Quellen der Menschheit

Caraka-Saṃhitā · Vimanasthana

Adhyāya 8: Rogabhishagjitiya Vimana Die Ausbildung des Arztes

Das achte und letzte Kapitel des Vimānasthāna, „Rogabhiṣagjitīya“, wendet sich von der Krankheitslehre ab und der Ausbildung des Arztes zu: Es beschreibt die Wahl eines geeigneten Lehrers, das feierliche Initiationsritual mit Opferfeuer und Gelübde – Keuschheit, Wahrhaftigkeit, Verzicht auf Fleisch – sowie die Pflichten des Schülers im täglichen Studium. Ein zweiter, ungewöhnlich umfangreicher Teil widmet sich der Kunst des gelehrten Streitgesprächs (vāda): Der Text unterscheidet verständigende und kontroverse Debattenformen und führt ein vollständiges Begriffsinventar der Logik ein – Behauptung, Begründung, Beispiel, Schlussfolgerung sowie die aus der Vaiśeṣika-Philosophie stammenden Kategorien Substanz, Eigenschaft, Handlung, Allgemeinheit, Besonderheit und Inhärenz. Historisch-philologisch zählt dieser Abschnitt zu den frühesten zusammenhängenden Zeugnissen indischer Logik und Debattenkunde und zeigt die enge Verflechtung von Medizin, Nyāya-Vaiśeṣika-Philosophie und rhetorischer Bildung im klassischen Indien. Botanische Inhalte fehlen in diesem Kapitel praktisch vollständig.

BEGRIFFE DER DEBATTIERKUNST (VĀDA-TERMINOLOGIE) (Vers 27–65)
BegriffBedeutung
vāda (Disput)streitendes Sprechen, gestützt auf die Lehrschrift; zweifach: mit eigener These oder als bloßes Widerlegungsgespräch
pratijñā (Behauptung)Äußerung des erst noch zu Beweisenden, z. B. „Der Puruṣa ist ewig“
BegründungUntermauerung der Behauptung durch Grund, Beispiel, Anwendung und Schlussfolgerung
GegenbegründungBegründung des Gegenteils der gegnerischen Behauptung
hetu (Grund)Erkenntnisursache; besteht in Wahrnehmung, Schlussfolgerung, Tradition oder Vergleich
dṛṣṭānta (Beispiel)das, worin Törichte und Weise übereinstimmen und das den zu erklärenden Gegenstand veranschaulicht
ErwiderungBehauptung der Ungleichartigkeit eines als gleichartig dargelegten Grundes, oder umgekehrt
siddhānta (feststehender Lehrsatz)gesicherte Feststellung; vierfach: allgemeingültig, schulspezifisch, aus dem Gegenstand mitbewiesen, oder im Disput vorausgesetzt
śabda (Wort/Überlieferung)überlieferte Lautfolge; vierfach nach wahrnehmbarem/nicht wahrnehmbarem Gegenstand und nach wahr/unwahr
pratyakṣa (Wahrnehmung)das, was man durch Selbst und Sinnesorgane unmittelbar selbst erfasst
anumāna (Schlussfolgerung)auf Beweisführung gestütztes Erschließen
Tradition (aitihya)Belehrung durch außerweltliche, verlässliche Autoritäten, „angefangen mit dem Veda“
Vergleich (upamāna)Verdeutlichung einer Sache mittels ihrer Ähnlichkeit mit etwas anderem
saṃśaya (Zweifel)Unentschiedenheit bei Sachverhalten, die durch mehrdeutige Merkmale zweifelhaft bleiben
Zweck (prayojana)das, weswegen ein Unternehmen begonnen wird
das mit Ausnahmen Behafteteeine Aussage, die Abweichungen zulässt
Entscheidung (nirṇaya)die feste Gewissheit
Sinnerschließung (arthāpatti)Mitbeweis eines nicht ausgesprochenen Sachverhalts durch die Aussage eines anderen
Herkunft (sambhava)das Entstehen von etwas aus etwas anderem
Fragwürdigeseine Aussage mit Satzfehler oder eine zu allgemein gehaltene, noch klärungsbedürftige Aussage
Nicht-Fragwürdigeseine Aussage, die keiner weiteren Nachfrage bedarf
Einwand (praśna)eine Prüffrage unter Fachkundigen zur Prüfung von Wissen und Redefähigkeit
Gegeneinwandder Einwand gegen einen Einwand
Satzfehler (vākyadoṣa)unvollständig, überschüssig, bedeutungslos, unzusammenhängend oder widersprüchlich
Satzvortrefflichkeiteine fehlerfreie, sinnvolle, zusammenhängende und verständliche Aussage
chala (Trugschluss)ein täuschender Scheinbeweis; zweifach: Wort-Trugschluss und Allgemeinheits-Trugschluss
Scheingrundein Grund, der auf bloßer Fragestellung, auf Zweifel oder auf dem zu Erklärenden selbst beruht
verspätete Redeetwas, das an rechter Stelle hätte gesagt werden müssen, aber erst nach Verstreichen des Zeitpunkts geäußert wird
Tadeldas Aufzeigen eines Fehlers am Grund
Entgegnungdie Zurückweisung eines vorgebrachten Fehlers
Aufgeben der Behauptungdas Fallenlassen der zuvor aufgestellten eigenen These
Zugeständnisdas Einräumen dessen, was der eigenen Position genehm oder ungenehm ist
Grundverwechslungdas Anführen eines anderen, unzutreffenden Grundes anstelle des eigentlichen
Themenverfehlungdas Abschweifen vom eigentlich zu behandelnden Gegenstand
nigrahasthāna (Niederlagegrund)das Eintreten der Niederlage im Disput, z. B. durch Aufgeben der Behauptung, Scheingrund oder Themenverfehlung
Die sechs Kategorien Substanz, Eigenschaft, Handlung, Allgemeinheit, Besonderheit und Inhärenz wurden bereits im Śloka-sthāna erläutert (Vers 29).
DIE ACHT ARTEN DER SUBSTANZFÜLLE (SĀRA) (Vers 102–111)
Substanzfülle in…Körperliches KennzeichenVerheißt
Hautölig, glatt, weich, klar, fein behaart, glänzendWohlbefinden, Glück, Ansehen, Genussfähigkeit, Bildung, Gesundheit, langes Leben
BlutOhren, Augen, Mund, Zunge, Lippen, Hand- und Fußflächen ölig-rot und glänzendGeisteskraft, Bedachtsamkeit, mäßige Kraft, Empfindlichkeit gegenüber Hitze
MuskelfleischSchläfen, Stirn, Nacken, Hals, Schultern, Brust und Gelenke fest und kräftig bedecktGeduld, Standhaftigkeit, Reichtum, Gesundheit, Kraft, langes Leben
FettgewebeGlanz an Hautfarbe, Stimme, Augen, Haaren, Nägeln, ZähnenReichtum, Herrschaft, Genuss, Freigebigkeit, zartes Wesen
KnochenFersen, Sprunggelenke, Knie, Schlüsselbeine, Kinn und Gelenke kräftig; große, kräftige Knochen, Nägel und ZähneTatendrang, Strapazenfähigkeit, fester Körper, langes Leben
Knochenmarkweiche, kräftige Glieder, öliger Glanz, große lange runde GelenkeLanglebigkeit, Kraft, Gelehrsamkeit, Reichtum, Ansehen
Samenmilder Blick, milchgefüllte Augen, ölig-glänzende kräftige Zähne, kräftige HüftenKraft, Wohlbefinden, Herrschaft, Gesundheit, Reichtum, Nachkommen
Geistesverfassung (sattva)gutes Gedächtnis, Ergebenheit, Dankbarkeit, Klugheit, Tatendrang, Standhaftigkeit, MutUnerschütterlichkeit auch bei großem Schmerz
Wer alle acht Arten der Substanzfülle besitzt, gilt als überaus kraftvoll, strapazenfähig und langlebig (Vers 111). Zur Kraftbestimmung des Kranken dienen daneben Grundnatur, Störung, Körperbau, Körpermaß, Verträglichkeit, Nahrungs- und Anstrengungskraft sowie das Lebensalter (Vers 94–123).

athāto rogabhiṣagjitīyaṃ vimānaṃ vyākhyāsyāmaḥ

Nun werden wir das Kapitel (vimāna) „Rogabhiṣagjitīya“ – über die Bezwingung der Krankheit durch den Arzt – erklären.

iti ha smāha bhagavānātreyaḥ

So sprach der erhabene Ātreya.

buddhimānātmanaḥ kāryagurulāghavaṃ karmaphalamanubandhaṃ deśakālau ca viditvā yuktidarśanādbhiṣagbubhūṣuḥ śāstramevāditaḥ parīkṣeta| tadabhiprapadyeta śāstram| śāstraṃ hyevaṃvidhamamala ivādityastamo vidhūya prakāśayati sarvam

Wer klug ist und Arzt werden will, soll zunächst, in Erkenntnis der eigenen Aufgabe – was schwer und was leicht wiegt, was die Frucht des Handelns und dessen Folge ist, sowie Ort und Zeit – mit Blick auf die rechte Methode die Lehrschrift (śāstra) prüfen. Dieser Lehrschrift soll er sich dann zuwenden. Denn eine solche Lehrschrift erhellt, wie die makellose Sonne die Finsternis vertreibt, alles.

pratipattijñamanupaskṛtavidyamanahaṅkṛtamanasūyakamakopanaṃ kleśakṣamaṃ śiṣyavatsalamadhyāpakaṃ jñāpanasamarthaṃ ceti | sampādayati

Er suche sich einen Lehrer, der die richtige Auffassung kennt, dessen Wissen unverfälscht ist, der frei von Hochmut und Missgunst, nicht jähzornig, mühebereit, seinen Schülern zugetan und fähig ist, Wissen zu vermitteln – einen solchen erwerbe er sich.

tamupasṛtyārirādhayiṣurupacaredagnivacca devavacca rājavacca pitṛvacca bhartṛvaccāpramattaḥ| sauṣṭhave'rthasya vijñāne vacanaśaktau ca bhūyo bhūyaḥ prayateta samyak

Zu ihm trete er heran und diene ihm unermüdlich, so wie einer, der einen Feind versöhnlich stimmen will, diesem dient – wie dem Feuer, wie einer Gottheit, wie einem König, wie dem Vater, wie dem Gatten. Immer wieder soll er sich eifrig und in rechter Weise bemühen um Trefflichkeit im Erfassen des Sinns, im Verständnis und in der Fähigkeit der Rede.

adhyayanam, adhyāpanaṃ, tadvidyasambhāṣā cetyupāyāḥ

Studium, Lehren und das Fachgespräch mit Gleichgesinnten – das sind die Mittel dazu.

evaṃ madhyandine'parāhṇe rātrau ca śaśvadaparihāpayannadhyayanamabhyasyet| ityadhyayanavidhiḥ

So übe er, am Mittag, am Nachmittag und in der Nacht, das Studium beständig ein, ohne es je zu vernachlässigen. Dies ist die Regel für das Studium.

evaṅguṇasamuditamadhyāpyamāhuḥ

Wer mit solchen Eigenschaften ausgestattet ist, den nennt man lehrwürdig.

sumanāṃsi grathitāgrathitāni medhyān bhakṣyān gandhāṃśca ghṛṣṭānādāyopatiṣṭhasveti

„Bringe wohlriechende Blumen, gebundene wie ungebundene, reine Speisen und geriebene Duftstoffe mit dir und tritt heran!“ – so sprach er.

sa tathā kuryāt

So soll er es tun.

tatra pālāśībhiraiṅgudībhiraudumbarībhirmādhukībhirvā samidbhiragnimupasamādhāya prāṅmukhaḥ śuciradhyayanavidhimanuvidhāya madhusarpirbhyāṃ tristrirjuhuyādagnimāśīḥsamprayuktairmantrairbrahmāṇamagniṃ dhanvantariṃ prajāpatimaśvināvindramṛṣīṃśca sūtrakārānabhimantrayamāṇaḥ pūrvaṃ svāheti

Dort entzünde er mit Scheitern von Palāśa, Iṅgudī, Udumbara oder Madhūka das Feuer, wende sich, rein und nach den Regeln des Studiums verfahrend, nach Osten und opfere dreimal mit Honig und geklärter Butter ins Feuer, indem er mit Segenssprüchen verbundene Mantras rezitiert und dabei Brahman, Agni, Dhanvantari, Prajāpati, die beiden Aśvin, Indra sowie die Ṛṣis, die Verfasser der Sūtras, anruft – jeweils zuerst mit dem Wort „svāhā“.

śiṣyaścainamanvālabheta| hutvā ca pradakṣiṇamagnimanuparikrāmet| parikramya brāhmaṇān svasti vācayet;bhiṣajaścābhipūjayet

Der Schüler berühre ihn dabei. Nach der Opferung umschreite er das Feuer im Uhrzeigersinn. Nach der Umschreitung lasse er die Brahmanen Segenssprüche sprechen und erweise den Ärzten Ehrerbietung.

athainamagnisakāśe brāhmaṇasakāśe bhiṣaksakāśe cānuśiṣyāt-brahmacāriṇā śmaśrudhāriṇā satyavādinā'māṃsādena medhyasevinā nirmatsareṇāśastradhāriṇā ca bhavitavyaṃ,na ca te madvacanātkiñcidakāryaṃ syādanyatra rājadviṣṭātprāṇaharādvipulādadharmyādanarthasamprayuktādvā'pyarthāt; madarpaṇena matpradhānena madadhīnena matpriyahitānuvartinā ca śaśvadbhavitavyaṃ, putravaddāsavadarthivaccopacaratā'nuvastavyo'ham, anutsekenāvahitenānanyamanasā vinītenāvekṣyāvekṣyakāriṇā'nasūyakena cābhyanujñātena pravicaritavyam, anujñātena(cānanujñātena ca)pravicaratā pūrvaṃ gurvarthopāharaṇe yathāśakti prayatitavyaṃ,karmasiddhimarthasiddhaṃ yaśolābhaṃ pretya ca svargamicchatā bhiṣajā tvayā gobrāhmaṇamādau kṛtvā sarvaprāṇabhṛtāṃ śarmāśāsitavyamaharaharuttiṣṭhatā copaviśatā ca,sarvātmanā cāturāṇāmārogyāya prayatitavyaṃ, jīvitahetorapi cāturebhyo nābhidrogdhavyaṃ, manasā'pi ca parastriyo nābhigamanīyāstathā sarvamevaparasvaṃ,nibhṛtaveśaparicchadena bhavitavyam, aśauṇḍenāpāpenāpāpasahāyena ca, ślakṣṇaśukladharmyaśarmyadhanyasatyahitamitavacasā deśakālavicāriṇā smṛtimatā jñānotthānopakaraṇasampatsu nityaṃ yatnavatā ca; na ca kadācidrājadviṣṭānāṃ rājadveṣiṇāṃ vā mahājanadviṣṭānāṃ mahājanadveṣiṇāṃ vā'pyauṣadhamanuvidhātavyaṃ,tathā sarveṣāmatyarthavikṛtaduṣṭaduḥkhaśīlācāropacārāṇāmanapavādapratikārāṇāṃ mumūrṣūṇāṃ ca,tathaivāsannihiteśvarāṇāṃ strīṇāmanadhyakṣāṇāṃ vā;na ca kadācitstrīdattamāmiṣamādātavyamananujñātaṃ bhartrā'thavā'dhyakṣeṇa,āturakulaṃ cānupraviśatā viditenānumatapraveśinā sārdhaṃ puruṣeṇa susaṃvītenāvākśirasā smṛtimatāstimitenāvekṣyāvekṣya manasā sarvamācaratā samyaganupraveṣṭavyam,anupraviśya ca vāṅmanobuddhīndriyāṇi na kvacit praṇidhātavyānyanyatrāturādāturopakārārthādāturagateṣvanyeṣu vā bhāveṣu,na cāturakulapravṛttayo bahirniścārayitavyāḥ, hrasitaṃ cāyuṣaḥ pramāṇamāturasya jānatā'pi tvayā na varṇayitavyaṃ tatra yatrocyamānamāturasyānyasya vā'pyupaghātāya sampadyate;jñānavatā'pi ca nātyarthamātmano jñāne vikatthitavyam,āptādapi hi vikatthamānādatyarthamudvijantyaneke

Dann belehre er ihn im Angesicht des Feuers, im Angesicht der Brahmanen und im Angesicht der Ärzte: Du sollst keusch leben, einen Bart tragen, die Wahrheit sprechen, kein Fleisch essen, reine Speisen zu dir nehmen, frei von Missgunst sein und keine Waffe tragen. Nichts, was mir zuwiderläuft, sollst du auf meine Anweisung hin tun – außer wenn es dem König verhasst, lebensgefährlich, äußerst unrecht oder mit Schaden verbunden wäre. Du sollst dich mir stets ganz hingeben, mich als deinen Ersten betrachten, mir untergeben und mir zu Gefallen und Nutzen handeln sein; wie ein Sohn, wie ein Diener, wie ein Bittender sollst du mir dienen und mir gehorchen. Ohne Hochmut, aufmerksam, mit ungeteiltem Geist, gehorsam, stets prüfend handelnd und ohne Missgunst sollst du, mit meiner Erlaubnis – im Notfall auch ohne sie –, deinen Weg gehen; dabei sollst du zuvor nach Kräften bestrebt sein, dem Lehrer das Nötige zu verschaffen. Wenn du als Arzt den Erfolg deines Tuns, den Erfolg im Erwerb, den Gewinn an Ruhm und nach dem Tode den Himmel erlangen willst, sollst du Tag für Tag, im Aufstehen wie im Niedersitzen, zunächst für Kuh und Brahmane, sodann mit deinem ganzen Wesen für das Wohlergehen aller Lebewesen sorgen und um die Gesundheit der Kranken bemüht sein; selbst um deines Lebens willen sollst du keinem Kranken Schaden zufügen. Nicht einmal in Gedanken sollst du dich fremden Frauen nähern, und ebenso wenig fremdem Eigentum überhaupt. Du sollst schlicht in Kleidung und Aufmachung sein, nicht trunksüchtig, nicht sündhaft und ohne sündhafte Gefährten; von sanfter, reiner, rechtschaffener, wohltuender, ehrenhafter, wahrer, nützlicher und maßvoller Rede, Ort und Zeit bedenkend, gedächtnisstark und stets um die Mittel zur Mehrung von Wissen und Tatkraft bemüht sollst du sein. Niemals sollst du solchen, die dem König verhasst sind oder ihn hassen, oder die der Allgemeinheit verhasst sind oder sie hassen, eine Arznei verabreichen; ebenso wenig allen, die durch übermäßig entstellte, verdorbene, leidvolle Wesensart und Lebensführung auffallen, deren Fehler nicht wiedergutzumachen sind, und den Sterbenden. Ebenso wenig Frauen, die unbeaufsichtigt oder ohne einen anwesenden Herrn sind. Niemals sollst du von einer Frau dargebotenes Fleisch annehmen, wenn es nicht vom Gatten oder vom Aufseher gebilligt ist. Wenn du das Haus eines Kranken betrittst, sollst du dies nur in Begleitung eines bekannten, zutrittsbefugten Mannes tun, mit gesittetem Auftreten, gesenktem Blick, wachem Gedächtnis, gefasst, mit prüfendem Blick und in allem Handeln bedacht. Nach dem Eintreten sollst du Rede, Denken und Sinne auf nichts anderes richten als auf den Kranken, auf das, was dem Kranken zum Nutzen dient, oder auf das, was mit seinem Zustand zusammenhängt. Was im Haus des Kranken vorgeht, sollst du nicht nach außen tragen. Selbst wenn du erkennst, dass dem Kranken nur eine verkürzte Lebensspanne bleibt, sollst du dies nicht aussprechen, wo es dem Kranken oder einem anderen schaden könnte; und selbst wenn du kundig bist, sollst du dich nicht übermäßig mit deinem Wissen brüsten – denn selbst vor einem verlässlichen Menschen schreckt mancher zurück, wenn er sich allzu sehr rühmt.

nacaivahyastisutaramāyurvedasyapāraṃ, tasmādapramattaḥśaśvadabhiyogamasmingacchet, etaccakāryam, evambhūyaścavṛttasauṣṭhavamanasūyatāparebhyo'pyāgamayitavyaṃ, kṛtsnohilokobuddhimatāmācāryaḥśatruścābuddhimatām, ataścābhisamīkṣyabuddhimatā'mitrasyāpidhanyaṃyaśasyamāyuṣyaṃpauṣṭikaṃlaukyamabhyupadiśatovacaḥśrotavyamanuvidhātavyaṃceti| ataḥparamidaṃbrūyāt- devatāgnidvijaguruvṛddhasiddhācāryeṣutenityaṃsamyagvartitavyaṃ, teṣutesamyagvartamānasyāyamagniḥsarvagandharasaratnabījāniyatheritāścadevatāḥśivāyasyuḥ, ato'nyathāvartamānasyāśivāyeti| evaṃbruvaticācāryeśiṣyaḥ‘tathā’itibrūyāt| yathopadeśaṃ cakurvannadhyāpyaḥ, ato'nyathātvanadhyāpyaḥ| adhyāpyamadhyāpayanhyācāryoyathoktaiścādhyāpanaphalairyogamāpnotyanyaiścānuktaiḥ śreyaskarairguṇaiḥśiṣyamātmānaṃcayunakti| ityadhyāpanavidhiruktaḥ

Denn es gibt für das Ausmessen des Āyurveda kein Ende, das man je erreichen könnte. Darum sollst du dich unermüdlich und beständig um ihn bemühen – das ist deine Aufgabe. Ebenso sollst du auch von anderen, ohne Missgunst, die Vollkommenheit des Verhaltens annehmen; denn dem Klugen ist die ganze Welt Lehrer, dem Unklugen dagegen Feind. Darum soll der Kluge, dies wohl bedenkend, selbst von einem Unfreundlichen eine Rede anhören und befolgen, wenn sie Wohlstand, Ruhm, langes Leben, Kräftigung und weltlichen Nutzen lehrt. Danach spreche er weiter: Den Göttern, dem Feuer, den Zweifachgeborenen, dem Lehrer, den Alten und den Vollendeten sollst du stets in rechter Weise begegnen. Wer ihnen in rechter Weise begegnet, dem werden dieses Feuer, alle Düfte, Säfte, Edelsteine und Samen sowie die genannten Gottheiten wohlgesonnen sein; wer sich anders verhält, dem werden sie ungünstig sein. Wenn der Lehrer so spricht, soll der Schüler „So sei es“ sagen. Wer der Unterweisung gemäß handelt, ist lehrwürdig; wer anders handelt, ist es nicht. Denn indem der Lehrer den Lehrwürdigen unterrichtet, gewinnt er sowohl die genannten Früchte der Lehrtätigkeit als auch andere, nicht genannte heilsame Vorzüge, und verbindet so den Schüler wie sich selbst mit dem Guten. So ist die Regel für das Lehren dargelegt.

sambhāṣāvidhimataūrdhvaṃvyākhyāsyāmaḥ- bhiṣakbhiṣajāsahasambhāṣeta| tadvidyasambhāṣāhijñānābhiyogasaṃharṣakarībhavati, vaiśāradyamapicābhinirvartayati, vacanaśaktimapicādhatte, yaśaścābhidīpayati, pūrvaśrutecasandehavataḥpunaḥśravaṇācchrutasaṃśayamapakarṣati, śrutecāsandehavatobhūyo'dhyavasāyamabhinirvartayati, aśrutamapicakañcidarthaṃśrotraviṣayamāpādayati, yaccācāryaḥśiṣyāyaśuśrūṣaveprasannaḥkrameṇopadiśatiguhyābhimatamarthajātaṃtatparaspareṇasahajalpanpiṇḍenavijigīṣurāhasaṃharṣāt, tasmāttadvidyasambhāṣāmabhipraśaṃsantikuśalāḥ

