naḍam ā roha na te atra loka idaṃ sīsaṃ bhāgadheyaṃ ta ehi yo goṣu yakṣmaḥ puruṣeṣu yakṣmas tena tvaṃ sākam adharāṅ parehi
Steig auf das Schilfrohr; hier ist nicht dein Platz. Dies Blei ist dein Anteil – komm her! Die Krankheit, die in den Rindern, die Krankheit, die in den Menschen ist – mit ihr zusammen geh hinab und fort.
aghaśaṃsaduḥśaṃsābhyāṃ kareṇānukareṇa ca yakṣmaṃ ca sarvaṃ teneto mṛtyuṃ ca nir ajāmasi
Mit dem Fluchwort der Bosheit und des Übelwollens, mit Tat und Nachtat [Anm.: die Bedeutung von „kareṇānukareṇa“ ist unsicher] – mit all dem treiben wir die Krankheit und den Tod von hier fort.
Wort für Wort
aghaśaṃsaduḥśaṃsābhyāṃ
mit dem Fluchwort der Bosheit und des Übelwollens (Instr.Dual, Kompositum)
nir ito mṛtyuṃ nirṛtiṃ nir arātim ajāmasi yo no dveṣṭi tam addhy agne akravyād yam u dviṣmas tam u te pra suvāmasi
Von hier vertreiben wir den Tod, das Verderben, den Unsegen. Wer uns hasst, den friss, o Agni, der du kein Aasfresser bist; und wen wir hassen, den treiben wir dir zu.
yady agniḥ kravyād yadi vā vyāghra imaṃ goṣṭhaṃ praviveśānyokāḥ taṃ māṣājyaṃ kṛtvā pra hiṇomi dūraṃ sa gachatv apsuṣado 'py agnīn
Wenn ein aasfressendes Feuer, oder wenn ein Tiger, ein Fremder, in diesen Rinderstall eingedrungen ist – ihn sende ich fort, nachdem ich ihn mit Bohnenmus und Schmelzbutter versehen habe; weit fort soll er gehen, hin zu den im Wasser wohnenden Feuern.
Was sie zornentbrannt aus Grimm an dir getan haben, o Agni, als der Mensch gestorben war, um dich wohlgeordnet zu machen – das lassen wir durch dich selbst wieder aufflammen [Anm.: der genaue Sinn dieses Verses bleibt unsicher].
Wieder haben dich die Adityas, Rudras und Vasus entzündet; wieder das heilige Wort, die Güterführung, o Agni; wieder hat dich Brahmanaspati entfacht, für langes Leben, für hundert Herbste.
yo agniḥ kravyāt praviveśa no gṛham imaṃ paśyann itaraṃ jātavedasam taṃ harāmi pitṛyajñāya dūraṃ sa gharmam indhāṃ parame sadhasthe
Das aasfressende Feuer, das in unser Haus eingedrungen ist – im Angesicht jenes anderen, des Allwissenden Jatavedas –, das führe ich weit fort zum Ahnenopfer; dort möge es den Gharma-Kessel [Anm.: rituelles Gefäß für die heiße Milch beim Totenritual] an höchster Stätte entzünden.
Das aasfressende Feuer sende ich weit fort; es gehe zu Yamas Reich, als Träger des Unreinen. Hier aber möge das andere Feuer, der Gott Jatavedas, kundig den Göttern die Opfergabe zutragen.
Angetrieben führe ich das aasfressende Feuer fort, den Tod, der die Menschen festhält; mit der Keule bezwinge ich ihn, kundig, mithilfe des Hausfeuers. Auch in der Welt der Väter möge ihm ein Anteil zuteil werden.
Das aasfressende, geschäftige, preiswürdige Feuer sende ich fort auf den Pfaden der Väter; nicht sollst du auf den Götterpfaden zurückkehren. Hier bei den Vätern bleibe, wache du unter ihnen.
sam indhate saṃkasukaṃ svastaye śuddhā bhavantaḥ śucayaḥ pāvakāḥ jahāti ripram aty ena eti samiddho agniḥ supunā punāti
Sie entzünden das Samkasuka-Feuer [Anm.: Name eines Reinigungsfeuers/-ritus; die genaue Bedeutung ist unsicher] zum Heil, selbst rein, lauter, geläutert werdend. Es lässt die Unreinheit fahren, geht über die Sünde hinweg; das entzündete Feuer läutert mit reiner Läuterung.
