athāto jātisūtrīyaṃ śārīraṃ vyākhyāsyāmaḥ
Nun werden wir das Kapitel über die Körperlehre erklären, das von der Entstehung der Nachkommenschaft handelt (Jātisūtrīya Śārīra).
Caraka-Saṃhitā · Shariirasthana
Das achte und umfangreichste Kapitel des Śārīrasthāna, „Jātisūtrīya“ („über die Entstehung der Nachkommenschaft“), behandelt in großer Ausführlichkeit den gesamten Weg von der Zeugung bis zur Geburt: Vorbereitung von Mann und Frau durch Reinigungstherapien, rituell begleiteter Beischlaf mit Wunschbestimmung des Kindes, Monat-für-Monat-Betreuung der Schwangeren, die Einrichtung des Wochenbettzimmers sowie eine detaillierte Anleitung zur Geburtshilfe. Botanisch ist das Kapitel ungewöhnlich reich: Zur Festigung des Embryos (garbhasthāpana) werden Heilkräuter wie Aindrī, Brāhmī und Śatavīryā genannt, für die Geburtsvorbereitung unter anderem Vidaṅga, Kuṣṭha, Ingwer, langer Pfeffer und Vacā. Medizinisch verbindet das Kapitel damit Geburtshilfe, Diätetik und rituelle Praxis zu einem frühen Zeugnis systematischer Schwangerenbetreuung und steht thematisch neben vergleichbaren, ebenfalls sehr ausführlichen Embryologie-Kapiteln der Suśruta-Saṃhitā.
| Heilkraut | Anwendung |
|---|---|
| Aindrí | Am Kopf oder in der rechten Hand getragen; als Zusatz zu Milch oder geklärter Butter getrunken; Baden und Berühren unter dem Puṣya-Mondhaus |
| Brähmí | |
| Śatavíryä | |
| Sahasravíryä | |
| Amoghä | |
| Avyathä | |
| Śivä | |
| Ariṣṭä | |
| Väṭyapuṣpí | |
| Viṣvaksenakäntä |
| Bestandig genossene Speise | Folge für das Kind |
|---|---|
| Godhä-Fleisch (Waraneidechse) | Blasengrieß, Blasensteine oder tröpfelnder Harn |
| Schweinefleisch | rotäugig, keuchend, überaus raues Haar |
| Fischfleisch | langsamer Lidschlag oder starre Augen |
| Süßes | Harnruhr, Stummheit oder übermäßige Fettleibigkeit |
| Saures | Blutungsneigung oder Haut- und Augenkrankheiten |
| Salziges | frühzeitige Falten, graues Haar oder Kahlheit |
| Scharfes | Schwaches Kind, geringer Same, ohne Nachkommenschaft |
| Bitteres | verkümmert, kraftlos, unentwickelt |
| Herbes | bläulich-grau, dünn, Verstopfung der aufsteigenden Winde (udävarta) |
athāto jātisūtrīyaṃ śārīraṃ vyākhyāsyāmaḥ
Nun werden wir das Kapitel über die Körperlehre erklären, das von der Entstehung der Nachkommenschaft handelt (Jātisūtrīya Śārīra).
iti ha smāha bhagavānātreyaḥ
So sprach einst der erhabene Ātreya.
strīpuṃsayoravyāpannaśukraśoṇitagarbhāśayayoḥ śreyasīṃ prajāmicchatostadarthābhinirvṛttikaraṃ [1] karmopadekṣyāmaḥ
Für Mann und Frau, deren Same (śukra), Blut (śoṇita) und Gebärmutter (garbhāśaya) unversehrt sind und die sich eine vortreffliche Nachkommenschaft wünschen, werden wir die Maßnahmen darlegen, die zur Erreichung dieses Zieles führen.
athāpyetau strīpuṃsau snehasvedābhyāmupapādya, vamanavirecanābhyāṃ saṃśodhya, krameṇa prakṛtimāpādayet| saṃśuddhau cāsthāpanānuvāsanābhyāmupācaret; upācarecca madhurauṣadhasaṃskṛtābhyāṃ ghṛtakṣīrābhyāṃ puruṣaṃ, striyaṃ tu tailamāṣābhyām
Zunächst bereite man Mann und Frau mit ölhaltigen Einreibungen (sneha) und Schwitzbehandlungen (sveda) vor, reinige sie durch Erbrechenstherapie (vamana) und Abführtherapie (virecana) und führe sie so schrittweise in ihren natürlichen Grundzustand (prakṛti) zurück. Nach der Reinigung behandle man sie mit Nirūha- und Anuvāsana-Klistieren; dabei versorge man den Mann mit geklärter Butter (ghṛta) und Milch, die mit süßen Heilkräutern zubereitet sind, die Frau hingegen mit Öl und Urad-Bohnen (māṣa).
tataḥ puṣpāt prabhṛti trirātramāsīta brahmacāriṇyadhaḥśāyinī, pāṇibhyāmannamajarjarapātrādbhuñjānā [1] , na cakāñcinmṛjāmāpadyeta| tataścaturthe'hanyenāmutsādya saśiraskaṃ snāpayitvā śuklāni vāsāṃsyācchādayet puruṣaṃ ca| tataḥ śuklavāsasau sragviṇau sumanasāvanyonyamabhikāmau saṃvaseyātāṃ snānāt prabhṛti yugmeṣvahaḥsu putrakāmau, ayugmeṣuduhitṛkāmau
Von Beginn der Regelblutung (puṣpa) an lebe die Frau drei Nächte enthaltsam, schlafe auf dem Boden, esse mit den Händen aus einem unversehrten Gefäß und unterlasse jeden Schmuck. Am vierten Tag salbe man sie ein, bade sie samt dem Kopf und kleide sie wie auch den Mann in weiße Gewänder. Dann sollen beide, weiß gekleidet, mit Girlanden geschmückt und einander wohlgesinnt zugetan, miteinander verkehren – vom Bad an gerechnet an geraden Tagen, wenn sie sich einen Sohn wünschen, an ungeraden Tagen, wenn sie sich eine Tochter wünschen.
na ca nyubjāṃ pārśvagatāṃ vā saṃseveta| nyubjāyā vāto balavān sa yoniṃ pīḍayati, pārśvagatāyā dakṣiṇe pārśve śleṣmā sa cyutaḥ pidadhāti garbhāśayaṃ, vāme pārśve pittaṃtadasyāḥ pīḍitaṃ vidahati raktaṃ śukraṃ ca, tasmāduttānā bījaṃ gṛhṇīyāt; tathāhi yathāsthānamavatiṣṭhante doṣāḥ| paryāpte caināṃ śītodakena pariṣiñcet| tatrātyaśitā kṣudhitā pipāsitā bhītā vimanāḥ śokārtā kruddhā'nyaṃ ca pumāṃsamicchantī maithune cātikāmā vā na garbhaṃ dhatte,viguṇāṃ vā prajāṃ janayati| atibālāmativṛddhāṃ dīrgharogiṇīmanyena vā vikāreṇopasṛṣṭāṃ varjayet| puruṣe'pyeta eva doṣāḥ| ataḥ sarvadoṣavarjitau strīpuruṣau saṃsṛjyeyātām
Man vollziehe den Beischlaf nicht mit einer Frau, die auf dem Bauch oder auf der Seite liegt. Liegt sie auf dem Bauch, wird vāta stark und bedrängt die Gebärmutteröffnung (yoni); liegt sie auf der rechten Seite, verschließt aufsteigendes kapha die Gebärmutter (garbhāśaya); liegt sie auf der linken Seite, entzündet ihr bedrängtes pitta Blut und Samen. Darum empfange sie den Samen auf dem Rücken liegend – so bleiben die doṣas (die drei Grundkräfte vāta, pitta, kapha) an ihrem angestammten Ort. Ist der Beischlaf vollzogen, besprenge man sie mit kaltem Wasser. Eine Frau, die übersättigt, hungrig, durstig, ängstlich, geistesabwesend, von Kummer erfüllt, zornig ist, sich einen anderen Mann wünscht oder von übermäßigem Verlangen ergriffen ist, empfängt keinen Embryo (garbha) oder bringt eine mangelhafte Nachkommenschaft hervor. Man meide eine allzu junge, allzu alte, langwierig kranke oder von einer sonstigen Störung befallene Frau. Dieselben Fehler gelten auch für den Mann. Darum sollen Mann und Frau, frei von all diesen Mängeln, sich vereinigen.
sañjātaharṣau maithune cānukūlāviṣṭagandhaṃ svāstīrṇaṃ sukhaṃ śayanamupakalpya manojñaṃ hitamaśanamaśitvā nātyaśitau dakṣiṇapādenapumānārohet vāmapādena strī
Sind beide vom Verlangen zum Beischlaf erfüllt, richte man ein angenehmes, wohlriechendes, gut gepolstertes, bequemes Lager her; nachdem sie eine wohlschmeckende, zuträgliche Speise gegessen haben, ohne sich zu übersättigen, besteige der Mann das Lager mit dem rechten Fuß zuerst, die Frau mit dem linken.
tatra mantraṃ prayuñjīta- “ahirasi āyurasi sarvataḥ pratiṣṭhā'si dhātā tvā dadatu vidhātā tvā dadhātu brahmavarcasā bhava” iti| “brahmā bṛhaspatirviṣṇuḥsomaḥsūryastathā'śvinau| bhago'tha mitrāvaruṇau vīraṃ [2] dadatu me sutam” ityuktvā saṃvaseyātām
Dabei spreche man folgenden Mantra: „Du bist die Schlange, du bist das Leben, du bist überall der Halt; der Ordner möge dich geben, der Bestimmer möge dich verleihen – werde erfüllt von heiligem Glanz.“ Und nachdem man gesprochen hat: „Brahmā, Bṛhaspati, Viṣṇu, Soma und Sūrya, ebenso die beiden Aśvin, Bhaga, dazu Mitra und Varuṇa – sie mögen mir einen heldenhaften Sohn schenken“, sollen sie sich vereinigen.
sā cedevamāśāsīta-bṛhantamavadātaṃ haryakṣamojasvinaṃ śuciṃ sattvasampannaṃ putramiccheyamiti, śuddhasnānāt prabhṛtyasyaimanthamavadātayavānāṃ madhusarpirbhyāṃ saṃsṛjya śvetāyā goḥ sarūpavatsāyāḥ payasā''loḍya rājate kāṃsye vā pātre kāle kāle saptāhaṃsatataṃ prayacchet pānāya| prātaśca śāliyavānnavikārān dadhimadhusarpirbhiḥ payobhirvā saṃsṛjya bhuñjīta, tathā sāyamavadātaśaraṇaśayanāsanapānavasanabhūṣaṇāca syāt| sāyaṃ prātaśca śaśvacchvetaṃ mahāntaṃ vṛṣabhamājāneyaṃ vā haricandanāṅgadaṃ paśyet| saumyābhiścaināṃ kathābhirmanonukūlābhirupāsīta| saumyākṛtivacanopacāraceṣṭāṃśca strīpuruṣānitarānapi cendriyārthānavadātān paśyet| sahacaryaścaināṃ priyahitābhyāṃ satatamupacareyustathā bhartā| na ca miśrībhāvamāpadyeyātāmiti| anena vidhinā saptarātraṃ sthitvā'ṣṭame'hanyāplutyādbhiḥ saśiraskaṃ saha bhartrā ahatāni vastrāṇyācchādayedavadātāni,avadātāśca srajo bhūṣaṇāni ca bibhṛyāt
Wünscht sie sich: „Möge ich einen großen, hellhäutigen, goldäugigen, kraftvollen, reinen, mit edlem Gemüt (sattva) begabten Sohn erhalten“ – so gebe man ihr vom Tag des reinigenden Bades an sieben Tage lang stets zur rechten Zeit einen mit Honig und geklärter Butter versetzten Aufguss aus gerösteten weißen Gerstenkörnern, verrührt mit der Milch einer weißen Kuh mit gleichfarbigem Kalb, dargereicht in einem silbernen oder bronzenen Gefäß, zum Trinken. Morgens nehme sie Reis- und Gerstenspeisen mit Joghurt, Honig und geklärter Butter oder mit Milch zu sich; ebenso soll sie abends helle Zufluchtsstätten, Lager, Sitze, Getränke, Kleider und Schmuck haben. Abends und morgens betrachte sie stets einen großen, weißen Stier oder ein weißes edles Pferd, geschmückt mit gelbem Sandelholz. Man unterhalte sie mit sanften, ihrem Gemüt zusagenden Gesprächen; sie sehe Männer und Frauen von sanftem Aussehen, sanfter Rede und sanftem Wesen, ebenso alle anderen Sinnesobjekte nur in heller, reiner Gestalt. Ihre Gefährtinnen und ebenso ihr Gatte sollen sie stets mit lieben, zuträglichen Dingen umsorgen; doch sollen sie (in dieser Zeit) nicht geschlechtlich zusammenkommen. Nach sieben so verbrachten Nächten bade sie am achten Tag samt dem Kopf und lege gemeinsam mit ihrem Gatten neue, helle Gewänder an; auch Girlanden und Schmuck trage sie hell.
tata ṛtvik prāguttarasyāṃ diśyagārasya prāgpravaṇamudakpravaṇaṃ vā pradeśamabhisamīkṣya, gomayodakābhyāṃ sthaṇḍilamupalipya, prokṣyacodakena, vedīmasmin sthāpayet| tāṃ paścimenāhatavastrasañcaye śvetārṣabhe vā'pyajina upaviśed brāhmaṇaprayuktaḥ, rājanyaprayuktastu vaiyāghre carmaṇyānaḍuhe vā,vaiśyaprayuktastu raurave bāste vā| tatropaviṣṭaḥ pālāśībhiraiṅgudībhiraudumbarībhirmādhūkībhirvā samidbhiragnimupasamādhāya, kuśaiḥ paristīrya, paridhibhiśca paridhāya,lājaiḥ śuklābhiśca gandhavatībhiḥ sumanobhirupakiret| tatra praṇīyodapātraṃ pavitrapūtamupasaṃskṛtya sarpirājyārthaṃ yathoktavarṇānājāneyādīn samantataḥ sthāpayet
Danach wähle der Opferpriester (ṛtvij) im Nordosten des Hauses eine nach Osten oder Norden abfallende Stelle, bestreiche den Altarplatz mit Kuhdung und Wasser, besprenge ihn und richte darauf den Opferaltar (vedī) ein. Westlich davon setze sich – im Auftrag eines Brahmanen – auf einen Haufen neuer Gewänder oder das Fell eines weißen Stieres; im Auftrag eines Kṣatriya auf ein Tigerfell oder das Fell eines Zugochsen, im Auftrag eines Vaiśya auf ein Ziegen- oder Schaffell. Dort sitzend entzünde man das Feuer mit Scheiten von Palāśa-, Iṅgudī-, Udumbara- oder Madhūka-Holz, umgebe es mit Kuśa-Gras und den Einfassungsstäben und bestreue es mit weißem, duftendem Röstgetreide und Blumen. Dann bereite man ein Gefäß mit gereinigtem, geweihtem Wasser vor und stelle geklärte Butter sowie die zuvor genannten Tiere von entsprechender Farbe ringsum bereit.
