Quellen der Menschheit

Atharvaveda-Saṃhitā · Kāṇḍa 12

Sūkta 4

dadāmīty eva brūyād anu cainām abhutsata vaśāṃ brahmabhyo yācadbhyas tat prajāvad apatyavat

„Ich gebe sie" – so allein soll er sprechen, und danach soll er es auch einlösen: die Kuh den bittenden Brahmanen zu geben, das bringt Nachkommenschaft und Kindersegen.

Wort für Wort
dadāmīty
ich gebe, so (1Sg.Präs.+Iti, sandhi dadāmi+iti)
eva
eben (Partikel)
brūyād
er soll sprechen (3Sg.Opt.)
anu
und danach (Präverb)
cainām
und dies (Akk.)
abhutsata
soll er einlösen (3Sg.Aor.Konj.)
vaśāṃ
die Kuh (Akk.)
brahmabhyo
den Brahmanen (Dat.Pl.)
yācadbhyas
den bittenden (Dat.Pl.)
tat
das (Nom.)
prajāvad
Nachkommenschaft bringend (Nom.)
apatyavat
Kindersegen bringend (Nom.)

prajayā sa vi krīṇīte paśubhiś copa dasyati ya ārṣeyebhyo yācadbhyo devānāṃ gāṃ na ditsati

Um Nachkommenschaft und Vieh bringt sich, wer den bittenden Nachkommen der Seher die Kuh der Götter zu geben sich weigert.

Wort für Wort
prajayā
um Nachkommenschaft (Instr.)
sa
er (Nom.)
vi
fort (Präverb)
krīṇīte
bringt sich um (3Sg.Präs.)
paśubhiś
und mit Vieh (Instr.Pl.)
copa
und zugrunde (Adv./Präverb)
dasyati
geht er (3Sg.Präs.)
ya
der (Nom.Rel.)
ārṣeyebhyo
den Nachkommen der Seher (Dat.Pl.)
yācadbhyo
den bittenden (Dat.Pl.)
devānāṃ
der Götter (Gen.Pl.)
gāṃ
die Kuh (Akk.)
na
nicht (Neg.)
ditsati
zu geben sich weigert (3Sg.Präs.Des.)

kūṭayāsya saṃ śīryante śloṇayā kāṭam ardati baṇḍayā dahyante gṛhāḥ kāṇayā dīyate svam

Durch die Betrügerin zerfällt sein Besitz, durch die Lahme stürzt seine Grube ein, durch die Verstümmelte brennen seine Häuser, durch die Einäugige zerrinnt sein Eigentum. [Anm.: Kūṭā, Śloṇā, Baṇḍā und Kāṇā scheinen Beinamen bzw. bedrohliche Erscheinungsformen der verweigerten Kuh zu sein.]

Wort für Wort
kūṭayāsya
durch die Betrügerin, sein (Instr.+Gen., sandhi kūṭayā+asya)
saṃ
zusammen (Präverb)
śīryante
zerfällt (3Pl.Präs.)
śloṇayā
durch die Lahme (Instr.)
kāṭam
die Grube (Akk./Nom.)
ardati
stürzt ein (3Sg.Präs.)
baṇḍayā
durch die Verstümmelte (Instr.)
dahyante
brennen (3Pl.Präs.Pass.)
gṛhāḥ
die Häuser (Nom.Pl.)
kāṇayā
durch die Einäugige (Instr.)
dīyate
zerrinnt (3Sg.Präs.Pass.)
svam
sein Eigentum (Nom./Akk.)

vilohito adhiṣṭhānāc chakno vindati gopatim tathā vaśāyāḥ saṃvidyaṃ duradabhnā hy ucyase

Der Blutrote findet, von seinem Standort aus, wie ein Falke, den Kuhherrn; ebenso wirst du, o Kuh, als schwer zu täuschen bezeichnet in allem, was mit dir zusammenhängt.

Wort für Wort
vilohito
der Blutrote (Nom.)
adhiṣṭhānāc
von seinem Standort (Abl.)
chakno
wie ein Falke (Nom.)
vindati
findet (3Sg.Präs.)
gopatim
den Kuhherrn (Akk.)
tathā
ebenso (Adv.)
vaśāyāḥ
o Kuh (Gen.)
saṃvidyaṃ
in allem was zusammenhängt (Akk.)
duradabhnā
als schwer zu täuschen (Nom.)
hy
denn (Partikel)
ucyase
wirst bezeichnet (2Sg.Präs.Pass.)

pador asyā adhiṣṭhānād viklindur nāma vindati anāmanāt saṃ śīryante yā mukhenopajighrati

Von der Standstätte ihrer Füße aus findet der sogenannte Viklindu sie; ausgehend vom Namenlosen zerfallen jene, die sie mit dem Maul beriechen. [Anm.: Der genaue Bezug dieses Verses bleibt unklar.]

Wort für Wort
pador
von ihren Füßen (Gen.Dual)
asyā
ihrer (Gen.)
adhiṣṭhānād
von der Standstätte (Abl.)
viklindur
der sogenannte Viklindu (Nom.)
nāma
mit Namen, so genannt (Akk./Adv.)
vindati
findet (3Sg.Präs.)
anāmanāt
ausgehend vom Namenlosen (Abl.)
saṃ
zusammen (Präverb)
śīryante
zerfallen (3Pl.Präs.)
yā
die (Nom.Pl.Rel.)
mukhenopajighrati
mit dem Maul - beriechen (Instr.+3Pl.Präs., sandhi mukhena+upajighrati)

yo asyāḥ karṇāv āskunoty ā sa deveṣu vṛścate lakṣma kurva iti manyate kanīyaḥ kṛṇute svam

Wer ihre Ohren zerschneidet, der wird unter den Göttern von seinem Anteil abgeschnitten. „Ich mache ein Kennzeichen", meint er – doch er macht sein Eigentum nur geringer.

Wort für Wort
yo
der (Nom.Rel.)
asyāḥ
ihre (Gen.)
karṇāv
Ohren (Akk.Dual)
āskunoty
zerschneidet (3Sg.Präs.)
ā
hin (Präverb)
sa
der (Nom.)
deveṣu
unter den Göttern (Lok.Pl.)
vṛścate
wird abgeschnitten (3Sg.Präs.Pass.)
lakṣma
ein Kennzeichen (Akk.)
kurva
ich mache (1Sg.Präs.)
iti
so (Iti)
manyate
meint er (3Sg.Präs.)
kanīyaḥ
geringer (Akk.)
kṛṇute
macht (3Sg.Präs.)
svam
sein Eigentum (Akk.)

yad asyāḥ kasmai cid bhogāya bālān kaś cit prakṛntati tataḥ kiśorā mriyante vatsāṃś ca ghātuko vṛkaḥ

Wenn jemand ihr für irgendeinen Genuß die Haare abschneidet, dann sterben seine Fohlen, und der mordende Wolf fällt über seine Kälber her.

