athātaḥ srotasāṃ vimānaṃ vyākhyāsyāmaḥ
Nun werden wir das Kapitel über die Erörterung (vimāna) der srotas – der Kanäle und Bahnen des Körpers – darlegen.
Caraka-Saṃhitā · Vimanasthana
Das fünfte Kapitel des Vimānasthāna widmet sich den srotas, den inneren „Kanälen“, über die im Körper Atem, Wasser, Nahrung, die Körpersäfte und -gewebe sowie die Ausscheidungen transportiert werden. Ātreya zählt dreizehn solcher Kanalsysteme auf, benennt für jedes seine anatomische „Wurzel“ – etwa Herz und Verdauungstrakt für die atemführenden, Leber und Milz für die blutführenden srotas – und beschreibt die charakteristischen Krankheitszeichen bei ihrer Störung. Medizinisch handelt es sich um ein frühes physiologisches Modell des Stofftransports im Körper, eng verknüpft mit der Lehre von den drei doṣas und in der späteren Tradition, etwa bei Suśruta, weiter ausgebaut. Der Sanskrit-Titel „Sroto-vimāna“, die „Erörterung der Kanäle“, verweist bereits auf den systematischen, klassifikatorischen Charakter des Textes, der an frühere Kapitel wie das Vividhāśitapītīya anschließt. Botanisch bleibt das Kapitel zurückhaltend; konkrete Heilpflanzen werden nicht genannt, stattdessen wird für die Behandlung auf andere Kapitel verwiesen.
| Srotas (Kanal) | Wurzel (mūla) | Hauptursachen und Kennzeichen der Störung |
|---|---|---|
| prāṇavaha | Herz und Mahāsrotas (Verdauungstrakt) | Ursachen: Erschöpfung, Unterdrückung von Bedürfnissen, Trockenheit, Überanstrengung, Hunger. Zeichen: übermäßig freies, gehemmtes, unregelmäßiges, geräuschvolles oder schmerzhaftes Atmen |
| udakavaha | Gaumen und Kloma | Ursachen: Hitze, āma, Angst, übermäßiges Trinken, trockene Speise, Durstunterdrückung. Zeichen: Austrocknung von Zunge, Gaumen, Lippen, Kehle; übermäßiger Durst |
| annavaha | Āmāśaya (oberer Magen) und linke Körperseite | Ursachen: übermäßiges Essen, Essen zur Unzeit, unzuträgliche Speise, Agni-Störung. Zeichen: Appetitlosigkeit, Geschmacksverlust, gestörte Verdauung, Erbrechen |
| rasavaha | Herz und die zehn Dhamanīs (Hauptgefäße) | Ursachen: Schweres, Kaltes, übermäßig Öliges, Grübeln über Sorgenvolles. Zeichen: wie bei den übrigen dhātu-Störungen (s. Vividhāśitapītīya) |
| raktavaha | Leber und Milz | Ursachen: brennend-reizende Speisen und Getränke, Sonnenhitze, Feuer. Zeichen: wie bei den dhātu-Störungen (s. Vividhāśitapītīya) |
| māṃsavaha | Sehnen (snāyu) und Haut | Ursachen: verstopfende, grobe, schwere Speisen; Schlaf am Tage. Zeichen: wie bei den dhātu-Störungen (s. Vividhāśitapītīya) |
| medovaha | Nieren und Netzfett (vapāvahana) | Ursachen: Bewegungsmangel, Tagesschlaf, fettmachende Speisen, Alkohol. Zeichen: wie bei den dhātu-Störungen (s. Vividhāśitapītīya) |
| asthivaha | Fettgewebe und Hüftgegend (jaghana) | Ursachen: Überanstrengung, Erschütterung, Knochenbelastung, vāta-erregende Speisen. Zeichen: wie bei den dhātu-Störungen (s. Vividhāśitapītīya) |
| majjāvaha | Knochen und Gelenke | Ursachen: Zerquetschung, übermäßige Verschleimung, Stoß, Druck, unverträgliche Speisen. Zeichen: wie bei den dhātu-Störungen (s. Vividhāśitapītīya) |
| śukravaha | Hoden und männliches Glied | Ursachen: Geschlechtsverkehr zur Unzeit, Samenrückhaltung, Exzess, Schneidewerkzeuge/Ätzmittel. Zeichen: wie bei den dhātu-Störungen (s. Vividhāśitapītīya) |
| mūtravaha | Harnblase (basti) und Leistengegend | Ursachen: Wasser/Speise/Verkehr unmittelbar nach dem Harnlassen, Harnrückhaltung, Erschöpfung, Verletzung. Zeichen: übermäßiges, gehemmtes, gestörtes oder schmerzhaftes Harnlassen |
| purīṣavaha | Pakvāśaya (unterer Darm) und Mastdarm | Ursachen: Unterdrücken des Stuhldrangs, übermäßiges Essen bei noch unverdauter Mahlzeit, schwaches agni. Zeichen: mühsame, geräuschvolle, schmerzhafte, zu flüssige, zu harte oder zu reichliche Stuhlentleerung |
| svedavaha | Fettgewebe und Haarfollikel | Ursachen: Überanstrengung, Überhitzung, abrupter Wechsel von Kälte und Hitze, Zorn, Kummer, Furcht. Zeichen: Schweißlosigkeit oder übermäßiges Schwitzen, raue oder zu glatte Haut, Brennen |
athātaḥ srotasāṃ vimānaṃ vyākhyāsyāmaḥ
Nun werden wir das Kapitel über die Erörterung (vimāna) der srotas – der Kanäle und Bahnen des Körpers – darlegen.