saṃkasuko vikasuko nirṛtho yaś ca nisvaraḥ te te yakṣmaṃ savedaso dūrād dūram anīnaśan
Samkasuka, Vikasuka, Nirritha und der, der Nisvara heißt [Anm.: vermutlich Namen verschiedener Reinigungsfeuer bzw. -riten; die genauen Bedeutungen sind unsicher] – diese haben, mitsamt ihrem Wissen, die Krankheit weit, weit fortgeschickt.
yo no aśveṣu vīreṣu yo no goṣv ajāviṣu kravyādaṃ nir ṇudāmasi yo agnir janayopanaḥ
Das aasfressende Feuer, das an unsere Rosse, unsere Männer, das an unsere Rinder, Schafe und Ziegen herangeht, das sich den Menschen naht – das stoßen wir fort.
Wort für Wort
yo
das (Nom.Rel.)
no
uns (Dat.)
aśveṣu
an den Rossen (Lok.Pl.)
vīreṣu
an den Männern (Lok.Pl.)
yo
das (Nom.Rel.)
no
uns (Dat.)
goṣv
an den Rindern (Lok.Pl.)
ajāviṣu
an Schafen und Ziegen (Lok.Pl.)
kravyādaṃ
das aasfressende (Akk.)
nir
fort (Präverb)
ṇudāmasi
stoßen wir (1Pl.Präs.)
yo
das (Nom.Rel.)
agnir
Feuer (Nom.)
janayopanaḥ
jana 'Mensch' + upana (von upa+i, 'sich nähern') → das sich den Menschen naht (Nom.)
In dem, worin sich die Götter gereinigt haben, und worin auch die Menschen sich reinigten – in ihm, reich an Schmelzbutter, gereinigt, steig du, o Agni, zum Himmel empor.
Nachdem ihr den Unrat, das Kopfweh, im Kissen ins Blei habt niedersinken lassen, und es im dunklen Schaffell abgewischt habt, werdet rein, opferwürdig.
paraṃ mṛtyo anu parehi panthāṃ yas ta eṣa itaro devayānāt cakṣuṣmate śṛṇvate te bravīmīheme vīrā bahavo bhavantu
Weiter, o Tod, geh fort auf deinem eigenen Weg, der ein anderer ist als der Götterpfad. Dir, dem Sehenden, dem Hörenden, sage ich dies: Hier sollen uns viele Söhne verbleiben.
Wort für Wort
paraṃ
weiter (Akk./Adv.)
mṛtyo
o Tod (Vok.)
anu
fort, entlang (Präverb)
parehi
geh (2Sg.Imp.)
panthāṃ
Weg (Akk.)
yas
der (Nom.Rel.)
ta
dein (Gen., enkl.)
eṣa
dieser (Nom.)
itaro
ein anderer (Nom.)
devayānāt
als der Götterpfad (Abl.)
cakṣuṣmate
dem Sehenden (Dat.)
śṛṇvate
dem Hörenden (Dat.)
te
dir (Dat.)
bravīmīheme
ich sage, hier, diese (1Sg.Präs.+Adv.+Nom.Pl., dreifache Sandhi-Verschmelzung: bravīmi+iha+ime)
ime jīvā vi mṛtair āvavṛtrann abhūd bhadrā devahutir no adya prāñco agāma nṛtaye hasāya suvīrāso vidatham ā vadema
Diese Lebenden haben sich von den Toten abgewandt; günstig ist heute unsere Anrufung der Götter gewesen. Vorwärts sind wir gegangen, zum Tanz und zum Lachen; als Männer mit tüchtigen Söhnen wollen wir zur Opferversammlung sprechen.
Diese Umfriedung setze ich für die Lebenden; keiner von ihnen soll je zu diesem Ziel gelangen. Hundert Jahre lang, viele Herbste lebend, mögen sie den Tod durch den Berg [Anm.: vermutlich Bild eines Grabhügels oder Steins als Grenze] von sich fernhalten.
Steigt auf zu langem Leben, das hohe Alter wählend, der Reihe nach fortschreitend, so viele ihr seid. Euch möge Tvashtri, der gute Erzeuger, in Eintracht das ganze Leben zum Leben führen.