Wort für Wort
yad
wenn (Konj.)
asyāḥ
ihr (Gen.)
kasmai
für irgendeinen (Dat.)
cid
irgend- (Partikel)
bhogāya
zum Genuss (Dat.)
bālān
die Haare (Akk.Pl.)
kaś
irgendjemand (Nom.)
cit
irgend- (Partikel)
prakṛntati
abschneidet (3Sg.Präs.)
tataḥ
dann (Adv.)
kiśorā
die Fohlen (Nom.Pl.)
mriyante
sterben (3Pl.Präs.)
vatsāṃś
und die Kälber (Akk.Pl.)
ca
und
ghātuko
der mordende (Nom.)
vṛkaḥ
Wolf (Nom.)

yad asyā gopatau satyā loma dhvāṅkṣo ajīhiḍat tataḥ kumārā mriyante yakṣmo vindaty anāmanāt

Wenn bei ihrem Kuhherrn eine Krähe tatsächlich ihr Haar zerzaust hat, dann sterben seine Kinder, und die Schwindsucht befällt ihn, ausgehend vom Namenlosen.

Wort für Wort
yad
wenn (Konj.)
asyā
ihr (Gen.)
gopatau
beim Kuhherrn (Lok.)
satyā
tatsächlich (Adv.)
loma
Haar (Akk.)
dhvāṅkṣo
eine Krähe (Nom.)
ajīhiḍat
zerzaust hat (3Sg.Aor.)
tataḥ
dann (Adv.)
kumārā
die Kinder (Nom.Pl.)
mriyante
sterben (3Pl.Präs.)
yakṣmo
die Schwindsucht (Nom.)
vindaty
befällt (3Sg.Präs.)
anāmanāt
ausgehend vom Namenlosen (Abl.)

yad asyāḥ palpūlanaṃ śakṛd dāsī samasyati tato 'parūpaṃ jāyate tasmād avyeṣyad enasaḥ

Wenn eine Dienerin ihren zerstampften Mist zusammenrührt, dann wird ein Mißgestaltetes geboren; davon soll er sich durch ein Sühneopfer von der Schuld befreien.

Wort für Wort
yad
wenn (Konj.)
asyāḥ
ihren (Gen.)
palpūlanaṃ
zerstampften (Akk.)
śakṛd
Mist (Akk.)
dāsī
eine Dienerin (Nom.)
samasyati
zusammenrührt (3Sg.Präs.)
tato
dann (Adv.)
'parūpaṃ
ein Missgestaltetes (Nom.)
jāyate
wird geboren (3Sg.Präs.)
tasmād
davon (Abl.)
avyeṣyad
soll er sich befreien, durch Sühneopfer (Verbform, Kompositum)
enasaḥ
von der Schuld (Abl./Gen.)

jāyamānābhi jāyate devānt sabrāhmaṇān vaśā tasmād brahmabhyo deyaiṣā tad āhuḥ svasya gopanam ||10|| {19}

Bei ihrer Geburt wird die Kuh zugleich mit den Göttern und den Brahmanen mitgeboren; darum ist sie den Brahmanen zu geben – das, sagt man, ist die Wahrung des eigenen Wohls.

Wort für Wort
jāyamānābhi
bei der Geburt (Nom.f.Part.) + hinzu, dabei (Präverb), sandhi jāyamānā+abhi → bei ihrer Geburt
jāyate
wird geboren (3Sg.Präs.)
devānt
mit den Göttern (Akk.Pl.)
sabrāhmaṇān
und den Brahmanen (Akk.Pl.)
vaśā
die Kuh (Nom.)
tasmād
deshalb (Adv.)
brahmabhyo
den Brahmanen (Dat.Pl.)
deyaiṣā
ist zu geben, diese (Nom.f.Ger.+Nom., Kompositum)
tad
das (Akk.)
āhuḥ
man sagt (3Pl.Präs.)
svasya
des eigenen (Gen.)
gopanam
Wahrung (Akk.)
||10||
(Versmarke 10)
{19}
(Anuvāka-Marke 19)

ya enāṃ vanim āyanti teṣāṃ devakṛtā vaśā brahmajyeyaṃ tad abruvan ya enāṃ nipriyāyate

Für die, die als Bittsteller zu ihr kommen, ist die Kuh von den Göttern bereitet; „Betrug am Brahmanen" nennt man es, wenn einer sie zurückweist.

Wort für Wort
ya
die (Nom.Pl.Rel.)
enāṃ
sie (Akk.)
vanim
als Bittsteller (Akk.)
āyanti
kommen (3Pl.Präs.)
teṣāṃ
für die (Gen.Pl.)
devakṛtā
von den Göttern bereitete (Nom.)
vaśā
die Kuh (Nom.)
brahmajyeyaṃ
Betrug am Brahmanen (Akk.)
tad
das (Akk.)
abruvan
nennt man (3Pl.Impf.)
ya
die (Nom.Rel.)
enāṃ
sie (Akk.)
nipriyāyate
zurückweist (3Sg.Präs.)

ya ārṣeyebhyo yācadbhyo devānāṃ gāṃ na ditsati ā sa deveṣu vṛścate brāhmaṇānāṃ ca manyave

Wer den bittenden Nachkommen der Seher die Kuh der Götter zu geben sich weigert, der wird unter den Göttern abgeschnitten und dem Zorn der Brahmanen preisgegeben.

Wort für Wort
ya
der (Nom.Rel.)
ārṣeyebhyo
den Nachkommen der Seher (Dat.Pl.)
yācadbhyo
den bittenden (Dat.Pl.)
devānāṃ
der Götter (Gen.Pl.)
gāṃ
die Kuh (Akk.)
na
nicht (Neg.)
ditsati
zu geben sich weigert (3Sg.Präs.Des.)
ā
hin (Präverb)
sa
der (Nom.)
deveṣu
unter den Göttern (Lok.Pl.)
vṛścate
wird abgeschnitten (3Sg.Präs.Pass.)
brāhmaṇānāṃ
der Brahmanen (Gen.Pl.)
ca
und
manyave
dem Zorn (Dat.)

yo asya syād vaśābhogo anyām icheta tarhi saḥ hiṃste adattā puruṣaṃ yācitāṃ ca na ditsati

Wer statt dieser eine andere Kuh als Genuß haben will, obwohl jene ihm zusteht – dann schädigt die Ungegebene den Menschen, wenn er, obwohl gebeten, sie nicht geben will.

Wort für Wort
yo
der (Nom.Rel.)
asya
diese (Gen.)
syād
sollte sein (3Sg.Opt.)
vaśābhogo
vaśā 'Kuh' + bhoga 'Genuss' → der Genuss der Kuh (Nom.)
anyām
eine andere (Akk.)
icheta
wollte (3Sg.Opt.)
tarhi
dann (Adv.)
saḥ
er (Nom.)
hiṃste
es schädigt (3Sg.Präs.)
adattā
die Ungegebene (Nom.)
puruṣaṃ
den Menschen (Akk.)
yācitāṃ
obwohl gebeten (Akk.Sg.Part.)
ca
und
na
nicht (Neg.)
ditsati
zu geben sich weigert (3Sg.Präs.Des.)

yathā śevadhir nihito brāhmaṇānāṃ tathā vaśā tām etad achāyanti yasmin kasmiṃś ca jāyate

Wie ein verborgener Schatz, so ist die Kuh Eigentum der Brahmanen; sie beanspruchen sie, bei wem auch immer sie geboren wird.

