athātaḥ śarīrasaṅkhyāśārīraṃ vyākhyāsyāmaḥ
Nun also werden wir das Kapitel über die Zählung der Körperteile (śarīrasaṅkhyāśārīra) erklären.
Caraka-Saṃhitā · Shariirasthana
Das siebte Kapitel des Śārīrasthāna trägt seinen Namen zu Recht: „Zählung der Körperteile“ (śarīrasaṅkhyā) und liefert eine der detailliertesten anatomischen Aufzählungen der klassischen Ayurveda-Literatur. Aufgegliedert in sechs Hauptglieder, wird der Körper mit sechs Hautschichten, 360 Knochen samt Zähnen und Nägeln, den Sitzen der fünf Sinnesorgane, den zehn Stützpunkten des Lebensatems (prāṇa), den lebenswichtigen Verwundungspunkten (marman) sowie unzähligen, nur noch näherungsweise zählbaren Sehnen, Adern und Muskeln beschrieben. Historisch bemerkenswert ist die Zahl 360 für die Knochen, die von der Aufzählung der Suśruta-Saṃhitā abweicht, die meist 300 nennt – ein Hinweis auf unterschiedliche anatomische Zähltraditionen innerhalb der klassischen Ayurveda-Schulen, die eher auf systematischer Gliederung als auf Sektionsbefunden beruhen. Botanische Substanzen kommen in diesem rein anatomischen Kapitel nicht vor.
| Schicht | Sitz / Bedeutung |
|---|---|
| 1. – udakadharä | hält Wasser |
| 2. – asṛgdharä | hält Blut |
| 3. | Sitz der Entstehung von sidhma und kiläsa (weiße Hautflecken) |
| 4. | Sitz der Entstehung von dadru und kuṣṭha (Ringflechte, Hautleiden) |
| 5. | Sitz der Entstehung von alají und vidradhi (Furunkel, Abszesse) |
| 6. | bei Durchtrennung droht Erblindung; bei Befall entstehen an den Gelenken schwarzrote, schwer heilbare Geschwülste |
| Merkmal | Anzahl |
|---|---|
| Hauptglieder | 6 |
| Knochen (mit Zahnhöhlen und Nägeln) | 360 |
| Sitze der Sinnesorgane (indriya) | 5 |
| Erkenntnisvermögen (buddhíndriya) | 5 |
| Handlungsvermögen (karmendriya) | 5 |
| Sitze des Lebensatems (präṇa), davon 6 = marman | 10 |
| Organe des Rumpfhohlraums (koṣṭha) | 15 |
| Nebenglieder (pratyäṅga) | 56 |
| Große Körperöffnungen | 9 |
| Sehnen (nur annähernd zählbar) | ca. 900 |
| Adern (sirä, nur annähernd zählbar) | ca. 700 |
| Größere Gefäße (dhamanī) | ca. 200 |
| Muskeln | ca. 400 |
| Marman (lebenswichtige Punkte) | 107 |
| Gelenke | ca. 200 |
| Wasser im Körper (in añjali-Handvoll-Maßen) | 10 |
athātaḥ śarīrasaṅkhyāśārīraṃ vyākhyāsyāmaḥ
Nun also werden wir das Kapitel über die Zählung der Körperteile (śarīrasaṅkhyāśārīra) erklären.
iti ha smāha bhagavānātreyaḥ
So sprach fürwahr der erhabene Ātreya.
