pumān puṃso 'dhi tiṣṭha carmehi tatra hvayasva yatamā priyā te yāvantāv agre prathamaṃ sameyathus tad vāṃ vayo yamarājye samānam
Der Mann trete an die Stelle des (verstorbenen) Mannes, gehe zur Felldecke und rufe dort diejenige herbei, die ihm lieb ist. Welches Alter ihr beide hattet, als ihr am Anfang zum ersten Mal zusammenkamt, dasselbe Alter sei euch beiden im Reich des Yama. [Anm.: Die genaue Bedeutung der Wendung „pumān puṃso 'dhi tiṣṭha“ („der Mann trete auf/über den [anderen] Mann“) ist unsicher, gemeint ist wohl die rituelle Nachfolge im Witwenlevirat.]
So groß sei euer Augenlicht, so groß eure Manneskräfte, so groß eure Glutkraft, so vielfältig eure Siegesmacht. Agni begleitet den Leib, solange er ihn mit Brennstoff nährt; und wenn er dann gar ist, werdet ihr beide als Paar vereint. [Anm.: Bezug von „śarīram" hier unklar.]
sam asmiṃl loke sam u devayāne saṃ smā sametaṃ yamarājyeṣu pūtau pavitrair upa tad dhvayethāṃ yadyad reto adhi vāṃ saṃbabhūva
Vereint euch in dieser Welt, vereint euch auf dem Pfad der Götter, vereint euch fürwahr in den Reichen des Yama. Gereinigt durch die Läuterungssiebe, ruft danach, was auch immer an Samen euch beiden zuteilgeworden ist.
Ihr Wasser, gleich Söhnen, tretet zu diesem Lebenden herein, als vom Leben Beschenkte; kommt zusammen und nehmt teil an dem, was man Unsterblichkeit nennt – an dem Brei, den die Erzeugerin für euch beide kocht.
yaṃ vāṃ pitā pacati yaṃ ca mātā riprān nirmuktyai śamalāc ca vācaḥ sa odanaḥ śatadhāraḥ svarga ubhe vy āpa nabhasī mahitvā
Den Brei, den für euch beide der Vater kocht, und den die Mutter kocht, zur Befreiung von Unreinheit und vom Makel böser Rede – dieser hundertströmige Brei hat in seiner Größe beide Himmelsräume im Gewölbe des Himmels durchdrungen.
ubhe nabhasī ubhayāṃś ca lokān ye yajvanām abhijitāḥ svargāḥ teṣāṃ jyotiṣmān madhumān yo agre tasmin putrair jarasi saṃ śrayethām
Beide Himmelsräume und beide Arten von Welten, die den Opfernden als Himmelswelten erobert sind – in jene von ihnen, die lichtvoll und honigreich als die vorderste gilt, sollt ihr euch mit euren Söhnen im hohen Alter gemeinsam begeben.
Ergreift Zug um Zug die östliche Richtung; dieser Welt schließen sich die Gläubigen an. Was auch immer von eurem gegarten Brei rings um das Feuer dargereicht wurde, dessen Hut wegen begebt euch, ihr Eheleute, gemeinsam dorthin.
Ihr beide, euch der südlichen Richtung nähernd, wendet euch um zu diesem Gefäß; darin möge euch Yama, im Einvernehmen mit den Vätern, für den gegarten Brei reichlichen Schutz gewähren.
pratīcī diśām iyam id varaṃ yasyāṃ somo adhipā mṛḍitā ca tasyāṃ śrayethāṃ sukṛtaḥ sacethām adhā pakvān mithunā saṃ bhavāthaḥ
Diese westliche Richtung ist die beste unter den Richtungen, in der Soma Herr und gnädiger Beschützer ist; in ihr sollt ihr euch niederlassen, mit den Rechtschaffenen euch verbinden, und dann, wenn der Brei gegart ist, als Paar vereint sein.
uttaraṃ rāṣṭraṃ prajayottarāvad diśām udīcī kṛṇavan no agram pāṅktaṃ chandaḥ puruṣo babhūva viśvair viśvāṅgaiḥ saha saṃ bhavema ||10|| {13}
Das nördliche Reich sei durch Nachkommenschaft überlegen; die nördliche der Richtungen mache uns zur Spitze. Der Mensch ist zum fünfteiligen Versmaß geworden; mit allen unseren Gliedern insgesamt mögen wir vereint sein.
