Quellen der Menschheit

Suśruta-Saṃhitā · Kalpasthana

Adhyāya 8: kīṭakalpo Von den Insektengiften

Das achte und letzte Kapitel des Kalpasthāna, *kīṭakalpa*, behandelt die Gifte von Insekten (*kīṭa*) und Spinnen und beschließt zugleich die gesamte Suśruta-Saṃhitā. Insekten gelten als aus Samen, Kot, Urin, Kadavern und verdorbenen Eiern von Schlangen entstanden und werden in vier, den drei *doṣa* beziehungsweise allen dreien zugeordnete Klassen mit insgesamt siebenundsechzig Arten gegliedert – darunter Wanzen (*kaṇabha*), Tausendfüßler, froschartige Insekten, Ameisen, Bienen und Mücken, jede mit eigenen Symptomen und Kräutergegenmitteln. Ausführlich beschrieben sind auch zwanzig Skorpionarten in drei Giftstärkegraden, deren Herkunft aus faulendem Mist, Holz beziehungsweise Schlangenkadavern erklärt wird. Den größten Raum nimmt das gefürchtete Spinnengift (*lūtāviṣa*) ein: Eine Rahmenerzählung leitet den Namen *lūtā* vom Zornesschweiß des Weisen Vaśiṣṭha auf geschnittenes (*lūna*) Gras her; sechzehn Spinnenarten, acht schwer heilbare und acht unheilbare, werden mit siebentägigem Verlauf, eigenen Symptomen, Rezepturen und chirurgischer Exzision behandelt. Abschließende Verse resümieren die 167 Insektenarten, die Gliederung des Gesamtwerks in hundertzwanzig Kapitel und schließen mit einem Lob der Heilkunst als der den Veden ebenbürtigen Wissenschaft.

Insektengruppen (kīṭa) mit Symptomen und Gegenmitteln (Vers 26–55)
GruppeAnzahlSymptome nach BissGegenmittel
Kaṇabha4Schwellung, Gliederschmerz, Schwere, schwarze BissstelleKuṣṭha, Vakra, Vacā, Pāṭhā, Bilva-Wurzel u.a.
Godheraka5Schwellung, Brennen, Schmerz; bei Godhereka zudem Knoten und Fiebernicht einzeln genannt
Galagolikā6Brennen, Schwellung, Nässen (außer Sarṣapikā: Herzschmerz, Durchfall, lebensbedrohlich)Rajanī, Hausruß, Vakra, Kuṣṭha, Palāśa-Asche
Tausendfüßler (śatapadī)8Schwellung, Schmerz, Brennen im Herzbereich; weiße/feuerglänzende Art zusätzlich Ohnmacht, weiße PustelnKuṅkuma, Tagara, Śigru, Padmaka, Rajanī
froschartige Insekten (māṇḍūka)8Juckreiz, gelber Mundschaum; Bhṛkuṭī/Koṭika zusätzlich Brennen, Erbrechen, OhnmachtMeṣaśṛṅgī, Vacā, Pāṭhā, Nicula, Rohiṇī
Ameisen (pipīlikā)6Schwellung, Brennen wie durch FeuerberührungErde aus schwarzem Termitenhügel mit Kuhurin
Bienen (makṣikā)6Juckreiz, Schwellung, Brennen, Schmerz; Sthālikā/Kāṣāyī lebensbedrohlichErde aus schwarzem Termitenhügel mit Kuhurin
Mücken (maśaka)5heftiger Juckreiz, Schwellung; Gebirgsmücke lebensbedrohlichErde aus schwarzem Termitenhügel mit Kuhurin
Vier weitere Einzelgruppen (Viśvambharā, Ahiṇḍukā, Kaṇḍūmakā, Śūkavṛntā) sowie zwanzig Skorpionarten in drei Giftstufen werden im Kapitel gesondert mit je eigenen Symptomen und Gegenmitteln behandelt.
Spinnenarten (lūtāviṣa) mit Heilbarkeit und Gegenmitteln (Vers 93–127)
NameKategorieBissmerkmaleGegenmittel
Trimaṇḍalāmühsam heilbarschwarzes Blut, aufgerissene Bissstelle, Schwerhörigkeit, AugentrübungArka-Wurzel, Rajanī, Nākulī, Pṛśniparṇikā
weiße Spinnemühsam heilbarweiße juckende Pustel, Brennen, Ohnmacht, Fieber, NässenCandana, Rāsnā, Elā u.a.
Kapikāmühsam heilbarfeste kupferfarbene Pustel, Kopfschwere, SchwindelPadmaka, Kuṣṭha, Elā u.a.
Pītikāmühsam heilbarfeste gelbe Pustel, Erbrechen, Fieber, roter KopfschmerzKuṭaja, Uśīra, Padmaka u.a.
Āla-Mūtraviṣāmühsam heilbarrotfleckartige Bissstelle, senfkorngroße Pusteln, GaumentrockenheitPriyaṅgu, Hrībera, Kuṣṭha u.a.
rote Spinnemühsam heilbarblasse Pusteln, Brennen, Nässen, blutiger RandCandana, Uśīra, Padmaka, Arjuna
Kasanāmühsam heilbarschleimiges, kühles Blut, Husten, Atemnotwie bei roter Spinne
schwarze Spinnemühsam heilbarkotartiger Geruch, wenig Blut, Fieber, Ohnmacht, HustenElā, Vakra, Sarpākṣī u.a.
Agnivaktrāmühsam heilbarBrennen, Ausfluss, Fieber, BlasenbildungSārivā, Uśīra, Candana u.a.
Sauvarṇikāunheilbarrauchfarben, schaumig, fischartiger Geruch, Atemnot, Ohnmachtlindernde Behandlung nach Erklärung der Unheilbarkeit
Lājavarṇāunheilbarrauchfarbenes, übelriechendes Blut, Ohnmacht, Kopfschmerzebenso
JālinīunheilbarBissstelle reißt in Streifen auf, Erstarrung, Atemnotebenso
Eṇīpadīunheilbarwie schwarze Sesamkörner, Durst, Fieber, Hustenebenso
Kākāṇḍikāunheilbarblassrote, schmerzhafte Bissstelle, Herzbeschwerdenebenso
Mālāguṇāunheilbarrot, rauchig riechend, Körperzerfall, Brennenebenso
Von den sechzehn überlieferten Spinnenarten sind acht mühsam heilbar und acht unheilbar; bei den unheilbaren wird nach Erklärung der Unheilbarkeit dennoch eine lindernde Behandlung angewandt, jedoch ohne Kauterisation und Einschnitt.

athātaḥ kīṭakalpaṃ vyākhyāsyāmaḥ

Nun werden wir das Kapitel über die *kīṭakalpa* (Lehre von den Insektengiften) erklären.

yathovāca bhagavān dhanvantariḥ

So, wie es der erhabene Dhanvantari verkündet hat.

sarpāṇāṃ śukraviṇmūtraśavapūtyaṇḍasaṃbhavāḥ vāyvagnyambuprakṛtayaḥ kīṭāstu vividhāḥ smṛtāḥ

Aus dem Samen, dem Kot, dem Urin, den Leichen und den verfaulten Eiern der Schlangen entstehen die *kīṭa* (Insekten) in vielfältiger Gestalt; man kennt sie als von der Natur (*prakṛti*) des Windes, des Feuers und des Wassers geprägt.

sarvadoṣaprakṛtibhiryuktāste pariṇāmataḥ kīṭatve'pisughorāḥ syuḥ sarva eva caturvidhāḥ

Sie sind mit der Natur aller *doṣa* (Körpersäfte: *vāta*, *pitta*, *kapha*) verbunden und werden durch Umwandlung (*pariṇāma*), obwohl sie nur Insekten sind, überaus furchterregend; sie alle gehören insgesamt vier Klassen an.

kumbhīnasastuṇḍikerī śṛṅgī śatakulīrakaḥ ucciṭiṅgo'gnināmā ca cicciṭiṅgo mayūrikā

Kumbhīnasa, Tuṇḍikerī, Śṛṅgī, Śatakulīraka, Ucciṭiṅga, Agnināman, Cicciṭiṅga und Mayūrikā —

āvartakastathorabhraḥ sārikāmukhavaidalau śarāvakurdo'bhīrājiḥ paruṣaścitraśīrṣakaḥ

Āvartaka, ferner Orabhra, Sārikāmukha und Vaidala, Śarāvakurda, Abhīrāji, Paruṣa und Citraśīrṣaka —