śarīrasaṅkhyāmavayavaśaḥkṛtsnaṃśarīraṃpravibhajya sarvaśarīrasaṅkhyānapramāṇajñānahetorbhagavantamātreyamagniveśaḥ papraccha
Agniveśa gliederte den gesamten Körper Glied für Glied auf und fragte den erhabenen Ātreya nach der Zählung der Körperteile, um Kenntnis von der Zahl und dem Maß des ganzen Körpers zu erlangen.
tamuvāca bhagavānātreyaḥ- śṛṇu matto'gniveśa! sarvaśarīramācakṣāṇasya yathā praśnamekamanā yathāvat śarīre ṣaṭ tvacaḥ; tadyathā- udakadharā tvagbāhyā, dvitīyā tvasṛgdharā, tṛtīyā sidhmakilāsasambhavādhiṣṭhānā, caturthīdadrūkuṣṭhasambhavādhiṣṭhānā, pañcamī tvalajīvidradhisambhavādhiṣṭhānā, ṣaṣṭhī tu yasyāṃ chinnāyāṃ tāmyatyandha iva ca tamaḥ praviśatiyāṃ cāpyadhiṣṭhāyārūṃṣi jāyante parvasu kṛṣṇaraktāni sthūlamūlāni duścikitsyatamāni ca; iti ṣaṭ tvaca:; etāḥ ṣaḍaṅgaṃ śarīramavatatya tiṣṭhanti
Da sprach der erhabene Ātreya zu ihm: Höre von mir, Agniveśa, aufmerksam und der Reihe nach, wie ich, den ganzen Körper darlegend, deine Frage beantworte. Im Körper gibt es sechs Hautschichten (tvac): die äußere Haut, die Wasser hält (udakadharā); die zweite, die Blut hält (asṛgdharā); die dritte, der Sitz der Entstehung von Sidhma und Kilāsa (weiße Hautflecken); die vierte, der Sitz der Entstehung von Dadru und Kuṣṭha (Ringflechte und andere Hautleiden); die fünfte, der Sitz der Entstehung von Alajī und Vidradhi (Furunkel und Abszessen); die sechste aber, bei deren Durchtrennung man wie erblindet und Finsternis in einen eindringt, und in der, wenn sie befallen ist, an den Gelenken schwarzrote, dickwurzelige und überaus schwer zu heilende Geschwülste entstehen. Das sind die sechs Hautschichten; sie erstrecken sich über den aus sechs Gliedern bestehenden Körper.
tatrāyaṃ śarīrasyāṅgavibhāgaḥ; tadyathā- dvau bāhū, dve sakthinī, śirogrīvam, antarādhiḥ, iti ṣaḍaṅgamaṅgam
Dies nun ist die Gliederung des Körpers in seine Hauptglieder: die beiden Arme, die beiden Beine, Kopf-und-Hals sowie der Rumpf (antarādhi) — so besteht der Körper aus sechs Gliedern.
trīṇi saṣaṣṭīni śatānyasthnāṃ saha dantolūkhalanakhena | tadyathā-dvātriṃśaddantāḥ, dvātriṃśaddantolūkhalāni, viṃśatirnakhāḥ, ṣaṣṭiḥ pāṇipādāṅgulyasthīni, viṃśatiḥpāṇipādaśalākāḥ, catvāri pāṇipādaśalākādhiṣṭhānāni, dve pārṣṇyorasthinī, catvāraḥ pādayorgulphāḥ, dvau maṇikau hastayoḥ, catvāryaratnyorasthīni, catvāri jaṅghayoḥ, dve jānunī, dve jānukapālike, dvāvūrunalakau, dvau bāhunalakau, dvāvaṃsau,dve aṃsaphalake, dvāvakṣakau, ekaṃ jatru, dve tāluke, dve śroṇiphalake, ekaṃ bhagāsthi, pañcacatvāriṃśat pṛṣṭhagatānyasthīni,pañcadaśa grīvāyāṃ, caturdaśorasi, dvayoḥ pārśvayoścaturviṃśatiḥ parśukāḥ, tāvanti sthālakāni, tāvanti caiva sthālakārbudāni, ekaṃhanvasthi, dve hanumūlabandhane, ekāsthi nāsikāgaṇḍakūṭalalāṭaṃ, dvau śaṅkhau, catvāri śiraḥkapālānīti; evaṃ trīṇi saṣaṣṭīniśatānyasthnāṃ saha dantolūkhalanakheneti
