Agni, werde geboren! Diese hilflose Aditi kocht den Brahmanenbrei, einen Sohn begehrend; die sieben Ṛṣis, die Schöpfer der Wesen, sollen dich hier zusammen mit Nachkommenschaft hervorquirlen.
Macht Rauch, ihr stierhaften Freunde, treue Beschützer, hin zur Rede des Opfers; dies ist Agni, der Schlachtenbezwinger, reich an Helden, durch den die Götter die Dasyus überwältigten.
agne 'janiṣṭhā mahate vīryāya brahmaudanāya paktave jātavedaḥ saptaṛṣayo bhūtakṛtas te tvājījanann asyai rayiṃ sarvavīraṃ ni yacha
Agne, du wurdest geboren zu großer Heldenkraft, zum Kochen des Brahmanenbreis, o Jātavedas; die sieben Ṛṣis, die Schöpfer der Wesen, haben dich hervorgebracht; gewähre dieser Frau Reichtum mitsamt allen Söhnen.
Entflammt, Agni, durch den Brennstoff, entflamme dich, du Wissender; bring die opferwürdigen Götter hierher; ihnen will ich, o Jātavedas, das Opfer bereiten; lass dieses Opfer zum höchsten Himmelsgewölbe emporsteigen.
tredhā bhāgo nihito yaḥ purā vo devānāṃ pitṝṇāṃ martyānām aṃśāṃ jānīdhvaṃ vi bhajāmi tān vo yo devānāṃ sa imāṃ pārayāti
Der Anteil, der einst dreifach für euch niedergelegt wurde – für Götter, Ahnen, Sterbliche – erkennt eure Anteile; ich teile sie euch zu; wer davon den Göttern gehört, der möge sie hinübergeleiten.
agne sahasvān abhibhūr abhīd asi nīco ny ubja dviṣataḥ sapatnān iyaṃ mātrā mīyamānā mitā ca sajātāṃs te balihṛtaḥ kṛṇotu
Agni, du bist mächtig, überlegen, furchtlos; drücke die feindseligen Widersacher nieder; dieses Maß, das gemessen wird und schon gemessen ist, möge deine Verwandten dazu bringen, dir Tribut zu bringen.
sākaṃ sajātaiḥ payasā sahaidhy ud ubjaināṃ mahate vīryāya ūrdhvo nākasyādhi roha viṣṭapaṃ svargo loka iti yaṃ vadanti
Gedeihe zusammen mit den Verwandten, zusammen mit Fülle; erhebe sie zu großer Heldenkraft; steige empor zur Höhe des Himmelsgewölbes, die man die 'Himmelswelt' nennt.
etau grāvāṇau sayujā yuṅdhi carmaṇi nirbindhy aṃśūn yajamānāya sādhu avaghnatī ni jahi ya imāṃ pṛtanyava ūrdhvaṃ prajām udbharanty ud ūha
Diese beiden Presssteine spanne als Gefährten auf die Haut; presse die Somatriebe recht für den Opferer heraus; schlage nieder [Anm.: die Verbform 'avaghnatī' ist morphologisch unklar] und erschlage jene, die diese Opfernde befeinden und die ihre Nachkommenschaft emporreißen – vertreibe sie.
gṛhāṇa grāvāṇau sakṛtau vīra hasta ā te devā yajñiyā yajñam aguḥ trayo varā yatamāṃs tvaṃ vṛṇīṣe tās te samṛddhīr iha rādhayāmi ||10|| {1}
Nimm die beiden zusammengefügten Presssteine, o Held, in deine Hand; zu dir sind die opferwürdigen Götter zum Opfer gekommen; drei Wünsche gibt es, welchen von ihnen du auch wählst – diese Erfüllungen bewirke ich dir hier.
iyaṃ te dhītir idam u te janitraṃ gṛhṇātu tvām aditiḥ śūraputrā parā punīhi ya imāṃ pṛtanyavo 'syai rayiṃ sarvavīraṃ ni yacha
Dies ist deine Andacht, und dies ist dein Geburtsort; dich möge Aditi, die Mutter der Helden, aufnehmen; reinige fort, wer diese Frau befeindet; gewähre ihr Reichtum mitsamt allen Söhnen.
upaśvase druvaye sīdatā yūyaṃ vi vicyadhvaṃ yajñiyāsas tuṣaiḥ śriyā samānān ati sarvānt syāmādhaspadaṃ dviṣatas pādayāmi
Setzt euch nieder an der Ruhestätte, am Druvi [Anm.: die Ritualbegriffe 'upaśvasa' und 'druvi' sind in ihrer genauen Bedeutung unsicher]; sondert euch, ihr Opferwürdigen, von der Spreu; durch Glanz mögen wir alle Ebenbürtigen übertreffen; die Hasser lasse ich unter die Füße fallen.
