dadāmīty eva brūyād anu cainām abhutsata vaśāṃ brahmabhyo yācadbhyas tat prajāvad apatyavat
„Ich gebe sie" – so allein soll er sprechen, und danach soll er es auch einlösen: die Kuh den bittenden Brahmanen zu geben, das bringt Nachkommenschaft und Kindersegen.
Durch die Betrügerin zerfällt sein Besitz, durch die Lahme stürzt seine Grube ein, durch die Verstümmelte brennen seine Häuser, durch die Einäugige zerrinnt sein Eigentum. [Anm.: Kūṭā, Śloṇā, Baṇḍā und Kāṇā scheinen Beinamen bzw. bedrohliche Erscheinungsformen der verweigerten Kuh zu sein.]
Wort für Wort
kūṭayāsya
durch die Betrügerin, sein (Instr.+Gen., sandhi kūṭayā+asya)
Der Blutrote findet, von seinem Standort aus, wie ein Falke, den Kuhherrn; ebenso wirst du, o Kuh, als schwer zu täuschen bezeichnet in allem, was mit dir zusammenhängt.
Von der Standstätte ihrer Füße aus findet der sogenannte Viklindu sie; ausgehend vom Namenlosen zerfallen jene, die sie mit dem Maul beriechen. [Anm.: Der genaue Bezug dieses Verses bleibt unklar.]
Wort für Wort
pador
von ihren Füßen (Gen.Dual)
asyā
ihrer (Gen.)
adhiṣṭhānād
von der Standstätte (Abl.)
viklindur
der sogenannte Viklindu (Nom.)
nāma
mit Namen, so genannt (Akk./Adv.)
vindati
findet (3Sg.Präs.)
anāmanāt
ausgehend vom Namenlosen (Abl.)
saṃ
zusammen (Präverb)
śīryante
zerfallen (3Pl.Präs.)
yā
die (Nom.Pl.Rel.)
mukhenopajighrati
mit dem Maul - beriechen (Instr.+3Pl.Präs., sandhi mukhena+upajighrati)
yo asyāḥ karṇāv āskunoty ā sa deveṣu vṛścate lakṣma kurva iti manyate kanīyaḥ kṛṇute svam
Wer ihre Ohren zerschneidet, der wird unter den Göttern von seinem Anteil abgeschnitten. „Ich mache ein Kennzeichen", meint er – doch er macht sein Eigentum nur geringer.
yad asyā gopatau satyā loma dhvāṅkṣo ajīhiḍat tataḥ kumārā mriyante yakṣmo vindaty anāmanāt
Wenn bei ihrem Kuhherrn eine Krähe tatsächlich ihr Haar zerzaust hat, dann sterben seine Kinder, und die Schwindsucht befällt ihn, ausgehend vom Namenlosen.
yad asyāḥ palpūlanaṃ śakṛd dāsī samasyati tato 'parūpaṃ jāyate tasmād avyeṣyad enasaḥ
Wenn eine Dienerin ihren zerstampften Mist zusammenrührt, dann wird ein Mißgestaltetes geboren; davon soll er sich durch ein Sühneopfer von der Schuld befreien.
Wort für Wort
yad
wenn (Konj.)
asyāḥ
ihren (Gen.)
palpūlanaṃ
zerstampften (Akk.)
śakṛd
Mist (Akk.)
dāsī
eine Dienerin (Nom.)
samasyati
zusammenrührt (3Sg.Präs.)
tato
dann (Adv.)
'parūpaṃ
ein Missgestaltetes (Nom.)
jāyate
wird geboren (3Sg.Präs.)
tasmād
davon (Abl.)
avyeṣyad
soll er sich befreien, durch Sühneopfer (Verbform, Kompositum)
Bei ihrer Geburt wird die Kuh zugleich mit den Göttern und den Brahmanen mitgeboren; darum ist sie den Brahmanen zu geben – das, sagt man, ist die Wahrung des eigenen Wohls.