Dreihundertsechzig ist die Zahl der Knochen, zusammen mit den Zahnhöhlen und Nägeln. Das sind: zweiunddreißig Zähne, zweiunddreißig Zahnhöhlen, zwanzig Nägel, sechzig Knochen der Finger und Zehen, zwanzig Mittelhand- und Mittelfußknochen von Hand und Fuß, vier Grundknochen dieser Mittelhand- und Mittelfußknochen, zwei Fersenknochen, vier Knöchel der Füße, zwei Handwurzelknochen, vier Unterarmknochen, vier Knochen der Unterschenkel, zwei Kniescheiben, zwei Kniescheibendeckel, zwei Oberschenkelröhrenknochen, zwei Oberarmröhrenknochen, zwei Schultergelenke, zwei Schulterblätter, zwei Schlüsselbeine, ein Nackenknochen, zwei Gaumenknochen, zwei Beckenschaufeln, ein Schambein, fünfundvierzig Wirbelsäulenknochen, fünfzehn im Nacken, vierzehn in der Brust, auf beiden Seiten vierundzwanzig Rippen, ebenso viele Rippenwurzeln und ebenso viele Rippenknorpelfortsätze, ein Kieferknochen, zwei Kiefergelenkbänder, ein Knochen für Nase, Wange, Jochbein und Stirn zusammen, zwei Schläfenbeine und vier Schädelknochen. So sind es dreihundertsechzig Knochen, zusammen mit Zahnhöhlen und Nägeln.
pañcendriyādhiṣṭhānāni; tadyathā- tvag, jihvā, nāsikā, akṣiṇī, karṇau ca| pañca buddhīndriyāṇi; tadyathā- sparśanaṃ, rasanaṃ, ghrāṇaṃ, darśanaṃ, śrotramiti| pañca karmendriyāṇi; tadyathā- hastau, pādau, pāyuḥ, upasthaḥ, jihvā ceti
Es gibt fünf Sitze der Sinnesorgane (indriya): Haut, Zunge, Nase, die beiden Augen und die beiden Ohren. Es gibt fünf Erkenntnisvermögen (buddhīndriya): Tastsinn, Geschmackssinn, Geruchssinn, Sehsinn und Hörsinn. Und es gibt fünf Handlungsvermögen (karmendriya): die beiden Hände, die beiden Füße, den After, die Geschlechtsorgane und die Zunge.
hṛdayaṃ cetanādhiṣṭhānamekam
Das Herz ist der eine Sitz des Bewusstseins (cetanā).
daśa prāṇāyatanāni; tadyathā- mūrdhā, kaṇṭhaḥ, hṛdayaṃ, nābhiḥ, gudaṃ, bastiḥ, ojaḥ, śukraṃ, śoṇitaṃ, māṃsamiti| teṣu ṣaṭ pūrvāṇi marmasaṅkhyātāni
Es gibt zehn Sitze des Lebensatems (prāṇa): Kopf, Kehle, Herz, Nabel, After, Harnblase, ojas, Samen, Blut und Muskelfleisch. Von diesen zählen die ersten sechs zu den marman, den lebenswichtigen, verwundbaren Punkten.
pañcadaśa koṣṭhāṅgāni; tadyathā- nābhiśca, hṛdayaṃ ca, kloma ca, yakṛcca, plīhā ca, vṛkkau ca, bastiśca, purīṣādhāraśca,āmāśayaśca, pakvāśayaśca, uttaragudaṃ ca, adharagudaṃ ca, kṣudrāntraṃ ca, sthūlāntraṃ ca, vapāvahanaṃ ceti
Es gibt fünfzehn Organe des Rumpfhohlraums (koṣṭha): Nabel, Herz, kloma (die Region von Kehlkopf und Lunge), Leber, Milz, die beiden Nieren, Harnblase, den Behälter des Kots, den Magen (Sitz der unverdauten Nahrung), den Darmabschnitt der verdauten Nahrung, den oberen Darmabschnitt, den unteren Darmabschnitt, den Dünndarm, den Dickdarm und das Bauchnetz.
