athāto dhamanīvyākaraṇaṃ śārīraṃ vyākhyāsyāmaḥ
Nun wollen wir das Kapitel über die Erklärung der *dhamanī* (die großen Körperkanäle), das zur Anatomie gehört, darlegen.
Suśruta-Saṃhitā · Sharirasthana
Das neunte Kapitel widmet sich den vierundzwanzig dhamanī (großen Körperkanälen), die vom Nabel ausgehen, und grenzt sie begrifflich von sirā (Venen) und srotas (feinen Kanälen) ab – eine für die indische Anatomie grundlegende Unterscheidung, die entgegen anderslautender Meinungen auf unterschiedlichen Ursprüngen, Merkmalen und Funktionen beruht. Zehn aufwärts verlaufende dhamanī tragen, je dreifach verzweigt, Wahrnehmungen wie Klang, Tastsinn und Geschmack sowie Sprache, Stimme, Tränen und beim Mann bzw. bei der Frau Same beziehungsweise Muttermilch; zehn abwärts verlaufende führen Vāta, Harn, Kot, Samen und Menstrualblut und unterstützen die Verdauung; vier quer verlaufende verzweigen sich bis ins Unzählbare und vermitteln über die Hautporen Schweißausscheidung sowie die Aufnahme äußerlich angewandter Mittel wie Öl oder Salben. Im zweiten Teil werden die srotas (feinen Kanäle) für Lebensatem, Nahrung, Wasser, Rasa, Blut, Muskel- und Fettgewebe, Harn, Kot, Same und Menstrualblut mit ihren jeweiligen Wurzelorganen sowie den bei Verletzung auftretenden, teils tödlichen Krankheitszeichen dargestellt – ein diagnostisch wichtiges System für die chirurgische Praxis.
| Srotas | Wurzelorgane | Zeichen bei Verletzung |
|---|---|---|
| prāṇavaha | Herz, rasa-führende dhamanī | Aufschreien, Umsinken, Bewusstlosigkeit, Schwindel, Zittern, Tod |
| annavaha | Magen, nahrungführende dhamanī | Blähung, Kolikschmerz, Appetitlosigkeit, Erbrechen, Durst, Erblindung, Tod |
| udakavaha | Gaumen, kloma | Durst, sofortiger Tod |
| rasavaha | Herz, rasa-führende dhamanī | Auszehrung, Tod (wie beim prāṇa-Kanal) |
| raktavaha | Leber, Milz, blutführende dhamanī | Bläuliche Hautfarbe, Fieber, Brennen, Blässe, Blutungen, gerötete Augen |
| māṃsavaha | Sehnen, Haut, blutführende dhamanī | Schwellung, Muskelschwund, Knoten in den Adern, Tod |
| medovaha | Hüfte, Nieren | Übermäßiges Schwitzen, ölige Haut, Austrocknung des Gaumens, Schwellung, Durst |
| mūtravaha | Harnblase, Glied | Verschluss der Blase, Harnverhaltung, Erstarrung des Gliedes |
| purīṣavaha | Dickdarm, After | Stuhlverhaltung, übler Geruch, Darmverknotung |
| śukravaha | Brüste, Hoden | Impotenz, andauerndes Samentröpfeln, blutiger Same |
| ārtavavaha | Gebärmutter, menstrualblutführende dhamanī | Unfruchtbarkeit, Unfähigkeit zum Geschlechtsverkehr, Ausbleiben der Menstruation, Schmerzen |
athāto dhamanīvyākaraṇaṃ śārīraṃ vyākhyāsyāmaḥ
Nun wollen wir das Kapitel über die Erklärung der *dhamanī* (die großen Körperkanäle), das zur Anatomie gehört, darlegen.