Nun werden wir die Regel des Fachgesprächs darlegen: Ein Arzt spreche mit einem anderen Arzt. Denn das Gespräch mit Fachgenossen weckt Freude an der Beschäftigung mit dem Wissen, es bringt Gewandtheit hervor, verleiht Redegewandtheit und lässt den Ruhm erstrahlen. Wer über bereits Gehörtes im Zweifel ist, dem nimmt das erneute Anhören den Zweifel; wer über Gehörtes nicht im Zweifel ist, dem bringt es weitere Gewissheit; und manchen noch nie gehörten Gegenstand macht es überhaupt erst zugänglich für das Ohr. Auch das, was der Lehrer seinem gehorsamen, wohlwollend gesonnenen Schüler nach und nach als geheim gehütetes, geschätztes Wissensgut mitteilt, trägt einer im gegenseitigen Gespräch aus freudigem Wetteifer heraus geballt vor. Darum preisen die Kundigen das Fachgespräch.

dvividhātukhalutadvidyasambhāṣābhavati- sandhāyasambhāṣā, vigṛhyasambhāṣāca

Das Fachgespräch aber ist zweifacher Art: das verständigende, einvernehmliche Gespräch und das streitende Gespräch.

tatrajñānavijñānavacanaprativacanaśaktisampannenākopanenānupaskṛtavidyenānasūyakenānuneyenānunayakovidenakleśakṣameṇapriyasambhāṣaṇenacasahasandhāyasambhāṣāvidhīyate| tathāvidhenasahakathayanvisrabdhaḥkathayet, pṛcchedapicavisrabdhaḥ, pṛcchatecāsmaivisrabdhāyaviśadamarthaṃbrūyāt, nacanigrahabhayādudvijeta, nigṛhyacainaṃnahṛṣyet, nacapareṣuvikattheta, nacamohādekāntagrāhīsyāt, nacāviditamarthamanuvarṇayet, samyakcānunayenānunayet, tatracāvahitaḥsyāt| ityanulomasambhāṣāvidhiḥ

Das verständigende Gespräch führt man mit einem, der Wissen, Erkenntnis, Redefähigkeit und Erwiderungsfähigkeit besitzt, der nicht jähzornig, dessen Wissen unverfälscht ist, der frei von Missgunst, zugänglich für Überredung und selbst kundig im Überreden ist, mühebereit und von freundlicher Gesprächsweise. Mit einem solchen spreche er zuversichtlich, frage auch zuversichtlich, und dem zuversichtlich Fragenden erkläre er die Sache klar. Er soll nicht aus Furcht vor Widerlegung erschrecken, und wenn er selbst einen anderen widerlegt hat, soll er nicht triumphieren; er soll vor anderen nicht prahlen, nicht aus Verblendung stur auf einer einzigen Ansicht beharren, nichts Unbekanntes als bekannt darstellen, in rechter Weise mit Freundlichkeit überreden und dabei stets aufmerksam bleiben. Dies ist die Regel für das einvernehmliche Gespräch.

ataūrdhvamitareṇasahavigṛhyasambhāṣāyāṃjalpecchreyasāyogamātmanaḥpaśyan| prāgevacajalpājjalpāntaraṃparāvarāntaraṃpariṣadviśeṣāṃścasamyakparīkṣeta| samyakparīkṣāhibuddhimatāṃkāryapravṛttinivṛttikālauśaṃsati, tasmātparīkṣāmabhipraśaṃsantikuśalāḥ| parīkṣamāṇastukhaluparāvarāntaramimānjalpakaguṇāñśreyaskarāndoṣavataścaparīkṣetasamyak; tadyathā- śrutaṃvijñānaṃdhāraṇaṃpratibhānaṃvacanaśaktiriti, etānguṇānśreyaskarānāhuḥ; imānpunardoṣavataḥ, tadyathā- kopanatvamavaiśāradyaṃbhīrutvamadhāraṇatvamanavahitatvamiti| etānguṇāngurulāghavataḥparasyacaivātmanaścatulayet

Danach, im streitenden Gespräch mit einem anderen, dispute er nur, wenn er darin einen Nutzen für sich sieht. Noch vor dem Disputieren soll er den Unterschied zwischen den Disputanten, das Verhältnis von Überlegenem und Unterlegenem sowie die Beschaffenheit der Zuhörerschaft genau prüfen. Denn eine genaue Prüfung zeigt den Klugen den rechten Zeitpunkt, eine Sache zu beginnen oder von ihr abzulassen; darum preisen die Kundigen die Prüfung. Bei der Prüfung soll er den Unterschied zwischen Überlegenem und Unterlegenem genau ermitteln, indem er die vorteilhaften Eigenschaften eines Disputanten von den fehlerhaften unterscheidet. Als vorteilhaft gelten: Gelehrsamkeit, Verständnis, Gedächtnis, Geistesgegenwart und Redefähigkeit. Als Mängel dagegen: Jähzorn, mangelnde Gewandtheit, Furchtsamkeit, mangelndes Gedächtnis und Unaufmerksamkeit. Diese Eigenschaften soll er, nach ihrem Gewicht abwägend, sowohl beim Gegner als auch bei sich selbst vergleichen.

tatratrividhaḥparaḥsampadyate- pravaraḥ, pratyavaraḥ, samovā, guṇavinikṣepataḥ; natvevakārtsnyena

Dabei erweist sich der Gegner, je nach der Verteilung dieser Eigenschaften, als dreifach: überlegen, unterlegen oder gleich – jedoch nicht durchweg in jeder Hinsicht zugleich, sondern je nach Einzelmerkmal.

pariṣattukhaludvividhā- jñānavatī, mūḍhapariṣacca| saivadvividhāsatītrividhāpunaranenakāraṇavibhāgena- suhṛtpariṣat, udāsīnapariṣat, pratiniviṣṭapariṣacceti | tatrapratiniviṣṭāyāṃpariṣadijñānavijñānavacanaprativacanaśaktisampannāyāṃmūḍhāyāṃvānakathaṃcitkenacitsahajalpovidhīyate; mūḍhāyāṃtusuhṛtpariṣadyudāsīnāyāṃvājñānavijñānavacanaprativacanaśaktīrantareṇāpyadīptayaśasā mahājanavidviṣṭenāpisahajalpovidhīyate| tadvidhenacasahakathayatāāviddhadīrghasūtrasaṅkulairvākyadaṇḍakaiḥkathayitavyam, atihṛṣṭaṃmuhurmuhurupahasatāparaṃnirūpayatācaparṣadamākārairbruvataścāsyavākyāvakāśonadeyaḥ; kaṣṭaśabdaṃcabruvatāvaktavyonocyate, athavāpunarhīnātepratijñā, iti| punaścāhū(hva)yamānaḥprativaktavyaḥ- parisaṃvatsarobhavānśikṣasvatāvat; natvayāgururupāsitonūnam, athavāparyāptametāvatte; sakṛdapihiparikṣepikaṃnihataṃnihatamāhuritināsyayogaḥkartavyaḥkathañcit| apyevaṃśreyasāsahavigṛhyavaktavyamityāhureke; natvevaṃjyāyasāsahavigrahaṃpraśaṃsantikuśalāḥ

Die Zuhörerschaft aber ist zweifacher Art: kundig oder unwissend. Diese wiederum ist, nach einer weiteren Einteilung nach der Ursache, dreifach: die freundlich gesinnte Zuhörerschaft, die gleichgültige Zuhörerschaft und die voreingenommene Zuhörerschaft. Vor einer voreingenommenen Zuhörerschaft – sei sie mit Wissen, Verständnis und Redefähigkeit ausgestattet oder unwissend – soll man mit niemandem in irgendeiner Weise disputieren. Vor einer unwissenden, aber freundlich gesinnten oder gleichgültigen Zuhörerschaft dagegen darf man auch mit einem disputieren, dem es an Wissen, Verständnis und Redefähigkeit fehlt und dessen Ruhm nicht erstrahlt, ja selbst mit einem, der bei den Angesehenen verhasst ist. Mit einem solchen unterlegenen Gegner soll man in verworrenen, endlosen, mit langen Sätzen überladenen Redeketten sprechen; man soll übertrieben erfreut immer wieder auflachen, den Gegner vor der Zuhörerschaft bloßstellen, und wenn er durch Mienenspiel etwas andeuten will, soll man ihm keinen Raum für seine Worte lassen. Klagt er über die Härte, so erwidere man ihm nicht, oder man sage: „Dann eben ist deine Behauptung schon geschlagen.“ Ruft er einen erneut zur Rede, so antworte man: „Ein ganzes Jahr sollst du erst noch lernen – du hast wohl noch keinem rechten Lehrer gedient“, oder: „Genug damit für dich.“ Denn man sagt: Ist einer auch nur einmal in einem Wortgefecht geschlagen, so gilt er als geschlagen – darum soll man sich mit ihm auf keinen Fall noch einmal einlassen. Manche sagen zwar, man dürfe auch mit einem Höherstehenden auf diese Weise streitend disputieren; doch die Kundigen loben ein solches Streitgespräch mit einem Überlegenen nicht.

pratyavareṇatusahasamānābhimatenavāvigṛhyajalpatāsuhṛtpariṣadikathayitavyam,athavā'pyudāsīnapariṣadyavadhānaśravaṇajñānavijñānopadhāraṇavacanaprativacanaśaktisampannāyāṃkathayatācāvahitenaparasyasādguṇyadoṣabalamavekṣitavyaṃ, samavekṣyacayatrainaṃśreṣṭhaṃmanyetanāsyatatrajalpaṃyojayedanāviṣkṛtamayogaṃkurvan; yatratvenamavaraṃmanyetatatraivainamāśunigṛhṇīyāt| tatrakhalvimepratyavarāṇāmāśunigrahebhavantyupāyāḥ; tadyathā- śrutahīnaṃmahatāsūtrapāṭhenābhibhavet, vijñānahīnaṃpunaḥkaṣṭaśabdenavākyena, vākyadhāraṇāhīnamāviddhadīrghasūtrasaṅkulairvākyadaṇḍakaiḥ, pratibhāhīnaṃpunarvacanenaikavidhenānekārthavācinā , vacanaśaktihīnamardhoktasyavākyasyākṣepeṇaaviśāradamapatrapaṇena, kopanamāyāsanena, bhīruṃvitrāsanena, anavahitaṃniyamaneneti| evametairupāyaiḥparamavaramabhibhavecchīghram

Mit einem Unterlegenen oder einem Gleichrangigen dagegen darf man, wenn man streitend disputiert, vor freundlich gesinnter Zuhörerschaft ins Gespräch treten, ebenso vor einer gleichgültigen Zuhörerschaft, die mit Aufmerksamkeit, Hörvermögen, Wissen, Verständnis, Urteilskraft sowie Rede- und Erwiderungsfähigkeit ausgestattet ist. Dabei achte er sorgsam auf Vorzüge, Mängel und Stärke des Gegners; erkennt er ihn dabei als überlegen, so soll er das Gespräch nicht auf einen Streit hinlenken, sondern die Sache unauffällig fallen lassen; erkennt er ihn dagegen als unterlegen, so soll er ihn eben dort rasch besiegen. Für die rasche Bezwingung eines Unterlegenen gibt es folgende Mittel: Wer wenig gelernt hat, den überwältige man mit umfangreichem Zitieren von Lehrsätzen; wem es an Verständnis fehlt, den mit einer schwer verständlichen Formulierung; wem es an Merkfähigkeit für Sätze fehlt, den mit verworrenen, endlosen, überladenen Redeketten; wem es an Geistesgegenwart fehlt, den mit einem Ausdruck, der bei gleicher Form mehrere Bedeutungen trägt; wem es an Redefähigkeit fehlt, den überführe man, indem man seine halbfertigen Sätze aufgreift; den Ungewandten beschäme man; den Jähzornigen errege man; den Furchtsamen erschrecke man; den Unaufmerksamen halte man in Zaum. So besiege man mit diesen Mitteln rasch den unterlegenen Gegner.

tatraślokau- vigṛhyakathayedyuktyāyuktaṃcananivārayet| vigṛhyabhāṣātīvraṃhikeṣāñciddrohamāvahet

Dazu gibt es zwei Verse: Man dispute mit Umsicht, und man verwehre nicht, was der Sache angemessen ist. Denn ein streitendes Reden kann bei manchen heftige Feindschaft hervorrufen.

nākāryamastikruddhasyanāvācyamapividyate| kuśalānābhinandantikalahaṃsamitausatām

„Für den Zornigen gibt es nichts, was er nicht täte, und nichts, was er nicht sagte. Die Kundigen freuen sich darum nicht am Streit in der Versammlung der Rechtschaffenen.“

evaṃpravṛttevādekuryāt

So verhalte er sich, wenn ein Disput im Gange ist.

prāgevatāvadidaṃkartuṃyateta- sandhāyaparṣadā'yanabhūtamātmanaḥprakaraṇamādeśayitavyaṃ, yadvāparasyabhṛśadurgaṃsyāt, pakṣamathavāparasyabhṛśaṃvimukhamānayet; pariṣadicopasaṃhitāyāmaśakyamasmābhirvaktum, eṣaivatepariṣadyatheṣṭaṃyathāyogaṃyathābhiprāyaṃvādaṃvādamaryādāṃcasthāpayiṣyatītyuktvātūṣṇīmāsīta

Zunächst schon soll er sich um Folgendes bemühen: Er soll, im Einvernehmen mit der Zuhörerschaft, ein für ihn selbst günstiges Streitthema vorschlagen, oder eines, das für den Gegner sehr schwierig ist, bzw. eine Position wählen, die den Gegner stark in Bedrängnis bringt. Ist die Zuhörerschaft aber bereits versammelt und das Thema festgelegt, so lässt sich dies nicht mehr sagen; dann spreche er nur: „Diese Versammlung selbst wird, wie es ihr beliebt, wie es angemessen und ihrer Absicht gemäß ist, den Disput und die Regeln des Disputs festlegen“ – und schweige dann still.

tatredaṃvādamaryādālakṣaṇaṃbhavati- idaṃvācyam, idamavācyam, evaṃparājitobhavatīti

Dies sind dann die Kennzeichen für die Regeln des Disputs: Dies darf gesagt werden, dies nicht; auf diese Weise gilt einer als besiegt – so wird es festgelegt.

imānitukhalupadānibhiṣagvādamārgajñānārthamadhigamyānibhavanti; tadyathā- vādaḥ, dravyaṃ, guṇāḥ, karma, sāmānyaṃ, viśeṣaḥ, samavāyaḥ, pratijñā,sthāpanā, pratiṣṭhāpanā, hetuḥ, dṛṣṭāntaḥ, upanayaḥ, nigamanam, uttaraṃ, siddhāntaḥ, śabdaḥ, pratyakṣam, anumānam, aitihyam, aupamyaṃ, saṃśayaḥ, prayojanaṃ, savyabhicāraṃ, jijñāsā, vyavasāyaḥ, arthaprāptiḥ, sambhavaḥ, anuyojyam, ananuyojyam, anuyogaḥ, pratyanuyogaḥ, vākyadoṣaḥ, vākyapraśaṃsā, chalam, ahetuḥ, atītakālam, upālambhaḥ, parihāraḥ, pratijñāhāniḥ, abhyanujñā, hetvantaram, arthāntaraṃ, nigrahasthānamiti

Folgende Begriffe muss der Arzt sich aneignen, um die Kunst des Disputierens zu verstehen: Disput, Substanz, Eigenschaft, Handlung, Allgemeinheit, Besonderheit, Inhärenz, Behauptung, Begründung, Gegenbegründung, Grund, Beispiel, Anwendung, Schlussfolgerung, Erwiderung, feststehender Lehrsatz, Wort/Überlieferung, Wahrnehmung, Schlussfolgerung (als Erkenntnismittel), Tradition, Vergleich, Zweifel, Zweck, das mit Ausnahmen Behaftete, Erkenntnisstreben, Entscheidung, Sinnerschließung, Herkunft, Fragwürdiges, Nicht-Fragwürdiges, Einwand, Gegeneinwand, Satzfehler, Satzvortrefflichkeit, Trugschluss, Scheingrund, verspätete Rede, Tadel, Entgegnung, Aufgeben der Behauptung, Zugeständnis, Grundverwechslung, Themenverfehlung und Niederlagegrund.

tatravādonāmasayatpareṇasahaśāstrapūrvakaṃvigṛhyakathayati| sacadvividhaḥsaṅgraheṇa- jalpaḥ, vitaṇḍāca| tatrapakṣāśritayorvacanaṃjalpaḥ, jalpaviparyayovitaṇḍā| yathā- ekasyapakṣaḥpunarbhavo'stīti,nāstītyaparasya; taucasvasvapakṣahetubhiḥsvasvapakṣaṃsthāpayataḥ, parapakṣamudbhāvayataḥ, eṣajalpaḥ| jalpaviparyayovitaṇḍā| vitaṇḍānāmaparapakṣedoṣavacanamātrameva

Disput ist es, wenn man mit einem anderen, gestützt auf die Lehrschrift, streitend spricht. Er ist im Groben zweifacher Art: das Streitgespräch mit eigener These und das bloße Widerlegungsgespräch. Die Rede zweier, die je an einer eigenen Position festhalten, ist das Streitgespräch mit eigener These; dessen Gegenteil ist das bloße Widerlegungsgespräch. Zum Beispiel: Der eine vertritt die Position „Es gibt eine Wiedergeburt“, der andere „Es gibt keine“; beide begründen ihre eigene Position mit eigenen Gründen und decken zugleich die Position des Gegners auf – das ist das Streitgespräch mit eigener These. Das bloße Widerlegungsgespräch besteht dagegen einzig darin, an der gegnerischen Position lediglich Fehler aufzuzeigen, ohne selbst eine eigene Position zu begründen.

dravya-guṇa-karma-sāmānya-viśeṣa-samavāyāḥ svalakṣaṇaiḥślokasthānepūrvamuktāḥ

Substanz, Eigenschaft, Handlung, Allgemeinheit, Besonderheit und Inhärenz sind mit ihren jeweiligen Kennzeichen bereits zuvor im Śloka-sthāna dargelegt worden.

athapratijñā- pratijñānāmasādhyavacanaṃ; yathā- nityaḥpuruṣaiti

Nun die Behauptung: Sie ist die Äußerung dessen, was erst noch zu beweisen ist; zum Beispiel: „Der Puruṣa ist ewig.“

athasthāpanā- sthāpanānāmatasyāevapratijñāyāhetudṛṣṭāntopanayanigamanaiḥsthāpanā| pūrvaṃhipratijñā, paścātasthāpanā, kiṃhyapratijñātaṃsthāpayiṣyati; yathā- nityaḥpuruṣaitipratijñā; hetuḥ- akṛtakatvāditi; dṛṣṭāntaḥ- yathā''kāśamiti; upanayaḥ- yathācākṛtakamākāśaṃ, taccanityaṃ, tathāpuruṣaiti; nigamanaṃ- tasmānnityaiti

Nun die Begründung: Sie ist die Untermauerung eben dieser Behauptung durch Grund, Beispiel, Anwendung und Schlussfolgerung. Zunächst kommt die Behauptung, danach die Begründung – denn was nicht behauptet ist, kann man auch nicht begründen. Zum Beispiel: Behauptung – „Der Puruṣa ist ewig“; Grund – „weil er nicht hervorgebracht ist“; Beispiel – „wie der Raum“; Anwendung – „so wie der nicht hervorgebrachte Raum ewig ist, so auch der Puruṣa“; Schlussfolgerung – „darum ist er ewig“.

athapratiṣṭhāpanā- pratiṣṭhāpanānāmayātasyāevaparapratijñāyāviparītārthasthāpanā| yathā- anityaḥpuruṣaitipratijñā; hetuḥ- aindriyakatvāditi; dṛṣṭāntaḥ- yathāghaṭaiti, upanayo- yathāghaṭaaindriyakaḥcānityaḥ, tathācāyamiti; nigamanaṃ- tasmādanityaiti

Nun die Gegenbegründung: Sie ist die Begründung des Gegenteils eben dieser gegnerischen Behauptung. Zum Beispiel: Behauptung – „Der Puruṣa ist nicht ewig“; Grund – „weil er sinnlich wahrnehmbar ist“; Beispiel – „wie ein Topf“; Anwendung – „so wie ein Topf, sinnlich wahrnehmbar, unbeständig ist, so auch dieser“; Schlussfolgerung – „darum ist er nicht ewig“.

athahetuḥ- heturnāmopalabdhikāraṇaṃ; tatpratyakṣam, anumānam, aitihyam, aupamyamiti; ebhirhetubhiryadupalabhyatetattattvam

Nun der Grund: Er ist die Ursache der Erkenntnis; er besteht in Wahrnehmung, Schlussfolgerung, Tradition und Vergleich. Was durch diese Gründe erkannt wird, ist die Wahrheit.

athadṛṣṭāntaḥ- dṛṣṭāntonāmayatramūrkhaviduṣāṃbuddhisāmyaṃ, yovarṇyaṃvarṇayati| yathā- agniruṣṇaḥ, dravamudakaṃ, sthirāpṛthivī, ādityaḥprakāśakaiti; yathāādityaḥprakāśakastathāsāṅkhyajñānaṃprakāśakamiti

Nun das Beispiel: Es ist das, worin Törichte und Weise übereinstimmen und das den zu erklärenden Gegenstand veranschaulicht. Zum Beispiel: „Feuer ist heiß“, „Wasser ist flüssig“, „die Erde ist fest“, „die Sonne erleuchtet“ – so wie die Sonne erleuchtet, so erleuchtet auch die Erkenntnis des Sāṅkhya.

upanayonigamanaṃcoktaṃsthāpanāpratiṣṭhāpanāvyākhyāyām

Anwendung und Schlussfolgerung wurden bereits bei der Erklärung von Begründung und Gegenbegründung dargelegt.

athottaram- uttaraṃnāmasādharmyopadiṣṭehetauvaidharmyavacanaṃ, vaidharmyopadiṣṭevāhetausādharmyavacanam| yathā- ‘hetusadharmāṇovikārāḥ, śītakasyahivyādherhetubhiḥsādharmyaṃhimaśiśiravātasaṃsparśāḥ’, itibruvataḥparobrūyāt- hetuvidharmāṇovikārāḥ, yathāśarīrāvayavānāṃdāhauṣṇyakothaprapacanehetuvaidharmyaṃhimaśiśiravātasaṃsparśāiti| etatsaviparyayamuttaram

Nun die Erwiderung: Sie besteht darin, dass man, nachdem ein Grund als gleichartig mit der Wirkung dargelegt wurde, dessen Ungleichartigkeit behauptet, oder dass man, nachdem ein Grund als ungleichartig dargelegt wurde, dessen Gleichartigkeit behauptet. Zum Beispiel: Sagt einer: „Die Krankheitszustände sind von gleicher Art wie ihre Ursachen; so ist bei einer durch Kälte verursachten Krankheit die Berührung mit Schnee, Winterkälte und Wind, ihren Ursachen, gleichartig“, so kann der andere erwidern: „Die Krankheitszustände sind von ungleicher Art wie ihre Ursachen; denn beim Verbrennen, bei hitzebedingter Fäulnis und Eiterung der Körperteile sind die Ursachen – Berührung mit Schnee, Winterkälte und Wind – von ungleicher Art mit der Wirkung.“ Dies, mit vertauschten Rollen, ist die Erwiderung.

athasiddhāntaḥ- siddhāntonāmasayaḥparīkṣakairbahuvidhaṃparīkṣyahetubhiścasādhayitvāsthāpyatenirṇayaḥ| sacaturvidhaḥ- sarvatantrasiddhāntaḥ, pratitantrasiddhāntaḥ, adhikaraṇasiddhāntaḥ, abhyupagamasiddhāntaśceti| tatrasarvatantrasiddhāntonāmatasmiṃstasminsarvasmiṃstantretattatprasiddhaṃ; yathāsantinidānāni, santivyādhayaḥ, santisiddhyupāyāḥsādhyānāmiti| pratitantrasiddhāntonāmatasmiṃstasminnekaikasmiṃstantretattatprasiddhaṃ; yathā- anyatrāṣṭaurasāḥṣaḍatra, pañcendriyāṇyatraṣaḍindriyāṇyanyatratantre, vātādikṛtāḥsarvevikārāyathā'nyatra, atravātādikṛtābhūtakṛtāścaprasiddhāḥ| adhikaraṇasiddhāntonāmasayasminnadhikaraṇeprastūyamānesiddhānyanyānyapyadhikaraṇānibhavanti, yathā- ‘namuktaḥkarmānubandhikaṃkurute, nispṛhatvātitiprastutesiddhāḥkarmaphala-mokṣa-puruṣa-pretyabhāvābhavanti| abhyupagamasiddhāntonāmasayamarthamasiddhamaparīkṣitamanupadiṣṭamahetukaṃvāvādakāle'bhyupagacchantibhiṣajaḥ; tadyathā- dravyaṃpradhānamitikṛtvāvakṣyāmaḥ, guṇāḥpradhānamitikṛtvāvakṣyāmaḥ, vīryaṃpradhānamitikṛtvāvakṣyāmaḥ, ityevamādiḥ| iticaturvidhaḥsiddhāntaḥ

