvadupacaryamāṇaṃ svapramāṇakṣayādevāvasānaṃ gacchati; sa mṛtyuḥ kāle| yathā ca sa evākṣo'tibhārādhiṣṭhitatvādviṣamapathādapathādakṣacakrabhaṅgādvāhyavāhakadoṣādaṇimokṣādanupāṅgāt paryasanāccāntarā'vasānamāpadyate, tathā''yurapyayathābalamārambhādayathāgnyabhyavaharaṇādviṣamābhyāvaharaṇādviṣamaśarīranyāsādatimaithunāsatsaṃśrayādudīrṇa- vegavinigrahādvidhāryavegāvidhāraṇādbhūtaviṣavāyvagnyupatāpādabhighātādāhārapratīkāravivarjanāccāntarā'vasānamāpadyate, sa mṛtyurakāle; tathā jvarādīnapyātaṅkānmithyopacaritānakālamṛtyūn paśyāma iti
„Höre, Agniveśa! So wie eine an einem Wagen befestigte Achse, die von Natur aus mit allen guten Eigenschaften einer Achse versehen ist und mit allen Vorzügen ausgestattet gefahren wird, allein durch den Verbrauch ihres eigenen Maßes zur rechten Zeit ihr Ende findet — ebenso gelangt auch die im Körper wohnende Lebenskraft, wenn sie von Natur aus kräftig ist und richtig gepflegt wird, allein durch den Verbrauch ihres eigenen Maßes zu ihrem Ende; das ist der zeitgemäße Tod. So wie aber dieselbe Achse, wenn sie zu schwer beladen ist, auf unebenem oder falschem Weg gefahren wird, durch Bruch von Achse oder Rad, durch Fehler des Fahrers oder Zugtiers, durch Herausrutschen des Achsnagels, durch fehlendes Zubehör oder durch Umkippen vorzeitig zu einem Ende kommt — ebenso gelangt auch die Lebenskraft durch unangemessene Anstrengung, durch dem eigenen Verdauungsfeuer nicht entsprechende Nahrungsaufnahme, durch ungeeignete Nahrungszufuhr, durch ungeeignete Körperhaltung, durch übermäßigen Geschlechtsverkehr, durch schlechten Umgang, durch Unterdrücken heftig aufsteigender Regungen, durch Nicht-Unterdrücken der zurückzuhaltenden Regungen, durch Einwirkung von Dämonen, Gift, Wind oder Hitze, durch Verletzung sowie durch Vernachlässigung von Nahrung und Gegenmitteln vorzeitig zu einem Ende; das ist der vorzeitige Tod. Ebenso sehen wir, dass auch Fieber und andere Krankheiten (ātaṅka), falsch behandelt, zu einem vorzeitigen Tod führen.“
athāgniveśaḥ papraccha- kinnu khalu bhagavan! jvaritebhyaḥ pānīyamuṣṇaṃ prayacchanti bhiṣajo bhūyiṣṭhaṃ na tathā śītam, asti ca śītasādhyo'pi dhāturjvarakara iti
Da fragte Agniveśa: „Nun aber, Erhabener, warum geben die Ärzte den Fieberkranken meistens warmes Wasser zu trinken und nicht ebenso kaltes, obwohl es doch auch einen fieberverursachenden Faktor (dhātu) gibt, der durch Kälte behandelt werden muss?“
tamuvāca bhagavānātreyaḥ- jvaritasya kāyasamutthānadeśakālānabhisamīkṣya pācanārthaṃ pānīyamuṣṇaṃ prayacchanti bhiṣajaḥ| jvaro hyāmāśayasamutthaḥ, prāyo bheṣajāni cāmāśayasamutthānāṃ vikārāṇāṃ pācanavamanāpatarpaṇasamarthāni bhavanti; pācanārthaṃ ca pānīyamuṣṇaṃ, tasmādetajjvaritebhyaḥ prayacchanti bhiṣajo bhūyiṣṭham| taddhi teṣāṃ pītaṃ vātamanulomayati, agniṃ codaryamudīrayati, kṣipraṃ jarāṃ gacchati, śleṣmāṇaṃ pariśoṣayati, svalpamapi ca pītaṃ tṛṣṇāpraśamanāyopakalpate; tathāyuktamapi caitannātyarthotsannapitte jvare sadāhabhramapralāpātisāre vā pradeyam, uṣṇena hi dāhabhramapralāpātisārā bhūyo'bhivardhante, śītena copaśāmyantīti