tataḥ putrakāmā paścimato'gniṃ dakṣiṇato brāhmaṇamupaviśyānvālabheta saha bhartrā yatheṣṭaṃ putramāśāsānā| tatastasyā āśāsānāyā ṛtvik prajāpatimabhinirdiśya yonau tasyāḥ kāmaparipūraṇārthaṃ kāmyāmiṣṭiṃ nirvartayed ‘viṣṇuryoniṃkalpayatu’ ityanayarcā| tataścaivājyena sthālīpākamabhighārya trirjuhuyādyathāmnāyam| mantropamantritamudapātraṃ tasyai dadyāt sarvodakārthān kuruṣveti| tataḥ samāpte karmaṇi pūrvaṃ dakṣiṇapādamabhiharantī pradakṣiṇamagnimanuparikrāmet saha bhartrā| tato [1] brāhmaṇān svasti vācayitvā''jyaśeṣaṃ [2] prāśnīyāt pūrvaṃ pumān, paścāt strī; na cocchiṣṭamavaśeṣayet| tatastau saha saṃvaseyātāmaṣṭarātraṃ, tathāvidhaparicchadāveva ca syātāṃ [3] , tatheṣṭaputraṃ janayetām
Danach setze sich die Frau, die sich einen Sohn wünscht, westlich vom Feuer, südlich vom Brahmanen, gemeinsam mit ihrem Gatten, und berühre das Opfertier, indem sie sich den gewünschten Sohn erbittet. Der Opferpriester rufe dann, Prajāpati anrufend, zur Erfüllung ihres Wunsches an ihrer Gebärmutter das Wunschopfer aus, mit dem Vers „Viṣṇu möge die Gebärmutter bereiten“. Danach besprenge er die gekochte Reisspeise dreimal mit geklärter Butter und opfere sie nach der Überlieferung. Das mit Mantras geweihte Wassergefäß übergebe er ihr mit den Worten: „Verwende es für alle Zwecke, die Wasser erfordern.“ Nach Abschluss der Zeremonie umschreite sie, zuerst den rechten Fuß setzend, gemeinsam mit ihrem Gatten das Feuer im Uhrzeigersinn. Dann lasse man die Brahmanen den Segensspruch sprechen; zuerst der Mann, danach die Frau esse den Rest der Butterspeise, ohne etwas übrigzulassen. Danach sollen beide acht Nächte zusammenleben und sich weiterhin so verhalten; so zeugen sie den gewünschten Sohn.
yā tu strī śyāmaṃ lohitākṣaṃ vyūḍhoraskaṃ mahābāhuṃ ca putramāśāsīta, yā vā kṛṣṇaṃ kṛṣṇamṛdudīrghakeśaṃ śuklākṣaṃ śukladantaṃtejasvinamātmavantam; eṣa evānayorapi homavidhiḥ| kintu paribarho varṇavarjaṃ syāt| putravarṇānurūpastu yathāśīreva tayoḥ paribarho'nyaḥ kāryaḥ syāt
Wünscht sich eine Frau hingegen einen dunklen, rotäugigen Sohn mit breiter Brust und kräftigen Armen, oder einen Sohn mit schwarzem, weichem, langem Haar, hellen Augen, weißen Zähnen, voller Ausstrahlung (tejas) und Selbstbeherrschung – so gilt für sie dieselbe Opferordnung; nur die Ausstattung soll der jeweils gewünschten Hautfarbe entsprechend gewählt werden. Die übrige Ausstattung soll dem gewünschten Aussehen des Sohnes entsprechend angepasst werden.
śūdrā tu namaskārameva kuryāt (devāgnidvijagurutapasvisiddhebhyaḥ [4] )
Eine Frau des Śūdra-Standes hingegen soll lediglich eine Verehrung darbringen – den Göttern, dem Feuer, den Zweifachgeborenen, den Lehrern und den Vollendeten.
yā yā ca yathāvidhaṃ putramāśāsīta tasyāstasyāstāṃ tāṃ putrāśiṣamanuniśamya tāṃstāñjanapadānmanasā'nuparikrāmayet| tato [5] yā yā yeṣāṃ yeṣāṃ janapadānāṃ manuṣyāṇāmanurūpaṃ putramāśāsīta sā sā teṣāṃ teṣāṃ janapadānāṃmanuṣyāṇāmāhāravihāropacāraparicchadānanuvidhatsveti vācyā syāt| ityetat sarvaṃ putrāśiṣāṃ samṛddhikaraṃ karma vyākhyātaṃ bhavati
Und für jede Frau, die sich nach der vorgeschriebenen Weise einen Sohn wünscht, lasse man nach Kenntnisnahme ihres jeweiligen Wunsches in Gedanken die entsprechenden Länder durchwandern. Danach rate man jeder Frau, die sich einen Sohn nach Art der Menschen bestimmter Länder wünscht, sich in Nahrung, Lebensweise, Umgang und Ausstattung diesen Menschen anzugleichen. Damit ist die gesamte Handlung erklärt, die die Wünsche nach Nachkommenschaft zur Erfüllung bringt.
na khalu kevalametadeva karma varṇavaiśeṣyakaraṃ bhavati| api tu tejodhāturapyudakāntarikṣadhātuprāyo'vadātavarṇakaro bhavati, pṛthivīvāyudhātuprāyaḥ kṛṣṇavarṇakaraḥ, samasarvadhātuprāyaḥśyāmavarṇakaraḥ
Diese Handlung allein bewirkt jedoch nicht die besondere Hautfarbe. Vielmehr bewirkt ein Übergewicht der Elemente (dhātu) Feuer, Wasser und Raum helle Hautfarbe; ein Übergewicht der Elemente Erde und Wind bewirkt dunkle Hautfarbe; ein Gleichgewicht aller Elemente bewirkt eine mittlere, bräunliche Hautfarbe.
sattvavaiśeṣyakarāṇi punasteṣāṃ teṣāṃ prāṇināṃ mātāpitṛsattvānyantarvatnyāḥ śrutayaścābhīkṣṇaṃ svocitaṃ ca karmasattvaviśeṣābhyāsaśceti
Die besonderen Eigenschaften des Gemüts (sattva) hingegen werden bei den jeweiligen Lebewesen durch das Gemüt der Eltern, durch das, was die Schwangere fortwährend hört, durch ihre gewohnten Tätigkeiten sowie durch die Gewöhnung an bestimmte geistige Eigenschaften bestimmt.
yathoktena vidhinopasaṃskṛtaśarīrayoḥ strīpuruṣayormiśrībhāvamāpannayoḥ śukraṃ śoṇitena saha saṃyogaṃ sametyāvyāpannamavyāpannenayonāvanupahatāyāmapraduṣṭe garbhāśaye garbhamabhinirvartayatyekāntena| yathā-nirmale vāsasi suparikalpite rañjanaṃ samuditaguṇamupanipātādeva rāgamabhinirvartayati, tadvat; yathā vākṣīraṃdadhnā'bhiṣutamabhiṣavaṇādvihāya svabhāvamāpadyate dadhibhāvaṃ, śukraṃ tadvat
Wenn Mann und Frau, deren Körper nach der beschriebenen Weise vorbereitet sind, sich vereinigen, verbindet sich der Same (śukra) mit dem Blut (śoṇita), und sofern beide unversehrt sind und die Gebärmutter (yoni, garbhāśaya) unbeschädigt ist, entsteht mit Sicherheit ein Embryo (garbha). So wie ein Farbstoff von entsprechender Qualität, sobald er auf ein reines, wohlvorbereitetes Gewand trifft, sogleich Färbung hervorruft, so verhält es sich hier; oder wie Milch, mit Lab versetzt, ihre eigene Natur verliert und zu Dickmilch wird, so verhält es sich mit dem Samen.
evamabhinirvartamānasya garbhasya strīpuruṣatve hetuḥ pūrvamuktaḥ| yathā hi bījamanupataptamuptaṃ svāṃ svāṃ prakṛtimanuvidhīyate vrīhirvā vrīhitvaṃ yavo vā yavatvaṃ tathā strīpuruṣāvapi yathoktaṃhetuvibhāgamanuvidhīyete
Die Ursache dafür, ob der so entstehende Embryo männlich oder weiblich wird, wurde bereits zuvor genannt. So wie ein unversehrt ausgesätes Samenkorn seiner eigenen Natur folgt – Reis wird zu Reis, Gerste zu Gerste –, so folgen auch Mann und Frau der genannten Ursachenteilung.
tayoḥ karmaṇā vedoktena vivartanamupadiśyate [1] prāgvyaktībhāvāt prayuktena samyak| karmaṇāṃ hi deśakālasampadupetānāṃ niyatamiṣṭaphalatvaṃ, tathetareṣāmitaratvam| tasmādāpannagarbhāṃ striyamabhisamīkṣya prāgvyaktībhāvādgarbhasya puṃsavanamasyai dadyāt| goṣṭhe jātasya nyagrodhasya prāguttarābhyāṃ śākhābhyāṃ śuṅge anupahate ādāya dvābhyāṃ dhānyamāṣābhyāṃ sampadupetābhyāṃgaurasarṣapābhyāṃ vā saha dadhni prakṣipya puṣyeṇa pibet, tathaivāparāñjīvakarṣabhakāpāmārgasahacarakalkāṃśca yugapadekaikaśo yatheṣṭaṃvā'pyupasaṃskṛtya payasā, kuḍyakīṭakaṃ matsyakaṃ vodakāñjalau prakṣipya puṣyeṇa pibet, tathā kanakamayān rājatānāyasāṃścapuruṣakānagnivarṇānaṇupramāṇān dadhni payasyudakāñjalau vā prakṣipya pibedanavaśeṣataḥ puṣyeṇa, puṣyeṇaiva ca śālipiṣṭasyapacyamānasyoṣmāṇamupāghrāya tasyaiva ca piṣṭasyodakasaṃsṛṣṭasya rasaṃ dehalyāmupanidhāya [2] dakṣiṇe nāsāpuṭe svayamāsiñcetpicunā| yaccānyadapi brāhmaṇā brūyurāptā vā striyaḥ puṃsavanamiṣṭaṃ taccānuṣṭheyam| iti puṃsavanāni
Durch eine im Veda gelehrte, rechtzeitig vor der Ausprägung des Geschlechts richtig ausgeführte Handlung wird dessen Wandlung bewirkt. Denn Handlungen, die mit den rechten Umständen von Ort und Zeit ausgestattet sind, bringen mit Sicherheit die gewünschte Frucht, entgegengesetzte das Gegenteil. Daher gebe man einer Frau, sobald man ihre Schwangerschaft erkennt, noch vor der Ausprägung des Geschlechts des Embryos das sogenannte Puṃsavana (die Maßnahme zur Erzeugung eines Sohnes). Man nehme von einem im Kuhstall gewachsenen Nyagrodha-Baum zwei unversehrte Triebe der nordöstlichen Zweige, gebe sie mit zwei vollwertigen schwarzen Bohnen oder mit weißem Senf in Joghurt und lasse sie diese Mischung unter dem Mondhaus Puṣya trinken. Ebenso kann man die Wurzelpasten von Jīvaka, Ṛṣabhaka und Apāmārga oder Sahacara, einzeln oder gemeinsam, nach Wunsch mit Milch zubereiten und trinken lassen; oder man werfe eine kleine Eidechse oder einen kleinen Fisch in eine Handvoll Wasser und lasse sie es unter Puṣya trinken. Ebenso lasse man kleine, aus Gold, Silber oder Eisen geformte, feuerfarbene männliche Figuren in Joghurt, Milch oder eine Handvoll Wasser legen und unter Puṣya restlos austrinken. Ebenfalls unter Puṣya lasse man sie den Dampf von kochendem Reismehl einatmen und träufle ihr den mit Wasser vermengten Saft dieses Mehls, den man auf der Türschwelle bereitgestellt hat, mit einem Wattebausch selbst in das rechte Nasenloch. Auch was Brahmanen oder erfahrene Frauen sonst noch als Puṃsavana empfehlen, sei auszuführen. So weit über die Puṃsavana-Maßnahmen.
ata ūrdhvaṃ garbhasthāpanāni vyākhyāsyāmaḥ aindrī brāhmī śatavīryā sahasravīryā'moghā'vyathā śivā'riṣṭā vāṭyapuṣpīviṣvaksenakāntā cetyāsāmoṣadhīnāṃ śirasā dakṣiṇena vā pāṇinā dhāraṇaṃ, etābhiścaiva siddhasya payasaḥ sarpiṣo vā pānam,etābhiścaiva puṣye puṣye snānaṃ, sadā ca tāḥ [1] samālabheta| tathā sarvāsāṃ jīvanīyoktānāmoṣadhīnāṃ sadopayogastaistairupayogavidhibhiḥ| iti garbhasthāpanāni vyākhyātāni bhavanti
Nun werden wir die Maßnahmen zur Festigung des Embryos (garbhasthāpana) darlegen. Man trage die Heilkräuter Aindrī, Brāhmī, Śatavīryā, Sahasravīryā, Amoghā, Avyathā, Śivā, Ariṣṭā, Vāṭyapuṣpī und Viṣvaksenakāntā am Kopf oder in der rechten Hand; man trinke mit ihnen zubereitete Milch oder geklärte Butter; man bade unter jedem Puṣya-Mondhaus mit ihnen und berühre sie stets. Ebenso sollen alle als lebenerhaltend (jīvanīya) bezeichneten Heilkräuter fortwährend nach ihrer jeweiligen Anwendungsvorschrift gebraucht werden. Damit sind die Garbhasthāpana-Maßnahmen dargelegt.
