Quellen der Menschheit

Atharvaveda-Saṃhitā · Kāṇḍa 12

Sūkta 2

naḍam ā roha na te atra loka idaṃ sīsaṃ bhāgadheyaṃ ta ehi yo goṣu yakṣmaḥ puruṣeṣu yakṣmas tena tvaṃ sākam adharāṅ parehi

Steig auf das Schilfrohr; hier ist nicht dein Platz. Dies Blei ist dein Anteil – komm her! Die Krankheit, die in den Rindern, die Krankheit, die in den Menschen ist – mit ihr zusammen geh hinab und fort.

Wort für Wort
naḍam
das Schilfrohr (Akk.)
ā
hin (Präverb)
roha
steig (2Sg.Imp.)
na
nicht (Proh.)
te
dein (Gen.)
atra
hier (Adv.)
loka
Platz (Nom.)
idaṃ
dies (Nom.)
sīsaṃ
Blei (Nom.)
bhāgadheyaṃ
Anteil (Nom.)
ta
dein (Gen., enkl.)
ehi
komm her (2Sg.Imp.)
yo
die (Nom., Rel.)
goṣu
in den Rindern (Lok.Pl.)
yakṣmaḥ
Krankheit (Nom.)
puruṣeṣu
in den Menschen (Lok.Pl.)
yakṣmas
Krankheit (Nom.)
tena
mit ihr (Instr.)
tvaṃ
du (Nom.)
sākam
zusammen (Adv.)
adharāṅ
hinab (Akk./Adv.)
parehi
geh fort (2Sg.Imp.)

aghaśaṃsaduḥśaṃsābhyāṃ kareṇānukareṇa ca yakṣmaṃ ca sarvaṃ teneto mṛtyuṃ ca nir ajāmasi

Mit dem Fluchwort der Bosheit und des Übelwollens, mit Tat und Nachtat [Anm.: die Bedeutung von „kareṇānukareṇa“ ist unsicher] – mit all dem treiben wir die Krankheit und den Tod von hier fort.

Wort für Wort
aghaśaṃsaduḥśaṃsābhyāṃ
mit dem Fluchwort der Bosheit und des Übelwollens (Instr.Dual, Kompositum)
kareṇānukareṇa
mit Tat und Nachtat [?] (Instr., unsicher)
ca
und
yakṣmaṃ
die Krankheit (Akk.)
ca
und
sarvaṃ
alle (Akk.)
teneto
mit all dem, von hier (Instr.+Adv.)
mṛtyuṃ
den Tod (Akk.)
ca
und
nir
fort (Präverb)
ajāmasi
treiben wir (1Pl.Präs.)

nir ito mṛtyuṃ nirṛtiṃ nir arātim ajāmasi yo no dveṣṭi tam addhy agne akravyād yam u dviṣmas tam u te pra suvāmasi

Von hier vertreiben wir den Tod, das Verderben, den Unsegen. Wer uns hasst, den friss, o Agni, der du kein Aasfresser bist; und wen wir hassen, den treiben wir dir zu.

Wort für Wort
nir
von hier (Adv.)
ito
den Tod (Akk.)
mṛtyuṃ
das Verderben (Akk.)
nirṛtiṃ
fort (Präverb)
nir
den Unsegen (Akk.)
arātim
fort (Präverb)
ajāmasi
treiben wir (1Pl.Präs.)
yo
der (Nom.Rel.)
no
uns (Akk.)
dveṣṭi
hasst (3Sg.Präs.)
tam
den (Akk.)
addhy
friss (2Sg.Imp.)
agne
o Agni (Vok.)
akravyād
du kein Aasfresser (Vok.)
yam
den (Akk., Rel.)
u
und
dviṣmas
wir hassen (1Pl.Präs.)
tam
den (Akk.)
u
und
te
dir (Dat.)
pra
zu (Präverb)
suvāmasi
treiben wir (1Pl.Präs.)

yady agniḥ kravyād yadi vā vyāghra imaṃ goṣṭhaṃ praviveśānyokāḥ taṃ māṣājyaṃ kṛtvā pra hiṇomi dūraṃ sa gachatv apsuṣado 'py agnīn

Wenn ein aasfressendes Feuer, oder wenn ein Tiger, ein Fremder, in diesen Rinderstall eingedrungen ist – ihn sende ich fort, nachdem ich ihn mit Bohnenmus und Schmelzbutter versehen habe; weit fort soll er gehen, hin zu den im Wasser wohnenden Feuern.

Wort für Wort
yady
wenn (Konj.)
agniḥ
ein Feuer (Nom.)
kravyād
aasfressend (Nom.)
yadi
oder wenn (Konj.)
vā
auch (Partikel)
vyāghra
ein Tiger (Nom.)
imaṃ
diesen (Akk.)
goṣṭhaṃ
Rinderstall (Akk.)
praviveśānyokāḥ
eingedrungen, ein Fremder (Nom., Kompositum)
taṃ
ihn (Akk.)
māṣājyaṃ
mit Bohnenmus und Schmalz (Akk., Kompositum)
kṛtvā
nachdem versehen (Gerundium)
pra
fort (Präverb)
hiṇomi
sende ich (1Sg.Präs.)
dūraṃ
weit fort (Akk./Adv.)
sa
der (Nom.)
gachatv
soll gehen (3Sg.Imp.)
apsuṣado
im Wasser wohnend (Nom.)
'py
auch, hin zu (Adv.)
agnīn
den Feuern (Akk.Pl.)

yat tvā kruddhāḥ pracakrur manyunā puruṣe mṛte sukalpam agne tat tvayā punas tvod dīpayāmasi

Was sie zornentbrannt aus Grimm an dir getan haben, o Agni, als der Mensch gestorben war, um dich wohlgeordnet zu machen – das lassen wir durch dich selbst wieder aufflammen [Anm.: der genaue Sinn dieses Verses bleibt unsicher].

Wort für Wort
yat
was
tvā
dir (Dat.)
kruddhāḥ
zornentbrannt (Nom.Pl.Part.)
pracakrur
taten (3Pl.Perf.)
manyunā
aus Grimm (Instr.)
puruṣe
im Menschen (Lok.)
mṛte
gestorben (Lok.Sg.Part.)
sukalpam
wohlgeordnet (Akk.)
agne
o Agni (Vok.)
tat
das (Akk.)
tvayā
durch dich (Instr.)
punas
wieder (Adv.)
tvod
durch dich (Abl./Instr.)
dīpayāmasi
lassen wir aufflammen (1Pl.Präs.Kaus.)

punas tvādityā rudrā vasavaḥ punar brahmā vasunītir agne punas tvā brahmaṇas patir ādhād dīrghāyutvāya śataśāradāya

Wieder haben dich die Adityas, Rudras und Vasus entzündet; wieder das heilige Wort, die Güterführung, o Agni; wieder hat dich Brahmanaspati entfacht, für langes Leben, für hundert Herbste.

Wort für Wort
punas
wieder (Adv.)
tvādityā
dich (Akk.)
rudrā
die Ādityas (Nom.Pl.)
vasavaḥ
die Rudras (Nom.Pl.)
punar
die Vasus (Nom.Pl.)
brahmā
wieder (Adv.)
vasunītir
das heilige Wort (Nom.)
agne
die Güterführung (Nom.)
punas
o Agni (Vok.)
tvā
wieder (Adv.)
brahmaṇas
dich (Akk.)
patir
Brahmaṇaspati (Nom.)
ādhād
hat entfacht (3Sg.Impf./Perf.)
dīrghāyutvāya
für langes Leben (Dat.)
śataśāradāya
für hundert Herbste (Dat.)

yo agniḥ kravyāt praviveśa no gṛham imaṃ paśyann itaraṃ jātavedasam taṃ harāmi pitṛyajñāya dūraṃ sa gharmam indhāṃ parame sadhasthe

Das aasfressende Feuer, das in unser Haus eingedrungen ist – im Angesicht jenes anderen, des Allwissenden Jatavedas –, das führe ich weit fort zum Ahnenopfer; dort möge es den Gharma-Kessel [Anm.: rituelles Gefäß für die heiße Milch beim Totenritual] an höchster Stätte entzünden.

