Quellen der Menschheit

Atharvaveda-Saṃhitā · Kāṇḍa 18

Sūkta 1

o cit sakhāyaṃ sakhyā vavṛtyāṃ tiraḥ puru cid arṇavaṃ jaganvān pitur napātam ā dadhīta vedhā adhi kṣami prataraṃ dīdhyānaḥ

Ich möchte fürwahr den Freund durch Freundschaft zu mir wenden, der auch die weite Flut überschritten hat. Der Ordner möge den Enkel des Vaters einsetzen, der auf der Erde weithin sinnt. [Anm.: Dieser Vers gilt seit alters als besonders dunkel; die Übersetzung folgt der wahrscheinlichsten grammatischen Deutung, ohne dass der genaue Sinn gesichert ist.]

Wort für Wort
o
fürwahr (Partikel)
cit
fürwahr (Partikel)
sakhāyaṃ
den Freund (Akk.)
sakhyā
durch Freundschaft (Instr.)
vavṛtyāṃ
ich möchte wenden (Optativ-Perf. 1.Sg.)
tiraḥ
durch (Präp.)
puru
viel, weit (Adj.)
cid
fürwahr (Partikel)
arṇavaṃ
die Flut (Akk.)
jaganvān
überschritten habend (Part.Perf.Akt. Nom.)
pitur
des Vaters (Gen.)
napātam
den Enkel, Sohn (Akk.)
ā
herbei (Präverb)
dadhīta
möge einsetzen (Optativ Med. 3.Sg.) [Gesamtdeutung des Verses seit alters unsicher, s. Anm.]
vedhā
der Ordner (Nom.)
adhi
auf (Präp.)
kṣami
auf der Erde (Lok.)
prataraṃ
weithin (Adv.)
dīdhyānaḥ
sinnend (Part.Perf.Med. Nom.)

na te sakhā sakhyaṃ vaṣṭy etat salakṣmā yad viṣurūpā bhavati mahas putrāso asurasya vīrā divo dhartāra urviyā pari khyan

Dieser Freund will diese Art Freundschaft nicht, wenn die Gleichgeartete verschiedene Gestalt annimmt [Anm.: Anspielung auf die von Yamī begehrte Geschwisterehe mit Yama]. Die Söhne des großen Asura, die Helden, die Stützen des Himmels, blicken weit umher.

Wort für Wort
na
nicht
te
dein (Gen. enkl.)
sakhā
der Freund (Nom.)
sakhyaṃ
die Freundschaft (Akk.)
vaṣṭy
will (3.Sg.Präs.)
etat
diese (Akk.)
salakṣmā
sa- 'mit-, gleich-' + lakṣmā 'Merkmal, Kennzeichen' → die Gleichgeartete, die vom gleichen Merkmal (Nom.fem.)
yad
wenn (Konj.)
viṣurūpā
viṣu 'verschieden, entgegengesetzt' + rūpā 'Gestalt' → verschiedene Gestalt (Nom.fem.)
bhavati
wird (3.Sg.Präs.)
mahas
des großen (Gen.)
putrāso
die Söhne (Nom.Pl.)
asurasya
des Asura (Gen.)
vīrā
die Helden (Nom.Pl.)
divo
des Himmels (Gen.)
dhartāra
die Stützen (Nom.Pl.)
urviyā
weithin (Adv.)
pari
ringsum (Präverb)
khyan
blicken (3.Pl.Präs./Aor.)

uśanti ghā te amṛtāsa etad ekasya cit tyajasaṃ martyasya ni te mano manasi dhāyy asme janyuḥ patis tanvam ā viviṣyāḥ

Fürwahr, die Unsterblichen wünschen dies: die Fortpflanzung auch nur eines einzigen Sterblichen. Dein Sinn ist in meinem Sinn eingesenkt; als Gatte mögest du meinen Leib besitzen.

Wort für Wort
uśanti
sie wünschen (3.Pl.Präs.)
ghā
fürwahr (Partikel)
te
die (Nom.Pl., 'die Unsterblichen')
amṛtāsa
a- 'un-' + mṛtāsa 'Gestorbene' (Nom.Pl.) → die Unsterblichen (Nom.Pl.)
etad
dies (Akk.)
ekasya
eines einzigen (Gen.)
cit
auch (Partikel)
tyajasaṃ
die Fortpflanzung (Akk.)
martyasya
des Sterblichen (Gen.)
ni
ein- (Präverb)
te
dein (Gen. enkl.)
mano
Sinn (Nom.)
manasi
in meinem Sinn (Lok.)
dhāyy
ist eingesenkt (3.Sg.Aor.Pass.)
asme
bei uns, für mich (Lok./Dat.Pl.)
janyuḥ
als Gatte (Nom.)
patis
Gatte (Nom.)
tanvam
Leib (Akk.)
ā
herbei (Präverb)
viviṣyāḥ
mögest du besitzen (Optativ-Perf. 2.Sg.)

na yat purā cakṛmā kad dha nūnam ṛtaṃ vadanto anṛtaṃ rapema gandharvo apsv apyā ca yoṣā sā nau nābhiḥ paramaṃ jāmi tan nau

Was wir früher nicht getan haben - was sollen wir nun tun? Sollen wir, die wir die Wahrheit reden, Unwahres schwatzen? Der Gandharva ist in den Gewässern, und die Wassernymphe - das ist unser gemeinsamer Ursprung, das ist unsere engste Verwandtschaft.