Geh fort, o Frau, kehre rasch zurück; der Kuhstall der Gewässer ist zu deiner Beladung auf dich gestiegen [Anm.: Sinnzusammenhang der Verszeile unsicher]; von diesen nehme man, welche opferwürdig sind; nachdem geteilt ist, gehe die Klügere fort.
Wort für Wort
parehi
geh fort! (Imp. 2.Sg.)
nāri
o Frau (Vok.)
punar
wieder
ehi
komm! (Imp. 2.Sg.)
kṣipram
rasch (Adv.)
apāṃ
der Wasser (Gen.Pl.)
tvā
dich (Akk. enklit.)
goṣṭho
der Kuhstall (Nom.) [?] (Sinnzusammenhang unsicher)
emā agur yoṣitaḥ śumbhamānā ut tiṣṭha nāri tavasaṃ rabhasva supatnī patyā prajayā prajāvaty ā tvāgan yajñaḥ prati kumbhaṃ gṛbhāya
Hierher sind die sich schmückenden Frauen gekommen; steh auf, o Frau, ergreife den Starken; als gute Gattin mit Gatten und Nachkommenschaft, kinderreich, ist das Opfer zu dir gekommen; ergreife den Topf.
ūrjo bhāgo nihito yaḥ purā va ṛṣipraśiṣṭāpa ā bharaitāḥ ayaṃ yajño gātuvin nāthavit prajāvid ugraḥ paśuvid vīravid vo astu
Der Anteil an Kraft, der einst für euch niedergelegt wurde, von den Ṛṣis vorgeschrieben – bringt diese Wasser herbei; dieses Opfer, das den rechten Weg findet, Zuflucht findet, Nachkommenschaft findet, mächtig, Vieh findet, Helden findet, soll euch gehören.
Wort für Wort
ūrjo
an Kraft (Gen.)
bhāgo
der Anteil (Nom.)
nihito
niedergelegt (Nom., Ptz.)
yaḥ
der (Nom.)
purā
vor/einst
va
bei euch/euer (enklit.)
ṛṣipraśiṣṭāpa
von den Ṛṣis vorgeschrieben – die Wasser (Sandhi)
ā
heran/auf (Präverb)
bharaitāḥ
bringt – diese (Sandhi, Imp.+Akk.Pl.f.)
ayaṃ
dieses (Nom.)
yajño
Opfer (Nom.)
gātuvin
gātu 'Weg' + vid 'findend' → 'den rechten Weg findend' (Nom., Kompositum)
nāthavit
nātha 'Zuflucht' + vid 'findend' → 'Zuflucht findend' (Nom., Kompositum)
prajāvid
prajā 'Nachkommenschaft' + vid 'findend' → 'Nachkommenschaft findend' (Nom., Kompositum)
ugraḥ
mächtig (Nom.)
paśuvid
paśu 'Vieh' + vid 'findend' → 'Vieh findend' (Nom., Kompositum)
vīravid
vīra 'Helden' + vid 'findend' → 'Helden findend' (Nom., Kompositum)
Agni, der Opfertopf hat sich auf dich gesetzt, du Reiner, Glühendster; erhitze ihn mit deiner Glut; die von den Ṛṣis Abstammenden und die Göttlichen mögen, zusammengekommen, diesen Anteil am glühendsten mit den Jahreszeiten erhitzen.
Rein, geläutert, opferwürdig sind diese Frauen, die Wasser; die glänzenden mögen zum Opfertopf herabgleiten; sie haben uns reiche Nachkommenschaft und Vieh gegeben; sie gehe – diejenige, für die der Opferbrei gekocht ist [Anm.: syntaktischer Bezug von 'paktaudanasya' im Sanskrit unsicher] – ein in die Welt der Rechtschaffenen.