Wort für Wort
yo
das (Nom.)
agniḥ
aasfressende Feuer (Nom.)
kravyāt
hinein (Präverb)
praviveśa
ist gedrungen (3Sg.Perf.)
no
unser (Gen.)
gṛham
Haus (Akk.)
imaṃ
dieses (Akk.)
paśyann
erblickend (Nom.Sg.Part.)
itaraṃ
das andere (Akk.)
jātavedasam
Jātavedas, den Allwissenden (Akk.)
taṃ
den (Akk.)
harāmi
führe ich (1Sg.Präs.)
pitṛyajñāya
zum Ahnenopfer (Dat.)
dūraṃ
weit fort (Adv.)
sa
es (Nom.)
gharmam
den Gharma-Kessel (Akk.)
indhāṃ
möge entzünden (3Sg.Imp.)
parame
an höchster (Lok.)
sadhasthe
Stätte (Lok.)

kravyādam agniṃ pra hiṇomi dūram yamarājño gachatu ripravāhaḥ ihāyam itaro jātavedā devo devebhyo havyaṃ vahatu prajānan

Das aasfressende Feuer sende ich weit fort; es gehe zu Yamas Reich, als Träger des Unreinen. Hier aber möge das andere Feuer, der Gott Jatavedas, kundig den Göttern die Opfergabe zutragen.

Wort für Wort
kravyādam
das aasfressende (Akk.)
agniṃ
Feuer (Akk.)
pra
fort (Präverb)
hiṇomi
sende ich (1Sg.Präs.)
dūram
weit fort (Akk./Adv.)
yamarājño
zu Yamas Reich (Gen., Kompositum)
gachatu
möge gehen (3Sg.Imp.)
ripravāhaḥ
als Träger des Unreinen (Nom.)
ihāyam
hier aber dieses (Adv.+Nom.)
itaro
das andere (Nom.)
jātavedā
Jātavedas (Nom.)
devo
der Gott (Nom.)
devebhyo
den Göttern (Dat.Pl.)
havyaṃ
die Opfergabe (Akk.)
vahatu
möge zutragen (3Sg.Imp.)
prajānan
kundig (Nom.Sg.Part.)

kravyādam agnim iṣito harāmi janān dṛṃhantaṃ vajreṇa mṛtyum ni taṃ śāsmi gārhapatyena vidvān pitṝṇāṃ loke 'pi bhāgo astu

Angetrieben führe ich das aasfressende Feuer fort, den Tod, der die Menschen festhält; mit der Keule bezwinge ich ihn, kundig, mithilfe des Hausfeuers. Auch in der Welt der Väter möge ihm ein Anteil zuteil werden.

Wort für Wort
kravyādam
das aasfressende (Akk.)
agnim
Feuer (Akk.)
iṣito
angetrieben (Nom.Sg.Part.)
harāmi
führe ich (1Sg.Präs.)
janān
die Menschen (Akk.Pl.)
dṛṃhantaṃ
festhaltend (Akk.Sg.Part.)
vajreṇa
mit der Keule (Instr.)
mṛtyum
den Tod (Akk.)
ni
nieder (Präverb)
taṃ
ihn (Akk.)
śāsmi
bezwinge ich (1Sg.Präs.)
gārhapatyena
mit dem Hausfeuer (Instr.)
vidvān
kundig (Nom.Sg.Part.)
pitṝṇāṃ
der Väter (Gen.Pl.)
loke
in der Welt (Lok.)
'pi
auch (Adv.)
bhāgo
Anteil (Nom.)
astu
sei (3Sg.Imp.)

kravyādam agniṃ śaśamānam ukthyaṃ pra hiṇomi pathibhiḥ pitṛyāṇaiḥ mā devayānaiḥ punar ā gā atraivaidhi pitṛṣu jāgṛhi tvam ||10|| {7}

Das aasfressende, geschäftige, preiswürdige Feuer sende ich fort auf den Pfaden der Väter; nicht sollst du auf den Götterpfaden zurückkehren. Hier bei den Vätern bleibe, wache du unter ihnen.

Wort für Wort
kravyādam
das aasfressende (Akk.)
agniṃ
Feuer (Akk.)
śaśamānam
geschäftige (Akk.)
ukthyaṃ
preiswürdige (Akk.)
pra
fort (Präverb)
hiṇomi
sende ich (1Sg.Präs.)
pathibhiḥ
auf den Pfaden (Instr.Pl.)
pitṛyāṇaiḥ
den Väterpfaden (Instr.Pl.)
mā
nicht (Proh.)
devayānaiḥ
auf den Götterpfaden (Instr.Pl.)
punar
wieder (Adv.)
ā
her (Präverb)
gā
sollst du kommen (2Sg.Inj.)
atraivaidhi
hier eben sei (Adv.+2Sg.Imp.)
pitṛṣu
bei den Vätern (Lok.Pl.)
jāgṛhi
wache (2Sg.Imp.)
tvam
du (Nom.)
||10||
(Versmarke 10)
{7}
(Anuvāka-Marke 7)

sam indhate saṃkasukaṃ svastaye śuddhā bhavantaḥ śucayaḥ pāvakāḥ jahāti ripram aty ena eti samiddho agniḥ supunā punāti

Sie entzünden das Samkasuka-Feuer [Anm.: Name eines Reinigungsfeuers/-ritus; die genaue Bedeutung ist unsicher] zum Heil, selbst rein, lauter, geläutert werdend. Es lässt die Unreinheit fahren, geht über die Sünde hinweg; das entzündete Feuer läutert mit reiner Läuterung.

Wort für Wort
sam
zusammen (Präverb)
indhate
entzünden (3Pl.Präs.)
saṃkasukaṃ
das Samkasuka-Feuer [?] (Akk., unsicher)
svastaye
zum Heil (Dat.)
śuddhā
rein (Nom.Pl.)
bhavantaḥ
werdend (Nom.Pl.Part.)
śucayaḥ
lauter (Nom.Pl.)
pāvakāḥ
geläutert (Nom.Pl.)
jahāti
es lässt fahren (3Sg.Präs.)
ripram
die Unreinheit (Akk.)
aty
hinweg über (Präverb)
ena
die Sünde (Akk.)
eti
es geht (3Sg.Präs.)
samiddho
entzündet (Nom.Sg.Part.)
agniḥ
das Feuer (Nom.)
supunā
mit reiner Läuterung (Instr.)
punāti
es läutert (3Sg.Präs.)

devo agniḥ saṃkasuko divas pṛṣṭhāny āruhat mucyamāno nir eṇaso 'mog asmāṃ aśastyāḥ

Der göttliche Samkasuka-Agni ist zu den Höhen des Himmels emporgestiegen; von Schuld befreit, halte er böse Nachrede von uns fern.

Wort für Wort
devo
der göttliche (Nom.)
agniḥ
Agni (Nom.)
saṃkasuko
Samkasuka (Nom.)
divas
des Himmels (Gen.)
pṛṣṭhāny
Höhen (Akk.Pl.)
āruhat
ist emporgestiegen (3Sg.Impf.)
mucyamāno
befreit werdend (Nom.Sg.Part.)
nir
fort, von (Präverb)
eṇaso
von Schuld (Abl.)
'mog
möge fernhalten (3Sg.Aor.Inj.)
asmāṃ
uns (Akk.)
aśastyāḥ
von böser Nachrede (Abl.)

asmin vayaṃ saṃkasuke agnau riprāṇi mṛjmahe abhūma yajñiyāḥ śuddhāḥ pra ṇa āyūṃṣi tāriṣat

In diesem Samkasuka-Feuer wischen wir unsere Unreinheiten ab; wir sind opferwürdig geworden, rein. Es möge unsere Lebenszeiten verlängern.

Wort für Wort
asmin
in diesem (Lok.)
vayaṃ
wir (Nom.)
saṃkasuke
dem Samkasuka (Lok.)
agnau
Feuer (Lok.)
riprāṇi
Unreinheiten (Akk.Pl.)
mṛjmahe
wischen wir ab (1Pl.Präs.)
abhūma
wir sind geworden (1Pl.Perf.)
yajñiyāḥ
opferwürdig (Nom.Pl.)
śuddhāḥ
rein (Nom.Pl.)
pra
fort (Präverb)
ṇa
unsere (Akk.)
āyūṃṣi
Lebenszeiten (Akk.Pl.)
tāriṣat
möge verlängern (3Sg.Aor.Inj.)

saṃkasuko vikasuko nirṛtho yaś ca nisvaraḥ te te yakṣmaṃ savedaso dūrād dūram anīnaśan

Samkasuka, Vikasuka, Nirritha und der, der Nisvara heißt [Anm.: vermutlich Namen verschiedener Reinigungsfeuer bzw. -riten; die genauen Bedeutungen sind unsicher] – diese haben, mitsamt ihrem Wissen, die Krankheit weit, weit fortgeschickt.