śatabāhuśca yaścāpi raktarājiśca kīrtitaḥ aṣṭādaśeti vāyavyāḥ kīṭāḥ pavanakopanāḥ

sowie Śatabāhu und der als Raktarāji bekannte: das sind die achtzehn windartigen (*vāyavya*) Insekten, welche den *vāta* (Wind-Doṣa) erregen.

tairbhavantīha daṣṭānāṃ rogā vātanimittajāḥ kauṇḍinyakaḥ kaṇabhako varaṭī patravṛścikaḥ

Durch sie entstehen bei den Gebissenen Krankheiten, die durch *vāta* verursacht werden. Kauṇḍinyaka, Kaṇabhaka, Varaṭī, Patravṛścika,

vināsikā brāhmaṇikā bindulo bhramarastathā bāhyakī picciṭaḥ kumbhī varcaḥkīṭo'rimedakaḥ

Vināsikā, Brāhmaṇikā, Bindula, Bhramara, Bāhyakī, Picciṭa, Kumbhī, Varcaḥkīṭa und Arimedaka,

padmakīṭo dundubhiko makaraḥ śatapādakaḥ pañcālakaḥ pākamatsyaḥ kṛṣṇatuṇḍo'tha gardabhī

Padmakīṭa, Dundubhika, Makara, Śatapādaka, Pañcālaka, Pākamatsya, Kṛṣṇatuṇḍa und Gardabhī,

klītaḥ kṛmisarārī ca yaścāpyutkleśakastathā ete hyagniprakṛtayaścaturviṃśatireva ca

sowie Klīta, Kṛmisarāri und Utkleśaka: dies sind die vierundzwanzig Insekten von der Natur des Feuers (*agni*, entsprechend *pitta*).

tairbhavantīha daṣṭānāṃ rogāḥ pittanimittajāḥ viśvambharaḥ pañcaśuklaḥ pañcakṛṣṇo'thakokilaḥ

Durch sie entstehen bei den Gebissenen Krankheiten, die durch *pitta* verursacht werden. Viśvambhara, Pañcaśukla, Pañcakṛṣṇa und Kokila,

saireyakaḥ pracalako valabhaḥ kiṭibhastathā sūcīmukhaḥ kṛṣṇagodhā yaśca kāṣāyavāsikaḥ

Saireyaka, Pracalaka, Valabha, Kiṭibha, Sūcīmukha, Kṛṣṇagodhā und der als Kāṣāyavāsika Bekannte,

kīṭo gardabhakaścaiva tathā troṭaka eva ca trayodaśaite saumyāḥ syuḥ kīṭāḥ śleṣmaprakopaṇāḥ

sowie Kīṭa, Gardabhaka und Troṭaka: dies sind die dreizehn dem Mond zugehörigen (*saumya*) Insekten, welche den *kapha* (Schleim-Doṣa) erregen.

tairbhavantīha daṣṭānāṃ rogāḥ kaphanimittajāḥ tuṅgīnāso vicilakastālako vāhakastathā

Durch sie entstehen bei den Gebissenen Krankheiten, die durch *kapha* verursacht werden. Tuṅgīnāsa, Vicilaka, Tālaka und Vāhaka,

koṣṭhāgārī krimikaro yaśca maṇḍalapucchakaḥ tuṇḍāgnyābhaḥ sarṣapiko valguli śambukastathā

Koṣṭhāgārī, Krimikara, Maṇḍalapucchaka, Tuṇḍāgnyābha, Sarṣapika, Valguli und Śambuka,

agnikīṭaśca vijñeyā dvādaśa prāṇanāśanāḥ tairbhavantīha daṣṭānāṃ vegajñānāni sarpavat

sowie Agnikīṭa: man kennt diese als die zwölf lebensvernichtenden (*prāṇanāśana*) Insekten. Bei den durch sie Gebissenen sind die Verlaufsstadien (*vega*) des Giftes wie bei einem Schlangenbiss zu erkennen.

tāstāśca vedanāstīvrā rogā vai sānnipātikāḥ kṣārāgnidagdhavaddaṃśo raktapītasitāruṇaḥ

Jene heftigen Schmerzen und Erkrankungen sind von dreifach-doṣischer Natur (*sānnipātika*, alle drei *doṣa* zugleich betreffend); die Bissstelle ist wie durch Ätzmittel oder Feuer verbrannt und erscheint rot, gelb, weiß oder rötlich.

jvarāṅgamardaromāñcavedanābhiḥ samanvitaḥ chardyatīsāratṛṣṇāśca dāho mūrcchā vijṛmbhikā

Sie ist begleitet von Fieber, Gliederschmerzen, Hautausschlag und Schmerzen sowie von Erbrechen, Durchfall, Durst, Brennen, Ohnmacht und Gähnen.

vepathuśvāsahikkāśca dāhaḥ śītaṃ ca dāruṇam piḍakopacayaḥ śopho granthayo maṇḍalāni ca

Zittern, Atemnot, Schluckauf, schreckliches Brennen und Kälte, Anhäufung von Pusteln, Schwellung, Knoten und ringförmige Flecken treten auf.

dadra vaḥ karṇikāścaiva visarpāḥ kiṭibhāni ca tairbhavantīha daṣṭānāṃ yathāsvaṃ cāpyupadra vāḥ

Ringflechte, Warzen, kriechende Hautentzündung (*visarpa*) und Ekzeme treten auf. Bei den so Gebissenen entstehen entsprechend auch weitere Begleiterscheinungen (*upadrava*).

ye'nye teṣāṃ viśeṣāstu tūrṇaṃ teṣāṃ samādiśet dūṣīviṣaprakopācca tathaiva viṣalepanāt

Welche weiteren Besonderheiten es bei ihnen gibt, soll man rasch angeben - ebenso bei der Erregung von latentem Gift (*dūṣīviṣa*, ein im Körper verborgenes, erst später wirksam werdendes Gift) und beim Bestreichen mit Gift.

liṅgaṃ tīkṣṇaviṣeṣvetacchṛṇu mandaviṣeṣvataḥ prasekārocakacchardiśirogauravaśītakāḥ

Dies waren die Zeichen bei scharfem Gift (*tīkṣṇaviṣa*); höre nun von den milden Giften (*mandaviṣa*): vermehrter Speichelfluss, Appetitlosigkeit, Erbrechen, Kopfschwere und Kälteschauer,

piḍakākoṭhakaṇḍūnāṃ janma doṣavibhāgataḥ yogairnānāvidhaireṣāṃ cūrṇāni garamādiśet

sowie das Entstehen von Pusteln, Quaddeln und Juckreiz, je nach Aufteilung der *doṣa*. Für diese soll man verschiedenartige Rezepturen und Pulver als Gegengift verordnen.

dūṣīviṣaprakārāṇāṃ tathā cāpyanulepanāt ekajātīnatastūrdhvaṃ kīṭān vakṣyāmi bhedataḥ

Ebenso die Zeichen der Arten des latenten Giftes und jene, die durch Bestreichung entstehen. Danach werde ich die Insekten, die eine einzige Giftart verursachen, im Einzelnen der Reihe nach beschreiben.

sāmānyato daṣṭaliṅgaiḥ sādhyāsādhyakrameṇa ca trikaṇṭaḥ kariṇī cāpi hastikakṣo'parājitaḥ catvāra ete kaṇabhā vyākhyātāstīvravedanāḥ

Ich werde sie mit den allgemeinen Zeichen des Bisses und mit der Ordnung von Heilbarkeit und Unheilbarkeit beschreiben. Trikaṇṭa, Kariṇī, Hastikakṣa und Aparājita: diese vier werden als *kaṇabha* (Wanzen) mit heftigen Schmerzen bezeichnet.

tairdaṣṭasya śvayathuraṅgamardo gurutā gātrāṇāṃ daṃśaḥ kṛṣṇaśca bhavati

Bei dem von ihnen Gebissenen entstehen Schwellung, Gliederschmerzen und Schwere der Glieder, und die Bissstelle wird schwarz.

pratisūryakaḥ piṅgābhāso bahuvarṇo nirūpamo godhereka iti pañca godherakāḥ tairdaṣṭasya śopho dāharujau ca bhavataḥ godherakeṇaitadeva granthiprādurbhāvo jvaraśca

Pratisūryaka, der rötlich-gelb schimmernde, der vielfarbige, der unvergleichliche und der Godhereka: dies sind die fünf *godheraka*. Bei dem von ihnen Gebissenen entstehen Schwellung, Brennen und Schmerz; durch den Godhereka entstehen zudem das Auftreten von Knoten und Fieber.

galagolikāśvetā kṛṣṇā raktarājī raktamaṇḍalā sarvaśvetā sarṣapiketyevaṃ ṣaṭ tābhirdaṣṭe sarṣapikāvarjaṃ dāhaśophakledā bhavanti sarṣapikayā hṛdayapiḍā'tisāraśca tāsu madhye sarṣapikā prāṇaharī

Die Galagolikā-Arten sind die weiße, die schwarze, die Raktarājī, die Raktamaṇḍalā, die ganz weiße und die Sarṣapikā - insgesamt sechs. Bei dem von ihnen Gebissenen entstehen, außer bei der Sarṣapikā, Brennen, Schwellung und Nässen; durch die Sarṣapikā entstehen Herzschmerz und Durchfall. Unter ihnen ist die Sarṣapikā lebensbedrohlich.