Wort für Wort
śuddhāḥ
rein (Nom.Pl.)
pūtā
geläutert (Nom.Pl.)
yoṣito
Frauen (Nom.Pl.)
yajñiyā
opferwürdige (Nom.Pl.)
imā
diese (Nom.Pl.f.)
āpaś
die Wasser (Nom.Pl.)
carum
zum Opfertopf (Akk.)
ava
herab (Präverb)
sarpantu
mögen gleiten (Imp. 3.Pl.)
śubhrāḥ
die glänzenden (Nom.Pl.)
aduḥ
haben gegeben (Aor. 3.Pl.)
prajāṃ
Nachkommenschaft (Akk.)
bahulāṃ
reiche (Akk.f., Adj.)
paśūn
Vieh (Akk.Pl.)
naḥ
uns (enklit.)
paktaudanasya
für die, für die der Opferbrei gekocht ist [Anm.: unsicher] (Gen.)
brahmaṇā śuddhā uta pūtā ghṛtena somasyāṃśavas taṇḍulā yajñiyā ime apaḥ pra viśata prati gṛhṇātu vaś carur imaṃ paktvā sukṛtām eta lokam
Durch das Brahman und durch Schmalz gereinigt, sind diese Somatriebe wie die opferwürdigen Reiskörner; ihr Wasser, tretet ein; dieser Topf nehme euch auf; nachdem ihr das Opfer gekocht habt, geht in die Welt der Rechtschaffenen ein.
Breite dich weit aus mit großer Größe, du Tausendrückiger, in der Welt der Rechtschaffenen; Großväter, Väter – als Nachkomme geboren bin ich, der Bereiter des Opfers, euer Fünfzehnter [Anm.: genauer Bezug der Zahlenangabe unsicher].
sahasrapṛṣṭhaḥ śatadhāro akṣito brahmaudano devayānaḥ svargaḥ amūṃs ta ā dadhāmi prajayā reṣayainān balihārāya mṛḍatān mahyam eva ||20|| {2}
Tausendrückig, hundertströmig, unerschöpflich ist der Brahmanenbrei, der götterbegangene Weg zum Himmel; jene Ahnen setze ich dir samt Nachkommenschaft ein; schädige sie nicht; mir allein mögen sie gnädig sein für das Darbringen des Tributs.
Steig empor zum Altar mit Nachkommenschaft, mehre ihn; vertreibe den Unhold; setze ihn weiter voran; durch Glanz mögen wir alle Ebenbürtigen übertreffen; die Hasser lasse ich unter die Füße fallen.
abhyāvartasva paśubhiḥ sahaināṃ pratyaṅṅ enāṃ devatābhiḥ sahaidhi mā tvā prāpac chapatho mābhicāraḥ sve kṣetre anamīvā vi rāja
Wende dich mit dem Vieh wieder ihr zu; gedeihe, ihr zugewandt, zusammen mit den Gottheiten; kein Fluch soll dich erreichen, keine Behexung; herrsche frei von Krankheit in deinem eigenen Gebiet.
Nach der Weltordnung gefügt, mit gutem Sinn bereitet, ist der Altar für den Brahmanenbrei vorn errichtet; lege, o Frau, die reine Trägerin [Anm.: 'aṃsadhrī', wohl ein Traggerät, Bedeutung unsicher] darauf; dort setze den Brei der Göttlichen nieder.
Diese Opferkelle, die Hand der Aditi, eine zweite, die die sieben Ṛṣis, die Schöpfer der Wesen, gemacht haben – sie, die Kelle, die die Glieder des Opferbreis kennt, ordne ihn auf dem Altar an.
Als gekochtes Opfer mögen sich die Göttlichen zu dir setzen; nachdem du Agni entschlüpft bist, wende dich ihnen wieder gnädig zu; durch Soma gereinigt, setze dich im Bauch nieder; die von den Ṛṣis abstammenden Brahmanen, die dich verzehren, sollen nicht Schaden nehmen.
O König Soma, säe ihnen Eintracht ein; die guten Brahmanen, welche auch immer, mögen sich dir nahen; die Ṛṣis, die Ārṣeyas, aus Askese geboren, die leicht Anzurufenden, rufe ich immer wieder zum Brahmanenbrei herbei.
