Quellen der Menschheit

Atharvaveda-Saṃhitā · Kāṇḍa 13

Sūkta 2

ud asya ketavo divi śukrā bhrājanta īrate ādityasya nṛcakṣaso mahivratasya mīḍhuṣaḥ

Empor steigen seine hellen, leuchtenden Lichtzeichen am Himmel – die des Āditya, der auf die Menschen herabblickt, des in gewaltiger Ordnung Waltenden, des Freigebigen.

Wort für Wort
ud
empor
asya
seine (Gen.)
ketavo
Lichtzeichen (N.Pl.)
divi
am Himmel (Lok.)
śukrā
helle (N.Pl.)
bhrājanta
leuchtende (N.Pl.Part.)
īrate
steigen empor (3.Pl.Med.)
ādityasya
des Āditya (Gen.)
nṛcakṣaso
nṛ 'Menschen' + cakṣas 'blickend' → der auf die Menschen herabblickt (Gen.)
mahivratasya
mahi 'gewaltig' + vrata 'Ordnung/Gelübde' → des in gewaltiger Ordnung Waltenden (Gen.)
mīḍhuṣaḥ
des Freigebigen (Gen.)

diśāṃ prajñānāṃ svarayantam arciṣā supakṣam āśuṃ patayantam arṇave stavāma sūryaṃ bhuvanasya gopāṃ yo raśmibhir diśa ābhāti sarvāḥ

Lasst uns Sūrya preisen, der die Himmelsrichtungen kundtut, der mit seinem Strahlenglanz ertönt, den schönbeschwingten, den raschen, der über die Flut dahinfliegt, den Hüter der Welt, der mit seinen Strahlen alle Richtungen erhellt.

Wort für Wort
diśāṃ
der Himmelsrichtungen (Gen.Pl.)
prajñānāṃ
Kenntnis/Kunde (Gen.Pl., zu diśāṃ prajñānāṃ svarayantam: 'der die Kunde der Richtungen verkündet') / attributiv: 'der Richtungenkundige'
svarayantam
ertönen lassend (Akk.Part.)
arciṣā
mit Strahlenglanz (Instr.)
supakṣam
su 'schön' + pakṣa 'Flügel' → den schönbeschwingten (Akk.)
āśuṃ
den raschen (Akk.)
patayantam
dahinfliegend (Akk.Part.)
arṇave
über der Flut (Lok.)
stavāma
lasst uns preisen (1.Pl.)
sūryaṃ
Sūrya (Akk.)
bhuvanasya
der Welt (Gen.)
gopāṃ
go 'Welt/Rinder' + pā 'von pā: hüten' → den Hüter (Akk.)
yo
der (Nom.)
raśmibhir
mit den Strahlen (Instr.Pl.)
diśa
Richtungen (Akk.Pl.)
ābhāti
erhellt
sarvāḥ
alle (Akk.Pl.)

yat prāṅ pratyaṅ svadhayā yāsi śībhaṃ nānārūpe ahanī karṣi māyayā tad āditya mahi tat te mahi śravo yad eko viśvaṃ pari bhūma jāyase

Dass du, Āditya, aus eigener Kraft bald vorwärts, bald rückwärts eilig ziehst, dass du durch deine Zaubermacht Tag und Nacht in wechselnder Gestalt hervorbringst – das ist deine Größe; das ist dein gewaltiger Ruhm, dass du, der Eine, das All umkreisend, immer wieder geboren wirst.

Wort für Wort
yat
dass (Konj.)
prāṅ
vorwärts
pratyaṅ
rückwärts
svadhayā
aus eigener Kraft (Instr.)
yāsi
du ziehst
śībhaṃ
eilig (Adv.)
nānārūpe
in wechselnder Gestalt (Lok.Dual)
ahanī
Tag und Nacht (Dual)
karṣi
du bringst hervor
māyayā
durch Zaubermacht (Instr.)
tad
das
āditya
o Āditya (Vok.)
mahi
Größe (N./Akk.)
tat
das
te
dein (Gen.)
mahi
groß
śravo
Ruhm (N.)
yad
dass
eko
der Eine (N.)
viśvaṃ
das All (Akk.)
pari
rings umkreisend
bhūma
in der ganzen Welt (Lok./Adv.)
jāyase
du wirst geboren (2.Sg.Med.)

vipaścitaṃ taraṇiṃ bhrājamānaṃ vahanti yaṃ haritaḥ sapta bahvīḥ srutād yam attrir divam unnināya taṃ tvā paśyanti pariyāntam ājim

Dich, den Weisen, den Überwinder, den Strahlenden, den die sieben zahlreichen falben Stuten ziehen, den Attri einst aus der Bahn zum Himmel emporgeführt hat – dich sehen sie, wie du die Rennbahn umkreisend durchläufst.

Wort für Wort
vipaścitaṃ
vipas 'Weisheit/Einsicht' + cit 'kennend' → den Weisen (Akk.)
taraṇiṃ
den Überwinder (Akk.)
bhrājamānaṃ
den Strahlenden (Akk.)
vahanti
sie ziehen
yaṃ
den (Akk.Rel.)
haritaḥ
die falben Stuten (N.Pl.)
sapta
sieben
bahvīḥ
zahlreiche (N.Pl.)
srutād
aus der Bahn (Abl.)
yam
den (Akk.Rel.)
attrir
Attri (N.)
divam
zum Himmel (Akk.)
unnināya
hat emporgeführt (Perf.)
taṃ
den (Akk.)
tvā
dich (Akk.)
paśyanti
sie sehen
pariyāntam
umkreisend durchlaufend (Akk.Part.)
ājim
die Rennbahn (Akk.)

mā tvā dabhan pariyāntam ājiṃ svasti durgāṃ ati yāhi śībham divaṃ ca sūrya pṛthivīṃ ca devīm ahorātre vimimāno yad eṣi

Nicht sollen sie dich täuschen, wenn du die Rennbahn umkreist. Durchquere glücklich und rasch die schwer passierbare Strecke, Sūrya, sowohl den Himmel als auch die göttliche Erde, indem du, Tag und Nacht abmessend, deinen Weg gehst.