iti ha smāha bhagavānātreyaḥ
So sprach der erhabene Ātreya.
yāvantaḥ puruṣe mūrtimanto bhāvaviśeṣāstāvanta evāsmin srotasāṃ prakāraviśeṣāḥ| sarve hi bhāvā puruṣe nāntareṇa srotāṃsyabhinirvartante, kṣayaṃ vā'pyabhigacchanti| srotāṃsi khalu pariṇāmamāpadyamānānāṃ dhātūnāmabhivāhīni bhavantyayanārthena
So viele klar geformte, körperlich-materielle Erscheinungen es im Menschen gibt, ebenso viele besondere Arten von srotas gibt es in ihm. Denn keine dieser Erscheinungen im Menschen entsteht ohne srotas, noch geht sie ohne srotas zugrunde. Die srotas sind es nämlich, die die sich wandelnden dhātus (Körpergewebe) fortleiten, da sie deren Bahnen sind.
api caike srotasāmeva samudayaṃpuruṣamicchanti, sarvagatatvāt sarvasaratvācca doṣaprakopaṇapraśamanānām| na tvetadevaṃ, yasya hi srotāṃsi, yacca vahanti, yaccāvahanti,yatra cāvasthitāni, sarvaṃ tadanyattebhyaḥ
Manche behaupten sogar, der Mensch sei nichts anderes als die Gesamtheit der srotas, weil das, was die doṣas erregt oder besänftigt, überallhin gelangt und überallhin fließt. Doch so ist es nicht: Denn das, wessen srotas es sind, das, was sie transportieren, das, wohin sie es transportieren, und das, worin sie sich befinden – all dies ist etwas anderes als die srotas selbst.
atibahutvāt khalu kecidaparisaṅkhyeyānyācakṣate srotāṃsi, parisaṅkhyeyāni punaranye
Wegen ihrer überaus großen Zahl bezeichnen manche die srotas als unzählbar, andere hingegen als zählbar.
teṣāṃ tu khalu srotasāṃ yathāsthūlaṃ katicitprakārānmūlataśca prakopavijñānataścānuvyākhyāsyāmaḥ; ye bhaviṣyantyalamanuktārthajñānāya jñānavatāṃ, vijñānāya cājñānavatām
Von diesen srotas werden wir nun in groben Zügen einige Arten darlegen, samt ihrer Wurzel (mūla) und den Kennzeichen ihrer Erkrankung (prakopa) – Darlegungen, die den Kundigen genügen werden, um auch Unausgesprochenes zu verstehen, und die den Unkundigen zur grundlegenden Erkenntnis verhelfen werden.
tadyathā prāṇodakānnarasarudhiramāṃsamedosthimajjaśukramūtrapurīṣasvedavahānīti vātapittaśleṣmaṇāṃ punaḥ sarvaśarīracarāṇāṃ sarvāṇi srotāṃsyayanabhūtāni, tadvadatīndriyāṇāṃ punaḥ sattvādīnāṃ kevalaṃ cetanāvaccharīramayanabhūtamadhiṣṭhānabhūtaṃ ca| tadetat srotasāṃ prakṛtibhūtatvānna vikārairupasṛjyate śarīram
Das sind namentlich die srotas, die prāṇa (den Lebensatem), Wasser, Nahrung, rasa (den Körpersaft), rudhira (Blut), māṃsa (Muskelfleisch), medas (Fettgewebe), asthi (Knochen), majjā (Knochenmark), śukra (Samen), Harn, Kot und Schweiß transportieren. Für vāta, pitta und śleṣman (kapha), die den ganzen Körper durchwandern, sind dagegen sämtliche srotas die Bahnen. Für die übersinnlichen Kräfte wie das sattva (den Geist) wiederum ist allein der beseelte Körper als Ganzes zugleich Bahn und Sitz. Weil die srotas somit die natürliche Grundausstattung des Körpers bilden, entsteht dieser nicht erst durch krankhafte Veränderungen (vikāra), sondern besteht durch sie in seinem gesunden Bestand.