Nun der feststehende Lehrsatz: Er ist eine Feststellung, die von den Prüfenden nach vielfacher Prüfung und Begründung durch Gründe als gesichert aufgestellt wird. Er ist vierfacher Art: der in allen Lehrsystemen geltende, der in einem einzelnen Lehrsystem geltende, der aus dem jeweiligen Gegenstand folgende und der im Disput vorausgesetzte. Der in allen Lehrsystemen geltende Lehrsatz ist das, was in jedem beliebigen Lehrsystem gleichermaßen anerkannt ist; zum Beispiel: „Es gibt Krankheitsursachen“, „es gibt Krankheiten“, „es gibt Mittel zur Heilung des Heilbaren“. Der in einem einzelnen Lehrsystem geltende Lehrsatz ist das, was jeweils nur in einem bestimmten Lehrsystem anerkannt ist; zum Beispiel: anderswo werden acht Geschmacksarten gelehrt, hier sechs; anderswo fünf Sinnesorgane, hier sechs; anderswo gelten alle krankhaften Veränderungen als allein durch Vāta und die anderen Doṣas verursacht, hier dagegen sowohl durch die Doṣas als auch durch die Elemente. Der aus dem Gegenstand folgende Lehrsatz ist der, bei dem mit der Erörterung eines Gegenstands zugleich andere Gegenstände mitbewiesen sind; zum Beispiel: Bei der Behauptung „Der Befreite handelt nicht mehr karma-bindend, weil er frei von Begierde ist“ sind zugleich die Lehrsätze von Tat und Wirkung, von der Erlösung, vom Selbst und vom Dasein nach dem Tode mitbewiesen. Der im Disput vorausgesetzte Lehrsatz ist der, den die Ärzte bei einem Disput als noch unbewiesen, ungeprüft, nicht dargelegt oder grundlos voraussetzen; zum Beispiel: „Wir werden im Folgenden davon ausgehen, dass die Substanz das Wesentliche ist“, oder: „dass die Eigenschaften das Wesentliche sind“, oder: „dass die Wirkkraft das Wesentliche ist“, und dergleichen mehr. So ist der Lehrsatz vierfacher Art.

athaśabdaḥ- śabdonāmavarṇasamāmnāyaḥ; sacaturvidhaḥ- dṛṣṭārthaśca, adṛṣṭārthaśca, satyaśca, anṛtaśceti| tatradṛṣṭārthonāma- tribhirhetubhirdoṣāḥprakupyanti, ṣaḍbhirupakramaiścapraśāmyanti, satiśrotrādisadbhāveśabdādigrahaṇamiti| adṛṣṭārthaḥpunaḥ- astipretyabhāvaḥ, astimokṣaiti| satyonāma- yathārthabhūtaḥ; santyāyurvedopadeśāḥ, santisiddhyupāyāḥsādhyānāṃvyādhīnāṃ, santyārambhaphalānīti| satyaviparyayaścānṛtaḥ

Nun das Wort bzw. die Überlieferung: Sie ist die überlieferte Folge von Lauten. Sie ist vierfacher Art: solche, deren Gegenstand wahrnehmbar ist, solche, deren Gegenstand nicht wahrnehmbar ist, wahre und unwahre. Wahrnehmbaren Gegenstands ist zum Beispiel: „Durch drei Ursachen geraten die Doṣas in Unordnung, durch sechs Behandlungsverfahren werden sie beruhigt; sind Gehör und die übrigen Sinnesorgane vorhanden, findet Wahrnehmung von Klang und dergleichen statt.“ Nicht wahrnehmbaren Gegenstands dagegen ist: „Es gibt ein Dasein nach dem Tode“, „es gibt Erlösung“. Wahr ist das, was der Wirklichkeit entspricht: „Es gibt Lehren des Āyurveda“, „es gibt Mittel zur Heilung heilbarer Krankheiten“, „jedes Unternehmen hat eine Frucht“. Das Gegenteil des Wahren ist das Unwahre.

athapratyakṣaṃ- pratyakṣaṃnāmatadyadātmanācendriyaiścasvayamupalabhyate; tatrātmapratyakṣāḥsukhaduḥkhecchādveṣādayaḥ, śabdādayastvindriyapratyakṣāḥ

Nun die Wahrnehmung: Sie ist das, was man durch das Selbst und durch die Sinnesorgane unmittelbar selbst erfasst. Dabei sind Lust, Leid, Begehren, Abneigung und dergleichen durch das Selbst wahrnehmbar, Klang und die übrigen Sinnesqualitäten hingegen durch die Sinnesorgane.

athānumānam- anumānaṃnāmatarkoyuktyapekṣaḥ; yathā- agniṃjaraṇaśaktyā, balaṃvyāyāmaśaktyā, śrotrādīniśabdādigrahaṇenetyevamādi

Nun die Schlussfolgerung: Sie ist ein auf Beweisführung gestütztes Erschließen; zum Beispiel: man erschließt das Verdauungsfeuer aus der Verdauungskraft, die Körperkraft aus der Fähigkeit zur Anstrengung, die Sinnesorgane wie das Gehör aus der Erfassung von Klang und dergleichen – und Ähnliches mehr.

alaukikāptopadeśaaitihyapadenocyataityāha- vedādiriti

Die Belehrung durch außerweltliche, verlässliche Autoritäten wird mit dem Wort „Tradition“ bezeichnet, wie es heißt: „angefangen mit dem Veda“.

athaupamyam- aupamyaṃnāmayadanyenānyasyasādṛśyamadhikṛtyaprakāśanaṃ; yathā- daṇḍenadaṇḍakasya, dhanuṣādhanuḥstambhasya, iṣvāsenā''rogyadasyeti

Nun der Vergleich: Er ist die Verdeutlichung einer Sache mittels ihrer Ähnlichkeit mit etwas anderem; zum Beispiel: man erklärt einen kleinen Stock durch einen großen Stock, einen Bogenpfosten durch einen Bogen, ein gesundheitsförderndes Mittel durch einen zielsicheren Bogenschützen.

athasaṃśayaḥ- saṃśayonāmasandehalakṣaṇānusandigdheṣvartheṣvaniścayaḥ ; yathā- dṛṣṭāhyāyuṣmallakṣaṇairupetāścānupetāścatathāsakriyāścākriyāścapuruṣāḥśīghrabhaṅgāścirajīvinaśca, etadubhayadṛṣṭatvātsaṃśayaḥ- kimastikhalvakālamṛtyurutanāstīti

Nun der Zweifel: Er ist die Unentschiedenheit bei Sachverhalten, die durch mehrdeutige Merkmale zweifelhaft bleiben; zum Beispiel: Man sieht Menschen, die mit den Zeichen eines langen Lebens ausgestattet sind, und solche, denen diese Zeichen fehlen, ebenso solche mit rechtem Verhalten und solche ohne rechtes Verhalten – und dennoch sterben manche früh, andere leben lang. Weil man beides beobachtet, entsteht der Zweifel: Gibt es einen vorzeitigen Tod, oder gibt es ihn nicht?

athaprayojanaṃ- prayojanaṃnāmayadarthamārabhyantaārambhāḥ; yathā- yadyakālamṛtyurastitato'hamātmānamāyuṣyairupacariṣyāmyanāyuṣyāṇicaparihariṣyāmi, kathaṃmāmakālamṛtyuḥprasaheteti

Nun der Zweck: Er ist das, weswegen ein Unternehmen begonnen wird; zum Beispiel: „Wenn es einen vorzeitigen Tod gibt, dann will ich mich mit lebensförderlichen Dingen pflegen und lebensschädliche meiden – auf dass mich der vorzeitige Tod nicht überwältige.“

athasavyabhicāraṃ- savyabhicāraṃnāmayadvyabhicaraṇaṃ; yathā- bhavedidamauṣadhamasminvyādhauyaugikamathavāneti

Nun das mit Ausnahmen Behaftete: Es ist eine Aussage, die Abweichungen zulässt; zum Beispiel: „Ob diese Arznei bei dieser Krankheit wirksam ist oder nicht.“

athajijñāsā- jijñāsānāmaparīkṣā; yathābheṣajaparīkṣottarakālamupadekṣyate

Nun das Erkenntnisstreben: Es ist die Prüfung, wie sie später bei der Prüfung von Arzneien dargelegt werden wird.

athavyavasāyaḥ- vyavasāyonāmaniścayaḥ; yathā- vātikaevāyaṃvyādhiḥ, idamevāsyabheṣajaṃceti

Nun die Entscheidung: Sie ist die feste Gewissheit; zum Beispiel: „Dies ist eine vātische Krankheit, und dies ist die passende Arznei dafür.“

athārthaprāptiḥ- arthaprāptirnāmayatraikenārthenoktenāparasyārthasyānuktasyāpisiddhiḥ; yathā- nāyaṃsantarpaṇasādhyovyādhirityuktebhavatyarthaprāptiḥ- apatarpaṇasādhyo'yamiti, nānenadivābhoktavyamityuktebhavatyarthaprāptiḥ- niśibhoktavyamiti

Nun die Sinnerschließung: Sie liegt vor, wenn durch die Aussage eines Sachverhalts zugleich ein anderer, nicht ausgesprochener Sachverhalt mitbewiesen wird; zum Beispiel: Sagt man „Diese Krankheit ist nicht durch Kräftigung zu heilen“, so ergibt sich von selbst: „Sie ist durch Abmagerung zu heilen.“ Sagt man „Dieser soll tagsüber nicht essen“, so ergibt sich von selbst: „Er soll nachts essen.“

athasambhavaḥ- yoyataḥsambhavatisatasyasambhavaḥ; yathā- ṣaḍdhātavogarbhasya, vyādherahitaṃ, hitamārogyasyeti

Nun die Herkunft: Sie ist es, wenn etwas aus etwas anderem entsteht; zum Beispiel: die sechs Elemente sind der Ursprung des Embryos, das Zuträgliche ist der Ursprung der Krankheit, das Zuträgliche ist der Ursprung der Gesundheit.

athānuyojyam- anuyojyaṃnāmayadvākyaṃvākyadoṣayuktaṃtat| sāmānyatovyāhṛteṣvartheṣuvāviśeṣagrahaṇārthaṃyadvākyaṃtadapyanuyojyaṃ; yathā- ‘saṃśodhanasādhyo'yaṃvyādhiḥ’ityukte‘kiṃvamanasādhyo'yaṃ, kiṃvāvirecanasādhyaḥ’ityanuyujyate

Nun das Fragwürdige: Es ist eine Aussage, die einen Satzfehler enthält. Auch eine nur allgemein gehaltene Aussage, nach deren Besonderem noch gefragt werden muss, gilt als fragwürdig; zum Beispiel: Sagt man „Diese Krankheit ist durch Reinigungstherapie zu heilen“, so fragt man nach: „Ist sie durch Brechtherapie oder durch Abführtherapie zu heilen?“

athānanuyojyam- ananuyojyaṃnāmātoviparyayeṇa; yathā- ayamasādhyaḥ

Nun das Nicht-Fragwürdige: Es ist das Gegenteil davon – eine Aussage, die keiner weiteren Nachfrage bedarf; zum Beispiel: „Dieser Kranke ist unheilbar.“

athānuyogaḥ- anuyogonāmasayattadvidyānāṃtadvidyairevasārdhaṃtantretantraikadeśevāpraśnaḥpraśnaikadeśovājñānavijñānavacanaprativacanaparīkṣārthamādiśyate| yathā- ‘nityaḥpuruṣaḥ’itipratijñāteyatparaḥ‘kohetuḥ’ityāha, so'nuyogaḥ

Nun der Einwand: Er ist es, wenn Fachkundige untereinander, in Bezug auf ein ganzes Lehrsystem oder einen Teil davon, eine Frage oder einen Teil einer Frage stellen, um Wissen, Verständnis, Rede- und Erwiderungsfähigkeit zu prüfen. Zum Beispiel: Wird behauptet „Der Puruṣa ist ewig“, und fragt der andere darauf „Welches ist der Grund?“ – das ist ein Einwand.

athapratyanuyogaḥ- pratyanuyogonāmānuyogasyānuyogaḥ; yathā- asyānuyogasyapunaḥkoheturiti

Nun der Gegeneinwand: Er ist der Einwand gegen einen Einwand; zum Beispiel: „Und welches ist nun der Grund für diesen Einwand?“

athavākyadoṣaḥ- vākyadoṣonāmayathākhalvasminnarthenyūnam, adhikam, anarthakam, apārthakaṃ, viruddhaṃceti; etānihyantareṇanaprakṛto'rthaḥpraṇaśayet| tatranyūnaṃ- pratijñāhetūdāharaṇopanayanigamanānāmanyatamenāpinyūnaṃnyūnaṃbhavati; yadvābahūpadiṣṭahetukamekenahetunāsādhyatetaccanyūnam| athādhikam- adhikaṃnāmayannyūnaviparītaṃ, yadvā''yurvedebhāṣyamāṇebārhaspatyamauśanasamanyadvāyatkiñcidapratisambaddhārthamucyate, yadvāsambaddhārthamapidvirabhidhīyatetatpunaruktadoṣatvādadhikaṃ; taccapunaruktaṃdvividham- arthapunaruktaṃ, śabdapunaruktaṃca; tatrārthapunaruktaṃyathā- bheṣajamauṣadhaṃsādhanamiti, śabdapunaruktaṃpunarbheṣajaṃbheṣajamiti| athānarthakam- anarthakaṃnāmayadvacanamakṣaragrāmamātramevasyātpañcavargavannacārthatogṛhyate| athāpārthakam- apārthakaṃnāmayadarthavaccaparaspareṇāsaṃyujyamānārthakaṃ; yathā- cakra-na(ta)kra-vaṃśa-vajra-niśākarāiti| athaviruddhaṃ- viruddhaṃnāmayaddṛṣṭāntasiddhāntasamayairviruddhaṃ; tatrapūrvaṃdṛṣṭāntasiddhāntāvuktauḥsamayaḥpunastridhābhavati; yathā- āyurvaidikasamayaḥ, yājñikasamayaḥ, mokṣaśāstrikasamayaśceti; tatrāyurvaidikasamayaḥ- catuṣpādaṃbheṣajamiti, yājñikasamayaḥ- ālabhyāyajamānaiḥpaśavaiti, mokṣaśāstrikasamayaḥ- sarvabhūteṣvahiṃseti; tatrasvasamayaviparītamucyamānaṃviruddhaṃbhavati| itivākyadoṣāḥ

Nun der Satzfehler: Er liegt vor, wenn eine Aussage zu einem Sachverhalt unvollständig, überschüssig, bedeutungslos, unzusammenhängend oder widersprüchlich ist; solche Fehler können, ohne dass man es merkt, den eigentlichen Sinn zunichtemachen. Unvollständig ist eine Aussage, wenn eines der fünf Glieder – Behauptung, Grund, Beispiel, Anwendung, Schlussfolgerung – fehlt; oder wenn eine Sache, für die mehrere Gründe vorgebracht werden müssten, mit nur einem Grund bewiesen werden soll – auch das ist unvollständig. Überschüssig ist das Gegenteil von unvollständig: wenn beim Vortrag des Āyurveda etwas aus der Lehre des Bṛhaspati, des Uśanas oder dergleichen eingeflochten wird, das mit der Sache in keinem Zusammenhang steht; oder wenn ein an sich zusammenhängender Sachverhalt zweimal genannt wird – das ist wegen des Fehlers der Wiederholung ebenfalls Überschuss. Diese Wiederholung ist zweifacher Art: Wiederholung des Sinns und Wiederholung des Wortlauts. Wiederholung des Sinns liegt vor, wenn man etwa sagt „Arznei, Heilmittel, Hilfsmittel“ – drei Wörter für dieselbe Sache; Wiederholung des Wortlauts, wenn man dasselbe Wort zweimal sagt, etwa „Arznei, Arznei“. Bedeutungslos ist eine Aussage, die nur eine Ansammlung von Lauten darstellt, ohne dass ihr – wie etwa den fünf Lautgruppen des Alphabets – überhaupt ein Sinn zukommt. Unzusammenhängend ist eine Aussage, deren einzelne Bestandteile zwar für sich einen Sinn tragen, aber untereinander keinen Zusammenhang ergeben; zum Beispiel: „Rad – Schlamm – Rohr – Diamant – Mond“, eine sinnlose Aneinanderreihung. Widersprüchlich ist eine Aussage, die dem Beispiel, dem feststehenden Lehrsatz oder einer anerkannten Übereinkunft widerspricht. Beispiel und Lehrsatz wurden bereits erläutert; die Übereinkunft ist wiederum dreifacher Art: die medizinische Übereinkunft, die opferrituelle Übereinkunft und die Übereinkunft der Erlösungslehre. Die medizinische Übereinkunft lautet etwa: „Die Arznei besteht aus vier Bestandteilen“; die opferrituelle Übereinkunft: „Die vom Opfernden dargebrachten Opfertiere sind zu berühren und zu opfern“; die Übereinkunft der Erlösungslehre: „Gewaltlosigkeit gegenüber allen Lebewesen“. Wird nun etwas gesagt, das der eigenen, zuständigen Übereinkunft widerspricht, so ist es widersprüchlich. Dies sind die Satzfehler.

athavākyapraśaṃsā- vākyapraśaṃsānāmayathākhalvasminnarthetvanyūnam, anadhikam, arthavat, anapārthakam, aviruddham, adhigatapadārthaṃcetiyattadvākyamananuyojyamitipraśasyate

Nun die Satzvortrefflichkeit: Sie liegt vor, wenn eine Aussage zu einem Sachverhalt weder unvollständig noch überschüssig, sinnvoll, zusammenhängend, widerspruchsfrei und in ihren Ausdrücken verständlich ist – eine solche Aussage wird als „nicht weiter fragwürdig“ gepriesen.

athacchalaṃ- chalaṃnāmapariśaṭhamarthābhāsamanarthakaṃvāgvastumātrameva| taddvividhaṃ- vākchalaṃ, sāmānyacchalaṃca| tatravākchalaṃnāmayathā- kaścidbrūyāt- navatantro'yaṃbhiṣagiti, athabhiṣagbrūyāt- nāhaṃnavatantraekatantro'hamiti; parobrūyāt- nāhaṃbravīminavatantrāṇitaveti, apitunavābhyastaṃtetantramiti; bhiṣakbrūyāt- namayānavābhyastaṃtantram, anekadhā'bhyastaṃmayātantramiti; etadvākchalam| sāmānyacchalaṃnāmayathā- vyādhipraśamanāyauṣadhamityukte, parobrūyāt- satsatpraśamanāyetikiṃnubhavānāha; sanhirogaḥ, sadauṣadhaṃ; yadicasatsatpraśamanāyabhavati, tatrasatkāsaḥ, satkṣayaḥ, satsāmānyātkāsastekṣayapraśamanāyabhaviṣyatīti| etatsāmānyacchalam

Nun der Trugschluss: Er ist eine tückische, dem Schein nach zutreffende, in Wahrheit aber bedeutungslose, rein verbale Sache. Er ist zweifacher Art: der Wort-Trugschluss und der Allgemeinheits-Trugschluss. Ein Wort-Trugschluss ist etwa dies: Jemand sagt: „Dieser Arzt hat ein neues, ungeübtes System“ (navatantra). Darauf erwidert der Arzt: „Ich habe kein neues System, ich habe ein einheitliches System.“ Der andere sagt: „Ich habe nicht gesagt, du hättest neun Systeme, sondern dass deine Kunstfertigkeit neu, ungeübt ist.“ Der Arzt erwidert: „Nicht ungeübt ist meine Kunstfertigkeit, vielfach geübt ist meine Kunstfertigkeit.“ – Dies ist der Wort-Trugschluss; er beruht auf der Doppeldeutigkeit des Wortes „nava“, das sowohl „neu“ als auch „neun“ bedeuten kann. Ein Allgemeinheits-Trugschluss ist etwa dies: Sagt man „Die Arznei dient der Beruhigung der Krankheit“, so erwidert der andere: „Sagst du etwa, dass Seiendes der Beruhigung von Seiendem dient? Krankheit ist etwas Seiendes, Arznei ist etwas Seiendes; wenn nun Seiendes der Beruhigung von Seiendem dient, dann wäre – da Husten etwas Seiendes und Schwindsucht etwas Seiendes ist – nach diesem allgemeinen Prinzip Husten geeignet, die Schwindsucht zu beruhigen!“ Dies ist der Allgemeinheits-Trugschluss.

athāhetuḥ- aheturnāmaprakaraṇasamaḥ, saṃśayasamaḥ, varṇyasamaśceti| tatraprakaraṇasamonāmāheturyathā- anyaḥśarīrādātmānityaiti; parobrūyāt- yasmādanyaḥśarīrādātmā, tasmānnityaḥ; śarīraṃhyanityamatovidharmiṇācātmanābhavitavyamityeṣacāhetuḥ; nahiyaevapakṣaḥsaevaheturiti| saṃśayasamonāmāheturyaevasaṃśayahetuḥsaevasaṃśayacchedahetuḥ; yathā- ayamāyurvedaikadeśamāha, kinnvayaṃcikitsakaḥsyānnavetisaṃśayeparobrūyāt- yasmādayamāyurvedaikadeśamāhatasmāccikitsako'yamiti, nacasaṃśayacchedahetuṃviśeṣayati, eṣacāhetuḥ; nahiyaevasaṃśayahetuḥ, saevasaṃśayacchedaheturbhavati| varṇyasamonāmāhetuḥ- yoheturvarṇyāviśiṣṭaḥ; yathā- kaścidbūyāt- asparśatvādbuddhiranityāśabdavaditi; atravarṇyaḥśabdobuddhirapivarṇyā, tadubhayavarṇyāviśiṣṭatvādvarṇyasamo'pyahetuḥ

Nun der Scheingrund: Er ist der auf bloßer Fragestellung beruhende Scheingrund, der auf Zweifel beruhende Scheingrund und der auf dem zu Erklärenden selbst beruhende Scheingrund. Der auf bloßer Fragestellung beruhende Scheingrund ist zum Beispiel dieser: „Das Selbst ist, da verschieden vom Körper, ewig.“ Darauf erwidert der andere: „Weil das Selbst verschieden vom Körper ist, muss es ewig sein – denn der Körper ist unbeständig, also müsste das Selbst von entgegengesetzter Beschaffenheit sein.“ Dies ist ein Scheingrund; denn hier wird die zu beweisende Position selbst zugleich als Grund gebraucht – die Position selbst darf aber nicht zugleich ihr eigener Grund sein. Der auf Zweifel beruhende Scheingrund ist der, bei dem eben das, was den Zweifel verursacht, auch als Grund zur Auflösung des Zweifels dienen soll. Zum Beispiel: Man zweifelt, ob dieser, da er nur einen Teil des Āyurveda kennt, überhaupt ein wirklicher Arzt sein könne oder nicht. Darauf sagt der andere: „Weil er einen Teil des Āyurveda kennt, ist er ein Arzt“, ohne den eigentlichen Grund zur Auflösung des Zweifels näher zu bestimmen. Auch dies ist ein Scheingrund; denn eben das, was den Zweifel verursacht, kann nicht zugleich der Grund für seine Auflösung sein. Der auf dem zu Erklärenden selbst beruhende Scheingrund ist der, bei dem der angeführte Grund dem zu Erklärenden gleichgestellt, also selbst noch beweisbedürftig ist. Zum Beispiel: Jemand sagt: „Der Verstand ist, weil er nicht berührbar ist, unbeständig, wie der Klang.“ Hier ist aber der Klang selbst noch strittig, und ebenso der Verstand; da beide, das Beispiel wie das zu Erklärende, gleichermaßen noch unbewiesen sind, ist auch dies ein Scheingrund.