Wort für Wort
mā
nicht
tvā
dich (Akk.)
dabhan
sollen täuschen (3.Pl.)
pariyāntam
umkreisenden (Akk.Part.)
ājiṃ
die Rennbahn (Akk.)
svasti
glücklich (Adv.)
durgāṃ
die schwer passierbare (Akk.)
ati
hindurch (Präverb)
yāhi
durchquere! (Imp.)
śībham
rasch (Adv.)
divaṃ
den Himmel (Akk.)
ca
und
sūrya
o Sūrya (Vok.)
pṛthivīṃ
die Erde (Akk.)
ca
und
devīm
die göttliche (Akk.)
ahorātre
ahar 'Tag' + rātri 'Nacht' → Tag und Nacht (Akk.Dual)
vimimāno
abmessend (N.Part.)
yad
während
eṣi
du gehst

svasti te sūrya carase rathāya yenobhāv antau pariyāsi sadyaḥ yaṃ te vahanti harito vahiṣṭhāḥ śatam aśvā yadi vā sapta bahvīḥ

Heil sei dir, Sūrya, für deine Fahrt, für deinen Wagen, mit dem du binnen eines Tages beide Enden der Welt umkreist, den dir die bestziehenden falben Stuten ziehen – seien es hundert Rosse oder die sieben zahlreichen.

Wort für Wort
svasti
Heil
te
dir (Dat.)
sūrya
o Sūrya (Vok.)
carase
für die Fahrt (Dat.)
rathāya
für den Wagen (Dat.)
yenobhāv
mit dem, beide (yena+ubhau)
antau
Enden (Akk.Dual)
pariyāsi
du umkreist
sadyaḥ
binnen eines Tages
yaṃ
den (Akk.Rel.)
te
dir (Gen.)
vahanti
sie ziehen
harito
die falben Stuten (N.Pl.)
vahiṣṭhāḥ
die bestziehenden (N.Pl.)
śatam
hundert
aśvā
Rosse (N.Pl.)
yadi
wenn
vā
oder
sapta
sieben
bahvīḥ
zahlreiche

sukhaṃ sūrya ratham aṃśumantaṃ syonaṃ suvahnim adhi tiṣṭha vājinam yaṃ te vahanti harito vahiṣṭhāḥ śatam aśvā yadi vā sapta bahvīḥ

Besteige, Sūrya, den leichtgehenden, strahlenreichen, bequemen, gut ziehenden, kraftvollen Wagen, den dir die bestziehenden falben Stuten ziehen – seien es hundert Rosse oder die sieben zahlreichen.

Wort für Wort
sukhaṃ
leichtgehend (Akk.)
sūrya
o Sūrya (Vok.)
ratham
den Wagen (Akk.)
aṃśumantaṃ
strahlenreich (Akk.)
syonaṃ
bequem (Akk.)
suvahnim
gutziehend (Akk.)
adhi
(Präverb zu tiṣṭha)
tiṣṭha
besteige! (Imp.)
vājinam
kraftvoll (Akk.)
yaṃ
den (Akk.Rel.)
te
dir (Gen.)
vahanti
sie ziehen
harito
die falben Stuten (N.Pl.)
vahiṣṭhāḥ
die bestziehenden
śatam
hundert
aśvā
Rosse
yadi
wenn
vā
oder
sapta
sieben
bahvīḥ
zahlreiche

sapta sūryo harito yātave rathe hiraṇyatvacaso bṛhatīr ayukta amoci śukro rajasaḥ parastād vidhūya devas tamo divam āruhat

Sūrya hat sich für die Fahrt sieben goldhäutige, hochgewachsene falbe Stuten an den Wagen gespannt. Der Leuchtende ist jenseits des Dunstkreises losgelassen worden; nachdem er die Finsternis verscheucht hat, ist der Gott zum Himmel emporgestiegen.

Wort für Wort
sapta
sieben
sūryo
Sūrya (N.)
harito
falbe Stuten (Akk.Pl.)
yātave
zum Fahren (Dat.Inf.)
rathe
an den Wagen (Lok.)
hiraṇyatvacaso
hiraṇya 'Gold' + tvac 'Haut' → goldhäutige (Akk.Pl.)
bṛhatīr
hochgewachsene (Akk.Pl.)
ayukta
hat angespannt (Aor.Med.)
amoci
ist losgelassen worden (Aor.Pass.)
śukro
der Leuchtende (N.)
rajasaḥ
des Dunstkreises (Abl.)
parastād
jenseits (Adv.)
vidhūya
verscheucht habend (Ger.)
devas
der Gott (N.)
tamo
die Finsternis (Akk.)
divam
zum Himmel (Akk.)
āruhat
ist emporgestiegen

ut ketunā bṛhatā deva āgann apāvṛk tamo 'bhi jyotir aśrait divyaḥ suparṇaḥ sa vīro vy akhyad aditeḥ putro bhuvanāni viśvā

Mit gewaltigem Lichtzeichen ist der Gott heraufgekommen; er hat die Finsternis abgewehrt und sich dem Licht zugewandt. Der himmlische Adler, dieser Held, der Sohn der Aditi, hat alle Welten überschaut.

Wort für Wort
ut
empor
ketunā
mit Lichtzeichen (Instr.)
bṛhatā
gewaltigem (Instr.)
deva
Gott (N.)
āgann
ist gekommen (Aor.)
apāvṛk
hat abgewehrt (Aor.)
tamo
die Finsternis (Akk.)
'bhi
zu (abhi, Präverb)
jyotir
dem Licht (Akk./Dat.)
aśrait
hat sich zugewandt (Aor.)
divyaḥ
der himmlische (N.)
suparṇaḥ
der Adler (N.)
sa
dieser (N.)
vīro
der Held (N.)
vy
(Präverb zu akhyad)
akhyad
hat überschaut (Aor.)
aditeḥ
der Aditi (Gen.)
putro
der Sohn (N.)
bhuvanāni
die Welten (Akk.Pl.)
viśvā
alle (Akk.Pl.n.)

udyan raśmīn ā tanuṣe viśvā rupāṇi puṣyasi ubhā samudrau kratunā vi bhāsi sarvāṃl lokān paribhūr bhrājamānaḥ ||10|| {7}

Beim Aufgehen breitest du deine Strahlen aus, alle Gestalten lässt du gedeihen; beide Meere durchleuchtest du kraft deiner Einsicht; alle Welten überstrahlst du, sie umfassend, leuchtend.