Wort für Wort
jāyamānābhi
bei der Geburt (Nom.f.Part.) + hinzu, dabei (Präverb), sandhi jāyamānā+abhi → bei ihrer Geburt
ya ārṣeyebhyo yācadbhyo devānāṃ gāṃ na ditsati ā sa deveṣu vṛścate brāhmaṇānāṃ ca manyave
Wer den bittenden Nachkommen der Seher die Kuh der Götter zu geben sich weigert, der wird unter den Göttern abgeschnitten und dem Zorn der Brahmanen preisgegeben.
yo asya syād vaśābhogo anyām icheta tarhi saḥ hiṃste adattā puruṣaṃ yācitāṃ ca na ditsati
Wer statt dieser eine andere Kuh als Genuß haben will, obwohl jene ihm zusteht – dann schädigt die Ungegebene den Menschen, wenn er, obwohl gebeten, sie nicht geben will.
Wort für Wort
yo
der (Nom.Rel.)
asya
diese (Gen.)
syād
sollte sein (3Sg.Opt.)
vaśābhogo
vaśā 'Kuh' + bhoga 'Genuss' → der Genuss der Kuh (Nom.)
Dies beanspruchen die Brahmanen als ihr Eigentum, die Kuh; wie sehr er sie auch einem anderen zuzuschanzen sucht, ebenso bleibt sie ihm doch vorenthalten.
Wort für Wort
svam
als ihr Eigentum (Akk.)
etad
dies (Akk.)
achāyanti
beanspruchen sie (3Pl.Präs.)
yad
was (Akk.)
vaśāṃ
die Kuh (Akk.)
brāhmaṇā
die Brahmanen (Nom.Pl.)
abhi
hin (Präverb)
yathainān
wie (Adv.) + sie (Akk.Pl.), sandhi yathā+enān → wie sehr auch sie
anyasmin
einem anderen (Lok.)
jinīyād
zuzuschanzen sucht (3Sg.Opt.)
evāsyā
eben, gerade (Partikel) + ihr, dieser (Gen.f.), sandhi eva+asyā
yo asyā ūdho na vedātho asyā stanān uta ubhayenaivāsmai duhe dātuṃ ced aśakad vaśām
Wer weder ihr Euter noch ihre Zitzen kennt – mit beidem zugleich melkt sie ihm Unheil, wenn er es vermocht hätte, die Kuh zu geben, und es doch unterließ.
Wort für Wort
yo
der (Nom.Rel.)
asyā
ihr (Gen.)
ūdho
Euter (Akk.)
na
nicht (Neg.)
vedātho
kennt (3Sg.Präs.)
asyā
ihr (Gen.)
stanān
die Zitzen (Akk.Pl.)
uta
und auch (Adv.)
ubhayenaivāsmai
mit beidem (Instr.) + eben (Partikel) + ihm (Dat.), sandhi ubhayena+eva+asmai
duradabhnainam ā śaye yācitāṃ ca na ditsati nāsmai kāmāḥ sam ṛdhyante yām adattvā cikīrṣati
Als schwer zu täuschende liegt sie ihm auf, wenn er, obwohl gebeten, sie nicht geben will; ihm gelingen keine Wünsche, wenn er, ohne sie gegeben zu haben, anderes zu erlangen sucht.
heḍaṃ paśūnāṃ ny eti brāhmaṇebhyo 'dadad vaśām devānāṃ nihitaṃ bhāgaṃ martyaś cen nipriyāyate
Der Zorn der Herdengötter kommt über den, der den Brahmanen die Kuh nicht gibt – den bei den Göttern niedergelegten Anteil –, wenn ein Sterblicher ihn zurückweist.
devā vaśām ayācan yasminn agre ajāyata tām etāṃ vidyān nāradaḥ saha devair ud ājata
Die Götter erbaten die Kuh von dem, bei dem sie zuerst geboren wurde; dies möge Nārada wissen: mit den Göttern hat er sie fortgetrieben, wer sie verweigerte.