śatapadyastuparuṣā kṛṣṇā citrā kapilā pītikā raktā śvetā agniprabhā ityaṣṭau tābhirdaṣṭe śopho vedanā dāhaśca hṛdaye śvetāgniprabhābhyāmetadeva dāho mūrcchā cātimātraṃ śvetapiḍakotpattiśca

Die Tausendfüßler (*śatapadī*) sind die raue, die schwarze, die bunte, die braune, die gelbe, die rote, die weiße und die feuerglänzende - insgesamt acht. Bei dem von ihnen Gebissenen entstehen Schwellung, Schmerz und Brennen im Herzbereich; durch die weiße und die feuerglänzende entstehen zudem starkes Brennen, Ohnmacht und die Bildung weißer Pusteln.

maṇḍūkāḥkṛṣṇaḥ sāraḥ kuhako harito rakto yavavarṇābho bhṛkuṭī koṭikaścetya-ṣṭau tairdaṣṭasya daṃśekaṇḍūrbhavati pītaphenāgamaśca vaktrāt bhṛkuṭīkoṭikābhyāmetadeva dāhaśchardirmūrcchā cātimātram

Die froschartigen Insekten (*maṇḍūka*) sind der schwarze, der Sāra, der Kuhaka, der grüne, der rote, der gerstenfarbene, der Bhṛkuṭī und der Koṭika - insgesamt acht. Bei dem von ihnen Gebissenen entsteht an der Bissstelle Juckreiz, und gelber Schaum tritt aus dem Mund; durch den Bhṛkuṭī und den Koṭika entstehen zudem starkes Brennen, Erbrechen und Ohnmacht.

viśvambharābhirdaṣṭe daṃśaḥ sarṣapākārābhiḥ piḍakābhiḥ sarujābhiścīyate śītajvarārtaśca puruṣo bhavati

Bei dem von den Viśvambharā Gebissenen füllt sich die Bissstelle mit senfkorngroßen, schmerzhaften Pusteln, und er wird von Schüttelfrost und Fieber gequält.

ahiṇḍukābhirdaṣṭe todadāhakaṇḍuśvayathavo bhavanti mohaśca kaṇḍūmakābhirdaṣṭe pītāṅga śchardyatīsārajvarādibhirabhihanyate śūkavṛntābhirdaṣṭe kaṇḍūkoṭhāḥ pravardhante śūkaṃ cātra lakṣyate

Bei dem von den Ahiṇḍukā Gebissenen entstehen Stechen, Brennen, Juckreiz, Schwellung und Bewusstseinstrübung. Bei dem von den Kaṇḍūmakā Gebissenen wird der Körper gelb, und er wird von Erbrechen, Durchfall, Fieber und Ähnlichem befallen. Bei dem von den Śūkavṛntā Gebissenen breiten sich Juckreiz und Quaddeln aus, und man erkennt dort eine grannenartige Erhebung.

pipīlikāḥsthūlaśīrṣā saṃvāhikā brāhmaṇikā aṅgulikā kapilikā citravarṇeti ṣaṭ tābhirdaṣṭe daṃśe śvayathuragnisparśavaddāhaśophau bhavataḥ

Die Ameisen (*pipīlikā*) sind die dickköpfige, die Saṃvāhikā, die Brāhmaṇikā, die Aṅgulikā, die Kapilikā und die buntfarbige - insgesamt sechs. Bei dem von ihnen Gebissenen entstehen an der Bissstelle Schwellung sowie ein Brennen, als hätte man Feuer berührt.

makṣikāḥkāntārikā kṛṣṇā piṅgalā madhūlikā kāṣāyī sthāliketyevaṃ ṣaṭ tābhirdaṣṭasya kaṇḍuśophadāharujo bhavanti sthālikākāṣāyībhyāmetadeva śyāvapiḍakotpattirupadra vāśca jvarādayo bhavanti kāṣāyī sthālikā ca prāṇahare

Die Bienen (*makṣikā*) sind die Kāntārikā, die schwarze, die gelblich-braune, die Madhūlikā, die Kāṣāyī und die Sthālikā - insgesamt sechs. Bei dem von ihnen Gebissenen entstehen Juckreiz, Schwellung, Brennen und Schmerz; durch die Sthālikā und die Kāṣāyī entstehen zudem bräunlich-graue Pusteln sowie als Begleiterscheinungen Fieber und Ähnliches. Die Kāṣāyī und die Sthālikā sind lebensbedrohlich.

maśakāḥ sāmudraḥ parimaṇḍalo hastimaśakaḥ kṛṣṇaḥ pārvatīya iti pañca tairdaṣṭasya tīvrā kaṇḍūrdaṃśaśophaśca pārvatīyastu kīṭaiḥ prāṇaharaistulyalakṣaṇaḥ

Die Mücken (*maśaka*) sind die Küstenmücke, die kreisrunde, die Elefantenmücke, die schwarze und die Gebirgsmücke - insgesamt fünf. Bei dem von ihnen Gebissenen entstehen heftiger Juckreiz und Schwellung der Bissstelle; die Gebirgsmücke aber gleicht in ihren Merkmalen den lebensbedrohlichen Insekten.

nakhāvakṛṣṭe'tyarthaṃ piḍakādāhapākā bhavanti jalaukasāṃ daṣṭalakṣaṇamuktaṃ cikitsitaṃ ca

Wird die Stelle heftig mit den Fingernägeln aufgekratzt, entstehen Pusteln, Brennen und Eiterung. Die Merkmale des Blutegelbisses sowie dessen Behandlung wurden bereits dargelegt.

bhavanti cātra godherakaḥ sthālikā ca ye ca śvetāgnisaprabhe bhṛkuṭī koṭikaścaiva na sidhyantyekajātiṣu

Und hierbei gilt: der Godheraka, die Sthālikā sowie die weiße und die feuerfarbene Śatapadī, der Bhṛkuṭī und der Koṭika lassen sich nicht mit den Mitteln behandeln, die nur für einartige Gifte gelten.

śavamūtrapurīṣaistu saviṣairavamarśanāt syuḥ kaṇḍūdāhakoṭhāruḥpiḍakātodavedanāḥ

Durch Berührung mit dem giftigen Urin und Kot von Leichen entstehen Juckreiz, Brennen, Quaddeln, wunde Stellen, Pusteln und stechende Schmerzen.

prakledavāṃstathā srāvo bhṛśaṃ saṃpācayettvacam digdhaviddhakriṃyāstatra yathāvadavacārayet

Ebenso entstehen starke Nässung und Ausfluss, welche die Haut heftig zum Eitern bringen. Dabei soll man vorgehen, wie es für Bestrichenes (*digdha*), Gestochenes (*viddha*) und von Würmern (*kṛmi*) Befallenes vorgeschrieben ist.

nāvasannaṃ na cotsannamatisaṃrambhavedanam daṃśādau viparītārti kīṭadaṣṭaṃ subādhakam

Ein Insektenbiss, dessen Schmerz weder eingesunken noch erhaben, sondern von übermäßiger Entzündung und Schmerz geprägt ist und dessen Anfangsverlauf dem üblichen widerspricht, ist besonders quälend.

daṣṭānugraviṣaiḥ kīṭaiḥ sarpavat samupācaret trividhānāṃ tu pūrveṣāṃ traividhyena kriyā hitāḥ

Wer von Insekten mit starkem Gift gebissen wurde, soll wie bei einem Schlangenbiss behandelt werden. Für die drei zuvor genannten Klassen sind die Behandlungen entsprechend der drei *doṣa* heilsam.