Wort für Wort
ā
hinauf (Präverb)
rohatāyur
steigt - zum Leben (2Pl.Imp.+Akk./Nom., sandhi rohata+āyuḥ)
Wie die Tage der Reihe nach folgen, wie die Jahreszeiten mit den Jahreszeiten zusammen fortschreiten, wie der Spätere den Früheren nicht verlässt – so ordne, o Ordner, die Lebenszeiten dieser hier.
aśmanvatī rīyate saṃ rabhadhvaṃ vīrayadhvaṃ pra taratā sakhāyaḥ atrā jahīta ye asan durevā anamīvān ut taremābhi vājān
Der steinige Strom [Anm.: Bild des jenseitigen Totenflusses] fließt dahin – fasst euch an, zeigt Mannesmut, durchquert ihn, ihr Gefährten! Hier lasst zurück, die böse Gesinnung hatten; frei von Übel wollen wir emporsteigen, hin zu den Siegespreisen.
Wort für Wort
aśmanvatī
der steinige (Nom.)
rīyate
fließt dahin (3Sg.Präs.)
saṃ
zusammen (Präverb)
rabhadhvaṃ
fasst euch an (2Pl.Imp.)
vīrayadhvaṃ
zeigt Mannesmut (2Pl.Imp.)
pra
fort (Präverb)
taratā
durchquert (2Pl.Imp.)
sakhāyaḥ
ihr Gefährten (Vok.)
atrā
hier (Adv.)
jahīta
lasst zurück (2Pl.Imp.)
ye
die (Nom.Pl.Rel.)
asan
waren (3Pl.Impf.)
durevā
böse Gesinnung habend (Nom.Pl.)
anamīvān
frei von Übel (Akk.Pl.)
ut
auf (Präverb)
taremābhi
wollen wir steigen, hin zu (1Pl.Aor.Inj.+Präverb, Kompositum)
ut tiṣṭhatā pra taratā sakhāyo 'śmanvatī nadī syandata iyam atrā jahīta ye asann aśivāḥ śivānt syonān ut taremābhi vājān
Erhebt euch, durchquert ihn, ihr Gefährten – dieser steinige Fluss fließt dahin. Hier lasst zurück, die unheilvoll waren; heilvoll und wohlgemut wollen wir emporsteigen, hin zu den Siegespreisen.
Wort für Wort
ut
auf (Präverb)
tiṣṭhatā
erhebt euch (2Pl.Imp.)
pra
fort (Präverb)
taratā
durchquert (2Pl.Imp.)
sakhāyo
ihr Gefährten (Vok.)
'śmanvatī
der steinige (Nom.)
nadī
Fluss (Nom.)
syandata
fließt dahin (3Sg.Präs.)
iyam
dieser (Nom.)
atrā
hier (Adv.)
jahīta
lasst zurück (2Pl.Imp.)
ye
die (Nom.Pl.Rel.)
asann
waren (3Pl.Impf.)
aśivāḥ
unheilvoll (Nom.Pl.)
śivānt
heilvoll (Akk.Pl.)
syonān
wohlgemut (Akk.Pl.)
ut
auf (Präverb)
taremābhi
wollen wir steigen, hin zu (1Pl.Aor.Inj.+Präverb, Kompositum)
Ergreift mit Glanz die den Allgöttern geweihte Gabe [Anm.: das Bezugswort zu „der Allgötter geweihten“ wird im Vers nicht genannt; vermutlich ist eine rituelle Kuh oder Opferspeise gemeint], rein werdend, lauter, geläutert; über die bösen Stellen hinwegschreitend, wollen wir hundert Winter lang, mit allen unseren Männern wohlbehalten, uns freuen.
Auf den nach Norden führenden, windbewegten Pfaden, über die diesseitigen mit den jenseitigen hinausschreitend, haben die Seher, dreimal siebenmal fortgegangen, den Tod mit ihrem Schritt [Anm.: „padayopanena“ unsicher, sinngemäß auf das Herannahen ihres Ganges bezogen] von sich abgewehrt.
Wort für Wort
udīcīnaiḥ
auf den nach Norden führenden (Instr.Pl.)
pathibhir
Pfaden (Instr.Pl.)
vāyumadbhir
windbewegten (Instr.Pl.)
atikrāmanto
überschreitend (Nom.Pl.Part.)
'varān
die diesseitigen (Akk.Pl.)
parebhiḥ
mit den jenseitigen (Instr.Pl.)
triḥ
dreimal (Adv.)
sapta
siebenmal (Adv.)
kṛtva
mal (Akk., Zählwort)
ṛṣayaḥ
die Seher (Nom.Pl.)
paretā
fortgegangen (Nom.Pl.Part.)
mṛtyuṃ
den Tod (Akk.)
praty
entgegen (Präverb)
auhan
haben abgewehrt (3Pl.Impf.)
padayopanena
pada 'Fuß, Schritt' + upana (von upa+i, 'Herannahen') [?] → mit ihrem Schritt (Instr., unsicher)
Die Spur des Todes verwischend, kommt herbei; ein längeres, ein weiter reichendes Leben euch verschaffend. Sitzend an eurer Stätte, stoßt den Tod fort; dann wollen wir, die Lebenden, zur Opferversammlung sprechen.
