Quellen der Menschheit

Suśruta-Saṃhitā · Kalpasthana

Adhyāya 7: mūṣikakalpo Von Mäuse- und Rattenbissen

Das siebte Kapitel behandelt das *mūṣikakalpa*, die Vergiftung durch Bisse von achtzehn namentlich aufgeführten Maus- und Rattenarten, deren Same, Kot oder bloße Berührung Blutverderbnis mit Knoten, Schwellungen und Fieber hervorruft. Für jede Art werden eigene Symptome – etwa Speichelfluss durch Lālana, blasse Hautfarbe durch Putraka – und jeweils passende, meist honiggebundene Kräuterpasten aus Śirīṣa, Taṇḍulīyaka oder Triphalā angegeben, ergänzt um allgemeine Sammelrezepturen und chirurgische Maßnahmen wie Aderlass und Kauterisation. Der zweite Teil widmet sich der Tollwut (*alarka*) bei Hund, Schakal, Wolf und verwandten Raubtieren: Der Gebissene ahmt Laut und Bewegung des Tieres nach, Wasserscheu (*jalatrāsa*) gilt als sicheres Todeszeichen. Neben einer Diät- und Reinigungstherapie mit Dhattūra und Sesam überliefert der Text ein an den Hunde-Yakṣa Sārameya gerichtetes Beschwörungsritual an der Kreuzung, mit dem das Gift des tollwütigen Bisses bewusst erneut hervorgerufen und dann ausgeleitet werden soll.

Die achtzehn Mäuse- und Rattenarten (mūṣikakalpa) (Vers 4–31)
NameLeitsymptome nach BissHeilmittel
LālanaSpeichelfluss, Schluckauf, ErbrechenTaṇḍulīyaka-Paste mit Honig
PutrakaMattigkeit, blasse Haut, Knoten wie junge MäuseŚirīṣa und Iṅguda mit Honig
KṛṣṇaSchwellung, blutiges Erbrechen, an trüben Tagen schlimmerŚirīṣa-Frucht und Kuṣṭha mit Kiṃśuka-Asche
HaṃsiraSpeiseabscheu, Gähnen, HaarsträubenDekokt mit Āragvadha, Erbrechen
CikkiriKopfschmerz, Schwellung, Schluckauf, ErbrechenSud aus Jālinī, Madana, Aṅkoṭha; dazu Alkali aus Yavanāla/Ṛṣabhaka mit beiden Bṛhatī
ChucchundaraDurst, Erbrechen, Fieber, Schwäche, Nackensteifheit, Geruchsverlust, visūcikāCavya, Harītakī, Śuṇṭhī, Viḍaṅga, Pippalī, Honig; dazu Aṅkoṭha-Samen
AlasaNackensteifheit, aufsteigender Wind, Schmerz, FieberMahāgada mit Ghee und Honig
KaṣāyadaśanaSchläfrigkeit, Herzbrennen, AbmagerungŚirīṣa-Kernfrucht und -Rinde mit Honig
KuliṅgaSchmerz, Schwellung, Streifen um die BissstelleSaha und Sindhuvāra mit Honig
AjitaSchwärzung des Körpers, Erbrechen, Ohnmacht, BeklemmungPālindī mit Snuhi-Milchsaft und Mañjiṣṭhā mit Honig
CapalaErbrechen, Ohnmacht, DurstTriphalā, Bhadrakāṣṭha, Jaṭāmāṃsī mit Honig
KapilaWundfäulnis, Fieber, Aufbrechen der Knoten, Durstweiße Punarnavā mit Honig
Kokilaheftige Knoten, Fieber, starkes BrennenGhee gekocht mit Varṣābhū und Nīlinī
Aruṇaerregt vāta – windbedingte KrankheitenSammelrezeptur (s. Hinweis)
Mahākṛṣṇaerregt pittaSammelrezeptur (s. Hinweis)
Śvetaerregt kaphaSammelrezeptur (s. Hinweis)
großer Kapilaerregt das BlutSammelrezeptur (s. Hinweis)
Kapotaerregt alle drei doṣa zugleichSammelrezeptur (s. Hinweis)
Für die letzten fünf Arten (Aruṇa bis Kapota) nennt der Text eine gemeinsame Sammelrezeptur aus Quark, Milch, Ghee, Karañja, Āragvadha u.a. (Vers 28–31) anstelle je eines eigenen Einzelmittels.