Wort für Wort
uttaraṃ
das nördliche (Akk.)
rāṣṭraṃ
Reich (Akk.)
prajayottarāvad
durch Nachkommenschaft überlegen (Instr.+Akk., Kompositum)
Dieser festen Herrscherin, der Erde, sei Verehrung; sie sei den Söhnen und auch mir heilvoll. Du, Göttin Aditi, du Allbegehrte, schütze wie ein sorgender Hirte unseren gegarten Brei.
piteva putrān abhi saṃ svajasva naḥ śivā no vātā iha vāntu bhūmau yam odanaṃ pacato devate iha taṃ nas tapa uta satyaṃ ca vettu
Wie ein Vater die Söhne, so umarme uns; heilvolle Winde mögen uns hier auf der Erde wehen. Den Brei, den die beiden Gottheiten hier kochen, den mögen Glut und Wahrheit als den unseren erkennen.
yadyad kṛṣṇaḥ śakuna eha gatvā tsaran viṣaktaṃ bila āsasāda yad vā dāsy ārdrahastā samaṅkta ulūkhalaṃ musalaṃ śumbhatāpaḥ
Was auch immer der schwarze Vogel, hierher gekommen und schleichend, im Loch haftend vorfand, oder was die Dienerin mit feuchter Hand berührte – Mörser und Stößel mögen davon, durch die Wasser gereinigt, geschmückt sein. [Anm.: Der Sinn dieses Verses ist insgesamt sehr unsicher; die Einzelbezüge bleiben dunkel.]
Wort für Wort
yadyad
was auch immer (Nom.)
kṛṣṇaḥ
der schwarze (Nom.)
śakuna
Vogel (Nom.)
eha
hierher (Adv.)
gatvā
gekommen (Gerundium)
tsaran
schleichend (Nom.Sg.Part.)
viṣaktaṃ
haftend (Akk.)
bila
im Loch (Lok.)
āsasāda
vorfand (3Sg.Perf.)
yad
was
vā
oder
dāsy
die Dienerin (Nom.)
ārdrahastā
mit feuchter Hand (Nom.)
samaṅkta
berührte (3Sg.Impf.)
ulūkhalaṃ
den Mörser (Akk.)
musalaṃ
den Stößel (Akk.)
śumbhatāpaḥ
śumbhatām 'mögen geschmückt sein' (3Pl.Imp.) + āpaḥ 'die Wasser' (Nom.Pl.) → mögen geschmückt sein, die Wasser (sandhi śumbhatām+āpaḥ)
Dieser breitgründige, kraftspendende Preßstein, gereinigt durch die Läuterungssiebe, vertreibe die bösen Geister. Steig auf das Fell, gewähre großen Schutz; nicht sollen die Eheleute Unheil auf ihre Enkel bringen.
vanaspatiḥ saha devair na āgan rakṣaḥ piśācāṃ apabādhamānaḥ sa uc chrayātai pra vadāti vācaṃ tena lokāṃ abhi sarvān jayema
Der Baumherr ist mit den Göttern zu uns gekommen, die bösen Geister und Dämonen vertreibend. Er möge sich erheben und seine Stimme erklingen lassen; mit ihm mögen wir alle Welten erobern.
Wort für Wort
vanaspatiḥ
der Baumherr (Nom.)
saha
zusammen (Adv.)
devair
mit den Göttern (Instr.Pl.)
na
uns (Akk.)
āgan
ist gekommen (3Sg.Perf.)
rakṣaḥ
die bösen Geister (Akk.)
piśācāṃ
die Dämonen (Akk.Pl.)
apabādhamānaḥ
vertreibend (Nom.Sg.Part.)
sa
er (Nom.)
uc
empor (Präverb, sandhi ud vor ch)
chrayātai
möge sich erheben (3Sg.Aor.Inj.Med., ucchrayātai = ud+śrayātai)
sapta medhān paśavaḥ pary agṛhṇan ya eṣāṃ jyotiṣmāṃ uta yaś cakarśa trayastriṃśad devatās tānt sacante sa naḥ svargam abhi neṣa lokam
Die Opfertiere umfingen die sieben Opfergaben; welches von ihnen lichtvoll ist und welches abgemagert – dreiunddreißig Gottheiten begleiten sie; er möge uns zur Himmelswelt führen. [Anm.: Der Bezug von „sapta medhān paśavaḥ pary agṛhṇan“ bleibt unklar.]