garbhopaghātakarāstvime bhāvā bhavanti; tadyathā utkaṭaviṣamakaṭhināsanasevinyā [1] vātamūtrapurīṣavegānuparundhatyādāruṇānucitavyāyāmasevinyāstīkṣṇoṣṇātimātrasevinyāḥ pramitāśanasevinyā garbho mriyate'ntaḥ kukṣeḥ, akāle vā sraṃsate,śoṣī vā bhavati; tathā'bhighātaprapīḍanaiḥ śvabhrakūpaprapātadeśāvalokanairvā'bhīkṣṇaṃ mātuḥ prapatatyakālegarbhaḥ,tathā'timātrasaṅkṣobhibhiryānairyānena, apriyātimātraśravaṇairvā| pratatottānaśāyinyāḥ punargarbhasya nābhyāśrayā nāḍī kaṇṭhamanuveṣṭayati, vivṛtaśāyinī naktañcāriṇī conmattaṃ janayati,apasmāriṇaṃ punaḥ kalikalahaśīlā, vyavāyaśīlā durvapuṣamahrīkaṃ straiṇaṃ vā, śokanityā bhītamapacitamalpāyuṣaṃ vā, abhidhyātrī [2]paropatāpinamīrṣyuṃ straiṇaṃ vā, stenā tvāyāsabahulamatidrohiṇamakarmaśīlaṃ vā, amarṣiṇī caṇḍamaupadhikamasūyakaṃ vā svapnanityātandrālumabudhamalpāgniṃ vā, madyanityā pipāsālumalpasmṛtimanavasthitacittaṃ vā, godhāmāṃsaprāyā [3] śārkariṇamaśmariṇaṃśanairmehiṇaṃ vā, varāhamāṃsaprāyā raktākṣaṃ krathanamatiparuṣaromāṇaṃ vā, matsyamāṃsanityā ciranimeṣaṃ stabdhākṣaṃ vā, madhuranityāpramehiṇaṃ mūkamatisthūlaṃ vā, amlanityā raktapittinaṃ tvagakṣirogiṇaṃ vā, lavaṇanityā śīghravalīpalitaṃ khālityarogiṇaṃ vā,kaṭukanityā durbalamalpaśukramanapatyaṃ vā, tiktanityā śoṣiṇamabalamanupacitaṃ vā, kaṣāyanityā śyāvamānāhinamudāvartinaṃ vā,yadyacca yasya yasya vyādhernidānamuktaṃ tattadāsevamānā'ntarvatnī tannimittavikārabahulamapatyaṃ janayati| pitṛjāstu śukradoṣā mātṛjairapacārairvyākhyātāḥ| iti garbhopaghātakarā bhāvā bhavantyuktāḥ [4] | tasmādahitānāhāravihārān prajāsampadamicchantī strī viśeṣeṇa varjayet| sādhvācārā cātmānamupacareddhitābhyāmāhāravihārābhyāmiti
Folgendes schädigt den Embryo: Sitzt die Schwangere auf einem erhöhten, unebenen oder harten Sitz, unterdrückt sie die natürlichen Dränge von vāta, Urin und Stuhl, betreibt sie anstrengende, ungewohnte körperliche Übung, gebraucht sie übermäßig scharfe oder heiße Mittel, oder hält sie sich an allzu knappe Nahrung, so stirbt der Embryo im Mutterleib, wird zur Unzeit ausgestoßen oder verkümmert. Ebenso fällt der Embryo bei Stößen, Quetschungen oder wenn die Mutter fortwährend in Gruben, Brunnen oder Abgründe hinabblickt, zur Unzeit ab, ebenso bei allzu heftig schüttelndem Fahren oder beim Anhören überaus unangenehmer Dinge. Liegt sie fortwährend ausgestreckt auf dem Rücken, windet sich die vom Nabel ausgehende Schnur des Embryos um dessen Hals; liegt sie ungeschützt oder wandert nachts umher, erzeugt sie ein wahnsinniges Kind, ist sie zank- und streitsüchtig, ein Kind mit Fallsucht; ist sie dem Geschlechtsverkehr übermäßig zugetan, ein Kind von schlechtem Aussehen, schamlos oder weibisch; trauert sie beständig, ein ängstliches, verkümmertes oder kurzlebiges Kind; ist sie neidisch, ein Kind, das andere quält, missgünstig oder weibisch ist; stiehlt sie, ein mühevolles, heimtückisches oder untätiges Kind; ist sie unduldsam, ein jähzorniges, hinterlistiges oder missgünstiges Kind; schläft sie beständig und ist träge, ein unverständiges Kind mit schwachem agni (Verdauungsfeuer); trinkt sie beständig Rauschgetränke, ein durstiges Kind mit schwachem Gedächtnis und unstetem Sinn; isst sie vorwiegend Godhā-Fleisch, ein Kind mit Blasengrieß, Blasensteinen oder tröpfelndem Harn; isst sie vorwiegend Schweinefleisch, ein rotäugiges, keuchendes Kind mit überaus rauem Haar; isst sie beständig Fischfleisch, ein Kind mit langsamem Lidschlag oder starren Augen; isst sie beständig Süßes, ein Kind mit Harnruhr, stumm oder überaus dick; isst sie beständig Saures, ein Kind mit Blutungsneigung oder Haut- und Augenkrankheiten; isst sie beständig Salziges, ein Kind mit frühzeitigen Falten, grauem Haar oder Kahlheit; isst sie beständig Scharfes, ein schwaches Kind mit geringem Samen, ohne Nachkommenschaft; isst sie beständig Bitteres, ein verkümmertes, kraftloses, unentwickeltes Kind; isst sie beständig Herbes, ein bläulich-graues, dünnes Kind mit Verstopfung der aufsteigenden Winde (udāvarta). Und was auch immer als Ursache einer Krankheit genannt wurde – pflegt die Schwangere dies, bringt sie ein Kind mit entsprechend zahlreichen Störungen zur Welt. Die vom Vater herrührenden Samenfehler wurden bereits erklärt, ebenso die von der Mutter ausgehenden Fehlverhaltensweisen. Damit sind die den Embryo schädigenden Umstände dargelegt. Darum meide eine Frau, die sich vollkommene Nachkommenschaft wünscht, besonders schädliche Nahrung und Lebensweise; durch gutes Verhalten pflege sie sich selbst mit zuträglicher Nahrung und Lebensweise.
vyādhīṃścāsyā mṛdumadhuraśiśirasukhasukumāraprāyairauṣadhāhāropacārairupacaret, na cāsyā vamanavirecanaśirovirecanāni prayojayet, naraktamavasecayet, sarvakālaṃ ca nāsthāpanamanuvāsanaṃ vā kuryādanyatrātyayikādvyādheḥ| aṣṭamaṃ māsamupādāya vamanādisādhyeṣu punarvikāreṣvātyayikeṣu mṛdubhirvamanādibhistadarthakāribhirvopacāraḥ syāt| pūrṇamiva tailapātramasaṅkṣobhayatā'ntarvatnī [1] bhavatyupacaryā
Ihre Krankheiten behandle man mit milden, süßen, kühlenden, angenehmen und sanften Heilmitteln, Speisen und Anwendungen; man wende bei ihr weder Erbrechen noch Abführen noch kopfreinigende Mittel an, lasse ihr kein Blut ab und wende zu keiner Zeit Klistiere an – es sei denn bei akuter, lebensbedrohlicher Krankheit. Vom achten Monat an können bei erneuten, akuten, durch Erbrechen und dergleichen zu behandelnden Störungen milde, dem Zweck entsprechende Mittel angewandt werden. Man pflege die Schwangere so behutsam, als trüge man ein bis zum Rand gefülltes Ölgefäß, ohne es zu erschüttern.
sā cedapacārād dvayostriṣu vā māseṣu puṣpaṃ paśyennāsyā garbhaḥ sthāsyatīti vidyāt; ajātasāro hi tasmin kāle bhavatigarbhaḥ
Sieht sie trotz sorgfältiger Pflege im zweiten oder dritten Monat erneut ihre Regelblutung, so wisse man: Der Embryo wird nicht bestehen bleiben; denn zu dieser Zeit hat er noch keine feste Substanz (sāra) entwickelt.
sā ceccatuṣprabhṛtiṣu māseṣukrodhaśokāsūyerṣyābhayatrāsavyavāyavyāyāmasaṅkṣobhasandhāraṇaviṣamāśanaśayanasthānakṣutpipāsātiyogāt kadāhārādvā puṣpaṃpaśyet, tasyā garbhasthāpanavidhimupadekṣyāmaḥ| puṣpadarśanādevaināṃ brūyāt- śayanaṃ tāvanmṛdusukhaśiśirāstaraṇasaṃstīrṇamīṣadavanataśiraskaṃ pratipadyasveti| tato yaṣṭīmadhukasarpirbhyāṃ paramaśiśiravāriṇī saṃsthitābhyāṃ picumāplāvyopasthasamīpe sthāpayettasyāḥ, tathāśatadhautasahasradhautābhyāṃ sarpirbhyāmadhonābheḥ sarvataḥ pradihyāt, sarvataśca gavyena caināṃ payasā suśītena madhukāmbunā vānyagrodhādikaṣāyeṇa vā pariṣecayedadho nābheḥ, udakaṃ vā suśītamavagāhayet, kṣīriṇāṃ kaṣāyadrumāṇāṃ ca svarasaparipītāni celāni [2]grāhayet, nyagrodhādiśuṅgāsiddhayorvākṣīrasarpiṣoḥ picuṃ grāhayet, ataścaivākṣamātraṃ prāśayet, prāśayedvā kevalaṃ kṣīrasarpiḥ,padmotpalakumudakiñjalkāṃścāsyai samadhuśarkarān lehārthaṃ dadyāt, śṛṅgāṭakapuṣkarabījakaśerukān bhakṣṇārthaṃ,gandhapriyaṅgvasitotpalaśālūkodumbaraśalāṭunyagrodhaśuṅgāni vā pāyayedenāmājena payasā, payasā caināṃbalātibalāśāliṣaṣṭikekṣumūlakākolīśṛtena samadhuśarkaraṃ raktaśālīnāmodanaṃ mṛdusurabhiśītalaṃ bhojayet,lāvakapiñjalakuraṅgaśambaraśaśahariṇaiṇakālapucchakarasena vā ghṛtasusaṃskṛtena sukhaśiśiropavātadeśasthāṃ bhojayet,krodhaśokāyāsavyavāyavyāyāmebhyaścābhirakṣet, saumyābhiścaināṃ kathābhirmanonukūlābhirupāsīta; tathā'syā garbhastiṣṭhati
Sieht sie hingegen ab dem vierten Monat infolge von Zorn, Kummer, Missgunst, Eifersucht, Furcht, Schrecken, Geschlechtsverkehr, körperlicher Anstrengung, Erschütterung, Zurückhalten natürlicher Dränge, unregelmäßigem Essen, Liegen oder Sitzen, übermäßigem Hunger oder Durst oder verdorbener Nahrung eine Blutung, so werden wir ihr die Maßnahme zur Festigung des Embryos darlegen. Sobald man die Blutung bemerkt, sage man ihr: „Nimm nun ein weiches, angenehmes, kühles Lager ein, mit leicht gesenktem Kopf.“ Dann tränke man einen Wattebausch mit in sehr kühlem Wasser aufgelöstem Süßholz und geklärter Butter und lege ihn ihr in die Nähe der Scham; man bestreiche sie unterhalb des Nabels ringsum mit vielfach gewaschener Butter und besprenge sie dort mit sehr kühler Kuhmilch, Süßholzwasser oder einem Absud von Nyagrodha und ähnlichen Bäumen, oder tauche sie in sehr kühles Wasser. Man lasse sie Tücher tragen, die im Saft milchhaltiger, adstringierender Bäume getränkt sind; man lege ihr einen mit Nyagrodha-Trieben oder mit Milch und Butter zubereiteten Wattebausch auf und reiche ihr davon einen Löffel zum Einnehmen, oder gebe ihr einfach Milch mit geklärter Butter. Man reiche ihr die mit Honig und Zucker gesüßten Staubfäden von Lotos, blauer Lotosblume und Seerose zum Ablecken, die Samen von Waschernuss, Lotos und Kaśeru zum Verzehr, oder lasse sie die Triebe von Gandhapriyaṅgu, blauem Lotos, Śālūka, Udumbara, Śalāṭu und Nyagrodha in Ziegenmilch trinken. Man reiche ihr auch mit Milch gekochten Balā, Atibalā, Reis, Ṣaṣṭika-Reis, Zuckerrohrwurzel und Kākolī, mit Honig und Zucker gesüßt, sowie einen weichen, wohlriechenden, kühlen Reisbrei aus rotem Reis. Man ernähre sie an einem angenehm kühlen, luftigen Ort mit dem gut zubereiteten, mit geklärter Butter versetzten Fleischsaft von Wachtel, Fasan, Antilope, Sambar-Hirsch, Hase, Hirschkuh oder Schwarzbock. Man bewahre sie vor Zorn, Kummer, Anstrengung, Geschlechtsverkehr und körperlicher Bewegung und unterhalte sie mit sanften, ihrem Gemüt zusagenden Gesprächen. So bleibt ihr Embryo erhalten.
yasyāḥ punarāmānvayāt puṣpadarśanaṃ syāt, prāyastasyāstadgarbhopaghātakaraṃ bhavati, viruddhopakramatvāttayoḥ
Beruht die Blutung auf einer Anhäufung von āma (unverdauten, schädlichen Stoffwechselresten), so schädigt sie meist den Embryo, da die für beide erforderlichen Behandlungen einander entgegengesetzt sind.
yasyāḥ punaruṣṇatīkṣṇopayogādgarbhiṇyā mahati sañjātasāre garbhe puṣpadarśanaṃ syādanyo vā yonisrāvastasyā garbho vṛddhiṃ naprāpnoti niḥsrutatvāt; sa kālamavatiṣṭhate'timātraṃ, tamupaviṣṭakamityācakṣate kecit| upavāsavratakarmaparāyāḥ punaḥ kadāhārāyāḥ snehadveṣiṇyā vātaprakopaṇoktānyāsevamānāyā garbho vṛddhiṃ na prāpnotipariśuṣkatvāt; sa cāpi kālamavatiṣṭhate'timātram [1] , aspandanaśca bhavati, taṃ tu nāgodaramityācakṣate
Kommt es bei einer Schwangeren, deren Embryo groß und bereits mit fester Substanz versehen ist, infolge des Gebrauchs heißer, scharfer Mittel zu einer Blutung oder einem anderen Ausfluss, so wächst ihr Embryo, da Säfte ausfließen, nicht weiter; er verbleibt übermäßig lange im Mutterleib – manche nennen diesen Zustand upaviṣṭaka. Isst hingegen eine dem Fasten und asketischen Gelübden ergebene Frau unregelmäßig, meidet Ölanwendungen und pflegt die als vāta-erregend genannten Dinge, so wächst ihr Embryo, da er austrocknet, ebenfalls nicht weiter; auch er verbleibt übermäßig lange und bewegt sich nicht mehr – diesen Zustand nennt man nāgodara.