tatra prāṇavahānāṃ srotasāṃ hṛdayaṃ mūlaṃ mahāsrotaśca, praduṣṭānāṃ tu khalveṣāmidaṃ viśeṣavijñānaṃ bhavati;tadyathā- atisṛṣṭamatibaddhaṃ kupitamalpālpamabhīkṣṇaṃ vā saśabdaśūlamucchvasantaṃ dṛṣṭvā prāṇavahānyasya srotāṃsi praduṣṭānīti vidyāt| udakavahānāṃ srotasāṃ tālumūlaṃ kloma ca, praduṣṭānāṃ tu khalveṣāmidaṃ viśeṣavijñānaṃ bhavati; tadyathā- jihvātālvoṣṭhakaṇṭhaklomaśoṣaṃ pipāsāṃ cātipravṛddhāṃ dṛṣṭvodakavahānyasya srotāṃsi praduṣṭānīti vidyāt| annavahānāṃ srotasāmāmāśayo mūlaṃ vāmaṃ ca pārśvaṃ, praduṣṭānāṃ tu khalveṣāmidaṃ viśeṣavijñānaṃ bhavati;tadyathā- anannābhilaṣaṇamarocakavipākau chardiṃ ca dṛṣṭvā'nnavahānyasya srotāṃsi praduṣṭānīti vidyāt| rasavahānāṃ srotasāṃ hṛdayaṃ mūlaṃ daśa ca dhamanyaḥ| śoṇitavahānāṃ srotasāṃ yakṛnmūlaṃ plīhā ca| māṃsavahānāṃ ca srotasāṃ snāyurmūlaṃ tvak ca| medovahānāṃ srotasāṃ vṛkkau mūlaṃ vapāvahanaṃ ca| asthivahānāṃ srotasāṃ medo mūlaṃ jaghanaṃ ca| majjavahānāṃ srotasāmasthīni mūlaṃ sandhayaśca| śukravahānāṃ srotasāṃ vṛṣaṇau mūlaṃ śephaśca| praduṣṭānāṃ tu khalveṣāṃ rasādivahasrotasāṃ vijñānānyuktāni vividhāśitapītīye; yānyeva hi dhātūnāṃ pradoṣavijñānāni tānyeva yathāsvaṃ praduṣṭānāṃ dhātusrotasām| mūtravahānāṃ srotasāṃ bastirmūlaṃ vaṅkṣaṇau ca, praduṣṭānāṃ tu khalveṣāmidaṃ viśeṣavijñānaṃ bhavati; tadyathā- atisṛṣṭamatibaddhaṃ prakupitamalpālpamabhīkṣṇaṃ vā bahalaṃ saśūlaṃ mūtrayantaṃ dṛṣṭvā mūtravahānyasya srotāṃsi praduṣṭānīti vidyāt| purīṣavahānāṃ srotasāṃ pakvāśayo mūlaṃ sthūlagudaṃ ca, praduṣṭānāṃ tu khalveṣāmidaṃ viśeṣavijñānaṃ bhavati; tadyathā- kṛcchreṇālpālpaṃ saśabdaśūlamatidravamatigrathitamatibahu copaviśantaṃ dṛṣṭvā purīṣavahānyasya srotāṃsi praduṣṭānīti vidyāt| svedavahānāṃ srotasāṃ medo mūlaṃ lomakūpāśca, praduṣṭānāṃ tu khalveṣāmidaṃ viśeṣavijñānaṃ bhavati; tadyathā-asvedanamatisvedanaṃ pāruṣyamatiślakṣṇatāmaṅgasya paridāhaṃ lomaharṣaṃ ca dṛṣṭvā svedavahānyasya srotāṃsi praduṣṭānīti vidyāt
Bei den prāṇa-führenden srotas sind das Herz und der Mahāsrotas (der große Kanal, d. h. der Verdauungstrakt) die Wurzel. Sind sie gestört, so erkennt man dies im Besonderen daran: Sieht man jemanden übermäßig frei, übermäßig gehemmt, unregelmäßig, in kleinen häufigen Zügen, geräuschvoll oder mit Schmerz atmen, so wisse man, dass dessen prāṇa-führende srotas gestört sind. Bei den wasserführenden srotas sind die Wurzel des Gaumens und der Kloma (ein Organ im Brustraum) die Wurzel. Ihre Störung erkennt man daran: Sieht man Austrocknung von Zunge, Gaumen, Lippen, Kehle und Kloma sowie übermäßig gesteigerten Durst, so wisse man, dass die wasserführenden srotas gestört sind. Bei den nahrungführenden srotas sind der Āmāśaya (der obere, 'unreife' Magenabschnitt) und die linke Körperseite die Wurzel. Ihre Störung erkennt man daran: Sieht man Appetitlosigkeit, Geschmacksverlust, gestörte Verdauung und Erbrechen, so wisse man, dass die nahrungführenden srotas gestört sind. Bei den rasa-führenden srotas sind das Herz und die zehn Dhamanīs (die großen Gefäße) die