svedamālepanaṃ sekaṃ coṣṇamatrāvacārayet anyatra mūrcchitāddaṃśāt pākakothaprapīḍitāt

Man soll hierbei Schwitzbehandlung (*sveda*), Einreibung (*ālepana*) und warme Begießung (*seka*) anwenden, außer bei einer Bissstelle, die von Ohnmacht, Eiterung und Fäulnis (*kotha*) betroffen ist.

viṣaghnaṃ ca vidhiṃ sarvaṃ bahuśaḥ śodhanāni ca śirīṣakaṭukākuṣṭhavacārajanisaindhavaiḥ

Man soll auch das gesamte giftvernichtende Verfahren anwenden sowie wiederholt reinigende Mittel (*śodhana*) mit Śirīṣa, Kaṭukā, Kuṣṭha, Vacā, Rajanī (Kurkuma) und Steinsalz (*saindhava*).

kṣīramajjavasāsarpiḥśuṇṭhīpippalidāruṣu utkārikā sthirādau vā sukṛtā svedane hitā

Ein Brei (*utkārikā*) aus Milch, Knochenmark, Fett, Ghee, Ingwer, Pippalī und Dāru (Zeder), oder ein gut zubereiteter aus Sthirā und ähnlichen Kräutern, ist zum Schwitzen heilsam.

na svedayeta cādaṃśaṃ dhūmaṃ vakṣyāmi vṛścike agadānekajātīṣu pravakṣyāmi pṛthak pṛthak

Man soll die Bissstelle jedoch nicht übermäßig schwitzen. Nun werde ich die Räucherung (*dhūma*) beim Skorpionsbiss beschreiben; die Gegengifte (*agada*) für die einartigen Insekten werde ich einzeln, eines nach dem anderen, darlegen.

kuṣṭhaṃ vakraṃ vacā pāṭhā bilvamūlaṃ suvarcikā gṛhadhūmaṃ haridre dve trikaṇṭakaviṣe hitāḥ

Kuṣṭha, Vakra, Vacā, Pāṭhā, Bilva-Wurzel, Suvarcikā und Ruß aus dem Hausfeuer sowie die beiden Haridrā-Arten (Kurkuma) sind heilsam bei dem Gift des Trikaṇṭaka.

rajanyāgāradhūmaśca vakraṃ kuṣṭhaṃ palāśajam galagolikadaṣṭānāmagado viṣanāśanaḥ

Rajanī, Ruß aus dem Haus, Vakra, Kuṣṭha und die Asche des Palāśa-Baumes ergeben ein giftvernichtendes Gegengift für die von der Galagolikā Gebissenen.

kuṅkumaṃ tagaraṃ śigru padmakaṃ rajanīdvayam agado jalapiṣṭo'ya śatapadviṣanāśanaḥ

Kuṅkuma, Tagara, Śigru, Padmaka und die beiden Rajanī-Arten, in Wasser zerrieben, ergeben ein Gegengift, das das Gift des Tausendfüßlers vernichtet.

meṣaśṛṅgī vacā pāṭhā niculo rohiṇī jalam sarvamaṇḍūkadaṣṭānāmagado'ya viṣāpahaḥ

Meṣaśṛṅgī, Vacā, Pāṭhā, Nicula und Rohiṇī, in Wasser zerrieben, ergeben dieses giftbeseitigende Gegengift für alle von den froschartigen Insekten Gebissenen.

dhavāśvagandhātibalābalāsātiguhāguhāḥ viśvambharābhidaṣṭānāmagado'ya viṣāpahaḥ

Dhava, Aśvagandhā, Atibalā, Balā, Sātiguhā und Guhā ergeben dieses giftbeseitigende Gegengift für die von den Viśvambharā Gebissenen.

śirīṣaṃ tagaraṃ kuṣṭhaṃ śāliparṇī sahā niśe ahiṇḍukābhirdaṣṭānāmagado viṣanāśanaḥ

Śirīṣa, Tagara, Kuṣṭha, Śāliparṇī, Sahā und die beiden Niśā-Arten ergeben ein giftvernichtendes Gegengift für die von den Ahiṇḍukā Gebissenen.

kaṇḍūmakābhirdaṣṭānāṃ rātrau śītāḥ kriyā hitāḥ divā te naiva sidhyanti sūryaraśmibalārditāḥ

Für die von den Kaṇḍūmakā Gebissenen sind bei Nacht kühlende Behandlungen heilsam; bei Tage wirken sie gar nicht, da die Kaṇḍūmakā von der Kraft der Sonnenstrahlen geschwächt sind.

vakraṃ kuṣṭhamapāmārgaḥ śūkavṛntaviṣe'gadaḥ bhṛṅgasvarasapiṣṭā vā kṛṣṇavalmīkamṛttikā

Vakra, Kuṣṭha und Apāmārga, mit dem frischen Saft von Bhṛṅgarāja zerrieben, ergeben ein Gegengift beim Gift des Śūkavṛnta - oder man verwende Erde aus einem schwarzen Termitenhügel.

pipīlikābhirdaṣṭānāṃ makṣikāmaśakaistathā gomūtreṇa yuto lepaḥ kṛṣṇavalmīkamṛttikā

Für die von Ameisen, Bienen und Mücken Gebissenen ist eine mit Kuhurin vermengte Salbe aus Erde eines schwarzen Termitenhügels heilsam.

nakhāvaghṛṣṭasaṃjāte śophe bhṛṅgaraso hitaḥ pratisūryakadaṣṭānāṃ sarpadaṣṭavadācaret trividhā vṛścikāḥ proktā mandamadhyamahāviṣāḥ

Bei einer durch Kratzen mit den Nägeln entstandenen Schwellung ist der Saft von Bhṛṅgarāja heilsam. Bei den von Pratisūryaka Gebissenen soll man wie bei einem Schlangenbiss vorgehen. Die Skorpione (*vṛścika*) werden als dreifach beschrieben: mit mildem, mittlerem und starkem Gift.

gośakṛtkothajā mandā madhyāḥ kāṣṭheṣṭikodbhavāḥ sarpakothodbhavāstīkṣṇā ye cānye viṣasaṃbhavāḥ

Die mit mildem Gift entstehen aus der Fäulnis von Kuhmist, die mit mittlerem aus der Fäulnis von Holz und Ziegeln, die mit scharfem Gift aus der Fäulnis von Schlangen sowie aus anderen giftigen Fäulnisstoffen.

mandā dvādaśa madhyāstu trayaḥ pañcadaśottamāḥ daśa viṃśatirityete saṃkhyayā parikīrtitāḥ

Zwölf sind mit mildem, dreizehn mit mittlerem und zehn mit dem stärksten Gift versehen - so werden sie, insgesamt zwanzig, der Zahl nach überliefert.

kṛṣṇaḥ śyāvaḥ karburaḥ pāṇḍūvarṇo gomūtrābhaḥ karkaśo mecakaśca pīto dhūmro romaśaḥ śāḍvalābho raktaḥ śvetenodareṇeti mandāḥ

Der schwarze, der graubraune, der gescheckte, der blassfarbene, der kuhurinfarbene, der raue, der dunkelblaue, der gelbe, der rauchfarbene, der behaarte, der grasgrüne und der rote mit weißem Bauch: dies sind die Skorpione mit mildem Gift.

yuktāścaite vṛścikāḥ pucchadeśe syurbhūyobhiḥ parvabhiścetarebhyaḥ ebhirdaṣṭe vedanā vepathuśca gātrastambhaḥ kṛṣṇaraktāgamaśca

Diese Skorpione sind im Schwanzbereich, verglichen mit den übrigen, mit mehr Gliedern (*parvan*) versehen. Bei dem von ihnen Gebissenen entstehen Schmerz, Zittern, Steifheit der Glieder und der Austritt von schwarzem Blut.