ṣaṭpañcāśat pratyaṅgāni ṣaṭsvaṅgeṣūpanibaddhāni, yānyaparisaṅkhyātāni pūrvamaṅgeṣu parisaṅkhyāyamāneṣu, tānyanyaiḥparyāyairiha prakāśyāni bhavanti| tadyathā- dve jaṅghāpiṇḍike, dve ūrupiṇḍike, dvau sphicau, dvau vṛṣaṇau, ekaṃ śephaḥ, dve ukhe, dvau vaṅkṣaṇau, dvau kukundarau, ekaṃbastiśīrṣam, ekamudaraṃ, dvau stanau, dvau śleṣmabhuvau , dve bāhupiṇḍike, cibukamekaṃ, dvāvoṣṭhau, dve sṛkkaṇyau, dvaudantaveṣṭakau, ekaṃ tālu, ekā galaśuṇḍikā, dve upajihvike, ekā gojihvikā, dvau gaṇḍau, dve karṇaśaṣkulike, dvau karṇaputrakau,dve akṣikūṭe, catvāryakṣivartmāni, dve akṣikanīnike, dve bhruvau, ekā'vaṭuḥ, catvāri pāṇipādahṛdayāni
Es gibt sechsundfünfzig Nebenglieder (pratyaṅga), die den sechs Hauptgliedern zugeordnet sind; sie wurden bei der vorherigen Zählung der Hauptglieder nicht eigens erfasst und werden hier unter eigenen Bezeichnungen dargelegt. Das sind: die beiden Wadenmuskeln, die beiden Oberschenkelmuskeln, die beiden Gesäßbacken, die beiden Hoden, das männliche Glied, die beiden Hüftpfannen, die beiden Leistenregionen, die beiden Hüftgruben, die Blasenspitze, der Bauch, die beiden Brüste, die beiden Schleimdrüsen im Nacken, die beiden Oberarmmuskeln, das Kinn, die beiden Lippen, die beiden Mundwinkel, die beiden Zahnfleischsäume, der Gaumen, das Zäpfchen, die beiden kleinen Nebenzäpfchen, die Kehldeckelzunge, die beiden Wangen, die beiden äußeren Ohrmuscheln, die beiden Ohrläppchen, die beiden Augenhöhlen, die vier Augenlider, die beiden inneren Augenwinkel, die beiden Augenbrauen, die Fontanellenstelle und die vier 'Herzen' von Hand und Fuß, also die Handflächen und Fußsohlen.
nava mahanti chidrāṇi- sapta śirasi, dve cādhaḥ
Es gibt neun große Öffnungen: sieben am Kopf und zwei unten.
etāvaddṛśyaṃ śakyamapi nirdeṣṭum
So viel lässt sich sehen und auch genau benennen.
anirdeśyamataḥ paraṃ tarkyameva| tadyathā- nava snāyuśatāni, sapta sirāśatāni, dve dhamanīśate, catvāri peśīśatāni, saptottaraṃ marmaśataṃ, dve sandhiśate,ekonatriṃśatsahasrāṇi nava ca śatāni ṣaṭpañcāśatkāni sirādhamanīnāmaṇuśaḥ pravibhajyamānānāṃ mukhāgraparimāṇaṃ, tāvanti caivakeśaśmaśrulomānīti| etadyathāvatsaṅkhyātaṃ tvakprabhṛti dṛśyaṃ, tarkyamataḥ param| etadubhayamapi na vikalpate, prakṛtibhāvāccharīrasya
Was darüber hinausgeht, lässt sich nicht mehr genau benennen, sondern nur erschließen. Das sind: neunhundert Sehnen, siebenhundert Adern (sirā), zweihundert dhamanī (größere Gefäße), vierhundert Muskeln, hundertsieben marman, zweihundert Gelenke, sowie neunundzwanzigtausendneunhundertsechsundfünfzig — das Maß der Mündungsöffnungen, wenn man Adern und Gefäße bis in ihre feinsten Verzweigungen aufteilt —, und ebenso viele Haare des Kopfes, des Bartes und des übrigen Körpers. So ist das, was von der Haut an sichtbar ist, ordnungsgemäß gezählt, und was darüber hinausgeht, ist nur erschließbar. Beides jedoch ist nicht willkürlich, sondern entspricht der Natur (prakṛti) des Körpers.