yathovāca bhagavān dhanvantariḥ
So wie es der erhabene Dhanvantari gelehrt hat:
caturviṃśatirdhamanyo nābhiprabhavā abhihitāḥ tatra kecihāhuḥsirā dhamanīsro-tasāmavibhāgaḥ sirāvikārā eva hi dhamanyaḥ srotāṃsi ceti tattu na samyak anyā eva hi dhamanyaḥ srotāṃsi ca sirābhyaḥ kasmāt vyañjanānyatvān mū-lasanniyamāt karmavaiśeṣyāt āgamācca kevalaṃ tu parasparasannikarṣāt sadṛśāgamakarmatvāt saukṣmyācca vibhaktakarmaṇāmapyavibhāga iva karmasu bhavati
Man spricht von vierundzwanzig *dhamanī*, die vom Nabel ausgehen. Manche behaupten, es gäbe keinen Unterschied zwischen *sirā* (Ader), *dhamanī* und *srotas* (Kanal), und dass *dhamanī* und *srotas* nur Erscheinungsformen der *sirā* seien. Das ist jedoch nicht richtig: *dhamanī* und *srotas* unterscheiden sich durchaus von den *sirā* – aus welchem Grund? Wegen ihrer verschiedenen äußeren Merkmale, wegen der Festlegung ihrer jeweiligen Ursprünge, wegen der Verschiedenheit ihrer Funktionen und wegen der überlieferten Lehre. Nur weil sie sich gegenseitig eng berühren, ähnliche Verläufe und Funktionen haben und sehr fein sind, erscheinen ihre eigentlich getrennten Funktionen wie ungetrennt.
tāsāṃ tu khalu nābhiprabhavāṇāṃ dhamanīnāmūrdhvagā daśa daśa cādhogāminyaḥ catasrastiryaggāḥ
Von diesen vom Nabel ausgehenden *dhamanī* verlaufen zehn nach oben, zehn nach unten und vier quer durch den Körper.
ūrdhvagāḥ śabdasparśarūparasagandhapraśvāsocchvāsajṛmbhi takṣuddhasitakathita ru-ditādīn viśeṣānabhivahantyaḥ śarīraṃ dhārayanti tāstu hṛdayamabhiprapannāstridhā jāyante tāstriṃśat tāsāṃ tu vātapittakaphaśoṇitarasān dve dve vahatastā daśa śabdarūparasagandhānaṣṭābhirgṛhṇīte dvābhyāṃ bhāṣate dvābhyāṃ ghoṣaṃ karoti dvābhyāṃ svapiti dvābhyāṃ pratibudhyate dve cāśruvāhinyau dve stanyaṃ striyā vahataḥ stana-saṃśrite te eva śukraṃ narasya stanābhyāmabhivahataḥ tāstvetāstriṃśat savibhāgā vyākhyātāḥ etābhirūrdhvaṃ nābherudarapārśvapṛṣṭhoraḥskandhagrīvābāhavo dhāryante yāpyante ca
Die aufwärts führenden *dhamanī* tragen die besonderen Wahrnehmungen von Klang, Tastempfindung, Form, Geschmack und Geruch, von Ein- und Ausatmung, Gähnen, Niesen, Lachen, Sprechen und Weinen und dergleichen, und erhalten so den Körper aufrecht. Sie gehen vom Herzen aus und verzweigen sich je dreifach, so dass dreißig entstehen. Davon führen je zwei *vāta*, *pitta*, *kapha* (die drei Körpersäfte), Blut und *rasa* (den Nährsaft) – das sind zehn. Acht nehmen Klang, Form, Geschmack und Geruch wahr; mit zwei spricht man, mit zwei erzeugt man die Stimme, mit zwei schläft man, mit zwei erwacht man wieder; zwei führen die Tränen; zwei führen bei der Frau die Muttermilch, da sie mit den Brüsten verbunden sind – dieselben führen beim Mann den Samen zu den Brüsten. Diese dreißig sind damit vollständig aufgezählt und erklärt. Durch sie werden oberhalb des Nabels der Bauch, die Flanken, der Rücken, die Brust, die Schultern, der Hals und die Arme getragen und am Leben erhalten.
bhavati cātra ūrdhvaṃgamāstu kurvanti karmāṇyetāni sarvaśaḥ adhogamāstu vakṣyāmi karma cāsāṃ yathāyatham
Dazu gibt es folgenden Merkvers: Die aufwärts gehenden *dhamanī* verrichten insgesamt diese Aufgaben; nun will ich von den abwärts gehenden und ihren jeweiligen Aufgaben sprechen.