śākhādaṣṭe vedanā cordhvameti dāhasvedau daṃśaśopho jvaraśca raktaḥ pītaḥ kāpilenodareṇa sarve dhūmrāḥ parvabhiśca tribhiḥ syuḥ

Wird man an einer Extremität gebissen, steigt der Schmerz nach oben; Brennen und Schwitzen, Schwellung der Bissstelle und Fieber treten auf. Der rote und der gelbe Skorpion haben einen bräunlichen Bauch; alle rauchfarbenen Skorpione haben drei Schwanzglieder.

ete mūtroccārapūtyaṇḍajātā madhyā jñeyāstriprakāroragāṇām yasyaiteṣāmanvayādyaḥ prasūto doṣotpattiṃ tatsvarūpāṃ sa kuryāt

Diese Skorpione entstehen aus Urin, Kot und verfaulten Eiern der Schlangen - man erkenne sie als mittlere unter den drei Arten der Schlangenverwandten. Welcher Skorpion aus der Linie welcher Schlangenart entstanden ist, der erzeugt eine Störung von der Art des entsprechenden *doṣa* jener Schlange.

jihvāśopho bhojanasyāvarodho mūrcchā cogrā madhyavīryābhidaṣṭe śvetaścitraḥ śyāmalo lohitābho raktaḥ śveto raktanīlodarau ca

Bei dem von den Skorpionen mit mittlerer Giftkraft Gebissenen entstehen Schwellung der Zunge, Verweigerung der Nahrung und heftige Ohnmacht. Zu den Skorpionen mit starkem Gift gehören der weiße, der bunte, der dunkle, der rötlich schimmernde, der rote, der weiße mit rot-blauem Bauch,

pīto'rakto nīlapīto'parastu rakto nīlo nīlaśuklastathā ca rakto babhruḥ pūrvavaccaikaparvā yaścāparvā parvaṇī dve ca yasya

der gelbe mit rotem, der andere blau-gelbe, der rote, der blaue, ebenso der blau-weiße und der rot-braune; wie zuvor beschrieben hat der eine ein einziges Schwanzglied, ein anderer keines, und wieder ein anderer zwei Glieder.

nānārūpā varṇataścāpi ghorā jñeyāścaite vṛścikāḥ prāṇacaurāḥ janmaiteṣāṃ sarpakothāt pradiṣṭaṃ dehebhyo vā ghātitānāṃ viṣeṇa

Diese Skorpione sind vielgestaltig und der Farbe nach als furchterregend und lebensraubend zu erkennen. Ihre Entstehung wird aus der Fäulnis von Schlangen hergeleitet, oder aus den Leibern derer, die durch Schlangengift getötet wurden.

ebhirdaṣṭe sarpavegapravṛttiḥ sphoṭotpattirbhrāntidāhau jvaraśca khebhyaḥ kṛṣṇaṃ śoṇitaṃ yāti tīvraṃ tasmāt prāṇaistyajyate śīghrameva

Bei dem von ihnen Gebissenen setzt der Verlauf wie bei einem Schlangenbiss ein; es entstehen Blasen, Verwirrung, Brennen und Fieber; aus den Körperöffnungen tritt schwarzes Blut aus. Diese Wirkung ist heftig, weshalb der Betroffene sehr rasch sein Leben verliert.

ugramadhyaviṣairdaṣṭaṃ cikitset sarpadaṣṭavat ādaṃśaṃ sveditaṃ cūrṇaiḥ pracchitaṃ pratisārayet

Wer von Skorpionen mit starkem oder mittlerem Gift gebissen wurde, soll wie bei einem Schlangenbiss behandelt werden. Die Bissstelle soll geschwitzt, mit Pulvern eingerieben und nach dem Anritzen (*pracchana*) behandelt werden.

rajanīsaindhavavyoṣaśirīṣaphalapuṣpajaiḥ mātuluṅgāmlagomūtrapiṣṭaṃ ca surasāgrajam

Man verwende dazu Rajanī, Steinsalz, Vyoṣa (die drei Scharfstoffe) sowie Pulver aus den Früchten und Blüten des Śirīṣa, zerrieben mit dem sauren Saft der Mātuluṅga-Frucht und Kuhurin, sowie die Triebspitze des Surasa.

lepe svede sukhoṣṇaṃ ca gomayaṃ hitamiṣyate pāne kṣaudra yutaṃ sarpiḥ kṣīraṃ vā bahuśarkaram

Für Salbe und Schwitzbehandlung gilt angenehm warmer Kuhdung als heilsam; zum Trinken wird mit Honig vermengtes Ghee oder Milch mit reichlich Zucker empfohlen.

daṃśaṃ mandaviṣāṇāṃ tu cakratailena secayet vidārīgaṇasiddhena sukhoṣṇenāthavā punaḥ

Die Bissstelle bei Skorpionen mit mildem Gift soll man mit Cakra-Öl begießen, oder auch mit einem angenehm warmen Öl, das mit der Vidārī-Gruppe von Kräutern gekocht wurde.

kuryāccotkārikāsvedaṃ viṣaghnairupanāhayet guḍodakaṃ vā suhimaṃ cāturjātakasaṃyutam

Man soll eine Schwitzbehandlung mit Brei durchführen und mit giftvernichtenden Mitteln umschlagen (*upanāha*), oder auch gut gekühltes Zuckerrohrwasser, vermengt mit den vier Gewürzen (*cāturjātaka*), anwenden.

pānamasmai pradātavyaṃ kṣīraṃ vā saguḍaṃ himam śikhikukkuṭabarhāṇi saindhavaṃ tailasarpiṣī

Als Getränk soll man ihm gekühlte Milch mit Zuckerrohrsirup geben. Die Federn von Pfau und Hahn, Steinsalz, Öl und Ghee -

dhūmo hanti prayuktastu śīghraṃ vṛścikajaṃ viṣam kusumbhapuṣpaṃ rajanī niśā vā kodra vaṃ tṛṇam

daraus bereiteter Rauch vernichtet, richtig angewendet, rasch das vom Skorpion stammende Gift. Auch die Blüte des Kusumbha, Rajanī, Niśā oder Kodrava-Gras,

ebhirghṛtāktairdhūpastu pāyudeśe prayojitaḥ nāśayedāśu kīṭotthaṃ vṛścikasya ca yadviṣam

mit Ghee bestrichen und als Räucherung im Afterbereich angewendet, vernichtet rasch sowohl das von Insekten als auch das vom Skorpion stammende Gift.

lūtāviṣaṃ ghoratamaṃ durvijñeyatamaṃ ca tat duścikitsyatamaṃ cāpi bhiṣagbhirmandabuddhibhiḥ

Das Spinnengift (*lūtāviṣa*) ist das furchtbarste, es ist am schwersten zu erkennen und für Ärzte mit geringem Verstand am schwersten zu behandeln.

saviṣaṃ nirviṣaṃ caitadityevaṃ pariśaṅkite viṣaghnameva kartavyamavirodhi yadauṣadham

Wenn man im Zweifel ist, ob ein Biss giftig oder giftlos ist, soll man jedenfalls ein giftvernichtendes Heilmittel anwenden, das in jedem Fall nicht schadet.

agadānāṃ hi saṃyogo viṣajuṣṭasya yujyate nirviṣe mānave yukto'gadaḥ saṃpadyate'sukham

Denn die Anwendung von Gegengiften ist bei einem vom Gift Befallenen angebracht; wird das Gegengift jedoch bei einem giftlosen Menschen angewendet, führt es zu Unbehagen.

tasmāt sarvaprayatnena jñātavyo viṣaniścayaḥ ajñātvā viṣasadbhāvaṃ bhiṣagvyāpādayennaram

Deshalb soll man mit aller Anstrengung Gewissheit über das Vorliegen von Gift erlangen; kennt der Arzt den tatsächlichen Giftzustand nicht, kann er dem Menschen schaden.

prodbhidyamānastu yathā'ṅakureṇa na vyaktajātiḥ pravibhāti vṛkṣaḥ tadvaddurālakṣyatamaṃ hi tāsāṃ viṣaṃ śarīre pravikīrṇamātram

Wie ein Baum, der eben erst als Keimling hervorbricht, seine Art noch nicht deutlich erkennen lässt, so ist auch das Gift jener Spinnen, solange es sich gerade erst im Körper auszubreiten beginnt, überaus schwer zu erkennen.

īṣatsakaṇḍu pracalaṃ sakoṭhamavyaktavarṇaṃ prathame'hani syāt anteṣu śūnaṃ parinimnamadhyaṃ pravyaktarūpaṃ ca dine dvitīye

Am ersten Tag zeigt sich die Bissstelle leicht juckend, in Bewegung, mit Quaddeln und noch unklarer Farbe; an den Rändern geschwollen und in der Mitte eingesunken, mit deutlicher Gestalt zeigt sie sich am zweiten Tag.

tryaheṇa taddarśayatīha rūpaṃ viṣaṃ caturthe'hani kopameti ato'dhike'hni prakaroti jantorviṣaprakopaprabhavān vikārān

Innerhalb von drei Tagen zeigt das Gift hierbei seine volle Gestalt; am vierten Tag gerät es in Erregung, und danach, an den folgenden Tagen, verursacht es im Lebewesen die aus der Erregung des Giftes entstehenden Störungen.

