athāto jaṅgamaviṣavijñānīyaṃ kalpaṃ vyākhyāsyāmaḥ
Nun wollen wir das Kapitel über die Kenntnis der *jaṅgama*-Gifte (der beweglichen, das heißt von Tieren stammenden Gifte) erklären.
Suśruta-Saṃhitā · Kalpasthana
Das dritte Kapitel wendet sich den *jaṅgama*-Giften zu, den von Tieren stammenden Giften, und ordnet ihre sechzehn Sitze – von Blick und Atem der Schlangen über Giftzahn, Kralle, Urin, Kot, Speichel und Samen bis zum Kadavergift – einzelnen Tiergattungen wie Katze, Hund, Spinne, Skorpion, Wespe, Blutegel und Fledermaus zu. Ein militärisch-praktischer Abschnitt behandelt die absichtliche Vergiftung von Wasser, Gras, Wegen, Speise und Rauch durch feindliche Kräfte sowie deren Erkennung und Reinigung mit Baumaschen und Kräuterwasser. Eine mythologische Erzählung erklärt die Herkunft des Wortes *viṣa* aus dem Zorn Brahmās gegen den Dämon Kaiṭabha, dessen Glut sich als Verzweiflung (*viṣāda*) auf alle Lebewesen, pflanzliche wie tierische, verteilte. Physiologisch wird das Gift als Reizung aller drei *doṣa* erklärt, die den Atem blockiert und Bewusstlosigkeit hervorruft. Den Abschluss bildet eine nüchterne Liste tödlicher Vorzeichen (*ariṣṭa*), bei deren Vorliegen der Arzt die Behandlung eines Gebissenen aufgeben soll.
| Giftsitz | Tiere (Beispiele) |
|---|---|
| Blick und Atem | göttliche Schlangen |
| Giftzähne | irdische Schlangen |
| Zahn und Kralle | Katze, Hund, Affe, Krokodil, Frosch, Fisch, Waran, Hauseidechse u. a. |
| Kot und Urin | cipiṭa, picciṭaka, Kotkäfer u. a. |
| Samen | Mäuse |
| Speichel, Urin, Kot, Mundbiss, Kralle, Samen, Menstrualblut | Spinne |
| Stich | Skorpion, Wespe, ucciṭiṅga-Fisch, Meeresskorpion |
| Mundbiss, Kralle, Urin, Kot | citraśiras, śatadāru, Vogel sārikā u. a. |
| nur Mundbiss | Fliege, kaṇabha, Blutegel |
| Knochen | Knochen toter Giftschlangen, Wespenstachel, Fischgräten |
| Galle | śakulī-Fisch, roter rājī-Fisch, Käferfisch |
| Borste und Rüssel | Wespe, Tausendfüßler, Fledermaus, Bremse, Hummel u. a. |
| Kadaver | Leiber toter Insekten und Schlangen |
athāto jaṅgamaviṣavijñānīyaṃ kalpaṃ vyākhyāsyāmaḥ
Nun wollen wir das Kapitel über die Kenntnis der *jaṅgama*-Gifte (der beweglichen, das heißt von Tieren stammenden Gifte) erklären.
yathovāca bhagavān dhanvantariḥ
So wie es der erhabene Dhanvantari verkündete:
jaṅgamasya viṣasyoktānyadhiṣṭhānāni ṣoḍaśa samāsena mayā yāni vistarasteṣu vakṣyate
Von den sechzehn Sitzen des *jaṅgama*-*viṣa* (Gift) habe ich zuvor in Kürze gesprochen; davon soll nun ausführlich die Rede sein.
tatra dṛṣṭiniḥśvāsadaṃṣṭrānakhamūtrapurīṣaśukralālārtavamukhasandaṃśaviśardhitatuṇḍāsthipittaśūkaśavānīti
Das sind: Blick, Atem, Giftzahn, Kralle, Urin, Kot, Samen, Speichel, Menstrualblut, Mundbiss, Bisswunde, Stachelrüssel, Knochen, Galle, Borste und Kadaver.
