Quellen der Menschheit

Suśruta-Saṃhitā · Sharirasthana

Adhyāya 3: garbhāvakrāntiśārīraṃ Die Empfängnis des Embryos (Garbhāvakrānti)

Das dritte Kapitel widmet sich dem „Herabsteigen des Embryos" (garbhāvakrānti) und beschreibt detailliert den Vorgang der Empfängnis: Same, von Mond-Natur, und Menstrualblut, von Feuer-Natur, verbinden sich unter Mitwirkung von Wind und Feuer in der Gebärmutter, wobei der Feldkenner (kṣetrajña) als beseelendes Prinzip eintritt; je nach Überwiegen von Same oder Blut entsteht Sohn, Tochter oder Zwitter. Nach Kennzeichen der fruchtbaren Zeit und der Schwangerschaft folgt eine ausführliche Monatschronologie der Embryonalentwicklung – vom Keimklümpchen (kalala) über die Ausbildung der Glieder bis zum Hervortreten des Herzens im vierten Monat, das den Sitz des Bewusstseins offenbart und die Schwangerschaftsgelüste (dauhṛda) auslöst; deren Missachtung, so die Lehre, kann zu Fehlbildungen führen, während ihre Erfüllung Charakterzüge des Kindes prägt, wie eine lange Liste konkreter Gelüst-Beispiele zeigt. Eine Gelehrtendebatte referiert unterschiedliche Ansichten darüber, welches Organ zuerst entsteht – Kopf, Herz, Nabel oder Gliedmaßen –, ehe Dhanvantari lehrt, dass alle Körperteile gleichzeitig, aber zunächst zu fein zum Erkennen entstehen. Abschließend werden die Beiträge von Vater, Mutter, Nahrungssaft, Seele und Gewöhnung zu den Merkmalen des Kindes sowie Anzeichen für Geschlecht und Zwillingsschwangerschaft dargelegt.

MONATLICHE ENTWICKLUNG DES EMBRYOS (Vers 18, 30)
MonatEntwicklung
1.Entstehung des Keimklümpchens (kalala)
2.feste Verdichtung der Elemente: fester Klumpen → Junge, Muskelmasse → Mädchen, blasenartiges Gebilde → Zwitter
3.fünf kleine Knospen für Hände, Füße und Kopf
4.Gliederung deutlich sichtbar; das Herz tritt hervor, Sitz des Bewusstseins; Beginn der Schwangerschaftsgelüste (dauhṛda)
5.der Geist (manas) wird empfänglicher
6.die Erkenntniskraft (buddhi) wird empfänglicher
7.Gliederung aller Haupt- und Nebenglieder deutlicher sichtbar
8.die Lebensessenz (ojas) noch nicht fest verankert – Geburt in diesem Monat überlebt das Kind nicht
9.–12.reguläre Geburt; außerhalb dieser Monate ist mit Fehlbildungen zu rechnen
Wird das Schwangerschaftsgelüst im vierten Monat missachtet, drohen Fehlbildungen des Kindes; bei Erfüllung wird es kraftvoll und langlebig (Vers 18–20).
BEISPIELE FÜR SCHWANGERSCHAFTSGELÜSTE (DAUHṚDA) UND IHRE WIRKUNG (Vers 22–27)
GelüstWirkung auf den Sohn
Anblick eines Königswohlhabend, hochgestellt
feiner Leinenstoff, Seide, Schmuckputzsüchtig, feingliedrig
Asketenhainselbstbeherrscht, rechtschaffen
Götterbildnisgleicht einem Gefolgsgeist der Götter
Anblick giftiger Schlangenzur Gewalt neigend
Waranfleischviel schlafend, gutes Gedächtnis
Rindfleischkräftig, mühsalerprobt
Büffelfleischtapfer, rotäugig, behaart
Wildschweinfleischschlaffreudig, tapfer
Rehfleischkräftig-schenkelig, waldliebend
Sṛmara-Hirschfleischängstlich
Rebhuhnfleischstets furchtsam
Allgemein gilt: dem, wonach die Schwangere ihr Gelüst richtet, wird das Kind in Körper, Verhalten und Wesen ähneln (Vers 28).