Diese Frauen, nicht verwitwet, mit gutem Gatten, sollen sich mit Salböl, mit Schmelzbutter berühren; ohne Tränen, ohne Krankheit, reich an Kleinoden, mögen die Gattinnen zuerst ihren Sitz besteigen.
vyākaromi haviṣāham etau tau brahmaṇā vy ahaṃ kalpayāmi svadhāṃ pitṛbhyo ajarāṃ kṛṇomi dīrgheṇāyuṣā sam imānt sṛjāmi
Ich sondere diese beiden Feuer mit der Opferspende; mit dem heiligen Wort ordne ich sie voneinander. Den Vätern bereite ich die unvergängliche Opferspeise; mit langem Leben verbinde ich diese hier.
Wort für Wort
vyākaromi
sondere ich (1Sg.Präs.)
haviṣāham
mit der Opferspende, ich (Instr.+Nom., Kompositum)
etau
diese beiden Feuer (Akk.Dual)
tau
diese (Akk.Dual)
brahmaṇā
mit dem heiligen Wort (Instr.)
vy
fort (Präverb)
ahaṃ
ich (Nom.)
kalpayāmi
ordne ich (1Sg.Präs.)
svadhāṃ
die Opferspeise (Akk.)
pitṛbhyo
den Vätern (Dat.Pl.)
ajarāṃ
unvergänglich (Akk.)
kṛṇomi
bereite ich (1Sg.Präs.)
dīrgheṇāyuṣā
dīrgha 'lang' + āyus 'Leben' → mit langem Leben (Instr.)
yo no agniḥ pitaro hṛtsv antar āviveśāmṛto martyeṣu mayy ahaṃ taṃ pari gṛhṇāmi devaṃ mā so asmān dvikṣata mā vayaṃ tam
Das Feuer, o Väter, das in unser Herz eingezogen ist, der Unsterbliche unter den Sterblichen, in mir – diesen Gott umfasse ich; er soll uns nicht hassen, noch wollen wir ihn hassen.
Wort für Wort
yo
das (Nom.Rel.)
no
uns (Gen.)
agniḥ
Feuer (Nom.)
pitaro
o Väter (Vok.)
hṛtsv
in die Herzen (Lok.Pl.)
antar
hinein (Adv.)
āviveśāmṛto
ist gedrungen, unsterblich (3Sg.Perf.+Nom., Kompositum)
Nachdem es sich den doppelten Erbanteil [Anm.: „dvibhāgadhanam“, der übliche Doppelanteil des ältesten Sohnes am Erbe] genommen hat, zehrt es rücksichtslos das Vermögen des ältesten Sohnes auf – das aasfressende Feuer, wenn es nicht fortgeschafft wurde.
Wort für Wort
dvibhāgadhanam
dvi 'zwei' + bhāga 'Anteil' + dhana 'Vermögen' → den doppelten Erbanteil (Akk.)
yat kṛṣate yad vanute yac ca vasnena vindate sarvaṃ martyasya tan nāsti kravyāc ced anirāhitaḥ
Was er pflügt, was er erwirbt, und was er durch Kauf gewinnt – all das gehört dem Sterblichen nicht mehr, wenn das aasfressende Feuer nicht fortgeschafft ist.
Opferunwürdig und seines Glanzes beraubt wird der, mit dem man nicht die Opferspeise zum Essen teilen darf [Anm.: der genaue Satzbau dieses Verses bleibt unsicher]; von Ackerbau, Rind und Besitz ist getrennt, wen das aasfressende Feuer weiter verfolgt.
Immer wieder klagt der Sterbliche sein Leid gierig [Anm.: die Bedeutung von „gṛdhyaiḥ“ ist unsicher], über den, den das aasfressende Feuer aus der Nähe kundig fortgeführt und vertrieben hat.