Wort für Wort
yathā
wie (Adv.)
śevadhir
ein Schatz (Nom.)
nihito
verborgen (Nom.)
brāhmaṇānāṃ
der Brahmanen (Gen.Pl.)
tathā
so (Adv.)
vaśā
die Kuh (Nom.)
tām
sie (Akk.)
etad
dies (Akk.)
achāyanti
beanspruchen sie (3Pl.Präs.)
yasmin
bei wem (Lok.Rel.)
kasmiṃś
auch immer (Lok.)
ca
und
jāyate
sie geboren wird (3Sg.Präs.Pass.)

svam etad achāyanti yad vaśāṃ brāhmaṇā abhi yathainān anyasmin jinīyād evāsyā nirodhanam

Dies beanspruchen die Brahmanen als ihr Eigentum, die Kuh; wie sehr er sie auch einem anderen zuzuschanzen sucht, ebenso bleibt sie ihm doch vorenthalten.

Wort für Wort
svam
als ihr Eigentum (Akk.)
etad
dies (Akk.)
achāyanti
beanspruchen sie (3Pl.Präs.)
yad
was (Akk.)
vaśāṃ
die Kuh (Akk.)
brāhmaṇā
die Brahmanen (Nom.Pl.)
abhi
hin (Präverb)
yathainān
wie (Adv.) + sie (Akk.Pl.), sandhi yathā+enān → wie sehr auch sie
anyasmin
einem anderen (Lok.)
jinīyād
zuzuschanzen sucht (3Sg.Opt.)
evāsyā
eben, gerade (Partikel) + ihr, dieser (Gen.f.), sandhi eva+asyā
nirodhanam
Vorenthaltung (Nom.)

cared evā traihāyaṇād avijñātagadā satī vaśāṃ ca vidyān nārada brāhmaṇās tarhy eṣyāḥ

Drei Jahre lang möge sie umherziehen, ohne daß man ihre Krankheit erkennt; und wisse, Nārada: dann erst werden die Brahmanen zu ihr kommen.

Wort für Wort
cared
möge umherziehen (3Sg.Opt.)
evā
eben (Partikel)
traihāyaṇād
drei Jahre lang (Abl.)
avijñātagadā
a 'nicht' + vijñāta 'erkannt' + gadā 'Krankheit' → ohne dass man ihre Krankheit erkennt (Nom.f.)
satī
seiend (Nom.f.)
vaśāṃ
die Kuh (Akk.)
ca
und
vidyān
möge wissen (3Sg.Opt.)
nārada
o Nārada (Vok.)
brāhmaṇās
die Brahmanen (Nom.Pl.)
tarhy
dann erst (Adv.)
eṣyāḥ
zu ihr (Akk.)

ya enām avaśām āha devānāṃ nihitaṃ nidhim ubhau tasmai bhavāśarvau parikramyeṣum asyataḥ

Wer sie, den bei den Göttern niedergelegten Schatz, für unbrauchbar erklärt, dem schießen Bhava und Śarva, ihn umkreisend, ihren Pfeil zu.

Wort für Wort
ya
der (Nom.Rel.)
enām
sie (Akk.)
avaśām
für unbrauchbar (Akk.)
āha
erklärt (3Sg.Präs.)
devānāṃ
der Götter (Gen.Pl.)
nihitaṃ
den niedergelegten (Akk.)
nidhim
Schatz (Akk.)
ubhau
beide (Nom.Dual)
tasmai
dem (Dat.)
bhavāśarvau
Bhava und Śarva (Nom.Dual)
parikramyeṣum
umkreisend (Gerundium, pari-kramya) + den Pfeil (Akk.), sandhi parikramya+iṣum
asyataḥ
schießen zu (3Dual.Präs.)

yo asyā ūdho na vedātho asyā stanān uta ubhayenaivāsmai duhe dātuṃ ced aśakad vaśām

Wer weder ihr Euter noch ihre Zitzen kennt – mit beidem zugleich melkt sie ihm Unheil, wenn er es vermocht hätte, die Kuh zu geben, und es doch unterließ.

Wort für Wort
yo
der (Nom.Rel.)
asyā
ihr (Gen.)
ūdho
Euter (Akk.)
na
nicht (Neg.)
vedātho
kennt (3Sg.Präs.)
asyā
ihr (Gen.)
stanān
die Zitzen (Akk.Pl.)
uta
und auch (Adv.)
ubhayenaivāsmai
mit beidem (Instr.) + eben (Partikel) + ihm (Dat.), sandhi ubhayena+eva+asmai
duhe
melkt (3Sg.Präs.)
dātuṃ
zu geben (Dat.Inf.)
ced
wenn (Konj.)
aśakad
er vermocht hätte (3Sg.Aor.)
vaśām
die Kuh (Akk.)

duradabhnainam ā śaye yācitāṃ ca na ditsati nāsmai kāmāḥ sam ṛdhyante yām adattvā cikīrṣati

Als schwer zu täuschende liegt sie ihm auf, wenn er, obwohl gebeten, sie nicht geben will; ihm gelingen keine Wünsche, wenn er, ohne sie gegeben zu haben, anderes zu erlangen sucht.

Wort für Wort
duradabhnainam
als schwer zu täuschende (Instr.)
ā
ihm (Akk.)
śaye
liegt sie auf (3Sg.Präs.)
yācitāṃ
obwohl gebeten (Akk.Sg.Part.)
ca
und
na
nicht (Neg.)
ditsati
zu geben sich weigert (3Sg.Präs.Des.)
nāsmai
nicht (Neg.)
kāmāḥ
ihm (Dat.)
sam
die Wünsche (Nom.Pl.)
ṛdhyante
gelingen (3Pl.Präs.)
yām
die (Akk.f.Rel.)
adattvā
ohne gegeben zu haben (Gerundium)
cikīrṣati
zu erlangen sucht (3Sg.Präs.Des.)

devā vaśām ayācan mukhaṃ kṛtvā brāhmaṇam teṣāṃ sarveṣām adadad dheḍaṃ ny eti mānuṣaḥ ||20|| {20}

Die Götter erbaten die Kuh, indem sie den Brahmanen zu ihrem Mund machten; wer sie ihnen allen nicht gab, über den Menschen kommt ihr Zorn.