athāto mūṣikakalpaṃ vyākhyāsyāmaḥ

Nun wollen wir das Kapitel über die Mäuse- und Rattenvergiftungen (*mūṣikakalpa*) erklären.

yathovāca bhagavān dhanvantariḥ

So, wie es der erhabene Dhanvantari verkündet hat.

pūrvaṃ śukraviṣā uktā mūṣikā ye samāsataḥ nāmalakṣaṇabhaiṣajyairaṣṭādaśa nibodha me

Zuvor wurde von den Mäusen und Ratten gesprochen, deren *śukra* (Same) giftig (*viṣa*, Gift) ist; höre nun von mir kurz gefasst die achtzehn Arten mit ihren Namen, Merkmalen und Heilmitteln.

lālanaḥ putrakaḥ kṛṣṇo haṃsiraścikkiristathā chucchundaro'lasaścaiva kaṣāyadaśano'pi ca

Lālana, Putraka, der schwarze Kṛṣṇa, Haṃsira, ebenso Cikkiri, Chucchundara, Alasa und auch der mit den herben Zähnen, Kaṣāyadaśana –

kuliṅgaścājitaścaiva capalaḥ kapilastathā kokilo'ruṇasaṃjñaśca mahākṛṣṇastathonduraḥ

Kuliṅga und Ajita, Capala, ebenso Kapila, Kokila und der Aruṇa genannte, der große schwarze Mahākṛṣṇa und Unduru,

śvetena mahatā sārdhaṃ kapilenākhunā tathā mūṣikaśca kapotābhastathaivāṣṭādaśa smṛtāḥ

der weiße zusammen mit dem großen, ebenso der kapilafarbene Ākhu, die gewöhnliche Maus (*mūṣika*) und die taubenfarbene – so werden achtzehn Arten überliefert.

śukraṃ patati yatraiṣāṃ śukraspṛṣṭaiḥ spṛśanti vā nakhadantādibhistasmin gātre raktaṃ praduṣyati

Wo immer deren Same fällt, oder wo sie mit vom Samen berührten Nägeln, Zähnen und dergleichen berühren, dort wird an jener Körperstelle das Blut verdorben.

jāyante granthayaḥ śophāḥ karṇikā maṇḍalāni ca pīḍakopacayaścogro visarpāḥ kiṭibhāni ca

Es entstehen Knoten (*granthi*), Schwellungen (*śopha*), knotige Ohrwucherungen (*karṇikā*) und kreisrunde Flecken (*maṇḍala*), heftig anwachsende Pusteln (*pīḍaka*), kriechende Hautausbreitungen (*visarpa*) und *kiṭibha* (ein Hautleiden).

parvabhedo rujastīvrā mūrcchā'ṅgasadanaṃ jvaraḥ daurbalyamaruciḥ śvāso vamathurlomaharṣaṇam

Gelenkschmerz (*parvabheda*), heftige Schmerzen, Ohnmacht (*mūrcchā*), Mattigkeit des Körpers, Fieber (*jvara*), Schwäche, Appetitlosigkeit, Atemnot, Erbrechen und Sträuben der Körperhaare.

daṣṭarūpaṃ samāsoktametadvyāsamataḥ śṛṇu lālāsrāvo lālanena hikkā chardiśca jāyate

Damit ist die Erscheinungsform des Bisses in Kürze genannt; höre nun ausführlich: Durch Lālana entstehen Speichelfluss, Schluckauf und Erbrechen.

taṇḍulīyakakalkaṃ tu lihyāttatra samākṣikam putrakeṇāṅgasādaśca pāṇḍuvarṇaśca jāyate

Man lecke dagegen eine Paste aus *taṇḍulīyaka* mit Honig; durch Putraka entstehen Mattigkeit des Körpers und blasse Hautfarbe.

cīyate granthibhiścāṅgamākhuśāvakasannibhaiḥ śirīṣeṅgudakalkaṃ tu lihyāttatra samākṣikam