śuddhāḥ pūtā yoṣito yajñiyā imā brahmaṇāṃ hasteṣu prapṛthak sādayāmi yatkāma idam abhiṣiñcāmi vo 'ham indro marutvānt sa dadād idaṃ me
Rein, geläutert, opferwürdig sind diese Frauen; ich setze sie, jede für sich, in die Hände der Brahmanen; mit welchem Wunsch auch immer ich euch hiermit weihe – Indra, der Marutbegleitete, möge mir dies gewähren.
idaṃ me jyotir amṛtaṃ hiraṇyaṃ pakvaṃ kṣetrāt kāmadughā ma eṣā idaṃ dhanaṃ ni dadhe brāhmaṇeṣu kṛṇve panthāṃ pitṛṣu yaḥ svargaḥ
Dies ist mein Licht, unsterblich, Gold, gereift vom Feld; sie ist meine wunscherfüllende Kuh; dieses Gut lege ich bei den Brahmanen nieder; ich bahne den Weg zu den Ahnen, der der Himmel ist.
Streue die Spreu ins Feuer, dem Jātavedas; wische den 'Kambūka' [Anm.: Bedeutung unsicher, vermutlich ein Schädling] weit fort; wir haben von diesem Anteil des 'Hausherrn' [Anm.: 'gṛharāja', wohl ein Ungeziefer-Wesen, unsicher] gehört, und wir kennen auch den Anteil der Nirṛti.
Kenne den Weg dessen, der sich müht, kocht, presst; lass ihn zum Himmel emporsteigen, auf dem er, darüber hinausgelangt, zum höchsten Alter, zum höchsten Himmelsgewölbe, zum obersten Luftraum aufsteigen möge.
babhrer adhvaryo mukham etad vi mṛḍḍhy ājyāya lokaṃ kṛṇuhi pravidvān ghṛtena gātrānu sarvā vi mṛḍḍhi kṛṇve panthāṃ pitṛṣu yaḥ svargaḥ
O Adhvaryu, wische dieses Maul des Braunen [Anm.: 'babhru', vermutlich Bezeichnung eines Opfergefäßes, unsicher] rein; schaffe kundig Raum für das Schmalz; bestreiche alle Glieder mit Schmalz; ich bahne den Weg zu den Ahnen, der der Himmel ist.
Du Brauner, säe Unheil (Rakṣas) und Kampfrausch unter sie, die Nicht-Brahmanen, welche sich dir auch nähern mögen; die im Unrat Hausenden [Anm.: 'purīṣiṇaḥ', Deutung unsicher] breiten sich vorn aus; deine von den Ṛṣis abstammenden Esser sollen nicht Schaden nehmen.
ārṣeyeṣu ni dadha odana tvā nānārṣeyāṇām apy asty atra agnir me goptā marutaś ca sarve viśve devā abhi rakṣantu pakvam
O Opferbrei, ich setze dich unter den Nachkommen der Ṛṣis ab; auch für die verschiedenen Ṛṣi-Geschlechter ist hier ein Anteil; Agni ist mein Hüter, und die Maruts alle; die Allgötter mögen das Gekochte behüten.
yajñaṃ duhānaṃ sadam it prapīnaṃ pumāṃsaṃ dhenuṃ sadanaṃ rayīṇām prajāmṛtatvam uta dīrgham āyū rāyaś ca poṣair upa tvā sadema
Das Opfer, das stets melkt, immer strotzend, männlich und Milchkuh zugleich, der Sitz der Reichtümer – mögen wir dich mit Nachkommenschaft, Unsterblichkeit und langem Leben und mit dem Zuwachs an Reichtümern nahen.
Sammle dich, Agni, und ziehe voran; bereite die götterbegangenen Pfade; mit diesen guten Werken mögen wir dem im Himmelsgewölbe stehenden Opfer folgen, auf dem Siebengezügelten.
Mit jenem Licht, mit dem die Götter, nachdem sie den Brahmanenbrei gekocht hatten, zum Himmel aufstiegen, zur Welt der Rechtschaffenen, mit ihm mögen wir zur Welt der Rechtschaffenen gelangen, zur Sonnenwelt aufsteigend, zum höchsten Himmelsgewölbe.