athāto garbhāvakrāntiṃ śārīraṃ vyākhyāsyāmaḥ

Nun wollen wir das Kapitel über das Herabsteigen des Embryos (*garbhāvakrānti*) darlegen.

yathovāca bhagavān dhanvantariḥ

So wie es der erhabene Dhanvantari gesprochen hat.

saumyaṃ śukramārtavamāgneyamitareṣāmapyatra bhūtānāṃ sānnidhyamastyaṇunā viśeṣeṇa parasparopakārāt pirasparānugrahātpirasparānupraveśācca

Der Same ist von Mond-Natur (*saumya*, wässrig-kühl), das Menstrualblut von Feuer-Natur (*āgneya*); doch auch die übrigen Elemente sind hierbei, wenn auch in geringem Maße, zugegen, da sie einander unterstützen, einander fördern und wechselseitig ineinander eindringen.

tatra strīpuṃsayoḥ saṃyoge tejaḥ śarīrādvāyurudīrayati tatastejonilasannipātācchukraṃ cyutaṃyonimabhipratipadyate saṃsṛjyate cārtavena tato'gnīṣomasaṃyogāt saṃ-sṛjyamāno garbhāśayamanupratipadyate kṣetrajño vedayitā spraṣṭā ghrātā draṣṭā śrotā rasayitā puruṣaḥ sraṣṭā gantā sākṣī dhātā vaktā yaḥ ko'sāvityevamādibhiḥ paryāyavācakairnāmabhirabhidhīyate daivasaṃyogādakṣayo'vyayo'cintyo bhūtātmanā sahānvakṣaṃ sattvarajastamobhirdaivāsurairaparaiśca bhāvairvāyunā'bhipreryamāṇo garbhāśayamanupraviśyāvatiṣṭhate

Bei der Vereinigung von Mann und Frau treibt der Wind das Feuer aus dem Körper heraus; durch das Zusammentreffen von Feuer und Wind wird dann der Same freigesetzt und gelangt in die Scheide, wo er sich mit dem Menstrualblut vermischt. Durch die Verbindung von Feuer und Mond vermischt, gelangt er dann in die Gebärmutter (*garbhāśaya*), wobei der Feldkenner (*kṣetrajña*) – der Wissende, der Berührende, der Riechende, der Sehende, der Hörende, der Schmeckende, der Puruṣa, der Schaffende, der Gehende, der Zeuge, der Träger, der Sprechende, jenes 'Wer-ist-das' – mit all diesen und ähnlichen gleichbedeutenden Namen bezeichnet wird. Durch göttliche Fügung unvergänglich, unwandelbar, unvorstellbar, folgt er, begleitet von der Verkörperung der Elemente, unmittelbar nach; von *sattva*, *rajas* und *tamas*, von göttlichen, dämonischen und anderen Einflüssen sowie vom Wind fortgetragen, dringt er in die Gebärmutter ein und verweilt dort.

tatra śukrabāhulyāt pumān ārtavabāhulyāt strī sāmyādubhayornapuṃsakamiti

Überwiegt dabei der Same, entsteht ein Junge; überwiegt das Menstrualblut, ein Mädchen; bei Gleichheit von beiden ein Zwitter (*napuṃsaka*).

ṛtustu dvādaśarātraṃ bhavati dṛṣṭārtavaḥ adṛṣṭārtavo'pyastītyeke bhāṣante

Die fruchtbare Zeit (*ṛtu*) dauert zwölf Nächte, gerechnet ab dem sichtbaren Einsetzen der Menstruation; manche sagen jedoch, es gebe sie auch, ohne dass die Menstruation sichtbar ist.

bhavanti cātra pīnaprasannavadanāṃ praklinnātmamukhadvijām narakāmāṃ priyakathāṃ srastakukṣyakṣimūrdhajām

Dazu heißt es: Man erkenne die fruchtbare Frau an vollem, heiterem Antlitz, an feuchten Lippen, Mund und Zähnen, an Verlangen nach dem Mann, an gefälliger Rede, an entspanntem Bauch sowie an gelösten Augen und Haaren,

sphuradbhujakucaśroṇinābhyūrujaghanasphicām harṣautsukyaparāṃ cāpi vidyādṛtumatīmiti

an pulsierenden Armen, Brüsten, Hüften, Nabel, Schenkeln, Lenden und Gesäß, sowie an übermäßiger Freude und Sehnsucht.