Wort für Wort
saṃkasuko
Samkasuka (Nom., Feuername)
vikasuko
Vikasuka (Nom., Feuername)
nirṛtho
Niritha (Nom., Feuername)
yaś
der (Nom.Rel.)
ca
und
nisvaraḥ
Nisvara heißt (Nom.)
te
diese (Nom.Pl.)
te
diese (Nom.Pl.)
yakṣmaṃ
die Krankheit (Akk.)
savedaso
mitsamt ihrem Wissen (Nom.Pl.)
dūrād
weit, weit (Adv.)
dūram
weit (Adv.)
anīnaśan
haben fortgeschickt (3Pl.Aor.)

yo no aśveṣu vīreṣu yo no goṣv ajāviṣu kravyādaṃ nir ṇudāmasi yo agnir janayopanaḥ

Das aasfressende Feuer, das an unsere Rosse, unsere Männer, das an unsere Rinder, Schafe und Ziegen herangeht, das sich den Menschen naht – das stoßen wir fort.

Wort für Wort
yo
das (Nom.Rel.)
no
uns (Dat.)
aśveṣu
an den Rossen (Lok.Pl.)
vīreṣu
an den Männern (Lok.Pl.)
yo
das (Nom.Rel.)
no
uns (Dat.)
goṣv
an den Rindern (Lok.Pl.)
ajāviṣu
an Schafen und Ziegen (Lok.Pl.)
kravyādaṃ
das aasfressende (Akk.)
nir
fort (Präverb)
ṇudāmasi
stoßen wir (1Pl.Präs.)
yo
das (Nom.Rel.)
agnir
Feuer (Nom.)
janayopanaḥ
jana 'Mensch' + upana (von upa+i, 'sich nähern') → das sich den Menschen naht (Nom.)

anyebhyas tvā puruṣebhyo gobhyo aśvebhyas tvā niḥ kravyādaṃ nudāmasi yo agnir jīvitayopanaḥ

Von anderen Menschen, von Rindern, von Rossen stoßen wir dich, das aasfressende Feuer, fort, das sich an das Leben heranmacht.

Wort für Wort
anyebhyas
von anderen (Abl.Pl.)
tvā
dich (Akk.)
puruṣebhyo
Menschen (Abl.Pl.)
gobhyo
von Rindern (Abl.Pl.)
aśvebhyas
von Rossen (Abl.Pl.)
tvā
dich (Akk.)
niḥ
fort (Präverb)
kravyādaṃ
das aasfressende (Akk.)
nudāmasi
stoßen wir (1Pl.Präs.)
yo
das (Nom.)
agnir
Feuer (Nom.)
jīvitayopanaḥ
jīvita 'Leben' + upana (von upa+i, 'sich nähern') → das sich ans Leben heranmacht (Nom.)

yasmin devā amṛjata yasmin manuṣyā uta tasmin ghṛtastāvo mṛṣṭvā tvam agne divaṃ ruha

In dem, worin sich die Götter gereinigt haben, und worin auch die Menschen sich reinigten – in ihm, reich an Schmelzbutter, gereinigt, steig du, o Agni, zum Himmel empor.

Wort für Wort
yasmin
in dem (Lok.Rel.)
devā
die Götter (Nom.Pl.)
amṛjata
sich gereinigt haben (3Pl.Impf.)
yasmin
in dem (Lok.Rel.)
manuṣyā
die Menschen (Nom.Pl.)
uta
und auch (Adv.)
tasmin
in ihm (Lok.)
ghṛtastāvo
reich an Schmelzbutter (Nom.)
mṛṣṭvā
gereinigt (Gerundium)
tvam
du (Nom.)
agne
o Agni (Vok.)
divaṃ
zum Himmel (Akk.)
ruha
steig empor (2Sg.Imp.)

samiddho agna āhuta sa no mābhyapakramīḥ atraiva dīdihi dyavi jyok ca sūryaṃ dṛśe

Entzündet, o Agni, mit Opfergüssen bespendet – weiche uns nicht von hier. Leuchte eben hier am Himmel, und lass uns lange die Sonne schauen.

Wort für Wort
samiddho
entzündet (Vok.)
agna
o Agni (Vok.)
āhuta
mit Opfergüssen bespendet (Vok.)
sa
er (Nom.)
no
uns (Abl./Akk.)
mābhyapakramīḥ
nicht weiche fort (Proh.+2Sg.Inj., sandhi mā+abhi+apakramīḥ)
atraiva
eben hier (Adv.)
dīdihi
leuchte (2Sg.Imp.)
dyavi
am Himmel (Lok.)
jyok
lange (Adv.)
ca
und
sūryaṃ
die Sonne (Akk.)
dṛśe
zu schauen (Dat.Inf.)

sīse mṛḍḍhvaṃ naḍe mṛḍḍhvam agnau saṃkasuke ca yat atho avyāṃ rāmāyāṃ śīrṣaktim upabarhaṇe

Im Blei seid gnädig, im Schilfrohr seid gnädig, und im Samkasuka-Feuer; auch im dunklen Schaffell sei das Kopfweh im Kissen gebannt.

Wort für Wort
sīse
im Blei (Lok.)
mṛḍḍhvaṃ
seid gnädig (2Pl.Imp.)
naḍe
im Schilfrohr (Lok.)
mṛḍḍhvam
seid gnädig (2Pl.Imp.)
agnau
im Feuer (Lok.)
saṃkasuke
im Samkasuka-Feuer (Lok.)
ca
und
yat
was
atho
auch (Adv.)
avyāṃ
im Schaffell (Lok.)
rāmāyāṃ
dunklen (Lok.)
śīrṣaktim
Kopfweh (Akk.)
upabarhaṇe
im Kissen (Lok.)

sīse malaṃ sādayitvā śīrṣaktim upabarhaṇe avyām asiknyāṃ mṛṣṭvā śuddhā bhavata yajñiyāḥ ||20|| {8}

Nachdem ihr den Unrat, das Kopfweh, im Kissen ins Blei habt niedersinken lassen, und es im dunklen Schaffell abgewischt habt, werdet rein, opferwürdig.

Wort für Wort
sīse
im Blei (Lok.)
malaṃ
den Unrat (Akk.)
sādayitvā
nachdem versenkt (Gerundium)
śīrṣaktim
Kopfweh (Akk.)
upabarhaṇe
im Kissen (Lok.)
avyām
im Schaffell (Lok.)
asiknyāṃ
dunklen (Lok.)
mṛṣṭvā
nachdem abgewischt (Gerundium)
śuddhā
rein (Nom.Pl.)
bhavata
werdet (2Pl.Imp.)
yajñiyāḥ
opferwürdig (Nom.Pl.)
||20||
(Versmarke 20)
{8}
(Anuvāka-Marke 8)

paraṃ mṛtyo anu parehi panthāṃ yas ta eṣa itaro devayānāt cakṣuṣmate śṛṇvate te bravīmīheme vīrā bahavo bhavantu

Weiter, o Tod, geh fort auf deinem eigenen Weg, der ein anderer ist als der Götterpfad. Dir, dem Sehenden, dem Hörenden, sage ich dies: Hier sollen uns viele Söhne verbleiben.

Wort für Wort
paraṃ
weiter (Akk./Adv.)
mṛtyo
o Tod (Vok.)
anu
fort, entlang (Präverb)
parehi
geh (2Sg.Imp.)
panthāṃ
Weg (Akk.)
yas
der (Nom.Rel.)
ta
dein (Gen., enkl.)
eṣa
dieser (Nom.)
itaro
ein anderer (Nom.)
devayānāt
als der Götterpfad (Abl.)
cakṣuṣmate
dem Sehenden (Dat.)
śṛṇvate
dem Hörenden (Dat.)
te
dir (Dat.)
bravīmīheme
ich sage, hier, diese (1Sg.Präs.+Adv.+Nom.Pl., dreifache Sandhi-Verschmelzung: bravīmi+iha+ime)
vīrā
Söhne, Männer (Nom.Pl.)
bahavo
viele (Nom.Pl.)
bhavantu
sollen sein (3Pl.Imp.)

ime jīvā vi mṛtair āvavṛtrann abhūd bhadrā devahutir no adya prāñco agāma nṛtaye hasāya suvīrāso vidatham ā vadema

Diese Lebenden haben sich von den Toten abgewandt; günstig ist heute unsere Anrufung der Götter gewesen. Vorwärts sind wir gegangen, zum Tanz und zum Lachen; als Männer mit tüchtigen Söhnen wollen wir zur Opferversammlung sprechen.