svargaṃ lokam abhi no nayāsi saṃ jāyayā saha putraiḥ syāma gṛhṇāmi hastam anu maitv atra mā nas tārīn nirṛtir mo arātiḥ
Zur Himmelswelt sollst du uns führen; mit der Gattin und den Söhnen mögen wir vereint sein. Ich ergreife deine Hand; sie folge mir hierher; nicht soll uns hier das Verderben überwältigen, noch die Mißgunst.
grāhiṃ pāpmānam ati tāṃ ayāma tamo vy asya pra vadāsi valgu vānaspatya udyato mā jihiṃsīr mā taṇḍulaṃ vi śarīr devayantam
Das Übel, den Krankheitsdämon, lassen wir hinter uns; die Finsternis vertreibe von hier; sprich Freundliches. Du vom Baum Stammender, erhoben, schade mir nicht; zerstreue nicht das gottgeneigte Reiskorn. [Anm.: Die rituelle Anrede in diesem Vers (an ein hölzernes Gerät?) bleibt unklar.]
viśvavyacā ghṛtapṛṣṭho bhaviṣyant sayonir lokam upa yāhy etam varṣavṛddham upa yacha śūrpaṃ tuṣaṃ palāvān apa tad vinaktu
Allumfassend, mit schmalzglänzendem Rücken, künftig entstehend, aus gleichem Schoß, geh zu dieser Welt hin. Reiche die vom Regen gewachsene Frucht dar; die Schwinge möge Spreu und Hülsen davon trennen.
Drei Welten sind durch das heilige Wort bemessen: jener Himmel dort, die Erde, der Luftraum. Ergreift die Halme und haltet euch an ihnen fest; sie sollen anschwellen und wieder in die Schwinge zurückkehren.
Wort für Wort
trayo
drei (Nom.)
lokāḥ
Welten (Nom.Pl.)
saṃmitā
bemessen (Nom.Pl.)
brāhmaṇena
durch das heilige Wort (Instr.)
dyaur
der Himmel (Nom.)
evāsau
eben jener dort (Partikel+Nom., sandhi eva+asau)
pṛthivy
die Erde (Nom.)
antarikṣam
der Luftraum (Nom.)
aṃśūn
die Halme (Akk.Pl.)
gṛbhītvānvārabhethām
nachdem ergriffen, haltet euch an ihnen fest (Gerundium+2Dual.Imp., sandhi gṛbhītvā+anvārabhethām)
Vielfältig getrennt sind die Gestalten der Tiere; du wirst durch das Gedeihen zu einer einzigen Gestalt. Diese rötliche Haut da, stoße sie fort; der Preßstein reinige sie, wie ein Wäscher die Kleider schmückt. [Anm.: Die Bedeutung von „malaga" ist unsicher.]
pṛthivīṃ tvā pṛthivyām ā veśayāmi tanūḥ samānī vikṛtā ta eṣā yadyad dyuttaṃ likhitam arpaṇena tena mā susror brahmaṇāpi tad vapāmi
Dich, die Erdhafte, lasse ich in die Erde eingehen; dein Leib ist derselbe und doch verändert. Was auch immer eingeritzt und mit dem Griffel gezeichnet wurde – dadurch soll nichts verlorengehen; auch das besäe ich mit dem heiligen Wort. [Anm.: Die Einzelheiten dieses Verses („dyuttaṃ likhitam arpaṇena") bleiben unsicher.]
Wort für Wort
pṛthivīṃ
die Erdhafte (Akk.)
tvā
dich (Akk.)
pṛthivyām
in die Erde (Akk./Lok.)
ā
hin (Präverb)
veśayāmi
lasse eingehen (1Sg.Präs.)
tanūḥ
Leib (Nom.)
samānī
derselbe (Nom.)
vikṛtā
verändert (Nom.)
ta
dein (Gen., enkl.)
eṣā
dieser (Nom.)
yadyad
was auch immer (Nom.)
dyuttaṃ
eingeritzt (Nom.)
likhitam
gezeichnet (Nom.)
arpaṇena
mit dem Griffel (Instr.)
tena
dadurch (Instr.)
mā
nicht (Proh.)
susror
soll verlorengehen (Aor.Inj.)
brahmaṇāpi
mit dem heiligen Wort, auch (Instr.+Adv., sandhi brahmaṇā+api)
Wie eine Mutter ihren Sohn, so nimmst auch du ihn liebevoll an; ich vereine dich, die Erdhafte, mit der Erde. Kochtopf und Krug sollen auf dem Opferplatz nicht wanken, reichlich versehen mit den Opfergeräten und mit Schmalz.