Solange ihr Kuhherr diesen Vers nicht selbst gehört hat, möge sie frei unter seinen Kühen umherziehen; hat er ihn gehört, soll sie nicht länger in seinem Haus verweilen.
Wort für Wort
yāvad
solange (Adv.)
asyā
ihr (Gen.)
gopatir
der Kuhherr (Nom.)
nopaśṛṇuyād
nicht (Neg.) + vernehme (3Sg.Opt., upa-śru), sandhi na+upaśṛṇuyāt
ṛcaḥ
den Vers (Akk.)
svayam
selbst (Adv.)
cared
möge umherziehen (3Sg.Opt.)
asya
seine (Gen.)
tāvad
solange (Adv.)
goṣu
unter den Kühen (Lok.Pl.)
nāsya
nicht (Neg.) + seines, dessen (Gen.), sandhi na+asya
yo asyā ṛca upaśrutyātha goṣv acīcarat āyuś ca tasya bhūtiṃ ca devā vṛścanti hīḍitāḥ
Wer, nachdem er diesen Vers über sie gehört hat, sie dennoch unter den übrigen Kühen weiterlaufen läßt, dessen Lebenskraft und Wohlstand schneiden die erzürnten Götter ab.
Wort für Wort
yo
der (Nom.Rel.)
asyā
ihr (Gen.)
ṛca
den Vers (Akk.)
upaśrutyātha
nachdem gehört - dann (Gerundium+Adv., sandhi upaśrutya+atha)
Die Kuh, vielfach umherwandelnd, ist der bei den Göttern niedergelegte Schatz. Zeig deine Gestalten offen, wenn sie den festen Ort zu vernichten trachtet.
Sie macht sich selbst offenbar, wenn sie den ihr verwehrten Ort zu vernichten trachtet; und dann richtet die Kuh ihren Sinn darauf, von den Brahmanen erbeten zu werden.
Die Kuh ist die Mutter des Fürsten – so ist es von Anfang an geworden; man sagt, ihre rechte Übergabe geschehe darin, daß sie den Brahmanen gegeben wird.
Wie einer, der das für Agni bereitgehaltene Schmalz von der Opferkelle stiehlt, ebenso wird, wer den Brahmanen die Kuh für Agni nicht gibt, von Agni abgeschnitten.
Wort für Wort
yathājyaṃ
wie (Adv.) + das Schmalz (Akk.), sandhi yathā+ājyam
Im Reich des Yama melkt die Kuh dem, der sie hingegeben hat, alle Wünsche; wer sie aber, obwohl erbeten, zurückhält, dessen Los, sagt man, ist die Hölle.
Wort für Wort
sarvān
alle (Akk.Pl.)
kāmān
Wünsche (Akk.Pl.)
yamarājye
im Reich des Yama (Lok.)
vaśā
die Kuh (Nom.)
pradaduṣe
dem der hingegeben hat (Dat.Sg.Part.)
duhe
melkt (3Sg.Präs.)
athāhur
dann (Adv.) + man sagt (3Pl.Präs.), sandhi atha+āhuḥ
Fortgetrieben zieht die Kuh zürnend gegen ihren Kuhherrn umher; wer sie für einen Verlust hält, der werde in die Fesseln des Todes gebunden. [Anm.: „vehatam" hier unsicher als „Verlust" wiedergegeben.]
mahad eṣāva tapati carantī goṣu gaur api atho ha gopataye vaśādaduṣe viṣaṃ duhe
Gewaltig versengt sie mit ihrer Glut, auch wenn sie als gewöhnliche Kuh unter den Kühen umhergeht; und dem Kuhherrn, der sie nicht gegeben hat, melkt sie Gift.