tatra dṛṣṭiniḥśvāsaviṣā divyāḥ sarpāḥ bhaumāstu daṃṣṭrāviṣāḥ mārjāraśvavānaramakaramaṇḍūkapākamatsyagodhāśambūkapracalākagṛhagodhikācatuṣpādakīṭāstathā'nye daṃṣṭrānakhaviṣāḥ cipiṭapicciṭakakaṣāyavāsikasarṣapakatoṭakavarcaḥ kīṭakauṇḍinyakāḥ śakṛnmūtraviṣāḥ mūṣikāḥ śukraviṣāḥ lūtā lālāmūtrapurīṣamukhasandaṃśanakhaśukrārtavaviṣāḥ vṛścikaviśvambharavaraṭīrājīvamatsyocciṭiṅgāḥ samudravṛścikāścālariviṣāḥ citraśiraḥ sarāvakurdiśatadārukārimedakasārikāmukhā mukhasandaṃśa viśārdhitamūtrapurīṣaviṣāḥ makṣikākaṇabhajalāyukā mukhasandaṃśaviṣāḥ viṣahatāsthisarpakaṇṭakavaraṭīmatsyāsthi cetyasthiviṣāṇi śakulīmatsyaraktarājivarakīṭīmatsyāśca pittaviṣāḥ sūkṣmatuṇḍocciṭiṅgavaraṭīśatapadīśūkavalabhikāśṛṅgibhramarāḥ śūkatuṇḍaviṣāḥ kīṭasarpadehā gatāsavaḥ śavaviṣāḥ śeṣāstvanuktā mukhasandaṃśaviṣeṣveva gaṇayitavyāḥ
Dabei besitzen die göttlichen Schlangen Gift in Blick und Atem, die irdischen Schlangen hingegen in den Giftzähnen. Katze, Hund, Affe, Krokodil, Frosch, *pāka*-Frosch, Fisch, Waran, Schnecke, *pracalāka*, Hauseidechse und vierfüßige Insekten sowie ähnliche Tiere besitzen Gift in Zahn und Kralle. *Cipiṭa*, *picciṭaka*, *kaṣāya*, *vāsika*, *sarṣapaka*, *toṭaka*, der Kotkäfer und *kauṇḍinyaka* besitzen Gift in Kot und Urin. Mäuse besitzen Gift im Samen. Die Spinne besitzt Gift in Speichel, Urin, Kot, Mundbiss, Kralle, Samen und Menstrualblut. Skorpion, *viśvambhara*, Wespe, *rājīva*, der Fisch *ucciṭiṅga* sowie Meeresskorpion und *ālari* tragen ihr Gift im Stich. *Citraśiras*, *sarāvakurdi*, *śatadāru*, *karimedaka* und der Vogel *sārikā* besitzen Gift in Mundbiss, Kralle, Urin und Kot. Fliege, *kaṇabha* und Blutegel besitzen Gift im Mundbiss. In den toten Knochen von Giftschlangen, im Wespenstachel und in Fischgräten liegt das Gift im Knochen. *Śakulī*-Fisch, der blutfarbene *rājī*-Fisch und der Käferfisch besitzen Gift in der Galle. Feinrüsslige *ucciṭiṅga*, Wespe, Tausendfüßler, Borsteninsekten, Fledermaus, Bremse und Hummel besitzen Gift in Borste und Rüssel. Die Leiber toter Insekten und Schlangen, aus denen das Leben gewichen ist, tragen Leichengift. Alle übrigen, nicht eigens genannten Tiere sind zu jenen mit Gift im Mundbiss zu zählen.
bhavanti cātra rājño'rideśe ripavastṛṇāmbumārgānnadhūmaśvasanān viṣeṇa saṃdūṣayantyebhiratipraduṣṭān vijñāya liṅgairabhiśodhayettān
Hierbei kommt es vor, dass im Feindesland eines Königs Gegner Gras, Wasser, Wege, Speise und den Rauch der Atemluft mit Gift verseuchen; sind diese stark verdorben, erkenne man sie an ihren Merkmalen und reinige sie.