Wort für Wort
ime
diese (Nom.Pl.)
jīvā
Lebenden (Nom.Pl.)
vi
fort, ab (Präverb)
mṛtair
von den Toten (Instr.Pl.)
āvavṛtrann
haben sich abgewandt (3Pl.Perf.)
abhūd
ist geworden (3Sg.Aor.)
bhadrā
günstig (Nom.)
devahutir
der Götter Anrufung (Nom.)
no
uns (Gen.)
adya
heute (Adv.)
prāñco
vorwärts (Nom.Pl.)
agāma
sind wir gegangen (1Pl.Aor.)
nṛtaye
zum Tanz (Dat.)
hasāya
zum Lachen (Dat.)
suvīrāso
mit tüchtigen Söhnen (Nom.Pl.)
vidatham
zur Opferversammlung (Akk.)
ā
hin (Präverb)
vadema
wollen wir sprechen (1Pl.Opt.)

imaṃ jīvebhyaḥ paridhiṃ dadhāmi maiṣāṃ nu gād aparo artham etam śataṃ jīvantaḥ śaradaḥ purūcīs tiro mṛtyuṃ dadhatām parvatena

Diese Umfriedung setze ich für die Lebenden; keiner von ihnen soll je zu diesem Ziel gelangen. Hundert Jahre lang, viele Herbste lebend, mögen sie den Tod durch den Berg [Anm.: vermutlich Bild eines Grabhügels oder Steins als Grenze] von sich fernhalten.

Wort für Wort
imaṃ
diese (Akk.)
jīvebhyaḥ
den Lebenden (Dat.Pl.)
paridhiṃ
Umfriedung (Akk.)
dadhāmi
setze ich (1Sg.Präs.)
maiṣāṃ
nicht - ihrer (Proh.+Gen.Pl., sandhi mā+eṣām)
nu
je, nun (Partikel)
gād
möge gelangen (3Sg.Aor.Inj., sandhi gāt)
aparo
ein anderer, keiner (Nom.)
artham
Ziel, Zweck (Akk.)
etam
diesen (Akk., mit 'artham': 'zu diesem Ziel')
śataṃ
hundert (Akk.)
jīvantaḥ
lebend (Nom.Pl.Part.)
śaradaḥ
Herbste (Akk.Pl.)
purūcīs
viele (Akk.Pl.)
tiro
fort (Präverb)
mṛtyuṃ
den Tod (Akk.)
dadhatām
sollen halten (3Pl.Imp.)
parvatena
durch den Berg [?] (Instr., unsicher)

ā rohatāyur jarasaṃ vṛṇānā anupūrvaṃ yatamānā yati stha tān vas tvaṣṭā sujanimā sajoṣāḥ sarvam āyur nayatu jīvanāya

Steigt auf zu langem Leben, das hohe Alter wählend, der Reihe nach fortschreitend, so viele ihr seid. Euch möge Tvashtri, der gute Erzeuger, in Eintracht das ganze Leben zum Leben führen.

Wort für Wort
ā
hinauf (Präverb)
rohatāyur
steigt - zum Leben (2Pl.Imp.+Akk./Nom., sandhi rohata+āyuḥ)
jarasaṃ
das hohe Alter (Akk.)
vṛṇānā
wählend (Nom.Pl.Part.)
anupūrvaṃ
der Reihe nach (Adv.)
yatamānā
fortschreitend, strebend (Nom.Pl.Part.)
yati
so viele (Adv., Korrelativ)
stha
seid (2Pl.Präs.)
tān
euch, sie (Akk.Pl.)
vas
euch (Akk.Pl.)
tvaṣṭā
Tvaṣṭṛ (Nom.)
sujanimā
der gute Erzeuger (Nom.)
sajoṣāḥ
in Eintracht (Nom.)
sarvam
das ganze (Akk.)
āyur
Leben (Akk.)
nayatu
möge führen (3Sg.Imp.)
jīvanāya
zum Leben (Dat.)

yathāhāny anupūrvaṃ bhavanti yatha rtava ṛtubhir yanti sākam yathā na pūrvam aparo jahāty evā dhātar āyūṃṣi kalpayaiṣām

Wie die Tage der Reihe nach folgen, wie die Jahreszeiten mit den Jahreszeiten zusammen fortschreiten, wie der Spätere den Früheren nicht verlässt – so ordne, o Ordner, die Lebenszeiten dieser hier.

Wort für Wort
yathāhāny
wie die Tage (Adv.+Nom., Kompositum)
anupūrvaṃ
der Reihe nach (Adv.)
bhavanti
werden (3Pl.Präs.)
yatha
wie (Adv.)
rtava
die Jahreszeiten (Nom.Pl.)
ṛtubhir
mit den Jahreszeiten (Instr.Pl.)
yanti
gehen (3Pl.Präs.)
sākam
zusammen (Adv.)
yathā
wie (Adv.)
na
nicht (Negation)
pūrvam
den Früheren (Akk.)
aparo
der Spätere (Nom.)
jahāty
verlässt (3Sg.Präs.)
evā
so (Adv.)
dhātar
o Ordner (Vok.)
āyūṃṣi
die Lebenszeiten (Akk.Pl.)
kalpayaiṣām
ordne, dieser hier (2Sg.Imp.+Gen.Pl., Kompositum)

aśmanvatī rīyate saṃ rabhadhvaṃ vīrayadhvaṃ pra taratā sakhāyaḥ atrā jahīta ye asan durevā anamīvān ut taremābhi vājān

Der steinige Strom [Anm.: Bild des jenseitigen Totenflusses] fließt dahin – fasst euch an, zeigt Mannesmut, durchquert ihn, ihr Gefährten! Hier lasst zurück, die böse Gesinnung hatten; frei von Übel wollen wir emporsteigen, hin zu den Siegespreisen.

Wort für Wort
aśmanvatī
der steinige (Nom.)
rīyate
fließt dahin (3Sg.Präs.)
saṃ
zusammen (Präverb)
rabhadhvaṃ
fasst euch an (2Pl.Imp.)
vīrayadhvaṃ
zeigt Mannesmut (2Pl.Imp.)
pra
fort (Präverb)
taratā
durchquert (2Pl.Imp.)
sakhāyaḥ
ihr Gefährten (Vok.)
atrā
hier (Adv.)
jahīta
lasst zurück (2Pl.Imp.)
ye
die (Nom.Pl.Rel.)
asan
waren (3Pl.Impf.)
durevā
böse Gesinnung habend (Nom.Pl.)
anamīvān
frei von Übel (Akk.Pl.)
ut
auf (Präverb)
taremābhi
wollen wir steigen, hin zu (1Pl.Aor.Inj.+Präverb, Kompositum)
vājān
Siegespreise (Akk.Pl.)

ut tiṣṭhatā pra taratā sakhāyo 'śmanvatī nadī syandata iyam atrā jahīta ye asann aśivāḥ śivānt syonān ut taremābhi vājān

Erhebt euch, durchquert ihn, ihr Gefährten – dieser steinige Fluss fließt dahin. Hier lasst zurück, die unheilvoll waren; heilvoll und wohlgemut wollen wir emporsteigen, hin zu den Siegespreisen.

Wort für Wort
ut
auf (Präverb)
tiṣṭhatā
erhebt euch (2Pl.Imp.)
pra
fort (Präverb)
taratā
durchquert (2Pl.Imp.)
sakhāyo
ihr Gefährten (Vok.)
'śmanvatī
der steinige (Nom.)
nadī
Fluss (Nom.)
syandata
fließt dahin (3Sg.Präs.)
iyam
dieser (Nom.)
atrā
hier (Adv.)
jahīta
lasst zurück (2Pl.Imp.)
ye
die (Nom.Pl.Rel.)
asann
waren (3Pl.Impf.)
aśivāḥ
unheilvoll (Nom.Pl.)
śivānt
heilvoll (Akk.Pl.)
syonān
wohlgemut (Akk.Pl.)
ut
auf (Präverb)
taremābhi
wollen wir steigen, hin zu (1Pl.Aor.Inj.+Präverb, Kompositum)
vājān
Siegespreise (Akk.Pl.)

vaiśvadevīṃ varcasā ā rabhadhvaṃ śuddhā bhavantaḥ śucayaḥ pāvakāḥ atikrāmanto duritā padāni śataṃ himāḥ sarvavīrā madema

Ergreift mit Glanz die den Allgöttern geweihte Gabe [Anm.: das Bezugswort zu „der Allgötter geweihten“ wird im Vers nicht genannt; vermutlich ist eine rituelle Kuh oder Opferspeise gemeint], rein werdend, lauter, geläutert; über die bösen Stellen hinwegschreitend, wollen wir hundert Winter lang, mit allen unseren Männern wohlbehalten, uns freuen.