nāryostayorubhayorapi cikitsitaviśeṣamupadekṣyāmaḥ- bhautikajīvanīyabṛṃhaṇīyamadhuravātaharasiddhānāṃ sarpiṣāṃ payasāmāmagarbhāṇāṃcopayogo garbhavṛddhikaraḥ; tathā sambhojanametaireva siddhaiśca ghṛtādibhiḥ subhikṣāyāḥ [1] , abhīkṣṇaṃyānavāhanāpamārjanāvajṛmbhaṇairupapādanamiti
Für beide dieser Frauen legen wir nun die besondere Behandlung dar: Der Gebrauch von geklärter Butter und Milch, die aus lebenerhaltenden (jīvanīya), kräftigenden (bṛṃhaṇīya), süßen, vāta-lindernden Heilkräutern gekocht sind, sowie von unreifen Embryonaltierchen fördert das Wachstum des Embryos; ebenso das Verspeisen dieser Mittel mit ebensolcher gekochter Butter bei reichlicher Nahrung sowie regelmäßiges sanftes Fahren, Reiten, Einreiben und Gähnenlassen.
yasyāḥ punargarbhaḥ prasupto na spandate tāṃ śyenamatsyagavayaśikhitāmracūḍatittirīṇāmanyatamasya sarpiṣmatā rasena māṣayūṣeṇa vāprabhūtasarpiṣā mūlakayūṣeṇa vā raktaśālīnāmodanaṃ mṛdumadhuraśītalaṃ bhojayet| tailābhyaṅgena cāsyā abhīkṣṇamudarabastivaṅkṣaṇorukaṭīpārśvapṛṣṭhapradeśānīṣaduṣṇenopacaret
Bewegt sich der Embryo einer Frau nicht mehr, als läge er im Schlaf, so ernähre man sie mit weichem, süßem, kühlem Reisbrei aus rotem Reis, zusammen mit dem in reichlich geklärter Butter zubereiteten Fleischsaft von Falke, Fisch, Wildrind, Pfau oder Kupferhalstaube, oder mit reichlich geölter Rettich- oder Bohnensuppe. Man behandle sie zudem fortwährend mit leicht erwärmter Ölmassage an Bauch, Blase, Leistengegend, Oberschenkel, Hüfte, Flanken und Rücken.
yasyāḥ punarudāvartavibandhaḥ syādaṣṭame māse na cānuvāsanasādhyaṃ manyeta tatastasyāstadvikārapraśamanamupakalpayennirūham| udāvarto hyupekṣitaḥ sahasā sagarbhāṃ [2] garbhiṇīṃ garbhamathavā'tipātayet| tatra vīraṇaśāliṣaṣṭikakuśakāśekṣuvālikāvetasaparivyādhamūlānāṃ bhūtīkānantākāśmaryaparūṣakamadhukamṛdvīkānāṃ capayasā'rdhodakenodgamayya rasaṃ priyālabibhītakamajjatilakalkasamprayuktamīṣallavaṇamanatyuṣṇaṃ ca nirūhaṃ dadyāt| vyapagatavibandhāṃ caināṃ sukhasalilapariṣiktāṅgīṃ sthairyakaramavidāhinamāhāraṃ bhuktavatīṃ sāyaṃ madhurakasiddhena tailenānuvāsayet| nyubjāṃ tvenāmāsthāpanānuvāsanābhyāmupacaret
Leidet sie im achten Monat unter Verstopfung durch aufsteigende Winde (udāvarta) und hält man dies durch ein Anuvāsana-Klistier nicht für behebbar, so verabreiche man ihr zur Linderung ein Nirūha-Klistier. Denn ein vernachlässigter Udāvarta kann plötzlich sowohl die Schwangere als auch den Embryo zu Fall bringen. Man koche einen Absud aus den Wurzeln von Vīraṇa, Reis, Ṣaṣṭika-Reis, Kuśa-, Kāśa-Gras, Zuckerrohr, Vālika und Parivyādha, dazu Bhūtīka, Ananta, Kāśmarya, Parūṣaka, Süßholz und Weintrauben, mit Milch und halb so viel Wasser, und verabreiche daraus, versetzt mit einer Paste aus Priyāla-, Bibhītaka- und Sesammark, leicht gesalzen und nicht zu heiß, ein Nirūha-Klistier. Ist die Verstopfung behoben, besprenge man ihren Körper mit angenehmem Wasser und lasse sie, nachdem sie eine festigende, nicht brennende Speise gegessen hat, am Abend mit einem aus süßen Heilkräutern zubereiteten Öl ein Anuvāsana-Klistier erhalten. Liegt sie auf dem Bauch, behandle man sie mit Nirūha- und Anuvāsana-Klistieren.
yasyāḥ punaratimātradoṣopacayādvā tīkṣṇoṣṇātimātrasevanādvā vātamūtrapurīṣavegavidhāraṇairvā viṣamāśa(sa)naśayanasthānasampīḍanābhighātairvā krodhaśokerṣyābhayatrāsādibhirvā sāhasairvā'paraiḥ karmabhirantaḥkukṣergarbho [1] mriyate, tasyāḥstimitaṃ stabdhamudaramātataṃ śītamaśmāntargatamiva bhavatyaspandano garbhaḥ, śūlamadhikamupajāyate, na cāvyaḥ prādurbhavanti, yonirnaprasravati, akṣiṇī cāsyāḥ sraste bhavataḥ, tāmyati, vyathate, bhramate, śvasiti, aratibahulā ca bhavati, na cāsyā vegaprādurbhāvoyathāvadupalabhyate; ityevaṃlakṣaṇāṃ striyaṃ mṛtagarbheyamiti vidyāt
Stirbt bei einer Frau infolge übermäßiger Anhäufung der doṣas, infolge scharfer, übermäßig heißer Mittel, infolge des Zurückhaltens der natürlichen Dränge von vāta, Urin und Stuhl, infolge unregelmäßigen Essens, Liegens oder Sitzens, infolge von Quetschungen und Stößen, infolge von Zorn, Kummer, Eifersucht, Furcht, Schrecken und dergleichen oder anderer gewaltsamer Handlungen der Embryo im Mutterleib ab, so wird ihr Bauch starr, steif, gespannt, kalt, wie mit einem Stein gefüllt, der Embryo bewegt sich nicht mehr, heftiger Schmerz entsteht, die Milch tritt nicht hervor, aus der Scheide fließt nichts, ihre Augen sinken ein, sie ist erschöpft, gequält, schwindlig, außer Atem und voller Unruhe; auch die üblichen Anzeichen der Wehen zeigen sich nicht in gewohnter Weise. An diesen Kennzeichen erkenne man eine Frau mit abgestorbenem Embryo.
tasya garbhaśalyasya jarāyuprapātanaṃ karma saṃśamanamityāhureke, mantrādikamatharvavedavihitamityeke, paridṛṣṭakarmaṇā śalyahartrāharaṇamityeke| vyapagatagarbhaśalyāṃ tu striyamāmagarbhāṃ surāsīdhvariṣṭamadhumadirāsavānāmanyatamamagre sāmarthyataḥpāyayedgarbhakoṣṭhaśuddhyarthamartivismaraṇārthaṃ praharṣaṇārthaṃ ca, ataḥ paraṃ samprīṇanairbalānurakṣibhirasnehasamprayuktairyavāgvādibhirvā [1]tatkālayogibhirāhārairupacareddoṣadhātukledaviśoṣaṇamātraṃ kālam| ataḥ paraṃ snehapānairbastibhirāhāravidhibhiśca dīpanīyajīvanīyabṛṃhaṇīyamadhuravātaharasamākhyātairupacaret| paripakvagarbhaśalyāyāḥ punarvimuktagarbhaśalyāyāstadahareva snehopacāraḥ syāt
Manche sagen, die richtige Behandlung dieses toten Embryos als Fremdkörper (śalya) bestehe im Herbeiführen des Abgangs der Nachgeburt durch beruhigende Mittel; andere sagen, durch Mantras und dergleichen, wie im Atharvaveda vorgeschrieben; wieder andere durch das operative Entfernen des Fremdkörpers durch einen darin Erfahrenen. Sobald der tote Embryo als Fremdkörper ausgetreten ist, gebe man der Frau zunächst, soweit ihre Kraft es zulässt, eines der folgenden Getränke: Surā, Sīdhu, Ariṣṭa, Honigwein oder Madirā, um die Gebärmutterhöhle zu reinigen, den Schmerz vergessen zu machen und die Freude zu wecken. Danach behandle man sie eine Zeitlang mit stärkenden, kraftschonenden, nicht geölten Speisen wie Reisbrei, entsprechend dem jeweiligen Bedarf, allein um die verunreinigten Körperelemente (dhātu) und verklebten Ausscheidungen zu trocknen. Danach behandle man sie mit Ölanwendungen, Klistieren und Speisevorschriften aus appetitanregenden, lebenerhaltenden, kräftigenden, süßen und vāta-lindernden Mitteln. Ist der Fremdkörper bereits ausgereift und vollständig ausgetreten, beginne man noch am selben Tag mit der Ölbehandlung.
paramato nirvikāramāpyāyyamānasya garbhasya māse māse karmopadekṣyāmaḥ| prathame māse śaṅkitā cedgarbhamāpannā kṣīramanupaskṛtaṃ mātrāvacchītaṃ kāle kāle pibet, sātmyameva ca bhojanaṃ sāyaṃ prātaścabhuñjīta; dvitīye māse kṣīrameva ca madhurauṣadhasiddhaṃ; tṛtīye māse kṣīraṃ madhusarpirbhyāmupasaṃsṛjya; caturthe māsekṣīranavanītamakṣamātramaśnīyāt; pañcame māse kṣīrasarpiḥ; ṣaṣṭhe māse kṣīrasarpirmadhurauṣadhasiddhaṃ; tadeva saptame māse| tatra garbhasya keśā jāyamānā māturvidāhaṃ janayantīti striyo bhāṣante; tanneti bhagavānātreyaḥ, kintugarbhotpīḍanādvātapittaśleṣmāṇa uraḥ prāpya vidāhaṃ janayanti, tataḥ kaṇḍūrupajāyate, kaṇḍūmūlā ca kikkisāvāptirbhavati| tatra kolodakena navanītasya madhurauṣadhasiddhasya pāṇitalamātraṃ kāle kāle'syai pānārthaṃ dadyāt, candanamṛṇālakalkaiścāsyāḥstanodaraṃ vimṛdgīyāt, śirīṣadhātakīsarṣapamadhukacūrṇairvā, kuṭajārjakabījamustaharidrākalkairvā,nimbakolasurasamañjiṣṭhākalkairvā, pṛṣatahariṇaśaśarudhirayutayā triphalayā vā; karavīrapatrasiddhena tailenābhyaṅgaḥ; pariṣekaḥpunarmālatīmadhukasiddhenāmbhasā; jātakaṇḍūśca kaṇḍūyanaṃ varjayettvagbhedavairūpyaparihārārtham, asahyāyāṃ tukaṇḍvāmunmardanoddharṣaṇābhyāṃ parihāraḥ syāt; madhuramāhārajātaṃ vātaharamalpamasnehalavaṇamalpodakānupānaṃ ca bhuñjīta| aṣṭame tu māse kṣīrayavāgūṃ sarpiṣmatīṃ kāle kāle pibet; tanneti bhadrakāpyaḥ, paiṅgalyābādho hyasyā garbhamāgacchediti; astvatrapaiṅgalyābādha ityāha bhagavān punarvasurātreyaḥ, na tvevaitanna kāryam; evaṃ kurvatī hyarogā''rogyabalavarṇasvarasaṃhananasampadupetaṃjñātīnāmapi śreṣṭhamapatyaṃ janayati| navame tu khalvenāṃ māse madhurauṣadhasiddhena tailenānuvāsayet| ataścaivāsyāstailāt picuṃ yonau praṇayedgarbhasthānamārgasnehanārtham| yadidaṃ karma prathamaṃ māsaṃ samupādāyopadiṣṭamānavamānmāsāttena garbhiṇyā garbhasamaye garbhadhāriṇīkukṣikaṭīpārśvapṛṣṭhaṃ [1] mṛdūbhavati,vātaścānulomaḥ sampadyate, mūtrapurīṣe ca prakṛtibhūte sukhena mārgamanupadyete, carmanakhāni ca mārdavamupayānti, balavarṇaucopacīyete; putraṃ ceṣṭaṃ sampadupetaṃ sukhinaṃ sukhenaiṣā kāle prajāyata iti
Von nun an legen wir für den ungestört heranwachsenden Embryo die Maßnahmen Monat für Monat dar. Vermutet die Frau im ersten Monat, dass sie schwanger ist, trinke sie zur rechten Zeit ungewürzte, mäßig gekühlte Milch und nehme morgens wie abends ihr zuträgliche Nahrung ein. Im zweiten Monat trinke sie mit süßen Heilkräutern gekochte Milch. Im dritten Monat Milch, mit Honig und geklärter Butter versetzt. Im vierten Monat esse sie Milch und einen Löffel Butter. Im fünften Monat Milch und geklärte Butter. Im sechsten Monat mit süßen Heilkräutern gekochte Milch und geklärte Butter, ebenso im siebten Monat. Die Frauen sagen, die im Entstehen begriffenen Haare des Embryos verursachten bei der Mutter ein Brennen; dies sei jedoch nicht so, sagt der erhabene Ātreya, sondern vāta, pitta und kapha erreichen, vom Embryo verdrängt, die Brust und verursachen dort das Brennen; daraus entsteht Juckreiz, und daraus ein Ausschlag (kikkisā). Man gebe ihr dagegen zur rechten Zeit eine Handvoll mit süßen Heilkräutern gekochter frischer Butter, verrührt mit Sauerwasser aus unreifen Jujube-Früchten, zum Trinken; man bestreiche ihr Brust und Bauch mit einer Paste aus Sandelholz und Lotosstängeln, oder aus Śirīṣa, Dhātakī und Senf, oder aus Kuṭaja, Arjaka-Samen, Musta und Kurkuma, oder aus Neem, Jujube, rotem Sandelholz und Mañjiṣṭhā, oder mit Triphalā, versetzt mit dem Blut von Fleckhirsch, Hirschkuh und Hase. Eine Ölmassage mit Oleanderblätter-Öl wird empfohlen, die Besprengung mit einem Absud aus Jasmin und Süßholz. Bei einsetzendem Juckreiz vermeide sie das Kratzen, um Hautrisse und Entstellung zu verhindern; ist er unerträglich, lindere sie ihn durch sanftes Reiben und leichtes Kratzen mit dem Nagelrücken. Sie esse reichlich süße, vāta-lindernde Nahrung mit wenig Öl, Salz und Flüssigkeit. Im achten Monat trinke sie zur rechten Zeit einen mit geklärter Butter versetzten Milch-Reisbrei; doch Bhadrakāpya sagt, dies solle unterbleiben, da sich sonst der Embryo in Richtung der Milzregion (paiṅgalya) begebe. Der erhabene Punarvasu Ātreya erwidert: Mag die Milzregion betroffen sein, dennoch sei davon nicht abzulassen; denn eine Frau, die so verfährt, bleibt gesund und bringt eine gesunde, mit Kraft, Hautfarbe, Stimme und festem Körperbau ausgestattete, unter ihren Verwandten hervorragende Nachkommenschaft zur Welt. Im neunten Monat lasse man sie mit einem aus süßen Heilkräutern zubereiteten Öl ein Anuvāsana-Klistier erhalten. Danach lege man ihr einen mit demselben Öl getränkten Wattebausch in die Scheide, um den Weg zum Sitz des Embryos einzuölen. Wird diese vom ersten bis zum letzten Monat vorgeschriebene Behandlung befolgt, so werden bei der Schwangeren zur Zeit der Geburt Bauch, Hüfte, Flanken und Rücken weich, vāta nimmt seinen natürlichen Abwärtslauf, Urin und Stuhl finden mühelos ihren Weg, Haut und Nägel werden weich, Kraft und Hautfarbe nehmen zu, und sie bringt so zur rechten Zeit mühelos einen gesunden, vollkommenen, glücklichen Sohn zur Welt.