duṣṭaṃ jalaṃ picchilamugragandhi phenānvitaṃ rājibhirāvṛtaṃ ca maṇḍūkamatsyaṃ mriyate vihaṅgā mattāśca sānūpacarā bhramanti
Verdorbenes Wasser ist schleimig, riecht scharf, ist schaumig und von Streifen überzogen; Frösche und Fische darin sterben, Vögel werden trunken, und die Uferbewohner taumeln umher.
majjanti ye cātra narāśvanāgāste chardimohajvaradāhaśophān ṛgicchinti teṣāmapahṛtya doṣān duṣṭaṃ jalaṃ śodhayituṃ yateta
Menschen, Pferde und Elefanten, die darin baden, erleiden Erbrechen, Bewusstseinstrübung, Fieber, Brennen und Schwellungen; man behebe ihre *doṣa*-Störungen und bemühe sich, das verdorbene Wasser zu reinigen.
dhavāśvakarṇāsanapāribhadrā n sapāṭalān siddhakamokṣakau ca dagdhvā sarājadrumasomavalkāṃstadbhasma śītaṃ vitaret saraḥsu
Man verbrenne *dhava*, *aśvakarṇa*, *asana*, *pāribhadra* zusammen mit *pāṭalā*, *siddhaka* und *mokṣaka* sowie die Rinde von *rājadruma* und *soma*, und streue die abgekühlte Asche in die Teiche.
bhasmāñjali cāpi ghaṭe nidhāya viśodhayedīpsitamevamambhaḥ kṣitipradeśaṃ viṣadūṣitaṃ tu śilātalaṃ tīrthamatheriṇaṃ vā
Oder man lege eine Handvoll dieser Asche in einen Krug und reinige damit das gewünschte Wasser; ebenso reinige man giftverseuchte Erde, Felsgrund, *tīrtha* (heiligen Badeplatz) oder Salzboden.
spṛśanti gātreṇa tu yena yena govājināgoṣṭrakharā narā vā tacchūnatāṃ yātyatha dahyate ca viśīryate romanakhaṃ tathaiva
Berührt Rind, Pferd, Elefant, Kamel, Esel oder Mensch mit irgendeinem Körperteil solch verseuchten Grund, so schwillt dieser an, brennt, und Haar wie Nägel fallen aus.
tatrāpyanantāṃ saha sarvagandhaiḥ piṣṭvā surābhirviniyojya mārgam siñcet payobhiḥ sumṛdanvitaistaṃ viḍaṅgapāṭhākaṭabhījalairvā
In diesem Fall zerreibe man *anantā* zusammen mit allerlei Duftstoffen, vermenge sie mit Branntwein und bestreiche damit den betroffenen Weg, oder man besprenge ihn mit feinem Lehm und Wasser von *viḍaṅga*, *pāṭhā* und *kaṭabhī*.
tṛṇeṣu bhakteṣu ca dūṣiteṣu sīdanti mūrcchanti vamanti cānye viḍbhedamṛcchantyathavā mriyante teṣāṃ cikitsāṃ praṇayedyathoktām
Ist Futtergras oder Speise verdorben, so werden manche matt, andere fallen in Ohnmacht, erbrechen sich, erleiden Durchfall oder sterben gar; man behandle sie wie zuvor beschrieben.
viṣāpahairvā'pyagadairvilipya vādyāni citrāṇyapi vādayeta tāraḥ sutāraḥ sasurendra gopaḥ sarvaiśca tulyaḥ kuruvindabhāgaḥ
Oder man bestreiche allerlei Musikinstrumente mit giftvertreibenden *agada*-Mischungen (Gegengiften) und lasse sie erklingen — mit *tāra*, *sutāra*, *surendragopa* und zu gleichen Teilen mit *kuruvinda*.