Wort für Wort
udyan
beim Aufgehen (Part.)
raśmīn
die Strahlen (Akk.Pl.)
ā
(Präverb zu tanuṣe)
tanuṣe
du breitest aus (2.Sg.Med.)
viśvā
alle (Akk.Pl.n.)
rupāṇi
Gestalten (Akk.Pl.)
puṣyasi
du lässt gedeihen
ubhā
beide (Akk.Dual)
samudrau
Meere (Akk.Dual)
kratunā
kraft der Einsicht (Instr.)
vi
(Präverb zu bhāsi)
bhāsi
du durchleuchtest
sarvāṃl
alle (Akk.Pl.)
lokān
Welten (Akk.Pl.)
paribhūr
sie umfassend (N.)
bhrājamānaḥ
leuchtend (N.)
||10||
(Versende-Markierung 10)
{7}
(Abschnittszählung 7)

pūrvāparaṃ carato māyayaitau śiśū krīḍantau pari yāto 'rṇavam viśvānyo bhuvanā vicaṣṭe hairaṇyair anyaṃ harito vahanti

Vorwärts und rückwärts wandern diese beiden durch Zaubermacht, wie zwei spielende Kinder, die die Flut umkreisen; der eine überschaut alle Welten, den anderen tragen die goldgeschmückten falben Stuten. [Anm.: gemeint sind wohl Sonne und Mond]

Wort für Wort
pūrvāparaṃ
vorwärts und rückwärts (Adv.)
carato
beide wandern (3.Dual)
māyayaitau
durch Zaubermacht diese beiden (māyayā+etau)
śiśū
Kinder (N.Dual)
krīḍantau
spielende (N.Dual)
pari
rings umkreisend
yāto
durchziehend (N.Dual)
'rṇavam
die Flut (Akk.)
viśvānyo
alle... der eine (viśvāni+anyaḥ)
bhuvanā
Welten (Akk.Pl.)
vicaṣṭe
überschaut
hairaṇyair
mit den goldenen (Instr.Pl.)
anyaṃ
den anderen (Akk.)
harito
falbe Stuten (N.Pl.)
vahanti
tragen

divi tvāttrir adhārayat sūryā māsāya kartave sa eṣi sudhṛtas tapan viśvā bhūtāvacākaśat

Am Himmel hat dich Attri festgehalten, o Sūrya, damit du den Monat schaffest; wohlgehalten gehst du deinen Weg, brennend, und hast alle Wesen überschaut.

Wort für Wort
divi
am Himmel (Lok.)
tvāttrir
dich Attri (tvā+attriḥ)
adhārayat
hat gehalten (Impf.)
sūryā
o Sūrya (Vok.)
māsāya
zum Machen des Monats (Dat.)
kartave
zu schaffen (Dat.Inf.)
sa
er (N.)
eṣi
du gehst
sudhṛtas
su 'gut' + dhṛta 'gehalten' → wohlgehalten (N.)
tapan
brennend (Part.)
viśvā
alle (Akk.Pl.n.)
bhūtāvacākaśat
hat die Wesen überschaut (bhūtā+avacākaśat)

ubhāv antau sam arṣasi vatsaḥ saṃmātarāv iva nanv etad itaḥ purā brahma devā amī viduḥ

Beide Enden der Welt durchläufst du wie ein Kalb, das zu zwei Müttern gehört. Fürwahr, dieses geheime Wort kannten schon vordem jene Götter. [Anm.: Bezug von „zu zwei Müttern gehörig“ unklar, evtl. Anspielung auf Tag und Nacht oder Himmel und Erde]

Wort für Wort
ubhāv
beide (Akk.Dual)
antau
Enden (Akk.Dual)
sam
(Präverb zu arṣasi)
arṣasi
du durchläufst
vatsaḥ
ein Kalb (N.)
saṃmātarāv
sam 'zusammen' + mātar 'Mutter' → zu zwei Müttern gehörig (N.Dual)
iva
wie
nanv
fürwahr (nanu)
etad
dieses (Akk.)
itaḥ
von hier
purā
vordem
brahma
das geheime Wort (Akk./N.)
devā
die Götter (N.Pl.)
amī
jene (N.Pl.)
viduḥ
kannten

yat samudram anu śritaṃ tat siṣāsati sūryaḥ adhvāsya vitato mahān pūrvaś cāparaś ca yaḥ

Was sich dem Meer angeschlossen hat, das sucht Sūrya zu gewinnen; ausgedehnt ist sein Weg, gewaltig, der sowohl der vordere als auch der hintere ist.

Wort für Wort
yat
was (Rel.)
samudram
dem Meer (Akk.)
anu
gemäß
śritaṃ
sich angeschlossen habend (Akk.Part.)
tat
das (Akk.)
siṣāsati
sucht zu gewinnen (Desid.)
sūryaḥ
Sūrya (N.)
adhvāsya
sein Weg (N., adhvā+asya)
vitato
ausgedehnt (N.)
mahān
gewaltig (N.)
pūrvaś
der vordere (N.)
cāparaś
und der hintere (ca+aparaḥ)
ca
und
yaḥ
der (N.Rel.)

taṃ sam āpnoti jūtibhis tato nāpa cikitsati tenāmṛtasya bhakṣaṃ devānāṃ nāva rundhate

Ihn erreicht er mit seinen Antrieben; von da an weiß er sich nicht mehr zu helfen; dadurch verwehren ihm die Götter nicht den Genuss der Unsterblichkeit. [Anm.: Sinn der Verse unsicher, Bezüge unklar]

Wort für Wort
taṃ
ihn (Akk.)
sam
(Präverb zu āpnoti)
āpnoti
erreicht
jūtibhis
mit Antrieben (Instr.Pl.)
tato
von da an
nāpa
nicht mehr (na+apa)
cikitsati
weiß sich zu helfen
tenāmṛtasya
dadurch, der Unsterblichkeit (tena+amṛtasya)
bhakṣaṃ
den Genuss (Akk.)
devānāṃ
der Götter (Gen.Pl.)
nāva
nicht (na+ava)
rundhate
verwehren (3.Pl.Med.)

ud u tyaṃ jātavedasaṃ devaṃ vahanti ketavaḥ dṛśe viśvāya sūryam

Empor tragen jenen Gott Jātavedas die Lichtstrahlen, damit alle Welt Sūrya erblicke.

Wort für Wort
ud
empor
u
ja/nun
tyaṃ
jenen (Akk.)
jātavedasaṃ
jāta 'entstanden' + vedas 'von vid: wissen/besitzen' → Jātavedas (Akk., Beiname Agnis)
devaṃ
den Gott (Akk.)
vahanti
tragen
ketavaḥ
die Lichtstrahlen (N.Pl.)
dṛśe
damit man erblicke (Dat.Inf.)
viśvāya
der ganzen Welt (Dat.)
sūryam
Sūrya (Akk.)

apa tye tāyavo yathā nakṣatrā yanty aktubhiḥ sūrāya viśvacakṣase

Weg gehen jene, wie Diebe, die Gestirne mit den Nächten, vor Sūrya, dem allsehenden.