prāk caivāsyā navamānmāsāt sūtikāgāraṃ kārayedapahṛtāsthiśarkarākapāle deśe praśastarūparasagandhāyāṃ bhūmau prāgdvāramudagdvāraṃ vābailvānāṃ kāṣṭhānāṃ taindukaiṅgudakānāṃ bhāllātakānāṃ vāra(ru)ṇānāṃ khādirāṇāṃ vā; yāni cānyānyapi brāhmaṇāḥśaṃseyuratharvavedavidasteṣāṃ; vasanālepanācchādanāpidhānasampadupetaṃvāstuvidyāhṛdayayogāgnisalilodūkhalavarcaḥsthānasnānabhūmimahānasamṛtusukhaṃ ca
Bereits vor dem neunten Monat lasse man das Wochenbettzimmer (sūtikāgāra) errichten, an einem Ort mit von Knochenstücken und Scherben befreiter Erde von vortrefflicher Form, Geschmack und Geruch, mit Tür nach Osten oder Norden, aus Holz von Bilva, Tinduka, Iṅgudī, Bhallātaka, Varuṇa oder Khadira, oder aus welchem anderen Holz die im Atharvaveda kundigen Brahmanen es empfehlen. Es sei mit geeigneten Decken, Anstrichen, Bedeckungen und Verschlüssen versehen, nach der Baulehre (vāstuvidyā) angelegt und dem Herzen zuträglich, mit Feuer, Wasser, Mörser, Abort, Baderaum und Küche, und mit einer der Jahreszeit angenehmen Lage.
tatra sarpistailamadhusaindhavasauvarcalakālaviḍlavaṇaviḍaṅgakuṣṭhakilimanāgara-pippalīpippalīmūlahastipippalīmaṇḍūkaparṇyelālāṅgalīvacācavyacitrakacirabilva-hiṅgusarṣapalaśunakatakakaṇakaṇikānīpātasībalvajabhūrjakulatthamaireyasurāsavāḥ sannihitāḥ syuḥ; tathā'śmānau dvau, dve ku(ca)ṇḍamusale, dve udūkhale, kharavṛṣabhaśca [1] , dvau ca tīkṣṇau sūcīpippalakau sauvarṇarājatau, śastrāṇi ca tīkṣṇāyasāni, dvau cabilvamayau paryaṅkau, taindukaiṅgudāni ca kāṣṭhānyagnisandhukṣaṇāni, striyaśca bahvyo bahuśaḥ prajātāḥ sauhārdayuktāḥsatatamanuraktāḥ pradakṣiṇācārāḥ pratipattikuśalāḥ prakṛtivatsalāstyaktaviṣādāḥ kleśasahinyo'bhimatāḥ,brāhmaṇāścātharvavedavidaḥ; yaccānyadapi tatra samarthaṃ manyeta, yaccānyacca brāhmaṇā brūyuḥ striyaśca vṛddhāstat kāryam
Bereitzuhalten seien geklärte Butter, Öl, Honig, Steinsalz, Sauvarcala-, Kālaviḍ- und Viḍa-Salz, Vidaṅga, Kuṣṭha, Kilima, Ingwer, langer Pfeffer samt Wurzel, Hastipippalī, Maṇḍūkaparṇī, Elā, Lāṅgalī, Vacā, Cavya, Citraka, Cirabilva, Hiṅgu, Senf, Knoblauch, Katakakörner, Kaṇā, Kaṇikā, Nīpa, Atasī, Balvaja-Gras, Birkenrinde, Kulattha-Bohnen sowie Maireya- und Surā-Wein; ebenso zwei Reibsteine, zwei Stampfmörser mit Stößel, zwei Mörser, ein Esel und ein Stier zum Mahlen, zwei scharfe Nadelspitzen aus Gold und Silber, scharfe eiserne Werkzeuge, zwei Liegen aus Bilva-Holz, Tinduka- und Iṅgudī-Holz zum Feueranfachen; ferner viele Frauen, die bereits oft geboren haben, von gutem Herzen, stets zugetan, im Uhrzeigersinn handelnd, geschickt, von natürlicher Zuneigung, frei von Verzagtheit, ausdauernd und beliebt, sowie im Atharvaveda kundige Brahmanen. Auch was man sonst für nützlich hält und was Brahmanen und erfahrene Frauen empfehlen, soll bereitgehalten werden.
tataḥ pravṛtte navame māse puṇye'hani praśastanakṣatrayogamupagate praśaste bhagavati śaśini kalyāṇe kalyāṇe ca karaṇe maitre muhūrte śāntiṃhutvā gobrāhmaṇamagnimudakaṃ cādau praveśya gobhyastṛṇodakaṃ madhulājāṃśca pradāya brāhmaṇebhyo'kṣatān sumanaso nāndīmukhāni caphalānīṣṭāni dattvodakapūrvamāsanasthebhyo'bhivādya punarācamya svasti vācayet| tataḥ puṇyāhaśabdena gobrāhmaṇaṃ samanuvartamānā [1] pradakṣiṇaṃ praviśet sūtikāgāram| tatrasthā ca prasavakālaṃ pratīkṣeta
Sobald der neunte Monat begonnen hat, an einem günstigen Tag, unter günstiger Sternkonstellation, bei günstigem Mondstand, günstiger Tagesabschnittslage und in der Muhūrta-Stunde des Maitra, bringe man ein Friedensopfer dar, lasse zuerst Kuh, Brahmane, Feuer und Wasser eintreten, biete den Kühen Gras, Wasser, Honig und Röstgetreide dar, überreiche den Brahmanen ungeschälten Reis, Blumen und Segensfrüchte, begrüße die anwesenden Sitzenden mit Wasser, verneige sich, spüle sich den Mund erneut und lasse den Segensspruch sprechen. Dann betrete sie, dem Ruf „Ein günstiger Tag!“ folgend, gemeinsam mit Kuh und Brahmane das Wochenbettzimmer im Uhrzeigersinn. Dort warte sie den Zeitpunkt der Geburt ab.
tasyāstu khalvimāni liṅgāni prajananakālamabhito bhavanti; tadyathā- klamo gātrāṇāṃ, glānirānanasya, akṣṇoḥ śaithilyaṃ,vimuktabandhanatvamiva [1] vakṣasaḥ, kukṣeravasraṃsanam, adhogurutvaṃ, vaṅkṣaṇabastikaṭīkukṣipārśvapṛṣṭhanistodaḥ, yoneḥ prasravaṇam,anannābhilāṣaśceti; tato'nantaramāvīnāṃ prādurbhāvaḥ, prasekaśca garbhodakasya
Folgende Anzeichen zeigen sich rings um den Zeitpunkt der Geburt: Ermattung der Glieder, Mattigkeit des Gesichts, Erschlaffung der Augen, ein Gefühl, als sei die Brust von einer Fessel befreit, ein Absinken des Unterleibs, ein Schweregefühl nach unten, stechende Schmerzen in Leiste, Blase, Hüfte, Bauch, Flanken und Rücken, ein Austritt von Flüssigkeit aus der Scheide sowie Appetitlosigkeit. Danach setzen die Presswehen (āvī) ein, und das Fruchtwasser fließt ab.
āvīprādurbhāve tu bhūmau śayanaṃ vidadhyānmṛdvāstaraṇopapannam| tadadhyāsīta [2] sā| tāṃ tataḥ samantataḥ parivārya yathoktaguṇāḥ striyaḥ paryupāsīrannāśvāsayantyo vāgbhirgrāhiṇīyābhiḥ [3] sāntvanīyābhiśca
Setzen die Presswehen ein, bereite man ihr auf dem Boden ein weich gepolstertes Lager; sie lege sich darauf. Die zuvor beschriebenen geeigneten Frauen sollen sie von allen Seiten umgeben und ihr mit ermutigenden, tröstenden Worten beistehen.
sā cedāvībhiḥ saṅkliśyamānā na prajāyetāthaināṃ brūyāt-uttiṣṭha, musalamanyataraṃ gṛhīṣva, anenaitadulūkhalaṃ dhānyapūrṇaṃmuhurmuhurabhijahi muhurmuhuravajṛmbhasva caṅkramasva cāntarā'ntareti; evamupadiśantyeke| tannetyāha bhagavānātreyaḥ| dāruṇavyāyāmavarjanaṃ hi garbhiṇyāḥ satatamupadiśyate, viśeṣataśca prajananakāle pracalitasarvadhātudoṣāyāḥsukumāryā nāryāmusalavyāyāmasamīrito vāyurantaraṃ labdhvā prāṇān hiṃsyāt, duṣpratīkāratamā hi tasmin kāle viśeṣeṇa bhavati garbhiṇī;tasmānmusalagrahaṇaṃ parihāryamṛṣayo manyante, jṛmbhaṇaṃ caṅkramaṇaṃ ca punaranuṣṭheyamiti| athāsyai dadyāt kuṣṭhailālāṅgalikīvacācitrakacirabilvacavyacūrṇamupaghrātuṃ, sā tanmuhurmuhurupajighret, tathā bhūrjapatradhūmaṃśiṃśapāsāradhūmaṃ vā| tasyāścāntarā'ntarā kaṭīpārśvapṛṣṭhasakthideśānīṣaduṣṇena tailenābhyajyānusukhamavamṛdnīyāt [4] | anena karmaṇā garbho'vāk [5] pratipadyate
Gebärt sie trotz der Qual der Presswehen nicht, so raten manche, ihr zu sagen: „Steh auf, nimm einen Stampfstößel und schlage damit wiederholt auf diesen mit Getreide gefüllten Mörser, gähne wiederholt und gehe dazwischen umher.“ Dies sei jedoch nicht richtig, sagt der erhabene Ātreya. Denn einer Schwangeren wird stets von gewaltsamer Anstrengung abgeraten, besonders zur Geburtszeit, wenn bei der zarten Frau bereits alle Körperelemente und doṣas in Bewegung geraten sind: Der durch das Stampfen aufgewühlte vāta könnte, eine Gelegenheit findend, ihr Leben gefährden – denn zu dieser Zeit ist eine Schwangere besonders schwer zu behandeln, sollte etwas schiefgehen. Daher meiden die Weisen das Hantieren mit dem Stampfstößel; Gähnen und Umhergehen hingegen seien weiterhin auszuführen. Man gebe ihr stattdessen ein Pulver aus Kuṣṭha, Elā, Lāṅgalī, Vacā, Citraka und Cirabilva zum wiederholten Einatmen, ebenso den Rauch von Birkenrinde oder Śiṃśapā-Holz. Zwischendurch salbe man ihr Hüfte, Flanken, Rücken und Oberschenkel mit leicht erwärmtem Öl und reibe sie sanft ab. Durch diese Maßnahme wendet sich der Embryo nach unten.
