Quellen der Menschheit

Dhyānabindu-Upaniṣad

Abschnitt 5: ātma-nirṇayaḥ, bhūta-bījāni, nādaḥ Die Bestimmung des Selbst, die Keimsilben der Elemente und der innere Klang; Schluss (Verse 94–105)

Der Schlussabschnitt beginnt mit einem langen Prosastück, der „Bestimmung des Selbst“ (ātma-nirṇaya), das in den Yoga-Upaniṣaden ohne Gegenstück ist: Die atomkleine, lichtgestaltige Einzelseele wohnt im achtblättrigen Herzlotos und hält sich für Täter und Genießer; je nachdem, auf welchem der acht farbigen Blätter sie ruht, neigt der Sinn zu Frömmigkeit, Trägheit, Zorn, Gewalt, Spiel, Wanderlust, Liebeslust oder Mitleid, in den Zwischenräumen brechen die Krankheiten von Wind, Galle und Schleim aus, in der Mitte weiß sie alles und ist voller Wonne. Drei „Linienkreise“ in den Farben Rot, Glutrot und Rubin markieren Schlaf, Traum und Tiefschlaf; darüber liegen der vierte Zustand und das Jenseits des Vierten, in dem der Befreite bis zum Abfall des Körpers als Wonne selbst verweilt. Ein Zitat aus der Bhagavadgītā (6,25) beschreibt das allmähliche Zur-Ruhe-Kommen des Geistes. Es folgen die Keimsilben der fünf Elemente (ya, ra, la, va, ha), hier mit den fünf Lebenswinden und ihren Farben verbunden, die Zahl der Kanäle und Haarporen, die Vereinigung von Prāṇa und Apāna im Herzen und ihr Aufstieg mit dem Praṇava. Die letzten Verse gehören der Nāda-Lehre: Aus dem „Stab der Vīṇā“, der Wirbelsäule, steigt der gestaltlose Klang auf, in der Schädelhöhle strahlt das Selbst wie die Sonne, und wer zwischen den „beiden Bogen“ der Brauen das eigene Selbst als Puruṣa schaut, erlangt das Alleinsein (kaivalya). Die Friedensformel und der Kolophon beschließen den Text.

athātma-nirṇayaṃ vyākhyāsye | hṛdi-sthāne aṣṭa-dala-padmaṃ vartate | tan-madhye rekhā-valayaṃ kṛtvā jīvātma-rūpaṃ jyotī-rūpam aṇu-mātraṃ vartate | tasmin sarvaṃ pratiṣṭhitaṃ bhavati | sarvaṃ jānāti sarvaṃ karoti sarvam etac caritam ahaṃ kartāhaṃ bhoktā sukhī duḥkhī kāṇaḥ khañjo badhiro mūkaḥ kṛśaḥ sthūlo 'nena prakāreṇa svatantra-vādena vartate | pūrva-dale viśramate pūrvaṃ dalaṃ śveta-varṇaṃ tadā bhakti-puraḥsaraṃ dharme matir bhavati | yadāgneya-dale viśramate tad āgneya-dalaṃ rakta-varṇaṃ tadā nidrālasya-matir bhavati | yadā dakṣiṇa-dale viśramate tad dakṣiṇa-dalaṃ kṛṣṇa-varṇaṃ tadā dveṣa-kopa-matir bhavati | yadā nairṛta-dale viśramate tan nairṛta-dalaṃ nīla-varṇaṃ tadā pāpa-karma-hiṃsā-matir bhavati | yadā paścima-dale viśramate tat paścima-dalaṃ sphaṭika-varṇaṃ tadā krīḍā-vinode matir bhavati | yadā vāyavya-dale viśramate vāyavya-dalaṃ māṇikya-varṇaṃ tadā gamana-calana-vairāgya-matir bhavati | yadottara-dale viśramate tad uttara-dalaṃ pīta-varṇaṃ tadā sukha-śṛṅgāra-matir bhavati | yadeśāna-dale viśramate tad īśāna-dalaṃ vaiḍūrya-varṇaṃ tadā dānādi-kṛpā-matir bhavati | yadā sandhi-sandhiṣu matir bhavati tadā vāta-pitta-śleṣma-mahā-vyādhi-prakopo bhavati | yadā madhye tiṣṭhati tadā sarvaṃ jānāti gāyati nṛtyati paṭhaty ānandaṃ karoti | yadā netra-śramo bhavati śrama-nirharaṇārthaṃ prathama-rekhā-valayaṃ kṛtvā madhye nimajjanaṃ kurute prathama-rekhā bandhūka-puṣpa-varṇaṃ tadā nidrāvasthā bhavati | nidrāvasthā-madhye svapnāvasthā bhavati | svapnāvasthā-madhye dṛṣṭaṃ śrutam anumāna-sambhava-vārtā ity ādi-kalpanāṃ karoti tadāti-śramo bhavati | śrama-nirharaṇārthaṃ dvitīya-rekhā-valayaṃ kṛtvā madhye nimajjanaṃ kurute dvitīya-rekhā indra-kopa-varṇaṃ tadā suṣupty-avasthā bhavati | suṣuptau kevala-parameśvara-sambandhinī buddhir bhavati nitya-bodha-svarūpā bhavati paścāt parameśvara-svarūpeṇa prāptir bhavati | tṛtīya-rekhā-valayaṃ kṛtvā madhye nimajjanaṃ kurute tṛtīya-rekhā padmarāga-varṇaṃ tadā turīyāvasthā bhavati | turīye kevala-paramātma-sambandhinī bhavati nitya-bodha-svarūpā bhavati | tadā śanaiḥ śanair uparamed buddhyā dhṛti-gṛhītayātma-saṃsthaṃ manaḥ kṛtvā na kiñcid api cintayet | tadā prāṇāpānayor aikyaṃ kṛtvā sarvaṃ viśvam ātma-svarūpeṇa lakṣyaṃ dhārayati | yadā turīyātītāvasthā tadā sarveṣām ānanda-svarūpo bhavati dvandvātīto bhavati yāvad deha-dhāraṇā vartate tāvat tiṣṭhati paścāt paramātma-svarūpeṇa prāptir bhavati | ity anena prakāreṇa mokṣo bhavati | idam evātma-darśanopāyaṃ bhavati | catuṣ-patha-samāyukta-mahā-dvāra-ga-vāyunā | saha sthita-trikoṇārdha-gamane dṛśyate 'cyutaḥ ||94||