Wort für Wort
apa
weg (Präverb)
tye
jene (N.Pl.)
tāyavo
Diebe (N.Pl.)
yathā
wie
nakṣatrā
die Gestirne (N.Pl.)
yanty
gehen (yanti)
aktubhiḥ
mit den Nächten (Instr.Pl.)
sūrāya
vor Sūrya (Dat.)
viśvacakṣase
viśva 'alle' + cakṣas 'sehend' → dem allsehenden (Dat.)

adṛśrann asya ketavo vi raśmayo janāṃ anu bhrājanto agnayo yathā

Sichtbar wurden seine Lichtzeichen, die Strahlen, die sich über die Menschen ausbreiten, leuchtend wie Feuer.

Wort für Wort
adṛśrann
wurden sichtbar (3.Pl.Aor.Pass.)
asya
seine (Gen.)
ketavo
Lichtzeichen (N.Pl.)
vi
(Präverb, 'aus')
raśmayo
die Strahlen (N.Pl.)
janāṃ
über die Menschen (Akk.Pl.)
anu
über
bhrājanto
leuchtend (N.Pl.)
agnayo
Feuer (N.Pl.)
yathā
wie

taraṇir viśvadarśato jyotiṣkṛd asi sūrya viśvam ā bhāsi rocana

Der Überwinder, der Allsichtbare, der Lichtschaffende bist du, Sūrya; das ganze leuchtende Reich durchstrahlst du.

Wort für Wort
taraṇir
der Überwinder (N.)
viśvadarśato
viśva 'alle' + darśata 'sichtbar' → der Allsichtbare (N.)
jyotiṣkṛd
jyotis 'Licht' + kṛt 'von kṛ: machen' → der Lichtschaffende (N.)
asi
du bist
sūrya
o Sūrya (Vok.)
viśvam
das ganze (Akk.)
ā
(Präverb zu bhāsi)
bhāsi
du durchstrahlst
rocana
leuchtende Reich (Akk.)

pratyaṅ devānāṃ viśaḥ pratyaṅṅ ud eṣi mānuṣīḥ pratyaṅ viśvaṃ svar dṛśe ||20|| {8}

Den Stämmen der Götter zugewandt, den menschlichen Stämmen zugewandt gehst du auf, dem ganzen Himmelslicht zugewandt, damit man dich sehe.

Wort für Wort
pratyaṅ
zugewandt (Adv.)
devānāṃ
der Götter (Gen.Pl.)
viśaḥ
Stämme (Akk.Pl.)
pratyaṅṅ
zugewandt
ud
empor
eṣi
du gehst
mānuṣīḥ
menschliche (Akk.Pl.)
pratyaṅ
zugewandt
viśvaṃ
das ganze (Akk.)
svar
Himmelslicht (Akk.)
dṛśe
damit man sehe (Dat.Inf.)
||20||
(Versende-Markierung 20)
{8}
(Abschnittszählung 8)

yenā pāvaka cakṣasā bhuraṇyantaṃ janāṃ anu tvaṃ varuṇa paśyasi

Mit welchem Auge du, du Reiner, den sich regenden Menschen nachschaust, mit dem siehst du, Varuṇa. [Anm.: Sūrya wird hier mit Varuṇa gleichgesetzt]

Wort für Wort
yenā
mit welchem (Instr.)
pāvaka
o Reiner (Vok.)
cakṣasā
mit dem Auge (Instr.)
bhuraṇyantaṃ
den sich regenden (Akk.Part.)
janāṃ
über die Menschen (Akk.Pl.)
anu
hin
tvaṃ
du
varuṇa
o Varuṇa (Vok.)
paśyasi
du siehst

vi dyām eṣi rajas pṛthv ahar mimāno aktubhiḥ paśyan janmāni sūrya

Du durchmisst den Himmel, den weiten Luftraum, indem du den Tag mit den Nächten abmisst, die Geschöpfe schauend, o Sūrya.

Wort für Wort
vi
(Präverb zu eṣi)
dyām
den Himmel (Akk.)
eṣi
du durchmisst
rajas
den Luftraum (Akk.)
pṛthv
den weiten (Akk.)
ahar
den Tag (Akk.)
mimāno
abmessend (N.Part.)
aktubhiḥ
mit den Nächten (Instr.Pl.)
paśyan
schauend (N.Part.)
janmāni
die Geschöpfe (Akk.Pl.)
sūrya
o Sūrya (Vok.)

sapta tvā harito rathe vahanti deva sūrya śociṣkeśaṃ vicakṣaṇam

Sieben Falbinnen ziehen dich, den flammenhaarigen, allschauenden, im Wagen, Gott Sūrya.

Wort für Wort
sapta
sieben
tvā
dich (Akk.)
harito
Falbinnen (N.Pl.)
rathe
im Wagen (Lok.)
vahanti
ziehen
deva
o Gott (Vok.)
sūrya
o Sūrya (Vok.)
śociṣkeśaṃ
śocis 'Flamme' + keśa 'Haar' → den flammenhaarigen (Akk.)
vicakṣaṇam
den allschauenden (Akk.)

ayukta sapta śundhyuvaḥ sūro rathasya naptyaḥ tābhir yāti svayuktibhiḥ

Angeschirrt hat sich Sūrya die sieben reinigenden Enkelinnen des Wagens; mit ihnen, den selbstgespannten, fährt er.

Wort für Wort
ayukta
hat angeschirrt (Aor.Med.)
sapta
sieben
śundhyuvaḥ
reinigende (Akk.Pl.)
sūro
Sūrya (N.)
rathasya
des Wagens (Gen.)
naptyaḥ
Enkelinnen (Akk.Pl.)
tābhir
mit ihnen (Instr.Pl.)
yāti
fährt
svayuktibhiḥ
sva 'selbst' + yukti 'von yuj: anschirren' → mit den selbstgespannten (Instr.Pl.)

rohito divam āruhat tapasā tapasvī sa yonim aiti sa u jāyate punaḥ sa devānām adhipatir babhūva

Rohita ist durch Glut zum Himmel emporgestiegen, der Glühende; er geht in den Mutterschoß ein und wird wieder geboren; er ist zum Oberherrn der Götter geworden.

Wort für Wort
rohito
Rohita (N.)
divam
zum Himmel (Akk.)
āruhat
ist emporgestiegen
tapasā
durch Glut (Instr.)
tapasvī
der Glühende (N.)
sa
er (N.)
yonim
in den Mutterschoß (Akk.)
aiti
geht ein
sa
er
u
nun
jāyate
wird geboren
punaḥ
wieder
sa
er
devānām
der Götter (Gen.Pl.)
adhipatir
Oberherr (N.)
babhūva
ist geworden (Perf.)

yo viśvacarṣaṇir uta viśvatomukho yo viśvataspāṇir uta viśvataspṛthaḥ saṃ bāhubhyāṃ bharati saṃ patatrair dyāvāpṛthivī janayan deva ekaḥ

Der alle Völker überschaut und allseits Antlitz hat, der allseits Hände hat und allseits Weite, er vereint mit seinen Armen, mit seinen Schwingen Himmel und Erde, sie erzeugend, der Gott, allein.