sa yadā jānīyādvimucya hṛdayamudaramasyāstvāviśati, bastiśiro'vagṛhṇāti, tvarayantyenāmāvyaḥ, parivartate'dho [6] garbhaiti; asyāmavasthāyāṃ paryaṅkamenāmāropya pravāhayitumupakrameta| karṇe cāsyā mantramimamanukūlā strī japet- 'kṣitirjalaṃ viyattejo vāyurviṣṇuḥ [7] prajāpatiḥ| sagarbhāṃ tvāṃ sadā pāntu vaiśalyaṃ ca diśantu te| prasūṣva tvamavikliṣṭamavikliṣṭā śubhānane!| kārtikeyadyutiṃ putraṃ kārtikeyābhirakṣitam' iti
Erkennt man, dass sich der Embryo vom Herzen löst, in den Bauch eintritt, den oberen Rand der Blase erfasst, dass die Wehen sie drängen und sich der Embryo nach unten wendet, so lasse man sie auf eine Liege steigen und beginne, sie zum Pressen anzuleiten. Eine ihr wohlgesinnte Frau spreche ihr dabei ins Ohr folgenden Mantra: „Erde, Wasser, Luftraum, Feuer, Wind, Viṣṇu und Prajāpati – sie mögen dich samt dem Embryo stets behüten und dir eine leichte Geburt gewähren. Gebäre, ohne Qual, o Holdgesichtige, ohne Qual, einen Sohn von der Ausstrahlung des Kārttikeya, von den Kārttikeyas beschützt.“
tāścaināṃ yathoktaguṇāḥ striyo'nuśiṣyuḥ-anāgatāvīrmā pravāhiṣṭhāḥ; yā hyanāgatāvīḥ [8] pravāhate vyarthamevāsyāstat karmabhavati, prajā cāsyā vikṛtā vikṛtimāpannā ca, śvāsakāsaśoṣaplīhaprasaktā vā bhavati| yathā hi kṣavathūdgāravātamūtrapurīṣavegān prayatamāno'pyaprāptakālānna labhate kṛcchreṇa vā'pyavāpnoti [9] ,tathā'nāgatakālaṃgarbhamapi pravāhamāṇā; yathā caiṣāmeva kṣavathvādīnāṃ sandhāraṇamupaghātāyopapadyate, tathā prāptakālasya garbhasyāpravāhaṇamiti| sā yathānirdeśaṃ kuruṣveti vaktavyā syāt| tathā ca kurvatī śanaiḥ pūrvaṃ pravāheta, tato'nantaraṃ balavattaram| tasyāṃ ca pravāhamāṇāyāṃ striyaḥ śabdaṃ kuryuḥ- ‘prajātā prajātā dhanyaṃ dhanyaṃ putram’ iti| tathā'syā harṣeṇāpyāyyante prāṇāḥ
Die geeigneten Frauen sollen sie folgendermaßen unterweisen: „Presse nicht, bevor die Wehe eingesetzt hat.“ Denn wer presst, ohne dass die Wehe da ist, dessen Anstrengung ist vergeblich, und das Kind wird geschädigt oder gerät in einen krankhaften Zustand, neigt zu Atemnot, Husten, Auszehrung oder Milzleiden. So wie jemand, der Niesen, Aufstoßen oder den Drang zu Wind, Urin, Stuhl herbeizwingen will, bevor die Zeit dafür da ist, dies nicht oder nur mit Mühe erreicht, ebenso ergeht es einer Frau, die presst, bevor der Embryo bereit ist. Und so wie das Zurückhalten von Niesen und dergleichen schädlich ist, so ist es ebenso schädlich, nicht zu pressen, wenn der Embryo bereit ist. Man sage ihr: „Presse gemäß der Anleitung.“ So presse sie zuerst sanft, danach mit zunehmender Kraft. Während sie presst, sollen die anwesenden Frauen ausrufen: „Geboren, geboren! Ein glücklicher, glücklicher Sohn!“ So werden durch die Freude auch ihre Lebenskräfte gestärkt.
yadā ca prajātā syāttadaivaināmavekṣeta- kācidasyā aparā prapannā na veti| tasyāścedaparā na prapannā syādathaināmanyatamā strī dakṣiṇena pāṇinā nābherupariṣṭādbalavannipīḍya savyena pāṇinā pṛṣṭhataupasaṅgṛhya tāṃ sunirdhūtaṃ nirdhunuyāt| athāsyāḥ pārṣṇyā śroṇīmākoṭayet| asyāḥ sphicāvupasaṅgṛhya supīḍitaṃ pīḍayet| athāsyā bālaveṇyā kaṇṭhatālu parimṛśet| bhūrjapatrakācamaṇisarpanirmokaiścāsyā yoniṃ dhūpayet| kuṣṭhatālīsakalkaṃ balvajayūṣe [1] maireyasurāmaṇḍe tīkṣṇe kaulatthe va yūṣe maṇḍūkaparṇīpippalīsampāke vā samplāvya pāyayedenām| tathā sūkṣmailākilimakuṣṭhanāgara viḍaṅgapippalīkālāgurucavyacitrakopakuñcikākalkaṃ kharavṛṣabhasya vā jīvato [2] dakṣiṇaṃkarṇamutkṛtya dṛṣadi jarjarīkṛtya balvajakvāthādīnāmāplāvanānāmanyatame [3] prakṣipyāplāvya muhūrtasthitamuddhṛtya tadāplāvanaṃpāyayedenām| śatapuṣpākuṣṭhamadanahiṅgusiddhasya caināṃ tailasya picuṃ grāhayet| ataścaivānuvāsayet| etaireva cāplāvanaiḥ phalajīmūtekṣvākudhāmārgavakuṭajakṛtavedhanahastipippalyupahitairāsthāpayet| tadāsthāpanamasyāḥ saha vātamūtrapurīṣairnirharatyaparāmāsaktāṃ vāyorevāpratilomagatvāt [4] | aparāṃ hi vātamūtrapurīṣāṇyanyāni cāntarbahirmārgāṇi [5] sajjanti
Sobald sie geboren hat, prüfe man sogleich, ob die Nachgeburt bereits abgegangen ist. Ist sie es nicht, drücke eine der Frauen mit der rechten Hand kräftig oberhalb des Nabels, fasse mit der linken von hinten und schüttele sie gut durch. Danach schlage man ihr mit der Ferse auf das Becken, fasse ihr Gesäß und drücke es fest zusammen, streiche ihr mit dem geflochtenen Haarzopf über Hals und Gaumen und beräuchere ihre Scheide mit Birkenrinde, Achatstein und Schlangenhaut. Man löse Kuṣṭha- und Tālīsa-Paste in Balvaja-Grassuppe, in Maireya- oder Surā-Bodensatz, in scharfer Kulattha-Suppe oder in einem Sud aus Maṇḍūkaparṇī und langem Pfeffer auf und lasse sie dies trinken; ebenso ein Pulver aus feiner Elā, Kilima, Kuṣṭha, Ingwer, Vidaṅga, langem Pfeffer, schwarzem Aloeholz, Cavya, Citraka und Upakuñcikā; oder man schneide einem lebenden Esel oder Stier das rechte Ohr ab, zerstoße es auf einem Reibstein, werfe es in einen der genannten Aufgüsse, entnehme es nach kurzem Ziehen und lasse sie den Aufguss trinken. Man tränke ihr einen Wattebausch mit einem aus Dill, Kuṣṭha, Madana und Hiṅgu zubereiteten Öl und lege ihn ihr ein; danach verabreiche man ein Anuvāsana-Klistier. Mit denselben Aufgüssen, versetzt mit Phalajīmūta, Ikṣvāku, Dhāmārgava, Kuṭaja, Kṛtavedhana und Hastipippalī, verabreiche man ein Nirūha-Klistier. Dieses Klistier führt die Nachgeburt zusammen mit Wind, Urin und Stuhl ab, da es das Haftende löst, indem vāta wieder seine natürliche, abwärts gerichtete Richtung einnimmt; denn Wind, Urin, Stuhl und die übrigen inneren und äußeren Wege haften sonst an der Nachgeburt.
tasyāstu khalvaparāyāḥ prapatanārthe karmaṇi kriyamāṇe jātamātrasyaiva kumārasya kāryāṇyetāni karmāṇi bhavanti; tadyathā-aśmanoḥ saṅghaṭṭanaṃ karṇayormūle, śītodakenoṣṇodakena vā mukhapariṣekaḥ [1] , tathā sa kleśavihatān prāṇān punarlabheta| kṛṣṇakapālikāśūrpeṇa cainamabhiniṣpuṇīyuryadyaceṣṭaḥ syād yāvat prāṇānāṃ pratyāgamanam (tattat [2] sarvameva kāryam)| tataḥ pratyāgataprāṇaṃ prakṛtibhūtamabhisamīkṣya snānodakagrahaṇābhyāmupapādayet
Während bei ihr die Behandlung zum Austreiben der Nachgeburt durchgeführt wird, sind für das eben geborene Kind folgende Maßnahmen auszuführen: Man schlage zwei Steine in der Nähe seiner Ohren gegeneinander, besprenge sein Gesicht mit kaltem oder warmem Wasser, damit es die durch die Geburtsqual verlorenen Lebensgeister wiedererlangt. Man fächle ihm mit einer schwarzen Tonscherbe oder einem Worfelkorb Luft zu, falls es regungslos ist, bis die Lebenskraft zurückkehrt – all dies ist auszuführen. Sobald die Lebenskraft zurückgekehrt und sein Zustand natürlich ist, versorge man es mit Baden und Wasseranwendungen.
athāsya tālvoṣṭhakaṇṭhajihvāpramārjanamārabhetāṅgulyā suparilikhitanakhayā suprakṣālitopadhānakārpāsasapicumatyā| prathamaṃ pramārjitāsyasya cāsya śirastālu kārpāsapicunā snehagarbheṇa pratisañchādayet| tato'syānantaraṃ saindhavopahitena sarpiṣā kāryaṃ pracchardanam
Danach beginne man, Gaumen, Lippen, Kehle und Zunge zu reinigen, mit einem sorgfältig kurz geschnittenen Finger, umwickelt mit gut gewaschener, mit Watte gepolsterter Baumwolle. Nach der Reinigung von Mund und Kopf bedecke man ihm den Gaumen mit einem in Öl getränkten Wattebausch. Danach lasse man es mit steinsalzhaltiger, geklärter Butter erbrechen.
tataḥ kalpanaṃ nāḍyāḥ| atastasyāḥ kalpanavidhimupadekṣyāmaḥ-nābhibandhanāt prabhṛtyaṣṭāṅgulamabhijñānaṃ kṛtvā chedanāvakāśasya dvayorantarayoḥśanairgṛhītvā tīkṣṇena raukmarājatāyasānāṃ chedanānāmanyatamenārdhadhāreṇa [1] chedayet| tāmagre sūtreṇopanibadhya kaṇṭhe'sya śithilamavasṛjet| tasya cennābhiḥ pacyeta, tāṃ lodhramadhukapriyaṅgusuradāruharidrākalkasiddhena tailenābhyajyāt, eṣāmeva tailauṣadhānāṃcūrṇenāvacūrṇayet| iti nāḍīkalpanavidhiruktaḥ samyak
Danach folgt das Anlegen der Nabelschnur-Bindung. Wir legen nun die Vorschrift dazu dar: Man messe vom Nabelband acht Finger breit ab, ergreife behutsam die Stelle zwischen den beiden zu erkennenden Punkten und durchtrenne sie mit einer halbscharfen Klinge aus Gold, Silber oder Eisen. Man binde das abgetrennte Ende zunächst mit einem Faden ab und lasse es locker um den Hals des Kindes hängen. Entzündet sich der Nabel, salbe man ihn mit einem aus Lodhra, Süßholz, Priyaṅgu, Deodar-Zeder und Kurkuma zubereiteten Öl und bestreue ihn mit dem Pulver dieser Heilkräuter. Damit ist die Vorschrift zur Nabelschnur-Behandlung vollständig dargelegt.
asamyakkalpane hi nāḍyā āyāmavyāyāmottuṇḍitā-piṇḍalikā-vināmikā-vijṛmbhikābādhebhyo bhayam| tatrāvidāhibhirvātapittapraśamanairabhyaṅgotsādanapariṣekaiḥ sarpirbhiścopakrameta gurulāghavamabhisamīkṣya
Wird die Nabelschnur nicht richtig behandelt, so droht Muskelverspannung, Krämpfe, Anschwellungen, Verrenkung und Verkrümmung. Man behandle dies, je nach Schwere der Störung, mit nicht brennenden, vāta- und pitta-beruhigenden Mitteln – Einreibung, Einölung, Besprengung – sowie mit geklärter Butter.
ato'nantaraṃ jātakarma kumārasya kāryam| tadyathā- madhusarpiṣī mantropamantrite yathāmnāyaṃ prathamaṃ prāśituṃ dadyāt| stanamata ūrdhvametenaiva vidhinā dakṣiṇaṃ pātuṃ purastāt prayacchet| athātaḥ [1] śīrṣataḥ sthāpayedudakumbhaṃ mantropamantritam
Danach folgt die Geburtszeremonie (jātakarma) für den Knaben: Man gebe ihm zuerst, entsprechend der Überlieferung, mit Mantras geweihte Honig-Butter-Mischung zu kosten. Danach reiche man ihm nach demselben Verfahren zuerst die rechte Brust zum Trinken. Danach stelle man zu seinen Häupten einen mit Mantras geweihten Wasserkrug auf.
athāsya rakṣāṃ vidadhyāt- ādānīkhadirakarkandhupīluparūṣakaśākhābhirasyā gṛhaṃ samantataḥ parivārayet| sarvataśca sūtikāgārasya sarṣapātasītaṇḍulakaṇakaṇikāḥ prakireyuḥ| tathā taṇḍulabalihomaḥ satatamubhayakālaṃ [1] kriyetānāmakarmaṇaḥ [2] | dvāre ca musalaṃ dehalīmanu tiraścīnaṃ nyaset| vacākuṣṭhakṣaumakahiṅgusarṣapātasīlaśunakaṇakaṇikānāṃ rakṣoghnasamākhyātānāṃ cauṣadhīnāṃ poṭṭalikāṃ baddhvāsūtikāgārasyottaradehalyāmavasṛjet, tathā sūtikāyāḥ kaṇṭhe saputrāyāḥ, sthālyudakakumbhaparyaṅkeṣvapi, tathaiva cadvayordvārapakṣayoḥ| kaṇakakaṇṭakendhanavānagnistindukakāṣṭhendhanaścāgniḥ sūtikāgārasyābhyantarato nityaṃ syāt| striyaścaināṃ yathoktaguṇāḥ suhṛdaścānuścānujāgṛyurdaśāhaṃ dvādaśāhaṃ vā| anuparatapradānamaṅgalāśīḥstutigītavāditramannapānaviśadamanuraktaprahṛṣṭajanasampūrṇaṃ ca tadveśma kāryam| brāhmaṇaścātharvavedavit satatamubhayakālaṃ śāntiṃ juhuyāt svastyayanārthaṃ kumārasya tathā sūtikāyāḥ| ityetadrakṣāvidhānamuktam
Danach sorge man für seinen Schutz: Man umgebe sein Haus ringsum mit Zweigen von Ādānī, Khadira, Karkandhu, Pīlu und Parūṣaka. Ringsum im Wochenbettzimmer verstreue man Senf, Leinsamen und Reismehl. Morgens und abends führe man fortwährend ein Reiskorn-Opfer durch, das böse Mächte abwehrt. An der Tür lege man einen Stampfstößel quer über die Türschwelle. Man binde ein Bündel aus Vacā, Kuṣṭha, Flachs, Hiṅgu, Senf, Leinsamen und Kaṇā-Reismehl – den als dämonenabwehrend bezeichneten Heilkräutern – und hänge es an der oberen Türschwelle des Wochenbettzimmers auf, ebenso um den Hals der Wöchnerin samt ihrem Kind, an Topf, Wasserkrug und Liege sowie an beiden Türpfosten. Ein mit stacheligem Kaṇaka-Holz und Tinduka-Holz genährtes Feuer brenne stets im Innern des Wochenbettzimmers. Die genannten geeigneten Frauen und Freundinnen sollen zehn oder zwölf Tage bei ihr wachen. Das Haus sei stetig erfüllt von Segenssprüchen, Glückwünschen, Lobgesängen, Musik, reichlich Speise und Trank sowie zugetanen, frohgestimmten Menschen. Ein im Atharvaveda kundiger Brahmane bringe morgens und abends stets ein Friedensopfer für das Wohlergehen von Kind und Wöchnerin dar. Damit ist die Schutzvorschrift dargelegt.