athātītakālam- atītakālaṃnāmayatpūrvaṃvācyaṃtatpaścāducyate, tatkālātītatvādagrāhyaṃbhavatīti; pūrvaṃvānigrahaprāptamanigṛhyaparigṛhyapakṣāntaritaṃpaścānnigṛhīte, tattasyātītakālatvānnigrahavacanamasamarthaṃbhavatīti

Nun die verspätete Rede: Sie liegt vor, wenn etwas, das an der rechten Stelle zuvor gesagt werden sollte, erst später gesagt wird – dann ist es, weil sein Zeitpunkt vorüber ist, nicht mehr zulässig. Oder: Hat man einen Gegner, obwohl er bereits der Niederlage verfallen wäre, nicht sogleich für besiegt erklärt, sondern erst nach dem Zwischenschieben eines anderen Themenpunktes für besiegt erklärt, so ist diese Erklärung der Niederlage, weil ihr Zeitpunkt vorüber ist, unwirksam.

athopālambhaḥ- upālambhonāmahetordoṣavacanaṃ; yathā- pūrvamahetavohetvābhāsāvyākhyātāḥ

Nun der Tadel: Er ist das Aufzeigen eines Fehlers am Grund; wie zuvor die Scheingründe dargelegt wurden.

athaparihāraḥ- parihāronāmatasyaivadoṣavacanasyapariharaṇaṃ; yathā- nityamātmaniśarīrasthejīvaliṅgānyupalabhyante, tasyacāpagamānnopalabhyante, tasmādanyaḥśarīrādātmānityaśceti

Nun die Entgegnung: Sie ist die Zurückweisung eben dieses vorgebrachten Fehlers; zum Beispiel: „Solange das ewige Selbst im Körper weilt, sind die Lebenszeichen wahrnehmbar; nach seinem Fortgang sind sie nicht mehr wahrnehmbar – darum ist das Selbst vom Körper verschieden und ewig“, womit der zuvor erhobene Einwand entkräftet wird.

athapratijñāhāniḥ- pratijñāhānirnāmasāpūrvaparigṛhītāṃpratijñāṃparyanuyuktoyatparityajati, yathāprākpratijñāṃkṛtvānityaḥpuruṣaiti, paryanuyuktastvāha- anityaiti

Nun das Aufgeben der Behauptung: Es liegt vor, wenn einer, zur Rede gestellt, die zuvor aufgestellte Behauptung fallenlässt; zum Beispiel: Hat er zuvor behauptet „Der Puruṣa ist ewig“, und sagt er, zur Rede gestellt, dann „er ist unbeständig“, so hat er seine Behauptung aufgegeben.

athābhyanujñā- abhyanujñānāmasāyaiṣṭāniṣṭābhyupagamaḥ

Nun das Zugeständnis: Es ist das Einräumen dessen, was der eigenen Position genehm oder ungenehm ist.

athahetvantaraṃ- hetvantaraṃnāmaprakṛtahetauvācyeyadvikṛtahetumāha

Nun die Grundverwechslung: Sie liegt vor, wenn man, während der eigentliche Grund zu nennen wäre, stattdessen einen anderen, nicht zutreffenden Grund anführt.

athārthāntaram- arthāntaraṃnāmaikasminvaktavye'paraṃyadāha| yathā- jvaralakṣaṇevācyepramehalakṣaṇamāha

Nun die Themenverfehlung: Sie liegt vor, wenn man, während ein bestimmter Gegenstand zu behandeln wäre, stattdessen etwas anderes vorbringt; zum Beispiel: während die Symptome des Fiebers zu behandeln wären, spricht man von den Symptomen des Diabetes.

athanigrahasthānaṃ- nigrahasthānaṃnāmaparājayaprāptiḥ; taccatrirabhihitasyavākyasyāparijñānaṃpariṣadivijñānavatyāṃ, yadvāananuyojyasyānuyogo'nuyojyasyacānanuyogaḥ| pratijñāhāniḥ, abhyanujñā, kālātītavacanam, ahetuḥ, nyūnam, adhikaṃ, vyartham, anarthakaṃ, punaruktaṃ, viruddhaṃ, hetvantaram, arthāntaraṃcanigrahasthānam

Nun der Niederlagegrund: Er ist das Eintreten der Niederlage. Er besteht darin, dass man eine dreimal wiederholte Aussage vor sachkundiger Zuhörerschaft nicht versteht, oder darin, dass man das nicht weiter Fragwürdige noch befragt oder das Fragwürdige nicht befragt. Aufgeben der Behauptung, Zugeständnis, verspätete Rede, Scheingrund, Unvollständigkeit, Überschuss, Nutzlosigkeit, Bedeutungslosigkeit, Wiederholung, Widersprüchlichkeit, Grundverwechslung und Themenverfehlung – dies alles sind Niederlagegründe.

itivādamārgapadāniyathoddeśamabhinirdiṣṭānibhavanti

So sind die Begriffe des Disputierweges, wie zuvor aufgezählt, im Einzelnen dargelegt worden.

vādastukhalubhiṣajāṃpravartamānopravartetāyurvedaeva, nānyatra| atrahivākyaprativākyavistarāḥkevalāścopapattayaḥsarvādhikaraṇeṣu| tāḥsarvāḥsamavekṣyāvekṣyasarvaṃvākyaṃbrūyāt, nāprakṛtakamaśāstramaparīkṣitamasādhakamākulamavyāpakaṃvā| sarvaṃcahetumadbrūyāt| hetumantohyakaluṣāḥsarvaevavādavigrahāścikitsitekāraṇabhūtāḥ, praśastabuddhivardhakatvāt; sarvārambhasiddhiṃhyāvahatyanupahatābuddhiḥ

Ein Disput unter Ärzten sollte, wenn er überhaupt stattfindet, sich allein auf den Āyurveda beziehen, nicht auf anderes. Denn hier gibt es zu allen Streitpunkten ausführliche Rede und Gegenrede sowie lauter sachlich begründete Beweisführungen. Alle diese soll man sorgfältig prüfen, bevor man eine Aussage macht – nichts, was nicht zur Sache gehört, nicht der Lehre entspricht, ungeprüft, unbeweisbar, verworren oder unzureichend ist. Alles soll man mit Gründen versehen vorbringen. Denn alle mit Gründen geführten, unverdorbenen Streitgespräche sind in der Heilkunde von Nutzen, weil sie den geschätzten Verstand mehren; ein ungetrübter Verstand nämlich bringt jedem Unternehmen Erfolg.

imānikhalutāvadihakānicitprakaraṇānibhiṣajāṃjñānārthamupadekṣyāmaḥ| jñānapūrvakaṃhikarmaṇāṃsamārambhaṃpraśaṃsantikuśalāḥ| jñātvāhikāraṇa-karaṇa-kāryayoni-kārya-kāryaphalānubandha-deśa-kāla-pravṛttyupāyānsamyagabhinirvartamānaḥkāryābhinirvṛttāviṣṭaphalānubandhaṃkāryamabhinirvartayatyanatimahatāyatnenakartā

Nun werden wir hier einige grundlegende Themenbereiche zum Verständnis der Ärzte darlegen. Denn die Kundigen loben es, wenn ein Werk erst nach vorausgehender Erkenntnis in Angriff genommen wird. Wer nämlich Ursache, Mittel, Ursprung der Wirkung, Wirkung, die Folge der Wirkung, Ort, Zeit und die Vorgehensweise erkannt hat und danach recht handelt, der bringt, wenn er das Werk vollbringt, ohne allzu große Mühe eine Wirkung zustande, die mit der erwünschten Folge verbunden ist.

tatrakāraṇaṃnāmatadyatkaroti, saevahetuḥ, sakartā

Ursache ist dabei das, was handelt; sie ist zugleich der Grund und der Handelnde.

karaṇaṃpunastadyadupakaraṇāyopakalpatekartuḥkāryābhinirvṛttauprayatamānasya

Das Mittel hingegen ist das, was dem Handelnden, der sich um die Vollbringung der Wirkung bemüht, als Werkzeug dient.

kāryayonistusāyāvikriyamāṇākāryatvamāpadyate

Der Ursprung der Wirkung aber ist das, was durch Umwandlung den Zustand der Wirkung erlangt.

kāryaṃtutadyasyābhinirvṛttimabhisandhāyakartāpravartate

Die Wirkung aber ist das, dessen Zustandekommen im Blick der Handelnde tätig wird.

kāryaphalaṃpunastadyatprayojanākāryābhinirvṛttiriṣyate

Die Frucht der Wirkung wiederum ist das, weswegen die Vollbringung der Wirkung erstrebt wird.

anubandhaḥkhalusayaḥkartāramavaśyamanubadhnāti kāryāduttarakālaṃkāryanimittaḥśubhovā'pyaśubhobhāvaḥ

Die Folge ist das, was den Handelnden nach der Wirkung notwendig weiter begleitet – ein durch die Wirkung bedingter Zustand, sei er günstig oder ungünstig.

deśastvadhiṣṭhānam

Der Ort aber ist die Grundlage, der Schauplatz des Geschehens.

kālaḥpunaḥpariṇāmaḥ

Die Zeit hingegen ist der Wandel, das Fortschreiten.

pravṛttistukhaluceṣṭākāryārthā; saivakriyā, karma, yatnaḥ, kāryasamārambhaśca

Die Tätigkeit aber ist das auf die Wirkung gerichtete Bemühen; sie ist zugleich das Handeln, die Tat, die Anstrengung und das Ergreifen des Werkes.

upāyaḥpunastrayāṇāṃkāraṇādīnāṃsauṣṭhavamabhividhānaṃcasamyakkāryakāryaphalānubandhavarjyānāṃ, kāryāṇāmabhinirvartakaityatastūpāyaḥ ; kṛtenopāyārtho'sti, nacavidyatetadātve, kṛtāccottarakālaṃphalaṃ, phalāccānubandhaiti

Das Mittel wiederum ist die Trefflichkeit und das rechte Zusammenwirken der drei ersten Faktoren – Ursache, Mittel und Ursprung der Wirkung –, die von Wirkung, Frucht der Wirkung und Folge noch frei sind; eben deshalb heißt es „Mittel“, weil es die Wirkungen zustande bringt. Der Sinn des Mittels liegt in dem, was getan wurde, doch besteht dies nicht zugleich mit dem Tun selbst: Aus dem Getanen folgt später die Frucht, und aus der Frucht die Folge.

etaddaśavidhamagreparīkṣyaṃ, tato'nantaraṃkāryārthāpravṛttiriṣṭā| tasmādbhiṣakkāryaṃcikīrṣuḥprākkāryasamārambhātparīkṣayākevalaṃparīkṣyaṃparīkṣyakarmasamārabhetakartum

Diese zehn Faktoren sind zunächst zu prüfen; erst danach gilt die auf die Wirkung gerichtete Tätigkeit als angebracht. Darum soll der Arzt, der ein Werk vollbringen will, vor Beginn des Werkes durch Prüfung zunächst nur das Prüfenswerte prüfen und dann erst mit der Ausführung der Handlung beginnen.

tatracedbhiṣagabhiṣagvābhiṣajaṃkaścidevaṃkhalupṛcched- vamanavirecanāsthāpanānuvāsanaśirovirecanāniprayoktukāmenabhiṣajākatividhayāparīkṣayākatividhamevaparīkṣyaṃ, kaścātraparīkṣyaviśeṣaḥ, kathaṃcaparīkṣitavyaḥ, kimprayojanācaparīkṣā, kvacavamanādīnāṃpravṛttiḥ, kvacanivṛttiḥ, pravṛttinivṛttilakṣaṇasaṃyogecakiṃnaiṣṭhikaṃ, kānicavamanādīnāṃbheṣajadravyāṇyupayogaṃgacchantīti

Wenn nun dabei ein Arzt oder ein Nichtarzt einen Arzt etwa Folgendes fragen sollte: „Ein Arzt, der Brech-, Abführ-, Nährklistier-, Ölklistier- und Kopfreinigungstherapien anwenden will – mit wie vielerlei Prüfung und mit wie vielerlei Prüfungsgegenstand soll er dies tun? Welches sind hierbei die Besonderheiten des Prüfungsgegenstandes, und wie soll geprüft werden? Wozu dient die Prüfung? Wann tritt bei Brechmittel und den übrigen die erwünschte Wirkung ein, wann bleibt sie aus, und was ist entscheidend, wenn Eintreten und Ausbleiben der Wirkung gemeinsam auftreten? Und welche Arzneisubstanzen kommen für Brechmittel und die übrigen zur Anwendung?“

saevaṃpṛṣṭoyadimohayitumicchet, brūyādenaṃ- bahuvidhāhiparīkṣātathāparīkṣyavidhibhedaḥ, katamenavidhibhedaprakṛtyantareṇabhinnayāparīkṣayākenavāvidhibhedaprakṛtyantareṇaparīkṣyasyabhinnasyabhedāgraṃbhavānpṛcchatyākhyāyamānaṃ ;nedānīṃbhavato'nyenavidhibhedaprakṛtyantareṇabhinnayāparīkṣayā'nyenavāvidhibhedaprakṛtyantareṇaparīkṣyasyabhinnasyābhilaṣitamarthaṃśrotumahamanyenaparīkṣāvidhibhedenānyenavāvidhibhedaprakṛtyantareṇaparīkṣyaṃbhittvā'nyathā''cakṣāṇaicchāṃpūrayeyamiti

Wenn der so Gefragte den anderen verwirren möchte, so soll er zu ihm sagen: „Vielfältig ist ja die Prüfung (parīkṣā), und ebenso vielfältig sind die Unterscheidungen der Prüfungsarten – nach welcher besonderen Unterscheidung der Prüfungsart, durch welche davon verschiedene Prüfung, oder wonach genau fragen Sie eigentlich nach der Spitze der Unterscheidung des zu Prüfenden, während es gerade dargelegt wird? Ich möchte jetzt nicht mit einer durch eine andere Art der Unterscheidung bestimmten Prüfung oder mit einer anderen Unterscheidung der Prüfungsart den von Ihnen gewünschten Sinn hören, sondern möchte, indem ich das zu Prüfende auf andere Weise zerlege und anders darlege, meinen eigenen Wunsch erfüllen.“ [So lautet die verwirrende, ausweichende Erwiderung.]

sayaduttaraṃbrūyāttatsamīkṣyottaraṃvācyaṃsyādyathoktaṃcaprativacanavidhimavekṣya; samyakyaditubrūyānnacainaṃmohayitumicchet, prāptaṃtuvacanakālaṃmanyeta, kāmamasmaibrūyādāptamevanikhilena

Was jener auch als Erwiderung vorbringt, das ist zunächst zu prüfen, und erst danach ist die Antwort zu geben, wie es oben gesagt wurde, und unter Beachtung der Regel für die Gegenrede. Will er aber recht und ehrlich reden und den anderen nicht verwirren, so soll er, sobald er den rechten Zeitpunkt für die Rede für gekommen erachtet, ihm nach Belieben die volle, verlässliche Lehre mitteilen.

dvividhātukhaluparīkṣājñānavatāṃ- pratyakṣam, anumānaṃca| etaddhidvayamupadeśaścaparīkṣāsyāt| evameṣādvividhāparīkṣā, trividhāvāsahopadeśena

Zweifach nun ist wahrlich die Prüfung (parīkṣā) der Wissenden: unmittelbare Wahrnehmung (pratyakṣa) und Schlussfolgerung (anumāna). Denn diese beiden zusammen mit der Unterweisung durch eine verlässliche Autorität (āptopadeśa) können die Prüfung ausmachen. So ist diese Prüfung zweifach, oder, mit der Unterweisung zusammen, auch dreifach.

daśavidhaṃtuparīkṣyaṃkāraṇādiyaduktamagre, tadihabhiṣagādiṣusaṃsāryasandarśayiṣyāmaḥ- ihakāryaprāptaukāraṇaṃbhiṣak, karaṇaṃpunarbheṣajaṃ, kāryayonirdhātuvaiṣamyaṃ, kāryaṃdhātusāmyaṃ, kāryaphalaṃsukhāvāptiḥ, anubandhaḥkhalvāyuḥ, deśobhūmirāturaśca, kālaḥpunaḥsaṃvatsaraścāturāvasthāca, pravṛttiḥpratikarmasamārambhaḥ, upāyastubhiṣagādīnāṃsauṣṭhavamabhividhānaṃcasamyak| ihāpyasyopāyasyaviṣayaḥpūrveṇaivopāyaviśeṣeṇavyākhyātaḥ| itikāraṇādīnidaśadaśasubhiṣagādiṣusaṃsāryasandarśitāni, tathaivānupūrvyaitaddaśavidhaṃparīkṣyamuktaṃca

Das zehnfache zu Prüfende – Ursache (kāraṇa) und das Übrige –, das früher genannt wurde, werden wir hier, übertragen auf Arzt und die übrigen Faktoren, darlegen: Im Hinblick auf das Erlangen der Wirkung ist die Ursache der Arzt (bhiṣaj); das Mittel (karaṇa) ist die Arznei (bheṣaja); der Ursprungsort der Wirkung ist das Ungleichgewicht der dhātus; die Wirkung ist das Gleichgewicht der dhātus; die Frucht der Wirkung ist das Erlangen von Wohlbefinden; die Begleiterscheinung (anubandha) ist wahrlich das Leben (āyus); der Ort (deśa) ist der Boden und der Kranke; die Zeit (kāla) ist das Jahr und der Zustand des Kranken; das Vorgehen (pravṛtti) ist der Beginn der Behandlung; das Mittel (upāya) aber ist die rechte Tüchtigkeit und angemessene Anwendung von Arzt und den übrigen Faktoren. Auch hier wurde der Gegenstand dieses Mittels bereits durch die frühere besondere Darlegung erklärt. So wurden Ursache und die übrigen, diese zehn, übertragen auf die zehn Faktoren Arzt usw. dargestellt, und ebenso der Reihe nach wurde dieses zehnfache zu Prüfende genannt.

tasyayoyoviśeṣoyathāyathācaparīkṣitavyaḥ, satathātathāvyākhyāsyate

Welche jeweilige Besonderheit davon auf welche jeweilige Weise zu prüfen ist, das wird nun jeweils entsprechend dargelegt werden.

kāraṇaṃbhiṣagityuktamagre, tasyaparīkṣā- bhiṣaṅnāmayobhiṣajyati, yaḥsūtrārthaprayogakuśalaḥ, yasyacāyuḥsarvathāviditaṃyathāvat| sacasarvadhātusāmyaṃcikīrṣannātmānamevāditaḥparīkṣetaguṇiṣuguṇataḥkāryābhinirvṛttiṃpaśyan, kaccidahamasyakāryasyābhinirvartanesamarthonaveti; tatremebhiṣagguṇāyairupapannobhiṣagdhātusāmyābhinirvartanesamarthobhavati; tadyathā- paryavadātaśrutatā, paridṛṣṭakarmatā, dākṣyaṃ, śaucaṃ, jitahastatā, upakaraṇavattā, sarvendriyopapannatā, prakṛtijñatā, pratipattijñātāceti

Die Ursache wurde oben als der Arzt (bhiṣaj) genannt; seine Prüfung ist folgende: Arzt heißt, wer heilt, wer in der Anwendung von Lehrsätzen (sūtra) und ihrem Sinn geübt ist, und dessen eigenes Lebensalter ihm in jeder Hinsicht genau bekannt ist. Und wer das Gleichgewicht aller dhātus herbeiführen will, soll zuerst sich selbst prüfen, indem er bei den maßgeblichen Eigenschaften betrachtet, wie durch sie die Wirkung zustande kommt, und sich fragt: Bin ich imstande, diese Wirkung zu bewirken, oder nicht? Es gibt nämlich folgende Arzttugenden, mit denen ausgestattet ein Arzt imstande ist, das Gleichgewicht der dhātus herbeizuführen: völlig geläuterte Gelehrsamkeit, praktisch erprobte Erfahrung in der Behandlung, Geschicklichkeit, Reinlichkeit, sichere Handfertigkeit, Ausstattung mit den nötigen Hilfsmitteln, Unversehrtheit aller Sinnesorgane, Kenntnis der Krankheitsnatur und Kenntnis des richtigen Vorgehens (pratipatti).

karaṇaṃpunarbheṣajam| bheṣajaṃnāmatadyadupakaraṇāyopakalpatebhiṣajodhātusāmyābhinirvṛttauprayatamānasyaviśeṣataścopāyāntebhyaḥ| taddvividhaṃvyapāśrayabhedāt- daivavyapāśrayaṃ, yuktivyapāśrayaṃceti|tatradaivavyapāśrayaṃmantrauṣadhimaṇimaṅgalabalyupahārahomaniyamaprāyaścittopavāsasvastyayanapraṇipātagamanādi, yuktivyapāśrayaṃ- saṃśodhanopaśamaneceṣṭāścadṛṣṭaphalāḥ| etaccaivabheṣajamaṅgabhedādapidvividhaṃ- dravyabhūtamaḥ, adravyabhūtaṃca| tatrayadadravyabhūtaṃtadupāyābhiplutam| upāyonāmabhayadarśanavismāpanavismāraṇakṣobhaṇaharṣaṇabhartsanavadhabandhasvapnasaṃvāhanādiramūrtobhāvaviśeṣoyathoktāḥsiddhyupāyāścopāyābhiplutāiti| yattudravyabhūtaṃtadvamanādiṣuyogamupaiti| tasyāpīyaṃparīkṣā- idamevamprakṛtyaivaṅguṇamevamprabhāvamasmindeśejātamasminnṛtāvevaṃgṛhītamevaṃnihitamevamupaskṛtamanayācamātrayāyuktamasminvyādhāvevaṃvidhasyapuruṣasyaivatāvantaṃdoṣamapakarṣatyupaśamayativā, yadanyadapicaivaṃvidhaṃbheṣajaṃbhavettaccānenaviśeṣeṇayuktamiti

Das Mittel (karaṇa) aber ist die Arznei (bheṣaja). Arznei heißt das, was dem Arzt, der sich um das Zustandekommen des dhātu-Gleichgewichts bemüht, als Hilfsmittel dient, und zwar insbesondere unter den letzten der zehn Faktoren. Sie ist zweifach nach der Art ihrer Grundlage: auf dem Göttlichen beruhend (daivavyapāśraya) und auf Vernunft beruhend (yuktivyapāśraya). Auf dem Göttlichen beruhend sind: Zaubersprüche, Kräuter, Edelsteine, Glücksverheißungen, Opfergaben, Trankopfer, Brandopfer, Gelübde, Buße, Fasten, Segenssprüche, Niederwerfung, Wallfahrten und dergleichen. Auf Vernunft beruhend sind die Reinigungs- (śodhana) und Beruhigungsmaßnahmen (śamana), deren Wirkung sichtbar ist. Diese Arznei ist ferner, nach der Art ihrer Bestandteile, wiederum zweifach: substanzhaft (dravyabhūta) und nicht-substanzhaft (adravyabhūta). Das Nicht-Substanzhafte ist mit besonderen Mitteln (upāya) durchdrungen. Mittel heißt hier die Anwendung von Furchteinflößen, Verblüffen, Vergessenmachen, Erschüttern, Erfreuen, Schelten, Tötungsandrohung, Fesseln, Einschläfern, Massieren und dergleichen – besondere, körperlose seelische Zustände, die eben, wie gesagt, Mittel zum Erfolg sind und deshalb 'mit Mitteln durchdrungen' heißen. Was aber substanzhaft ist, findet bei Brechmitteln (vamana) und dergleichen Anwendung. Auch für dieses gilt folgende Prüfung: Man beachte, dass diese Arznei von solcher Natur, solcher Wirkkraft ist, an diesem Ort gewachsen, zu dieser Jahreszeit in solcher Weise gesammelt, so gelagert, so zubereitet und in dieser Dosierung angewendet, bei dieser Krankheit einem Menschen von solcher Beschaffenheit gerade so viel doṣa entzieht oder zur Ruhe bringt; und dass jede andere Arznei von gleicher Art mit eben dieser Besonderheit ausgestattet ist.