niyataṃ divase'tīte saṅkucatyambujaṃ yathā ṛtau vyatīte nāryāstu yoniḥ saṃvriyate tathā

So wie sich die Lotosblüte notwendig nach Ablauf des Tages schließt, so verschließt sich der Schoß der Frau nach Ablauf der fruchtbaren Zeit.

māsenopacitaṃ kāle dhamanībhyāṃ tadārtavam īṣatkṛṣṇaṃ vivarṇaṃ ca vāyuryonimukhaṃ nayet

Das über einen Monat durch die beiden Gefäße (*dhamanī*) angesammelte Menstrualblut, leicht geschwärzt und verfärbt, führt der Wind zur rechten Zeit zur Öffnung des Schoßes.

tadvarṣāddvādaśāt kāle vartamānamasṛk punaḥ jarāpakvaśarīrāṇāṃ yāti pañcāśataḥ kṣayam

Dieses Blut, das ab dem zwölften Lebensjahr regelmäßig fließt, versiegt bei vom Alter reif gewordenen Körpern mit dem fünfzigsten Lebensjahr.

yugmeṣu tu pumān prokto divaseṣvanyathā'balā puṣpakāle śucistasmādapatyārthī striyaṃ vrajet

An geraden Tagen der fruchtbaren Zeit wird, wie gesagt wird, ein Junge gezeugt, an den übrigen ein Mädchen; deshalb nähere sich, wer Nachkommen wünscht, der zur Zeit der Blüte reinen Frau.

tatra sadyogṛhītagarbhāyā liṅgāniśramo glāniḥ pipāsā sakthisadanaṃ śukraśoṇitayoravabandhaḥ sphuraṇaṃ ca yoneḥ

Die Anzeichen einer soeben eingetretenen Schwangerschaft sind: Erschöpfung, Mattigkeit, Durst, Schwere in den Oberschenkeln, das Zusammenhaften von Samen und Blut sowie ein Pulsieren des Schoßes,

stanayoḥ kṛṣṇamukhatā romarājyudgamastathā akṣipakṣmāṇi cāpyasyāḥ saṃmīlyante viśeṣataḥ

eine Dunkelfärbung der Brustwarzen, das Hervortreten der Haarlinie am Bauch sowie ein besonderes Zusammenfallen ihrer Augenlider und Wimpern.

akāmataśchardayati gandhādudvijate śubhāt prasekaḥ sadanaṃ cāpi garbhiṇyā liṅgamucyate

Unwillkürliches Erbrechen, Abscheu vor sonst angenehmen Gerüchen, vermehrter Speichelfluss und Mattigkeit gelten ebenfalls als Anzeichen der Schwangerschaft.

tadā prabhṛti vyavāyaṃ vyāyāmamatitarpaṇamatikarśanaṃ divāsvapnaṃ rātrijāgaraṇaṃ śokaṃ yānārohaṇaṃ bhayamutkuṭukāsanaṃ caikāntataḥ snehādi kriyāṃ śoṇitamokṣaṇaṃ cākāle vegavidhāraṇaṃ ca na seveta

Von da an vermeide sie Geschlechtsverkehr, körperliche Anstrengung, übermäßige Sättigung, übermäßiges Abmagern, Schlafen am Tag, Wachbleiben in der Nacht, Kummer, das Besteigen von Fahrzeugen, Furcht, das Sitzen in der Hockstellung, einseitig übermäßige Ölbehandlungen und ähnliche Verfahren, Aderlass zur Unzeit sowie das Unterdrücken natürlicher Bedürfnisse.

doṣābhighātairgarbhiṇyā yo yo bhāgaḥ prapīḍyate sa sa bhāgaḥ śiśostasya garbhasthasya prapīḍyate

Welcher Körperteil der Schwangeren durch die Beeinträchtigung der *doṣa* geschädigt wird, eben dieser Teil wird auch beim im Mutterleib befindlichen Kind geschädigt.