pittena yuktaḥ kapilānvayena vādyapralepo vihitaḥ praśastaḥ vādyasya śabdena hi yānti nāśaṃ viṣāṇi ghorāṇyapi yāni santi
Der mit *pitta* (Galle) eines rotbraunen Rindes versetzte Instrumentenanstrich gilt als vorzüglich; denn durch den Klang des Instruments verschwinden selbst die furchtbarsten Gifte.
dhūme'nile vā viṣasaṃprayukte khagāḥ śramārtāḥ prapatanti bhūmau kāsapratiśyāyaśirorujaśca bhavanti tīvrā nayanāmayāśca
Ist Rauch oder Wind mit Gift versetzt, so stürzen erschöpfte Vögel zu Boden, und es entstehen Husten, Schnupfen, Kopfschmerzen sowie heftige Augenleiden.
lākṣāharidrā tiviṣābhayābdahareṇakailādalavakrakuṣṭham priyaṅgukāṃ cāpyanale nidhāya dhūmānilau cāpi viśodhayeta
Man lege Lack, *haridrā*, *ativiṣā*, *abhayā*, *abda*, *hareṇaka*, Kardamomblätter, *vakra*, *kuṣṭha* und *priyaṅgu* ins Feuer und reinige so auch Rauch und Wind.
prajāmimāmātmayonerbrahmaṇaḥ sṛjataḥ kila akarodasuro vighnaṃ kaiṭabho nāma darpitaḥ
Als der selbstentstandene Brahmā diese Geschöpfe erschuf, soll ihm ein übermütiger Dämon namens Kaiṭabha ein Hindernis bereitet haben.
tasya kruddhasya vai vaktrādbrahmaṇastejaso nidheḥ krodho vigrahavān bhūtvā nipapātātidāruṇaḥ
Aus dem Mund des zornentbrannten Brahmā, dieses Schatzes an Glanzkraft, fiel sein Zorn, verkörpert und überaus furchtbar, herab.
sa taṃ dadāha garjantamantakābhaṃ mahābalam tato'suraṃ ghātayitvā tattejo'vardhatādbhutam
Er verbrannte jenen brüllenden, todesgleichen, gewaltigen Dämon; nachdem er den Asura getötet hatte, wuchs jener Glanz wundersam an.
tato viṣādo devānāmabhavattaṃ nirīkṣya vai viṣādajananatvācca viṣamityabhidhīyate
Da erfasste die Götter beim Anblick dessen Verzweiflung (*viṣāda*); und weil er Verzweiflung erzeugte, wird er *viṣa* (Gift) genannt.
tataḥ sṛṣṭvā prajāḥ śeṣaṃ tadā taṃ krodhamīśvaraḥ vinyastavān sa bhūteṣu sthāvareṣu careṣu ca
Danach, nachdem er die übrigen Geschöpfe erschaffen hatte, verteilte der Herr jenen Zorn auf die Wesen — auf die *sthāvara* (unbeweglichen, das heißt pflanzlichen und mineralischen) ebenso wie auf die beweglichen.
yathā'vyaktarasaṃ toyamantarīkṣānmahīgatam teṣu teṣu pradeśeṣu rasaṃ taṃ taṃ niyacchati
So wie Regenwasser, das vom Himmel zur Erde herabfällt, an sich geschmacklos ist, aber je nach Ort einen jeweils eigenen Geschmack annimmt,
evameva viṣaṃ yadyaddra vyaṃ vyāpyāvatiṣṭhate svabhāvādeva taṃ tasya rasaṃ samanuvartate
so durchdringt auch das Gift, in welche Substanz es auch eindringt, und nimmt ganz von selbst deren jeweilige Eigenart an.
viṣe yasmādguṇāḥ sarve tīkṣṇāḥ prāyeṇa santi hi viṣaṃ sarvamato jñeyaṃ sarvadoṣaprakopaṇam
Weil im Gift fast alle Eigenschaften scharf ausgeprägt sind, gilt jedes Gift als etwas, das alle drei *doṣa* (Körpersäfte) erregt.
te tu vṛttiṃ prakupitā jahati svāṃ viṣārditāḥ nopayāti viṣaṃ pākamataḥ prāṇān ruṇaddhi ca
Die erregten *doṣa* verlassen, vom Gift gepeinigt, ihre gewohnte Bahn; das Gift selbst gelangt dabei nicht zur Verdauung und blockiert so die Lebenskräfte.