kāryayonirdhātuvaiṣamyaṃ, tasyalakṣaṇaṃvikārāgamaḥ| parīkṣātvasyavikāraprakṛteścaivonātiriktaliṅgaviśeṣāvekṣaṇaṃvikārasyacasādhyāsādhyamṛdudāruṇaliṅgaviśeṣāvekṣaṇamiti

Der Ursprungsort der Wirkung ist das dhātu-Ungleichgewicht (dhātuvaiṣamya); sein Kennzeichen ist das Auftreten einer Störung (vikāra). Seine Prüfung aber besteht in der genauen, nicht übertriebenen Betrachtung der besonderen Zeichen sowohl der Grundnatur der Störung als auch der Störung selbst, sowie in der Betrachtung, ob sie heilbar oder unheilbar, mild oder schwerwiegend ist.

kāryaṃdhātusāmyaṃ, tasyalakṣaṇaṃvikāropaśamaḥ| parīkṣātvasya- rugupaśamanaṃ, svaravarṇayogaḥ, śarīropacayaḥ, balavṛddhiḥ, abhyavahāryābhilāṣaḥ, rucirāhārakāle, abhyavahṛtasyacāhārasyakālesamyagjaraṇaṃ, nidrālābhoyathākālaṃ, vaikāriṇāṃcasvapnānāmadarśanaṃ, sukhenacapratibodhanaṃ, vātamūtrapurīṣaretasāṃmuktiḥ, sarvākārairmanobuddhīndriyāṇāṃcāvyāpattiriti

Die Wirkung ist das dhātu-Gleichgewicht; ihr Kennzeichen ist das Abklingen der Störung. Ihre Prüfung aber ist: das Nachlassen des Schmerzes, die Wiederherstellung von Stimme und Hautfarbe, Zunahme des Körpers, Zunahme der Kraft, Verlangen nach Nahrung, Appetit zur rechten Essenszeit, gutes Verdauen der eingenommenen Nahrung zur rechten Zeit, Erlangen von Schlaf zur rechten Zeit, Ausbleiben krankhafter Träume, leichtes Erwachen, ungehinderte Ausscheidung von Wind, Harn, Kot und Samen, sowie in jeder Hinsicht das Freisein von Störungen bei Geist, Verstand und den Sinnesorganen.

kāryaphalaṃsukhāvāptiḥ, tasyalakṣaṇaṃ- manobuddhīndriyaśarīratuṣṭiḥ

Die Frucht der Wirkung ist das Erlangen von Wohlbefinden; ihr Kennzeichen ist die Zufriedenheit von Geist, Verstand, Sinnesorganen und Körper.

anubandhastukhalvāyuḥ, tasyalakṣaṇaṃ- prāṇaiḥsahasaṃyogaḥ

Die Begleiterscheinung (anubandha) aber ist wahrlich das Leben (āyus); ihr Kennzeichen ist die Verbindung mit den Lebensatemströmen (prāṇa).

deśastubhūmirāturaśca

Der Ort (deśa) aber ist der Boden (bhūmi) und der Kranke (ātura).

tatrabhūmiparīkṣāāturaparijñānahetorvāsyādauṣadhaparijñānahetorvā| tatratāvadiyamāturaparijñānahetoḥ| tadyathā- ayaṃkasminbhūmideśejātaḥsaṃvṛddhovyādhitovā; tasmiṃścabhūmideśemanuṣyāṇāmidamāhārajātam, idaṃvihārajātam, idamācārajātam, etāvaccabalam, evaṃvidhaṃsattvam, evaṃvidhaṃsātmyam, evaṃvidhodoṣaḥ, bhaktiriyam, imevyādhayaḥ, hitamidam, ahitamidamitiprāyograhaṇena| auṣadhaparijñānahetostukalpeṣubhūmiparīkṣāvakṣyate

Die Prüfung des Bodens dient entweder der genauen Kenntnis des Kranken oder der genauen Kenntnis der Arznei. Was zunächst die Kenntnis des Kranken betrifft: Man erkundet, in welcher Gegend dieser geboren, aufgewachsen oder erkrankt ist; und man erfährt, welcherart in dieser Gegend die Nahrung der Menschen ist, welcherart ihre Lebensweise, welcherart ihr Verhalten, wie groß ihre Kraft, welcherart ihre Geistesverfassung (sattva), welcherart ihre Verträglichkeit (sātmya), welcherart der dort vorherrschende doṣa, welche Vorlieben sie haben, welche Krankheiten dort auftreten, was ihnen zuträglich und was unzuträglich ist – all dies etwa durch entsprechende Erhebung. Die Bodenprüfung zum Zweck der Kenntnis der Arznei aber wird in den Abschnitten über die Zubereitungen (kalpa) dargelegt werden.

āturastukhalukāryadeśaḥ| tasyaparīkṣāāyuṣaḥpramāṇajñānahetorvāsyād, baladoṣapramāṇajñānahetorvā| tatratāvadiyaṃbaladoṣapramāṇajñānahetoḥ; doṣapramāṇānurūpohibheṣajapramāṇavikalpobalapramāṇaviśeṣāpekṣobhavati| sahasāhyatibalamauṣadhamaparīkṣakaprayuktamalpabalamāturamatipātayet; nahyatibalānyāgneyavāyavīyānyauṣadhānyagnikṣāraśastrakarmāṇivāśakyante'lpabalaiḥsoḍhum; asahyātitīkṣṇavegatvāddhitānisadyaḥprāṇaharāṇisyuḥ| etaccaivakāraṇamapekṣamāṇāhīnabalamāturamaviṣādakarairmṛdusukumāraprāyairuttarottaragurubhiravibhramairanātyayikaiścopacarantyauṣadhaiḥ; viśeṣataścanārīḥ, tāhyanavasthitamṛduvivṛtaviklavahṛdayāḥprāyaḥsukumāryo'balāḥparasaṃstabhyāśca| tathābalavatibalavadvyādhiparigatesvalpabalamauṣadhamaparīkṣakaprayuktamasādhakamevabhavati| tasmādāturaṃparīkṣetaprakṛtitaśca, vikṛtitaśca, sārataśca, saṃhananataśca, pramāṇataśca, sātmyataśca, sattvataśca, āhāraśaktitaśca, vyāyāmaśaktitaśca, vayastaśceti, balapramāṇaviśeṣagrahaṇahetoḥ

Der Kranke (ātura) aber ist der Ort der Wirkung. Seine Prüfung dient entweder der Kenntnis des Maßes seines Lebens oder der Kenntnis des Maßes von Kraft (bala) und doṣa. Was zunächst die Kenntnis des Maßes von Kraft und doṣa betrifft: Die Wahl des Arzneimaßes muss dem Maß des doṣa entsprechen und richtet sich zugleich nach dem besonderen Maß der Kraft des Patienten. Denn eine allzu starke, von einem unerfahrenen Arzt verordnete Arznei kann einen kraftschwachen Kranken plötzlich zu Tode bringen; allzu starke, feurige oder windartige Arzneien, ebenso Kauterisation, Alkalibehandlung (kṣāra) oder chirurgische Eingriffe können von Kraftschwachen nicht ertragen werden – wegen ihrer zu heftigen Wirkkraft können selbst zuträgliche Mittel sogleich lebensgefährlich werden. Eben aus diesem Grund behandelt man einen kraftschwachen Kranken mit Arzneien, die kein Missbehagen bereiten, meist mild und sanft sind, allmählich stärker werden, nicht ungestüm und nicht gefährlich wirken; dies gilt besonders für Frauen, denn sie sind meist von unbeständigem, weichem, offenem, ängstlichem Gemüt, zart, schwach und leicht durch andere zu beeinflussen. Ebenso bleibt bei einem Kraftvollen, der von einer starken Krankheit befallen ist, eine allzu schwache, von einem unerfahrenen Arzt verordnete Arznei wirkungslos. Deshalb soll man den Kranken prüfen: nach seiner Grundnatur (prakṛti), nach der Störung (vikṛti), nach der Substanzfülle (sāra), nach dem Körperbau (saṃhanana), nach dem Körpermaß (pramāṇa), nach der Verträglichkeit (sātmya), nach der Geistesverfassung (sattva), nach der Kraft der Nahrungsaufnahme (āhāraśakti), nach der Kraft zur körperlichen Anstrengung (vyāyāmaśakti) und nach dem Lebensalter (vayas) – um so das besondere Maß seiner Kraft zu erfassen.

tatraprakṛtyādīnbhāvānanuvyākhyāsyāmaḥ| tadyathā- śukraśoṇitaprakṛtiṃ, kālagarbhāśayaprakṛtiṃ, āturāhāravihāraprakṛtiṃ, mahābhūtavikāraprakṛtiṃcagarbhaśarīramapekṣate| etāniyenayenadoṣeṇādhikenaikenānekenavāsamanubadhyante, tenatenadoṣeṇagarbho'nubadhyate; tataḥsāsādoṣaprakṛtirucyatemanuṣyāṇāṃgarbhādipravṛttā| tasmācchleṣmalāḥprakṛtyākecit, pittalāḥkecit, vātalāḥkecit, saṃsṛṣṭāḥkecit, samadhātavaḥkecidbhavanti| teṣāṃhilakṣaṇānivyākhyāsyāmaḥ

Nun wollen wir Grundnatur und die übrigen Umstände im Einzelnen darlegen. Der Körper des Embryos (garbhaśarīra) hängt nämlich ab von der Grundnatur des Samens (śukra) und Blutes (śoṇita), von der Grundnatur der Jahreszeit und der Gebärmutter, von der Grundnatur der Nahrung und Lebensweise der Schwangeren sowie von der Grundnatur der bei der Empfängnis beteiligten mahābhūtas (Grundelemente). Von welchem doṣa – einem einzelnen überwiegenden oder mehreren zugleich – diese Faktoren jeweils betroffen sind, von eben diesem doṣa wird der Embryo geprägt; danach heißt die jeweilige doṣa-Grundnatur der Menschen, die schon von der Empfängnis an besteht. Deshalb sind manche von Natur aus śleṣma-artig (kapha-dominiert), manche pitta-artig, manche vāta-artig, manche gemischt (saṃsṛṣṭa), und manche haben gleichmäßige dhātus. Ihre Kennzeichen wollen wir nun darlegen.

śleṣmāhisnigdhaślakṣṇamṛdumadhurasārasāndramandastimitaguruśītavijjalācchaḥ| tasyasnehācchleṣmalāḥsnigdhāṅgāḥ, ślakṣṇatvācchlakṣṇāṅgāḥ, mṛdutvāddṛṣṭisukhasukumārāvadātagātrāḥ, mādhuryātprabhūtaśukravyavāyāpatyāḥ, sāratvātsārasaṃhatasthiraśarīrāḥ, sāndratvādupacitaparipūrṇasarvāṅgāḥ, mandatvānmandaceṣṭāhāravyāhārāḥ, staimityādaśīghrārambhakṣobhavikārāḥ, gurutvātsārādhiṣṭhitāvasthitagatayaḥ, śaityādalpakṣuttṛṣṇāsantāpasvedadoṣāḥ, vijjalatvātsuśliṣṭasārasandhibandhanāḥ, tathā'cchatvātprasannadarśanānanāḥprasannasnigdhavarṇasvarāścabhavanti| taevaṅguṇayogācchleṣmalābalavantovasumantovidyāvantaojasvinaḥśāntāāyuṣmantaścabhavanti

Der śleṣma (kapha) nämlich ist ölig-schmierig, glatt, weich, süß, gehaltvoll, dicht, träge, ruhig, schwer, kalt, klebrig-schleimig und klar. Von Natur aus kapha-dominierte Menschen haben, wegen seiner Öligkeit, ölige Körperglieder; wegen der Glätte glatte Glieder; wegen der Weichheit einen dem Auge wohltuenden, zarten, hellen Körper; wegen der Süße reichlich Samen, Geschlechtsverkehr und Nachkommenschaft; wegen der Gehaltfülle einen kompakten, festen, stabilen Körper; wegen der Dichte vollständig entwickelte, pralle Glieder überall; wegen der Trägheit langsame Bewegungen, langsames Essen und Sprechen; wegen der Ruhe keine raschen, aufgeregten Störungen; wegen der Schwere einen von Substanz getragenen, ruhigen Gang; wegen der Kälte wenig Hunger, Durst, Hitzegefühl und übermäßiges Schwitzen; wegen der Klebrigkeit fest zusammenhaltende, gut gebundene Gelenke; und wegen der Klarheit ein heiteres Aussehen und Gesicht sowie eine heitere, glänzende Hautfarbe und Stimme. Kraft dieser Eigenschaften sind kapha-dominierte Menschen kräftig, wohlhabend, gebildet, voll ojas (Vitalessenz), ruhigen Gemüts und langlebig.

pittamuṣṇaṃtīkṣṇaṃdravaṃvisramamlaṃkaṭukañca| tasyauṣṇyātpittalābhavantyuṣṇāsahā, uṣṇamukhāḥ, sukumārāvadātagātrāḥ , prabhūtavipluvyaṅgatilapiḍakāḥ, kṣutpipāsāvantaḥ, kṣipravalīpalitakhālityadoṣāḥ, prāyomṛdvalpakapilaśmaśrulomakeśāśca; taikṣṇyāttīkṣṇaparākramāḥ, tīkṣṇāgnayaḥ, prabhūtāśanapānāḥ, kleśāsahiṣṇavo, dandaśūkāḥ; dravatvācchithilamṛdusandhimāṃsāḥ, prabhūtasṛṣṭasvedamūtrapurīṣāśca; visratvātprabhūtapūtikakṣāsyaśiraḥśarīragandhāḥ; kaṭvamlatvādalpaśukravyavāyāpatyāḥ; taevaṅguṇayogātpittalāmadhyabalāmadhyāyuṣomadhyajñānavijñānavittopakaraṇavantaścabhavanti

Das pitta ist heiß, scharf, flüssig, faulig-riechend, sauer und beißend. Wegen seiner Heißheit sind pitta-dominierte Menschen hitzeempfindlich, haben ein hitziges Gesicht, einen zarten, hellen Körper, viele Muttermale, weiße Flecken und Aknepusteln, leiden an Hunger und Durst, ergrauen und werden früh kahl und faltig, und haben meist weiche, spärliche, rötlich-braune Barthaare, Körperhaare und Kopfhaare; wegen der Schärfe sind sie von heftigem Wagemut, haben ein starkes Verdauungsfeuer (agni), essen und trinken viel, ertragen Beschwerden schlecht und sind reizbar; wegen der Flüssigkeit haben sie lockere, weiche Gelenke und Muskeln und scheiden reichlich Schweiß, Harn und Kot aus; wegen des fauligen Geruchs riechen Achselhöhlen, Mund, Kopf und Körper stark unangenehm; wegen des Beißenden und Sauren haben sie wenig Samen, Geschlechtsverkehr und Nachkommen. Kraft dieser Eigenschaften sind pitta-dominierte Menschen von mittlerer Kraft, mittlerer Lebensdauer und besitzen mittleres Wissen, mittlere Erkenntnis, mittleren Besitz und mittlere Hilfsmittel.

vātasturūkṣalaghucalabahuśīghraśītaparuṣaviśadaḥ| tasyaraukṣyādvātalārūkṣāpacitālpaśarīrāḥpratatarūkṣakṣāmasannasaktajarjarasvarājāgarūkāścabhavanti, laghutvāllaghucapalagaticeṣṭāhāravyāhārāḥ, calatvādanavasthitasandhyakṣibhrūhanvoṣṭhajihvāśiraḥskandhapāṇipādāḥ, bahutvādbahupralāpakaṇḍarāsirāpratānāḥ, śīghratvācchrīghrasamārambhakṣobhavikārāḥśīghratrāsarāgavirāgāḥśrutagrāhiṇo'lpasmṛtayaśca, śaityācchītāsahiṣṇavaḥpratataśītakodvepakastambhāḥ, pāruṣyātparuṣakeśaśmaśruromanakhadaśanavadanapāṇipādāḥ, vaiśadyātsphuṭitāṅgāvayavāḥsatatasandhiśabdagāminaścabhavanti; taevaṅguṇayogādvātalāḥprāyeṇālpabalāścālpāyuṣaścālpāpatyāścālpasādhanāścālpadhanāścabhavanti

Das vāta ist trocken, leicht, beweglich, vielfältig, rasch, kalt, rau und uneben. Wegen der Trockenheit sind vāta-dominierte Menschen von trockenem, unentwickeltem, kleinem Körper, haben durchgehend eine trockene, matte, brüchig-heisere, gebrochene Stimme und sind wachsam bzw. schlaflos; wegen der Leichtigkeit haben sie einen leichten, unsteten Gang und ebensolche Bewegungen, Essen und Sprechen; wegen der Beweglichkeit sind ihre Gelenke, Augen, Brauen, Kiefer, Lippen, Zunge, Kopf, Schultern, Hände und Füße unstet; wegen der Vielfältigkeit reden sie viel und haben stark hervortretende Sehnen und Adern; wegen der Raschheit reagieren sie schnell mit Erregung und Störung, geraten rasch in Furcht oder Zuneigung wie auch Abneigung, fassen Gehörtes rasch auf, vergessen es aber auch schnell wieder; wegen der Kälte ertragen sie Kälte schlecht und leiden ständig unter Kälteschauern, Zittern und Erstarrung; wegen der Rauheit haben sie raue Haare, Bart, Körperhaare, Nägel, Zähne, ein raues Gesicht sowie raue Hände und Füße; wegen der Unebenheit haben sie rissige Körperglieder und gehen mit ständig knackenden Gelenken. Kraft dieser Eigenschaften sind vāta-dominierte Menschen meist von geringer Kraft, geringer Lebensdauer, wenig Nachkommen, wenig Mitteln und geringem Vermögen.

saṃsargātsaṃsṛṣṭalakṣaṇāḥ

Bei Mischung mehrerer doṣas in der Grundnatur zeigen sich entsprechend gemischte Kennzeichen.

sarvaguṇasamuditāstusamadhātavaḥ| ityevaṃprakṛtitaḥparīkṣeta

Wer alle guten Eigenschaften in sich vereint, hat ausgeglichene dhātus. So soll man den Kranken nach seiner Grundnatur (prakṛti) prüfen.

vikṛtitaścetivikṛtirucyatevikāraḥ| tatravikāraṃhetu-doṣa-dūṣya-prakṛti-deśa-kāla-balaviśeṣairliṅgataścaparīkṣeta, nahyantareṇahetvādīnāṃbalaviśeṣaṃvyādhibalaviśeṣopalabdhiḥ| yasyahivyādherdoṣa-dūṣya-prakṛti-deśa-kāla-balasāmyaṃbhavati, mahaccahetuliṅgabalaṃ, savyādhirbalavānbhavati; tadviparyayāccālpabalaḥ; madhyabalastudoṣadūṣyādīnāmanyatamasāmānyāddhetuliṅgamadhyabalatvāccopalabhyate

'Nach der Störung' (vikṛti) – Störung heißt der krankhafte Zustand (vikāra). Man soll die Störung nach der Besonderheit von Ursache (hetu), doṣa, betroffenem Gewebe (dūṣya), Grundnatur, Ort, Zeit und Kraft sowie nach den Krankheitszeichen prüfen; denn ohne die Besonderheit der Kraft von Ursache und den übrigen Faktoren lässt sich die Besonderheit der Krankheitskraft nicht erkennen. Bei einer Krankheit, bei der doṣa, dūṣya, Grundnatur, Ort, Zeit und Kraft übereinstimmend stark ausgeprägt sind und zudem die Kraft von Ursache und Zeichen groß ist, ist die Krankheit stark; im umgekehrten Fall ist sie schwach; von mittlerer Stärke aber erkennt man sie, wenn nur eines von doṣa, dūṣya und den übrigen stark ausgeprägt ist und die Kraft von Ursache und Zeichen mittelmäßig ist.

sārataścetisārāṇyaṣṭaupuruṣāṇāṃbalamānaviśeṣajñānārthamupadiśyante; tadyathā- tvagraktamāṃsamedo'sthimajjaśukrasattvānīti

'Nach der Substanzfülle' (sāra) – Acht Arten von sāra werden gelehrt, um das besondere Maß der Kraft der Menschen zu erkennen; nämlich: Substanzfülle von Haut, Blut, Muskelfleisch, Fettgewebe, Knochen, Knochenmark, Samen und Geistesverfassung (sattva).

tatrasnigdhaślakṣṇamṛduprasannasūkṣmālpagambhīrasukumāralomāsaprabhevacatvaktvaksārāṇām| sāsāratāsukhasaubhāgyaiśvaryopabhogabuddhividyārogyapraharṣaṇānyāyuṣyatvaṃcācaṣṭe

Bei denen, die Substanzfülle in der Haut haben, ist die Haut ölig, glatt, weich, klar, fein, mit wenigen, tiefliegenden, zarten Härchen bedeckt und glänzend. Diese Substanzfülle verheißt Wohlbefinden, Glück, Herrschaft/Ansehen, Genussfähigkeit, Verstand, Bildung, Gesundheit, Frohsinn und ein langes Leben.

karṇākṣimukhajihvānāsauṣṭhapāṇipādatalanakhalalāṭamehanaṃsnigdharaktavarṇaṃśrīmadbhrājiṣṇuraktasārāṇām| sāsāratāsukhamuddhatāṃmedhāṃmanasvitvaṃsaukumāryamanatibalamakleśasahiṣṇutvamuṣṇāsahiṣṇutvaṃcācaṣṭe

Bei denen, die Substanzfülle im Blut haben, sind Ohren, Augen, Mund, Zunge, Nase, Lippen, Hand- und Fußflächen, Nägel, Stirn und Geschlechtsteil von öliger, roter Farbe, glänzend und strahlend. Diese Substanzfülle verheißt Wohlbefinden, hervorragende Geisteskraft, Bedachtsamkeit, Zartheit, mäßige Kraft, geringe Fähigkeit, Strapazen zu ertragen, und Empfindlichkeit gegenüber Hitze.