Wort für Wort
vaiśvadevīṃ
die den Allgöttern geweihte Gabe (Akk.)
varcasā
mit Glanz (Instr.)
ā
hin, an (Präverb)
rabhadhvaṃ
ergreift (2Pl.Imp.)
śuddhā
rein (Nom.Pl.)
bhavantaḥ
werdend (Nom.Pl.Part.)
śucayaḥ
lauter (Nom.Pl.)
pāvakāḥ
geläutert (Nom.Pl.)
atikrāmanto
überschreitend (Nom.Pl.Part.)
duritā
die bösen (Akk.Pl.)
padāni
Stellen (Akk.Pl.)
śataṃ
hundert (Akk.)
himāḥ
Winter (Akk.Pl.)
sarvavīrā
mit allen Männern (Nom.Pl.)
madema
wollen wir uns freuen (1Pl.Opt.)

udīcīnaiḥ pathibhir vāyumadbhir atikrāmanto 'varān parebhiḥ triḥ sapta kṛtva ṛṣayaḥ paretā mṛtyuṃ praty auhan padayopanena

Auf den nach Norden führenden, windbewegten Pfaden, über die diesseitigen mit den jenseitigen hinausschreitend, haben die Seher, dreimal siebenmal fortgegangen, den Tod mit ihrem Schritt [Anm.: „padayopanena“ unsicher, sinngemäß auf das Herannahen ihres Ganges bezogen] von sich abgewehrt.

Wort für Wort
udīcīnaiḥ
auf den nach Norden führenden (Instr.Pl.)
pathibhir
Pfaden (Instr.Pl.)
vāyumadbhir
windbewegten (Instr.Pl.)
atikrāmanto
überschreitend (Nom.Pl.Part.)
'varān
die diesseitigen (Akk.Pl.)
parebhiḥ
mit den jenseitigen (Instr.Pl.)
triḥ
dreimal (Adv.)
sapta
siebenmal (Adv.)
kṛtva
mal (Akk., Zählwort)
ṛṣayaḥ
die Seher (Nom.Pl.)
paretā
fortgegangen (Nom.Pl.Part.)
mṛtyuṃ
den Tod (Akk.)
praty
entgegen (Präverb)
auhan
haben abgewehrt (3Pl.Impf.)
padayopanena
pada 'Fuß, Schritt' + upana (von upa+i, 'Herannahen') [?] → mit ihrem Schritt (Instr., unsicher)

mṛtyoḥ padaṃ yopayanta eta drāghīya āyuḥ prataraṃ dadhānāḥ āsīnā mṛtyuṃ nudatā sadhasthe 'tha jīvāso vidatham ā vadema ||30|| {9}

Die Spur des Todes verwischend, kommt herbei; ein längeres, ein weiter reichendes Leben euch verschaffend. Sitzend an eurer Stätte, stoßt den Tod fort; dann wollen wir, die Lebenden, zur Opferversammlung sprechen.

Wort für Wort
mṛtyoḥ
des Todes (Gen.)
padaṃ
Spur (Akk.)
yopayanta
verwischend (Nom.Pl.Part.)
eta
kommt herbei (2Pl.Imp.)
drāghīya
ein längeres (Akk., Komp.)
āyuḥ
Leben (Akk.)
prataraṃ
weiter reichend (Akk.)
dadhānāḥ
verschaffend (Nom.Pl.Part.)
āsīnā
sitzend (Nom.Pl.Part.)
mṛtyuṃ
den Tod (Akk.)
nudatā
stoßt fort (2Pl.Imp.)
sadhasthe
an eurer Stätte (Lok.)
'tha
dann (Adv.)
jīvāso
die Lebenden (Nom.Pl.)
vidatham
zur Opferversammlung (Akk.)
ā
hin (Präverb)
vadema
wollen wir sprechen (1Pl.Opt.)
||30||
(Versmarke 30)
{9}
(Anuvāka-Marke 9)

imā nārīr avidhavāḥ supatnīr āñjanena sarpiṣā saṃ spṛśantām anaśravo anamīvāḥ suratnā ā rohantu janayo yonim agre

Diese Frauen, nicht verwitwet, mit gutem Gatten, sollen sich mit Salböl, mit Schmelzbutter berühren; ohne Tränen, ohne Krankheit, reich an Kleinoden, mögen die Gattinnen zuerst ihren Sitz besteigen.

Wort für Wort
imā
diese (Nom.Pl.)
nārīr
Frauen (Nom.Pl.)
avidhavāḥ
nicht verwitwet (Nom.Pl.)
supatnīr
mit gutem Gatten (Nom.Pl.)
āñjanena
mit Salböl (Instr.)
sarpiṣā
mit Schmalz (Instr.)
saṃ
zusammen (Präverb)
spṛśantām
sollen sich berühren (3Pl.Präs.Konj.)
anaśravo
ohne Tränen (Nom.Pl.)
anamīvāḥ
ohne Krankheit (Nom.Pl.)
suratnā
reich an Kleinoden (Nom.Pl.)
ā
auf (Präverb)
rohantu
mögen steigen (3Pl.Imp.)
janayo
die Gattinnen (Nom.Pl.)
yonim
ihren Sitz (Akk.)
agre
zuerst (Adv.)

vyākaromi haviṣāham etau tau brahmaṇā vy ahaṃ kalpayāmi svadhāṃ pitṛbhyo ajarāṃ kṛṇomi dīrgheṇāyuṣā sam imānt sṛjāmi

Ich sondere diese beiden Feuer mit der Opferspende; mit dem heiligen Wort ordne ich sie voneinander. Den Vätern bereite ich die unvergängliche Opferspeise; mit langem Leben verbinde ich diese hier.

Wort für Wort
vyākaromi
sondere ich (1Sg.Präs.)
haviṣāham
mit der Opferspende, ich (Instr.+Nom., Kompositum)
etau
diese beiden Feuer (Akk.Dual)
tau
diese (Akk.Dual)
brahmaṇā
mit dem heiligen Wort (Instr.)
vy
fort (Präverb)
ahaṃ
ich (Nom.)
kalpayāmi
ordne ich (1Sg.Präs.)
svadhāṃ
die Opferspeise (Akk.)
pitṛbhyo
den Vätern (Dat.Pl.)
ajarāṃ
unvergänglich (Akk.)
kṛṇomi
bereite ich (1Sg.Präs.)
dīrgheṇāyuṣā
dīrgha 'lang' + āyus 'Leben' → mit langem Leben (Instr.)
sam
zusammen (Präverb)
imānt
diese hier (Akk.Pl.)
sṛjāmi
verbinde ich (1Sg.Präs.)

yo no agniḥ pitaro hṛtsv antar āviveśāmṛto martyeṣu mayy ahaṃ taṃ pari gṛhṇāmi devaṃ mā so asmān dvikṣata mā vayaṃ tam

Das Feuer, o Väter, das in unser Herz eingezogen ist, der Unsterbliche unter den Sterblichen, in mir – diesen Gott umfasse ich; er soll uns nicht hassen, noch wollen wir ihn hassen.

Wort für Wort
yo
das (Nom.Rel.)
no
uns (Gen.)
agniḥ
Feuer (Nom.)
pitaro
o Väter (Vok.)
hṛtsv
in die Herzen (Lok.Pl.)
antar
hinein (Adv.)
āviveśāmṛto
ist gedrungen, unsterblich (3Sg.Perf.+Nom., Kompositum)
martyeṣu
unter den Sterblichen (Lok.Pl.)
mayy
in mir (Lok.)
ahaṃ
ich (Nom.)
taṃ
den (Akk.)
pari
rings (Präverb)
gṛhṇāmi
umfasse ich (1Sg.Präs.)
devaṃ
den Gott (Akk.)
mā
nicht (Proh.)
so
er (Nom.)
asmān
uns (Akk.)
dvikṣata
soll hassen (3Sg.Präs.Konj.)
mā
nicht (Proh.)
vayaṃ
wir (Nom.)
tam
ihn (Akk.)

apāvṛtya gārhapatyāt kravyādā preta dakṣiṇā priyaṃ pitṛbhya ātmane brahmabhyaḥ kṛṇutā priyam

Wendet euch ab vom Hausfeuer und geht fort, ihr aasfressenden Feuer, nach Süden; erweist den Vätern, dem eigenen Selbst und den Priestern Liebes.