adhogamāstu vātamūtrapurīṣaśukrārtavādīnyadho vahanti tāstu pittāśayamabhipra-pannāstatrasthamevānnapānarasaṃ vipakvamauṣṇyādvivecayantyo'bhivahantyaḥ śarīraṃ tarpayanti arpayanti cordhvagānāṃ tiryaggāṇāṃ ca rasasthānaṃ cābhipūrayanti mūtra-purīṣasvedāṃśca vivecayanti āmapakvāśayāntare ca tridhā jāyante tāstriṃśat tāsāṃ tu vātapittakaphaśoṇitarasān dve dve vahatastā daśa dve annavāhinyāva-ntrāśrite toyavahe dve mūtrabastimabhiprapanne mūtravahe dve śukravahe dve śukraprādurbhā-vāya dve visargāya te eva raktamabhivahato visṛjataśca nārīṇāmārtavasaṃjñaṃ dve va-rconirasanyau sthūlāntrapratibaddhe aṣṭāvanyāstiryaggāminīnāṃ dhamanīnāṃ sveda-marpayanti tāstvetāstriṃśat savibhāgā vyākhyātāḥ etābhiradhonābheḥ pakvā-śayakaṭīmūtrapurīṣagudabastimeḍhrasakthīni dhāryante yāpyante ca
Die abwärts gehenden *dhamanī* führen *vāta*, Harn, Kot, Samen, Menstrualblut und Ähnliches nach unten. Sie erreichen den Sitz des *pitta* und scheiden dort die verdaute Nahrung durch dessen Hitze aus, führen sie weiter und nähren dadurch den Körper; sie versorgen auch die aufwärts und quer verlaufenden *dhamanī* und füllen den Sitz des *rasa*; ferner scheiden sie Harn, Kot und Schweiß aus. Zwischen dem unverdauten und dem verdauten Speisebereich verzweigen sie sich je dreifach, so dass dreißig entstehen. Davon führen je zwei *vāta*, *pitta*, *kapha*, Blut und *rasa* – das sind zehn; zwei führen die Nahrung und liegen im Darm; zwei führen Wasser; zwei erreichen die Harnblase und führen den Harn; zwei führen den Samen; zwei dienen der Entstehung des Samens, zwei seiner Ausscheidung – dieselben führen bei der Frau das Blut und scheiden das sogenannte Menstrualblut (*ārtava*) aus; zwei führen Kot und Wind und sind mit dem Dickdarm verbunden; die übrigen acht der quer verlaufenden *dhamanī* führen den Schweiß aus. Diese dreißig sind damit vollständig aufgezählt und erklärt. Durch sie werden unterhalb des Nabels der Dickdarmbereich, die Hüfte, Harn und Kot, der After, die Harnblase, das Glied und die Beine getragen und am Leben erhalten.
bhavati cātra adhogamāstu kurvanti karmāṇyetāni sarvaśaḥ tiryaggāḥ saṃpravakṣyāmi karma cāsāṃ yathāyatham
Dazu gibt es folgenden Merkvers: Die abwärts gehenden *dhamanī* verrichten insgesamt diese Aufgaben; nun will ich von den quer verlaufenden und ihren Aufgaben sprechen.
tiryaggāṇāṃ tu catasṛṇāṃ dhamanīnāmekaikā śatadhā sahasradhā cottarottaraṃ vibha-jyante tāstvasaṅkhyeyāḥ tābhiridaṃ śarīraṃ gavākṣitaṃ vibaddhamātataṃ ca tāsāṃ mu-khāni romakūpapratibaddhāni yaiḥ svedamabhivahanti rasaṃ cābhitarpayantyantarbahiśca taireva cābhyaṅgapariṣekāvagāhālepana vīryāṇyantaḥ śarīramabhipratipadyante tvaci vipakvāni taireva ca sparśaṃ sukhamasukhaṃ vā gṛhṇīte tāstvetāścatasrodhamanyaḥ sarvāṅgagatāḥ savibhāgā vyākhyātāḥ
Jede der vier quer verlaufenden *dhamanī* verzweigt sich immer weiter, zunächst hundertfach, dann tausendfach, so dass sie schließlich unzählbar werden. Durch sie ist dieser Körper wie mit einem Gitterwerk durchzogen, verbunden und durchspannt. Ihre Mündungen sind an den Haarwurzeln (den Poren) befestigt; durch sie führen sie den Schweiß nach außen und den *rasa* sowohl nach innen als auch nach außen und nähren so den Körper. Durch eben diese Mündungen gelangen auch die Wirkstoffe von Einölung, Übergießung, Bad und Salbung, nachdem sie in der Haut umgewandelt wurden, in das Körperinnere; durch sie nimmt man auch angenehme oder unangenehme Berührungsempfindungen wahr. Diese vier über den ganzen Körper verlaufenden *dhamanī* sind damit vollständig aufgezählt und erklärt.