Wort für Wort
devā
die Götter (Nom.Pl.)
vaśām
die Kuh (Akk.)
ayācan
erbaten (3Pl.Impf.)
mukhaṃ
zum Mund (Akk.)
kṛtvā
nachdem gemacht (Gerundium)
brāhmaṇam
den Brahmanen (Akk.)
teṣāṃ
ihrer (Gen.Pl.)
sarveṣām
aller (Gen.Pl.)
adadad
wer nicht gab (3Sg.Impf.)
dheḍaṃ
ihr Zorn (Nom.)
ny
nieder (Präverb)
eti
kommt (3Sg.Präs.)
mānuṣaḥ
der Mensch (Nom.)
||20||
(Versmarke 20)
{20}
(Anuvāka-Marke 20)

heḍaṃ paśūnāṃ ny eti brāhmaṇebhyo 'dadad vaśām devānāṃ nihitaṃ bhāgaṃ martyaś cen nipriyāyate

Der Zorn der Herdengötter kommt über den, der den Brahmanen die Kuh nicht gibt – den bei den Göttern niedergelegten Anteil –, wenn ein Sterblicher ihn zurückweist.

Wort für Wort
heḍaṃ
der Zorn (Nom.)
paśūnāṃ
des Viehs (Gen.Pl.)
ny
nieder (Präverb)
eti
kommt (3Sg.Präs.)
brāhmaṇebhyo
den Brahmanen (Dat.Pl.)
'dadad
wer nicht gab (3Sg.Impf.)
vaśām
die Kuh (Akk.)
devānāṃ
der Götter (Gen.Pl.)
nihitaṃ
den niedergelegten (Akk.)
bhāgaṃ
Anteil (Akk.)
martyaś
ein Sterblicher (Nom.)
cen
wenn (Konj.)
nipriyāyate
zurückweist (3Sg.Präs.)

yad anye śataṃ yāceyur brāhmaṇā gopatiṃ vaśām athaināṃ devā abruvann evaṃ ha viduṣo vaśā

Wenn hundert andere Brahmanen den Kuhherrn um die Kuh bäten – so, sprachen die Götter, gehört sie doch nur dem, der die rechte Lehre kennt.

Wort für Wort
yad
wenn (Konj.)
anye
andere (Nom.Pl.)
śataṃ
hundert (Nom.)
yāceyur
bäten (3Pl.Opt.)
brāhmaṇā
die Brahmanen (Nom.Pl.)
gopatiṃ
den Kuhherrn (Akk.)
vaśām
um die Kuh (Akk.)
athaināṃ
dann (Adv.) + sie (Akk.f.), sandhi atha+enām
devā
die Götter (Nom.Pl.)
abruvann
sprachen (3Pl.Impf.)
evaṃ
so (Adv.)
ha
fürwahr (Partikel)
viduṣo
dem Wissenden (Gen.)
vaśā
die Kuh (Nom.)

ya evaṃ viduṣe 'dattvāthānyebhyo dadad vaśām durgā tasmā adhiṣṭhāne pṛthivī sahadevatā

Wer, ohne sie dem so Wissenden zu geben, die Kuh anderen gibt, dem wird die Erde samt ihren Gottheiten an seinem Wohnort zu einem gefährlichen Ort.

Wort für Wort
ya
der (Nom.Rel.)
evaṃ
so (Adv.)
viduṣe
dem Wissenden (Dat.)
'dattvāthānyebhyo
nicht (Neg.) + gegeben habend (Gerundium) + dann (Adv.) + den anderen (Dat.Pl.), sandhi a+dattvā+atha+anyebhyaḥ
dadad
gibt (3Sg.Präs.Part.)
vaśām
die Kuh (Akk.)
durgā
zu einem gefährlichen Ort (Nom.)
tasmā
dem (Dat.)
adhiṣṭhāne
an seinem Wohnort (Lok.)
pṛthivī
die Erde (Nom.)
sahadevatā
samt ihren Gottheiten (Nom.)

devā vaśām ayācan yasminn agre ajāyata tām etāṃ vidyān nāradaḥ saha devair ud ājata

Die Götter erbaten die Kuh von dem, bei dem sie zuerst geboren wurde; dies möge Nārada wissen: mit den Göttern hat er sie fortgetrieben, wer sie verweigerte.

Wort für Wort
devā
die Götter (Nom.Pl.)
vaśām
die Kuh (Akk.)
ayācan
erbaten (3Pl.Impf.)
yasminn
von dem (Lok.Rel.)
agre
zuerst (Adv.)
ajāyata
sie geboren wurde (3Sg.Impf.Med.)
tām
diese (Akk.)
etāṃ
diese (Akk.)
vidyān
möge wissen (3Sg.Opt.)
nāradaḥ
Nārada (Nom.)
saha
zusammen (Adv.)
devair
mit den Göttern (Instr.Pl.)
ud
fort (Präverb)
ājata
hat getrieben (3Sg.Impf.)

anapatyam alpapaśuṃ vaśā kṛṇoti pūruṣam brāhmaṇaiś ca yācitām athaināṃ nipriyāyate

Kinderlos und viehearm macht die Kuh den Mann, wenn er sie, von den Brahmanen erbeten, zurückweist.

Wort für Wort
anapatyam
kinderlos (Akk.)
alpapaśuṃ
viehearm (Akk.)
vaśā
die Kuh (Nom.)
kṛṇoti
macht (3Sg.Präs.)
pūruṣam
den Mann (Akk.)
brāhmaṇaiś
von den Brahmanen (Instr.Pl.)
ca
und
yācitām
erbeten (Akk.)
athaināṃ
dann (Adv.) + sie (Akk.f.), sandhi atha+enām
nipriyāyate
zurückweist (3Sg.Präs.)

agnīṣomābhyāṃ kāmāya mitrāya varuṇāya ca tebhyo yācanti brāhmaṇās teṣv ā vṛścate 'dadat

Für Agni und Soma, für Kāma, für Mitra und Varuṇa – für sie bitten die Brahmanen um die Kuh; an ihnen wird abgeschnitten, wer sie nicht gibt.

Wort für Wort
agnīṣomābhyāṃ
für Agni und Soma (Dat.Dual)
kāmāya
für Kāma (Dat.)
mitrāya
für Mitra (Dat.)
varuṇāya
und Varuṇa (Dat.)
ca
und
tebhyo
für sie (Dat.Pl.)
yācanti
bitten (3Pl.Präs.)
brāhmaṇās
die Brahmanen (Nom.Pl.)
teṣv
an ihnen (Lok.Pl.)
ā
hin (Präverb)
vṛścate
wird abgeschnitten (3Sg.Präs.Pass.)
'dadat
wer nicht gibt (3Sg.Präs.Part.)

yāvad asyā gopatir nopaśṛṇuyād ṛcaḥ svayam cared asya tāvad goṣu nāsya śrutvā gṛhe vaset

Solange ihr Kuhherr diesen Vers nicht selbst gehört hat, möge sie frei unter seinen Kühen umherziehen; hat er ihn gehört, soll sie nicht länger in seinem Haus verweilen.