śleṣmaṇā'vṛtamārgatvāducchvāso'sya nirudhyate visaṃjñaḥ sati jīve'pi tasmāttiṣṭhati mānavaḥ
Da die Wege vom *kapha* (Schleim) verlegt sind, wird der Atem des Betroffenen unterdrückt; deshalb bleibt der Mensch, obwohl noch am Leben, bewusstlos liegen.
śukravat sarvasarpāṇāṃ viṣaṃ sarvaśarīragam kruddhānāmeti cāṅgebhyaḥ śukraṃ nirmanthanādiva
Wie der Same durchdringt das Gift den ganzen Körper aller Schlangen; wird die Schlange zornig, tritt es aus ihren Gliedern hervor, so wie Same durch heftige Erregung.
teṣāṃ baḍiśavaddaṃṣṭrāstāsu sajjati cāgatam anuddhattā viṣaṃ tasmānna muñcanti ca bhoginaḥ
Ihre Giftzähne gleichen Angelhaken, an denen das aufsteigende Gift haften bleibt; solange sie nicht gereizt sind, lassen die Schlangen ihr Gift daher nicht los.
yasmādatyarthamuṣṇaṃ ca tīkṣṇaṃ ca paṭhitaṃ viṣam ataḥ sarvaviṣeṣūktaḥ pariṣekastu śītalaḥ
Weil das Gift als überaus heiß und scharf gilt, wird bei allen Giftarten ein *pariṣeka* (kühlendes Übergießen) empfohlen.
mandaṃ kīṭeṣu nātyuṣṇaṃ bahuvātakaphaṃ viṣam ataḥ kīṭaviṣe cāpi svedo na pratiṣidhyate
Bei Insekten ist das Gift schwach, nicht sehr heiß und reich an *vāta* (Wind) und *kapha*; deshalb ist beim Insektengift auch das *sveda* (Schwitzen) nicht untersagt.
kīṭairdaṣṭānugraviṣaiḥ sarpavat samupācaret svabhāvādeva tiṣṭhettu prahārādaṃśayorviṣam
Wer von Insekten mit besonders starkem Gift gebissen wurde, ist wie bei einem Schlangenbiss zu behandeln; von Natur aus verbleibt das Gift jedoch an der Stelle von Schlag und Biss.
vyāpya sāvayavaṃ dehaṃ digdhaviddhāhidaṣṭayoḥ laulyādviṣānvitaṃ māṃsaṃ yaḥ khādenmṛtamātrayoḥ
Bei einem mit vergiftetem Pfeil Getroffenen und bei einem von einer Schlange Gebissenen durchdringt das Gift den ganzen Körper mit allen seinen Teilen. Wer aus Gier das giftgetränkte Fleisch eines solchen Toten isst, kaum dass dieser verstorben ist —
yathāviṣaṃ sa rogeṇa kliśyate mriyate'pi vā ataścāpyanayormāṃsamabhakṣya mṛtamātrayoḥ
der wird, dem Gift entsprechend, von Krankheit gequält oder stirbt gar; deshalb ist das Fleisch dieser beiden — eines Vergifteten oder gerade Verstorbenen — nicht zum Verzehr geeignet.
muhūrtāttadupādeyaṃ prahārādaṃśabarjitam savātaṃ gṛhadhūmābhaṃ purīṣaṃ yo'tisāryate
Erst nach einer gewissen Zeitspanne darf man es verwenden, unter Ausschluss der Stelle von Schlag und Biss. Wer unter starkem, windgetriebenem, hausrauchfarbenem Durchfall leidet,
ādhmāto'tyarthamuṣṇāsro vivarṇaḥ sādapīḍitaḥ udvamatyatha phenaṃ ca viṣapītaṃ tamādiśet
stark aufgebläht ist, heißes Blut hat, verfärbt und von Mattigkeit geplagt ist und dazu Schaum erbricht, den erkenne man als einen, der Gift getrunken hat.