Der Körper überzieht sich mit Knoten, die jungen Mäusen gleichen; man lecke dagegen eine Paste aus *śirīṣa* und *iṅguda* mit Honig.

kṛṣṇena daṃśe śopho'sṛkchardiḥ prāyaśca durdine śirīṣaphalakuṣṭhaṃ tu pibet kiṃśukabhasmanā

Durch Kṛṣṇa entstehen an der Bissstelle Schwellung, blutiges Erbrechen, meist verschlimmert an trübem Tag; man trinke Frucht des *śirīṣa* und *kuṣṭha* mit Asche des *kiṃśuka*.

haṃsireṇānnavidveṣo jṛmbhā romṇāṃ ca harṣaṇam pibedāragvadhādiṃ tu suvāntastatra mānavaḥ

Durch Haṃsira entstehen Abscheu vor Speise, Gähnen und Sträuben der Körperhaare; der Mensch trinke dagegen ein Dekokt, beginnend mit *āragvadha*, und erbreche gründlich.

cikkireṇa śiroduḥkhaṃ śopho hikkā vamistathā jālinīmadanāṅkoṭhakaṣāyairvāmayettu tam

Durch Cikkiri entstehen Kopfschmerz, Schwellung, Schluckauf und Erbrechen; man lasse ihn dagegen mit einem Sud aus *jālinī*, *madana* und *aṅkoṭha* erbrechen.

yavanālarṣabhīkṣāraṃ bṛhatyoścātra dāpayet chucchundareṇa tṛṭ chardirjvaro daurbalyameva ca

Man gebe ihm zusätzlich Alkali aus *yavanāla* und *ṛṣabhaka* zusammen mit den beiden *bṛhatī*-Pflanzen; durch Chucchundara entstehen Durst, Erbrechen, Fieber und Schwäche.

grīvāstambhaḥ pṛṣṭhaśopho gandhājñānaṃ visūcikā cavyaṃ harītakī śuṇṭhī viḍaṅgaṃ pippalī madhu

Ferner treten auf: Nackensteifheit, Schwellung des Rückens, Verlust des Geruchssinns und cholera-artige Beschwerden (*visūcikā*); man gebe *cavya*, *harītakī*, *śuṇṭhī*, *viḍaṅga*, *pippalī* und Honig,

aṅkoṭhabījaṃ ca tathā pibedatra viṣāpaham grīvāstambho'lasenordhvavāyurdaṃśe rujā jvaraḥ

sowie den Samen des *aṅkoṭha* – dies trinke man als giftvertreibendes Mittel. Durch Alasa entstehen Nackensteifheit, aufsteigender Wind, Schmerz an der Bissstelle und Fieber.

mahāgadaṃ sasarpiṣkaṃ lihyāttatra samākṣikam nidrā kaṣāyadantena hṛcchoṣaḥ kārśyameva ca

Man lecke dagegen *mahāgada*, mit Ghee und Honig vermischt; durch Kaṣāyadaśana entstehen Schläfrigkeit, Herzbrennen (*hṛcchoṣa*) und Abmagerung.

kṣaudro petāḥ śirīṣasya lihyāt sāraphalatvacaḥ kuliṅgena rujaḥ śopho rājyaśca daṃśamaṇḍale

Man lecke Kernfrucht und Rinde des *śirīṣa*, mit Honig versetzt; durch Kuliṅga entstehen Schmerz, Schwellung und ein Streifen (*rājī*) rings um die Bissstelle.

sahe sasindhuvāre ca lihyāttatra samākṣike ajitenāṅgakṛṣṇatvaṃ chardirmūrcchā ca hṛdgrahaḥ

Man lecke dagegen *saha* zusammen mit *sindhuvāra*, mit Honig vermischt; durch Ajita entstehen Schwärzung des Körpers, Erbrechen, Ohnmacht und ein Beklemmungsgefühl im Herzen.

snukkṣīrapiṣṭāṃ pālindīṃ mañjiṣṭhāṃ madhunā lihet capalena bhavecchardirmūrcchā ca saha tṛṣṇayā