Wort für Wort
yāvad
solange (Adv.)
asyā
ihr (Gen.)
gopatir
der Kuhherr (Nom.)
nopaśṛṇuyād
nicht (Neg.) + vernehme (3Sg.Opt., upa-śru), sandhi na+upaśṛṇuyāt
ṛcaḥ
den Vers (Akk.)
svayam
selbst (Adv.)
cared
möge umherziehen (3Sg.Opt.)
asya
seine (Gen.)
tāvad
solange (Adv.)
goṣu
unter den Kühen (Lok.Pl.)
nāsya
nicht (Neg.) + seines, dessen (Gen.), sandhi na+asya
śrutvā
nachdem gehört (Gerundium)
gṛhe
im Haus (Lok.)
vaset
soll wohnen (3Sg.Opt.)

yo asyā ṛca upaśrutyātha goṣv acīcarat āyuś ca tasya bhūtiṃ ca devā vṛścanti hīḍitāḥ

Wer, nachdem er diesen Vers über sie gehört hat, sie dennoch unter den übrigen Kühen weiterlaufen läßt, dessen Lebenskraft und Wohlstand schneiden die erzürnten Götter ab.

Wort für Wort
yo
der (Nom.Rel.)
asyā
ihr (Gen.)
ṛca
den Vers (Akk.)
upaśrutyātha
nachdem gehört - dann (Gerundium+Adv., sandhi upaśrutya+atha)
goṣv
unter den Kühen (Lok.Pl.)
acīcarat
läßt weiterlaufen (3Sg.Aor.Kaus.)
āyuś
die Lebenskraft (Akk./Nom.)
ca
und
tasya
dessen, seine (Gen.)
bhūtiṃ
Wohlstand (Akk.)
ca
und
devā
die Götter (Nom.Pl.)
vṛścanti
schneiden ab (3Pl.Präs.)
hīḍitāḥ
erzürnt (Nom.Pl.)

vaśā carantī bahudhā devānāṃ nihito nidhiḥ āviṣ kṛṇuṣva rūpāṇi yadā sthāma jighāṃsati

Die Kuh, vielfach umherwandelnd, ist der bei den Göttern niedergelegte Schatz. Zeig deine Gestalten offen, wenn sie den festen Ort zu vernichten trachtet.

Wort für Wort
vaśā
die Kuh (Nom.)
carantī
umherwandelnd (Nom.f.Part.)
bahudhā
vielfach (Adv.)
devānāṃ
der Götter (Gen.Pl.)
nihito
niedergelegter (Nom.)
nidhiḥ
der Schatz (Nom.)
āviṣ
offen (Adv.)
kṛṇuṣva
zeig (2Sg.Imp.)
rūpāṇi
deine Gestalten (Akk.Pl.)
yadā
wenn (Konj.)
sthāma
den festen Ort (Akk.)
jighāṃsati
zu vernichten trachtet (3Sg.Präs.Des.)

āvir ātmānaṃ kṛṇute yadā sthāma jighāṃsati atho ha brahmabhyo vaśā yāñcyāya kṛṇute manaḥ ||30|| {21}

Sie macht sich selbst offenbar, wenn sie den ihr verwehrten Ort zu vernichten trachtet; und dann richtet die Kuh ihren Sinn darauf, von den Brahmanen erbeten zu werden.

Wort für Wort
āvir
offenbar (Adv.)
ātmānaṃ
sich selbst (Akk.)
kṛṇute
macht sie (3Sg.Präs.)
yadā
wenn (Konj.)
sthāma
den festen Ort (Akk.)
jighāṃsati
zu vernichten trachtet (3Sg.Präs.Des.)
atho
und dann (Adv.)
ha
fürwahr (Partikel)
brahmabhyo
den Brahmanen (Dat.Pl.)
vaśā
die Kuh (Nom.)
yāñcyāya
erbeten zu werden (Dat.)
kṛṇute
richtet (3Sg.Präs.)
manaḥ
ihren Sinn (Akk.)
||30||
(Versmarke 30)
{21}
(Anuvāka-Marke 21)

manasā saṃ kalpayati tad devāṃ api gachati tato ha brahmāṇo vaśām upaprayanti yācitum

Mit dem Sinn ersinnt sie es, und das gelangt zu den Göttern; daraufhin nähern sich die Brahmanen der Kuh, um sie zu erbitten.

Wort für Wort
manasā
mit dem Sinn (Instr.)
saṃ
zusammen (Präverb)
kalpayati
ersinnt sie es (3Sg.Präs.)
tad
das (Nom.)
devāṃ
zu den Göttern (Akk.)
api
auch (Partikel)
gachati
gelangt (3Sg.Präs.)
tato
daraufhin (Adv.)
ha
fürwahr (Partikel)
brahmāṇo
die Brahmanen (Nom.Pl.)
vaśām
der Kuh (Akk.)
upaprayanti
nähern sich (3Pl.Präs.)
yācitum
um zu erbitten (Inf.)

svadhākāreṇa pitṛbhyo yajñena devatābhyaḥ dānena rājanyo vaśāyā mātur heḍam na gachati

Durch den Svadhā-Ruf für die Väter, durch das Opfer für die Gottheiten, durch die Gabe – so gerät der Fürst nicht in den Zorn der Kuh, seiner Mutter.

Wort für Wort
svadhākāreṇa
durch den Svadhā-Ruf (Instr.)
pitṛbhyo
für die Väter (Dat.Pl.)
yajñena
durch das Opfer (Instr.)
devatābhyaḥ
für die Gottheiten (Dat.Pl.)
dānena
durch die Gabe (Instr.)
rājanyo
der Fürst (Nom.)
vaśāyā
der Kuh (Gen.)
mātur
seiner Mutter (Gen.)
heḍam
in den Zorn (Akk.)
na
nicht (Neg.)
gachati
gerät (3Sg.Präs.)

vaśā mātā rājanyasya tathā saṃbhūtam agraśaḥ tasyā āhur anarpaṇaṃ yad brahmabhyaḥ pradīyate

Die Kuh ist die Mutter des Fürsten – so ist es von Anfang an geworden; man sagt, ihre rechte Übergabe geschehe darin, daß sie den Brahmanen gegeben wird.

Wort für Wort
vaśā
die Kuh (Nom.)
mātā
Mutter (Nom.)
rājanyasya
des Fürsten (Gen.)
tathā
so (Adv.)
saṃbhūtam
ist geworden (3Sg.Perf.)
agraśaḥ
von Anfang an (Adv.)
tasyā
ihre (Gen.)
āhur
man sagt (3Pl.Präs.)
anarpaṇaṃ
die rechte Übergabe (Akk.)
yad
was
brahmabhyaḥ
den Brahmanen (Dat.Pl.)
pradīyate
gegeben wird (3Sg.Präs.Pass.)

yathājyaṃ pragṛhītam ālumpet sruco agnaye evā ha brahmabhyo vaśām agnaya ā vṛścate 'dadat

Wie einer, der das für Agni bereitgehaltene Schmalz von der Opferkelle stiehlt, ebenso wird, wer den Brahmanen die Kuh für Agni nicht gibt, von Agni abgeschnitten.