Nun will ich die Bestimmung des Selbst (ātma-nirṇaya) darlegen. An der Stelle des Herzens befindet sich ein achtblättriger Lotos. In dessen Mitte bildet [die Seele] einen Kreis von Linien und weilt dort in der Gestalt der Einzelseele (jīvātman), in Gestalt eines Lichtes, von der Größe eines Atoms. In ihr ist alles gegründet. Sie weiß alles, sie tut alles, all dieses Wirken [ist ihres]: „Ich bin der Täter, ich bin der Genießer, glücklich, unglücklich, einäugig, lahm, taub, stumm, mager, dick“ – auf diese Weise lebt sie in der Rede von der Selbstbestimmung. [Wenn sie] auf dem östlichen Blatt ruht – das östliche Blatt ist weiß –, dann richtet sich der Sinn auf das Gesetz (dharma), von Hingabe (bhakti) geleitet. Wenn sie auf dem südöstlichen Blatt ruht – dieses südöstliche Blatt ist rot –, dann richtet sich der Sinn auf Schlaf und Trägheit. Wenn sie auf dem südlichen Blatt ruht – dieses südliche Blatt ist schwarz –, dann richtet sich der Sinn auf Hass und Zorn. Wenn sie auf dem südwestlichen Blatt ruht – dieses südwestliche Blatt ist blau –, dann richtet sich der Sinn auf böse Taten und Gewalt. Wenn sie auf dem westlichen Blatt ruht – dieses westliche Blatt ist kristallfarben –, dann richtet sich der Sinn auf Spiel und Vergnügen. Wenn sie auf dem nordwestlichen Blatt ruht – das nordwestliche Blatt ist rubinfarben –, dann richtet sich der Sinn auf Gehen, Wandern und Entsagung (vairāgya). Wenn sie auf dem nördlichen Blatt ruht – dieses nördliche Blatt ist gelb –, dann richtet sich der Sinn auf Lust und Liebesfreude. Wenn sie auf dem nordöstlichen Blatt ruht – dieses nordöstliche Blatt ist berylfarben –, dann richtet sich der Sinn auf Gaben und dergleichen und auf Mitleid. Wenn der Sinn sich in den Zwischenräumen [der Blätter] aufhält, dann bricht die große Krankheit von Wind, Galle und Schleim aus. Wenn sie in der Mitte steht, dann weiß sie alles, singt, tanzt, rezitiert und ist voller Wonne. Wenn Ermüdung der Augen eintritt, bildet sie, um die Ermüdung zu beseitigen, den ersten Kreis von Linien und taucht in die Mitte ein; die erste Linie hat die Farbe der Bandhūka-Blüte (rot); dann tritt der Zustand des Schlafs ein. Inmitten des Schlafzustandes tritt der Traumzustand ein. Im Traumzustand bildet sie Vorstellungen wie „gesehen, gehört, aus Schlussfolgerung möglich, Nachricht“ und dergleichen; dann entsteht große Ermüdung. Um die Ermüdung zu beseitigen, bildet sie den zweiten Kreis von Linien und taucht in die Mitte ein; die zweite Linie hat die Farbe des Indragopa-Käfers (leuchtend rot); dann tritt der Zustand des Tiefschlafs ein. Im Tiefschlaf ist der Verstand (buddhi) allein auf den höchsten Herrn bezogen, er hat die Natur ewigen Erkennens; danach erfolgt das Erlangen [des Herrn] in der eigenen Wesensgestalt des höchsten Herrn. Sie bildet den dritten Kreis von Linien und taucht in die Mitte ein; die dritte Linie hat die Farbe des Rubins; dann tritt der vierte Zustand (turīya) ein. Im Vierten ist [der Verstand] allein auf das höchste Selbst bezogen, er hat die Natur ewigen Erkennens. Dann soll man ganz allmählich zur Ruhe kommen mit einem von Festigkeit getragenen Verstand; man richte den Geist im Selbst fest ein und denke an gar nichts mehr. Dann, nachdem man Prāṇa und Apāna geeint hat, hält man das ganze All als Ziel in der Wesensgestalt des Selbst. Wenn der Zustand jenseits des Vierten (turīyātīta) [eintritt], dann wird man für alle [Wesen] die Wonne selbst, geht über die Gegensatzpaare hinaus; solange das Tragen des Körpers andauert, bleibt man [so]; danach erfolgt das Erlangen in der Wesensgestalt des höchsten Selbst. So kommt auf diese Weise die Erlösung zustande. Eben dies ist das Mittel zur Schau des Selbst. Zusammen mit dem Wind, der durch das große Tor geht, das mit dem Kreuzweg verbunden ist, wird beim Gang zur Hälfte des [dort] gelegenen Dreiecks der Unerschütterliche (Acyuta, Viṣṇu) geschaut. [Anm.: Der Schlussvers ist dunkel; gemeint ist wohl der Aufstieg des Windes durch die Suṣumnā zum Dreieck des Brauen- oder Scheitelzentrums, wo das Höchste geschaut wird.]