Wort für Wort
janitrīva
wie eine Mutter (Nom.f.)
prati
liebevoll (Adv.)
haryāsi
annimmst du (2Sg.Präs.)
sūnuṃ
ihren Sohn (Akk.)
saṃ
zusammen (Präverb)
tvā
dich (Akk.)
dadhāmi
vereine ich, setze (1Sg.Präs., saṃ+dadhāmi)
pṛthivīṃ
die Erdhafte (Akk.)
pṛthivyā
mit der Erde (Instr.)
ukhā
der Kochtopf (Nom.)
kumbhī
und der Krug (Nom.)
vedyāṃ
auf dem Opferplatz (Lok.)
mā
nicht (Proh.)
vyathiṣṭhā
sollen wanken (3Dual.Aor.Inj.)
yajñāyudhair
mit den Opfergeräten (Instr.Pl.)
ājyenātiṣaktā
mit Schmalz - reichlich versehen (Instr.+Nom.Dual, sandhi ājyena+atiṣaktā)
Agni möge dich, während er dich kocht, von Osten her schützen; Indra mit den Marut schütze von Süden; Varuṇa möge dich im Fundament festigen, von Westen her; Soma möge dich von Norden her vereinen.
pūtāḥ pavitraiḥ pavante abhrād divaṃ ca yanti pṛthivīṃ ca lokān tā jīvalā jīvadhanyāḥ pratiṣṭhāḥ pātra āsiktāḥ pary agnir indhām
Gereinigt durch die Läuterungssiebe, läutern sie sich aus der Wolke; sie gehen zum Himmel, zur Erde und zu den anderen Welten. Sie, lebendig und mit Leben beschenkt, feste Stützen, ins Gefäß gegossen – Agni möge sie ringsum entzünden.
ā yanti divaḥ pṛthivīṃ sacante bhūmyāḥ sacante adhy antarikṣam śuddhāḥ satīs tā u śumbhanta eva tā naḥ svargam abhi lokaṃ nayantu
Sie kommen vom Himmel her, verbinden sich mit der Erde, verbinden sich, von der Erde her, mit dem Luftraum. Rein, wie sie sind, schmücken sie sich noch dazu; sie mögen uns zur Himmelswelt führen.
Bald mächtig, bald genau bemessen, bald hell, rein und unsterblich – kocht, ihr angeleiteten Wasser, für das Ehepaar den Brei, hilfsbereit und wohlbehütet!
Gezählt sind die Tropfen, die sich mit der Erde verbinden, gemessen mit Ein- und Ausatem, mit den Pflanzen. Ungezählt, sich einsäend, schöngefärbt, haben die Reinen alles mit Reinheit durchdrungen.
ud yodhanty abhi valganti taptāḥ phenam asyanti bahulāṃś ca bindūn yoṣeva dṛṣṭvā patim ṛtviyāyaitais taṇḍulair bhavatā sam āpaḥ
Sie wallen empor, hüpfen, erhitzt, werfen Schaum aus und viele Tropfen – wie eine Frau, die vor Freude aufwallt, wenn sie ihren zur rechten Zeit gekommenen Gatten erblickt. Mit diesen Reiskörnern, ihr Wasser, vereinigt euch.
Richte sie auf, die sich am Boden niedersetzen; mit den Wassern sollen sie sich selbst berühren. Zur Stelle ist mit den Gefäßen dieses Wasser hier; nach diesen Richtungen sind die Reiskörner bemessen. [Anm.: „amāsi" hier unsicher übersetzt.]
pra yacha parśuṃ tvarayā harausam ahiṃsanta oṣadhīr dāntu parvan vāsāṃ somaḥ pari rājyaṃ babhūvāmanyutā no vīrudho bhavantu
Reiche eilends die Sichel dar; ohne zu schädigen mögen sie die Pflanzen am Gelenk abschneiden. Soma ist ringsum zum Königreich geworden; frei von Zorn mögen uns die Pflanzen sein. [Anm.: Der Vers enthält mehrere unsichere bzw. wohl verderbte Wortformen („harausam", „vāsāṃ … babhūva"); die Übersetzung ist nur behelfsmäßig.]