Man lecke *pālindī*, mit dem Milchsaft der *snuhi* zerrieben, und *mañjiṣṭhā* mit Honig; durch Capala entstehen Erbrechen und Ohnmacht zusammen mit Durst.

kṣaudre ṇa triphalāṃ lihyādbhadra kāṣṭhajaṭānvitām kapilena vraṇe kotho jvaro granthyudgamaḥ satṛṭ

Man lecke *triphalā* zusammen mit *bhadra-kāṣṭha* und *jaṭāmāṃsī*, mit Honig vermischt; durch Kapila entstehen Wundfäulnis, Fieber, das Aufbrechen von Knoten und Durst.

lihyānmadhuyutāṃ śvetāṃ śvetāṃ cāpi punarnavām granthayaḥ kokilenogrā jvaro dāhaśca dāruṇaḥ

Man lecke die weiße *punarnavā*, mit Honig versetzt; durch Kokila entstehen heftige Knoten, Fieber und schreckliches Brennen.

varṣābhūnīlinīkvāthakalkasiddhaṃ ghṛtaṃ pibet aruṇenānilaḥ kruddho vātajān kurute gadān

Man trinke Ghee, gekocht mit Sud und Paste von *varṣābhū* und *nīlinī*; durch Aruṇa wird der *vāta* (Wind-Doṣa) erregt und verursacht windbedingte Krankheiten.

mahākṛṣṇena pittaṃ ca śvetena kapha eva ca mahatā kapilenāsṛk kapotena catuṣṭayam

Durch Mahākṛṣṇa wird *pitta* (Gallen-Doṣa) erregt, durch Śveta *kapha* (Schleim-Doṣa), durch den großen Kapila Blut, und durch Kapota alle vier zusammen.

bhavanti caiṣāṃ daṃśeṣu granthimaṇḍalakarṇikāḥ piḍakopacayaścograḥ śophaśca bhṛśadāruṇaḥ

An deren Bissstellen entstehen Knoten, kreisrunde Flecken und knotige Ohrwucherungen, ein heftiges Anwachsen von Pusteln und eine überaus schreckliche Schwellung.

dadhikṣīraghṛtaprasthāstrayaḥ pratyekaśo matāḥ karañjāragvadhavyoṣabṛhatyaṃśumatīsthirāḥ

Von Quark, Milch und Ghee gelten je drei *prastha* (Hohlmaß); dazu *karañja*, *āragvadha*, *vyoṣa*, *bṛhatī*, *aṃśumatī* und *sthirā* –

niṣkvāthya caiṣāṃ kvāthasya caturthaॐ'śa punarbhavet trivṛdgojyamṛtāvakrasarpagandhāḥ samṛttikāḥ

diese lasse man auskochen, bis vom Sud nur noch ein Viertel übrig bleibt; dazu *trivṛt*, Kuhghee, *amṛtā*, *vakra* und *sarpagandhā*, samt etwas Erde,

kapitthadāḍimatvak ca ślakṣṇapiṣṭāḥ pradāpayet tat sarvamekataḥ kṛtvā śanairmṛdvagninā pacet

sowie fein zerriebene Rinde von *kapittha* und Granatapfel gebe man hinzu; dies alles vereinige man und koche es langsam bei mildem Feuer.

pañcānāmaruṇādīnāṃ viṣametadvyapohati kākādanīkākamācyoḥ svaraseṣvathavā kṛtam

Dies vertreibt das Gift der fünf mit Aruṇa beginnenden Mäuse; oder man bereite es mit dem Saft von *kākādanī* und *kākamācī*.

sirāśca srāvayet prāptāḥ kuryāt saṃśodhanāni ca sarveṣāṃ ca vidhiḥ kāryo mūṣikāṇāṃ viṣeṣvayam

Man lasse Blut aus den betroffenen Adern ab und führe reinigende Verfahren (*saṃśodhana*) durch; diese Vorgehensweise gilt für das *viṣa* aller Mäuse und Ratten gemeinsam.

dagdhvā visrāvayeddaṃśaṃ pracchitaṃ ca pralepayet śirīṣarajanīkuṣṭhakuṅkumairamṛtāyutaiḥ