Wort für Wort
yathājyaṃ
wie (Adv.) + das Schmalz (Akk.), sandhi yathā+ājyam
pragṛhītam
das bereitgehaltene (Akk.)
ālumpet
stiehlt (3Sg.Opt.)
sruco
von der Opferkelle (Abl./Gen.)
agnaye
für Agni (Dat.)
evā
ebenso (Adv.)
ha
fürwahr (Partikel)
brahmabhyo
den Brahmanen (Dat.Pl.)
vaśām
die Kuh (Akk.)
agnaya
für Agni (Dat.)
ā
hin (Präverb)
vṛścate
wird abgeschnitten (3Sg.Präs.Pass.)
'dadat
wer nicht gibt (Nom.Sg.Part., Neg.)

puroḍāśavatsā sudughā loke 'smā upa tiṣṭhati sāsmai sarvān kāmān vaśā pradaduṣe duhe

Mit dem Opferkuchen als ihrem Kalb, gut milchgebend, tritt sie in dieser Welt zu ihm heran; dem, der sie hingegeben hat, melkt die Kuh alle Wünsche.

Wort für Wort
puroḍāśavatsā
mit dem Opferkuchen als Kalb (Nom.)
sudughā
gut milchgebend (Nom.)
loke
in dieser Welt (Lok.)
'smā
zu ihm (Dat.)
upa
tritt heran (3Sg.Präs.)
tiṣṭhati
sie (Nom.)
sāsmai
ihm (Dat.)
sarvān
alle (Akk.Pl.)
kāmān
heran, hinzu (Präverb, upa-)
vaśā
tritt (3Sg.Präs., upa+tiṣṭhati 'herantreten')
pradaduṣe
dem der hingegeben hat (Dat.Sg.Part.)
duhe
melkt (3Sg.Präs.)

sarvān kāmān yamarājye vaśā pradaduṣe duhe athāhur nārakaṃ lokaṃ nirundhānasya yācitām

Im Reich des Yama melkt die Kuh dem, der sie hingegeben hat, alle Wünsche; wer sie aber, obwohl erbeten, zurückhält, dessen Los, sagt man, ist die Hölle.

Wort für Wort
sarvān
alle (Akk.Pl.)
kāmān
Wünsche (Akk.Pl.)
yamarājye
im Reich des Yama (Lok.)
vaśā
die Kuh (Nom.)
pradaduṣe
dem der hingegeben hat (Dat.Sg.Part.)
duhe
melkt (3Sg.Präs.)
athāhur
dann (Adv.) + man sagt (3Pl.Präs.), sandhi atha+āhuḥ
nārakaṃ
die Hölle (Akk.)
lokaṃ
als Welt (Akk.)
nirundhānasya
dem der zurückhält (Gen.Sg.Part.)
yācitām
obwohl erbeten (Akk.f.)

pravīyamānā carati kruddhā gopataye vaśā vehataṃ mā manyamāno mṛtyoḥ pāśeṣu badhyatām

Fortgetrieben zieht die Kuh zürnend gegen ihren Kuhherrn umher; wer sie für einen Verlust hält, der werde in die Fesseln des Todes gebunden. [Anm.: „vehatam" hier unsicher als „Verlust" wiedergegeben.]

Wort für Wort
pravīyamānā
fortgetrieben (Nom.Sg.Part.)
carati
zieht sie (3Sg.Präs.)
kruddhā
zürnend (Nom.f.)
gopataye
gegen den Kuhherrn (Dat.)
vaśā
die Kuh (Nom.)
vehataṃ
für einen Verlust [?] (Akk., unsicher)
mā
nicht (Proh.)
manyamāno
haltend (Nom.Sg.Part.)
mṛtyoḥ
des Todes (Gen.)
pāśeṣu
in den Fesseln (Lok.Pl.)
badhyatām
werde gebunden (3Sg.Präs.Pass.Konj.)

yo vehataṃ manyamāno 'mā ca pacate vaśām apy asya putrān pautrāṃś ca yācayate bṛhaspatiḥ

Wer, sie für einen Verlust haltend, die Kuh daheim für sich selbst kocht, dessen Söhne und Enkel läßt Bṛhaspati später noch um Almosen bitten.

Wort für Wort
yo
der (Nom.Rel.)
vehataṃ
für einen Verlust (Akk.)
manyamāno
haltend (Nom.Sg.Part.)
'mā
daheim (Adv.)
ca
und
pacate
kocht (3Sg.Präs.)
vaśām
die Kuh (Akk.)
apy
auch (Partikel)
asya
seine (Gen.)
putrān
Söhne (Akk.Pl.)
pautrāṃś
und Enkel (Akk.Pl.)
ca
und
yācayate
lässt bitten (3Sg.Präs.Kaus.)
bṛhaspatiḥ
Bṛhaspati (Nom.)

mahad eṣāva tapati carantī goṣu gaur api atho ha gopataye vaśādaduṣe viṣaṃ duhe

Gewaltig versengt sie mit ihrer Glut, auch wenn sie als gewöhnliche Kuh unter den Kühen umhergeht; und dem Kuhherrn, der sie nicht gegeben hat, melkt sie Gift.

Wort für Wort
mahad
gewaltig (Akk.)
eṣāva
sie (Nom.f.)
tapati
versengt mit ihrer Glut (3Sg.Präs.)
carantī
umherziehend (Nom.f.Part.)
goṣu
unter den Kühen (Lok.Pl.)
gaur
als Kuh (Nom.)
api
auch (Adv.)
atho
und
ha
fürwahr (Partikel)
gopataye
dem Kuhherrn (Dat.)
vaśādaduṣe
die Kuh - dem nicht gegeben habenden (Akk./Nom.+Dat.Sg.Part., sandhi vaśā+adaduṣe)
viṣaṃ
Gift (Akk.)
duhe
melkt (3Sg.Präs.)

priyaṃ paśūnāṃ bhavati yad brahmabhyaḥ pradīyate atho vaśāyās tat priyaṃ yad devatrā haviḥ syāt ||40|| {22}

Was den Brahmanen gegeben wird, das wird zum Liebsten unter dem Vieh; und ebenso ist der Kuh lieb, was den Göttern zur Opfergabe wird.

Wort für Wort
priyaṃ
was liebes (Nom.)
paśūnāṃ
dem Vieh (Gen.Pl.)
bhavati
wird (3Sg.Präs.)
yad
was
brahmabhyaḥ
den Brahmanen (Dat.Pl.)
pradīyate
gegeben wird (3Sg.Präs.Pass.)
atho
und ebenso (Adv.)
vaśāyās
der Kuh (Gen.)
tat
das (Nom.)
priyaṃ
liebes (Nom.)
yad
was
devatrā
den Göttern (Adv.)
haviḥ
die Opfergabe (Nom.)
syāt
sollte sein (3Sg.Opt.)
||40||
(Versmarke 40)
{22}
(Anuvāka-Marke 22)

yā vaśā udakalpayan devā yajñād udetya tāsāṃ viliptyaṃ bhīmām udākuruta nāradaḥ

Welche Kühe die Götter, nachdem sie vom Opfer aufgestanden waren, bestimmten – unter ihnen machte Nārada die schreckliche „Beschmierte" (Viliptī) bekannt. [Anm.: Die Namen „Viliptī" und „Sūtavaśā" (v. 41–47) bezeichnen offenbar besondere, als gefährlich geltende Erscheinungsformen der Opferkuh; ihre genaue Bedeutung ist unsicher und hier nur behelfsmäßig wiedergegeben.]