Wort für Wort
yo
der (N.)
viśvacarṣaṇir
viśva 'alle' + carṣaṇi 'Völker' → der alle Völker überschauende (N.)
uta
und
viśvatomukho
viśvatas 'von allen Seiten' + mukha 'Antlitz' → allseits Antlitz habend (N.)
yo
der
viśvataspāṇir
viśvatas 'von allen Seiten' + pāṇi 'Hand' → allseits Hände habend (N.)
uta
und
viśvataspṛthaḥ
viśvatas 'von allen Seiten' + pṛthu 'Weite' → allseits Weite habend (N.)
saṃ
(Präverb, 'zusammen')
bāhubhyāṃ
mit den Armen (Instr.Dual)
bharati
vereint
saṃ
(Präverb)
patatrair
mit den Schwingen (Instr.Pl.)
dyāvāpṛthivī
dyāvā 'Himmel' + pṛthivī 'Erde' → Himmel und Erde (Akk.Dual)
janayan
erzeugend (Part.)
deva
Gott (N.)
ekaḥ
allein (N.)

ekapād dvipado bhūyo vi cakrame dvipāt tripādam abhy eti paścāt dvipād dha ṣaṭpado bhūyo vi cakrame ta ekapadas tanvaṃ sam āsate

Der Einfüßige ist über den Zweifüßigen weit hinausgeschritten; der Zweifüßige tritt hinter den Dreifüßigen; vom Zweifüßigen ist er über den Sechsfüßigen weit hinausgeschritten; diese vereinen sich als der Einfüßige zu einem Leib. [Anm.: rätselhafter Vers, wohl auf Versmaße mit unterschiedlicher Silbenzahl bezogen]

Wort für Wort
ekapād
der Einfüßige (N.)
dvipado
dvi 'zwei' + pada 'Fuß, -füßig' → über den Zweifüßigen (Akk.)
bhūyo
weit (Adv.)
vi
(Präverb zu cakrame)
cakrame
ist geschritten (Perf.)
dvipāt
vom Zweifüßigen (Abl.)
tripādam
dem Dreifüßigen (Akk.)
abhy
hin zu (abhi)
eti
tritt
paścāt
hinter
dvipād
vom Zweifüßigen (Abl.)
dha
ja (Partikel)
ṣaṭpado
ṣaṣ 'sechs' + pada 'Fuß, -füßig' → über den Sechsfüßigen (Akk.)
bhūyo
weit
vi
(Präverb)
cakrame
ist geschritten
ta
diese (N.Pl.)
ekapadas
eka 'ein' + pada 'Fuß, -füßig' → als der Einfüßige (N.Pl.)
tanvaṃ
zu einem Leib (Akk.)
sam
(Präverb zu āsate)
āsate
vereinen sich

atandro yāsyan harito yad āsthād dve rūpe kṛṇute rocamānaḥ ketumān udyant sahamāno rajāṃsi viśvā āditya pravato vi bhāsi

Unermüdlich, im Begriff zu fahren, wenn er die Falbinnen bestiegen hat, nimmt er, der Leuchtende, zwei Gestalten an; mit Lichtzeichen versehen, aufgehend, alle Räume überwindend, erstrahlst du, Āditya, über die Bahnen.

Wort für Wort
atandro
unermüdlich (N.)
yāsyan
im Begriff zu fahren (Fut.Part.)
harito
die Falbinnen (Akk.Pl.)
yad
wenn
āsthād
hat bestiegen (Aor.)
dve
zwei (Akk.Dual)
rūpe
Gestalten (Akk.Dual)
kṛṇute
nimmt an
rocamānaḥ
der Leuchtende (N.)
ketumān
mit Lichtzeichen versehen (N.)
udyant
aufgehend (N.Part.)
sahamāno
überwindend (N.Part.)
rajāṃsi
die Räume (Akk.Pl.)
viśvā
alle (Akk.Pl.)
āditya
o Āditya (Vok.)
pravato
über die Bahnen (Akk.Pl.)
vi
(Präverb zu bhāsi)
bhāsi
du erstrahlst

baṇ mahāṃ asi sūrya baḍ āditya mahāṃ asi mahāṃs te mahato mahimā tvam āditya mahāṃ asi

Wahrlich, groß bist du, Sūrya! Wahrlich, Āditya, groß bist du! Groß ist deine Größe, die des Großen; du, Āditya, bist groß.

Wort für Wort
baṇ
wahrlich (Partikel)
mahāṃ
groß (N.)
asi
du bist
sūrya
o Sūrya (Vok.)
baḍ
wahrlich (Partikel)
āditya
o Āditya (Vok.)
mahāṃ
groß
asi
du bist
mahāṃs
groß (N.)
te
dein (Gen.)
mahato
des Großen (Gen.)
mahimā
Größe (N.)
tvam
du
āditya
o Āditya
mahāṃ
groß
asi
du bist

rocase divi rocase antarikṣe pataṅga pṛthivyāṃ rocase rocase apsv antaḥ ubhā samudrau rucyā vy āpitha devo devāsi mahiṣaḥ svarjit ||30|| {9}

Du leuchtest am Himmel, du leuchtest im Luftraum, o Vogel, auf der Erde leuchtest du, du leuchtest inmitten der Wasser; beide Meere hast du mit deinem Glanz durchdrungen; Gott bist du, ein Gott, der Gewaltige, der Himmelsgewinner.

Wort für Wort
rocase
du leuchtest
divi
am Himmel (Lok.)
rocase
du leuchtest
antarikṣe
im Luftraum (Lok.)
pataṅga
o Vogel (Vok.)
pṛthivyāṃ
auf der Erde (Lok.)
rocase
du leuchtest
rocase
du leuchtest
apsv
in den Wassern (Lok.Pl.)
antaḥ
inmitten
ubhā
beide (Akk.Dual)
samudrau
Meere (Akk.Dual)
rucyā
mit Glanz (Instr.)
vy
(Präverb zu āpitha)
āpitha
hast durchdrungen (Perf.)
devo
Gott (N.)
devāsi
ein Gott bist du (devaḥ+asi)
mahiṣaḥ
der Gewaltige (N.)
svarjit
svar 'Himmelslicht' + jit 'von ji: gewinnen' → der Himmelsgewinner (N.)
||30||
(Versende-Markierung 30)
{9}
(Abschnittszählung 9)

arvāṅ parastāt prayato vyadhva āśur vipaścit patayan pataṅgaḥ viṣṇur vicittaḥ śavasādhitiṣṭhan pra ketunā sahate viśvam ejat

Von jenseits herwärts ausgestreckt, auf weitem Weg, der rasche, der weise, fliegend als Vogel – Viṣṇu, der Weitsichtige, mit Kraft den Raum beherrschend, überwindet er mit seinem Lichtzeichen alles, was sich regt.