sūtikāṃ tu khalu bubhukṣitāṃ viditvā snehaṃ pāyayeta paramayā śaktyā sarpistailaṃ vasāṃ majjānaṃ vā sātmyībhāvamabhisamīkṣyapippalīpippalīmūlacavyacitrakaśṛṅgaveracūrṇasahitam| snehaṃ pītavatyāśca sarpistailābhyāmabhyajya veṣṭayedudaraṃ mahatā'cchena vāsasā; tathā tasyā na vāyurudarevikṛtimutpādayatyanavakāśatvāt| jīrṇe tu snehe pippalyādibhireva siddhāṃ yavāgūṃ susnigdhāṃ dravāṃ mātraśaḥ [1] pāyayet| ubhayataḥkālaṃ coṣṇodakena ca pariṣecayet prāk snehayavāgūpānābhyām| evaṃ pañcarātraṃ saptarātraṃ vā'nupālya krameṇāpyāyayet| svasthavṛttametāvat sūtikāyāḥ
Erkennt man, dass die Wöchnerin hungrig ist, gebe man ihr nach Kräften geklärte Butter, Öl, Fett oder Knochenmark zu trinken, je nach Verträglichkeit, versetzt mit einem Pulver aus langem Pfeffer samt Wurzel, Cavya, Citraka und Ingwer. Nach dem Trinken der Ölzubereitung salbe man sie mit Butter und Öl ein und umwickele ihren Bauch mit einem großen, sauberen Tuch, damit vāta darin keinen Raum findet, um Störungen zu verursachen. Ist die Ölzubereitung verdaut, gebe man ihr einen gut geölten, flüssigen, mit den genannten Mitteln gekochten Reisbrei in angemessener Menge. Morgens und abends besprenge man sie zudem mit warmem Wasser, vor der Einnahme von Öl und Reisbrei. So pflege man sie fünf oder sieben Nächte lang und lasse sie schrittweise wieder erstarken. So weit die gesunde Lebensweise der Wöchnerin.
tasyāstu khalu yo vyādhirutpadyate sa kṛcchrasādhyo bhavatyasādhyo vā, garbhavṛddhikṣayitaśithilasarvadhātutvāt,pravāhaṇavedanākledanaraktaniḥsrutiviśeṣaśūnyaśarīratvācca; tasmāttāṃ yathoktena vidhinopacaret;bhautikajīvanīyabṛṃhaṇīyamadhuravātaharasiddhairabhyaṅgotsādanapariṣekāvagāhanānnapānavidhibhirviśeṣataścopacaret; viśeṣato hiśūnyaśarīrāḥ striyaḥ prajātā bhavanti
Jede bei ihr entstehende Krankheit ist schwer oder gar nicht heilbar, da durch das Wachstum des Embryos alle Körperelemente geschwächt und gelockert sind und ihr Körper durch Presswehen, Schmerz, Durchnässung und den besonderen Blutverlust ausgehöhlt ist. Daher behandle man sie wie beschrieben, insbesondere mit Einreibung, Einölung, Besprengung, Bädern sowie Speise- und Trankvorschriften aus lebenerhaltenden, kräftigenden, süßen, vāta-lindernden Mitteln; denn Frauen mit ausgehöhltem Körper haben eben erst geboren.
daśame tvahani [1] saputrā strī sarvagandhauṣadhairgaurasarṣapalodhraiśca snātā laghvahataśucivastraṃ paridhāya [2] pavitreṣṭalaghuvicitrabhūṣaṇavatīca saṃspṛśya maṅgalānyucitāmarcayitvā ca devatāṃ śikhinaḥ śuklavāsaso'vyaṅgāṃśca brāhmaṇān svasti vācayitvākumāramahatānāṃ [3] ca vāsasāṃ sañcaye prākśirasamudakśirasaṃ vā saṃveśya devatāpūrvaṃ dvijātibhyaḥ praṇamatītyuktvā kumārasya pitādve nāmanī kārayennākṣatrikaṃ nāmābhiprāyikaṃ ca| tatrābhiprāyikaṃ ghoṣavadādyantasthāntamūṣmāntaṃ vā'vṛddhaṃ [4] tripuruṣānūkamanavapratiṣṭhitaṃ, nākṣātrikaṃ tu nakṣatradevatāsamānākhyaṃ [5]dvyakṣaraṃ caturakṣaraṃ vā
Am zehnten Tag bade die Wöchnerin samt Kind mit allerlei duftenden Heilkräutern, gelbem Senf und Lodhra, kleide sich in leichte, ungetragene, reine Gewänder, trage geweihten, leichten, bunten Schmuck; sie berühre glückverheißende Gegenstände, verehre die ihr gewohnte Gottheit, lasse pfauenfedertragende, weißgekleidete, unversehrte Brahmanen den Segensspruch sprechen, lege das Kind mit dem Kopf nach Osten oder Norden auf einen Haufen großer Gewänder und spreche: „Zuerst der Gottheit, dann verneige er sich vor den Zweifachgeborenen.“ Danach lasse der Vater dem Knaben zwei Namen geben: einen sternbezogenen und einen frei gewählten. Der frei gewählte Name soll wohlklingend sein, am Anfang und Ende einen Halbvokal oder Zischlaut tragen, nicht übermäßig lang sein, drei Generationen zurück nachvollziehbar und wohlbegründet sein; der sternbezogene Name soll dem Namen der Sterngottheit entsprechen und zwei- oder viersilbig sein.
vṛtte [1] ca nāmakarmaṇi kumāraṃ parīkṣitumupakrametāyuṣaḥ pramāṇajñānahetoḥ| tatremānyāyuṣmatāṃ kumārāṇāṃ lakṣaṇāni bhavanti| tadyathā- ekaikajā mṛdavo'lpāḥ snigdhāḥ subaddhamūlāḥ kṛṣṇāḥ keśāḥ praśasyante, sthirā bahalā tvak,prakṛtyā'tisampannamīṣatpramāṇātivṛttamanurūpamātapatropamaṃ [2] śiraḥ, vyūḍhaṃ dṛḍhaṃ samaṃsuśliṣṭaśaṅkhasandhyūrdhvavyañjanasampannamupacitaṃ valibhamardhacandrākṛti lalāṭaṃ, bahalau vipulasamapīṭhau samau nīcairvṛddhaupṛṣṭhato'vanatau suśliṣṭakarṇaputrakau mahācchidrau karṇau, īṣatpralambinyāvasaṅgate same saṃhate mahatyau bhruvau, same samāhitadarśanevyaktabhāgavibhāge balavatī tejasopapanne svaṅgāpāṅge cakṣuṣī, ṛjvī mahocchvāsā vaṃśasampanneṣadavanatāgrā nāsikā,mahadṛjusuniviṣṭadantamāsyam, āyāmavistāropapannā ślakṣṇā tanvī prakṛtivarṇayuktā [3] jihvā, ślakṣṇaṃyuktopacayamūṣmopapannaṃ raktaṃ tālu, mahānadīnaḥ snigdho'nunādī gambhīrasamuttho dhīraḥ svaraḥ, nātisthūlau nātikṛśauvistāropapannāvāsyapracchādanau raktāvoṣṭhau, mahatyau hanū, vṛttā nātimahatī grīvā, vyūḍhamupacitamuraḥ, gūḍhaṃ jatru pṛṣṭhavaṃśaśca,viprakṛṣṭāntarau stanau, asampātinī sthire pārśve, vṛttaparipūrṇāyatau bāhū sakthinī aṅgulayaśca, mahadupacitaṃ pāṇipādaṃ, sthirāvṛttāḥ snigdhāstāmrāstuṅgāḥ kūrmākārāḥ karajāḥ, pradakṣiṇāvartā sotsaṅgā ca nābhiḥ, urastribhāgahīnā samā samupacitamāṃsākaṭī, vṛttau sthiropacitamāṃsau nātyunnatau nātyavanatau sphicau, anupūrvaṃ vṛttāvupacayayuktāvūrū, nātyupacite nātyapacite eṇīpadepragūḍhasirāsthisandhī jaṅghe, nātyupacitau nātyapacitau gulphau, pūrvopadiṣṭaguṇau pādau kūrmākārau, prakṛtiyuktānivātamūtrapurīṣaguhyāni tathā svaprajāgaraṇāyāsasmitaruditastanagrahaṇāni, yacca kiñcidanyadapyanuktamasti tadapi sarvaṃprakṛtisampannamiṣṭaṃ, viparītaṃ punaraniṣṭam| iti dīrghāyurlakṣaṇāni
Nach der Namensgebung beginne man, das Kind zu untersuchen, um das Maß seiner Lebensspanne zu erkennen. Es folgen die Kennzeichen langlebiger Kinder: gepriesen werden einzeln wachsendes, feines, spärliches, glattes, gut verwurzeltes, schwarzes Haar; feste, dichte Haut; ein von Natur aus vollkommener, leicht überproportionierter, wohlgeformter, einem Sonnenschirm ähnlicher Kopf; eine breite, feste, ebenmäßige, mit gut ausgebildeten Schläfen und Verbindungslinien versehene, volle, gefältelte, halbmondförmige Stirn; dicke, breite, gleichmäßig ansitzende, symmetrische, niedrig angesetzte, nach hinten geneigte, mit gut anliegenden Ohrläppchen und weiten Öffnungen versehene Ohren; leicht hängende, sich berührende, gleichmäßige, aneinandergefügte, große Augenbrauen; kräftige, glanzvolle, mit wohlgeformten Winkeln, klar erkennbaren Teilen und ruhigem Blick versehene Augen; eine gerade, mit starker Ausatmung, wohlgeformtem Nasenrücken und leicht geneigter Spitze versehene Nase; ein großer Mund mit geraden, fest sitzenden Zähnen; eine der Länge und Breite nach wohlproportionierte, glatte, feine, von natürlicher Farbe erfüllte Zunge; ein glatter, wohlentwickelter, warmer, roter Gaumen; eine tiefe, wie ein großer Fluss tönende, sanfte, nachhallende, aus der Tiefe kommende, feste Stimme; nicht zu dicke, nicht zu dünne, das Mundinnere gut bedeckende, rote Lippen; große Kiefer; ein runder, nicht zu großer Hals; eine breite, wohlentwickelte Brust; verborgenes Schlüsselbein und verborgene Wirbelsäule; weit auseinanderstehende Brustwarzen; feste, nicht hervorspringende Flanken; runde, volle, langgestreckte Arme, Beine und Finger; große, wohlentwickelte Hände und Füße; feste, runde, glatte, kupferfarbene, hohe, schildkrötenförmige Nägel; ein im Uhrzeigersinn gewundener, vertiefter Nabel; ein von der Brust an sich verjüngender, ebenmäßiger, wohlentwickelter Hüftbereich; runde, mit festem Fleisch versehene, weder zu stark hervortretende noch eingesunkene Gesäßbacken; regelmäßig runde, wohlentwickelte Oberschenkel; weder zu volle noch zu magere, mit tief verborgenen Venen und Knochenverbindungen versehene, hirschartige Unterschenkel; weder zu volle noch zu magere Knöchel; schildkrötenförmige Füße wie zuvor beschrieben; ein natürliches Verhalten bei Wind, Urin, Stuhl und Geschlechtsteilen, ebenso beim eigenen Wachsein, bei Anstrengung, Lächeln, Weinen und beim Ergreifen der Brust. Und was sonst noch, hier nicht genannt, an guten Merkmalen vorhanden ist, gilt ebenfalls als natürlich und erwünscht; das Gegenteil gilt als unerwünscht. Dies sind die Kennzeichen eines langen Lebens.
ato dhātrīparīkṣāmupadekṣyāmaḥ| atha brūyāt-dhātrīmānaya samānavarṇāṃ yauvanasthāṃ nibhṛtāmanāturāmavyaṅgāmavyasanāmavirūpāmajugupsitāṃ [1]deśajātīyāmakṣudrāmakṣudrakarmiṇīṃ kule jātāṃ vatsalāmarogāṃ jīvadvatsāṃ puṃvatsāṃdogdhrīmapramattāmanuccāraśāyinīmanantyāvasāyinīṃ kuśalopacārāṃ śucimaśucidveṣiṇīṃ stanastanyasampadupetāmiti
Nun legen wir die Prüfung der Amme (dhātrī) dar: Man wähle eine Amme von ähnlicher Herkunft, im jugendlichen Alter, beherrscht, ohne Krankheit, ohne körperliche Fehler, ohne Laster, nicht hässlich, nicht verabscheuungswürdig, aus dem gleichen Land und Volk stammend, nicht kleinlich und keinen kleinlichen Handlungen zugetan, aus gutem Haus, liebevoll, gesund, mit lebendem eigenem Sohn, gutmütig, nicht nachlässig, nicht in unpassender Haltung schlafend, unermüdlich, geschickt in der Pflege, reinlich, unreine Dinge verabscheuend und mit vollkommenen Brüsten und vollkommener Muttermilch ausgestattet.
tatreyaṃ stanasampat- nātyūrdhvau nātilambāvanatikṛśāvanatipīnau yuktapippalakau sukhaprapānau ceti (stanasampat)
Folgende Beschaffenheit der Brüste ist erwünscht: nicht zu hoch, nicht zu tief hängend, nicht zu mager, nicht zu voll, mit wohlgeformten Warzen, leicht zu saugen.
stanyasampattu prakṛtivarṇagandharasasparśam, udapātre ca duhyamānamudakaṃ vyeti prakṛtibhūtatvāt; tat puṣṭikaramārogyakaraṃ ceti(stanyasampat)
Die vollkommene Muttermilch (stanya) erkennt man daran, dass sie natürliche Farbe, Geruch, Geschmack und Beschaffenheit hat; in ein Wassergefäß gemolken, vermischt sie sich vollständig mit dem Wasser, da sie von natürlicher Beschaffenheit ist. Solche Milch stärkt und erhält die Gesundheit.