Wort für Wort
atha
nun
ātma-nirṇayam
die Bestimmung des Selbst (Akk.Sg.)
vyākhyāsye
ich will darlegen (1.Sg.Fut.Med.)
hṛdi-sthāne
an der Stelle des Herzens (Lok.Sg.)
aṣṭa-dala-padmam vartate
ein achtblättriger Lotos befindet sich (3.Sg.Präs.Med.)
tat-madhye
in dessen Mitte (Lok.Sg.)
rekhā-valayam kṛtvā
einen Kreis von Linien bildend (Absol.)
jīva-ātma-rūpam
in Gestalt der Einzelseele (Nom.Sg.n.)
jyotī-rūpam
in Gestalt eines Lichtes (Nom.Sg.n.)
aṇu-mātram vartate
von Atomgröße weilt [sie] (3.Sg.Präs.Med.)
tasmin sarvam pratiṣṭhitam bhavati
in ihr ist alles gegründet
sarvam jānāti sarvam karoti
sie weiß alles, tut alles (3.Sg.Präs.)
sarvam etat caritam
all dieses Wirken (Nom.Sg.n.)
aham kartā aham bhoktā
ich bin Täter, ich bin Genießer (Nom.Sg.)
sukhī duḥkhī kāṇaḥ khañjaḥ badhiraḥ mūkaḥ kṛśaḥ sthūlaḥ
glücklich, unglücklich, einäugig, lahm, taub, stumm, mager, dick (Nom.Sg.)
anena prakāreṇa
auf diese Weise (Instr.Sg.)
svatantra-vādena vartate
lebt in der Rede von der Selbstbestimmung (Instr.Sg.; 3.Sg.Präs.Med.)
pūrva-dale viśramate
ruht auf dem östlichen Blatt (Lok.Sg.; 3.Sg.Präs.Med.)
pūrvam dalam śveta-varṇam
das östliche Blatt ist von weißer Farbe (Nom.Sg.n.)
tadā
dann
bhakti-puraḥsaram
von Hingabe geleitet (Adv.)
dharme matiḥ bhavati
der Sinn richtet sich auf das Gesetz (Lok.Sg.; Nom.Sg.)
yadā āgneya-dale
wenn auf dem südöstlichen (dem Agni zugehörigen) Blatt (Lok.Sg.)
rakta-varṇam
rot (Nom.Sg.n.)
nidrā-ālasya-matiḥ
Sinn für Schlaf und Trägheit (Nom.Sg.)
dakṣiṇa-dale
auf dem südlichen Blatt (Lok.Sg.)
kṛṣṇa-varṇam
schwarz (Nom.Sg.n.)
dveṣa-kopa-matiḥ
Sinn für Hass und Zorn (Nom.Sg.)
nairṛta-dale
auf dem südwestlichen (der Nirṛti zugehörigen) Blatt (Lok.Sg.)
nīla-varṇam
blau (Nom.Sg.n.)
pāpa-karma-hiṃsā-matiḥ
Sinn für böse Taten und Gewalt (Nom.Sg.)
paścima-dale
auf dem westlichen Blatt (Lok.Sg.)
sphaṭika-varṇam
kristallfarben (Nom.Sg.n.)
krīḍā-vinode matiḥ
Sinn für Spiel und Vergnügen (Lok.Sg.)
vāyavya-dale
auf dem nordwestlichen (dem Vāyu zugehörigen) Blatt (Lok.Sg.)
māṇikya-varṇam
rubinfarben (Nom.Sg.n.)
gamana-calana-vairāgya-matiḥ
Sinn für Gehen, Wandern und Entsagung (Nom.Sg.)
uttara-dale
auf dem nördlichen Blatt (Lok.Sg.)
pīta-varṇam
gelb (Nom.Sg.n.)
sukha-śṛṅgāra-matiḥ
Sinn für Lust und Liebesfreude (Nom.Sg.)
īśāna-dale
auf dem nordöstlichen (dem Īśāna zugehörigen) Blatt (Lok.Sg.)
vaiḍūrya-varṇam
berylfarben (Nom.Sg.n.)
dāna-ādi-kṛpā-matiḥ
Sinn für Gaben usw. und Mitleid (Nom.Sg.)
sandhi-sandhiṣu
in den einzelnen Zwischenräumen (Lok.Pl.)
vāta-pitta-śleṣma-mahā-vyādhi-prakopaḥ
Ausbruch der großen Krankheit von Wind, Galle und Schleim (Nom.Sg.)
madhye tiṣṭhati
steht in der Mitte (3.Sg.Präs.)
gāyati nṛtyati paṭhati
singt, tanzt, rezitiert (3.Sg.Präs.)
ānandam karoti
macht Wonne, ist wonnevoll (3.Sg.Präs.)
netra-śramaḥ
Ermüdung der Augen (Nom.Sg.)
śrama-nirharaṇa-artham
zur Beseitigung der Ermüdung (Adv.)
prathama-rekhā-valayam kṛtvā
den ersten Linienkreis bildend (Absol.)
madhye nimajjanam kurute
taucht in die Mitte ein (3.Sg.Präs.Med.)
bandhūka-puṣpa-varṇam
von der Farbe der Bandhūka-Blüte (Nom.Sg.n.)
nidrā-avasthā
der Zustand des Schlafs (Nom.Sg.)
svapna-avasthā
der Traumzustand (Nom.Sg.)
dṛṣṭam śrutam anumāna-sambhava-vārtā iti
„gesehen, gehört, aus Schlussfolgerung möglich, Nachricht“ – so
ādi-kalpanām karoti
bildet Vorstellungen und dergleichen (3.Sg.Präs.)
ati-śramaḥ
große Ermüdung (Nom.Sg.)
indra-kopa-varṇam
von der Farbe des Indragopa-Käfers (Nom.Sg.n.)
suṣupti-avasthā
der Tiefschlafzustand (Nom.Sg.)
suṣuptau
im Tiefschlaf (Lok.Sg.)
kevala-parameśvara-sambandhinī buddhiḥ
der allein auf den höchsten Herrn bezogene Verstand (Nom.Sg.f.)
nitya-bodha-svarūpā
von der Natur ewigen Erkennens (Nom.Sg.f.)
paścāt
danach
parameśvara-svarūpeṇa prāptiḥ
Erlangen in der Wesensgestalt des höchsten Herrn (Instr.Sg.; Nom.Sg.)
padmarāga-varṇam
rubinfarben (Nom.Sg.n.)
turīya-avasthā
der vierte Zustand (Nom.Sg.)
turīye
im Vierten (Lok.Sg.)
kevala-paramātma-sambandhinī
allein auf das höchste Selbst bezogen (Nom.Sg.f.)
śanaiḥ śanaiḥ uparamet
ganz allmählich komme man zur Ruhe (3.Sg.Opt.)
buddhyā dhṛti-gṛhītayā
mit einem von Festigkeit getragenen Verstand (Instr.Sg.)
ātma-saṃstham manaḥ kṛtvā
den Geist im Selbst fest eingerichtet habend (Absol.)
na kiñcit api cintayet
man denke an gar nichts (3.Sg.Opt.)
prāṇa-apānayoḥ aikyam kṛtvā
Prāṇa und Apāna geeint habend (Absol.)
sarvam viśvam
das ganze All (Akk.Sg.)
ātma-svarūpeṇa
in der Wesensgestalt des Selbst (Instr.Sg.)
lakṣyam dhārayati
hält als Ziel (3.Sg.Präs.Kaus.)
turīya-atīta-avasthā
der Zustand jenseits des Vierten (Nom.Sg.)
sarveṣām ānanda-svarūpaḥ
für alle die Wonne selbst (Gen.Pl.; Nom.Sg.)
dvandva-atītaḥ
über die Gegensatzpaare hinaus (Nom.Sg.)
yāvat deha-dhāraṇā vartate
solange das Tragen des Körpers andauert
tāvat tiṣṭhati
so lange bleibt er (3.Sg.Präs.)
paramātma-svarūpeṇa prāptiḥ
Erlangen in der Wesensgestalt des höchsten Selbst (Nom.Sg.)
iti anena prakāreṇa mokṣaḥ bhavati
so kommt auf diese Weise die Erlösung zustande
idam eva ātma-darśana-upāyam bhavati
eben dies ist das Mittel zur Schau des Selbst
catuḥ-patha-samāyukta-mahā-dvāra-ga-vāyunā saha
zusammen mit dem Wind, der durch das mit dem Kreuzweg verbundene große Tor geht (Instr.Sg.)
sthita-trikoṇa-ardha-gamane
beim Gang zur Hälfte des [dort] befindlichen Dreiecks (Lok.Sg.)
dṛśyate acyutaḥ
wird Acyuta, der Unerschütterliche, geschaut (3.Sg.Pass.)