Streut frisches Barhis-Gras für den Brei aus; lieb dem Herzen und schön für das Auge soll es sein. Darauf mögen die Götter samt den Göttinnen eintreten; sie mögen sich niedersetzen und diesen Brei den Jahreszeiten gemäß verzehren.
Baumherr, setz dich auf das ausgebreitete Barhis, bemessen mit Feuerliedern durch die Gottheiten. Wie Tvaṣṭṛ mit dem Beil eine wohlgeformte Gestalt schafft, so sollen sie, hierher gekommen, rings um das Gefäß sichtbar werden. [Anm.: „agniṣṭobhaiḥ“ meint hier wohl „mit Feuer-Lobgesängen (Agnistobha)“, nicht den gleichnamigen Opferritus Agniṣṭoma.]
Im sechzigsten Herbst möge der Schatzhüter nach ihm verlangen; mit dem Gegarten möge er den Himmel erlangen. Zu ihm mögen die lebenden Väter und Söhne kommen; sie mögen ihn diese Himmelswelt jenseits von Agni erreichen lassen.
dhartā dhriyasva dharuṇe pṛthivyā acyutaṃ tvā devatāś cyāvayantu taṃ tvā daṃpatī jīvantau jīvaputrāv ud vāsayātaḥ pary agnidhānāt
Halte dich, du Träger, im Fundament der Erde; dich, den Unerschütterten, sollen dennoch die Gottheiten bewegen. Dich mögen die beiden Eheleute, lebend, mit lebenden Söhnen, aus der Feuerstätte heraus in eine neue Wohnung übersiedeln lassen.
sarvānt samāgā abhijitya lokān yāvantaḥ kāmāḥ sam atītṛpas tān vi gāhethām āyavanaṃ ca darvir ekasmin pātre adhy ud dharainam
Nachdem du alle Welten gemeinsam erreicht und erobert hast, tauche ein in alle Wünsche, an denen du dich sattgetrunken hast. Aus dem Gefäß und mit der Kelle – hebe ihn aus einem einzigen Gefäß heraus.
Wort für Wort
sarvānt
alle (Akk.Pl.)
samāgā
zusammen (Adv.)
abhijitya
nachdem erobert (Gerundium)
lokān
die Welten (Akk.Pl.)
yāvantaḥ
so viele (Nom.Pl., Korrelativ)
kāmāḥ
Wünsche (Nom.Pl.)
sam
zusammen (Präverb)
atītṛpas
du hast dich sattgetrunken (2Sg.Perf., sam+atītṛpaḥ)
Bereite die Unterlage, breite sie im Osten aus; besprenge dieses Gefäß mit Schmalz. Wie eine muhende Kuh milchgierig nach ihrem jungen Kalb verlangt, so sollt ihr Götter dazu das Hin-Rufen anstimmen.
Wort für Wort
upa
hin (Präverb)
stṛṇīhi
bereite die Unterlage (2Sg.Imp.)
prathaya
breite aus (2Sg.Imp.)
purastād
im Osten (Adv.)
ghṛtena
mit Schmalz (Instr.)
pātram
das Gefäß (Akk.)
abhi
hin (Präverb)
ghārayaitat
besprenge (2Sg.Imp.) + dieses (Akk., sandhi ghāraya+etat)
vāśrevosrā
vāśrā 'muhend' + iva 'wie' + usrā 'Kuh' → wie eine muhende Kuh (Nom.f., sandhi vāśrā+iva+usrā)
taruṇaṃ
das Junge, jung (Akk.)
stanasyum
stana 'Brust' + syu (Desiderativsuffix, 'verlangend') → milchgierig, nach der Brust verlangend (Akk.)
imaṃ
diesen (Akk.)
devāso
o Götter (Vok.Pl.)
abhihiṅkṛṇota
abhi 'hin' + hiṅ (Lautmalerei) + kṛṇota 'macht' (2Pl.Imp.) → das Hin-Rufen stimmt an
Als Unterstreu hast du diese Welt geschaffen; sie möge sich weit ausdehnen, unvergleichlich, himmlisch. Darauf möge sich der mächtige, schöngeflügelte Vogel niederlassen; die Götter mögen ihn den anderen Gottheiten darreichen.