Wort für Wort
yā
welche (Akk.Pl.f.Rel.)
vaśā
Kühe (Akk.Pl.)
udakalpayan
bestimmten (3Pl.Impf.)
devā
die Götter (Nom.Pl.)
yajñād
vom Opfer (Abl.)
udetya
nachdem sie aufgestanden waren (Gerundium)
tāsāṃ
unter ihnen (Gen.Pl.)
viliptyaṃ
die Beschmierte [Viliptī] (Akk.f.)
bhīmām
die schreckliche (Akk.f.)
udākuruta
machte bekannt (3Sg.Impf.)
nāradaḥ
Nārada (Nom.)

tāṃ devā amīmāṃsanta vaśeyā3m avaśeti tām abravīn nārada eṣā vaśānāṃ vaśatameti

Über sie überlegten die Götter: „Ist sie eine rechte Kuh oder keine?" Da sprach Nārada: „Diese ist die kuhhafteste unter den Kühen."

Wort für Wort
tāṃ
über sie (Akk.)
devā
die Götter (Nom.Pl.)
amīmāṃsanta
überlegten (3Pl.Impf.)
vaśeyā3m
eine rechte Kuh (Nom.f., mit Ziffer)
avaśeti
keine echte Wunschkuh (Nom.f.) + so (Iti, Zitatpartikel), sandhi avaśā+iti
tām
über sie (Akk.)
abravīn
sprach (3Sg.Impf.)
nārada
Nārada (Nom.)
eṣā
diese (Nom.f.)
vaśānāṃ
unter den Kühen (Gen.Pl.)
vaśatameti
die kuhhafteste (Nom.f., Superlativ) + so (Iti, Zitatpartikel), sandhi vaśatamā+iti

kati nu vaśā nārada yās tvaṃ vettha manuṣyajāḥ tās tvā pṛchāmi vidvāṃsaṃ kasyā nāśnīyād abrāhmaṇaḥ

Wie viele Kühe gibt es doch, Nārada, unter den Menschen entstandene, die du kennst? Danach frage ich dich, den Wissenden: von welcher soll ein Nicht-Brahmane nicht essen?

Wort für Wort
kati
wie viele (Nom.Pl.)
nu
nun (Partikel)
vaśā
Kühe (Nom.Pl.)
nārada
o Nārada (Vok.)
yās
die (Akk.Pl.f.Rel.)
tvaṃ
du (Nom.)
vettha
kennst (2Sg.Präs.)
manuṣyajāḥ
unter den Menschen entstandene (Akk.Pl.)
tās
danach, sie (Akk.Pl.)
tvā
dich (Akk.)
pṛchāmi
ich frage (1Sg.Präs.)
vidvāṃsaṃ
den Wissenden (Akk.)
kasyā
von welcher (Gen.Rel.)
nāśnīyād
nicht (Neg.) + soll essen (3Sg.Opt., aś), sandhi na+aśnīyāt
abrāhmaṇaḥ
ein Nicht-Brahmane (Nom.)

viliptyā bṛhaspate yā ca sūtavaśā vaśā tasyā nāśnīyād abrāhmaṇo ya āśaṃseta bhūtyām

Von der Beschmierten, Bṛhaspati, und von der Sūtavaśā, von der soll der Nicht-Brahmane nicht essen, wenn er auf Gedeihen hofft.

Wort für Wort
viliptyā
von der Beschmierten (Instr.)
bṛhaspate
o Bṛhaspati (Vok.)
yā
die (Nom.f.Rel.)
ca
und
sūtavaśā
die Sūtavaśā (Nom.f.)
vaśā
Kuh (Nom.f.)
tasyā
von ihr (Gen.)
nāśnīyād
nicht (Neg.) + soll essen (3Sg.Opt., aś), sandhi na+aśnīyāt
abrāhmaṇo
ein Nicht-Brahmane (Nom.)
ya
der (Nom.Rel.)
āśaṃseta
hoffte (3Sg.Opt.)
bhūtyām
auf Gedeihen (Lok.)

namas te astu nāradānuṣṭhu viduṣe vaśā katamāsāṃ bhīmatamā yām adattvā parābhavet

Verehrung sei dir, Nārada, der du dies genau weißt: welche von ihnen ist die schrecklichste, bei der man, wenn man sie nicht gibt, zugrunde geht?

Wort für Wort
namas
Verehrung (Nom.)
te
dir (Dat.)
astu
sei (3Sg.Imp.)
nāradānuṣṭhu
Nārada (Vok.) + genau, sogleich (Adv.), sandhi nārada+anuṣṭhu
viduṣe
dem Wissenden (Dat.)
vaśā
die Kühe (Nom.Pl.)
katamāsāṃ
welche von ihnen (Gen.Pl.)
bhīmatamā
die schrecklichste (Nom.f.)
yām
bei der (Akk.f.Rel.)
adattvā
wenn man nicht gibt (Gerundium)
parābhavet
man zugrunde geht (3Sg.Opt.)

viliptī yā bṛhaspate 'tho sūtavaśā vaśā tasyā nāśnīyād abrāhmaṇo ya āśaṃseta bhūtyām

Die Beschmierte, Bṛhaspati, und ebenso die Sūtavaśā – von ihr soll der Nicht-Brahmane nicht essen, wenn er auf Gedeihen hofft.

Wort für Wort
viliptī
die Beschmierte (Nom.f.)
yā
die (Nom.f.Rel.)
bṛhaspate
o Bṛhaspati (Vok.)
'tho
und (Adv.)
sūtavaśā
die Sūtavaśā (Nom.f.)
vaśā
Kuh (Nom.f.)
tasyā
von ihr (Gen.)
nāśnīyād
nicht (Neg.) + soll essen (3Sg.Opt., aś), sandhi na+aśnīyāt
abrāhmaṇo
ein Nicht-Brahmane (Nom.)
ya
der (Nom.Rel.)
āśaṃseta
hoffte (3Sg.Opt.)
bhūtyām
auf Gedeihen (Lok.)

trīṇi vai vaśājātāni viliptī sūtavaśā vaśā tāḥ pra yached brahmabhyaḥ so 'nāvraskaḥ prajāpatau

Drei Arten solcher Kühe gibt es wahrlich: die Beschmierte, die Sūtavaśā und die gewöhnliche Kuh; sie soll man den Brahmanen darreichen – so bleibt man unversehrt vor Prajāpati.