yathā svabhāvataḥ khāni mṛṇāleṣu biseṣu ca dhamanīnāṃ tathā khāni raso yairupacīyate
So wie von Natur aus Öffnungen im Lotusstängel und in der Lotuswurzel vorhanden sind, so gibt es auch Öffnungen in den *dhamanī*, durch die der *rasa* den Körper aufbaut.
pañcābhibhūtāstvatha pañcakṛtvaḥ pañcendri yaṃ pañcasu bhāvayanti pañcendri yaṃ pañcasu bhāvayitvā pañcatvamāyānti vināśakāle
Von den fünf Elementen durchdrungen, formen sie fünffach die fünf Sinnesorgane aus den fünf Elementen; nachdem sie die fünf Sinnesorgane aus den fünf Elementen geformt haben, kehren sie zur Zeit des Todes in die fünf Elemente zurück.
ata ūrdhvaṃ srotasāṃ mūlaviddhalakṣaṇamupadekṣyāmaḥ tāni tu prāṇānnodakarasara-ktamāṃsamedomūtrapurīṣaśukrārtavavahāni yeṣvadhikāraḥ ekeṣāṃ bahūni eteṣāṃ vi-śeṣā bahavaḥ tatra prāṇavahe dve tayormūlaṃ hṛdayaṃ rasavāhinyaśca dhamanyaḥ tatra vi-ddhasyākrośanavinamanamohanabhramaṇavepanāni maraṇaṃ vā bhavatiannavahe dve tayormū-lamāmāśayo'nnavāhinyaścadhamanyaḥ tatra viddhasyādhmānaṃ śūlo'nnadveṣaśchardiḥ pipāsā'ndhya maraṇaṃ caudakavahe dve tayormūlaṃ tālu kloma ca tatra viddhasya pipāsā sadyomaraṇaṃ ca rasa vahe dve tayormūlaṃ hṛdayaṃ rasa vāhinyaśca dhamanyaḥ tatra viddhasya śoṣaḥprāṇavahaviddhavacca maraṇaṃ talliṅgāni ca raktavahe dve tayormūlaṃ yakṛtplīhānau raktavāhinyaśca dhamanyaḥ tatra viddhasya śyāvāṅgatā jvaro dāhaḥ pāṇḍutā śoṇitāgamanaṃ raktanetratā ca māṃsavahe dve tayormūlaṃ snāyutvacaṃ raktavahāśca dhamanyaḥ tatra viddhasya śvayathurmāṃsaśoṣaḥ sirāgranthayo maraṇaṃ ca medovahe dve tayormūlaṃ kaṭī vṛkkau ca tatra viddhasya svedāgamanaṃ snigdhāṅgatā tāluśoṣaḥ sthūlaśo phatā pipāsā ca mūtravahe dve tayormūlaṃ bastirmeḍhraṃ ca tatra viddhasyānaddhabastitā mūtranirodhaḥ stabdhameḍhratā ca purīṣavahe dve tayormūlaṃ pakvāśayo gudaṃ ca tatra viddhasyānāho durgandhatā grathitāntratā caśukravahe dve tayormūlaṃ stanau vṛṣaṇau ca tatra viddhasya klībatā cirāt praseko raktaśukratā ca ārtavahe dve tayormūlaṃ garbhāśaya ārtavavāhinyaśca dhamanyaḥ tatra viddhāyā vandhyātvaṃ maithu-nāsahiṣṇutvamārtavanāśaśca sevanīcchedādrujāprādurbhāvaḥ bastigudaviddhalakṣaṇaṃ prāguktamiti srotoviddhaṃ tu pratyākhyāyopacaret uddhṛtaśalyaṃ tu kṣatavidhānenopacaret
Von nun an wollen wir die Kennzeichen der Verletzung der Wurzeln der *srotas* (der feinen Kanäle) darlegen. Diese führen den Lebensatem (*prāṇa*), Nahrung, Wasser, *rasa*, Blut, Muskelgewebe, Fettgewebe, Harn, Kot, Samen und Menstrualblut; manche haben mehrere solcher Aufgaben, und es gibt viele weitere Besonderheiten. Der *prāṇa*-führende Kanal ist zweifach; seine Wurzel ist das Herz und die *rasa*-führenden *dhamanī*; wird er verletzt, kommt es zu