Wurzel. Bei den blutführenden srotas sind Leber und Milz die Wurzel. Bei den fleischführenden srotas sind die Sehnen (snāyu) und die Haut die Wurzel. Bei den fettführenden srotas sind die Nieren und das Netzfett (vapāvahana) die Wurzel. Bei den knochenführenden srotas sind das Fettgewebe und die Hüftgegend (jaghana) die Wurzel. Bei den markführenden srotas sind die Knochen und die Gelenke die Wurzel. Bei den samenführenden srotas sind die Hoden und das männliche Glied die Wurzel. Die Kennzeichen der Störung dieser rasa- und der übrigen dhātu-führenden srotas wurden bereits im Kapitel Vividhāśitapītīya dargelegt; denn eben die Kennzeichen der Störung der dhātus selbst sind zugleich, je nach Zugehörigkeit, die Kennzeichen der Störung ihrer srotas. Bei den harnführenden srotas sind die Harnblase (basti) und die Leistengegend die Wurzel. Ihre Störung erkennt man daran: Sieht man jemanden übermäßig reichlich, übermäßig gehemmt, gestört, in kleinen häufigen Mengen, dickflüssig oder mit Schmerz Harn lassen, so wisse man, dass dessen harnführende srotas gestört sind. Bei den kotführenden srotas sind der Pakvāśaya (der 'reife' Darmabschnitt) und der Mastdarm die Wurzel. Ihre Störung erkennt man daran: Sieht man jemanden mit Mühe, in kleinen Mengen, geräuschvoll und mit Schmerz, übermäßig flüssig, übermäßig verhärtet oder übermäßig reichlich Stuhl entleeren, so wisse man, dass dessen kotführende srotas gestört sind. Bei den schweißführenden srotas sind das Fettgewebe und die Haarfollikel die Wurzel. Ihre Störung erkennt man daran: Sieht man Schweißlosigkeit oder übermäßiges Schwitzen, Rauheit oder übermäßige Glätte der Haut, Brennen des Körpers oder Sträuben der Körperhaare, so wisse man, dass die schweißführenden srotas gestört sind.
srotāṃsi, sirāḥ, dhamanyaḥ,rasāyanyaḥ, rasavāhinyaḥ, nāḍyaḥ, panthānaḥ,mārgāḥ, śarīracchidrāṇi, saṃvṛtāsaṃvṛtāni, sthānāni, āśayāḥ, niketāśceti śarīradhātvavakāśānāṃ lakṣyālakṣyāṇāṃ nāmāni bhavanti| teṣāṃ prakopāt sthānasthāścaiva mārgagāśca śarīradhātavaḥprakopamāpadyante, itareṣāṃ prakopāditarāṇi ca| srotāṃsi srotāṃsyeva, dhātavaśca dhātūneva pradūṣayanti praduṣṭāḥ| teṣāṃ sarveṣāmeva vātapittaśleṣmāṇaḥ praduṣṭā dūṣayitāro bhavanti, doṣasvabhāvāditi
Srotas, Sirās (Venen), Dhamanīs (Arterien), Rasāyanīs, Rasavāhinīs, Nāḍīs (Kanäle), Panthāns (Pfade), Mārgas (Wege), Śarīracchidrāṇi (Körperhohlräume), ob sichtbar oder verborgen, Sthānas (Stätten), Āśayas (Behälter) und Niketas (Wohnstätten) – dies sind die Bezeichnungen für die sichtbaren und unsichtbaren Räume der Körpergewebe. Durch ihre Störung geraten sowohl die an ihrem Ort verbleibenden als auch die in den Bahnen wandernden Körpergewebe in Erregung, und durch die Störung der einen geraten auch die anderen in Erregung. Gestörte srotas verderben srotas, und gestörte dhātus verderben dhātus. Von ihnen allen sind es letztlich die gestörten vāta, pitta und śleṣman (kapha), die verderben – denn dies liegt in der Natur der doṣas.