Wort für Wort
arvāṅ
herwärts (Adv.)
parastāt
von jenseits (Adv.)
prayato
ausgestreckt (N.)
vyadhva
auf weitem Weg (N.)
āśur
der rasche (N.)
vipaścit
der weise (N.)
patayan
fliegend (Part.)
pataṅgaḥ
als Vogel (N.)
viṣṇur
Viṣṇu (N.)
vicittaḥ
der Weitsichtige (N.)
śavasādhitiṣṭhan
mit Kraft beherrschend (śavasā+adhitiṣṭhan)
pra
(Präverb zu sahate)
ketunā
mit seinem Lichtzeichen (Instr.)
sahate
überwindet
viśvam
alles (Akk.)
ejat
was sich regt (Akk.Part.)

citrāś cikitvān mahiṣaḥ suparṇa ārocayan rodasī antarikṣam ahorātre pari sūryaṃ vasāne prāsya viśvā tirato vīryāṇi

Das Wunderbare erkennend, der Gewaltige, der Adler, indem er Himmel und Erde und den Luftraum erleuchtet, während Tag und Nacht sich um Sūrya wie ein Gewand legen, übertrifft er alle Heldentaten.

Wort für Wort
citrāś
das Wunderbare (Akk.Pl.)
cikitvān
erkennend (N.Part.Perf.)
mahiṣaḥ
der Gewaltige (N.)
suparṇa
der Adler (N.)
ārocayan
erleuchtend (Part.)
rodasī
Himmel und Erde (Akk.Dual)
antarikṣam
den Luftraum (Akk.)
ahorātre
ahar 'Tag' + rātri 'Nacht' → Tag und Nacht (N.Dual)
pari
rings um
sūryaṃ
Sūrya (Akk.)
vasāne
sich legend (N.Dual.Part.Med.)
prāsya
er, seine (pra+asya)
viśvā
alle (Akk.Pl.)
tirato
übertrifft
vīryāṇi
Heldentaten (Akk.Pl.)

tigmo vibhrājan tanvaṃ śiśāno 'raṃgamāsaḥ pravato rarāṇaḥ jyotiṣmān pakṣī mahiṣo vayodhā viśvā āsthāt pradiśaḥ kalpamānaḥ

Scharf, hell erstrahlend, seinen Leib schärfend, rasch ankommend, sich der Bahnen freuend, lichtvoll, geflügelt, der Gewaltige, der Lebenskraft spendet, hat er alle Himmelsrichtungen eingenommen, sie ordnend.

Wort für Wort
tigmo
scharf (N.)
vibhrājan
hell erstrahlend (Part.)
tanvaṃ
seinen Leib (Akk.)
śiśāno
schärfend (N.Part.Med.)
'raṃgamāsaḥ
rasch ankommend (N.)
pravato
der Bahnen (Gen.Pl.)
rarāṇaḥ
sich freuend (N.Part.Perf.Med.)
jyotiṣmān
jyotis 'Licht' + mant 'versehen mit' → lichtvoll (N.)
pakṣī
geflügelt (N.)
mahiṣo
der Gewaltige (N.)
vayodhā
vayas 'Lebenskraft' + dhā 'von dhā: spenden' → der Lebenskraft spendet (N.)
viśvā
alle (Akk.Pl.)
āsthāt
hat eingenommen (Aor.)
pradiśaḥ
Himmelsrichtungen (Akk.Pl.)
kalpamānaḥ
ordnend (N.Part.)

citraṃ devānām ketur anīkaṃ jyotiṣmān pradiśaḥ sūrya udyan divākaro 'ti dyumnais tamāṃsi viśvātārīd duritāni śukraḥ

Das wunderbare Lichtzeichen der Götter, ihr Antlitz, lichtreich erhellt die Himmelsrichtungen – Sūrya, aufgehend, der Tagesschöpfer, hat mit seinem Glanz die Finsternisse, hat alle Gefahren überwunden, der Leuchtende.

Wort für Wort
citraṃ
das wunderbare (N./Akk.)
devānām
der Götter (Gen.Pl.)
ketur
Lichtzeichen (N.)
anīkaṃ
Antlitz (N.)
jyotiṣmān
jyotis 'Licht' + mant 'versehen mit' → lichtreich (N.)
pradiśaḥ
die Himmelsrichtungen (Akk.Pl.)
sūrya
Sūrya (N.)
udyan
aufgehend (Part.)
divākaro
der Tagesschöpfer (N.)
'ti
hindurch (ati)
dyumnais
mit Glanz (Instr.Pl.)
tamāṃsi
die Finsternisse (Akk.Pl.)
viśvātārīd
alle... hat überwunden (viśvā+atārīt)
duritāni
Gefahren (Akk.Pl.)
śukraḥ
der Leuchtende (N.)

citraṃ devānām ud agād anīkaṃ cakṣur mitrasya varuṇasyāgneḥ āprād dyāvāpṛthivī antarikṣaṃ sūrya ātmā jagatas tasthuṣaś ca

Das wunderbare Antlitz der Götter ist aufgegangen, das Auge des Mitra, des Varuṇa, des Agni; er hat Himmel und Erde und den Luftraum erfüllt – Sūrya, die Seele des Beweglichen und des Unbeweglichen.

Wort für Wort
citraṃ
das wunderbare (N.)
devānām
der Götter (Gen.Pl.)
ud
empor
agād
ist aufgegangen (Aor.)
anīkaṃ
Antlitz (N.)
cakṣur
Auge (N.)
mitrasya
des Mitra (Gen.)
varuṇasyāgneḥ
des Varuṇa, des Agni (Gen.)
āprād
hat erfüllt (Aor.)
dyāvāpṛthivī
dyāvā 'Himmel' + pṛthivī 'Erde' → Himmel und Erde (Akk.Dual)
antarikṣaṃ
den Luftraum (Akk.)
sūrya
Sūrya (N.)
ātmā
die Seele (N.)
jagatas
des Beweglichen (Gen.)
tasthuṣaś
des Unbeweglichen (Gen.)
ca
und

uccā patantam aruṇaṃ suparṇaṃ madhye divas taraṇiṃ bhrājamānam paśyama tvā savitāraṃ yam āhur ajasraṃ jyotir yad avindad attriḥ

Hoch fliegend, den rötlichen Adler, inmitten des Himmels, den Überwinder, den Strahlenden – dich mögen wir sehen, Savitṛ, den man das unaufhörliche Licht nennt, das Attri einst fand.

