bhavāśarvau mṛḍataṃ mābhi yātaṃ bhūtapatī paśupatī namo vām pratihitām āyatāṃ mā vi srāṣṭaṃ mā no hiṃsiṣṭaṃ dvipado mā catuṣpadaḥ
Bhava und Śarva, seid gnädig, kommt nicht gegen uns; Herren der Wesen, Herren des Viehs, Verehrung euch beiden; lasst den gespannten, angelegten Pfeil nicht los; verletzt weder unsere Zweifüßler noch unsere Vierfüßler.
śune kroṣṭre mā śarīrāṇi kartam aliklavebhyo gṛdhrebhyo ye ca kṛṣṇā aviṣyavaḥ makṣikās te paśupate vayāṃsi te vighase mā vidanta
Macht unsere Leiber nicht zur Beute für Hund und Schakal, für die Aliklava-Vögel [Anm.: Vogelart unsicher] und Geier, und für die schwarzen, nach Fleisch gierigen Fliegen; o Paśupati, deine Vögel sollen uns beim Fraß nicht finden.
astrā nīlaśikhaṇḍena sahasrākṣeṇa vājinā rudreṇārdhakaghātinā tena mā sam arāmahi
Mit dem Geschoss, mit dem blaugescheitelten, tausendäugigen, gewaltigen Rudra, dem Halbtöter [Anm.: 'ardhakaghātin', Bedeutung des seltenen Kompositums unsicher] – mit ihm mögen wir nicht zusammentreffen.
sa no bhavaḥ pari vṛṇaktu viśvata āpa ivāgniḥ pari vṛṇaktu no bhavaḥ mā no 'bhi māṃsta namo astv asmai
Bhava möge uns von allen Seiten meiden, wie das Feuer das Wasser meidet [Anm.: die Rollenverteilung von Subjekt und Objekt in diesem Gleichnis ist im Sanskrit nicht eindeutig]; Bhava möge sich von uns abwenden; er möge uns nicht angreifen; Verehrung sei ihm.
Wort für Wort
sa
der (Nom.)
no
uns/unser (enklit.)
bhavaḥ
Bhava (Nom.)
pari
heraus (Präverb)
vṛṇaktu
möge meiden (Imp. 3.Sg.)
viśvata
von allen Seiten (Adv.)
āpa
die Wasser (Nom.Pl.) [Anm.: Rollenverteilung zu 'agniḥ' im Gleichnis unklar]
catur namo aṣṭakṛtvo bhavāya daśa kṛtvaḥ paśupate namas te taveme pañca paśavo vibhaktā gāvo aśvāḥ puruṣā ajāvayaḥ
Vierfache Verehrung, achtfache dem Bhava, zehnfache Verehrung dir, o Paśupati; dir sind diese fünf Arten von Vieh zugeteilt: Rinder, Pferde, Menschen, Ziegen und Schafe.
Dein sind die vier Himmelsrichtungen, dein der Himmel, dein die Erde; dein ist dieser gewaltige, weite Luftraum; dein ist alles, was beseelt ist, was auf der Erde atmet.
uruḥ kośo vasudhānas tavāyaṃ yasminn imā viśvā bhuvanāny antaḥ sa no mṛḍa paśupate namas te paraḥ kroṣṭāro abhibhāḥ śvānaḥ paro yantv agharudo vikeśyaḥ
Weit ist dieses schatzbergende Gefäß von dir, in dem all diese Welten enthalten sind; sei uns gnädig, o Paśupati, Verehrung dir; fern sollen die heulenden, überwältigenden Hunde bleiben, fern die unheilvoll schreienden, mit aufgelöstem Haar.
Du trägst einen goldgelben, goldenen Bogen, tausendtötend, hundertfach mordend, du Gescheitelter; Rudras Pfeil, das göttliche Geschoss, zieht umher; Verehrung ihm, in welche Richtung er auch fliegt.
Den Tausendäugigen, der von vorn herüberschaut, Rudra, der vielfach seine Geschosse abschießt, den Weisen – möchten wir nicht zu nahe kommen, wenn er mit der Zunge nach uns greift [Anm.: Wortsinn von 'jihvayeyamānam' unsicher].
Ihn mit den dunkelbraunen Rossen, den Schwarzen, Dunklen, den Zermalmenden, den Furchtbaren, der den Wagen des Langhaarigen niederstürzen lässt – ihm treten wir, die Alten, entgegen; Verehrung sei ihm.
mā no 'bhi srā matyaṃ devahetiṃ mā naḥ krudhaḥ paśupate namas te anyatrāsmad divyāṃ śākhāṃ vi dhūnu
Lass nicht den Tod [Anm.: 'matyaṃ', vermutlich verkürzt für 'mṛtyum'], das göttliche Geschoss, auf uns los; zürne uns nicht, o Paśupati, Verehrung dir; schüttle deinen himmlischen Zweig anderswohin, fort von uns.
Wort für Wort
mā
nicht (Prohibitiv-Partikel)
no
uns/unser (enklit.)