ṣaṣṭhe dine viprasṛtaṃ tu sarvān marmapradeśān bhṛśamāvṛṇoti tat saptame'tyarthaparītagātraṃ vyāpādayenmartyamatipravṛddham

Am sechsten Tag hat es sich ausgebreitet und bedeckt heftig alle empfindlichen Körperstellen (*marman*); am siebten Tag, den gesamten Körper überaus stark durchdringend, tötet es, übermäßig angewachsen, den Menschen.

yāstīkṣṇacaṇḍograviṣā hi lūtāstāḥ saptarātreṇa naraṃ nihanyuḥ ato'dhikenāpi nihanyuranyā yāsāṃ viṣaṃ madhyamavīryamuktam

Jene Spinnen, deren Gift scharf, wild und schrecklich ist, töten den Menschen binnen sieben Nächten; andere, deren Gift als von mittlerer Kraft bezeichnet wird, töten ihn erst nach mehr als sieben Nächten.

yāsāṃ kanīyo viṣavīryamuktaṃ tāḥ pakṣamātreṇa vināśayanti tasmāt prayatnaṃ bhiṣagatra kuryādādaṃśapātādviṣaghātiyogaiḥ

Diejenigen Spinnen, deren Giftkraft als gering bezeichnet wird, vernichten ihn erst nach einer halben Monatsphase (*pakṣa*). Deshalb soll der Arzt hierbei gleich vom Zeitpunkt des Bisses an mit giftzerstörenden Rezepturen (*yoga*) Sorgfalt walten lassen.

viṣaṃ tu lālānakhamūtradaṃṣṭrārajaḥpurīṣairatha cendri yeṇa saptaprakāraṃ visṛjanti lūtāstadugramadhyāvaravīryayuktam

Die Spinnen geben ihr Gift, das mit starker, mittlerer oder geringer Kraft versehen ist, auf sieben Weisen ab: durch Speichel, Krallen, Urin, Fangzähne, Staub, Kot und durch ihre Sinnesorgane (*indriya*).

sakaṇḍukoṭhaṃ sthiramalpamūlaṃ lālākṛtaṃ mandarujaṃ vadanti śophaśca kaṇḍūśca pulālikā ca dhūmāyanaṃ caiva nakhāgradaṃśe

Man sagt, dass ein durch Speichel verursachter Biss von Juckreiz und Quaddeln begleitet, fest, mit kleiner Basis und mildem Schmerz ist; Schwellung, Juckreiz, blasenartige Erhebungen und ein rauchartiges Empfinden entstehen bei einem Biss durch die Krallenspitze.

daṃśaṃ tu mūtreṇa sakṛṣṇamadhyaṃ saraktaparyantamavehi dīrṇam daṃṣṭrābhirugraṃ kaṭhinaṃ vivarṇaṃ jānīhi daṃśaṃ sthiramaṇḍalaṃ ca

Erkenne die durch Urin verursachte Bissstelle als in der Mitte schwarz, am Rand von Blut umgeben und aufgerissen; erkenne die durch die Fangzähne verursachte Bissstelle als heftig, hart, verfärbt und mit einem festen, ringförmigen Umriss.

rajaḥpurīṣendri yajaṃ hi viddhi sphoṭaṃ vipakvāmalapīlupāṇḍum etāvadetat samudāhṛtaṃ tu vakṣyāmi lūtāprabhavaṃ purāṇam

Erkenne die durch Staub, Kot und die Sinnesorgane verursachte Bissstelle als eine Blase (*sphoṭa*), blass wie eine reife Āmalakī- oder Pīlu-Frucht. So viel wurde hierüber dargelegt; nun werde ich die alte Überlieferung über den Ursprung der Spinnen erzählen.

sāmānyato daṣṭamasādhyasādhyaṃ cikitsitaṃ cāpi yathāviśeṣam

Ich werde beschreiben, wie im Allgemeinen ein Biss heilbar oder unheilbar ist, sowie dessen Behandlung im Einzelnen.

viśvāmitro nṛpavaraḥ kadācidṛṣisattamam vaśiṣṭhaṃ kopayāmāsa gatvā'śramapadaṃ kila

Einst, so heißt es, erzürnte der treffliche König Viśvāmitra den vortrefflichen Weisen Vaśiṣṭha, als er zu dessen Einsiedelei gegangen war.

kupitasya munestasya lalāṭāt svedabindavaḥ apatan darśanādeva ravestatsamatejasaḥ

Von der Stirn des erzürnten Weisen fielen Schweißtropfen herab, allein schon durch den Anblick der Sonne, deren Glanz dem seinen glich.

tṛṇe maharṣiṇā lūne dhenvarthaṃ saṃbhṛte'pi ca tato jātāstvimā ghorā nānārūpā mahāviṣāḥ apakārāya vartante nṛpasādhanavāhane

Auf das Gras, das der große Weise für seine Kuh geschnitten und bereitgestellt hatte, fielen sie, und daraus entstanden diese furchterregenden, vielgestaltigen, hochgiftigen Wesen, die zum Schaden der Werkzeuge und Reittiere des Königs wirken.

yasmāllūnaṃ tṛṇaṃ prāptā muneḥ prasvedabindavaḥ tasmāllūteti bhāṣyante saṅkhyayā tāśca ṣoḍaśa

Weil die Schweißtropfen des Weisen auf das geschnittene (*lūna*) Gras fielen, werden sie *lūtā* (Spinne) genannt; ihre Zahl beträgt sechzehn.

kṛcchrasādhyāstathā'sādhyālūtāstu dvividhāḥ smṛtāḥ tāsāmaṣṭau kṛcchrasādhyā varjyāstāvatya eva tu

Die Spinnen werden als zweifach überliefert: solche, die nur mit Mühe heilbar sind (*kṛcchrasādhya*), und solche, die unheilbar sind (*asādhya*). Von ihnen sind acht nur mit Mühe heilbar, und ebenso viele sind zu meiden.

trimaṇḍalā tathā śvetā kapilā pītikā tathā ālamūtraviṣā raktā kasanā cāṣṭamī smṛtā

Trimaṇḍalā, ebenso die weiße, die braune, die gelbe, die Ālamūtraviṣā, die rote und die Kasanā werden als die achte überliefert.

tābhirdaṣṭe śiroduḥkhaṃ kaṇḍūrdaṃśe ca vedanā bhavanti ca viśeṣeṇa gadāḥ ślaiṣmikavātikāḥ

Bei dem von ihnen Gebissenen entstehen Kopfschmerz, Juckreiz und Schmerz an der Bissstelle, und insbesondere entstehen Krankheiten von der Art des *kapha* und *vāta*.

sauvarṇikā lājavarṇā jālinyeṇīpadī tathā kṛṣṇā'gnivarṇā kākāṇḍā mālāguṇā'ṣṭamī tathā

Sauvarṇikā, Lājavarṇā, Jālinī, ebenso Eṇīpadī, die schwarze, die feuerfarbene, Kākāṇḍā und als achte ebenso Mālāguṇā.

tābhirdaṣṭe daṃśakothaḥ pravṛttiḥ kṣatajasya ca jvaro dāho'tisāraśca gadāḥ syuśca tridoṣajāḥ

Bei dem von ihnen Gebissenen entstehen Fäulnis der Bissstelle, Austritt von Blut, Fieber, Brennen und Durchfall sowie Krankheiten, die aus allen drei *doṣa* entstehen.

piḍakā vividhākārā maṇḍalāni mahānti ca mahānto mṛdavaḥ śophā raktāḥ śyāvāścalāstathā

Pusteln von vielfältiger Gestalt und große ringförmige Flecken entstehen, sowie große, weiche, rote, gräulich-schwarze und bewegliche Schwellungen.

sāmānyaṃ sarvalūtānāmetadādaṃśalakṣaṇam viśeṣalakṣaṇaṃ tāsāṃ vakṣyāmi sacikitsitam

Dies sind die allgemeinen Zeichen des Bisses aller Spinnen; die besonderen Kennzeichen jeder einzelnen werde ich nun zusammen mit ihrer Behandlung darlegen.

trimaṇḍalāyā daṃśe'sṛk kṛṣṇaṃ sravati dīryate bādhiryaṃ kaluṣā dṛṣṭistathā dāhaśca netrayoḥ

Beim Biss der Trimaṇḍalā fließt schwarzes Blut aus, die Bissstelle reißt auf; Schwerhörigkeit, getrübtes Sehvermögen und Brennen in den Augen treten auf.

tatrārkamūlaṃ rajanī nākulī pṛśniparṇikā pānakarmaṇi śasyante nasyālepāñjaneṣu ca

Dabei werden Arka-Wurzel, Rajanī, Nākulī und Pṛśniparṇikā als Getränk sowie für Nasenmittel (*nasya*), Salben und Augenmittel (*añjana*) empfohlen.