śaṅkhalalāṭakṛkāṭikākṣigaṇḍahanugrīvāskandhodarakakṣavakṣaḥpāṇipādasandhayaḥsthiraguruśubhamāṃsopacitāmāṃsasārāṇām| sāsāratākṣamāṃdhṛtimalaulyaṃvittaṃvidyāṃsukhamārjavamārogyaṃbalamāyuścadīrghamācaṣṭe

Bei denen, die Substanzfülle im Muskelfleisch haben, sind Schläfen, Stirn, Nacken, Augen, Wangen, Kiefer, Hals, Schultern, Bauch, Achselhöhlen, Brust sowie Hand- und Fußgelenke fest, kräftig und mit schönem, reichlichem Muskelfleisch bedeckt. Diese Substanzfülle verheißt Geduld, Standhaftigkeit, Freiheit von Gier, Reichtum, Bildung, Wohlbefinden, Aufrichtigkeit, Gesundheit, Kraft und langes Leben.

varṇasvaranetrakeśalomanakhadantauṣṭhamūtrapurīṣeṣuviśeṣataḥsnehomedaḥsārāṇām| sāsāratāvittaiśvaryasukhopabhogapradānānyārjavaṃsukumāropacāratāṃcācaṣṭe

Bei denen, die Substanzfülle im Fettgewebe haben, zeigt sich besonderer Glanz an Hautfarbe, Stimme, Augen, Haaren, Körperhaaren, Nägeln, Zähnen, Lippen, Harn und Kot. Diese Substanzfülle verheißt Reichtum, Herrschaft, Wohlbefinden, Genuss und Freigebigkeit, Aufrichtigkeit und ein zartes, gepflegtes Wesen.

pārṣṇigulphajānvaratnijatrucibukaśiraḥparvasthūlāḥsthūlāsthinakhadantāścāsthisārāḥ| temahotsāhāḥkriyāvantaḥkleśasahāḥsārasthiraśarīrābhavantyāyuṣmantaśca

Bei denen, die Substanzfülle in den Knochen haben, sind Fersen, Sprunggelenke, Knie, Unterarme, Schlüsselbeine, Kinn, Kopf und Gelenke kräftig ausgeprägt, und Knochen, Nägel und Zähne sind groß und kräftig. Sie sind voll großen Tatendrangs, handlungsfreudig, ertragen Strapazen gut, haben einen substanzstarken, festen Körper und ein langes Leben.

mṛdvaṅgābalavantaḥsnigdhavarṇasvarāḥsthūladīrghavṛttasandhayaścamajjasārāḥ| tedīrghāyuṣobalavantaḥśrutavittavijñānāpatyasammānabhājaścabhavanti

Bei denen, die Substanzfülle im Knochenmark haben, sind die Glieder weich, sie sind kräftig, haben eine ölig-glänzende Hautfarbe und Stimme, und ihre Gelenke sind groß, lang und rund. Sie sind langlebig, kräftig und erfreuen sich an Gelehrsamkeit, Reichtum, Erkenntnis, Nachkommen und Ansehen.

saumyāḥsaumyaprekṣiṇaḥkṣīrapūrṇalocanāivapraharṣabahulāḥsnigdhavṛttasārasamasaṃhataśikharadaśanāḥprasannasnigdhavarṇasvarābhrājiṣṇavomahāsphicaścaśukrasārāḥ| testrīpriyopabhogā balavantaḥsukhaiśvaryārogyavittasammānāpatyabhājaścabhavanti

Bei denen, die Substanzfülle im Samen haben, ist das Wesen mild und der Blick sanft, ihre Augen erscheinen wie milchgefüllt, sie sind sehr freudvoll, haben ölig-glänzende, runde, kräftige, gleichmäßig geschlossene, spitz zulaufende Zähne, heitere, ölig-glänzende Hautfarbe und Stimme, sind strahlend und haben kräftige Hüften. Sie lieben und genießen Frauen, sind kräftig und erfreuen sich an Wohlbefinden, Herrschaft, Gesundheit, Reichtum, Ansehen und Nachkommen.

smṛtimantobhaktimantaḥkṛtajñāḥprājñāḥśucayomahotsāhādakṣādhīrāḥsamaravikrāntayodhinastyaktaviṣādāḥsuvyavasthitagatigambhīrabuddhiceṣṭāḥkalyāṇābhiniveśinaścasattvasārāḥ| teṣāṃsvalakṣaṇairevaguṇāvyākhyātāḥ

Bei denen, die Substanzfülle in der Geistesverfassung (sattva) haben, zeigt sich: gutes Gedächtnis, Ergebenheit, Dankbarkeit, Klugheit, Lauterkeit, großer Tatendrang, Geschicklichkeit, Standhaftigkeit, tapferer Kampfesmut im Ernstfall, Freiheit von Verzagtheit, wohlgeordneter Gang, tiefsinniges Denken und Handeln sowie Hinwendung zum Guten. Bei ihnen sind die Vorzüge bereits durch ihre eigenen Kennzeichen dargelegt.

tatrasarvaiḥsārairupetāḥpuruṣābhavantyatibalāḥparamasukhayuktāḥ] kleśasahāḥsarvārambheṣvātmanijātapratyayāḥkalyāṇābhiniveśinaḥsthirasamāhitaśarīrāḥsusamāhitagatayaḥsānunādasnigdhagambhīramahāsvarāḥsukhaiśvaryavittopabhogasammānabhājomandajarasomandavikārāḥprāyastulyaguṇavistīrṇāpatyāścirajīvinaśca

Menschen, die mit allen acht Arten der Substanzfülle ausgestattet sind, sind überaus kraftvoll, von höchstem Wohlbefinden erfüllt, ertragen Strapazen gut, haben bei jedem Unterfangen Selbstvertrauen, wenden sich dem Guten zu, haben einen festen, wohlgeordneten Körper, einen wohlgeordneten Gang, eine wohlklingende, nachhallende, ölig-tiefe, kraftvolle Stimme, erfreuen sich an Wohlbefinden, Herrschaft, Reichtum, Genuss und Ansehen, altern langsam, erkranken selten, haben meist zahlreiche, ihnen ebenbürtige Nachkommen und leben lange.

atoviparītāstvasārāḥ

Diesem entgegengesetzt sind hingegen die Substanzlosen (asāra).

madhyānāṃmadhyaiḥsāraviśeṣairguṇaviśeṣāvyākhyātābhavanti

Bei den mittleren Menschen sind die besonderen Eigenschaften durch die mittleren Ausprägungen der Substanzfülle bereits erklärt.

itisārāṇyaṣṭaupuruṣāṇāṃbalapramāṇaviśeṣajñānārthamupadiṣṭānibhavanti

So wurden diese acht Arten der Substanzfülle gelehrt, um das besondere Maß der Kraft der Menschen zu erkennen.

kathaṃnuśarīramātradarśanādevabhiṣaṅmuhyedayamupacitatvādbalavān, ayamalpabalaḥkṛśatvāt, mahābalo'yaṃmahāśarīratvāt, ayamalpaśarīratvādalpabalaiti; dṛśyantehyalpaśarīrāḥkṛśāścaikebalavantaḥ; tatrapipīlikābhāraharaṇavatsiddhiḥ| ataścasārataḥparīkṣetetyuktam]

Wie könnte sich nun ein Arzt allein durch den Anblick des Körpers täuschen und meinen: 'Dieser ist wohlgenährt, also kräftig; jener ist mager, also schwach; dieser hat einen großen Körper, also große Kraft; jener hat einen kleinen Körper, also wenig Kraft'? Denn man sieht ja manche mit kleinem, magerem Körper, die dennoch kräftig sind; hier gilt es wie beim Lasttragen der Ameise, die im Verhältnis zu ihrer Größe Erstaunliches leistet. Deshalb wurde gesagt, man solle nach der Substanzfülle (sāra) prüfen.

saṃhananataścetisaṃhananaṃ, saṃhatiḥ], saṃyojanamityeko'rthaḥ| tatrasamasuvibhaktāsthi, subaddhasandhi, suniviṣṭamāṃsaśoṇitaṃ, susaṃhataṃśarīramityucyate| tatrasusaṃhataśarīrāḥpuruṣābalavantaḥ, viparyayeṇālpabalāḥ, madhyatvātsaṃhananasyamadhyabalābhavanti

'Nach dem Körperbau' (saṃhanana) – saṃhanana, saṃhati und saṃyojana sind gleichbedeutend und meinen den Zusammenhalt des Körpers. Ein Körper mit gleichmäßig gegliederten Knochen, gut verbundenen Gelenken und fest sitzendem Muskelfleisch und Blut heißt 'wohlgefügt' (susaṃhata). Menschen mit wohlgefügtem Körper sind kräftig, im umgekehrten Fall sind sie schwach; bei mittlerem Körperbau sind sie von mittlerer Kraft.

pramāṇataścetiśarīrapramāṇaṃpunaryathāsvenāṅgulipramāṇenopadekṣyateutsedhavistārāyāmairyathākramam| tatrapādau] catvāriṣaṭcaturdaśāṅgulāni, jaṅghetvaṣṭādaśāṅguleṣoḍaśāṅgulaparikṣepeca, jānunīcaturaṅguleṣoḍaśāṅgulaparikṣepe, triṃśadaṅgulaparikṣepāvaṣṭādaśāṅgulāvūru, ṣaḍaṅguladīrghauvṛṣaṇāvaṣṭāṅgulapariṇāhau, śephaḥṣaḍaṅguladīrghaṃpañcāṅgulapariṇāhaṃ, dvādaśāṅgulipariṇāhobhagaḥ, ṣoḍaśāṅgulavistārākaṭī, daśāṅgulaṃbastiśiraḥ, daśāṅgulavistāraṃdvādaśāṅgulamudaraṃ, daśāṅgulavistīrṇedvādaśāṅgulāyāmepārśve, dvādaśāṅgulaṃstanāntaraṃ, dvyaṅgulaṃstanaparyantaṃ, caturviśatyaṅgulaviśālaṃdvādaśāṅgulotsedhamuraḥ, dvyaṅgulaṃ] hṛdayam, aṣṭāṅgulauskandhau, ṣaḍaṅgulāvaṃsau, ṣoḍaśāṅgulauprabāhū, pañcadaśāṅgulauprapāṇī, hastaudvādaśāṅgulau] , kakṣāvaṣṭāṅgulau, trikaṃdvādaśāṅgulotsedham, aṣṭādaśāṅgulotsedhaṃpṛṣṭhaṃ, caturaṅgulotsedhādvāviṃśatyaṅgulapariṇāhāśirodharā, dvādaśāṅgulotsedhaṃcaturviṃśatyaṅgulapariṇāhamānanaṃ, pañcāṅgulamāsyaṃ, cibukauṣṭhakarṇākṣimadhyanāsikālalāṭaṃcaturaṅgulaṃ, ṣoḍaśāṅgulotsedhaṃdvātriṃśadaṅgulapariṇāhaṃśiraḥ; itipṛthaktvenāṅgāvayavānāṃmānamuktam| kevalaṃpunaḥśarīramaṅguliparvāṇicaturaśītiḥ| tadāyāmavistārasamaṃsamucyate| tatrāyurbalamojaḥsukhamaiśvaryaṃvittamiṣṭāścāparebhāvābhavantyāyattāḥpramāṇavatiśarīre; viparyayastvatohīne'dhikevā

'Nach dem Körpermaß' (pramāṇa) – Das Körpermaß wird nun mit dem eigenen Fingermaß (svāṅgula) des Betreffenden angegeben, der Reihe nach in Höhe, Breite und Länge der einzelnen Glieder: An den Füßen [messen die Zehenglieder] vier, sechs und vierzehn Finger; die Unterschenkel sind achtzehn Finger lang bei sechzehn Fingern Umfang; die Knie messen vier Finger bei sechzehn Fingern Umfang; die Oberschenkel sind achtzehn Finger lang bei dreißig Fingern Umfang; die Hoden sind sechs Finger lang bei acht Fingern Umfang; das männliche Glied ist sechs Finger lang bei fünf Fingern Umfang; die Scham hat einen Umfang von zwölf Fingern; die Hüfte ist sechzehn Finger breit; der Blasenbereich misst zehn Finger; der Bauch ist zehn Finger breit und zwölf Finger lang; die beiden Flanken sind je zehn Finger breit und zwölf Finger lang; der Abstand zwischen den Brustwarzen beträgt zwölf Finger, der Warzenhof zwei Finger; die Brust ist vierundzwanzig Finger breit und zwölf Finger hoch; das Herz misst zwei Finger; die Schultern sind acht Finger, die Schulterblätter sechs Finger; die Oberarme sind sechzehn Finger, die Unterarme fünfzehn Finger lang; die Hände messen zwölf Finger; die Achselhöhlen acht Finger; das Kreuzbein ist zwölf Finger hoch; der Rücken achtzehn Finger hoch; der Hals ist vier Finger hoch bei zweiundzwanzig Fingern Umfang; das Gesicht ist zwölf Finger hoch bei vierundzwanzig Fingern Umfang; der Mund misst fünf Finger; Kinn, Lippen, Ohren, Augenabstand, Nase und Stirn je vier Finger; der Kopf ist sechzehn Finger hoch bei zweiunddreißig Fingern Umfang. So wurde das Maß der einzelnen Körperglieder je für sich angegeben. Der Körper insgesamt aber misst vierundachtzig Fingerglieder (aṅguliparvan); wenn Länge und Breite des Körpers einander entsprechen, heißt er 'ebenmäßig' (sama). Bei einem Körper von rechtem Maß hängen daran Lebensdauer, Kraft, ojas, Wohlbefinden, Herrschaft, Reichtum und andere erwünschte Zustände; im Gegensatz dazu, bei einem Körper, der geringer oder größer als das rechte Maß ist, das Gegenteil.

sātmyataścetisātmyaṃnāmatadyatsātatyenopasevyamānamupaśete| tatrayeghṛtakṣīratailamāṃsarasasātmyāḥsarvarasasātmyāścatebalavantaḥkleśasahāścirajīvinaścabhavanti, rūkṣasātmyāḥpunarekarasasātmyāścayeteprāyeṇālpabalāalpakleśasahāalpāyuṣo'lpasādhanāścabhavanti, vyāmiśrasātmyāstuyetemadhyabalāḥsātmyanimittatobhavanti

'Nach der Verträglichkeit' (sātmya) – sātmya heißt das, was, dauernd genossen, gut bekommt. Diejenigen, denen Ghee, Milch, Öl und Fleischbrühe zuträglich sind und denen alle Geschmacksrichtungen (rasa) zuträglich sind, sind kräftig, ertragen Strapazen und leben lange; diejenigen aber, denen nur Trockenes und nur ein einziger rasa zuträglich ist, sind meist von geringer Kraft, ertragen wenig, haben eine kurze Lebensdauer und wenig Mittel; diejenigen aber, deren Verträglichkeit gemischt ist, sind, verträglichkeitsbedingt, von mittlerer Kraft.

sattvataścetisattvamucyatemanaḥ| taccharīrasyatantrakamātmasaṃyogāt| tattrividhaṃbalabhedena- pravaraṃ, madhyam, avaraṃceti; ataścapravaramadhyāvarasattvāḥpuruṣābhavanti| tatrapravarasattvāḥsattvasārāstesāreṣūpadiṣṭāḥ, svalpaśarīrāhyapitenijāgantunimittāsumahatīṣvapipīḍāsvavyathā] dṛśyantesattvaguṇavaiśeṣyāt; madhyasattvāstvaparānātmanyupanidhāya] saṃstambhayantyātmanā''tmānaṃparairvā'pisaṃstabhyante; hīnasattvāstunātmanānāpiparaiḥsattvabalaṃpratiśakyanteupastambhayituṃ, mahāśarīrāhyapitesvalpānāmapivedanānāmasahādṛśyante, sannihitabhayaśokalobhamohamānāraudrabhairavadviṣṭabībhatsavikṛtasaṅkathāsvapicapaśupuruṣamāṃsaśoṇitānicāvekṣyaviṣādavaivarṇyamūrcchonmādabhramaprapatanānāmanyatamamāpnuvantyathavāmaraṇamiti

'Nach der Geistesverfassung' (sattva) – sattva heißt der Geist (manas). Er ist, durch die Verbindung mit dem Selbst (ātman), das lenkende Prinzip des Körpers. Er ist, nach der Kraft unterschieden, dreifach: hervorragend, mittelmäßig und gering; entsprechend gibt es Menschen mit hervorragender, mittlerer und geringer Geistesverfassung. Menschen mit hervorragender Geistesverfassung sind 'sattva-substanzstark' (sattvasāra) – sie wurden bereits bei den acht Arten der Substanzfülle genannt: Selbst bei sehr kleinem Körper zeigen sie sich, aus angeborener oder zufälliger Ursache, auch bei sehr großen Schmerzen unerschüttert, kraft der Vorzüglichkeit ihrer geistigen Eigenschaft. Menschen mittlerer Geistesverfassung können, wenn sie sich an anderen orientieren, sich selbst durch eigene Kraft festigen, oder werden von anderen gestützt. Menschen mit geringer Geistesverfassung können weder aus eigener Kraft noch durch andere zu geistiger Standhaftigkeit gebracht werden; selbst bei großem Körper zeigen sie sich schon geringsten Schmerzen gegenüber unfähig, sie zu ertragen; angesichts nahender Furcht, Kummer, Gier, Verblendung, Stolz, Schrecklichem, Furchtbarem, Verhasstem, Abscheulichem oder entstellten Gestalten, sowie beim Anblick von Tier- oder Menschenfleisch und -blut, verfallen sie in Verzagtheit, Blässe, Ohnmacht, Wahnsinn, Schwindel oder Umfallen – oder gar in den Tod.

āhāraśaktitaścetiāhāraśaktirabhyavaharaṇaśaktyājaraṇaśaktayācaparīkṣyā; balāyuṣīhyāhārāyatte

'Nach der Kraft der Nahrungsaufnahme' (āhāraśakti) – die Kraft der Nahrung ist sowohl an der Fähigkeit zur Aufnahme als auch an der Fähigkeit zur Verdauung zu prüfen; denn Kraft und Lebensdauer hängen von der Nahrung ab.

vyāyāmaśaktitaścetivyāyāmaśaktirapikarmaśaktyāparīkṣyā| karmaśaktyāhyanumīyatebalatraividhyam

'Nach der Kraft zur körperlichen Anstrengung' (vyāyāmaśakti) – auch diese ist an der Leistungsfähigkeit bei der Tätigkeit zu prüfen; denn an der Leistungsfähigkeit bei der Tätigkeit erschließt man die drei Grade der Kraft.

vayastaścetikālapramāṇaviśeṣāpekṣiṇīhiśarīrāvasthāvayo'bhidhīyate| tadvayoyathāsthūlabhedenatrividhaṃ- bālaṃ, madhyaṃ, jīrṇamiti| tatrabālamaparipakvadhātumajātavyañjanaṃsukumāramakleśasahamasampūrṇabalaṃśleṣmadhātuprāyamāṣoḍaśavarṣaṃ, vivardhamānadhātuguṇaṃpunaḥprāyeṇānavasthitasattvamātriṃśadvarṣamupadiṣṭaṃ; madhyaṃpunaḥsamatvāgatabalavīryapauruṣaparākramagrahaṇadhāraṇasmaraṇavacanavijñānasarvadhātuguṇaṃbalasthitamavasthitasattvamaviśīryamāṇadhātuguṇaṃpittadhātuprāyamāṣaṣṭivarṣamupadiṣṭam; ataḥparaṃ hīyamānadhātvindriyabalavīryapauruṣaparākramagrahaṇadhāraṇasmaraṇavacanavijñānaṃbhraśyamānadhātuguṇaṃvāyudhātuprāyaṃkrameṇajīrṇamucyateāvarṣaśatam| varṣaśataṃkhalvāyuṣaḥpramāṇamasminkāle; santicapunaradhikonavarṣaśatajīvino'pimanuṣyāḥ; teṣāṃvikṛtivarjyaiḥprakṛtyādibalaviśeṣairāyuṣolakṣaṇataścapramāṇamupalabhyavayasastritvaṃvibhajet

'Nach dem Lebensalter' (vayas) – Lebensalter heißt der Körperzustand, insofern er von der besonderen Zeitspanne abhängt. Dieses Lebensalter ist, grob unterschieden, dreifach: Kindheit, mittleres Alter und Greisenalter. Kindheit ist gekennzeichnet durch noch nicht ausgereifte dhātus, noch nicht hervorgetretene Geschlechtsmerkmale, Zartheit, Unfähigkeit, Strapazen zu ertragen, und unvollständige Kraft; sie ist überwiegend von der Beschaffenheit des śleṣma-dhātu geprägt und dauert bis zum sechzehnten Jahr; mit wachsenden dhātu-Eigenschaften, aber meist noch unbeständiger Geistesverfassung, wird sie bis zum dreißigsten Jahr gelehrt. Das mittlere Alter ist gekennzeichnet durch ausgeglichene, voll entwickelte Kraft, Stärke, Mannhaftigkeit, Tatkraft, Auffassungsgabe, Gedächtnis, Erinnerungsvermögen, Sprache und Erkenntnisfähigkeit sowie alle dhātu-Eigenschaften; es ist von fester Kraft, beständiger Geistesverfassung, unverfallenden dhātu-Eigenschaften, überwiegend von der Beschaffenheit des pitta-dhātu geprägt und dauert bis zum sechzigsten Jahr. Danach, mit abnehmender Kraft der dhātus und Sinnesorgane, abnehmender Stärke, Mannhaftigkeit, Tatkraft, Auffassungsgabe, Gedächtnis, Erinnerungsvermögen, Sprache und Erkenntnisfähigkeit, mit allmählich verfallenden dhātu-Eigenschaften und überwiegend von der Beschaffenheit des vāyu-dhātu geprägt, heißt der Zustand nach und nach 'Greisenalter', bis zum hundertsten Jahr. Hundert Jahre sind wahrlich das Maß der Lebensdauer in diesem Zeitalter; es gibt aber auch Menschen, die noch über hundert Jahre hinaus leben. Bei ihnen soll man, unter Ausschluss krankhafter Abweichungen, anhand der besonderen Kraft von Grundnatur und den übrigen Faktoren das Maß der Lebensdauer nach ihren Kennzeichen bestimmen und danach die Dreiteilung des Lebensalters vornehmen.

evaṃprakṛtyādīnāṃvikṛtivarjyānāṃbhāvānāṃpravaramadhyāvaravibhāgenabalaviśeṣaṃvibhajet| vikṛtibalatraividhyenatudoṣabalaṃtrividhamanumīyate| tatobhaiṣajyasyatīkṣṇamṛdumadhyavibhāgenatraividhyaṃvibhajyayathādoṣaṃbhaiṣajyamavacārayediti

So soll man, anhand der Grundnatur und der übrigen neun Faktoren, unter Ausschluss krankhafter Abweichungen, die Besonderheit der Kraft nach der Einteilung in hervorragend, mittel und gering bestimmen. Anhand der Dreiteilung der Kraft der Störung (vikṛti) aber wird die Kraft des doṣa in dreifacher Weise erschlossen. Danach soll man, indem man die Arznei nach der Dreiteilung in scharf, mild und mittel einteilt, die Arznei dem doṣa entsprechend anwenden.