tatra prathame māsi kalalaṃ jāyate dvitīye śītoṣmānilairabhiprapacyamānānāṃ mahābhūtānāṃ saṃghātoghanaḥ saṃjāyate yadi piṇḍaḥ pumān strī cet peśī napuṃsakaṃ cedarbudamiti tṛtīye hastapādaśirasāṃ pañca piṇaḍakā nirvartante'ṅgapratyaṅgavibhāgaśca sūkṣmo bhavati caturthe sarvāṅgapratyaṅgavibhāgaḥ pravyakto bhavati garbhahṛda-yapravyaktibhāvāccetanādhāturabhivyakto bhavati kasmāt tatsthānatvāt tasmādgarbhaścaturthe māsyabhiprāyamindriyārtheṣu karoti dvihṛdayāṃ ca nārīṃ dauhṛdinīmācakṣate dauhṛdavimānanāt kubjaṃ kuṇiṃ khañjaṃ jaḍaṃ vāmanaṃ vikṛtākṣamanakṣaṃ vā nārī sutaṃ janayati tasmāt sā yadyadicchettattasyai dāpayet labdauhṛdā hi vīryavantaṃ cirāyuṣaṃ ca putraṃ janayati

Dabei entsteht im ersten Monat das Keimklümpchen (*kalala*). Im zweiten Monat entsteht durch das allmähliche Zusammenwirken von Kälte, Hitze und Wind eine feste Verdichtung der großen Elemente: Ist diese Verdichtung ein fester Klumpen, so wird ein Junge daraus, ist sie eine Muskelmasse, ein Mädchen, ist sie ein blasenartiges Gebilde, ein Zwitter. Im dritten Monat bilden sich fünf kleine Knospen für Hände, Füße und Kopf, und die feine Gliederung von Haupt- und Nebengliedern beginnt. Im vierten Monat wird die Gliederung aller Haupt- und Nebenglieder deutlich sichtbar; da auch das Herz des Embryos hervortritt, wird der Sitz des Bewusstseins offenbar – warum? Weil dies dessen Ort ist. Deshalb richtet der Embryo im vierten Monat sein Verlangen auf die Sinnesobjekte, und die Frau mit den zwei Herzen, dem eigenen und dem des Kindes, nennt man dann eine 'Schwangerschaftsgelüst-Habende' (*dauhṛdinī*). Wird ihr Gelüst missachtet, gebiert die Frau einen buckeligen, verkrüppelten, hinkenden, stumpfsinnigen, zwergwüchsigen, entstellt-äugigen oder blinden Sohn. Deshalb gebe man ihr, was immer sie sich wünscht; denn eine Frau, deren Gelüst erfüllt wurde, gebiert einen kraftvollen und langlebigen Sohn.

bhavanti cātra indriyārthāṃstu yān yān sā bhoktumicchati garbhiṇī garbhābādhabhayāttāṃstān bhiṣagāhṛtya dāpayet

Dazu heißt es: Welche Sinnesobjekte auch immer die Schwangere zu genießen wünscht, diese lasse der Arzt aus Sorge um eine Schädigung des Embryos beschaffen und ihr geben.

sā prāptadauhṛdā putraṃ janayeta guṇānvitam alabdhadauhṛdā garbhe labhetātmani vā bhayam

Die Frau, deren Gelüst erfüllt wurde, gebiert einen mit guten Eigenschaften ausgestatteten Sohn; wessen Gelüst unerfüllt bleibt, für die entsteht Gefahr für den Embryo oder für sie selbst.

yeṣu yeṣvindri yārtheṣu dauhṛde vai vimānanā prajāyeta sutasyārtistasmiṃstasmiṃstathendri ye

In welchen Sinnesobjekten auch immer das Gelüst missachtet wird, in ebendiesem Sinnesorgan wird beim Sohn eine Leidensbeeinträchtigung entstehen.

rājasaṃdarśane yasyā daurhṛdaṃ jāyate striyāḥ arthavantaṃ mahābhāgaṃ kumāraṃ sā prasūyate

Entsteht das Gelüst einer Frau beim Anblick eines Königs, so gebiert sie einen wohlhabenden, hochgestellten Sohn.

dukūlapaṭṭakauśeyabhūṣaṇādiṣu dauhṛdāt alaṅkāraiṣiṇaṃ putraṃ lalitaṃ sā prasūyate

Durch ein Gelüst nach feinem Leinenstoff, Seide und Schmuck gebiert sie einen putzsüchtigen, feingliedrigen Sohn.