Aufschreien, Umsinken, Bewusstlosigkeit, Schwindel, Zittern oder zum Tod. Der nahrungführende Kanal ist zweifach; seine Wurzel ist der Magen und die nahrungführenden *dhamanī*; wird er verletzt, kommt es zu Blähung, Kolikschmerz, Appetitlosigkeit, Erbrechen, Durst, Erblindung oder Tod. Der wasserführende Kanal ist zweifach; seine Wurzel ist der Gaumen und das *kloma* (ein Organ im Brustraum); wird er verletzt, kommt es zu Durst und sofortigem Tod. Der *rasa*-führende Kanal ist zweifach; seine Wurzel ist das Herz und die *rasa*-führenden *dhamanī*; wird er verletzt, kommt es zu Auszehrung und, wie bei der Verletzung des *prāṇa*-Kanals, zum Tod mit denselben Anzeichen. Der blutführende Kanal ist zweifach; seine Wurzel sind Leber und Milz sowie die blutführenden *dhamanī*; wird er verletzt, kommt es zu bläulicher Hautfarbe, Fieber, Brennen, Blässe, Blutungen und Rötung der Augen. Der muskelgewebeführende Kanal ist zweifach; seine Wurzel sind Sehnen, Haut und die blutführenden *dhamanī*; wird er verletzt, kommt es zu Schwellung, Muskelschwund, Knoten in den Adern und Tod. Der fettgewebeführende Kanal ist zweifach; seine Wurzel sind die Hüfte und die Nieren; wird er verletzt, kommt es zu übermäßigem Schwitzen, öliger Haut, Austrocknung des Gaumens, grober Schwellung und Durst. Der harnführende Kanal ist zweifach; seine Wurzel sind Harnblase und Glied; wird er verletzt, kommt es zu Verschluss der Harnblase, Harnverhaltung und Erstarrung des Gliedes. Der kotführende Kanal ist zweifach; seine Wurzel sind Dickdarm und After; wird er verletzt, kommt es zu Stuhlverhaltung, üblem Geruch und Darmverknotung. Der samenführende Kanal ist zweifach; seine Wurzel sind die Brüste und die Hoden; wird er verletzt, kommt es zu Impotenz, andauerndem Samentröpfeln und blutigem Samen. Der menstrualblutführende Kanal ist zweifach; seine Wurzel ist die Gebärmutter und die menstrualblutführenden *dhamanī*; wird er bei der Frau verletzt, kommt es zu Unfruchtbarkeit, Unfähigkeit zum Geschlechtsverkehr, Ausbleiben der Menstruation und, bei Durchtrennung der Scheidennaht, zu Schmerzen. Die Kennzeichen der Verletzung von Harnblase und After wurden bereits zuvor genannt. Ist ein Kanal verletzt, so soll man die Behandlung als aussichtslos ablehnen; ist hingegen ein eingedrungener Fremdkörper entfernt worden, so soll man nach den Regeln der Wundbehandlung versorgen.
bhavati cātra mūlāt khādantaraṃ dehe prasṛtaṃ tvabhivāhi yat srotastaditi vijñeyaṃ sirādhamanivarjitam
Dazu gibt es folgenden Merkvers: Was von der Wurzel ausgehend, durch eine Öffnung, sich im Körper ausbreitet und Stoffe transportiert, das ist als *srotas* zu erkennen – im Unterschied zu *sirā* und *dhamanī*.