Wort für Wort
apāvṛtya
abgewandt (Gerundium)
gārhapatyāt
vom Hausfeuer (Abl.)
kravyādā
ihr aasfressenden Feuer (Vok.Pl.)
preta
geht fort (2Pl.Imp.)
dakṣiṇā
nach Süden (Akk./Adv.)
priyaṃ
Liebes (Akk.)
pitṛbhya
den Vätern (Dat.Pl.)
ātmane
dem eigenen Selbst (Dat.)
brahmabhyaḥ
und den Priestern (Dat.Pl.)
kṛṇutā
erweist (2Pl.Imp.)
priyam
Liebes (Akk.)

dvibhāgadhanam ādāya pra kṣiṇāty avartyā agniḥ putrasya jyeṣṭhasya yaḥ kravyād anirāhitaḥ

Nachdem es sich den doppelten Erbanteil [Anm.: „dvibhāgadhanam“, der übliche Doppelanteil des ältesten Sohnes am Erbe] genommen hat, zehrt es rücksichtslos das Vermögen des ältesten Sohnes auf – das aasfressende Feuer, wenn es nicht fortgeschafft wurde.

Wort für Wort
dvibhāgadhanam
dvi 'zwei' + bhāga 'Anteil' + dhana 'Vermögen' → den doppelten Erbanteil (Akk.)
ādāya
nachdem genommen (Gerundium)
pra
fort (Präverb)
kṣiṇāty
zehrt es auf (3Sg.Präs.)
avartyā
rücksichtslos (Instr.)
agniḥ
das Feuer (Nom.)
putrasya
des Sohnes (Gen.)
jyeṣṭhasya
des ältesten (Gen.)
yaḥ
das (Nom.Rel.)
kravyād
aasfressende (Nom.)
anirāhitaḥ
nicht fortgeschafft (Nom.)

yat kṛṣate yad vanute yac ca vasnena vindate sarvaṃ martyasya tan nāsti kravyāc ced anirāhitaḥ

Was er pflügt, was er erwirbt, und was er durch Kauf gewinnt – all das gehört dem Sterblichen nicht mehr, wenn das aasfressende Feuer nicht fortgeschafft ist.

Wort für Wort
yat
was
kṛṣate
er pflügt (3Sg.Präs.)
yad
was
vanute
er erwirbt (3Sg.Präs.)
yac
und
ca
was
vasnena
durch Kauf (Instr.)
vindate
er gewinnt (3Sg.Präs.)
sarvaṃ
alles (Nom.)
martyasya
des Sterblichen (Gen.)
tan
das (Nom.)
nāsti
gehört nicht mehr (3Sg.Präs.+Neg.)
kravyāc
aasfressend (Nom.)
ced
wenn (Konj.)
anirāhitaḥ
nicht fortgeschafft (Nom.)

ayajñiyo hatavarcā bhavati nainena havir attave chinatti kṛṣyā gor dhanād yaṃ kravyād anuvartate

Opferunwürdig und seines Glanzes beraubt wird der, mit dem man nicht die Opferspeise zum Essen teilen darf [Anm.: der genaue Satzbau dieses Verses bleibt unsicher]; von Ackerbau, Rind und Besitz ist getrennt, wen das aasfressende Feuer weiter verfolgt.

Wort für Wort
ayajñiyo
opferunwürdig (Nom.)
hatavarcā
seines Glanzes beraubt (Nom.)
bhavati
wird (3Sg.Präs.)
nainena
nicht mit ihm (Neg.+Instr., Kompositum)
havir
die Opferspeise (Akk.)
attave
zum Essen (Dat.Inf.)
chinatti
teilt (3Sg.Präs.)
kṛṣyā
vom Ackerbau (Instr.)
gor
vom Rind (Gen.)
dhanād
vom Besitz (Abl.)
yaṃ
den (Akk.Rel.)
kravyād
das aasfressende (Nom.)
anuvartate
weiter verfolgt (3Sg.Präs.)

muhur gṛdhyaiḥ pra vadaty ārtim martyo nītya kravyād yān agnir antikād anuvidvān vitāvati

Immer wieder klagt der Sterbliche sein Leid gierig [Anm.: die Bedeutung von „gṛdhyaiḥ“ ist unsicher], über den, den das aasfressende Feuer aus der Nähe kundig fortgeführt und vertrieben hat.

Wort für Wort
muhur
immer wieder (Adv.)
gṛdhyaiḥ
gierig [?] (Instr., unsicher)
pra
fort (Präverb)
vadaty
klagt (3Sg.Präs.)
ārtim
sein Leid (Akk.)
martyo
der Sterbliche (Nom.)
nītya
fortgeführt (Gerundium)
kravyād
aasfressend (Nom.)
yān
den (Akk.Rel.)
agnir
das Feuer (Nom.)
antikād
aus der Nähe (Abl.)
anuvidvān
kundig (Nom.Sg.Part.)
vitāvati
vertrieben hat (3Sg.Präs.)

grāhyā gṛhāḥ saṃ sṛjyante striyā yan mriyate patiḥ brahmaiva vidvān eṣyo yaḥ kravyādaṃ nirādadhat

Vom Unheilsdämon werden die Häuser heimgesucht, wenn der Frau der Gatte stirbt; nur der kundige Brahmane soll herantreten [Anm.: „eṣyaḥ“ unsicher], der das aasfressende Feuer fortgeschafft hat.

Wort für Wort
grāhyā
vom Unheilsdämon, der Grāhī (Instr., nicht Nom.)
gṛhāḥ
die Häuser (Nom.Pl.)
saṃ
zusammen (Präverb)
sṛjyante
werden heimgesucht (3Pl.Präs.Pass.)
striyā
der Frau (Gen.)
yan
wenn (Konj.)
mriyate
stirbt (3Sg.Präs.)
patiḥ
der Gatte (Nom.)
brahmaiva
der Brahmane allein (Nom.)
vidvān
der Kundige (Nom.)
eṣyo
soll herantreten [?] (Nom., unsicher)
yaḥ
der (Nom.Rel.)
kravyādaṃ
das aasfressende (Akk.)
nirādadhat
fortgeschafft hat (3Sg.Präs.Part.)

yad ripraṃ śamalaṃ cakṛma yac ca duṣkṛtam āpo mā tasmāc chumbhantv agneḥ saṃkasukāc ca yat ||40|| {10}

Was wir an Unreinem, an Makel begangen haben, und was wir an Übeltat verübt haben – davon sollen die Wasser uns reinigen, und auch von dem, was vom Samkasuka-Feuer an Schuld herrührt.

Wort für Wort
yad
was
ripraṃ
an Unreinem (Akk.)
śamalaṃ
Makel (Akk.)
cakṛma
wir begangen haben (1Pl.Perf.)
yac
und
ca
was
duṣkṛtam
an Übeltat (Akk.)
āpo
die Wasser (Nom.Pl.)
mā
nicht (Proh.)
tasmāc
davon (Abl.)
chumbhantv
sollen reinigen (3Pl.Präs.Konj.)
agneḥ
vom Feuer (Gen.)
saṃkasukāc
dem Samkasuka (Gen.)
ca
und
yat
was
||40||
(Versmarke 40)
{10}
(Anuvāka-Marke 10)

tā adharād udīcīr āvavṛtran prajānaitīḥ pathibhir devayānaiḥ parvatasya vṛṣabhasyādhi pṛṣṭhe navāś caranti saritaḥ purāṇīḥ

Sie, die Wasser, haben sich von unten nach Norden gewandt, kundig ihres Weges, auf den Pfaden, die die Götter wandeln. Auf dem Rücken des mächtigen Berges [Anm.: wörtlich „des Stieres“, bildlich für den Berg] fließen die alten Ströme, stets aufs Neue.

Wort für Wort
tā
sie, die Wasser (Nom.Pl.)
adharād
von unten (Abl.)
udīcīr
nach Norden (Akk./Adv.)
āvavṛtran
haben sich gewandt (3Pl.Perf.)
prajānaitīḥ
kundig ihres Weges (Nom.Pl., Kompositum)
pathibhir
auf den Pfaden (Instr.Pl.)
devayānaiḥ
den göttlichen (Instr.Pl.)
parvatasya
des Berges (Gen.)
vṛṣabhasyādhi
des mächtigen, darüber (Gen.+Präverb, Kompositum)
pṛṣṭhe
auf dem Rücken (Lok.)
navāś
stets aufs Neue (Nom.Pl.)
caranti
fließen (3Pl.Präs.)
saritaḥ
die Ströme (Nom.Pl.)
purāṇīḥ
die alten (Nom.Pl.)

agne akravyān niḥ kravyādaṃ nudā devayajanaṃ vaha

O Agni, du Aasloser, stoß das aasfressende Feuer fort; führe uns zur Opferstätte der Götter.