Wort für Wort
uccā
hoch (Adv.)
patantam
fliegend (Akk.Part.)
aruṇaṃ
den rötlichen (Akk.)
suparṇaṃ
Adler (Akk.)
madhye
inmitten (Lok.)
divas
des Himmels (Gen.)
taraṇiṃ
den Überwinder (Akk.)
bhrājamānam
den Strahlenden (Akk.)
paśyama
wir mögen sehen (1.Pl.)
tvā
dich (Akk.)
savitāraṃ
Savitṛ (Akk.)
yam
den (Akk.Rel.)
āhur
man nennt (āhuḥ)
ajasraṃ
das unaufhörliche (Akk.)
jyotir
Licht (Akk.)
yad
das
avindad
fand (Aor.)
attriḥ
Attri (N.)

divas pṛṣṭhe dhāvamānaṃ suparṇam adityāḥ putraṃ nāthakāma upa yāmi bhītaḥ sa naḥ sūrya pra tira dīrgham āyur mā riṣāma sumatau te syāma

Zu dem auf dem Rücken des Himmels laufenden Adler, dem Sohn der Aditi, trete ich, hilfesuchend, aus Furcht heran: Verlängere du uns, Sūrya, ein langes Leben; wir wollen nicht zu Schaden kommen; in deiner Gunst wollen wir sein.

Wort für Wort
divas
des Himmels (Gen.)
pṛṣṭhe
auf dem Rücken (Lok.)
dhāvamānaṃ
laufend (Akk.Part.)
suparṇam
den Adler (Akk.)
adityāḥ
der Aditi (Gen.)
putraṃ
den Sohn (Akk.)
nāthakāma
nātha 'Hilfe' + kāma 'begehrend' → hilfesuchend (N.)
upa
hin zu (Präverb)
yāmi
trete ich
bhītaḥ
aus Furcht (N.)
sa
er/so (N.)
naḥ
uns (Akk.)
sūrya
o Sūrya (Vok.)
pra
(Präverb zu tira)
tira
verlängere! (Imp.)
dīrgham
langes (Akk.)
āyur
Leben (Akk.)
mā
nicht
riṣāma
wir wollen zu Schaden kommen (1.Pl.)
sumatau
in der Gunst (Lok.)
te
deiner (Gen.)
syāma
wir wollen sein (1.Pl.Opt.)

sahasrāhṇyaṃ viyatāv asya pakṣau harer haṃsasya patataḥ svargam sa devānt sarvān urasy upadadya saṃpaśyan yāti bhuvanāni viśvā

Tausend Tage weit auseinandergespannt sind seine Flügel, des goldfarbenen Schwans, der zum Himmel fliegt; alle Götter an seine Brust nehmend, überschaut er im Fahren alle Welten.

Wort für Wort
sahasrāhṇyaṃ
sahasra 'tausend' + ahna 'von ahar: Tag' → tausend Tage weit (Adv.)
viyatāv
auseinandergespannt (N.Dual)
asya
seine (Gen.)
pakṣau
Flügel (N.Dual)
harer
des goldfarbenen (Gen.)
haṃsasya
des Schwans (Gen.)
patataḥ
der fliegt (Gen.Part.)
svargam
zum Himmel (Akk.)
sa
er (N.)
devānt
die Götter (Akk.Pl.)
sarvān
alle (Akk.Pl.)
urasy
an die Brust (Lok.)
upadadya
nehmend (Ger.)
saṃpaśyan
überschauend (Part.)
yāti
fährt
bhuvanāni
Welten (Akk.Pl.)
viśvā
alle (Akk.Pl.)

rohitaḥ kālo abhavad rohito 'gre prajāpatiḥ rohito yajñānāṃ mukhaṃ rohitaḥ svar ābharat

Rohita ist die Zeit geworden; Rohita war am Anfang der Herr der Geschöpfe; Rohita ist der Anfang der Opfer; Rohita hat das Himmelslicht herbeigebracht.

Wort für Wort
rohitaḥ
Rohita (N.)
kālo
die Zeit (N.)
abhavad
ist geworden (Impf.)
rohito
Rohita
'gre
am Anfang (Lok.)
prajāpatiḥ
prajā 'Geschöpfe' + pati 'Herr' → der Herr der Geschöpfe (N.)
rohito
Rohita
yajñānāṃ
der Opfer (Gen.Pl.)
mukhaṃ
der Anfang (N.)
rohitaḥ
Rohita
svar
das Himmelslicht (Akk.)
ābharat
hat herbeigebracht (Impf.)

rohito loko abhavad rohito 'ty atapad divam rohito raśmibhir bhūmiṃ samudram anu saṃ carat ||40|| {10}

Rohita ist die Welt geworden; Rohita hat den Himmel durchglüht; Rohita durchwandert mit seinen Strahlen die Erde bis hin zum Meer.

Wort für Wort
rohito
Rohita (N.)
loko
die Welt (N.)
abhavad
ist geworden (Impf.)
rohito
Rohita
'ty
hindurch (ati)
atapad
hat durchglüht (Impf.)
divam
den Himmel (Akk.)
rohito
Rohita
raśmibhir
mit den Strahlen (Instr.Pl.)
bhūmiṃ
die Erde (Akk.)
samudram
bis zum Meer (Akk.)
anu
entlang
saṃ
(Präverb zu carat)
carat
durchwandert (Impf.)
||40||
(Versende-Markierung 40)
{10}
(Abschnittszählung 10)

sarvā diśaḥ sam acarad rohito 'dhipatir divaḥ divaṃ samudram ād bhūmiṃ sarvaṃ bhūtaṃ vi rakṣati

Alle Himmelsrichtungen hat Rohita durchwandert, der Oberherr des Himmels; Himmel, Meer und danach die Erde, alles Seiende beschützt er.