bhavanti cātra- kṣayāt sandhāraṇādraukṣyādvyāyāmāt kṣudhitasya ca| prāṇavāhīni duṣyanti srotāṃsyanyaiśca dāruṇaiḥ
Hierzu gibt es folgende Verse: Durch Erschöpfung, durch Unterdrückung natürlicher Bedürfnisse, durch Trockenheit, durch übermäßige Anstrengung und bei Hunger sowie durch andere schädliche Ursachen werden die prāṇa-führenden srotas gestört.
auṣṇyādāmādbhayāt pānādatiśuṣkānnasevanāt| ambuvāhīni duṣyanti tṛṣṇāyāścātipīḍanāt
Durch Hitze, durch āma (unverdaute Stoffwechselschlacke), durch Angst, durch übermäßiges Trinken, durch den Genuss allzu trockener Speise sowie durch übermäßige Unterdrückung des Durstes werden die wasserführenden srotas gestört.
atimātrasya cākāle cāhitasya ca bhojanāt| annavāhīni duṣyanti vaiguṇyāt pāvakasya ca
Durch übermäßiges Essen, durch Essen zur Unzeit und durch den Genuss unzuträglicher Speise sowie durch Störung des Verdauungsfeuers (agni) werden die nahrungführenden srotas gestört.
guruśītamatisnigdhamatimātraṃ samaśnatām| rasavāhīni duṣyanti cintyānāṃ cāticintanāt
Bei denen, die Schweres, Kaltes, übermäßig Öliges und im Übermaß zu sich nehmen, sowie bei übermäßigem Grübeln über Sorgenvolles werden die rasa-führenden srotas gestört.
vidāhīnyannapānāni snigdhoṣṇāni dravāṇi ca| raktavāhīni duṣyanti bhajatāṃ cātapānalau
Bei denen, die brennend-reizende Speisen und Getränke, ölige, heiße und flüssige Kost zu sich nehmen und sich dabei Sonnenhitze und Feuer aussetzen, werden die blutführenden srotas gestört.
abhiṣyandīni bhojyāni sthūlāni ca gurūṇi ca| māṃsavāhīni duṣyanti bhuktvā ca svapatāṃ divā
Bei denen, die verstopfende, grobe und schwere Speisen essen und danach am Tage schlafen, werden die fleischführenden srotas gestört.
avyāyāmāddivāsvapnānmedyānāṃ cātibhakṣaṇāt| medovāhīni duṣyanti vāruṇyāścātisevanāt
Durch Bewegungsmangel, durch Schlaf am Tage, durch übermäßigen Genuss fettmachender Speisen sowie durch übermäßigen Genuss von Alkohol (vāruṇī) werden die fettführenden srotas gestört.
vyāyāmādatisaṅkṣobhādasthnāmativighaṭṭanāt| asthivāhīni duṣyanti vātalānāṃ ca sevanāt
Durch übermäßige Anstrengung, durch übermäßige Erschütterung, durch übermäßige Belastung der Knochen sowie durch den Genuss vāta-erregender Speisen werden die knochenführenden srotas gestört.
utpeṣādatyabhiṣyandādabhighātāt prapīḍanāt| majjavāhīni duṣyanti viruddhānāṃ ca sevanāt
Durch Zerquetschung, durch übermäßige Verschleimung, durch Stoß und durch übermäßigen Druck sowie durch den Genuss einander widersprechender, unverträglicher Speisen werden die markführenden srotas gestört.
akālayonigamanānnigrahādatimaithunāt| śukravāhīni duṣyanti śastrakṣārāgnibhistathā
Durch Geschlechtsverkehr zur Unzeit, durch Zurückhalten des Samens und durch übermäßigen Geschlechtsverkehr sowie durch Schneidewerkzeuge, Ätzmittel und Kauterisation werden die samenführenden srotas gestört.