'bhi
gegen (Präverb)
srā
lass los! (Imp. 2.Sg.)
matyaṃ
den Tod [Anm.: verkürzt für mṛtyum] (Akk.)
devahetiṃ
deva 'göttlich' + heti 'Geschoss' → 'das göttliche Geschoss' (Akk., Kompositum)
mā no goṣu puruṣeṣu mā gṛdho no ajāviṣu anyatrogra vi vartaya piyārūṇāṃ prajāṃ jahi
Sei nicht gierig nach unseren Rindern, nach unseren Menschen, nicht nach unseren Ziegen und Schafen; wende dich anderswohin, du Gewaltiger; vernichte die Nachkommenschaft der Lästerer.
yasya takmā kāsikā hetir ekam aśvasyeva vṛṣaṇaḥ kranda eti abhipūrvaṃ nirṇayate namo astv asmai
Dessen Geschoss das Fieber und der Husten ist – wie das Wiehern eines Hengstes zieht dieses Geschoss einher; von vorn treibt es sein Opfer hinweg; Verehrung sei ihm.
Dir gehören die Waldtiere, das im Wald angesiedelte Wild; Gänse, die Schönbefiederten, die Vögel, das Geflügel sind dein; deine geheimnisvolle Macht, o Paśupati, ist in den Gewässern; die himmlischen Wasser fließen dir zu deiner Mehrung.
śiṃśumārā ajagarāḥ purīkayā jaṣā matsyā rajasā yebhyo asyasi na te dūraṃ na pariṣṭhāsti te bhava sadyaḥ sarvāṃ pari paśyasi bhūmiṃ pūrvasmād dhaṃsy uttarasmint samudre
Krokodile, Riesenschlangen, mit dem Purīkā-Wurm [Anm.: Bedeutung unsicher], Jaṣa- und Matsya-Fische – mit Zornesglut triffst du jene, nach denen du schießt: für dich gibt es kein Fern, keine Grenze; o Bhava, im Nu überblickst du die ganze Erde; vom östlichen Meer her triffst du sie im nördlichen Meer.
O Rudra, befalle uns nicht mit Fieber, nicht mit Gift; entfessle nicht über uns das himmlische Feuer; lass diesen Blitz anderswohin fallen, fort von uns.
Wort für Wort
mā
nicht (Prohibitiv)
no
uns (Akk./Dat.)
rudra
o Rudra (Vok.)
takmanā
mit Fieber (Instr.)
mā
nicht
viṣeṇa
mit Gift (Instr.)
mā
nicht
naḥ
uns
saṃ
zusammen (Präverb)
srā
entfessle (Imp., √sṛj)
divyenāgninā
divya 'himmlisch' + agni 'Feuer' → mit dem himmlischen Feuer (Instr.)
O König Bhava, sei dem Opfernden gnädig; denn du bist der Herr des Viehs geworden; sei gnädig zu den Vierfüßlern und Zweifüßlern dessen, der glaubt: 'Es gibt Götter.'
mā no mahāntam uta mā no arbhakaṃ mā no vahantam uta mā no vakṣyataḥ mā no hiṃsīḥ pitaraṃ mātaraṃ ca svāṃ tanvaṃ rudra mā rīriṣo naḥ
Schade nicht unserem Großen und nicht unserem Kleinen; schade nicht dem, der uns trägt, noch dem, der uns tragen wird; verletze weder Vater noch Mutter noch unseren eigenen Leib; o Rudra, füge uns keinen Schaden zu.
Den 'Elabakāra' [Anm.: Bedeutung unsicher, wohl heulende oder kläffende Wesen] des Rudra, die ohne Hymnengesang verschlingen, diesen großmäuligen Hunden habe ich Verehrung erwiesen.
Wort für Wort
rudrasyailabakārebhyo
den Elabakāra[?]-Dämonen des Rudra (Dat. Pl., Kompositum) [?]
'saṃsūktagilebhyaḥ
a- 'nicht' + saṃsūkta 'besungen' + gila 'verschlingend' → den ohne Hymnengesang Verschlingenden (Dat. Pl.)
idaṃ
dies (Akk.)
mahāsyebhyaḥ
mahā 'groß' + āsya 'Mund' → den großmäuligen (Dat. Pl.)
namas te ghoṣiṇībhyo namas te keśinībhyaḥ namo namaskṛtābhyo namaḥ saṃbhuñjatībhyaḥ namas te deva senābhyaḥ svasti no abhayaṃ ca naḥ ||31|| {7}
Verehrung deinen lärmenden Scharen, Verehrung deinen langhaarigen Scharen; Verehrung den Verehrten, Verehrung den gemeinsam Genießenden; Verehrung deinen Heerscharen, o Gott; Wohlergehen sei uns, und Furchtlosigkeit uns.
Wort für Wort
namas
Verehrung (Nom.)
te
deinen (Dat./Gen.)
ghoṣiṇībhyo
den lärmenden Scharen (Dat. Pl. Fem.)
namas
Verehrung
te
deinen
keśinībhyaḥ
den langhaarigen Scharen (Dat. Pl. Fem.)
namo
Verehrung
namaskṛtābhyo
namas 'Verehrung' + kṛta 'gemacht' → den Verehrten (Dat. Pl. Fem.)