ato'nyathā vyāpannaṃ jñeyam| tasya viśeṣāḥ śyāvāruṇavarṇaṃ kaṣāyānurasaṃ viśadamanālakṣyagandhaṃ rūkṣaṃ dravaṃ phenilaṃ laghvatṛptikaraṃ karśanaṃ vātavikārāṇāṃ kartṛvātopasṛṣṭaṃ kṣīramabhijñeyaṃ [1] ; kṛṣṇanīlapītatāmrāvabhāsaṃ tiktāmlakaṭukānurasaṃ kuṇaparudhiragandhi bhṛśoṣṇaṃ pittavikārāṇāṃ kartṛca pittopasṛṣṭaṃ kṣīramabhijñeyam, atyarthaśuklamatimādhuryopapannaṃ lavaṇānurasaṃ ghṛtatailavasāmajjagandhi picchilaṃtantumadukapātre'vasīdachleṣmavikārāṇāṃ kartṛ śleṣmopasṛṣṭaṃ kṣīramabhijñeyam
Anders geartete Milch gilt als verdorben. Ihre besonderen Merkmale sind: bläulich-rötliche Farbe, herber Nachgeschmack, klar, ohne merklichen Geruch, rau, dünnflüssig, schaumig, leicht, ohne sättigende Wirkung, abmagernd – dies erkenne man als vāta-bedingte, von vāta verunreinigte Milch; schwarze, blaue, gelbe oder kupferfarbene Milch, mit bitter-sauer-scharfem Nachgeschmack, nach rohem Fleisch oder Blut riechend, sehr heiß – dies ist pitta-bedingte, von pitta verunreinigte Milch; überaus weiße, übermäßig süße, mit salzigem Nachgeschmack, nach Butter, Öl, Fett und Mark riechende, schleimige, fädenziehende, in einem Kupfergefäß absetzende Milch – dies ist kapha-bedingte, von kapha verunreinigte Milch.
teṣāṃ tu trayāṇāmapi kṣīradoṣāṇāṃ prativiśeṣamabhisamīkṣya yathāsvaṃ yathādoṣaṃ ca vamanavirecanāsthāpanānuvāsanāni vibhajya kṛtānipraśamanāya bhavanti| pānāśanavidhistu duṣṭakṣīrāyā yavagodhūmaśāliṣaṣṭikamudgahareṇukakulatthasurāsauvīrakamaireyamedakalaśunakarañjaprāyaḥ syāt| kṣīradoṣaviśeṣāṃścāvekṣyāvekṣya tattadvidhānaṃ kāryaṃ syāt| pāṭhāmahauṣadhasuradārumustamūrvāguḍūcīvatsakaphalakirātatiktakakaṭukarohiṇīsārivākaṣāyāṇāṃ ca pānaṃ praśasyate, tathā'nyeṣāṃtiktakaṣāyakaṭukamadhurāṇāṃ [1] dravyāṇāṃ prayogaḥ kṣīravikāraviśeṣānabhisamīkṣya mātrāṃ kālaṃ ca| iti kṣīraviśodhanāni
Betrachtet man die besonderen Merkmale dieser drei Milchfehler, so werden, je nach betroffenem doṣa in angemessener Weise verabreicht, Erbrechen, Abführen sowie Nirūha- und Anuvāsana-Klistiere zur Beruhigung eingesetzt. Die Trank- und Speisevorschrift bei verdorbener Milch besteht überwiegend aus Gerste, Weizen, Reis, Ṣaṣṭika-Reis, Mungbohnen, Hareṇuka, Kulattha-Bohnen, Surā, Sauvīraka, Maireya, Meda, Knoblauch und Karañja. Je nach den besonderen Milchfehlern sei die entsprechende Behandlung vorzunehmen. Empfohlen wird das Trinken eines Suds aus Pāṭhā, Ingwer, Deodar-Zeder, Musta, Mūrvā, Guḍūcī, Vatsaka-Früchten, Kirātatikta, Kaṭurohiṇī und Sārivā, ebenso der Gebrauch anderer bitterer, herber, scharfer und süßer Mittel, je nach den besonderen Milchfehlern, in angemessener Menge und zur rechten Zeit. Damit sind die milchreinigenden Mittel dargelegt.
kṣīrajananāni tu madyāni sīdhuvarjyāni, grāmyānūpaudakāni ca śākadhānyamāṃsāni, dravamadhurāmlalavaṇabhūyiṣṭhāścāhārāḥ,kṣīriṇyaścauṣadhayaḥ, kṣīrapānamanāyāsaśca, vīraṇaṣaṣṭikaśālīkṣuvālikādarbhakuśakāśagundretkaṭamūlakaṣāyāṇāṃ ca pānamiti(kṣīrajananāni)
Die milchfördernden Mittel sind: alkoholische Getränke außer Sīdhu, Fleisch von Haus-, Sumpf- und Wassertieren, Gemüse und Getreide, überwiegend flüssige, süße, saure und salzige Speisen, milchhaltige Heilkräuter, das Trinken von Milch, Unbeschwertheit sowie das Trinken eines Suds aus Vīraṇa, Ṣaṣṭika-Reis, Reis, Zuckerrohr, Vālika, Darbha-, Kuśa-, Kāśa-Gras, Gundrā, Ikaṭa und Rettich.
dhātrī tu yadā svādubahulaśuddhadugdhā syāttadāsnātānuliptā śuklavastraṃ paridhāyaindrīṃ brāhmīṃ śatavīryāṃ sahasravīryāmamoghāmavyathāṃśivāmariṣṭāṃ vāṭyapuṣpīṃ viṣvaksenakāntāṃ [1] vā bibhratyoṣadhiṃ kumāraṃ prāṅmukhaṃprathamaṃ dakṣiṇaṃ stanaṃ pāyayet| iti dhātrīkarma
Ist die Milch der Amme reichlich, süß und rein, so bade sie und salbe sich ein, ziehe ein weißes Gewand an, trage eine der Heilkräuter Aindrī, Brāhmī, Śatavīryā, Sahasravīryā, Amoghā, Avyathā, Śivā, Ariṣṭā, Vāṭyapuṣpī oder Viṣvaksenakāntā bei sich und lasse das Kind, mit dem Gesicht nach Osten gewandt, zuerst an der rechten Brust trinken. Damit ist die Aufgabe der Amme dargelegt.
ato'nantaraṃ kumārāgāravidhimanuvyākhyāsyāmaḥ-vāstuvidyākuśalaḥ praśastaṃ ramyamatamaskaṃ nivātaṃ pravātaikadeśaṃdṛḍhamapagataśvāpadapaśudaṃṣṭrimūṣikapataṅgaṃ suvibhaktasalilolūkhalamūtravarcaḥsthānasnānabhūmimahānasamṛtusukhaṃyathartuśayanāsanāstaraṇasampannaṃ kuryāt; tathā suvihitarakṣāvidhānabalimaṅgalahomaprāyaścittaṃśucivṛddhavaidyānuraktajanasampūrṇam| iti kumārāgāravidhiḥ
Danach erklären wir die Vorschrift für das Kinderzimmer: Ein in der Baulehre erfahrener Mann errichte einen empfohlenen, angenehmen, schattenlosen, windgeschützten, an einer Seite gut durchlüfteten, festen, von Raubtieren, Vieh, beißenden Tieren, Mäusen und Insekten freien Raum, mit gut geteilten Wasserstellen, Mörser, Abort, Baderaum und Küche, mit einer der Jahreszeit angenehmen Lage und passendem Lager, Sitz und Bettzeug; ebenso mit wohlgeordneten Schutzmaßnahmen, Opfergaben, Segenssprüchen und Sühneopfern versehen, und stets erfüllt von reinlichen, erfahrenen Ärzten und zugetanen Menschen. Damit ist die Vorschrift für das Kinderzimmer dargelegt.
śayanāsanāstaraṇaprāvaraṇāni kumārasya mṛdulaghuśucisugandhīni syuḥ; svedamalajantumanti mūtrapurīṣopasṛṣṭāni ca varjyāni syuḥ;asati sambhave'nyeṣāṃ tānyeva ca suprakṣālitopadhānāni sudhūpitāni śuddhaśuṣkāṇyupayogaṃ gaccheyuḥ
Lager, Sitz, Bettzeug und Decken des Kindes sollen weich, leicht, sauber und wohlriechend sein; solche, die Schweiß, Schmutz und Ungeziefer enthalten oder von Urin und Stuhl verunreinigt sind, sind zu meiden. Steht nichts anderes zur Verfügung, sollen eben diese, gut gewaschen, gut beräuchert, sauber und trocken, weiterverwendet werden.
dhūpanāni punarvāsasāṃ śayanāstaraṇaprāvaraṇānāṃ cayavasarṣapātasīhiṅgugugguluvacācorakavayaḥsthāgolomījaṭilāpalaṅkaṣāśokarohiṇīsarpanirmokāṇi ghṛtayuktāni syuḥ
Zur Beräucherung der Gewänder, des Lagers, des Bettzeugs und der Decken diene Gerste, Senf, Leinsamen, Hiṅgu, Guggulu, Vacā, Coraka, Vayaḥsthā, Golomī, Jaṭilā, Palaṅkaṣā, Aśoka-Wurzel, Kaṭurohiṇī und Schlangenhaut, mit geklärter Butter versetzt.
maṇayaśca dhāraṇīyāḥ kumārasya khaḍgarurugavayavṛṣabhāṇāṃ jīvatāmeva dakṣiṇebhyo viṣāṇebhyo'grāṇi gṛhītāni syuḥ;aindryādyāścauṣadhayo jīvakarṣabhakau ca, yāni cānyānyapi brāhmaṇāḥ praśaṃseyuratharvavedavidaḥ
Als Amulette soll das Kind Spitzen tragen, die von den rechten Hörnern eines lebenden Nashorns, einer Antilope, eines Wildrinds oder eines Stiers abgetrennt wurden; ebenso die Heilkräuter Aindrī und dergleichen, Jīvaka und Ṛṣabhaka, sowie was die im Atharvaveda kundigen Brahmanen sonst empfehlen.
krīḍanakāni khalu kumārasya vicitrāṇi ghoṣavantyabhirāmāṇi cāgurūṇi cātīkṣṇāgrāṇi cānāsya praveśīni cāprāṇaharāṇicāvitrāsanāni syuḥ
Die Spielzeuge des Kindes sollen bunt, angenehm klingend, anmutig, nicht schwer, nicht scharfkantig, nicht in den Mund passend, ungefährlich für das Leben und nicht angsteinflößend sein.
na hyasya vitrāsanaṃ sādhu| tasmāttasmin rudatyabhuñjāne vā'nyatra vidheyatāmagacchati rākṣasapiśācapūtanādyānāṃ nāmānyāhvayatā kumārasya vitrāsanārthaṃnāmagrahaṇaṃ na kāryaṃ syāt
Denn das Erschrecken des Kindes ist nicht gut. Weint es oder will es nicht essen und lässt es sich nicht anders lenken, so bringe man es nicht dadurch zum Gehorsam, dass man die Namen von Rākṣasas, Piśācas, Pūtanā und dergleichen ruft, um es zu erschrecken.
yadi tvāturyaṃ kiñcit kumāramāgacchet tat prakṛtinimittapūrvarūpaliṅgopaśayaviśeṣaistattvato'nubudhyasarvaviśeṣānāturauṣadhadeśakālāśrayānavekṣamāṇaścikitsitumārabhetainaṃ madhuramṛdulaghusurabhiśītaśaṅkaraṃ karma pravartayan| evaṃsātmyā hi kumārā bhavanti| tathā te śarma labhante cirāya| aroge tvarogavṛttamātiṣṭheddeśakālātmaguṇaviparyayeṇa vartamānaḥ, krameṇāsātmyāni parivartyopayuñjānaḥ sarvāṇyahitānivarjayet| tathā balavarṇaśarīrāyuṣāṃ sampadamavāpnotīti
Sollte irgendeine Krankheit das Kind befallen, erkenne man wahrheitsgemäß ihre Ursache, Vorzeichen, Frühsymptome, Kennzeichen und begünstigenden Faktoren und beginne, unter Berücksichtigung aller Besonderheiten des Kranken, der Heilmittel, des Ortes und der Zeit, die Behandlung mit einer süßen, milden, leichten, wohlriechenden, kühlenden, wohltuenden Vorgehensweise. So gewöhnen sich die Kinder daran und erlangen dauerhaftes Wohlergehen. Ist es gesund, befolge man die für Gesunde vorgeschriebene Lebensweise; weicht man davon aufgrund von Ort, Zeit oder eigenen Eigenschaften ab, vollziehe man den Wandel schrittweise durch Gewöhnung und meide alle schädlichen Dinge. So erlangt man Fülle an Kraft, Hautfarbe, Körper und Lebensdauer.
evamenaṃ kumāramāyauvanaprāpterdharmārthakauśalāgamanāccānupālayet
So betreue man dieses Kind bis zum Erreichen der Jugendreife und bis es die Kenntnis von Recht (dharma) und Nutzen (artha) erlangt hat.
iti putrāśiṣāṃ samṛddhikaraṃ karma vyākhyātam| tadācaran yathoktairvidhibhiḥ pūjāṃ yatheṣṭaṃ labhate'nasūyaka iti
Damit ist die Handlung dargelegt, die die Wünsche nach Nachkommenschaft zur Erfüllung bringt. Wer dies nach den genannten Vorschriften ausführt, erlangt, frei von Missgunst, die gewünschte Verehrung.
tatra ślokau- putrāśiṣāṃ karma samṛddhikārakaṃ yaduktametanmahadarthasaṃhitam| tadācaran jño vidhibhiryathātathaṃ pūjāṃ yatheṣṭaṃ labhate'nasūyakaḥ
Dazu die beiden Verse: Die hier dargelegte Handlung, welche die Wünsche nach Nachkommenschaft erfüllt, ist von großer Bedeutung. Wer sie kennt und sie den Vorschriften gemäß in rechter Weise ausführt, erlangt, frei von Missgunst, die gewünschte Verehrung.
śarīraṃ cintyate sarvaṃ daivamānuṣasampadā| sarvabhāvairyatastasmācchārīraṃ sthānamucyate
Der ganze Körper wird durch die Wirkkräfte des Göttlichen und des Menschlichen bestimmt; da alle Zustände von diesen abhängen, wird die Körperlehre (śārīra) als eigenständiges Themengebiet (sthāna) bezeichnet.