yattvañjalisaṅkhyeyaṃ tadupadekṣyāmaḥ; tat paraṃ pramāṇamabhijñeyaṃ, tacca vṛddhihrāsayogi, tarkyameva| tadyathā- daśodakasyāñjalayaḥ śarīre svenāñjalipramāṇena, yattu pracyavamānaṃ purīṣamanubadhnātyatiyogena tathā mūtraṃ rudhiramanyāṃścaśarīradhātūn, yattu sarvaśarīracaraṃ bāhyā tvagbibharti, yattu tvagantare vraṇagataṃ lasīkāśabdaṃ labhate, yaccoṣmaṇā'nubaddhaṃ lomakūpebhyoniṣpatat svedaśabdamavāpnoti, tadudakaṃ daśāñjalipramāṇaṃ; navāñjalayaḥ pūrvasyāhārapariṇāmadhātoḥ, yaṃ ‘rasa’ ityācakṣate; aṣṭauśoṇitasya, sapta purīṣasya, ṣaṭ śleṣmaṇaḥ, pañca pittasya, catvāro mūtrasya, trayo vasāyāḥ, dvau medasaḥ, eko majjāyāḥ,mastiṣkasyārdhāñjaliḥ, śukrasya tāvadeva pramāṇaṃ, tāvadeva [1] ślaiṣmikasyaujasa iti| etaccharīratattvamuktam
Was sich nun in añjali, in Handvoll-Maßen, zählen lässt, das werden wir jetzt lehren; dies ist das nächstfolgende zu erkennende Maß, das an Zunahme und Abnahme gebunden und daher ebenfalls nur erschließbar ist. So gibt es zehn añjali Wasser im Körper, gemessen nach der eigenen Handvoll-Größe des jeweiligen Menschen: jenes Wasser, das den abgehenden Kot übermäßig begleitet, ebenso Harn, Blut und die übrigen Körpergewebe (dhātu); das, was die äußere Haut trägt und den ganzen Körper durchzieht; das, was innerhalb der Haut in einer Wunde als 'Lymphflüssigkeit' (lasīkā) bezeichnet wird; und das, was, von Körperwärme begleitet, aus den Haarwurzeln austritt und 'Schweiß' genannt wird — all dieses Wasser hat das Maß von zehn añjali. Neun añjali beträgt das aus der Nahrung entstandene erste Umwandlungsgewebe, das man 'rasa' nennt; acht das Blut; sieben der Kot; sechs der kapha; fünf das pitta; vier der Harn; drei das vasā (flüssiges Fettgewebe); zwei das meda (Fettgewebe); einen die majjā (Knochenmark); einen halben añjali das Gehirn; ebenso viel der Same; und ebenso viel das kapha-artige ojas. Damit ist das Wesen des Körpers dargelegt.