śvetāyāḥ piḍakā daṃśe śvetā kaṇḍūmatī bhavet dāhamūrcchājvaravatī visarpakledarukkarī

Beim Biss der weißen Spinne entsteht an der Bissstelle eine weiße, juckende Pustel, begleitet von Brennen, Ohnmacht und Fieber, die kriechende Ausbreitung, Nässen und Schmerz verursacht.

tatra candanarāsnailāhareṇunalavañjulāḥ kuṣṭhaṃ lāmajjakaṃ vakraṃ naladaṃ cāgado hitaḥ

Dabei ist ein Gegengift aus Candana, Rāsnā, Elā, Hareṇu, Nala, Vañjula, Kuṣṭha, Lāmajjaka, Vakra und Nalada heilsam.

ādaṃśe piḍakā tāmrā kapikāyāḥ sthirā bhavet śiraso gauravaṃ dāhastimiraṃ bhrama eva ca

An der Bissstelle der Kapikā entsteht eine feste, kupferfarbene Pustel; Kopfschwere, Brennen, Augenflimmern und Schwindel treten auf.

tatra padmakakuṣṭhailākarañjakakubhatcacaḥ sthirārkaparṇyapāmārgadūrvābrāhamyo viṣāpahāḥ

Dabei sind Padmaka, Kuṣṭha, Elā, Karañja, Kakubha, Tvac, Sthirā, Arkaparṇī, Apāmārga, Dūrvā und Brāhmī giftbeseitigend.

ādaṃśe pītikāyāstu piḍakā pītikā sthirā bhavecchardirjvaraḥ śūlaṃ mūrdhni rakte tathā'kṣiṇī

An der Bissstelle der Pītikā entsteht eine feste, gelbe Pustel; Erbrechen, Fieber und stechender Schmerz im Kopf treten auf, und die Augen werden rot.

tatreṣṭāḥ kuṭajośīratuṅgapadmakavañjulāḥ śirīṣakiṇihīśelukadambakakubhatcacaḥ

Dabei werden Kuṭaja, Uśīra, Tuṅga, Padmaka, Vañjula, Śirīṣa, Kiṇihī, Śeluka, Kadamba, Kakubha und Tvac empfohlen.

raktamaṇḍanibhe daṃśe piḍakāḥ sarṣapā iva jāyante tāluśoṣaśca dāhaścālaviṣārdite

Bei dem vom Gift der Āla-Mūtraviṣā geplagten Menschen entstehen an der Bissstelle, die einem roten Fleck ähnelt, senfkorngroße Pusteln sowie Trockenheit des Gaumens und Brennen.

tatra priyaṅguhrīberakuṣṭhalāmajjavañjulāḥ agadaḥ śatapuṣpā ca sapippalavaṭāṅkurāḥ

Dabei dient ein Gegengift aus Priyaṅgu, Hrībera, Kuṣṭha, Lāmajjaka, Vañjula, Śatapuṣpā sowie den Trieben der Vaṭa-Feige samt Pippalī.

pūtirmūtraviṣādaṃśo visarpī kṛṣṇaśoṇitaḥ kāsaśvāsavamīmūrcchājvaradāhasamanvitaḥ

Der Biss der Mūtraviṣā ist übelriechend, kriechend ausbreitend (*visarpin*) und mit schwarzem Blut versehen, begleitet von Husten, Atemnot, Erbrechen, Ohnmacht, Fieber und Brennen.

manaḥśilālamadhukakuṣṭhacandanapadmakaiḥ madhumiśraiḥ salāmajjairagadastatra kīrtitaḥ

Dabei wird ein Gegengift aus Manaḥśilā, Ala, Madhuka, Kuṣṭha, Candana und Padmaka, mit Honig vermengt und mit Lāmajjaka versehen, überliefert.

āpāṇḍupiḍako daṃśo dāhakledasamanvitaḥ raktāyā raktaparyanto vijñeyo raktasaṃyutaḥ

Der Biss der roten Spinne ist als mit blassen Pusteln versehen zu erkennen, begleitet von Brennen und Nässen, mit blutig gefärbtem Rand und blutdurchsetzt.

kāryastatrāgadastoyacandanośīrapadmakaiḥ tathaivārjunaśelubhyāṃ tvagbhirāmrātakasya ca

Dabei soll ein Gegengift aus Wasser, Candana, Uśīra und Padmaka bereitet werden, ebenso aus Arjuna, Śeluka und der Rinde des Āmrātaka.

picchilaṃ kasanādaṃśādrudhiraṃ śītalaṃ sravet kāsaśvāsau ca tatroktaṃ raktalūtācikitsitam

Aus dem Biss der Kasanā fließt schleimiges, kühles Blut; Husten und Atemnot treten auf. Dabei wurde die Behandlung wie bei der roten Spinne vorgeschrieben.

purīṣagandhiralpāsṛk kṛṣṇāyā daṃśa eva tu jvaramūrcchāvamīdāhakāsaśvāsasamanvitaḥ

Der Biss der schwarzen Spinne jedoch ist kotartig riechend und mit wenig Blut versehen, begleitet von Fieber, Ohnmacht, Erbrechen, Brennen, Husten und Atemnot.

tatrailāvakrasarpākṣīgandhanākulicandanaiḥ mahāsugandhisahitaiḥ pratyākhyāyāgadaḥ smṛtaḥ

Dabei wird, nachdem die Unheilbarkeit erklärt wurde, ein Gegengift aus Elā, Vakra, Sarpākṣī, Gandhanākulī und Candana, versehen mit stark duftenden Stoffen, überliefert.

daṃśe dāho'gnivaktrāyāḥ srāvo'tyarthaṃ jvarastathā coṣakaṇḍūromaharṣā dāhavisphoṭasaṃyutaḥ

Bei dem Biss der Agnivaktrā entstehen Brennen an der Bissstelle, übermäßiger Ausfluss und Fieber, sowie brennendes Stechen, Juckreiz und Haaresträuben, verbunden mit Brennen und Blasenbildung.

kṛṣṇāpraśamanaṃ cātra pratyākhyāya prayojayet sārivośīrayaṣṭyāhvacandanotpalapadmakam

Auch hier soll man, nachdem die Unheilbarkeit erklärt wurde, ein lindenderes Mittel wie bei der schwarzen Spinne anwenden, bestehend aus Sārivā, Uśīra, Yaṣṭyāhva, Candana, Utpala und Padmaka.

sarvāsāmeva yuñjīta viṣe śleṣmātakatvacam bhiṣak sarvaprakāreṇa tathā cākṣīvapippalam

Für das Gift aller dieser Spinnen soll der Arzt auf jede Weise die Rinde des Śleṣmātaka sowie Akṣīva und Pippalī anwenden.

kṛcchrasādhyaviṣā hyaṣṭau proktā dve ca yadṛcchayā avāryaviṣavīryāṇāṃ lakṣaṇāni nibodha me

Acht Spinnen mit nur mühsam heilbarem Gift wurden genannt, dazu zwei nach freiem Ermessen erwähnt. Vernimm nun von mir die Kennzeichen jener, deren Giftkraft nicht abzuwenden ist.

dhyāmaḥ sauvarṇikādaṃśaḥ sapheno matsyagandhakaḥ śvāsaḥ kāso jvarastṛṣṇā mūrcchā cātra sudāruṇā

Der Biss der Sauvarṇikā ist rauchfarben, schaumig und fischartig riechend; Atemnot, Husten, Fieber, Durst und überaus schreckliche Ohnmacht entstehen hierbei.