Wort für Wort
sarvā
alle (Akk.Pl.)
diśaḥ
Himmelsrichtungen (Akk.Pl.)
sam
(Präverb zu acarat)
acarad
hat durchwandert (Impf.)
rohito
Rohita (N.)
'dhipatir
der Oberherr (N.)
divaḥ
des Himmels (Gen.)
divaṃ
den Himmel (Akk.)
samudram
das Meer (Akk.)
ād
danach (Adv.)
bhūmiṃ
die Erde (Akk.)
sarvaṃ
alles (Akk.)
bhūtaṃ
Seiende (Akk.)
vi
(Präverb zu rakṣati)
rakṣati
beschützt

ārohan chukro bṛhatīr atandro dve rūpe kṛṇute rocamānaḥ citraś cikitvān mahiṣo vātamāyā yāvato lokān abhi yad vibhāti

Emporsteigend, der Leuchtende, zu den hochgewachsenen Stuten, unermüdlich, nimmt er, der Strahlende, zwei Gestalten an; der wunderbare, kenntnisreiche Gewaltige, windgleich an Zaubermacht, erstrahlt über so viele Welten, wie er erleuchtet.

Wort für Wort
ārohan
emporsteigend (Part.)
chukro
der Leuchtende (N.)
bṛhatīr
zu den hochgewachsenen (Akk.Pl.)
atandro
unermüdlich (N.)
dve
zwei (Akk.Dual)
rūpe
Gestalten (Akk.Dual)
kṛṇute
nimmt an
rocamānaḥ
der Strahlende (N.)
citraś
der wunderbare (N.)
cikitvān
der kenntnisreiche (N.Part.Perf.)
mahiṣo
der Gewaltige (N.)
vātamāyā
vāta 'Wind' + māyā 'Zaubermacht' → windgleich an Zaubermacht (N.)
yāvato
so viele wie (Akk.Pl.)
lokān
Welten (Akk.Pl.)
abhi
über (Präverb)
yad
wie
vibhāti
erstrahlt

abhy anyad eti pary anyad asyate 'horātrābhyāṃ mahiṣaḥ kalpamānaḥ sūryaṃ vayaṃ rajasi kṣiyantaṃ gātuvidaṃ havāmahe nādhamānāḥ

Auf das eine Ende geht er zu, das andere lässt er los, indem sich der Gewaltige mit Tag und Nacht ordnet; wir rufen Sūrya an, der im Luftraum wohnt, den Wegfinder, Hilfe suchend.

Wort für Wort
abhy
hin zu (abhi)
anyad
das eine (Akk.)
eti
geht
pary
los (pari)
anyad
das andere (Akk.)
asyate
lässt er los (Med.)
'horātrābhyāṃ
mit Tag und Nacht (Instr.Dual)
mahiṣaḥ
der Gewaltige (N.)
kalpamānaḥ
sich ordnend (N.Part.)
sūryaṃ
Sūrya (Akk.)
vayaṃ
wir (N.)
rajasi
im Luftraum (Lok.)
kṣiyantaṃ
wohnend (Akk.Part.)
gātuvidaṃ
gātu 'Weg' + vid 'von vid: finden' → den Wegfinder (Akk.)
havāmahe
wir rufen an
nādhamānāḥ
Hilfe suchend (N.Pl.)

pṛthivīpro mahiṣo nādhamānasya gātur adabdhacakṣuḥ pari viśvaṃ babhūva viśvaṃ saṃpaśyant suvidatro yajatra idaṃ śṛṇotu yad ahaṃ bravīmi

Der die Erde erfüllende Gewaltige, der Wegweiser des Hilfesuchenden, der mit untrügbarem Auge, hat das All umfasst; der alles überschaut, der Gütige, der Verehrungswürdige – er höre dies, was ich spreche!

Wort für Wort
pṛthivīpro
pṛthivī 'Erde' + pra 'von prā: erfüllen' → der die Erde erfüllende (N.)
mahiṣo
der Gewaltige (N.)
nādhamānasya
des Hilfesuchenden (Gen.)
gātur
Wegweiser (N.)
adabdhacakṣuḥ
adabdha 'untrüglich' + cakṣus 'Auge' → mit untrügbarem Auge (N.)
pari
rings (Präverb)
viśvaṃ
das All (Akk.)
babhūva
hat umfasst (Perf.)
viśvaṃ
alles (Akk.)
saṃpaśyant
überschauend (N.Part.)
suvidatro
der Gütige (N.)
yajatra
der Verehrungswürdige (N.)
idaṃ
dies (Akk.)
śṛṇotu
er höre (Imp.)
yad
was
ahaṃ
ich (N.)
bravīmi
ich spreche

pary asya mahimā pṛthivīṃ samudraṃ jyotiṣā vibhrājan pari dyām antarikṣam sarvaṃ saṃpaśyant suvidatro yajatra idaṃ śṛṇotu yad ahaṃ bravīmi

Seine Größe umfasst die Erde und das Meer, mit ihrem Licht erstrahlend, umfasst sie den Himmel und den Luftraum; der alles überschaut, der Gütige, der Verehrungswürdige – er höre dies, was ich spreche!

Wort für Wort
pary
rings (pari)
asya
seine (Gen.)
mahimā
Größe (N.)
pṛthivīṃ
die Erde (Akk.)
samudraṃ
das Meer (Akk.)
jyotiṣā
mit Licht (Instr.)
vibhrājan
erstrahlend (Part.)
pari
rings
dyām
den Himmel (Akk.)
antarikṣam
den Luftraum (Akk.)
sarvaṃ
alles (Akk.)
saṃpaśyant
überschauend
suvidatro
der Gütige (N.)
yajatra
der Verehrungswürdige (N.)
idaṃ
dies
śṛṇotu
er höre
yad
was
ahaṃ
ich
bravīmi
ich spreche

abodhy agniḥ samidhā janānāṃ prati dhenum ivāyatīm uṣasam yahvā iva pra vayām ujjihānāḥ pra bhānavaḥ sisrate nākam acha ||46|| {11}

Erwacht ist Agni durch das Brennholz der Menschen, ihr entgegen wie einer nahenden Kuh, der Uṣas; wie kräftige junge Vögel, die Zweige emporstreckend, strömen die Lichtstrahlen hin zum Firmament.

Wort für Wort
abodhy
ist erwacht (Aor.Pass.)
agniḥ
Agni (N.)
samidhā
durch das Brennholz (Instr.)
janānāṃ
der Menschen (Gen.Pl.)
prati
entgegen
dhenum
der Kuh (Akk.)
ivāyatīm
gleich der nahenden (iva+āyatīm)
uṣasam
der Uṣas (Akk.)
yahvā
kräftige junge (N.Pl.)
iva
wie
pra
(Präverb zu ujjihānāḥ)
vayām
die Zweige (Akk.Pl.)
ujjihānāḥ
emporstreckend (N.Pl.Part.)
pra
(Präverb zu sisrate)
bhānavaḥ
die Lichtstrahlen (N.Pl.)
sisrate
strömen
nākam
zum Firmament (Akk.)
acha
hin (Adv.)
||46||
(Versende-Markierung 46)
{11}
(Abschnittszählung 11)

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