Vom Unheilsdämon werden die Häuser heimgesucht, wenn der Frau der Gatte stirbt; nur der kundige Brahmane soll herantreten [Anm.: „eṣyaḥ“ unsicher], der das aasfressende Feuer fortgeschafft hat.
yad ripraṃ śamalaṃ cakṛma yac ca duṣkṛtam āpo mā tasmāc chumbhantv agneḥ saṃkasukāc ca yat ||40|| {10}
Was wir an Unreinem, an Makel begangen haben, und was wir an Übeltat verübt haben – davon sollen die Wasser uns reinigen, und auch von dem, was vom Samkasuka-Feuer an Schuld herrührt.
Sie, die Wasser, haben sich von unten nach Norden gewandt, kundig ihres Weges, auf den Pfaden, die die Götter wandeln. Auf dem Rücken des mächtigen Berges [Anm.: wörtlich „des Stieres“, bildlich für den Berg] fließen die alten Ströme, stets aufs Neue.
In diesen ist das aasfressende Feuer eingedrungen, diesem ist es gefolgt; wie zwei Tiger [Anm.: das Bild bleibt unklar; der Bezug von „zwei Tigern“ im Vers ist unsicher], sie voneinander trennend, führe ich es fort, damit hernach Heil sei.
Wort für Wort
imaṃ
in diesen (Akk.)
kravyād
das aasfressende (Nom.)
ā
hinein (Präverb)
viveśāyaṃ
ist gedrungen, diesem (3Sg.Perf.+Nom., Kompositum)
jīvānām āyuḥ pra tira tvam agne pitṝṇāṃ lokam api gachantu ye mṛtāḥ sugārhapatyo vitapann arātim uṣāmuṣāṃ śreyasīṃ dhehy asmai
Der Lebenden Lebenszeit verlängere du, o Agni; in die Welt der Väter mögen die gelangen, die gestorben sind. Als guter Hüter des Hausfeuers, den Unsegen fernbrennend, verleih uns von Morgenröte zu Morgenröte je Besseres.
Wort für Wort
jīvānām
der Lebenden (Gen.Pl.)
āyuḥ
Lebenszeit (Akk.)
pra
fort (Präverb)
tira
verlängere (2Sg.Imp.)
tvam
du (Nom.)
agne
o Agni (Vok.)
pitṝṇāṃ
der Väter (Gen.Pl.)
lokam
Welt (Akk.)
api
auch (Adv.)
gachantu
mögen gelangen (3Pl.Imp.)
ye
die (Nom.Pl.Rel.)
mṛtāḥ
gestorben sind (Nom.Pl.Part.)
sugārhapatyo
su 'gut' + gārhapatya 'Hausfeuer(-hüter)' → als guter Hüter des Hausfeuers (Nom.)
vitapann
fernbrennend (Nom.Sg.Part.)
arātim
den Unsegen (Akk.)
uṣāmuṣāṃ
uṣās 'Morgenröte' (Akk., distributiv verdoppelt: uṣām uṣām) → von Morgenröte zu Morgenröte (Akk., nicht Nom.)
imam indraṃ vahniṃ paprim anvārabhadhvaṃ sa vo nir vakṣad duritād avadyāt tenāpa hata śarum āpatantaṃ tena rudrasya pari pātāstām
Ergreift diesen Indra, den Zugträger, den Reichspendenden [Anm.: die Bedeutung von „paprim“ ist unsicher, hier als „reichbegabt“ gedeutet] – er soll euch aus Not und Schmach herausführen. Mit ihm schlagt das heranfliegende Geschoss ab; mit ihm sollt ihr euch vor Rudras Geschoss schützen.
anaḍvāhaṃ plavam anvārabhadhvaṃ sa vo nir vakṣad duritād avadyāt ā rohata savitur nāvam etāṃ ṣaḍbhir urvībhir amatiṃ tarema
Ergreift den Zugstier als Fähre; er soll euch aus Not und Schmach herausführen. Besteigt dieses Boot Savitris; mit den sechs weiten Räumen wollen wir die Ratlosigkeit überwinden.
ahorātre anv eṣi bibhrat kṣemyas tiṣṭhan prataraṇaḥ suvīraḥ anāturānt sumanasas talpa bibhraj jyog eva naḥ puruṣagandhir edhi
Tag und Nacht durchschreitest du, dein Amt tragend, sicher stehend, hinüberführend, mit tüchtigen Söhnen; die Gesunden, Wohlgesinnten auf dem Lager tragend – lange noch sei uns gewogen, du nach Menschen Duftender [Anm.: ungewöhnlicher Beiname, wohl des Hausfeuers; genauer Sinn unsicher].