tatra yadviśeṣataḥ sthūlaṃ sthiraṃ mūrtimadgurukharakaṭhinamaṅgaṃ nakhāsthidantamāṃsacarmavarcaḥkeśaśmaśrulomakaṇḍarādi tat pārthivaṃ gandhoghrāṇaṃ ca; yaddravasaramandasnigdhamṛdupicchilaṃ rasarudhiravasākaphapittamūtrasvedādi tadāpyaṃ raso rasanaṃ ca; yat pittamūṣmā ca yo yā cabhāḥ śarīre tat sarvamāgneyaṃ rūpaṃ darśanaṃ ca; yaducchvāsapraśvāsonmeṣanimeṣākuñcanaprasāraṇagamanapreraṇadhāraṇādi tadvāyavīyaṃ sparśaḥsparśanaṃ ca; yadviviktaṃ yaducyate mahānti cāṇūni srotāṃsi tadāntarīkṣaṃ śabdaḥ śrotraṃ ca; yat prayoktṛ tat pradhānaṃ buddhirmanaśca| iti śarīrāvayavasaṅkhyā yathāsthūlabhedenāvayavānāṃ nirdiṣṭā
Was davon nun insbesondere grob, fest, gestalthaft, schwer, rau und hart ist — die Glieder, Nägel, Knochen, Zähne, das Muskelfleisch, die Haut, der Kot, das Kopfhaar, der Bart, die Körperbehaarung, die Sehnen und dergleichen —, das ist erdhaft (pārthiva), ebenso der Geruch und der Geruchssinn. Was flüssig, fließend, sanft, ölig, weich und schleimig ist — rasa, Blut, vasā, kapha, pitta, Harn, Schweiß und dergleichen —, das ist wasserhaft (āpya), ebenso der Geschmack und der Geschmackssinn. Was pitta ist, was Wärme ist und was an Glanz im Körper vorhanden ist — all das hat feurige (āgneya) Gestalt, ebenso das Sehvermögen und der Sehsinn. Was Ein- und Ausatmen, das Öffnen und Schließen der Augen, Beugen, Strecken, Gehen, Antreiben und Zurückhalten und dergleichen ist, das ist windhaft (vāyavīya), ebenso die Tastempfindung und der Tastsinn. Was Zwischenraum ist und was man die großen und feinen Kanäle (srotas) nennt, das ist raumhaft (ākāśa), ebenso der Klang und der Hörsinn. Und was der Lenkende, der Handelnde ist, das ist das Grundprinzip (pradhāna), die Erkenntniskraft (buddhi) und der Geist (manas). So wurde die Zählung der Körperteile nach ihrer groben Einteilung dargelegt.
śarīrāvayavāstu paramāṇubhedenāparisaṅkhyeyā bhavanti, atibahutvādatisaukṣmyādatīndriyatvācca| teṣāṃ saṃyogavibhāge paramāṇūnāṃ kāraṇaṃ vāyuḥ karmasvabhāvaśca
Die Körperteile sind jedoch, bis in ihre kleinsten Teilchen (paramāṇu) unterteilt, unzählbar — wegen ihrer überaus großen Menge, ihrer überaus großen Feinheit und weil sie jenseits der Sinneswahrnehmung liegen. Die Ursache für die Verbindung und Trennung dieser Teilchen ist der Wind (vāyu) sowie die Eigennatur des Wirkens (karmasvabhāva).
tadetaccharīraṃ saṅkhyātamanekāvayavaṃ dṛṣṭamekatvena saṅgaḥ, pṛthaktvenāpavargaḥ| tatra pradhānamasaktaṃ sarvasattānivṛttau nivartate iti
Dieser so gezählte Körper mit seinen vielen Teilen wird, wenn er als Einheit betrachtet wird, zur Bindung (saṅga); wird er hingegen in seiner Getrenntheit gesehen, führt dies zur Befreiung (apavarga). Dabei löst sich das unverhaftete Grundprinzip (pradhāna) mit dem Aufhören alles Daseins auf.
tatra ślokau- śarīrasaṅkhyāṃ yo veda sarvāvayavaśo bhiṣak| tadajñānanimittena sa mohena na yujyate
Dazu gibt es Verse: Der Arzt, der die Zählung des Körpers in allen seinen Teilen kennt, verfällt nicht der Verblendung (moha), die aus Unwissenheit darüber entsteht.
amūḍho mohamūlaiśca na doṣairabhibhūyate| nirdoṣo niḥspṛhaḥ śāntaḥ praśāmyatyapunarbhavaḥ
Unverblendet wird er nicht von den Fehlern (doṣa) überwältigt, die in Verblendung wurzeln; frei von diesen Fehlern, frei von Begierde und friedvoll, gelangt er zur endgültigen Ruhe, ohne Wiedergeburt (apunarbhava).