āśrame saṃyatātmānaṃ dharmaśīlaṃ prasūyate devatāpratimāyāṃ tu prasūte pārṣadopamam darśane vyālajātīnāṃ hiṃsāśīlaṃ prasūyate

Durch ein Gelüst im Asketenhain gebiert sie einen selbstbeherrschten, rechtschaffenen Sohn; bei einem Götterbildnis einen, der einem Gefolgsgeist der Götter gleicht; beim Anblick giftiger Schlangenarten einen zur Gewalt neigenden Sohn.

godhāmāṃsāśane putraṃ suṣupsuṃ dhāraṇātmakam gavāṃ māṃse tu balinaṃ sarvakleśasahaṃ tathā

Durch das Essen von Waranfleisch einen Sohn, der viel schläft und ein gutes Gedächtnis hat; durch Rindfleisch einen kräftigen, der alle Mühsal erträgt.

māhiṣe dauhṛdācchūraṃ raktākṣaṃ lomasaṃyutam varāhamāṃsāt svapnāluṃ śūraṃ saṃjanayet sutam

Durch Gelüst nach Büffelfleisch einen Sohn, tapfer, rotäugig und behaart; durch Wildschweinfleisch einen schlaffreudigen, tapferen Sohn.

mārgādvikrāntajaṅghālaṃ sadā vanacaraṃ sutam sṛmarādvignamanasaṃ nityabhītaṃ ca taittirāt

Durch Gelüst nach Rehfleisch einen kräftig-schenkeligen, stets im Wald umherstreifenden Sohn; durch das Fleisch des Sṛmara-Hirsches einen ängstlichen; durch Rebhuhnfleisch einen stets furchtsamen Sohn.

ato'nukteṣu yā nārī samabhidhyāti daurhṛdam śarīrācāraśīlaiḥ sā samānaṃ janayiṣyati

Bei allem hier nicht Genannten gilt: Wonach auch immer eine Frau ihr Gelüst richtet, dem wird das von ihr geborene Kind in Körper, Verhalten und Wesen ähneln.

karmaṇā coditaṃ jantorbhavitavyaṃ punarbhavet yathā tathā daivayogāddaurhṛdaṃ janayeddhṛdi

Wie es für das Wesen durch sein früheres Karma in der Wiedergeburt bestimmt ist zu werden, so entsteht durch göttliche Fügung entsprechend auch das Gelüst in ihrem Herzen.

pañcame manaḥ pratibuddhataraṃ bhavati ṣaṣṭhe buddhiḥ saptame sarvāṅgapratyaṅgavibhāgaḥ pravyaktataraḥ aṣṭame'sthirībhavatyojaḥ tatra jātaścenna jīvennirojastvātnanairṛtabhāgatvācca tato bali māṃsaudanamasmai dāpayetnavamadaśamaikādaśadvādaśānāmanyatamasmiñjāyate ato'nyathā vikārī bhavati

Im fünften Monat wird der Geist (*manas*) empfänglicher, im sechsten die Erkenntniskraft (*buddhi*), im siebten wird die Gliederung aller Haupt- und Nebenglieder deutlicher sichtbar. Im achten Monat ist die Lebensessenz (*ojas*) noch nicht fest verankert; wird das Kind zu dieser Zeit geboren, überlebt es nicht, da es des *ojas* entbehrt und dieser Monat dem Unglücksgott zugeordnet ist. Deshalb bringe man ihm ein Opfer sowie eine Speise aus Fleisch und Reis dar. Die Geburt erfolgt regulär im neunten, zehnten, elften oder zwölften Monat; andernfalls ist mit Fehlbildungen zu rechnen.

mātustu khalu rasavahāyāṃ nāḍyāṃ garbhanābhināḍīpratibaddhā sā'sya māturāhārarasavīryamabhivahati tenopasnehenāsyābhivṛddhirbhavati asaṃjātāṅgapratyaṅgapravibhāgamāniṣekāt prabhṛti sarvaśarīrāvaya vānusāriṇīnāṃ rasavahānāṃ tiryaggatānāṃ dhamanīnāmupasneho jīvayati