Wort für Wort
mahad
gewaltig (Akk.)
eṣāva
sie (Nom.f.)
tapati
versengt mit ihrer Glut (3Sg.Präs.)
carantī
umherziehend (Nom.f.Part.)
goṣu
unter den Kühen (Lok.Pl.)
gaur
als Kuh (Nom.)
api
auch (Adv.)
atho
und
ha
fürwahr (Partikel)
gopataye
dem Kuhherrn (Dat.)
vaśādaduṣe
die Kuh - dem nicht gegeben habenden (Akk./Nom.+Dat.Sg.Part., sandhi vaśā+adaduṣe)
Welche Kühe die Götter, nachdem sie vom Opfer aufgestanden waren, bestimmten – unter ihnen machte Nārada die schreckliche „Beschmierte" (Viliptī) bekannt. [Anm.: Die Namen „Viliptī" und „Sūtavaśā" (v. 41–47) bezeichnen offenbar besondere, als gefährlich geltende Erscheinungsformen der Opferkuh; ihre genaue Bedeutung ist unsicher und hier nur behelfsmäßig wiedergegeben.]
kati nu vaśā nārada yās tvaṃ vettha manuṣyajāḥ tās tvā pṛchāmi vidvāṃsaṃ kasyā nāśnīyād abrāhmaṇaḥ
Wie viele Kühe gibt es doch, Nārada, unter den Menschen entstandene, die du kennst? Danach frage ich dich, den Wissenden: von welcher soll ein Nicht-Brahmane nicht essen?
Wort für Wort
kati
wie viele (Nom.Pl.)
nu
nun (Partikel)
vaśā
Kühe (Nom.Pl.)
nārada
o Nārada (Vok.)
yās
die (Akk.Pl.f.Rel.)
tvaṃ
du (Nom.)
vettha
kennst (2Sg.Präs.)
manuṣyajāḥ
unter den Menschen entstandene (Akk.Pl.)
tās
danach, sie (Akk.Pl.)
tvā
dich (Akk.)
pṛchāmi
ich frage (1Sg.Präs.)
vidvāṃsaṃ
den Wissenden (Akk.)
kasyā
von welcher (Gen.Rel.)
nāśnīyād
nicht (Neg.) + soll essen (3Sg.Opt., aś), sandhi na+aśnīyāt
trīṇi vai vaśājātāni viliptī sūtavaśā vaśā tāḥ pra yached brahmabhyaḥ so 'nāvraskaḥ prajāpatau
Drei Arten solcher Kühe gibt es wahrlich: die Beschmierte, die Sūtavaśā und die gewöhnliche Kuh; sie soll man den Brahmanen darreichen – so bleibt man unversehrt vor Prajāpati.
„Dies ist eure Opfergabe, Brahmanen" – so soll er denken, wenn er gebeten wird, falls sie ihn um die Kuh bitten, jene schreckliche, im Haus dessen, der sie nicht gegeben hat.
Wort für Wort
etad
dies (Nom.)
vo
euer (Gen.Pl.)
brāhmaṇā
Brahmanen (Vok.Pl.)
havir
Opfergabe (Nom.)
iti
so (Iti)
manvīta
soll er denken (3Sg.Opt.)
yācitaḥ
gebeten (Nom.Sg.Part.)
vaśāṃ
die Kuh (Akk.)
ced
falls (Konj.)
enaṃ
ihn (Akk.)
yāceyur
sie bitten würden (3Pl.Opt.)
yā
die (Nom.f.Rel.)
bhīmādaduṣo
die schreckliche (Nom.f.) + dessen, der nicht gegeben hat (Gen.Sg.Part.), sandhi bhīmā+adaduṣaḥ
Ob geopfert oder ungeopfert – wer die Kuh daheim für sich selbst kocht, der verfehlt, den Göttern samt den Brahmanen zuwiderhandelnd, abtrünnig, die himmlischen Welten.