mūtritodakabhakṣyastrīsevanānmūtranigrahāt| mūtravāhīni duṣyanti kṣīṇasyābhikṣatasya ca
Durch den Genuss von Wasser, Speise oder einer Frau unmittelbar nach dem Harnlassen, durch Zurückhalten des Harns sowie bei Erschöpften und Verletzten werden die harnführenden srotas gestört.
sandhāraṇādatyaśanādajīrṇādhyaśanāttathā| varcovāhīni duṣyanti durbalāgneḥ kṛśasya ca
Durch Zurückhalten des Stuhldrangs, durch übermäßiges Essen, durch Essen bei noch unverdauter vorheriger Mahlzeit, ebenso bei Menschen mit schwachem Verdauungsfeuer und bei Abgemagerten werden die kotführenden srotas gestört.
vyāyāmādatisantāpācchītoṣṇākramasevanāt | svedavāhīni duṣyanti krodhaśokabhayaistathā
Durch übermäßige Anstrengung, durch übermäßige Erhitzung, durch den abrupten Wechsel von Kälte und Hitze sowie durch Zorn, Kummer und Furcht werden die schweißführenden srotas gestört.
āhāraśca vihāraśca yaḥ syāddoṣaguṇaiḥ samaḥ| dhātubhirviguṇaścāpi srotasāṃ sa pradūṣakaḥ
Ernährung und Lebensweise, die in ihren Eigenschaften den doṣas gleichen und den dhātus entgegengesetzt sind, verderben die srotas.
atipravṛttiḥ saṅgo vā sirāṇāṃ granthayo'pi vā| vimārgagamanaṃ cāpi srotasāṃ duṣṭilakṣaṇam
Übermäßiger Fluss, Verstopfung, Knotenbildung der Gefäße sowie das Abweichen des Inhalts auf falsche Bahnen sind Kennzeichen einer Störung der srotas.
svadhātusamavarṇāni vṛttasthūlānyaṇūni ca| srotāṃsi dīrghāṇyākṛtyā pratānasadṛśāni ca
Die srotas gleichen in der Farbe ihrem jeweiligen dhātu; sie sind rund, dick oder fein, der Form nach lang gestreckt und einem verzweigten Rankenwerk ähnlich.
prāṇodakānnavāhānāṃ duṣṭānāṃ śvāsikī kriyā| kāryā tṛṣṇopaśamanī tathaivāmapradoṣikī
Sind die prāṇa-, wasser- und nahrungführenden srotas gestört, so ist jeweils die Behandlung der Atemnot (śvāsa), die Behandlung des krankhaften Durstes und die Behandlung der āma-Störung durchzuführen.
vividhāśitapītīye rasādīnāṃ yadauṣadham| rasādisrotasāṃ kuryāttadyathāsvamupakramam
Was im Kapitel Vividhāśitapītīya als Heilmittel für rasa und die übrigen dhātus dargelegt wurde, das wende man jeweils entsprechend auch als Behandlung für die rasa- und die übrigen dhātu-führenden srotas an.
mūtraviṭsvedavāhānāṃ cikitsā mautrakṛcchrikī| tathā'tisārikī kāryā tathā jvaracikitsikī
Für die harn-, kot- und schweißführenden srotas ist die Behandlung, wie sie für Harnbeschwerden (mūtrakṛcchra), für Durchfall (atisāra) und für Fieber (jvara) gilt, entsprechend anzuwenden.
trayodaśānāṃ mūlāni srotasāṃ duṣṭilakṣaṇam| sāmānyaṃ nāmaparyāyāḥ kopanāni parasparam
Dargelegt wurden nun die Wurzeln der dreizehn srotas, die allgemeinen Kennzeichen ihrer Störung, ihre Namen und Synonyme sowie ihr gegenseitiges Bewirken von Erregung.
doṣahetuḥ pṛthaktvena bheṣajoddeśa eva ca| srotovimāne nirdiṣṭastathā cādau viniścayaḥ
Die Ursachen der Störung durch die doṣas im Einzelnen, ein Hinweis auf die entsprechenden Heilmittel sowie die grundsätzliche Erörterung eingangs – all dies wurde im Kapitel Srotovimāna dargelegt.
kevalaṃ viditaṃ yasya śarīraṃ sarvabhāvataḥ| śārīrāḥ sarvarogāśca sa karmasu na muhyati
Wer den Körper in all seinen Erscheinungsformen vollständig erkannt hat, ebenso alle körperlichen Krankheiten, der irrt in seinem ärztlichen Handeln nicht.