Langer Prosaabschnitt (in der Vorlage als Vers 94 mit abschließendem Śloka gezählt): die „Bestimmung des Selbst“ (ātma-nirṇaya) anhand des achtblättrigen Herzlotos, dessen acht Blätter mit den Himmelsrichtungen, Farben und Gemütsneigungen verbunden werden, und der drei „Linienkreise“ für Schlaf, Traum und Tiefschlaf, über die hinaus der vierte Zustand und das Jenseits des Vierten liegen. Ohne Parallele in den anderen Yoga-Upaniṣaden; die Zuordnung von Blättern und Neigungen erinnert an tantrische Herzlotos-Lehren (Śāradātilaka, Kubjikā-Tradition). Der Satz śanaiḥ śanair uparamed buddhyā dhṛti-gṛhītayā | ātma-saṃsthaṃ manaḥ kṛtvā na kiñcid api cintayet zitiert wörtlich Bhagavadgītā 6,25. Berichtigungen: Vorlage śramanirbharaṇārthaṃ (erste Stelle) nach der zweiten Stelle zu śrama-nirharaṇārthaṃ; buddirbhavati zu buddhir bhavati; sukhaśa‍ृṅgāra (Satzfehler) zu sukha-śṛṅgāra; tadādiśramo zu tadāti-śramo („dann entsteht große Ermüdung“, unsicher); mokṣo bhavatīdamevātmadarśanopāyaṃ bhavanti (Numerusfehler) zu … upāyaṃ bhavati. Vor pūrva-dale fehlt in der Vorlage das yadā der folgenden Glieder.