ādaṃśe lājavarṇāyā dhyāmaṃ pūti sravedasṛk dāho mūrcchā'tisāraśca śiroduḥkhaṃ ca jāyate

An der Bissstelle der Lājavarṇā fließt rauchfarbenes, übelriechendes Blut aus; Brennen, Ohnmacht, Durchfall und Kopfschmerz entstehen.

ghoro daṃśastu jālinyā rājimānavadīryate stambhaḥ śvāsastamovṛddhistāluśoṣaśca jāyate

Der Biss der Jālinī ist furchterregend, die Bissstelle reißt in Streifen (*rāji*) auf; Erstarrung, Atemnot, zunehmende Bewusstseinstrübung und Trockenheit des Gaumens entstehen.

eṇīpadyāstathā daṃśo bhavet kṛṣṇatilākṛtiḥ tṛṣṇāmūrcchājvaracchardikāsaśvāsasamanvitaḥ

Der Biss der Eṇīpadī gleicht ebenso schwarzen Sesamkörnern und ist begleitet von Durst, Ohnmacht, Fieber, Erbrechen, Husten und Atemnot.

daṃśaḥ kākāṇḍikādaṣṭe pāṇḍurakto'tivedanaḥ tṛṇmūrcchāśvāsahṛdro gahikkākāsāḥ syurucchritāḥ

Bei dem von der Kākāṇḍikā Gebissenen ist die Bissstelle blassrot und überaus schmerzhaft; Durst, Ohnmacht, Atemnot, Herzbeschwerden, Schluckauf und Husten treten verstärkt auf.

rakto mālāguṇādaṃśo dhūmagandho'tivedanaḥ bahudhā ca viśīryeta dāhamūrcchājvarānvitaḥ

Der Biss der Mālāguṇā ist rot, rauchig riechend und überaus schmerzhaft; der Körper zerfällt vielfach, begleitet von Brennen, Ohnmacht und Fieber.

asādhyāsvapyabhihitaṃ pratyākhyāyāśu yojayet doṣocchrāyaviśeṣeṇa dāhacchedavivarjitam

Auch bei den unheilbaren Fällen soll man, nachdem die Unheilbarkeit erklärt wurde, rasch die genannte Behandlung anwenden, entsprechend der jeweiligen Vermehrung der *doṣa*, jedoch ohne Kauterisation und Einschnitt.

sādhyābhirābhirlūtābhirdaṣṭamātrasya dehinaḥ vṛddhipatreṇa matimān samyagādaṃśamuddharet

Bei einem Lebewesen, das gerade erst von diesen heilbaren Spinnen gebissen wurde, soll der kluge Arzt die Bissstelle sorgfältig mit einem scharfen Wachstumsblatt (*vṛddhipatra*, chirurgisches Schneidewerkzeug) herausschneiden.

amarmaṇi vidhānajño varjitasya jvarādibhiḥ daṃśasyotkartanaṃ kuryādalpaśvayathukasya ca

Der im Verfahren Kundige soll das Herausschneiden der Bissstelle vornehmen, sofern sie sich nicht an einer empfindlichen Körperstelle (*marman*) befindet, der Patient frei von Fieber und Ähnlichem ist und die Schwellung nur gering ist.

madhusaindhavasaṃyuktairagadairlepayettataḥ priyaṅgurajanīkuṣṭhasamaṅgāmadhukaistathā

Danach soll man mit *agada* (Gegengiftmitteln), die mit Honig und Steinsalz versetzt sind, sowie ebenso mit Priyaṅgu, Rajanī, Kuṣṭha, Samaṅgā und Madhuka eine Salbe auftragen.

sārivāṃ madhukaṃ drā kṣāṃ payasyāṃ kṣīramoraṭam vidārīgokṣurakṣaudra madhukaṃ pāyayeta vā

Oder man soll den Kranken mit Sārivā, Madhuka, Drākṣā, Payasyā, Kṣīramoraṭa, Vidārī, Gokṣura sowie mit Honig und Madhuka trinken lassen.

kṣīriṇāṃ tvakkaṣāyeṇa suśītena ca secayet upadra vān yathādoṣaṃ viṣaghnaireva sādhayet

Mit einem gut gekühlten Sud aus der Rinde milchsafthaltiger Bäume soll man die Wunde besprengen; die Begleitbeschwerden soll man, je nach dem betroffenen *doṣa* (Körpersaft), ausschließlich mit Mitteln behandeln, die das *viṣa* (Gift) vertreiben.

nasyāñjanābhyañjanapānadhūmaṃ tathā'vapīḍaṃ kavalagrahaṃ ca saṃśodhanaṃ cobhayataḥ pragāḍhaṃ kuryātsirāmokṣaṇameva cātra

Ebenso soll man *nasya* (Nasentherapie), *añjana* (Augensalbe), *abhyañjana* (Einölung) und Trankmittel sowie *dhūma* (Rauchtherapie), *avapīḍa* (Nasenträufelung) und *kavalagraha* (Mundspülung) anwenden; auch soll man nach beiden Richtungen, durch Erbrechen und Abführen, eine gründliche *saṃśodhana* (Ausleitungstherapie) durchführen und dabei ebenso einen *sirāmokṣaṇa* (Aderlass) vornehmen.

kīṭadaṣṭavraṇān sarvānahidaṣṭavraṇānapi ādāhapākāttān sarvāñcikitsedduṣṭavadbhiṣag

Alle durch *kīṭa* (Insekten) verursachten Bisswunden sowie auch die Schlangenbisswunden soll der Arzt, sobald sich Brennen und Eiterung zeigen, wie vitiierte Wunden behandeln.

vinivṛtte tataḥ śophe karṇikāpātanaṃ hitam nimbapatraṃ trivṛddantī kusumbhaṃ kusumaṃ madhu

Ist die *śopha* (Schwellung) daraufhin abgeklungen, ist das Abtragen der *karṇikā* (knotigen Wucherung) heilsam; dabei sind Nimbablätter, Trivṛt, Dantī, die Blüte des Kusumbha und Honig zu verwenden.

gugguluḥ saindhavaṃ kiṇvaṃ varcaḥ pārāvatasya ca viṣavṛddhikaraṃ cānnaṃ hitvā saṃbhojanaṃ hitam

Guggulu, Steinsalz, Gärstoff sowie Taubenkot sind hierbei einzusetzen; heilsam ist es zudem, giftvermehrende Speisen zu meiden und sich maßvoll zu ernähren.

viṣebhyaḥ khalu sarvebhyaḥ karṇikāmarujāṃ sthirām pracchayitvā madhūnmiśraiḥ śodhanīyairupācaret

Bei allen Arten von *viṣa* ist es angezeigt, die feste, schmerzlose *karṇikā* zunächst zu skarifizieren und sie danach mit honigversetzten reinigenden Mitteln weiterzubehandeln.

saptaṣaṣṭhasya kīṭānāṃ śatasyaitadvibhāgaśaḥ daṣṭalakṣaṇamākhyātaṃ cikitsā cāpyanantaram

So wurden, nach Gruppen geordnet, für die hundertsiebenundsechzig Arten von *kīṭa* die Merkmale des jeweiligen Bisses dargelegt, und unmittelbar im Anschluss daran auch ihre *cikitsā* (Behandlung).

saviṃśamadhyāyaśatametaduktaṃ vibhāgaśaḥ ihoddiṣṭānanirdiṣṭānarthān vakṣyāmyathottare

Dies wurde hiermit, nach Abschnitten gegliedert, in insgesamt hundertzwanzig Kapiteln dargelegt; die hier nur genannten, jedoch noch nicht näher ausgeführten Themen werde ich nun im nachfolgenden Abschnitt darlegen.

sanātanatvādvedānāmakṣaratvāttathaiva ca tathā dṛṣṭaphalatvācca hitatvādapi dehinām

Wegen der Ewigkeit der Veden, wegen ihrer Unvergänglichkeit, ebenso wegen der offenkundigen Wirksamkeit ihrer Früchte und auch wegen ihres Nutzens für alle verkörperten Wesen –

vāksamūhārthavistārāt pūjitatvācca dehibhiḥ cikitsitāt puṇyatamaṃ na kiṃcidapi śuśrumaḥ

– wegen der Fülle an Worten und Bedeutungen sowie wegen der Verehrung, die ihr von den Geschöpfen entgegengebracht wird, haben wir von nichts gehört, das heiliger wäre als die *cikitsā* (Heilkunst).

ṛṣerindra prabhāvasyāmṛtayonerbhiṣagguroḥ dhārayitvā tu vimalaṃ mataṃ paramasaṃmatam uktāhārasamācāra iha pretya ca modate

Wer die reine, höchst verehrte Lehre des mit Indras Macht begabten Weisen – des Arztlehrers, dessen Ursprung der Amṛta (Nektar der Unsterblichkeit) ist – bewahrt und der vorgeschriebenen Ernährung und Lebensweise folgt, der erfreut sich sowohl in diesem Leben als auch nach dem Tod.

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