yadyaj jāyā pacati tvat paraḥparaḥ patir vā jāye tvat tiraḥ saṃ tat sṛjethāṃ saha vāṃ tad astu saṃpādayantau saha lokam ekam
Was auch immer die Gattin, ohne dich, für sich allein kocht, oder der Gatte, o Gattin, dir verborgen kocht – das sollt ihr beide vereinen; gemeinsam soll es euch gehören, indem ihr es gemeinsam zu einer einzigen Welt vollbringt. [Anm.: „paraḥparaḥ" hier unsicher wiedergegeben.]
yāvanto asyāḥ pṛthivīṃ sacante asmat putrāḥ pari ye saṃbabhūvuḥ sarvāṃs tāṃ upa pātre hvayethāṃ nābhiṃ jānānāḥ śiśavaḥ samāyān ||40|| {16}
Wie viele Söhne von uns es auch sind, die sich ringsum mit dieser Erde verbunden haben und aus ihr entstanden sind – ruft sie alle zum Gefäß herbei; ihren Ursprung erkennend, sollen die Kinder zusammenkommen.
vasor yā dhārā madhunā prapīnā ghṛtena miśrā amṛtasya nābhayaḥ sarvās tā ava rundhe svargaḥ ṣaṣṭyāṃ śaratsu nidhipā abhīchāt
Der Strom des Guts, von Honig geschwellt, mit Schmalz vermischt – die Nabel der Unsterblichkeit: alle diese Ströme gewinne ich, der Himmel, für mich; im sechzigsten Herbst möge der Schatzhüter danach verlangen.
nidhiṃ nidhipā abhy enam ichād anīśvarā abhitaḥ santu ye 'nye asmābhir datto nihitaḥ svargas tribhiḥ kāṇḍais trīnt svargān arukṣat
Den Schatz möge der Schatzhüter für sich begehren; machtlos sollen ringsum alle anderen sein. Von uns gegeben und niedergelegt ist der Himmel; mit den drei Abschnitten hat er die drei Himmel erklommen.
agnī rakṣas tapatu yad videvaṃ kravyād piśāca iha mā pra pāsta nudāma enam apa rudhmo asmad ādityā enam aṅgirasaḥ sacantām
Agni versenge den bösen Geist, was auch immer gottlos ist; der leichenfressende Dämon soll uns hier nicht verschlingen. Wir stoßen ihn hinweg, wir halten ihn von uns fern; die Ādityas und die Aṅgiras sollen ihm nachsetzen.
Den Ādityas, den Aṅgiras kündige ich diesen mit Schmalz vermischten Honigseim an. Mit reinen Händen, ohne dem Brahmanen zu schaden, mögen die beiden Rechtschaffenen zu diesem Himmel gelangen.
Wort für Wort
ādityebhyo
den Ādityas (Dat.Pl.)
aṅgirobhyo
den Aṅgiras (Dat.Pl.)
madhv
den Honigseim (Akk.)
idaṃ
diesen (Akk.)
ghṛtena
mit Schmalz (Instr.)
miśraṃ
vermischten (Akk.)
prati
hin (Präverb)
vedayāmi
kündige ich an (1Sg.Präs.)
śuddhahastau
mit reinen Händen (Nom.Dual)
brāhmaṇasyānihatyaitaṃ
des Brahmanen, ohne zu schaden, diesen (Gen.+Gerundium+Akk., Kompositum)
idaṃ prāpam uttamaṃ kāṇḍam asya yasmāl lokāt parameṣṭhī samāpa ā siñca sarpir ghṛtavat sam aṅgdhy eṣa bhāgo aṅgiraso no atra
Dies habe ich erreicht, den obersten Abschnitt davon, von welcher Welt aus Parameṣṭhin ihn erreicht hat. Gieße Schmalz hinein, salbe es mit Butterschmalz; dies ist hier unser Anteil der Aṅgiras.
satyāya ca tapase devatābhyo nidhiṃ śevadhiṃ pari dadma etam mā no dyūte 'va gān mā samityāṃ mā smānyasmā ut sṛjatā purā mat
Der Wahrheit und der Askese, den Gottheiten übergeben wir diesen Schatz, dieses Kleinod. Er soll uns nicht beim Würfelspiel abhandenkommen, nicht in der Versammlung; nicht sollt ihr ihn vor mir einem anderen als mir überlassen.
ahaṃ pacāmy ahaṃ dadāmi mamed u karman karuṇe 'dhi jāyā kaumāro loko ajaniṣṭa putro 'nvārabhethāṃ vaya uttarāvat
Ich koche, ich gebe; mein ist das Werk, mir obliegt das Tun. Die Gattin hat geboren; die Welt der Jugend ist entstanden; man halte sich an den Sohn, auf daß das Alter weiterhin überlegen sei. [Anm.: Der Satzbau von „karuṇe 'dhi jāyā“ ist unsicher.]