pūrvokta-trikoṇa-sthānād upari pṛthivy-ādi-pañca-varṇakaṃ dhyeyam | prāṇādi-pañca-vāyuś ca bījaṃ varṇaṃ ca sthānakam | ya-kāraṃ prāṇa-bījaṃ ca nīla-jīmūta-sannibham | ra-kāram agni-bījaṃ ca apānāditya-saṃnibham ||95||

Oberhalb des zuvor genannten Ortes des Dreiecks ist die Fünfheit der Farben [der Elemente], mit der Erde beginnend, zu meditieren, dazu die fünf Winde, mit Prāṇa beginnend, [jeweils mit] Keimsilbe (bīja), Farbe und Ort: Der Laut ya ist die Keimsilbe des Prāṇa, einer dunkelblauen Wolke gleich; der Laut ra ist die Keimsilbe des Feuers – der Apāna, der Sonne gleich;

Wort für Wort
pūrva-ukta-trikoṇa-sthānāt upari
oberhalb des zuvor genannten Dreiecksortes (Abl.Sg.; Adv.)
pṛthivī-ādi-pañca-varṇakam
die Fünfheit der Farben, mit der Erde beginnend (Nom.Sg.n.)
dhyeyam
ist zu meditieren (Gerundiv)
prāṇa-ādi-pañca-vāyuḥ ca
und die fünf Winde, mit Prāṇa beginnend (Nom.Sg.)
bījam varṇam ca sthānakam
Keimsilbe, Farbe und Ort (Nom./Akk.Sg.n.)
ya-kāram
den Laut ya (Akk.Sg.)
prāṇa-bījam ca
und die Keimsilbe des Prāṇa (Akk.Sg.)
nīla-jīmūta-sannibham
einer dunkelblauen Wolke gleich (Akk.Sg.)
ra-kāram
den Laut ra (Akk.Sg.)
agni-bījam ca
und die Keimsilbe des Feuers (Akk.Sg.)
apāna-āditya-saṃnibham
den Apāna, der Sonne gleich (Akk.Sg.)

Prosaeinleitung mit anschließenden Versen (die Vorlage zählt alles als Vers 95). Die Zuordnung der Keimsilben ya (Wind), ra (Feuer), la (Erde), va (Wasser), ha (Raum) zu den fünf Elementen ist die der Elemente-Dhāraṇā (Gorakṣaśataka 69–73, Yogatattva-Upaniṣad 85–102); die Dhyānabindu verbindet sie zusätzlich mit den fünf Lebenswinden. Der Hiat ca apāna- ist metrisch bedingt; prāṇādi-pañca-vāyuś ca steht syntaktisch lose im Nominativ.