Man kauterisiere die Bissstelle, lasse sie ausbluten, ritze sie ein und bestreiche sie mit einer Paste aus *śirīṣa*, Kurkuma, *kuṣṭha* und Safran, vermischt mit *amṛtā*.

chardanaṃ jālinīkvāthaiḥ śukākhyāṅkoṭhayorapi śukākhyākoṣavatyośca mūlaṃ madana eva ca

Erbrechen erreiche man durch Sud von *jālinī*, sowie von *śukākhya* und *aṅkoṭha*, ebenso durch die Wurzel von *śukākhya* und *koṣavatī* und durch *madana*.

devadālīphalaṃ caiva dadhnā pītvā viṣaṃ vamet sarvamūṣikadaṣṭānāmeṣa yogaḥ sukhāvahaḥ

Auch die Frucht der *devadālī*, mit Quark getrunken, lässt das Gift ausgebrochen werden; dieses Rezept bringt allen von Mäusen und Ratten Gebissenen Linderung.

phalaṃ vacā devadālī kuṣṭhaṃ gomūtrapeṣitam pūrvakalpena yojyāḥ syuḥ sarvonduruviṣacchidaḥ

Frucht, *vacā*, *devadālī* und *kuṣṭha*, mit Kuhurin verrieben und wie zuvor beschrieben angewandt, vertreiben allesamt das Gift der Ratte (*unduru*).

virecane trivṛddantītriphalākalka iṣyate śirovirecane sāraḥ śirīṣasya phalāni ca

Zur Abführung (*virecana*) wird eine Paste aus *trivṛt*, *dantī* und *triphalā* empfohlen; zur Kopfreinigung (*śirovirecana*) der Kernsaft und die Früchte des *śirīṣa*.

hitastrikaṭukāḍhyaśca gomayasvaraso'ñjane kapitthagomayarasau lihyānmākṣikasaṃyutau

Nützlich ist auch, reich an *trikaṭu*, der Saft von Kuhdung als Augensalbe (*añjana*); den Saft von *kapittha* und Kuhdung lecke man mit Honig vermischt.

rasāñjanaharidre ndra yavakaṭvīṣu vā kṛtam prātaḥ sātiviṣaṃ kalkaṃ lihyānmākṣikasaṃyutam

Oder man bereite es mit *rasāñjana*, Kurkuma und *yavakṣāra*; morgens lecke man eine Paste aus *ativiṣā*, mit Honig vermischt.

taṇḍulīyakamūleṣu sarpiḥ siddhaṃ pibennaraḥ āsphotamūlasiddhaṃ vā pañcakāpitthameva vā

Ghee, gekocht mit Wurzeln des *taṇḍulīyaka*, trinke der Mensch; oder mit der Wurzel des *āsphota* gekocht, oder mit den fünf Teilen des *kapittha*.

mūṣikāṇāṃ viṣaṃ prāyaḥ kupyatyabhreṣvanirhṛtam tatrāpyeṣa vidhiḥ kāryo yaśca dūṣīviṣāpahaḥ

Das Gift der Mäuse wird, wenn es nicht ausgeleitet wurde, meist während der Regenzeit erneut erregt; auch dann ist dieses Verfahren anzuwenden, das auch verstecktes Gift (*dūṣīviṣa*) beseitigt.

sthirāṇāṃ rujatāṃ vā'pi vraṇānāṃ karṇikāṃ bhiṣak pāṭayitvā yathādoṣaṃ vraṇavaccāpi śodhayet

Bei verhärteten oder schmerzenden Wunden schneide der Arzt die knotige Wucherung (*karṇikā*) auf und reinige sie, dem jeweiligen *doṣa* entsprechend, wie eine gewöhnliche Wunde.