na kilbiṣam atra nādhāro asti na yan mitraiḥ samamamāna eti anūnaṃ pātraṃ nihitaṃ na etat paktāraṃ pakvaḥ punar ā viśāti
Hier gibt es keine Schuld, keine Bedrängnis, kein Übel, das einer im Wettstreit mit Freunden begeht. Vollständig ist dieses hier niedergelegte Gefäß; der Gegarte kehrt zum Kochenden zurück. [Anm.: Die Partikel „na“ in „nihitaṃ na etat“ ist schwer einzuordnen; die Übersetzung folgt der wahrscheinlichsten Deutung.]
priyaṃ priyāṇāṃ kṛṇavāma tamas te yantu yatame dviṣanti dhenur anaḍvān vayovaya āyad eva pauruṣeyam apa mṛtyuṃ nudantu
Das Liebste der lieben Dinge wollen wir bereiten; die Finsternis soll zu denen gehen, die uns hassen. Milchkuh und Zugstier, Kraft um Kraft, so wie sie im Menschen erscheint – sie sollen den Tod von uns vertreiben.
sam agnayaḥ vidur anyo anyaṃ ya oṣadhīḥ sacate yaś ca sindhūn yāvanto devā divy ātapanti hiraṇyaṃ jyotiḥ pacato babhūva ||50|| {17}
Die Feuer kennen sich gegenseitig, eines das andere – das eine, das sich mit den Pflanzen verbindet, das andere mit den Strömen. So viele Götter am Himmel glühen – golden ist das Licht des Kochenden geworden.
eṣā tvacāṃ puruṣe saṃ babhūvānagnāḥ sarve paśavo ye anye kṣatreṇātmānaṃ pari dhāpayātho 'motaṃ vāso mukham odanasya
Diese Haut ist im Menschen entstanden; feuerlos sind alle anderen Tiere. Mit der Herrenmacht sollt ihr euch selbst umkleiden; ein ungewobenes Gewand ist der obere Rand des Breis.
Wort für Wort
eṣā
diese (Nom.)
tvacāṃ
Haut (Nom.)
puruṣe
im Menschen (Lok.)
saṃ
zusammen (Präverb)
babhūvānagnāḥ
ist entstanden, feuerlos (3Sg.Perf.+Nom.Pl., Kompositum)
sarve
alle (Nom.Pl.)
paśavo
die Tiere (Nom.Pl.)
ye
die (Nom.Pl.Rel.)
anye
andere (Nom.Pl.)
kṣatreṇātmānaṃ
mit der Herrenmacht, euch selbst (Instr.+Akk., Kompositum)
yad akṣeṣu vadā yat samityāṃ yad vā vadā anṛtaṃ vittakāmyā samānaṃ tantum abhi samvasānau tasmint sarvaṃ śamalaṃ sādayāthaḥ
Was du beim Würfelspiel sprachst, was in der Versammlung, oder was du aus Gier nach Gewinn Unwahres sprachst – indem ihr beide euch in denselben Faden der Gemeinsamkeit hüllt, legt darin allen Makel nieder.
varṣaṃ vanuṣvāpi gacha devāṃs tvaco dhūmaṃ pary ut pātayāsi viśvavyacā ghṛtapṛṣṭho bhaviṣyant sayonir lokam upa yāhy etam
Erlange den Regen, geh zu den Göttern hinüber; du läßt den Rauch von der Haut ringsum aufsteigen. Allumfassend, mit schmalzglänzendem Rücken, künftig entstehend, aus gleichem Schoße stammend, geh zu dieser Welt hin.
tanvaṃ svargo bahudhā vi cakre yathā vida ātmann anyavarṇām apājait kṛṣṇāṃ ruśatīṃ punāno yā lohinī tāṃ te agnau juhomi
Der Himmel hat den Leib vielfach gestaltet, so wie er ihn in sich selbst als andersfarbig erkannte; er trieb das Schwarze fort, indem er das Weiße läuterte. Was rötlich daran war, das opfere ich dir im Feuer.