Wort für Wort
ahorātre
Tag und Nacht (Akk.Dual)
anv
durch (Präverb)
eṣi
du durchschreitest (2Sg.Präs.)
bibhrat
tragend (Nom.Sg.Part.)
kṣemyas
sicher (Nom.)
tiṣṭhan
stehend (Nom.Sg.Part.)
prataraṇaḥ
hinüberführend (Nom.)
suvīraḥ
mit tüchtigen Söhnen (Nom.)
anāturānt
die Gesunden (Akk.Pl.)
sumanasas
die Wohlgesinnten (Akk.Pl.)
talpa
auf dem Lager (Akk.)
bibhraj
tragend (Nom.Sg.Part.)
jyog
lange (Adv.)
eva
doch, eben (Partikel)
naḥ
uns (Dat.)
puruṣagandhir
puruṣa 'Mensch' + gandhi 'duftend' [?] → du nach Menschen Duftender (Vok., unsicher)
Sie reißen sich vom Übel bei den Göttern los [Anm.: der Satzbau dieses Verses bleibt unsicher]; sie leben allezeit weiter, die das aasfressende Feuer aus der Nähe fortführt, wie ein Ross das Schilfrohr abstreift.
ye 'śraddhā dhanakāmyā kravyādā samāsate te vā anyeṣāṃ kumbhīṃ paryādadhati sarvadā
Die ohne Glauben, aus Gier nach Besitz, sich mit den aasfressenden Wesen zusammensetzen, die legen für andere allezeit den Totentopf bereit [Anm.: der genaue Sinn dieses Bildes ist unsicher].
Wort für Wort
ye
die (Nom.Pl.Rel.)
'śraddhā
ohne Glauben (Nom.Pl.)
dhanakāmyā
dhana 'Besitz' + kāmyā 'Begierde' → aus Gier nach Besitz (Nom.Pl.)
kravyādā
aasfressend (Nom.Pl., Parallelform zu ''śraddhāḥ, dhanakāmyāḥ'; nicht Akk.)
Wie hinwegzufliegen begehrt sein Sinn, doch immer wieder kehrt er zurück – der, den das aasfressende Feuer aus der Nähe kundig fortgeführt und vertrieben hat.
aviḥ kṛṣṇā bhāgadheyaṃ paśūnāṃ sīsaṃ kravyād api candraṃ ta āhuḥ māṣāḥ piṣṭā bhāgadheyaṃ te havyam araṇyānyā gahvaraṃ sacasva
Das schwarze Schaf ist der Anteil unter dem Vieh; Blei ist dein Anteil, o Aasfresser, und auch, wie man sagt, Silber [Anm.: „candram“, wörtlich „mondhell“, hier als „Silber“ gedeutet]; gemahlene Bohnen sind deine Opfergabe. Suche das Dickicht der Waldgöttin auf.
Nachdem er das welke Schilfrohr, das Tilpinja-Gras [Anm.: Pflanzenname unsicherer Bedeutung] und den Rohrstab dargebracht hatte, machte Indra daraus Brennholz und entfernte damit das Feuer des Yama.
pratyañcam arkaṃ pratyarpayitvā pravidvān panthāṃ vi hy āviveśa parāmīṣām asūn dideśa dīrgheṇāyuṣā sam imānt sṛjāmi ||55|| {12}
Nachdem er den zurückgewandten Lichtglanz [Anm.: „pratyañcam arkam“, wörtlich „den rückwärtsgewandten Glanz“, ist in seinem genauen Bezug unsicher] zurückgesandt hatte, ist der Kundige seinen Weg gegangen; er hat ihre Lebenskräfte in die Ferne gewiesen. Mit langem Leben verbinde ich diese hier.
Wort für Wort
pratyañcam
den zurückgewandten (Akk.)
arkaṃ
Lichtglanz [?] (Akk., unsicher)
pratyarpayitvā
zurückgesandt habend (Gerundium)
pravidvān
kundig (Nom.Sg.Part.)
panthāṃ
den Weg (Akk.)
vi
fort (Präverb)
hy
denn (Partikel)
āviveśa
ist gegangen (3Sg.Perf.)
parāmīṣām
in die Ferne, ihre (Akk.+Gen.Pl., sandhi parām+eṣām)
asūn
Lebenskräfte (Akk.Pl.)
dideśa
hat gewiesen (3Sg.Perf.)
dīrgheṇāyuṣā
dīrgha 'lang' + āyus 'Leben' → mit langem Leben (Instr.)