An das saftführende Gefäß (*rasavahā nāḍī*) der Mutter ist die Nabelschnur des Embryos gebunden; durch sie führt diese den Nahrungssaft und die Kraft der Mutter zum Kind hin; durch diese Nährflüssigkeit wächst es heran. Solange die Gliederung von Haupt- und Nebengliedern noch nicht entstanden ist, erhält von der Empfängnis an die Nährflüssigkeit der quer verlaufenden, saftführenden Gefäße, die allen Körperteilen folgen, das Leben aufrecht.

garbhasya khalu saṃbhavataḥ pūrvaṃ śiraḥ saṃbhavatītyāha śaunakaḥ śiromūlatvāt pradhānendriyāṇāṃ hṛdayamiti kṛtavīryo buddhermanasaśca sthānatvāt nābhiriti pārāśaryaḥ tato hi vardhate deho dehinaḥ pāṇipādamiti mārkaṇḍeyaḥ tanmūlatvācceṣṭāyā garbhasya madhyaśarīramiti subhūtirgautamaḥ tannibaddhatvāt sarvagātrasaṃbhavasya tattu na samyak sarvāṇyaṅgapratyaṅgāni yugapat saṃbhavantītyāha dhanvantariḥ garbhasya sūkṣmatvāvnanopalabhyante vaṃśāṅkuravaccūtaphalavacca tadyathācūtaphale paripakvekeśaramāṃsāsthimajjānaḥ pṛthak pṛthagdṛśyante kālaprakarṣāt tānyeva taruṇe nopalabhyante sūkṣmatvāt teṣāṃ sūkṣmāṇāṃ keśarādīnāṃ kālaḥ pravyaktatāṃ karoti etenaiva vaṃśāṅakuro'pi vyākhyātaḥ evaṃ garbhasya tāruṇye sarveṣvaṅga-pratyaṅgeṣu satsvapi saukṣmyādanupalabdhiḥ tānyeva kālaprakarṣāt pravyaktāni bhavanti

Bei der Entstehung des Embryos entsteht zuerst der Kopf – so sagt Śaunaka, weil dieser die Wurzel der wichtigsten Sinnesorgane ist. Zuerst das Herz – so sagt Kṛtavīrya, weil es der Sitz von Erkenntniskraft und Geist ist. Zuerst der Nabel – so sagt Pārāśarya, weil von dort aus der Körper des Verkörperten wächst. Zuerst Hände und Füße – so sagt Mārkaṇḍeya. Zuerst der mittlere Rumpf – so sagt Subhūti Gautama, weil dieser die Wurzel der Bewegung ist und weil an ihm die Entstehung aller Glieder gebunden ist. Doch dies alles ist nicht zutreffend; alle Haupt- und Nebenglieder entstehen gleichzeitig – so sagt Dhanvantari. Wegen der Feinheit des Embryos werden sie zunächst nicht wahrgenommen, so wie beim Bambussprössling und bei der Mangofrucht: So wie man in der reifen Mangofrucht Faserfleisch, Kern und Mark einzeln erkennen kann, während man sie in der unreifen Frucht wegen ihrer Feinheit nicht erkennt, und erst der Fortgang der Zeit diese feinen Bestandteile deutlich hervortreten lässt – ebenso ist auch der Bambussprössling zu erklären. So sind auch beim jungen Embryo, obwohl alle Haupt- und Nebenglieder bereits vorhanden sind, diese wegen ihrer Feinheit nicht wahrnehmbar; erst durch den Fortgang der Zeit werden sie deutlich sichtbar.

tatra garbhasya pitṛjamātṛjarasajātmajasattvajasātmyajāni śarīralakṣaṇāni vyākhyāsyāmaḥ garbhasya keśaśmaśrulomāsthinakhadantasirāsnāyudhamanīretaḥ prabhṛtīni sthirāṇi pitṛjāni māṃsaśoṇitamedomajjahṛthnanābhiyakṛtplīhāntragudaprabhṛtīni mṛdūni mātṛjāni śarīropacayo balaṃ varṇaḥ sthitirhāniśca rasajāni indriyāṇi jñānaṃ vijñānamāyuḥ sukhaduḥkhādikaṃ cātmajāni sattvajānyuttaratra vakṣyāmaḥ vīryamārogyaṃ balavarṇau medhā ca sātmyajāni