prācyai tvā diśe 'gnaye 'dhipataye 'sitāya rakṣitra ādityāyeṣumate etaṃ pari dadmas taṃ no gopāyatāsmākam aitoḥ diṣṭaṃ no atra jarase ni neṣaj jarā mṛtyave pari ṇo dadātv atha pakvena saha saṃ bhavema
Dich übergeben wir der östlichen Richtung, Agni als Gebieter, dem Schwarzen als Beschützer, dem pfeilbewehrten Āditya. Diesen Brei übergeben wir; behütet ihn für uns, auf daß er zu uns gelange. Was uns hier zum Altern bestimmt ist, das führe uns hinein; das Alter möge uns dem Tod übergeben, und so mögen wir mit dem Gegarten vereint sein.
dakṣiṇāyai tvā diśa indrāyādhipataye tiraścirājaye rakṣitre yamāyeṣumate etaṃ pari dadmas taṃ no gopāyatāsmākam aitoḥ diṣṭaṃ no atra jarase ni neṣaj jarā mṛtyave pari ṇo dadātv atha pakvena saha saṃ bhavema
Dich übergeben wir der südlichen Richtung, Indra als Gebieter, dem Quergestreiften als Beschützer, Yama, dem pfeilbewehrten. [Anm.: „tiraścirāji“ bezeichnet wörtlich ein quergestreiftes Wesen (wohl eine Schlange), nicht ein „strahlendes“.]
pratīcyai tvā diśe varuṇāyādhipataye pṛdākave rakṣitre 'nnāyeṣumate etaṃ pari dadmas taṃ no gopāyatāsmākam aitoḥ diṣṭaṃ no atra jarase ni neṣaj jarā mṛtyave pari ṇo dadātv atha pakvena saha saṃ bhavema
Dich übergeben wir der westlichen Richtung, Varuṇa als Gebieter, der Giftschlange als Beschützerin, der pfeilbewehrten Speise. Diesen Brei übergeben wir; behütet ihn für uns, auf daß er zu uns gelange. Was uns hier zum Altern bestimmt ist, das führe uns hinein; das Alter möge uns dem Tod übergeben, und so mögen wir mit dem Gegarten vereint sein.
udīcyai tvā diśe somāyādhipataye svajāya rakṣitre 'śanyā iṣumatyai etaṃ pari dadmas taṃ no gopāyatāsmākam aitoḥ diṣṭaṃ no atra jarase ni neṣaj jarā mṛtyave pari ṇo dadātv atha pakvena saha saṃ bhavema
Dich übergeben wir der nördlichen Richtung, Soma als Gebieter, dem Selbstentstandenen als Beschützer, dem pfeilbewehrten Blitz. Diesen Brei übergeben wir; behütet ihn für uns, auf daß er zu uns gelange. Was uns hier zum Altern bestimmt ist, das führe uns hinein; das Alter möge uns dem Tod übergeben, und so mögen wir mit dem Gegarten vereint sein.
dhruvāyai tvā diśe viṣṇave 'dhipataye kalmāṣagrīvāya rakṣitra oṣadhībhya iṣumatībhyaḥ etaṃ pari dadmas taṃ no gopāyatāsmākam aitoḥ diṣṭaṃ no atra jarase ni neṣaj jarā mṛtyave pari ṇo dadātv atha pakvena saha saṃ bhavema
Dich übergeben wir der festen, unteren Richtung, Viṣṇu als Gebieter, dem Fleckenhalsigen als Beschützer, den pfeilbewehrten Heilpflanzen. Diesen Brei übergeben wir; behütet ihn für uns, auf daß er zu uns gelange. Was uns hier zum Altern bestimmt ist, das führe uns hinein; das Alter möge uns dem Tod übergeben, und so mögen wir mit dem Gegarten vereint sein.
ūrdhvāyai tvā diśe bṛhaspataye 'dhipataye śvitrāya rakṣitre varṣāyeṣumate etaṃ pari dadmas taṃ no gopāyatāsmākam aitoḥ diṣṭaṃ no atra jarase ni neṣaj jarā mṛtyave pari ṇo dadātv atha pakvena saha saṃ bhavema ||60|| {18}
Dich übergeben wir der oberen Richtung, Bṛhaspati als Gebieter, dem Weißlichen als Beschützer, dem pfeilbewehrten Regen. Diesen Brei übergeben wir; behütet ihn für uns, auf daß er zu uns gelange. Was uns hier zum Altern bestimmt ist, das führe uns hinein; das Alter möge uns dem Tod übergeben, und so mögen wir mit dem Gegarten vereint sein.