Wort für Wort
agne
o Agni (Vok.)
akravyān
du Aasloser (Vok.)
niḥ
fort (Präverb)
kravyādaṃ
das aasfressende (Akk.)
nudā
stoß (2Sg.Imp.)
devayajanaṃ
zur Opferstätte der Götter (Akk.)
vaha
führe (2Sg.Imp.)

imaṃ kravyād ā viveśāyaṃ kravyādam anv agāt vyāghrau kṛtvā nānānaṃ taṃ harāmi śivāparam

In diesen ist das aasfressende Feuer eingedrungen, diesem ist es gefolgt; wie zwei Tiger [Anm.: das Bild bleibt unklar; der Bezug von „zwei Tigern“ im Vers ist unsicher], sie voneinander trennend, führe ich es fort, damit hernach Heil sei.

Wort für Wort
imaṃ
in diesen (Akk.)
kravyād
das aasfressende (Nom.)
ā
hinein (Präverb)
viveśāyaṃ
ist gedrungen, diesem (3Sg.Perf.+Nom., Kompositum)
kravyādam
dem aasfressenden (Akk.)
anv
danach (Präverb)
agāt
ist es gefolgt (3Sg.Aor.)
vyāghrau
wie zwei Tiger [?] (Nom.Dual, unsicher)
kṛtvā
gemacht habend (Gerundium)
nānānaṃ
voneinander getrennt (Akk.)
taṃ
den (Akk.)
harāmi
führe ich fort (1Sg.Präs.)
śivāparam
heilvoll hernach (Akk., Kompositum)

antardhir devānāṃ paridhir manuṣyāṇām agnir gārhapatya ubhayān antarā śritaḥ

Ein Schutzschirm der Götter, eine Umfriedung der Menschen – das Hausfeuer steht zwischen beiden.

Wort für Wort
antardhir
antar 'zwischen, innen' + dhi (von dhā, 'setzen') → ein Schutzschirm (Nom.)
devānāṃ
der Götter (Gen.Pl.)
paridhir
pari 'ringsum' + dhi (von dhā, 'setzen') → eine Umfriedung (Nom.)
manuṣyāṇām
der Menschen (Gen.Pl.)
agnir
das Feuer (Nom.)
gārhapatya
das Hausfeuer (Nom.)
ubhayān
beide (Akk.Dual)
antarā
zwischen (Präp.)
śritaḥ
steht (Nom.Sg.Part.)

jīvānām āyuḥ pra tira tvam agne pitṝṇāṃ lokam api gachantu ye mṛtāḥ sugārhapatyo vitapann arātim uṣāmuṣāṃ śreyasīṃ dhehy asmai

Der Lebenden Lebenszeit verlängere du, o Agni; in die Welt der Väter mögen die gelangen, die gestorben sind. Als guter Hüter des Hausfeuers, den Unsegen fernbrennend, verleih uns von Morgenröte zu Morgenröte je Besseres.

Wort für Wort
jīvānām
der Lebenden (Gen.Pl.)
āyuḥ
Lebenszeit (Akk.)
pra
fort (Präverb)
tira
verlängere (2Sg.Imp.)
tvam
du (Nom.)
agne
o Agni (Vok.)
pitṝṇāṃ
der Väter (Gen.Pl.)
lokam
Welt (Akk.)
api
auch (Adv.)
gachantu
mögen gelangen (3Pl.Imp.)
ye
die (Nom.Pl.Rel.)
mṛtāḥ
gestorben sind (Nom.Pl.Part.)
sugārhapatyo
su 'gut' + gārhapatya 'Hausfeuer(-hüter)' → als guter Hüter des Hausfeuers (Nom.)
vitapann
fernbrennend (Nom.Sg.Part.)
arātim
den Unsegen (Akk.)
uṣāmuṣāṃ
uṣās 'Morgenröte' (Akk., distributiv verdoppelt: uṣām uṣām) → von Morgenröte zu Morgenröte (Akk., nicht Nom.)
śreyasīṃ
je Besseres (Akk.)
dhehy
verleih (2Sg.Imp.)
asmai
uns (Dat.)

sarvān agne sahamānaḥ sapatnān aiṣām ūrjaṃ rayim asmāsu dhehi

Alle Widersacher bezwingend, o Agni, lege deren Kraft und Reichtum in uns.

Wort für Wort
sarvān
alle (Akk.Pl.)
agne
o Agni (Vok.)
sahamānaḥ
bezwingend (Nom.Sg.Part.)
sapatnān
die Widersacher (Akk.Pl.)
aiṣām
deren (Gen.Pl.)
ūrjaṃ
Kraft (Akk.)
rayim
Reichtum (Akk.)
asmāsu
in uns (Lok.)
dhehi
lege (2Sg.Imp.)

imam indraṃ vahniṃ paprim anvārabhadhvaṃ sa vo nir vakṣad duritād avadyāt tenāpa hata śarum āpatantaṃ tena rudrasya pari pātāstām

Ergreift diesen Indra, den Zugträger, den Reichspendenden [Anm.: die Bedeutung von „paprim“ ist unsicher, hier als „reichbegabt“ gedeutet] – er soll euch aus Not und Schmach herausführen. Mit ihm schlagt das heranfliegende Geschoss ab; mit ihm sollt ihr euch vor Rudras Geschoss schützen.

Wort für Wort
imam
diesen (Akk.)
indraṃ
Indra (Akk.)
vahniṃ
den Zugträger (Akk.)
paprim
den Reichspendenden [?] (Akk., unsicher)
anvārabhadhvaṃ
ergreift (2Pl.Imp.)
sa
er (Nom.)
vo
euch (Akk.)
nir
fort (Präverb)
vakṣad
soll herausführen (3Sg.Aor.Inj.)
duritād
aus Not (Abl.)
avadyāt
aus Schmach (Abl.)
tenāpa
mit ihm, fort (Instr.+Präverb, sandhi tena+apa)
hata
schlagt ab (2Pl.Imp.)
śarum
das Geschoss (Akk.)
āpatantaṃ
heranfliegende (Akk.Sg.Part.)
tena
mit ihm (Instr.)
rudrasya
Rudras (Gen.)
pari
rings (Präverb)
pātāstām
sollt euch schützen (2Pl.Imp.)

anaḍvāhaṃ plavam anvārabhadhvaṃ sa vo nir vakṣad duritād avadyāt ā rohata savitur nāvam etāṃ ṣaḍbhir urvībhir amatiṃ tarema

Ergreift den Zugstier als Fähre; er soll euch aus Not und Schmach herausführen. Besteigt dieses Boot Savitris; mit den sechs weiten Räumen wollen wir die Ratlosigkeit überwinden.

Wort für Wort
anaḍvāhaṃ
den Zugstier (Akk.)
plavam
als Fähre (Akk.)
anvārabhadhvaṃ
ergreift (2Pl.Imp.)
sa
er (Nom.)
vo
euch (Akk.)
nir
fort (Präverb)
vakṣad
soll herausführen (3Sg.Aor.Inj.)
duritād
aus Not (Abl.)
avadyāt
aus Schmach (Abl.)
ā
auf (Präverb)
rohata
besteigt (2Pl.Imp.)
savitur
Savitṛs (Gen.)
nāvam
Boot (Akk.)
etāṃ
dieses (Akk.)
ṣaḍbhir
mit den sechs (Instr.Pl.)
urvībhir
weiten Räumen (Instr.Pl.)
amatiṃ
die Ratlosigkeit (Akk.)
tarema
wollen wir überwinden (1Pl.Opt.)

ahorātre anv eṣi bibhrat kṣemyas tiṣṭhan prataraṇaḥ suvīraḥ anāturānt sumanasas talpa bibhraj jyog eva naḥ puruṣagandhir edhi

Tag und Nacht durchschreitest du, dein Amt tragend, sicher stehend, hinüberführend, mit tüchtigen Söhnen; die Gesunden, Wohlgesinnten auf dem Lager tragend – lange noch sei uns gewogen, du nach Menschen Duftender [Anm.: ungewöhnlicher Beiname, wohl des Hausfeuers; genauer Sinn unsicher].