śvaśṛgālatarakṣvṛkṣavyāghrādīnāṃ yadā'nilaḥ śleṣmapraduṣṭo muṣṇāti saṃjñāṃ saṃjñāvahāśritaḥ

Wenn bei Hund, Schakal, Hyäne, Wolf, Tiger und dergleichen der *vāta*, von *kapha* verdorben, in den bewusstseinstragenden Bahnen wohnend, dem Tier das Bewusstsein raubt,

tadā prasrastalāṅgūlahanuskandho'tilālavān atyarthabadhiro'ndhaśca so'nyonyamabhidhāvati

dann läuft es mit hängendem Schwanz, hängendem Kiefer und hängender Schulter, stark speichelnd, gänzlich taub und blind, wahllos auf jeden zu.

tenonmattena daṣṭasya daṃṣṭriṇā saviṣeṇa tu suptatā jāyate daṃśe kṛṣṇaṃ cātisravatyasṛk

Wird jemand von diesem tollwütigen, giftigen, mit Reißzähnen versehenen Tier gebissen, so entsteht an der Bissstelle Taubheit, und dunkles Blut fließt reichlich heraus.

digdhaviddhasya liṅgena prāyaśaścopalakṣitaḥ yena cāpi bhaveddaṣṭastasya ceṣṭāṃ rutaṃ naraḥ

Wer von einem giftbehafteten Tier verletzt wurde, wird meist an eben diesen Zeichen erkannt: Der gebissene Mensch ahmt Bewegung und Laut desjenigen Tieres nach, von dem er gebissen wurde.

bahuśaḥ pratikurvāṇaḥ kriyāhīno vinaśyati daṃṣṭriṇā yena daṣṭaśca tadrū paṃ yastu paśyati

Wird er wiederholt behandelt, ohne dass die Behandlung vollständig ist, so geht er zugrunde. Und wer immer, von einem reißzahnbewehrten Tier gebissen, dessen Gestalt erblickt –

apsu vā yadi vā'darśe'riṣṭaṃ tasya vinirdiśet trasyatyakasmādyo'bhīkṣṇaṃ dṛṣṭvā spṛṣṭvā'pi vā jalam

sei es im Wasser oder im Spiegel –, dem sage man ein Todeszeichen (*ariṣṭa*) voraus. Wer, wiederholt Wasser erblickend oder berührend, plötzlich in Schrecken gerät,

jalatrāsaṃ tu vidyāttaṃ riṣṭaṃ tadapi kīrtitam adaṣṭo vā jalatrāsī na kathañcana sidhyati

den erkenne man als von Wasserscheu (*jalatrāsa*) befallen – auch dies gilt als verkündetes Todeszeichen. Wer von Wasserscheu befallen ist, ohne gebissen worden zu sein, wird auf keine Weise geheilt.

prasupto'thotthito vā'pi svasthastrasto na sidhyati daṃśaṃ visrāvya tairdaṣṭe sarpiṣā paridāhitam

Ob schlafend oder erwacht, ob scheinbar gesund, aber innerlich erschreckt – er wird nicht geheilt. Bei dem von ihnen Gebissenen lasse man die Bissstelle ausbluten und kauterisiere sie mit heißem Ghee,

pradihyādagadaiḥ sarpiḥ purāṇaṃ pāyayeta ca arkakṣīrayutaṃ hyasya dadyāccāpi viśodhanam

bestreiche sie mit Gegengiften (*agada*) und gebe altes Ghee zu trinken; auch reiche man ihm ein Reinigungsmittel, versetzt mit dem Milchsaft der *arka*-Pflanze.

śvetāṃ punarnavāṃ cāsya dadyāddhattūrakāyutām palalaṃ tilatailaṃ ca rūpikāyāḥ payo guḍaḥ

Man gebe ihm weiße *punarnavā*, mit *dhattūra* versetzt; ebenso Sesammus, Sesamöl, die Milch der *rūpikā* und Rohzucker.

nihanti viṣamālarkaṃ meghavṛndamivānilaḥ mūlasya śarapuṅkhāyāḥ karṣaṃ dhattūrakārdhikam

So vernichtet man das Gift des *alarka* (des tollwütigen Hundes), wie der Wind eine Wolkenmasse vertreibt: einen *karṣa* (Gewichtsmaß) Wurzel der *śarapuṅkhā* und einen halben *karṣa* *dhattūra*.

taṇḍulodakamādāya peṣayettaṇḍulaiḥ saha unmattakasya patraistu saṃveṣṭhyāpūpakaṃ pacet