āyuṣaḥpramāṇajñānahetoḥpunarindriyeṣu] jātisūtrīyecalakṣaṇānyupadekṣyante

Zum Zweck der Kenntnis des Maßes der Lebensdauer aber werden die entsprechenden Kennzeichen an den Sinnesorganen und im Kapitel 'Jātisūtrīya' [Indriyasthāna] gelehrt werden.

kālaḥpunaḥsaṃvatsaraścāturāvasthāca| tatrasaṃvatsarodvidhātridhāṣoḍhādvādaśadhābhūyaścāpyataḥpravibhajyatetattatkāryamabhisamīkṣya| atrakhalutāvatṣoḍhāpravibhajyakāryamupadekṣyate- hemantogrīṣmovarṣāścetiśītoṣṇavarṣalakṣaṇāstrayaṛtavobhavanti, teṣāmantareṣvitaresādhāraṇalakṣaṇāstrayaṛtavaḥ- prāvṛṭśaradvasantāiti| prāvṛḍitiprathamaḥpravṛṣṭaḥkālaḥ, tasyānubandhohivarṣāḥ| evametesaṃśodhanamadhikṛtyaṣaṭvibhajyanteṛtavaḥ

Die Zeit (kāla) aber ist das Jahr und der Zustand des Kranken. Das Jahr wird, je nach dem jeweils zu behandelnden Zweck, zweifach, dreifach, sechsfach oder zwölffach eingeteilt. Hier nun soll zunächst die sechsfache Einteilung im Hinblick auf ihre Bedeutung dargelegt werden: Winter (hemanta), Sommer (grīṣma) und Regenzeit (varṣā) sind die drei Jahreszeiten mit den Merkmalen kalt, heiß und regnerisch; dazwischen liegen die übrigen drei Jahreszeiten mit gemischten Merkmalen: Frühregenzeit (prāvṛṭ), Herbst (śarad) und Frühling (vasanta). Prāvṛṭ heißt die erste Zeit des einsetzenden Regens, ihr folgt die eigentliche Regenzeit. So werden diese sechs Jahreszeiten im Hinblick auf die Reinigungstherapie (śodhana) eingeteilt.

tatrasādhāraṇalakṣaṇeṣvṛtuṣuvamanādīnāṃpravṛttirvidhīyate, nivṛttiritareṣu| sādhāraṇalakṣaṇāhimandaśītoṣṇavarṣatvātsukhatamāścabhavantyavikalpakāścaśarīrauṣadhānām, itarepunaratyarthaśītoṣṇavarṣatvādduḥkhatamāśca bhavantivikalpakāścaśarīrauṣadhānām

In den Jahreszeiten mit gemischten, ausgeglichenen Merkmalen wird die Anwendung von Brechmitteln (vamana) und dergleichen vorgeschrieben, in den übrigen ihr Unterlassen. Denn die Jahreszeiten mit gemischten Merkmalen sind, da mäßig kalt, warm und regnerisch, am angenehmsten und beeinträchtigen weder Körper noch Arzneien; die übrigen dagegen sind, da übermäßig kalt, heiß oder regnerisch, am unangenehmsten und beeinträchtigen sowohl Körper als auch Arzneien.

tatrahemantehyatimātraśītopahatatvāccharīramasukhopapannaṃbhavatyatiśītavātādhmātamatidāruṇībhūtamavabaddhadoṣaṃca, bheṣajaṃpunaḥsaṃśodhanārthamuṣṇasvabhāvamatiśītopahatatvānmandavīryatvamāpadyate, tasmāttayoḥsaṃyogesaṃśodhanamayogāyopapadyateśarīramapicavātopadravāya| grīṣmepunarbhṛśoṣṇopahatatvāccharīramasukhopapannaṃbhavatyuṣṇavātātapādhmātamatiśithilamatyarthapravilīnadoṣaṃ, bheṣajaṃpunaḥsaṃśodhanārthamuṣṇasvabhāvamuṣṇānugamanāttīkṣṇataratvamāpadyate, tasmāttayoḥsaṃyogesaṃśodhanamatiyogāyopapadyateśarīramapipipāsopadravāya| varṣāsutumeghajalāvatategūḍhārkacandratāredhārākuleviyatibhūmaupaṅkajalapaṭalasaṃvṛtāyāmatyarthopaklinnaśarīreṣubhūteṣuvihatasvabhāveṣucakevaleṣvauṣadhagrāmeṣutoyatoyadānugatamārutasaṃsargādgurupravṛttīnivamanādīnibhavanti, gurusamutthānānicaśarīrāṇi| tasmādvamanādīnāṃnivṛttirvidhīyatevarṣānteṣvṛtuṣu , nacedātyayikaṃkarma| ātyayikepunaḥkarmaṇikāmamṛtuṃvikalpyakṛtrimaguṇopadhānenayathartuguṇaviparītenabheṣajaṃsaṃyogasaṃskārapramāṇavikalpenopapādyapramāṇavīryasamaṃkṛtvātataḥprayojayeduttamenayatnenāvahitaḥ

Im Winter (hemanta) nämlich wird der Körper, da durch übermäßige Kälte geschädigt, unbehaglich – übermäßig von kaltem Wind aufgebläht, sehr verhärtet und mit gebundenen doṣas; die Arznei aber, obwohl ihrer Natur nach heiß und zur Reinigung bestimmt, verliert, da sie durch die übermäßige Kälte geschädigt ist, an Wirkkraft; deshalb führt ihre Verbindung mit dem winterlichen Körper zu unzureichender Wirkung der Reinigung, und der Körper wird zudem von vāta-Störungen befallen. Im Sommer (grīṣma) dagegen wird der Körper, da durch übermäßige Hitze geschädigt, unbehaglich – von heißem Wind und Sonnenglut aufgebläht, übermäßig schlaff, mit stark verflüssigten doṣas; die Arznei aber wird, ihrer heißen Natur wegen und da die Hitze im Sommer noch verstärkt wird, übermäßig scharf; deshalb führt ihre Verbindung mit dem sommerlichen Körper zu übermäßiger Wirkung der Reinigung, und der Körper wird zudem von Durstbeschwerden befallen. In der Regenzeit (varṣā) aber, wenn der Himmel von Wolkenwasser überzogen, Sonne und Mond samt Sternen verdeckt sind, der Regen in Strömen niedergeht, der Boden von Schlamm- und Wasserdecken bedeckt ist, die Wesen übermäßig durchnässte Körper haben und ihre eigentliche Natur verändert ist, sind auch die schlichten Arzneipflanzenbestände durch den Kontakt mit dem von Wasser durchtränkten, feuchtigkeitsgetragenen Wind in ihrer Wirkung schwerfällig geworden, und ebenso sind auch die Körper schwerfällig geworden. Deshalb wird das Unterlassen von Brechmitteln und dergleichen in den Randzeiten der Regenzeit vorgeschrieben – es sei denn, es handelt sich um eine dringliche Behandlung (ātyayika karma). Bei einer dringlichen Behandlung aber soll man, nach Belieben von der Jahreszeit absehend, durch künstliche Beigabe der der jeweiligen Jahreszeit entgegengesetzten Eigenschaften die Arznei mittels Veränderung von Zusammensetzung, Zubereitung und Dosierung so anpassen, dass Dosierung und Wirkkraft dem Zustand angemessen sind, und sie dann mit größter Sorgfalt und Umsicht anwenden.

āturāvasthāsvapitukāryākāryaṃpratikālākālasañjñā; tadyathā- asyāmavasthāyāmasyabheṣajasyākālaḥ, kālaḥpunaranyasyeti; etadapihibhavatyavasthāviśeṣeṇa; tasmādāturāvasthāsvapihikālākālasañjñā| tasyaparīkṣā- muhurmuhurāturasyasarvāvasthāviśeṣāvekṣaṇaṃyathāvadbheṣajaprayogārtham| nahyatipatitakālamaprāptakālaṃvābheṣajamupayujyamānaṃyaugikaṃbhavati; kālohibhaiṣajyaprayogaparyāptimabhinirvartayati

Auch bei den verschiedenen Zuständen des Kranken gibt es, im Hinblick darauf, was zu tun und was zu unterlassen ist, den Begriff von rechter und unrechter Zeit; so gilt: In diesem Zustand ist diese Arznei nicht am Platz, wohl aber eine andere – denn auch dies richtet sich nach der jeweiligen Besonderheit des Zustands. Deshalb gibt es auch bei den Zuständen des Kranken den Begriff von rechter und unrechter Zeit. Seine Prüfung besteht darin, immer wieder alle besonderen Zustände des Kranken zu beobachten, um die Arznei richtig anzuwenden. Denn eine Arznei, die zu spät oder zu früh angewendet wird, entfaltet nicht ihre volle Wirkung; die rechte Zeit nämlich bringt die Wirksamkeit der Arzneianwendung erst zur Vollendung.

pravṛttistupratikarmasamārambhaḥ| tasyalakṣaṇaṃbhiṣagauṣadhāturaparicārakāṇāṃkriyāsamāyogaḥ

Das Vorgehen (pravṛtti) aber ist der Beginn der eigentlichen Behandlung. Sein Kennzeichen ist das zusammenwirkende Handeln von Arzt, Arznei, Kranken und Pflegepersonal.

upāyaḥpunarbhiṣagādīnāṃsauṣṭhavamabhividhānaṃcasamyak| tasyalakṣaṇaṃ- bhiṣagādīnāṃyathoktaguṇasampatdeśakālapramāṇasātmyakriyādibhiścasiddhikāraṇaiḥsamyagupapāditasyauṣadhasyāvacāraṇamiti

Das Mittel (upāya) aber ist die Tüchtigkeit von Arzt und den übrigen Faktoren sowie die rechte, umfassende Anordnung. Sein Kennzeichen ist die richtige Anwendung einer Arznei, die durch die genannte Vorzüglichkeit der Eigenschaften von Arzt und den übrigen sowie durch Ort, Zeit, Dosierung, Verträglichkeit, Zubereitung und die übrigen Erfolgsbedingungen sachgemäß hergerichtet wurde.

evametedaśaparīkṣyaviśeṣāḥpṛthakpṛthakparīkṣitavyābhavanti

So sind diese zehn besonderen Gegenstände der Prüfung je einzeln zu prüfen.

parīkṣāyāstukhaluprayojanaṃpratipattijñānampratipattirnāmayovikāroyathāpratipattavyastasyatathā'nuṣṭhānajñānam

Der Zweck der Prüfung aber ist die Kenntnis des rechten Vorgehens (pratipatti). Pratipatti heißt die Kenntnis, wie bei einer Störung – so wie sie zu behandeln ist – entsprechend zu verfahren ist.

yatratukhaluvamanādīnāṃpravṛttiḥ, yatracanivṛttiḥ, tadvyāsataḥsiddhiṣūttaramupadekṣyāmaḥ

Wo nun die Anwendung von Brechmitteln und dergleichen angezeigt ist und wo ihr Unterlassen, das werden wir ausführlich später im Kapitel 'Siddhi' [Siddhisthāna] darlegen.

pravṛttinivṛttilakṣaṇasaṃyogetugurulāghavaṃsampradhāryasamyagadhyavasyedanyataraniṣṭhāyāmsantihivyādhayaḥśāstreṣūtsargāpavādairupakramaṃpratinirdiṣṭāḥ| tasmādgurulāghavaṃsampradhāryasamyagadhyavasyedityuktam

Treffen aber die Kennzeichen für Anwendung und Unterlassung zusammen, so soll man, nachdem man das jeweilige Gewicht der Gründe gegeneinander abgewogen hat, sich für die eine oder andere Entscheidung richtig entschließen; denn in den Lehrschriften sind Krankheiten hinsichtlich ihrer Behandlung durch allgemeine Regeln und Ausnahmen bestimmt. Deshalb wurde gesagt, man solle das Gewicht der Gründe abwägen und sich richtig entschließen.

yānitukhaluvamanādiṣubheṣajadravyāṇyupayogaṃgacchantitānyanuvyākhyāsyāmaḥ| tadyathā- phalajīmūtakekṣvākudhāmārgavakuṭajakṛtavedhanaphalāni, phalajīmūtakekṣvākudhāmārgavapatrapuṣpāṇiāragvadhavṛkṣakamadanasvādukaṇṭakapāṭhāpāṭalāśārṅgeṣṭāmūrvāsaptaparṇanaktamālapicumardapaṭolasuṣavīguḍūcī- citrakasomavalkaśatāvarīdvīpīśigrumūlakaṣāyaiḥ, madhukamadhūkakovidārakarvudāranīpavidulabimbīśaṇapuṣpīsadāpuṣpāpratyakpuṣpākaṣāyaiśca, elāhareṇupriyaṅgupṛthvīkākustumburutagaranaladahrīveratālīśośīrakaṣāyaiśca , ikṣukāṇḍekṣvikṣuvālikādarbhapoṭagalakālaṅkṛ(ṅka)takaṣāyaiśca, sumanāsaumanasyāyanīharidrādāruharidrāvṛścīrapunarnavāmahāsahākṣudrasahākaṣāyaiśca, śālmaliśālmalikabhadraparṇyelāparṇyupodikoddālakadhanvanarājādanopacitrāgopīśṛṅgāṭikākaṣāyaiśca, pippalīpippalīmūlacavyacitrakaśṛṅgaverasarṣapaphāṇitakṣīrakṣāralavaṇodakaiśca, yathālābhaṃyatheṣṭaṃvā'pyupasaṃskṛtyavartikriyācūrṇāvalehasnehakaṣāyamāṃsarasayavāgūyūṣakāmbalikakṣīropadheyānmodakānanyāṃścabhakṣyaprakārānvividhānanuvidhāyayathārhaṃvamanārhāyadadyādvidhivadvamanam| itikalpasaṅgrahovamanadravyāṇām| kalpameṣāṃvistāreṇottarakālamupadekṣyāmaḥ

Nun wollen wir die Arzneistoffe darlegen, die bei Brechmitteln (vamana) und dergleichen Anwendung finden. Nämlich: die Früchte von Jīmūtaka, Ikṣvāku, Dhāmārgava, Kuṭaja und Kṛtavedhana; die Blätter und Blüten von Jīmūtaka, Ikṣvāku und Dhāmārgava; ferner Absude von Āragvadha, Vṛkṣaka, Madana, Svādukaṇṭaka, Pāṭhā, Pāṭalā, Śārṅgeṣṭā, Mūrvā, Saptaparṇa, Naktamāla, Picumarda (Nimba), Paṭola, Suṣavī und Guḍūcī, Citraka, Somavalka, Śatāvarī, Dvīpī und der Wurzel des Śigru; ferner Absude von Madhuka, Madhūka, Kovidāra, Karvudāra, Nīpa, Vidula, Bimbī, Śaṇapuṣpī, Sadāpuṣpā und Pratyakpuṣpā; ferner Absude von Kardamom, Hareṇu, Priyaṅgu, Pṛthvīkā, Koriander, Tagara, Nalada, Hrīvera, Tālīśa und Uśīra; ferner Absude von Zuckerrohrstängel, Zuckerrohr, Vālikā, Darbha-Gras, Poṭagala und Kālaṅkataka; ferner Absude von Sumanā, Saumanasyāyanī, Kurkuma, Dāruharidrā, Vṛścīra, Punarnavā, Mahāsahā und Kṣudrasahā; ferner Absude von Śālmali, Śālmalika, Bhadraparṇī, Elāparṇī, Upodikā, Uddālaka, Dhanvana, Rājādana, Upacitrā, Gopī und Śṛṅgāṭikā; sowie Pippalī, Pippalīmūla, Cavya, Citraka, Ingwer, Senfkörner, Zuckersirup (phāṇita), Milch, Alkalilauge (kṣāra) und Salzwasser. Man soll diese Mittel, je nach Verfügbarkeit oder Wunsch zubereitet, in Form von Pillen, Pulvern, Latwergen, öligen Zubereitungen, Absuden, Fleischbrühen, Reisschleim, Suppen, gesäuerten Gerichten, mit Milch versetzten Speisen, Süßspeisen (modaka) und anderen mannigfaltigen Arten von Speisen verabreichen und so demjenigen, der für ein Brechmittel geeignet ist, entsprechend seiner Eignung ordnungsgemäß das Brechmittel geben. Dies ist der zusammenfassende Überblick über die Brechmittelsubstanzen. Ihre ausführliche Zubereitung werden wir später darlegen.

virecanadravyāṇituśyāmātrivṛccaturaṅgulatilvakamahāvṛkṣasaptalāśaṅkhinīdantīdravantīnāṃkṣīramūlatvakpatrapuṣpaphalāniyathāyogaṃtaistaiḥkṣīramūlatvakpatrapuṣpaphalairvikliptāvikliptaiḥ , ajagandhāśvagandhājaśṛṅgīkṣīriṇīnīlinīklītakakaṣāyaiśca, prakīryodakīryāmasūravidalākampillakaviḍaṅgagavākṣīkaṣāyaiśca, pīlupriyālamṛdvīkākāśmaryaparūṣakabadaradāḍimāmalakaharītakībibhītakavṛścīrapunarnavāvidārigandhādikaṣāyaiśca,sīdhusurāsauvīrakatuṣodakamaireyamedakamadirāmadhumadhūlakadhānyāmlakuvalabadarakharjūrakarkandhubhiśca, dadhidadhimaṇḍodaśvidbhiśca, gomahiṣyajāvīnāṃcakṣīramūtrairyathālābhaṃyatheṣṭaṃvā'pyupasaṃskṛtyavartikriyācūrṇāsavalehasnehakaṣāyamāṃsarasayūṣakāmbalikayavāgūkṣīropadheyānmodakānanyāṃścabhakṣyapra(vi)kārānvividhāṃścayogānanuvidhāyayathārhaṃvirecanārhāyadadyādvirecanam| itikalpasaṅgrahovirecanadravyāṇām| kalpameṣāṃvistareṇayathāvaduttarakālamupadekṣyāmaḥ

Die Purgiermittel (virecana) aber bereitet man aus Milchsaft, Wurzel, Rinde, Blatt, Blüte und Frucht von Śyāmā, Trivṛt, Caturaṅgula, Tilvaka, Mahāvṛkṣa, Saptalā, Śaṅkhinī, Dantī und Dravantī, je nach Bedarf, entweder unvermischt oder mit anderen dieser Milchsäfte, Wurzeln, Rinden, Blätter, Blüten und Früchte vermischt; ferner mit Absuden von Ajagandhā, Aśvagandhā, Jaśṛṅgī, Kṣīriṇī, Nīlinī und Klītaka; ferner mit Absuden von Prakīryā, Udakīryā, Linsenschalen, Kampillaka, Viḍaṅga und Gavākṣī; ferner mit Absuden von Pīlu, Priyāla, Weintrauben, Kāśmarya, Parūṣaka, Badara, Granatapfel, Āmalakī, Harītakī, Bibhītaka, Vṛścīra, Punarnavā, Vidārigandhā und ähnlichem; ferner mit Sīdhu, Surā (Bier), Sauvīraka, Tuṣodaka, Maireya, Medaka, Madirā, Honigwein, Madhūlaka, gesäuertem Getreidewasser sowie den sauren Früchten Kuvala, Badara, Dattel und Karkandhu; ferner mit Dickmilch (dadhi), Molke (dadhimaṇḍa) und Udaśvit; sowie mit Milch und Harn von Kuh, Büffelkuh und Ziege. Man soll diese Mittel, je nach Verfügbarkeit oder Wunsch zubereitet, in Form von Pillen, Pulvern, Gärgetränken (āsava), Latwergen, öligen Zubereitungen, Absuden, Fleischbrühen, Suppen, gesäuerten Gerichten, Reisschleim, mit Milch versetzten Speisen, Süßspeisen (modaka) und anderen mannigfaltigen Zubereitungsarten und Rezepturen darreichen und so demjenigen, der für ein Purgiermittel geeignet ist, entsprechend seiner Eignung das Purgiermittel geben. Dies ist der zusammenfassende Überblick über die Purgiermittelsubstanzen. Ihre ausführliche Zubereitung werden wir später ordnungsgemäß darlegen.

āsthāpaneṣutubhūyiṣṭhakalpānidravyāṇiyāniyogamupayāntiteṣuteṣvavasthāntareṣvāturāṇāṃ, tānidravyāṇināmatovistareṇopadiśyamānānyaparisaṅkhyeyānisyuratibahutvāt; iṣṭaścānatisaṅkṣepavistaropadeśastantre, iṣṭaṃcakevalaṃjñānaṃ, tasmādrasataevatānyatravyākhyāsyāmaḥ| sasaṃsargavikalpavistarohyeṣāmaparisaṅkhyeyaḥ, samavetānāṃrasānāmaṃśāṃśabalavikalpātibahutvāt| tasmāddravyāṇāṃcaikadeśamudāharaṇārthaṃraseṣvanuvibhajyarasaikaikaśyenacanāmalakṣaṇārthaṃṣaḍāsthāpanaskandhārasato'nuvibhajyavyākhyāstante

Bei den nährenden Klistieren (āsthāpana) aber sind die Substanzen, die in den zahlreichen Zubereitungen bei den jeweiligen Zuständen der Kranken Verwendung finden, wenn man sie einzeln mit Namen aufzählen wollte, unzählbar viele – wegen ihrer überaus großen Menge. Erwünscht ist in einer Lehrschrift aber eine weder zu knappe noch zu ausführliche Darstellung, und erwünscht ist vor allem klares Wissen; deshalb wollen wir sie hier nur nach ihrem Geschmack (rasa) darlegen. Denn die Vielfalt ihrer möglichen Kombinationen ist unzählbar, da bei zusammengesetzten Geschmacksrichtungen die Anteile und deren Stärke unzählige Variationen zulassen. Deshalb werden, zu Beispielszwecken, nur ein Teil der Substanzen nach ihren Geschmacksrichtungen eingeteilt und, um jeweils Namen und Kennzeichen der einzelnen Geschmacksrichtung darzulegen, die sechs 'Stämme' (skandha) der Āsthāpana-Substanzen nach Geschmack geordnet erläutert.

yattuṣaḍvidhamāsthāpanamekarasamityācakṣatebhiṣajaḥ, taddurlabhatamaṃsaṃsṛṣṭarasabhūyiṣṭhatvāddravyāṇām| tasmānmadhurāṇimadhuraprāyāṇimadhuravipākānimadhuraprabhāvāṇicamadhuraskandhemadhurāṇyevakṛtvopadekṣyante, tathetarāṇidravyāṇyapi

Wenn nun manche Ärzte von einem sechsfachen, jeweils einem einzigen Geschmack zugehörigen Āsthāpana sprechen, so ist dies äußerst schwer zu finden, da die Substanzen meist aus gemischten Geschmacksrichtungen bestehen. Deshalb werden im 'süßen Stamm' (madhuraskandha) diejenigen Substanzen, die süß sind, überwiegend süß schmecken, süß nachwirken (vipāka) oder süß wirken (prabhāva), einfach als 'süß' behandelt und dargelegt; ebenso verfährt man mit den übrigen Substanzen in den anderen Stämmen.

jīvakarṣabhakaujīvantīvīrātāmalakīkākolīkṣīrakākolīmudgaparṇīmāṣaparṇīśālaparṇīpṛśniparṇyasanaparṇīmadhuparṇīmedāmahāmedākarkaṭaśṛṅgīśṛṅgāṭikāchinnaruhācchatrā'ticchatrāśrāvaṇīmahāśrāvaṇīsahadevāviśvadevāśuklākṣīraśuklābalā'tibalāvidārīkṣīravidārīkṣudrasahāmahāsahāṛṣyagandhā'śvagandhāvṛścīraḥpunarnavābṛhatīkaṇṭakārikorubūkomoraṭaḥśvadaṃṣṭrāsaṃharṣāśatāvarīśatapuṣpāmadhūkapuṣpīyaṣṭīmadhumadhūlikāmṛdvīkākharjūraṃparūṣakamātmaguptāpuṣkarabījaṃkaśerukaṃrājakaśerukaṃrājādanaṃkatakaṃkāśmaryaṃśītapākyodanapākītālakharjūramastakamikṣurikṣuvālikādarbhaḥkuśaḥkāśaḥśālirgundretkaṭakaḥśaramūlaṃrājakṣavakaḥṛṣyaproktādvāradābhāradvājīvanatrapuṣyabhīrupatrīhaṃsapādīkākanāsikākuliṅgākṣīkṣīravallīkapolavallīkapotavallīsomavallīgopavallīmadhuvallīceti; eṣāmevaṃvidhānāmanyeṣāṃcamadhuravargaparisaṅkhyātānāmauṣadhadravyāṇāṃchedyānikhaṇḍaśaśchedayitvābhedyānicāṇuśobhedayitvāprakṣālyapānīyenasuprakṣālitāyāṃsthālyāṃsamāvāpyapayasā'rdhodakenābhyāsicyasādhayeddarvyāsatatamavaghaṭṭayan;tadupayuktabhūyiṣṭhe'mbhasigataraseṣvauṣadheṣupayasicānupadagdhesthālīmupahṛtyasuparipūtaṃpayaḥsukhoṣṇaṃghṛtatailavasāmajjalavaṇaphāṇitopahitaṃbastiṃvātavikāriṇevidhijñovidhivaddadyāt; śītaṃtumadhusarpirbhyāmupasaṃsṛjyapittavikāriṇevidhivaddadyāt| itimadhuraskandhaḥ

Zum süßen Stamm gehören: Jīvaka, Ṛṣabhaka, Meḍā, Jīvantī, Vīrā, Tāmalakī, Kākolī, Kṣīrakākolī, Mudgaparṇī, Māṣaparṇī, Śālaparṇī, Pṛśniparṇī, Asanaparṇī, Madhuparṇī, Medā, Mahāmedā, Karkaṭaśṛṅgī, Śṛṅgāṭikā, Chinnaruhā, Chatrā, Aticchatrā, Śrāvaṇī, Mahāśrāvaṇī, Sahadevā, Viśvadevā, Śuklā, Kṣīraśuklā, Balā, Atibalā, Vidārī, Kṣīravidārī, Kṣudrasahā, Mahāsahā, Ṛṣyagandhā, Aśvagandhā, Vṛścīra, Punarnavā, Bṛhatī, Kaṇṭakārikā, Korubūka, Moraṭa, Śvadaṃṣṭrā, Saṃharṣā, Śatāvarī, Śatapuṣpā, die Blüte der Madhūka, Süßholz (yaṣṭīmadhu), Madhūlikā, Weintrauben, Dattel, Parūṣaka, Ātmaguptā, Lotossamen (puṣkarabīja), Kaśeruka, Rājakaśeruka, Rājādana, Kataka, Kāśmarya, Śītapākī, Udanapākī, das Mark der Dattelpalme (tālakharjūramastaka), Zuckerrohr, Ikṣuvālikā, Darbha-Gras, Kuśa-Gras, Kāśa-Gras, Reis (śāli), Gundrā, Itkaṭaka, die Wurzel des Śara-Grases, Rājakṣavaka, Ṛṣyaproktā, Dvāradā, Bhāradvājī, Vanatrapuṣī, Bhīrupatrī, Haṃsapadī, Kākanāsikā, Kuliṅgākṣī, Kṣīravallī, Kapolavallī, Kapotavallī, Somavallī, Gopavallī und Madhuvallī. Von diesen und ähnlichen sowie von anderen, dem süßen Stamm zugerechneten Arzneisubstanzen soll man die schneidbaren Teile in Stücke zerschneiden und die zerteilbaren fein zermahlen, sie mit Wasser abwaschen, in einen gut gereinigten Kessel geben, mit Milch und der halben Menge Wasser übergießen und unter ständigem Rühren mit dem Rührlöffel kochen; wenn das Wasser größtenteils verbraucht, die Wirkstoffe der Arzneien in die Flüssigkeit übergegangen und die Milch nicht angebrannt ist, nehme man den Kessel vom Feuer und gebe die gut durchgeseihte, angenehm warme Milch, versetzt mit Ghee, Öl, Fett (vasā), Knochenmark, Salz und Zuckersirup, wer die Regel kennt, einem an vāta-Störung Leidenden als Klistier (basti) nach Vorschrift; kalt aber, mit Honig und Ghee versetzt, gebe man sie einem an pitta-Störung Leidenden nach Vorschrift. Dies ist der süße Stamm (madhuraskandha).