na cāsya hṛdayaṃ vahnirviṣajuṣṭaṃ dahatyapi taddhi sthānaṃ cetanāyāḥ svabhāvāhyāpya tiṣṭhati
Das Verdauungsfeuer verzehrt sein vom Gift ergriffenes Herz jedoch nicht; denn dieses ist der Sitz des Bewusstseins, den das Gift von Natur aus durchdringt und in dem es verharrt.
aśvatthadevāyatanaśmaśānavalmīkasandhyāsu catuṣpatheṣu yāmye sapitrye parivarjanīyā ṛkṣe narā marmasu ye ca daṣṭāḥ
Menschen, die unter einem *aśvattha*-Baum, in einem Götterheiligtum, auf einem Leichenfeld, an einem Ameisenhügel, in der Dämmerung, an einer Kreuzung, bei einem Totenritual oder unter ungünstigem Gestirn gebissen wurden, sowie solche, die an einem *marman* (Vitalpunkt) gebissen wurden, sind aufzugeben.
darvīkarāṇāṃ viṣamāśughāti sarvāṇi coṣṇe dviguṇībhavanti ajīrṇapittātapapīḍiteṣu bālapramehiṣvatha garbhiṇīṣu
Das Gift der Hutschlangen (Kobras) tötet rasch, und alle Gifte verdoppeln sich in der Hitze sowie bei Menschen, die an Verdauungsstörung, *pitta*-Übermaß oder Sonnenhitze leiden, bei Kindern, bei Diabeteskranken und bei Schwangeren,
vṛddhāturakṣīṇabubhukṣiteṣu rūkṣeṣu bhīruṣvatha durdineṣu śastrakṣate yasya na raktameti rājyo latābhiśca na saṃbhavanti
bei Alten, Kranken, Erschöpften, Hungernden, Ausgetrockneten, Ängstlichen sowie bei trübem Wetter. Wessen Wunde von der Waffe kein Blut mehr abgibt und bei dem sich auch durch die Heilkräuter keine heilsamen Adernstreifen mehr zeigen —
śītābhiradbhiśca na romaharṣo viṣābhibhūtaṃ parivarjayettam jihvā sitā yasya ca keśaśāto nāsāvabhaṅgaśca sakaṇṭhabhaṅgaḥ
und wer bei kaltem Wasser keine Gänsehaut mehr bekommt, einen solchen, vom Gift überwältigten Menschen gebe man auf. Ebenso wer eine weiße Zunge hat, dessen Haare ausfallen, dessen Nase eingefallen ist und dessen Stimme gebrochen klingt,
kṛṣṇaḥ saraktaḥ śvayathuśca daṃśe hanvoḥ sthiratvaṃ ca sa varjanīyaḥ vartirghanā yasya nireti vaktrādra ktaṃ sravedūrdhvamadhaśca yasya
wer an der Bisswunde schwarz und blutig geschwollen ist und dessen Kiefer starr geworden sind, ist aufzugeben. Wessen Mund dicken, klebrigen Ausfluss entlässt und wer sowohl oben als auch unten blutet,
daṃṣṭrānipātāḥ sakalāśca yasya taṃ cāpi vaidyaḥ parivarjayettu unmattamatyarthamupadrutaṃ vā hīnasvaraṃ vā'pyathavā vivarṇam
und bei wem sämtliche Einstiche der Giftzähne deutlich zu erkennen sind, den soll auch der Arzt aufgeben — ebenso einen völlig Wahnsinnigen, einen von schweren Begleiterscheinungen Geplagten, einen mit versagender Stimme oder mit verfärbtem Aussehen,
sāriṣṭamatyarthamaveginaṃ ca jahyānnaraṃ tatra na karma kuryāt
und einen mit eindeutigen *ariṣṭa* (Todeszeichen) sowie einen völlig kraftlos Daliegenden — einen solchen Menschen gebe man auf; man unternehme dann keine weitere Behandlung.