la-kāraṃ pṛthivī-rūpaṃ vyānaṃ bandhūka-saṃnibham | va-kāraṃ jīva-bījaṃ ca udānaṃ śaṅkha-varṇakam ||96||

der Laut la hat die Gestalt der Erde – der Vyāna, der Bandhūka-Blüte gleich [rot]; der Laut va ist die Keimsilbe des Lebens (des Wassers) – der Udāna, von der Farbe der Muschel [weiß];

Wort für Wort
la-kāram
den Laut la (Akk.Sg.)
pṛthivī-rūpam
von der Gestalt der Erde (Akk.Sg.)
vyānam
den Vyāna (Akk.Sg.)
bandhūka-saṃnibham
der Bandhūka-Blüte gleich (Akk.Sg.)
va-kāram
den Laut va (Akk.Sg.)
jīva-bījam ca
und die Keimsilbe des Lebens (Akk.Sg.)
udānam
den Udāna (Akk.Sg.)
śaṅkha-varṇakam
von der Farbe der Muschel (Akk.Sg.)

jīva-bīja „Keimsilbe des Lebens“: der Laut va ist sonst die Keimsilbe des Wassers (Gorakṣaśataka 70), das als Lebensträger gilt. Der Hiat ca udānam ist metrisch bedingt.

ha-kāraṃ viyat-svarūpaṃ ca samānaṃ sphaṭika-prabham | hṛn-nābhi-nāsā-karṇaṃ ca pādāṅguṣṭhādi-saṃsthitam ||97||

und der Laut ha hat das Wesen des Raumes (viyat) – der Samāna, mit dem Glanz des Bergkristalls. [Ihre Orte sind] Herz, Nabel, Nase, Ohr und die Zehen und so fort.

Wort für Wort
ha-kāram
den Laut ha (Akk.Sg.)
viyat-svarūpam ca
und vom Wesen des Raumes (Akk.Sg.)
samānam
den Samāna (Akk.Sg.)
sphaṭika-prabham
mit dem Glanz des Bergkristalls (Akk.Sg.)
hṛd-nābhi-nāsā-karṇam ca
und Herz, Nabel, Nase, Ohr (Akk.Sg.)
pāda-aṅguṣṭha-ādi-saṃsthitam
in den Zehen usw. befindlich (Akk.Sg.)

Die Sitze der fünf Winde (Herz: Prāṇa, Nabel: Samāna usw.) werden nur summarisch genannt; vgl. Yogacūḍāmaṇi 23–24.

dvi-saptati-sahasrāṇi nāḍī-mārgeṣu vartate | aṣṭāviṃśati-koṭīṣu roma-kūpeṣu saṃsthitāḥ ||98||

Auf den zweiundsiebzigtausend Wegen der Kanäle bewegt sich [der Lebenswind]; [die Winde] haben ihren Sitz in den achtundzwanzig Koṭis (280 Millionen) Haarporen.

Wort für Wort
dvi-saptati-sahasrāṇi
zweiundsiebzigtausend (Nom./Akk.Pl.)
nāḍī-mārgeṣu
auf den Wegen der Kanäle (Lok.Pl.)
vartate
bewegt sich, ist (3.Sg.Präs.Med.)
aṣṭāviṃśati-koṭīṣu
in achtundzwanzig Koṭis (Lok.Pl.)
roma-kūpeṣu
in den Haarporen (Lok.Pl.)
saṃsthitāḥ
befindlich (Nom.Pl.)

Numerus und Konstruktion sind uneben (vartate Singular, saṃsthitāḥ Plural); die Übersetzung ergänzt die Subjekte. Zur Zahl der 72.000 Kanäle vgl. Vers 51 und Yogaśikhā-Upaniṣad 6,14.

samāna-prāṇa ekas tu jīvaḥ sa eka eva hi | recakādi-trayaṃ kuryād dṛḍha-cittaḥ samāhitaḥ ||99||

Der Lebensatem, der [in allen Wesen] derselbe ist, ist nur einer; und die Seele (jīva) – sie ist ebenso nur eine. Die Dreiheit von Ausatmung (recaka) usw. führe man mit festem Geist, gesammelt, aus.

Wort für Wort
samāna-prāṇaḥ
der gleiche Lebensatem (Nom.Sg.)
ekaḥ tu
ist einer (Nom.Sg.)
jīvaḥ
die Seele (Nom.Sg.)
saḥ ekaḥ eva hi
sie ist eben nur eine
recaka-ādi-trayam
die Dreiheit von Ausatmung usw. (Akk.Sg.)
kuryāt
man führe aus (3.Sg.Opt.)
dṛḍha-cittaḥ
mit festem Geist (Nom.Sg.)
samāhitaḥ
gesammelt (Nom.Sg.)

samāna-prāṇa kann auch als „der Samāna-Wind“ verstanden werden; im Kontext der Einheitslehre ist eher „der gleiche Prāṇa“ gemeint: Die fünf Winde sind ein einziger Atem, wie die Seele eine ist.