Wort für Wort
trīṇi
drei (Nom.)
vai
fürwahr (Partikel)
vaśājātāni
Kuh-Arten (Nom.Pl.)
viliptī
die Beschmierte (Nom.f.)
sūtavaśā
die Sūtavaśā (Nom.f.)
vaśā
die gewöhnliche Kuh (Nom.f.)
tāḥ
diese (Akk.Pl.)
pra
dar (Präverb)
yached
soll man reichen (3Sg.Opt.)
brahmabhyaḥ
den Brahmanen (Dat.Pl.)
so
der (Nom.)
'nāvraskaḥ
unversehrt (Nom.)
prajāpatau
vor Prajāpati (Lok.)

etad vo brāhmaṇā havir iti manvīta yācitaḥ vaśāṃ ced enaṃ yāceyur yā bhīmādaduṣo gṛhe

„Dies ist eure Opfergabe, Brahmanen" – so soll er denken, wenn er gebeten wird, falls sie ihn um die Kuh bitten, jene schreckliche, im Haus dessen, der sie nicht gegeben hat.

Wort für Wort
etad
dies (Nom.)
vo
euer (Gen.Pl.)
brāhmaṇā
Brahmanen (Vok.Pl.)
havir
Opfergabe (Nom.)
iti
so (Iti)
manvīta
soll er denken (3Sg.Opt.)
yācitaḥ
gebeten (Nom.Sg.Part.)
vaśāṃ
die Kuh (Akk.)
ced
falls (Konj.)
enaṃ
ihn (Akk.)
yāceyur
sie bitten würden (3Pl.Opt.)
yā
die (Nom.f.Rel.)
bhīmādaduṣo
die schreckliche (Nom.f.) + dessen, der nicht gegeben hat (Gen.Sg.Part.), sandhi bhīmā+adaduṣaḥ
gṛhe
im Haus (Lok.)

devā vaśāṃ pary avadan na no 'dād iti hīḍitāḥ etābhir ṛgbhir bhedaṃ tasmād vai sa parābhavat

Die Götter sprachen erzürnt über die Kuh: „Er hat sie uns nicht gegeben"; mit diesen Versen verfluchten sie Bheda; deshalb ging er zugrunde.

Wort für Wort
devā
die Götter (Nom.Pl.)
vaśāṃ
die Kuh (Akk.)
pary
ringsum (Präverb)
avadan
sprachen (3Pl.Impf.)
na
nicht (Neg.)
no
uns (Dat.)
'dād
hat gegeben (3Sg.Aor.)
iti
so (Iti)
hīḍitāḥ
erzürnt (Nom.Pl.)
etābhir
mit diesen (Instr.Pl.)
ṛgbhir
Versen (Instr.Pl.)
bhedaṃ
den Bheda (Akk.)
tasmād
deshalb (Adv.)
vai
fürwahr (Partikel)
sa
er (Nom.)
parābhavat
ging zugrunde (3Sg.Impf.)

utaināṃ bhedo nādadād vaśām indreṇa yācitaḥ tasmāt taṃ devā āgaso 'vṛścann ahamuttare

Und Bheda gab die Kuh nicht, obwohl von Indra darum gebeten; deshalb schnitten ihn die Götter, die um den Vorrang Wetteifernden, für seine Schuld ab.

Wort für Wort
utaināṃ
und auch (Adv.) + sie (Akk.f.), sandhi uta+enām
bhedo
Bheda (Nom.)
nādadād
nicht (Neg.) + gab (3Sg.Impf.), sandhi na+adadāt
vaśām
die Kuh (Akk.)
indreṇa
von Indra (Instr.)
yācitaḥ
gebeten (Nom.Sg.Part.)
tasmāt
deshalb (Adv.)
taṃ
ihn (Akk.)
devā
die Götter (Nom.Pl.)
āgaso
für seine Schuld (Gen.)
'vṛścann
schnitten ab (3Pl.Impf.)
ahamuttare
aham 'ich' + uttara 'der Höhere, Bessere' → die um den Vorrang Wetteifernden (Nom.Pl.)

ye vaśāyā adānāya vadanti parirāpiṇaḥ indrasya manyave jālmā ā vṛścante acittyā

Die, welche gegen das Geben der Kuh reden, die Schwätzer – sie, die Nichtsnutzigen, verfallen dem Zorn Indras, aus Unverstand abgeschnitten.

Wort für Wort
ye
die (Nom.Pl.m.Rel.)
vaśāyā
der Kuh (Gen.)
adānāya
gegen das Geben (Dat.)
vadanti
sprechen (3Pl.Präs.)
parirāpiṇaḥ
die Schwätzer (Nom.Pl.)
indrasya
Indras (Gen.)
manyave
dem Zorn (Dat.)
jālmā
die Nichtsnutzigen (Nom.Pl.)
ā
hin (Präverb)
vṛścante
verfallen (3Pl.Präs.Pass.)
acittyā
aus Unverstand (Instr.)

ye gopatiṃ parāṇīyāthāhur mā dadā iti rudrasyāstāṃ te hetīṃ pari yanty acittyā

Die den Kuhherrn beiseiteführen und dann sagen: „Gib nicht!" – die geraten, aus Unverstand, in das Geschoß Rudras.

Wort für Wort
ye
die (Nom.Pl.m.Rel.)
gopatiṃ
den Kuhherrn (Akk.)
parāṇīyāthāhur
beiseite führend (Gerundium, parā-nī) + dann (Adv.) + sie sagen (3Pl.Präs.), sandhi parāṇīya+atha+āhuḥ
mā
nicht (Proh.)
dadā
gib (2Sg.Imp.)
iti
so (Iti)
rudrasyāstāṃ
des Rudra (Gen.) + sie waren [?] (3Pl.Impf., ās, unsicher), sandhi rudrasya+āstām/āsata
te
sie (Nom.Pl.)
hetīṃ
das Geschoss (Akk.)
pari
rings (Präverb)
yanty
geraten (3Pl.Präs.)
acittyā
aus Unverstand (Instr.)

yadi hutaṃ yady ahutām amā ca pacate vaśām devānt sabrāhmaṇān ṛtvā jihmo lokān nir ṛchati ||53|| {23}

Ob geopfert oder ungeopfert – wer die Kuh daheim für sich selbst kocht, der verfehlt, den Göttern samt den Brahmanen zuwiderhandelnd, abtrünnig, die himmlischen Welten.

Wort für Wort
yadi
ob (Konj.)
hutaṃ
geopfert (Nom.)
yady
ob (Konj.)
ahutām
ungeopfert (Akk.)
amā
daheim (Adv.)
ca
und
pacate
kocht (3Sg.Präs.)
vaśām
die Kuh (Akk.)
devānt
die Götter (Akk.Pl.)
sabrāhmaṇān
samt den Brahmanen (Akk.Pl.)
ṛtvā
zuwiderhandelnd (Gerundium)
jihmo
abtrünnig (Nom.)
lokān
die Welten (Akk.Pl.)
nir
fort (Präverb)
ṛchati
verfehlt (3Sg.Präs.)
||53||
(Versmarke 53)
{23}
(Anuvāka-Marke 23)

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