Wort für Wort
ahorātre
Tag und Nacht (Akk.Dual)
anv
durch (Präverb)
eṣi
du durchschreitest (2Sg.Präs.)
bibhrat
tragend (Nom.Sg.Part.)
kṣemyas
sicher (Nom.)
tiṣṭhan
stehend (Nom.Sg.Part.)
prataraṇaḥ
hinüberführend (Nom.)
suvīraḥ
mit tüchtigen Söhnen (Nom.)
anāturānt
die Gesunden (Akk.Pl.)
sumanasas
die Wohlgesinnten (Akk.Pl.)
talpa
auf dem Lager (Akk.)
bibhraj
tragend (Nom.Sg.Part.)
jyog
lange (Adv.)
eva
doch, eben (Partikel)
naḥ
uns (Dat.)
puruṣagandhir
puruṣa 'Mensch' + gandhi 'duftend' [?] → du nach Menschen Duftender (Vok., unsicher)
edhi
sei (2Sg.Imp.)

te devebhya ā vṛścante pāpaṃ jīvanti sarvadā kravyād yān agnir antikād aśva ivānuvapate naḍam ||50|| {11}

Sie reißen sich vom Übel bei den Göttern los [Anm.: der Satzbau dieses Verses bleibt unsicher]; sie leben allezeit weiter, die das aasfressende Feuer aus der Nähe fortführt, wie ein Ross das Schilfrohr abstreift.

Wort für Wort
te
sie (Nom.Pl.)
devebhya
von den Göttern (Abl.Pl.)
ā
hin (Präverb)
vṛścante
reißen sich los (3Pl.Präs.)
pāpaṃ
vom Übel (Akk.)
jīvanti
sie leben (3Pl.Präs.)
sarvadā
allezeit (Adv.)
kravyād
das aasfressende (Nom.)
yān
die (Akk.Rel.)
agnir
das Feuer (Nom.)
antikād
aus der Nähe (Abl.)
aśva
wie ein Ross (Nom.)
ivānuvapate
abstreift (3Sg.Präs.)
naḍam
das Schilfrohr (Akk.)
||50||
(Versmarke 50)
{11}
(Anuvāka-Marke 11)

ye 'śraddhā dhanakāmyā kravyādā samāsate te vā anyeṣāṃ kumbhīṃ paryādadhati sarvadā

Die ohne Glauben, aus Gier nach Besitz, sich mit den aasfressenden Wesen zusammensetzen, die legen für andere allezeit den Totentopf bereit [Anm.: der genaue Sinn dieses Bildes ist unsicher].

Wort für Wort
ye
die (Nom.Pl.Rel.)
'śraddhā
ohne Glauben (Nom.Pl.)
dhanakāmyā
dhana 'Besitz' + kāmyā 'Begierde' → aus Gier nach Besitz (Nom.Pl.)
kravyādā
aasfressend (Nom.Pl., Parallelform zu ''śraddhāḥ, dhanakāmyāḥ'; nicht Akk.)
samāsate
sich zusammensetzen (3Pl.Präs.)
te
sie (Nom.Pl.)
vā
ja (Partikel)
anyeṣāṃ
für andere (Gen.Pl.)
kumbhīṃ
den Totentopf [?] (Akk., unsicher)
paryādadhati
legen bereit (3Pl.Präs.)
sarvadā
allezeit (Adv.)

preva pipatiṣati manasā muhur ā vartate punaḥ kravyād yān agnir antikād anuvidvān vitāvati

Wie hinwegzufliegen begehrt sein Sinn, doch immer wieder kehrt er zurück – der, den das aasfressende Feuer aus der Nähe kundig fortgeführt und vertrieben hat.

Wort für Wort
preva
hinweg, wie (Adv.+Partikel, Kompositum)
pipatiṣati
begehrt hinwegzufliegen (3Sg.Präs.Des.)
manasā
mit dem Sinn (Instr.)
muhur
immer wieder (Adv.)
ā
her (Präverb)
vartate
kehrt zurück (3Sg.Präs.)
punaḥ
wieder (Adv.)
kravyād
aasfressend (Nom.)
yān
die (Akk.Rel.)
agnir
das Feuer (Nom.)
antikād
aus der Nähe (Abl.)
anuvidvān
kundig (Nom.Sg.Part.)
vitāvati
vertrieben hat (3Sg.Präs.)

aviḥ kṛṣṇā bhāgadheyaṃ paśūnāṃ sīsaṃ kravyād api candraṃ ta āhuḥ māṣāḥ piṣṭā bhāgadheyaṃ te havyam araṇyānyā gahvaraṃ sacasva

Das schwarze Schaf ist der Anteil unter dem Vieh; Blei ist dein Anteil, o Aasfresser, und auch, wie man sagt, Silber [Anm.: „candram“, wörtlich „mondhell“, hier als „Silber“ gedeutet]; gemahlene Bohnen sind deine Opfergabe. Suche das Dickicht der Waldgöttin auf.

Wort für Wort
aviḥ
das Schaf (Nom.)
kṛṣṇā
das schwarze (Nom.)
bhāgadheyaṃ
der Anteil (Nom.)
paśūnāṃ
unter dem Vieh (Gen.Pl.)
sīsaṃ
Blei (Nom.)
kravyād
o Aasfresser (Vok.)
api
auch (Adv.)
candraṃ
Silber (Akk.)
ta
dein (Gen., enkl.)
āhuḥ
man sagt (3Pl.Präs.)
māṣāḥ
Bohnen (Nom.Pl.)
piṣṭā
gemahlene (Nom.Pl.)
bhāgadheyaṃ
Anteil (Nom.)
te
dein (Gen., enkl.)
havyam
die Opfergabe (Nom.)
araṇyānyā
der Waldgöttin (Gen.)
gahvaraṃ
Dickicht (Akk.)
sacasva
suche auf (2Sg.Imp.)

iṣīkāṃ jaratīm iṣṭvā tilpiñjaṃ daṇḍanaṃ naḍam tam indra idhmam kṛtvā yamasyāgniṃ nirādadhau

Nachdem er das welke Schilfrohr, das Tilpinja-Gras [Anm.: Pflanzenname unsicherer Bedeutung] und den Rohrstab dargebracht hatte, machte Indra daraus Brennholz und entfernte damit das Feuer des Yama.

Wort für Wort
iṣīkāṃ
das Schilfrohr (Akk.)
jaratīm
welke (Akk.)
iṣṭvā
nachdem dargebracht (Gerundium)
tilpiñjaṃ
das Tilpinja-Gras [?] (Akk., unsicher)
daṇḍanaṃ
den Rohrstab (Akk.)
naḍam
das Schilfrohr (Akk.)
tam
den (Akk.)
indra
Indra (Nom.)
idhmam
zu Brennholz (Akk.)
kṛtvā
nachdem gemacht (Gerundium)
yamasyāgniṃ
des Yama Feuer (Gen.+Akk., sandhi yamasya+agnim)
nirādadhau
entfernte er (3Sg.Perf.)

pratyañcam arkaṃ pratyarpayitvā pravidvān panthāṃ vi hy āviveśa parāmīṣām asūn dideśa dīrgheṇāyuṣā sam imānt sṛjāmi ||55|| {12}

Nachdem er den zurückgewandten Lichtglanz [Anm.: „pratyañcam arkam“, wörtlich „den rückwärtsgewandten Glanz“, ist in seinem genauen Bezug unsicher] zurückgesandt hatte, ist der Kundige seinen Weg gegangen; er hat ihre Lebenskräfte in die Ferne gewiesen. Mit langem Leben verbinde ich diese hier.

Wort für Wort
pratyañcam
den zurückgewandten (Akk.)
arkaṃ
Lichtglanz [?] (Akk., unsicher)
pratyarpayitvā
zurückgesandt habend (Gerundium)
pravidvān
kundig (Nom.Sg.Part.)
panthāṃ
den Weg (Akk.)
vi
fort (Präverb)
hy
denn (Partikel)
āviveśa
ist gegangen (3Sg.Perf.)
parāmīṣām
in die Ferne, ihre (Akk.+Gen.Pl., sandhi parām+eṣām)
asūn
Lebenskräfte (Akk.Pl.)
dideśa
hat gewiesen (3Sg.Perf.)
dīrgheṇāyuṣā
dīrgha 'lang' + āyus 'Leben' → mit langem Leben (Instr.)
sam
zusammen (Präverb)
imānt
diese hier (Akk.Pl.)
sṛjāmi
verbinde ich (1Sg.Präs.)
||55||
(Versmarke 55)
{12}
(Anuvāka-Marke 12)

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