śanaiḥ samastam ākṛṣya hṛt-saroruha-koṭare | prāṇāpānau ca baddhvā tu praṇavena samuccaret ||100||

Nachdem man [den Wind] langsam ganz in die Höhlung des Herzlotos gezogen und Prāṇa und Apāna [dort] gebunden hat, lasse man [ihn] mit dem Praṇava emporsteigen.

Wort für Wort
śanaiḥ
langsam
samastam
ganz, vollständig (Akk.Sg.)
ākṛṣya
gezogen habend (Absol.)
hṛt-saroruha-koṭare
in der Höhlung des Herzlotos (Lok.Sg.)
prāṇa-apānau ca
und Prāṇa und Apāna (Akk.Du.)
baddhvā tu
gebunden habend (Absol.)
praṇavena
mit dem Praṇava (Instr.Sg.)
samuccaret
lasse man emporsteigen, spreche man empor (3.Sg.Opt.)

Vorlage: badhvā; zu baddhvā normalisiert. Die Vereinigung von Prāṇa und Apāna im Herzen und ihr Aufstieg mit dem Oṃ verbinden die Atemtechnik mit der Praṇava-Meditation der Verse 19–23.

karṇa-saṅkocanaṃ kṛtvā liṅga-saṅkocanaṃ tathā | mūlādhārāt suṣumnā ca padma-tantu-nibhā śubhā ||101||

Nachdem man die Ohren verschlossen und ebenso das Glied zusammengezogen hat, [erhebt sich] vom Mūlādhāra aus die Suṣumnā, der Lotosfaser gleich, die heilbringende.

Wort für Wort
karṇa-saṅkocanam kṛtvā
das Verschließen der Ohren ausgeführt habend (Absol.)
liṅga-saṅkocanam tathā
und ebenso das Zusammenziehen des Gliedes (Akk.Sg.)
mūlādhārāt
vom Mūlādhāra aus (Abl.Sg.)
suṣumnā ca
und die Suṣumnā (Nom.Sg.)
padma-tantu-nibhā
der Lotosfaser gleich (Nom.Sg.f.)
śubhā
heilbringend, schön (Nom.Sg.f.)

karṇa-saṅkocana, das Verschließen der Ohren (mit den Fingern), dient dem Hören des inneren Klangs (vgl. Haṭhapradīpikā 4,68 und 4,82); liṅga-saṅkocana entspricht der Kontraktion des Mūla-Bandha. Der zweite Halbvers hat kein Prädikat; das Bild der Suṣumnā als feiner Lotosfaser (bisa-tantu) ist in der Nāḍī-Lehre verbreitet (vgl. Śivasaṃhitā 2).

amūrto vartate nādo vīṇā-daṇḍa-samutthitaḥ | śaṅkha-nādibhiś caiva madhyam eva dhvanir yathā ||102||

Gestaltlos entsteht der Klang (nāda), der aus dem Stab der Vīṇā (der Wirbelsäule) aufsteigt, samt [Klängen], die wie Muschelhörner tönen – so wie ein Ton, [der] eben in der Mitte [erschallt].

Wort für Wort
amūrtaḥ
gestaltlos (Nom.Sg.)
vartate
entsteht, ist (3.Sg.Präs.Med.)
nādaḥ
der Klang (Nom.Sg.)
vīṇā-daṇḍa-samutthitaḥ
aus dem Stab der Vīṇā aufgestiegen (Nom.Sg.)
śaṅkha-nādibhiḥ ca eva
und mit [Klängen], die wie Muscheln tönen (Instr.Pl.)
madhyam eva
eben in der Mitte (Akk.Sg., adverbial)
dhvaniḥ yathā
wie ein Ton (Nom.Sg.)

vīṇā-daṇḍa („Stab der Laute“) bezeichnet die Wirbelsäule (so ausdrücklich Yogaśikhā-Upaniṣad 6,8). Die Stufen des inneren Klangs (Muschel, Glocke, Vīṇā usw.) beschreibt Haṭhapradīpikā 4,84–87. Der zweite Halbvers ist syntaktisch lose; śaṅkha-nādibhiḥ wohl für śaṅkha-nāda-ādibhiḥ „mit Muschelklang und dergleichen“.

vyoma-randhra-gato nādo māyūraṃ nādam eva ca | kapāla-kuhare madhye catur-dvārasya madhyame ||103||

Der Klang, der in die Öffnung des Raumes (das Brahmarandhra) gelangt ist, [gleicht] dem Ruf des Pfaus. In der Mitte der Schädelhöhle, in der Mitte [des Raumes] mit den vier Toren,

Wort für Wort
vyoma-randhra-gataḥ
in die Öffnung des Raumes gelangt (Nom.Sg.)
nādaḥ
der Klang (Nom.Sg.)
māyūram nādam eva ca
und eben den Pfauenklang (Akk.Sg.)
kapāla-kuhare madhye
in der Mitte der Schädelhöhle (Lok.Sg.)
catuḥ-dvārasya madhyame
in der Mitte des [Raumes] mit vier Toren (Gen.Sg.; Lok.Sg.)