Man nehme Reiswasser und zerreibe es zusammen mit Reiskörnern; in Blätter des *unmattaka* eingewickelt, backe man daraus einen Kuchen.

khādedauṣadhakāle tamalarkaviṣadūṣitaḥ karoti śvavikārāṃstu tasmiñjīryati cauṣadhe

Diesen esse zur Zeit der Arznei, wer vom Gift des *alarka* verdorben ist; er zeigt dabei hundeartige Symptome, doch sobald die Arznei verdaut ist,

vikārāḥ śiśire yāpyā gṛhe vārivivarjite tataḥ śāntavikārastu snātvā caivāpare'hani

klingen die Symptome ab; man halte ihn in der kühlen Jahreszeit in einem Haus ohne Wasser aus. Sind die Symptome dann beruhigt, so bade er am folgenden Tag

śāliṣaṣṭikayorbhaktaṃ kṣīreṇoṣṇena bhojayet dinatraye pañcame vā vidhireṣo'dhamātrayā

und werde mit Reis von *śāli* oder *ṣaṣṭika* und heißer Milch gespeist; drei Tage lang, oder bis zum fünften – so lautet diese Behandlung in verringerter Dosis.

kartavyo bhiṣajā'vaśyamalarkaviṣanāśanaḥ kupyet svayaṃ viṣaṃ yasya na sa jīvati mānavaḥ

Die Vernichtung des Alarka-Giftes muss vom Arzt unbedingt vorgenommen werden; wessen Gift von selbst erneut aufflammt, jener Mensch überlebt nicht.

tasmāt prakopayedāśu svayaṃ yāvat prakupyati bījaratnauṣadhīgarbhaiḥ kumbhaiḥ śītāmbupūritaiḥ

Deshalb errege man es rasch künstlich, solange es von selbst erregbar ist – mit Krügen, gefüllt mit kaltem Wasser, in denen Samen, Edelsteine und Heilkräuter eingelegt sind,

snāpayettaṃ nadītīre samantrairvā catuṣpathe bali nivedya tatrāpi piṇyākaṃ palalaṃ dadhi

bade man ihn am Flussufer, oder, von Mantras begleitet, an der Kreuzung vierer Wege; dort bringe man auch ein Opfer dar – Ölkuchen, Sesammus, Quark,

mālyāni ca vicitrāṇi māṃsaṃ pakvāmakaṃ tathā alakādhipate yakṣa sārameyagaṇādhipa

bunte Blumengirlanden und Fleisch, gekocht wie auch roh – mit den Worten: 'O Yakṣa, Herr von Alakā, Herr der Hundeschar (*sārameya*),'

alarkajuṣṭametanme nirviṣaṃ kuru mācirāt dadyāt saṃśodhanaṃ tīkṣṇamevaṃ snātasya dehinaḥ

'mach mir diesen, der vom *alarka* heimgesucht wurde, ohne Zögern giftfrei.' So bade man den Kranken und gebe ihm anschließend eine scharfe Reinigungstherapie (*saṃśodhana*).

aśuddhasya surūḍhe'pi vraṇe kupyati tadviṣam śvādayo'bhihitā vyālā ye'tra daṃṣṭrāviṣā mayā

Bei einem Ungereinigten flammt jenes Gift selbst in einer bereits gut verheilten Wunde wieder auf. Die reißzahngiftigen Raubtiere, angefangen bei Hund und dergleichen, wurden von mir hier genannt;

ataḥ karoti daṣṭastu teṣāṃ ceṣṭāṃ rutaṃ naraḥ bahuśaḥ pratikurvāṇo na cirānmriyate ca saḥ

daher ahmt der gebissene Mensch deren Bewegung und Laut nach; wird er wiederholt behandelt, so stirbt er nicht so bald.

nakhadantakṣataṃ vyālairyatkṛtaṃ tadvimardayet siñcettailena koṣṇena te hi vātaprakopakāḥ

Die von den Raubtieren mit Nägeln und Zähnen geschlagene Wunde massiere man sanft und übergieße sie mit lauwarmem Öl, denn solche Verletzungen erregen den *vāta*.

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