Darauf antwortete ihm der erhabene Ātreya: „Ohne Rücksicht auf den Entstehungsort im Körper sowie auf Ort und Zeit des Fieberkranken geben die Ärzte meist warmes Wasser, um die Verdauung [des unverdauten Āma] zu fördern. Fieber (jvara) entsteht nämlich zumeist im Āmāśaya [dem Sitz des unverdauten Āma], und die Heilmittel für die aus dem Āmāśaya entstehenden Krankheiten sind meist geeignet, das Āma zu verdauen, Erbrechen auszulösen oder maßvoll zu sättigen; und warmes Wasser dient der Verdauung [des Āma] — deshalb geben die Ärzte es den Fieberkranken meistens. Denn getrunken lenkt es bei ihnen den Vāta in seine natürliche Richtung, entfacht das Verdauungsfeuer im Bauch, verliert rasch seine [wasserartigen] Eigenschaften, trocknet den Schleim (kapha) aus, und selbst in geringer Menge getrunken dient es zur Linderung des Durstes. Doch auch dies, obwohl an sich angemessen, sollte man nicht geben, wenn beim Fieber das Pitta übermäßig angesammelt ist, verbunden mit Brennen, Schwindel, Delirium oder Durchfall; denn durch Wärme nehmen Brennen, Schwindel, Delirium und Durchfall noch zu, während sie durch Kälte zur Ruhe kommen.“
bhavati cātra- śītenoṣṇakṛtān rogāñchamayanti bhiṣagvidaḥ| ye tu śītakṛtā rogāsteṣāmuṣṇaṃ bhiṣagjitam
Und hierzu gilt: Krankheiten, die durch Hitze verursacht sind, lindern die kundigen Ärzte durch Kälte; Krankheiten aber, die durch Kälte verursacht sind, überwindet der Arzt durch Wärme.
evamitareṣāmapi vyādhīnāṃ nidānaviparītaṃ bheṣajaṃ bhavati; yathā- apatarpaṇanimittānāṃ vyādhīnāṃ nāntareṇa pūraṇamasti śāntiḥ, tathā pūraṇanimittānāṃ vyādhīnāṃ nāntareṇāpatarpaṇam
Ebenso gilt auch bei den übrigen Krankheiten: Das Heilmittel ist dem Entstehungsgrund (nidāna) entgegengesetzt. So wie es für Krankheiten, die durch Entleerung (apatarpaṇa) verursacht sind, keine Heilung ohne Auffüllung (pūraṇa) gibt, so gibt es auch für Krankheiten, die durch Überfüllung verursacht sind, keine Heilung ohne Entleerung.
apatarpaṇamapi ca trividhaṃ- laṅghanaṃ, laṅghanapācanaṃ, doṣāvasecanaṃ ceti
Die Entleerung (apatarpaṇa) ist wiederum dreifach: Fasten (laṅghana), Fasten mit Verdauungsförderung (laṅghanapācana) und Ausleitung der Doṣas (doṣāvasecana).
tatra laṅghanamalpabaladoṣāṇāṃ , laṅghanena hyagnimārutavṛddhyā vātātapaparītamivālpamudakamalpo doṣaḥ praśoṣamāpadyate; laṅghanapācane tu madhyabaladoṣāṇāṃ, laṅghanapācanābhyāṃ hi sūryasantāpamārutābhyāṃ pāṃśubhasmāvakiraṇairiva cānatibahūdakaṃ madhyabalo doṣaḥ praśoṣamāpadyate; bahudoṣāṇāṃ punardoṣāvasecanameva kāryaṃ, na hyabhinne kedārasetau palvalāpraseko'sti, tadvaddoṣāvasecanam
Dabei eignet sich das bloße Fasten für Krankheiten mit schwacher Doṣa-Stärke: Durch das Fasten nämlich, mit dem Anwachsen von Agni und Māruta, trocknet der geringe Doṣa aus wie wenig Wasser, das Wind und Sonne ausgesetzt ist. Fasten mit Verdauungsförderung eignet sich für mittelstarke Doṣas: Durch Fasten und Verdauungsförderung, gleichsam durch Sonnenhitze und Wind, trocknet der mittelstarke Doṣa aus wie nicht allzu viel Wasser, das mit Staub und Asche bestreut wird. Bei starken Doṣas hingegen ist allein die Ausleitung der Doṣas angebracht — denn wenn der Damm eines bewässerten Feldes nicht durchbrochen wird, kann kein Ablauf des angestauten Wassers erfolgen; ebenso verhält es sich mit der Ausleitung der Doṣas.