Die Akkusative māyūraṃ nādam stehen lose; gemeint ist der Vergleich mit dem Pfauenschrei. Die „vier Tore“ sind wohl die vier Zugänge zum Brahmarandhra (vgl. das „mit dem Kreuzweg verbundene große Tor“ in Vers 94).

tadātmā rājate tatra yathā vyomni divākaraḥ | kodaṇḍa-dvaya-madhye tu brahma-randhreṣu śaktitaḥ ||104||

dort strahlt dann das Selbst (ātman) wie die Sonne am Himmel. Zwischen den beiden Bogen (den Brauen) aber, in den Brahma-Öffnungen, kraft der Śakti

Wort für Wort
tadā
dann
ātmā rājate
das Selbst strahlt (3.Sg.Präs.Med.)
tatra
dort
yathā vyomni divākaraḥ
wie am Himmel die Sonne (Lok.Sg.; Nom.Sg.)
kodaṇḍa-dvaya-madhye tu
zwischen den beiden Bogen aber (Lok.Sg.)
brahma-randhreṣu
in den Brahma-Öffnungen (Lok.Pl.)
śaktitaḥ
kraft der Śakti (Adv.)

kodaṇḍa-dvaya „die beiden Bogen“: die Augenbrauen; das Brauenzentrum ist nach Vers 40 der Wohnsitz des Brahman. brahma-randhreṣu im Plural ist ungewöhnlich (sonst nur eine Brahma-Öffnung am Scheitel).

svātmānaṃ puruṣaṃ paśyen manas tatra layaṃ gatam | ratnāni jyotsni-nādaṃ [?] tu bindum āheśvaraṃ padam | ya evaṃ veda puruṣaḥ sa kaivalyaṃ samaśnuta ity upaniṣat ||105||

schaue man das eigene Selbst als den Puruṣa, [während] der Geist dort in Auflösung eingegangen ist – [man schaue] die Juwelen, den Mondschein und den Klang [Anm.: jyotsninādam der Vorlage ist verderbt, wohl jyotsnāṃ nādam „Mondschein [und] Klang“], den Bindu, die Stätte des Maheśvara. Der Mensch, der dies so weiß, erlangt das Alleinsein (kaivalya). – So [lautet] die Upaniṣad.

Wort für Wort
sva-ātmānam
das eigene Selbst (Akk.Sg.)
puruṣam
als den Puruṣa, den Geist (Akk.Sg.)
paśyet
man schaue (3.Sg.Opt.)
manaḥ tatra layam gatam
der Geist dort in Auflösung eingegangen (Nom.Sg.n.)
ratnāni
die Juwelen (Akk.Pl.)
jyotsni-nādam [?] tu
Mondschein [und] Klang (verderbt; Akk.Sg.)
bindum
den Bindu (Akk.Sg.)
māheśvaram padam
die Stätte des Maheśvara (Akk.Sg.)
yaḥ evam veda
wer so weiß (3.Sg.Perf.)
puruṣaḥ
der Mensch (Nom.Sg.)
saḥ kaivalyam samaśnute
der erlangt das Alleinsein (3.Sg.Präs.Med.)
iti upaniṣat
so die Upaniṣad

Dreizeiliger Schlussvers. Die Reihe „Juwelen, Mondschein, Klang, Bindu“ fasst die inneren Licht- und Klangerscheinungen zusammen, die dem Yogin auf dem Weg zur „Stätte des Maheśvara“ begegnen (vgl. Haṭhapradīpikā 4,88–90). Die Schlussformel ya evaṃ veda … ity upaniṣat ist der übliche upaniṣadische Abschluss; samaśnuta ity steht für samaśnute iti.

Vers Śānti Schluss-Friedensformel und Kolophon

oṃ saha nāv avatu | saha nau bhunaktu | saha vīryaṃ karavāvahai | tejasvi nāv adhītam astu mā vidviṣāvahai | oṃ śāntiḥ śāntiḥ śāntiḥ || iti dhyānabindūpaniṣat samāptā ||

Oṃ. Möge er uns beide beschützen; möge er uns beide nähren; mögen wir beide mit Kraft wirken; möge unser Lernen glanzvoll sein; mögen wir einander nicht hassen. Oṃ, Friede, Friede, Friede. – So ist die Dhyānabindu-Upaniṣad vollendet.

Wort für Wort
saha nau avatu
möge er uns beide schützen (3.Sg.Imp.)
saha nau bhunaktu
möge er uns beide nähren (3.Sg.Imp.)
saha vīryam karavāvahai
gemeinsam wollen wir Kraft wirken (1.Du.Imp.Med.)
tejasvi nau adhītam astu
glanzvoll sei unser Lernen (3.Sg.Imp.)
mā vidviṣāvahai
mögen wir einander nicht hassen (1.Du.Inj.Med.)
iti
so
dhyānabindu-upaniṣat
die Dhyānabindu-Upaniṣad (Nom.Sg.)
samāptā
vollendet, beendet (Nom.Sg.f.)

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