Nun wollen wir die Körpermerkmale des Embryos erläutern, die vom Vater, von der Mutter, vom Nahrungssaft (*rasa*), von der Seele (*ātman*), vom Wesenskern (*sattva*) und von der Gewöhnung (*sātmya*) herrühren. Die harten Bestandteile des Embryos – Kopfhaar, Bart, Körperhaar, Knochen, Nägel, Zähne, Blutgefäße, Sehnen, Arterien (*dhamanī*) und Samen – rühren vom Vater her. Die weichen Bestandteile – Muskelfleisch, Blut, Fettgewebe, Mark, Herz, Nabel, Leber, Milz, Darm und After – rühren von der Mutter her. Körperzunahme, Kraft, Hautfarbe, Bestand und Schwund rühren vom Nahrungssaft her. Die Sinnesorgane, Wissen, Erkenntnis, Lebenslänge sowie Lust und Leid und Ähnliches rühren von der Seele her. Was von *sattva* herrührt, werden wir später darlegen. Manneskraft (*vīrya*), Gesundheit, Kraft und Hautfarbe sowie Verstandesschärfe rühren von der Gewöhnung her.

tatra yasyā dakṣiṇe stane prāk payodarśanaṃ bhavati dakṣiṇakukṣimahattvaṃ ca pūrvaṃ ca dakṣiṇaṃ sakthyutkarṣati bāhulyācca punnāmadheyeṣu dravyeṣu daurhṛdamabhidhyāyati svapneṣu copalabhate padmotpalakumudāmrātakādīni punnāmānyeva prasannamukhavarṇā ca bhavati tāṃ brūyātputramiyaṃ janayiṣyatīti tadviparyaye kanyāṃ yasyāḥ pārśvadvayamavanataṃ purastānnirgatamudaraṃ prāgabhihitaṃ ca lakṣaṇaṃ ca tasyā napuṃsakamiti vidyāt yasyā madhye nimnaṃ droṇībhūtamudaraṃ sā yugmaṃ prasūyata iti

Bei der Frau, bei der zuerst in der rechten Brust Milch sichtbar wird, deren rechte Bauchseite zuerst größer ist, die zuerst das rechte Bein hebt, die überwiegend nach Dingen mit männlichem Namen verlangt und in Träumen vorwiegend Lotos, blaue Lotosblüten, weiße Seerosen, Āmrātaka-Früchte und Ähnliches mit männlichem Namen wahrnimmt, und die ein heiteres Gesicht hat – von ihr sage man voraus: Diese wird einen Sohn gebären. Beim Gegenteil davon sage man eine Tochter voraus. Bei der Frau, deren beide Körperseiten eingesunken sind und deren Bauch nach vorne hervortritt, wobei die zuvor für den Jungen genannten Merkmale ebenfalls zutreffen – bei ihr wisse man, dass es ein Zwitter wird. Bei der Frau, deren Bauch in der Mitte eingesunken und trogförmig ist, wird sie Zwillinge gebären.

bhavanti cātra devatābrāhmaṇaparāḥ śaucācārahite ratāḥ mahāguṇān prasūyante viparītāstu nirguṇān

Dazu heißt es: Frauen, die den Göttern und Brahmanen zugetan sind und sich an Reinheit und rechtem Verhalten erfreuen, gebären Kinder von großen Tugenden; die entgegengesetzten hingegen tugendlose.

aṅgapratyaṅganirvṛttiḥ svabhāvādeva jāyate aṅgapratyaṅganirvṛttau ye bhavanti guṇāguṇāḥ te te garbhasya vijñeyā dharmādharmanimittajāḥ

Die Ausbildung der Haupt- und Nebenglieder entsteht aus eigener Natur (*svabhāva*); doch welche guten und schlechten Eigenschaften bei dieser Ausbildung der Glieder entstehen, sind als durch Verdienst und Unverdienst (*dharma* und *adharma*) aus früheren Leben bedingt zu erkennen.

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