doṣāvasecanamanyadvā bheṣajaṃ prāptakālamapyāturasya naivaṃvidhasya kuryāt| tadyathā- anapavādapratīkārasyādhanasyāparicārakasya vaidyamāninaścaṇḍasyāsūyakasya tīvrādharmāruceratikṣīṇabalamāṃsaśoṇitasyāsādhyarogopahatasya mumūrṣuliṅgānvitasya ceti| evaṃvidhaṃ hyāturamupacaran bhiṣak pāpīyasā'yaśasā yogamṛcchatīti
Die Ausleitung der Doṣas oder ein anderes Heilmittel sollte man, selbst wenn der Zeitpunkt geeignet erscheint, bei einem Kranken folgender Art nicht anwenden: bei einem, der ohne [erprobte] Gegenmittel behandelt wird, bei einem Mittellosen, bei einem ohne Pflegepersonal, bei einem, der sich selbst für einen Arzt hält, bei einem Jähzornigen, bei einem Missgünstigen, bei einem, der die Behandlung heftig ablehnt, bei einem, dessen Kraft, Fleisch und Blut stark geschwunden sind, bei einem von einer unheilbaren Krankheit Befallenen sowie bei einem, der Zeichen des nahenden Todes zeigt. Denn wer einen solchen Kranken behandelt, dem Arzt widerfährt üble Nachrede und schlechter Ruf als Lohn.
bhavati cātra- tadātve cānubandhe vā yasya syādaśubhaṃ phalam| karmaṇastanna kartavyametadbuddhimatāṃ matam
Und hierzu gilt: Eine Handlung, deren Frucht — sei es unmittelbar oder in der Folge — unheilvoll wäre, sollte man nicht ausführen; das ist die Ansicht der Weisen.
(alpodakadrumo yastu pravātaḥ pracurātapaḥ| jñeyaḥ sa jāṅgalo deśaḥ svalparogatamo'pi ca
(Ein Gebiet mit wenig Wasser und wenig Bäumen, luftig und mit reichlich Sonne — dies erkenne man als Jāṅgala-Land, in dem auch die wenigsten Krankheiten auftreten;
pracurodakavṛkṣo yo nivāto durlabhātapaḥ| anūpo bahudoṣaśca, samaḥ sādhāraṇo mataḥ)
ein Gebiet mit reichlich Wasser und Bäumen, windgeschützt und mit spärlicher Sonne, gilt als sumpfiges Land (ānūpa) mit vielen Doṣas; ein Land dazwischen gilt als ausgeglichen (sādhāraṇa).)
tatra ślokāḥ- pūrvarūpāṇi sāmānyā hetavaḥ sasvalakṣaṇāḥ| deśoddhvaṃsasya bhaiṣajyaṃ hetūnāṃ mūlameva ca
Hierzu gibt es zusammenfassende Verse: die Vorzeichen (pūrvarūpa), die gemeinsamen Ursachen mit ihren besonderen Merkmalen, das Heilmittel gegen die Verwüstung des Landes sowie die Wurzel der Ursachen selbst;
prāgvikārasamutpattirāyuṣaśca kṣayakramaḥ| maraṇaṃ prati bhūtānāṃ kālākālaviniścayaḥ
die anfängliche Entstehung der Krankheit sowie der Verlauf der Abnahme der Lebensdauer; die Unterscheidung von zeitgemäßem und vorzeitigem Sterben der Lebewesen;
yathā cākālamaraṇaṃ yathāyuktaṃ ca bheṣajam| siddhiṃ yātyauṣadhaṃ yeṣāṃ na kuryādyena hetunā
wie der vorzeitige Tod entsteht und wie das angemessene Heilmittel anzuwenden ist; sowie der Grund, weshalb die Wirkung eines Heilmittels bei manchen nicht zur Vollendung gelangt —
tadātreyo'gniveśāya nikhilaṃ sarvamuktavān| deśoddhvaṃsanimittīye vimāne munisattamaḥ
all dies hat Ātreya, der Beste der Weisen, dem Agniveśa vollständig dargelegt, im Vimāna-Kapitel über die Ursachen der Landesverwüstung.