āmrāmrātakalakucakaramardavṛkṣāmlāmlavetasakuvalabadaradāḍimamātuluṅgagaṇḍīrāmalakanandītakaśītaka- tintiṇḍīkadantaśaṭhairāvatakakośāmradhanvanānāṃphalāni, patrāṇicāmrātakāśmantakacāṅgerīṇāṃcaturvidhānāṃcāmlikānāṃdvayoścakolayoścāmaśuṣkayordvayoścaivaśuṣkāmlikayorgrāmyāraṇyayoḥ, āsavadravyāṇicasurāsauvīrakatuṣodakamaireyamedakamadirāmadhuśuktaśīdhudadhidadhimaṇḍodaśviddhānyāmlādīnica, eṣāmevaṃvidhānāmanyeṣāṃcāmlavargaparisaṅkhyātānāmauṣadhadravyāṇāṃchedyānikhaṇḍaśaśchedayitvābhedyānicāṇuśobhedayitvādravaiḥsthālyāmabhyāsicyasādhayitvopasaṃskṛtyayathāvattailavasāmajjalavaṇaphāṇitopahitaṃsukhoṣṇaṃbastiṃvātavikāriṇevidhijñovidhivaddadyāt| ityamlaskandhaḥ

Zum sauren Stamm gehören: die Früchte von Mango, Āmrātaka, Lakuca, Karamarda, Vṛkṣāmla, Amlavetasa, Kuvala, Badara (Brustbeere), Granatapfel, Zitrone (mātuluṅga), Gaṇḍīrā, Āmalakī, Nandītaka, Śītaka, Tamarinde (tintiḍīka), Dantaśaṭha, Airāvataka und Kośāmra sowie von Dhanvana; ferner die Blätter von Āmrātaka, Āśmantaka und Cāṅgerī; ferner die vier Arten von Āmlikā sowie die beiden Arten der Brustbeere, frisch und getrocknet, und die beiden Arten getrockneter Āmlikā, kultiviert und wild wachsend; sowie gegorene Getränke: Surā, Sauvīraka, Tuṣodaka, Maireya, Medaka, Madirā, Honigwein, Śukta, Śīdhu, Dickmilch, Molke, Udaśvit und Getreidesäure (dhānyāmla) und dergleichen. Von diesen und ähnlichen sowie den übrigen, dem sauren Stamm zugerechneten Arzneisubstanzen soll man die schneidbaren Teile in Stücke zerschneiden, die zerteilbaren fein zermahlen, sie im Kessel mit Flüssigkeit übergießen, kochen und ordnungsgemäß zubereiten und, mit Öl, Fett, Knochenmark, Salz und Zuckersirup versetzt, angenehm warm, wer die Regel kennt, einem an vāta-Störung Leidenden als Klistier nach Vorschrift geben. Dies ist der saure Stamm (amlaskandha).

saindhavasauvarcalakālaviḍapākyānūpakūpyavālukailamaulakasāmudraromakaudbhidauṣarapāṭeyakapāṃśujānyevamprakārāṇicānyānilavaṇavargaparisaṅkhyātāni, etānyamlopahitānyuṣṇodakopahitānivāsnehavantisukhoṣṇaṃbastiṃvātavikāriṇevidhijñovidhivaddadyāt| itilavaṇaskandhaḥ

Zum salzigen Stamm gehören: Steinsalz (saindhava), Sauvarcala-Salz, Kālaviḍa-Salz, Pākya-Salz, Ānūpa-Salz, Kūpya-Salz, Vālukā-Salz, Ailamaulaka-Salz, Meersalz (sāmudra), Romaka-Salz, Udbhida-Salz, Auṣara-Salz, Pāṭeyaka-Salz und Pāṃśuja-Salz sowie dergleichen andere, dem salzigen Stamm zugerechnete Substanzen – diese, mit Säure oder heißem Wasser versetzt und mit Fett bzw. Öl angereichert, gebe man, angenehm warm, wer die Regel kennt, einem an vāta-Störung Leidenden als Klistier nach Vorschrift. Dies ist der salzige Stamm (lavaṇaskandha).

pippalīpippalīmūlahastipippalīcavyacitrakaśṛṅgaveramaricājamodārdrakaviḍaṅgakustumburupīlutejavatyelākuṣṭhabhallātakāsthihiṅguniryāsakilimamūlakasarṣapalaśunakarañjaśigrukamadhuśigrukakharapuṣpabhūstṛṇasumakhasurasakuṭherakārjaka- gaṇḍīrakālamālakaparṇāsakṣavakaphaṇijjhakakṣāramūtrapittānīti; eṣāmevaṃvidhānāṃcānyeṣāṃkaṭukavargaparisaṅkhyātānāmauṣadhadravyāṇāṃchedyānikhaṇḍaśaśchedayitvābhedyānicāṇuśobhedayitvāgomūtreṇasahasādhayitvopasaṃskṛtyayathāvanmadhutailalavaṇopahitaṃsukhoṣṇaṃbastiṃśleṣmavikāriṇevidhijñovidhivaddadyāt| itikaṭukaskandhaḥ

Zum scharfen Stamm gehören: Pippalī, Pippalīmūla, Hastipippalī, Cavya, Citraka, Ingwer, Pfeffer, Ajamodā, frischer Ingwer, Viḍaṅga, Koriander, Pīlu, Tejavatī, Kardamom, Kuṣṭha, der Kern der Bhallātaka-Frucht, Asant-Harz, Kilima, Rettich, Senf, Knoblauch, Karañja, Meerrettichbaum (śigru), Kamadhuśigruka, Kharapuṣpā, Bhūstṛṇa, Sumakha, Basilikum (surasa), Kuṭheraka, Ārjaka, Gaṇḍīra, Kālamālaka, Parṇāsa, Kṣavaka und Phaṇijjhaka sowie Alkalilauge (kṣāra), Harn (mūtra) und Galle (pitta) von Tieren. Von diesen und ähnlichen sowie den übrigen, dem scharfen Stamm zugerechneten Arzneisubstanzen soll man die schneidbaren Teile in Stücke zerschneiden, die zerteilbaren fein zermahlen, mit Kuhharn zusammen kochen und ordnungsgemäß zubereiten und, mit Honig, Öl und Salz versetzt, angenehm warm, wer die Regel kennt, einem an śleṣma-Störung Leidenden als Klistier nach Vorschrift geben. Dies ist der scharfe Stamm (kaṭukaskandha).

candananaladakṛtamālanaktamālanimbatumburukuṭajaharidrādāruharidrāmustamūrvākirātatiktakakaṭukarohiṇītrāyamāṇākāravellikākarīrakaravīrakebukakaṭhillakavṛṣamaṇḍūkaparṇīkarkoṭakavārtākukarkaśakākamācīkākodumbarikāsuṣavyativiṣāpaṭolakulakapāṭhāguḍūcīvetrāgravetasavikaṅkatabakulasomavalkasaptaparṇasumanārkāvalgujavacātagarāguruvālakośīrāṇīti , eṣāmevaṃvidhānāṃcānyeṣāṃtiktavargaparisaṅkhyātānāmauṣadhadravyāṇāṃchedyānikhaṇḍaśaśchedayitvābhedyānicāṇuśobhedayitvāprakṣālyapānīyenābhyāsicyasādhayitvopasaṃskṛtyayathāvanmadhutailalavaṇopahitaṃsukhoṣṇaṃbastiṃśleṣmavikāriṇevidhijñovidhivaddadyāt, śītaṃtumadhusarpirbhyāmapasaṃsṛjyapittavikāriṇevidhijñovidhivaddadyāt| ititiktaskandhaḥ

Zum bitteren Stamm gehören: Sandelholz, Nalada, Kṛtamāla, Naktamāla, Nimba, Tumburu, Kuṭaja, Kurkuma, Dāruharidrā, Mustā, Mūrvā, Kirātatiktaka, Kaṭukarohiṇī, Trāyamāṇā, Kāravellikā, Karīraka, Karavīraka, Ebuka, Kaṭhillaka, Vṛṣa, Maṇḍūkaparṇī, Karkoṭaka, Aubergine, Karkaśa, Kākamācī, Kākodumbarikā, Suṣavi, Ativiṣā, Paṭolaka, Kulaka, Pāṭhā, Guḍūcī, Vetrāgra, Vetasa, Vikaṅkata, Bakula, Somavalka, Saptaparṇa, Sumanā, Arka, Avalguja, Vacā, Tagara, Aguru, Vālaka und Uśīra. Von diesen und ähnlichen sowie den übrigen, dem bitteren Stamm zugerechneten Arzneisubstanzen soll man die schneidbaren Teile in Stücke zerschneiden, die zerteilbaren fein zermahlen, mit Wasser übergießen, kochen und ordnungsgemäß zubereiten und, mit Honig, Öl und Salz versetzt, angenehm warm, wer die Regel kennt, einem an śleṣma-Störung Leidenden als Klistier nach Vorschrift geben; kalt aber, mit Honig und Ghee versetzt, gebe man sie einem an pitta-Störung Leidenden. Dies ist der bittere Stamm (tiktaskandha).

priyaṅgvanantāmrāsthyambaṣṭhakīkaṭvaṅgalodhramocarasasamaṅgādhātakīpuṣpapadmāpadmakeśarajambvāmraplakṣavaṭakapītanodumbarāśvatthabhallātakāsthyaśmantakaśirīṣaśiṃśapāsomavalkatindukapriyālabadarakhadirasaptaparṇāśvakarṇasyandanārjunārimedailavālukaparipelavakadambaśallakījiṅginīkāśakaśerukarājakaśerukaṭphalavaṃśapadmakāśokaśāladhavasarjabhūrjaśaṇakharapuṣpāpuraśamīmācīkavarakatuṅgājakarṇasphūrjakabibhītakakambhīpuṣkarabīja- bisamṛṇālatālakharjūrataruṇānīti , eṣāmevaṃvidhānāṃcānyeṣāṃkaṣāyavargaparisaṅkhyātānāmauṣadhadravyāṇāṃchedyānikhaṇḍaśaśchedayitvābhedyānicāṇuśobhedayitvāprakṣālyapānīyenābhyāsicyasādhayitvopasaṃskṛtyayathāvanmadhutailalavaṇopahitaṃsukhoṣṇaṃbastiṃśleṣmavikāriṇevidhijñovidhivaddadyāt, śītaṃtumadhusarpirbhyāmupasaṃsṛjyapittavikāriṇedadyāt| itikaṣāyaskandhaḥ

Zum adstringierenden Stamm gehören: Priyaṅgu, Ananta, Mangokerne, Ambaṣṭhakī, Kaṭvaṅga, Lodhra, Mocarasa, Samaṅgā, die Blüte der Dhātakī, Padmā, Lotusstaubgefäße (padmakeśara), Jambu, Mango, Plakṣa, Banyan (vaṭa), Kapītana, Udumbara, Aśvattha (Pippal), der Kern der Bhallātaka-Frucht, Aśmantaka, Śirīṣa, Śiṃśapā, Somavalka, Tinduka, Priyāla, Badara, Khadira, Saptaparṇa, Aśvakarṇa, Syandana, Arjuna, Arimeda, Ailavālukā, Paripelava, Kadamba, Śallakī, Jiṅginī, Kāśa-Gras, Kaśeru, Rājakaśeru, Katphala, Bambus (vaṃśa), Padmaka, Aśoka, Śāla, Dhava, Sarja, Birke (bhūrja), Śaṇa, Kharapuṣpā, Puraśamī, Mācīka, Varaka, Tuṅgā, Ajakarṇa, Sphūrjaka, Bibhītaka, Kambhī, Lotossamen sowie zarte Sprossen von Lotusfasern (bisa), Lotoswurzelstiel (mṛṇāla), Palme (tāla) und Dattelpalme. Von diesen und ähnlichen sowie den übrigen, dem adstringierenden Stamm zugerechneten Arzneisubstanzen soll man die schneidbaren Teile in Stücke zerschneiden, die zerteilbaren fein zermahlen, mit Wasser übergießen, kochen und ordnungsgemäß zubereiten und, mit Honig, Öl und Salz versetzt, angenehm warm, wer die Regel kennt, einem an śleṣma-Störung Leidenden als Klistier nach Vorschrift geben; kalt aber, mit Honig und Ghee versetzt, gebe man sie einem an pitta-Störung Leidenden. Dies ist der adstringierende Stamm (kaṣāyaskandha).

ṣaḍvargāḥparisaṅkhyātāyaeterasabhedataḥ| āsthāpanamabhipretyatānvidyātsārvayaugikān

Diese sechs, nach Geschmack unterschiedenen Gruppen (varga), die aufgezählt wurden, soll man, im Hinblick auf ihre Verwendung als Āsthāpana-Klistier, als für alle Zustände geeignet erkennen.

sarvaśohipraṇihitāḥsarvarogeṣujānatā| sarvānrogānniyacchantiyebhyaāsthāpanaṃhitam

Denn von dem, der sie kennt, in jeder Hinsicht bei allen Krankheiten richtig angewandt, beherrschen sie alle Krankheiten, für die das Āsthāpana-Klistier zuträglich ist.

yeṣāṃyeṣāṃpraśāntyarthaṃyeyenaparikīrtitāḥ| dravyavargāvikārāṇāṃteṣāṃteparikopakāḥ

Diejenigen Substanzgruppen, die jeweils zur Beruhigung bestimmter Störungen genannt wurden, wirken bei eben diesen Störungen beruhigend – bei unpassender Anwendung jedoch erregend, das heißt, sie können die ihnen nicht entsprechenden Störungen verschlimmern.

ityeteṣaḍāsthāpanaskandhārasato'nuvibhajyavyākhyātāḥ

So wurden diese sechs Āsthāpana-Stämme, nach Geschmack eingeteilt, dargelegt.

tebhyobhiṣagbuddhimānparisaṅkhyātamapiyadyaddravyamayaugikaṃmanyeta, tattadapakarṣayet; yadyaccānuktamapiyaugikaṃmanyeta, tattadvidadhyāt; vargamapivargeṇopasaṃsṛjedekamekenānekenavāyuktiṃpramāṇīkṛtya| pracaraṇamivabhikṣukasyabījamivakarṣakasyasūtraṃbuddhimatāmalpamapyanalpajñānāyabhavati; tasmādbuddhimatāmūhāpohavitarkāḥ, mandabuddhestuyathoktānugamanamevaśreyaḥ| yathoktaṃhimārgamanugacchanbhiṣaksaṃsādhayatikāryamanatimahattvādvāvinipātayatyanatihrasvatvādudāharaṇasyeti

Aus diesen genannten Substanzen soll der kluge Arzt jede Substanz, die er, obwohl aufgezählt, für ungeeignet hält, weglassen; und jede Substanz, die er, obwohl nicht genannt, für geeignet hält, hinzufügen; auch eine Gruppe kann er mit einer anderen Gruppe verbinden, eine mit einer oder mit mehreren, indem er sich an der Angemessenheit (yukti) orientiert. Wie das Betteln für den Bettelmönch und der Same für den Bauern, so wird für kluge Ärzte ein Lehrsatz (sūtra), auch wenn er kurz ist, zur Grundlage nicht geringen Wissens. Deshalb sind für die Klugen Überlegung, Ausschluss und Erwägung das rechte Vorgehen; für den von schwachem Verstand aber ist es das Beste, einfach dem Gesagten zu folgen. Denn der Arzt, der dem vorgezeichneten Weg folgt, vollbringt sein Werk, sei es auch nicht übermäßig groß, und scheitert nicht, weil das gegebene Beispiel nicht allzu knapp gehalten ist.

ataḥparamanuvāsanadravyāṇyanuvyākhyāsyāmaḥ| anuvāsanaṃtusnehaeva| snehastudvividhaḥ- sthāvarātmakaḥ, jaṅgamātmakaśca| tatrasthāvarātmakaḥsnehastailamatailaṃca| taddvayaṃtailamevakṛtvopadekṣyāmaḥ, sarvatastailaprādhānyāt| jaṅgamātmakastuvasā, majjā, sarpiriti| teṣāṃtailavasāmajjasarpiṣāṃyathāpūrvaṃśreṣṭhaṃvātaśleṣmavikāreṣvanuvāsanīyeṣu, yathottaraṃtupittavikāreṣu, sarvaevavāsarvavikāreṣvapiyogamupayāntisaṃskāravidhiviśeṣāditi

Nunmehr wollen wir die Substanzen für das ölige Nachklistier (anuvāsana) darlegen. Anuvāsana ist nichts anderes als ein öliges Mittel (sneha). Dieses ölige Mittel ist zweifach: pflanzlicher und tierischer Art. Das pflanzliche ölige Mittel ist Öl (taila) und Nicht-Öl (andere Pflanzenfette); diese beiden werden wir, da überall Öl den Vorrang hat, einfach unter 'Öl' behandeln. Das tierische ölige Mittel ist Fett (vasā), Knochenmark (majjā) und Ghee (sarpis). Von diesen – Öl, Fett, Knochenmark und Ghee – ist, in der genannten Reihenfolge, jeweils das vorhergehende bei vāta- und śleṣma-Störungen, die ein Nachklistier erfordern, das bessere, das nachfolgende dagegen bei pitta-Störungen; doch finden im Grunde alle bei allen Störungen Verwendung, je nach der besonderen Art ihrer Zubereitung.

śirovirecanadravyāṇipunarapāmārgapippalīmaricaviḍaṅgaśigruśirīṣatumburupilvajājyamodāvārtākīpṛthvīkailāhareṇukāphalāni ca,sumukhasurasakuṭherakagaṇḍīrakālamālakaparṇāsakṣavakaphaṇijjhakaharidrāśṛṅgaveramūlakalaśunatarkārīsarṣapapatrāṇica,arkālarkakuṣṭhanāgadantīvacāpāmārgaśvetājyotiṣmatīgavākṣīgaṇḍīrapuṣpyavākpuṣpīvṛścikālīvayasthātiviṣāmūlānica, haridrāśṛṅgaveramūlakalaśunakandāśca, lodhramadanasaptaparṇanimbārkapuṣpāṇica, devadārvagurusaralaśallakījiṅginyasanahiṅguniryāsāśca, tejovatīvarāṅgeṅgudīśobhāñjanakabṛhatīkaṇṭakārikātvacaśceti| śirovirecanaṃsaptavidhaṃ, phala-patra-mūla-kanda-puṣpa-niryāsa-tvagāśrayabhedāt| lavaṇakaṭutiktakaṣāyāṇicendriyopaśayānitathā'parāṇyanuktānyapidravyāṇiyathāyogavihitāniśirovirecanārthamupadiśyantaiti

Die Substanzen für das Kopf-Errhinum (śirovirecana) aber sind: die Früchte von Apāmārga, Pippalī, Pfeffer, Viḍaṅga, Śigru, Śirīṣa, Tumburu, Pilva, Jājī, Ajamodā, Vārtākī, Pṛthvīkā, Kardamom und Hareṇukā; ferner die Blätter von Sumukha, Surasa, Kuṭheraka, Gaṇḍīra, Kālamālaka, Parṇāsa, Kṣavaka, Phaṇijjhaka, Kurkuma, Ingwer, Rettich, Knoblauch, Tarkārī und Senf; ferner die Wurzeln von Arka, Alarka, Kuṣṭha, Nāgadantī, Vacā, Apāmārga, Śvetā, Jyotiṣmatī, Gavākṣī, Gaṇḍīrapuṣpī, Vākpuṣpī, Vṛścikālī, Vayasthā und Ativiṣā; ferner die Knollen von Kurkuma, Ingwer, Rettich und Knoblauch; ferner die Blüten von Lodhra, Madana, Saptaparṇa, Nimba und Arka; ferner das Harz von Devadāru (Zeder), Aguru, Sarala, Śallakī, Jiṅginī, Asana und Asant; sowie die Rinde von Tejovatī, Varāṅgā, Iṅgudī, Śobhāñjanaka, Bṛhatī und Kaṇṭakārikā. Das Kopf-Errhinum ist siebenfach, nach der Art des verwendeten Pflanzenteils unterschieden: Frucht, Blatt, Wurzel, Knolle, Blüte, Harz und Rinde. Auch salzige, scharfe, bittere und adstringierende Substanzen sowie solche, die den Sinnesorganen wohltuend sind, und ferner andere, nicht genannte Substanzen, werden, entsprechend geeigneter Anwendung, für das Kopf-Errhinum verordnet.

lakṣaṇācāryaśiṣyāṇāṃparīkṣākāraṇaṃcayat| adhyeyādhyāpanavidhīsambhāṣāvidhirevaca

Und was die Kennzeichen von Lehrer und Schülern betrifft, sowie der Grund für die Prüfung im Streitgespräch, die Regeln für das zu Erlernende und Lehrende, und ebenso die Regel für das gelehrte Streitgespräch (sambhāṣā) –

ṣaḍbhirūnānipañcāśadvādamārgapadānica| padānidaśacānyānikāraṇādīnitattvataḥ

– die sechsundvierzig (fünfzig minus sechs) Begriffe des Streitgesprächs (vādamārga) sowie die anderen zehn Begriffe, nämlich Ursache (kāraṇa) und das Übrige, ihrem Wesen nach –

sampraśnaścaparīkṣādernavakovamanādiṣu| bhiṣagjitīyerogāṇāṃvimānesamprakāśitaḥ

– und die neunfache Befragung über die Prüfung und dergleichen bei Brechmitteln und dergleichen: all dies wurde im 'Bhiṣagjitīya'-Kapitel des Vimānasthāna über die Krankheiten dargelegt.

bahuvidhamidamuktamarthajātaṃbahuvidhavākyavicitramarthakāntam| bahuvidhaśubhaśabdasandhiyuktaṃbahuvidhavādanisūdanaṃpareṣām

Mannigfaltig ist diese dargelegte Fülle von Sachverhalten, mannigfaltig und kunstvoll in ihren Aussagen, von anziehendem Inhalt, verbunden mit mannigfaltigen wohlklingenden, treffenden Worten – eine Lehre, die in mannigfaltigem Streitgespräch die Gegner niederringt.

imāṃmatiṃbahuvidhahetusaṃśrayāṃvijajñivānparamatavādasūdanīm| nasajjateparavacanāvamardanairnaśakyateparavacanaiścamarditum

Wer diese Lehre, die sich auf mannigfaltige Gründe stützt und die Lehrmeinungen anderer widerlegt, verstanden hat, der gerät durch die Herabsetzungen fremder Reden nicht ins Wanken und kann durch fremde Reden nicht niedergerungen werden.

doṣādīnāṃtubhāvānāṃsarveṣāmevahetumat| mānātsamyagvimānāniniruktānivibhāgaśaḥ

Von den doṣas und den übrigen Faktoren aber wurden, ausgehend von ihrem rechten Maß (māna), die Ursachen für alle Erscheinungen – die 'Ausmessungen' (vimāna) – zutreffend und im Einzelnen dargelegt.

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