Wort für Wort
na
nicht
yat
was (Rel.)
purā
früher (Adv.)
cakṛmā
wir haben getan (1.Pl.Perf.)
kad
was (Interrog.)
dha
denn, nun (Partikel)
nūnam
jetzt (Adv.)
ṛtaṃ
die Wahrheit (Akk.)
vadanto
redend (Part.Präs. Nom.Pl.)
anṛtaṃ
a- 'un-' + ṛtaṃ 'Wahrheit' → Unwahres (Akk.)
rapema
sollen wir schwatzen (Optativ 1.Pl.)
gandharvo
der Gandharva (Nom.)
apsv
in den Gewässern (Lok.Pl.)
apyā
wasserverwandt (Nom.fem., Adj.)
ca
und
yoṣā
die Nymphe (Nom.)
sā
das, sie (Nom.fem.)
nau
unser (Gen.Du.)
nābhiḥ
Ursprung (Nom.)
paramaṃ
engste, höchste (Nom./Akk.)
jāmi
Verwandtschaft (Nom./Akk.)
tan
das (Nom./Akk.)
nau
unser (Gen.Du.)

garbhe nu nau janitā dampatī kar devas tvaṣṭā savitā viśvarūpaḥ nakir asya pra minanti vratāni veda nāv asya pṛthivī uta dyauḥ

Schon im Mutterleib hat uns der Erzeuger, der Gott Tvaṣṭṛ, der allgestaltige Savitṛ, zu einem Ehepaar gemacht. Niemand übertritt seine Gebote; Erde und Himmel wissen um uns beide von ihm.

Wort für Wort
garbhe
im Mutterleib (Lok.)
nu
schon, nun (Partikel)
nau
uns beide (Akk.Du.)
janitā
der Erzeuger (Nom.)
dampatī
dam- 'Haus' + patī 'Herren, Paar' → Ehepaar, Hausherren (Akk.Du.)
kar
hat gemacht (3.Sg.Aor.Inj.)
devas
der Gott (Nom.)
tvaṣṭā
Tvaṣṭṛ (Nom.)
savitā
Savitṛ (Nom.)
viśvarūpaḥ
viśva 'all-' + rūpaḥ 'gestaltig' → allgestaltig (Nom.)
nakir
na 'nicht' + kir '(irgend)wer' → niemand (Neg.Pron.)
asya
seine (Gen.)
pra
über- (Präverb)
minanti
übertreten (3.Pl.Präs.)
vratāni
die Gebote (Akk.Pl.)
veda
wissen (3.Pl.Perf.)
nāv
uns beide (Akk.Du.)
asya
von ihm (Gen.)
pṛthivī
die Erde (Nom.)
uta
und
dyauḥ
der Himmel (Nom.)

ko adya yuṅkte dhuri gā ṛtasya śimīvato bhāmino durhṛṇāyūn āsanniṣūn hṛtsvaso mayobhūn ya eṣāṃ bhṛtyām ṛṇadhat sa jīvāt

Wer spannt heute die Rinder der Weltordnung ans Joch - die kraftvollen, zornigen, schwer zu bändigenden, die herznahen, wohltuenden? [Anm.: Der Vers ist im Original stark verrätselt; einzelne Beiwörter (u.a. 'āsanniṣūn') lassen sich nicht sicher deuten.] Wer ihren Unterhalt erlangt, der möge leben.

Wort für Wort
ko
wer (Nom.)
adya
heute (Adv.)
yuṅkte
spannt an (3.Sg.Präs.Med.)
dhuri
ans Joch (Lok.)
gā
die Rinder (Akk.Pl.)
ṛtasya
der Weltordnung (Gen.)
śimīvato
die kraftvollen (Akk.Pl.)
bhāmino
die zornigen (Akk.Pl.)
durhṛṇāyūn
dur- 'schwer, schlecht' + hṛṇāyūn 'die Zürnenden, Wilden' → die schwer zu bändigenden (Akk.Pl.) [?]
āsanniṣūn
(unsicher) [?]
hṛtsvaso
hṛt- 'Herz' + svasaḥ 'nahe, zugehörig' → die herznahen (Akk.Pl.) [?]
mayobhūn
mayas 'Wohlsein, Freude' + bhūn 'seiend, werdend' → die wohltuenden, Wohlsein bringenden (Akk.Pl.)
ya
wer (Nom.)
eṣāṃ
von ihnen (Gen.Pl.)
bhṛtyām
den Unterhalt (Akk.)
ṛṇadhat
erlangt (3.Sg.Aor./Präs.)
sa
der (Nom.)
jīvāt
möge leben (Optativ 3.Sg.)

ko asya veda prathamasyāhnaḥ ka īṃ dadarśa ka iha pra vocat bṛhan mitrasya varuṇasya dhāma kad u brava āhano vīcyā nṝn

Wer kennt jenen ersten Tag? Wer hat ihn gesehen? Wer kann hier davon künden? Erhaben ist die Ordnung von Mitra und Varuṇa. Was willst du da den Männern in deiner Rede sagen? [Anm.: Die Anrede 'āhana' und der Sinn der letzten Zeile sind unsicher.]

Wort für Wort
ko
wer (Nom.)
asya
jenes (Gen.)
veda
kennt (3.Sg.Perf.)
prathamasyāhnaḥ
prathamasya 'des ersten' (Gen.) + ahnaḥ 'des Tages' (Gen.) → des ersten Tages (Gen.; Sandhi zweier Wörter, kein echtes Kompositum)
ka
wer (Nom.)
īṃ
ihn (Akk. enkl.)
dadarśa
hat gesehen (3.Sg.Perf.)
ka
wer (Nom.)
iha
hier (Adv.)
pra
(Präverb)
vocat
kann künden (3.Sg.Aor.Inj.)
bṛhan
erhaben (Nom.)
mitrasya
von Mitra (Gen.)
varuṇasya
und Varuṇa (Gen.)
dhāma
die Ordnung, Wohnstatt (Nom.)
kad
was (Akk.)
u
denn (Partikel)
brava
willst du sagen (2.Sg.Präs.)
āhano
o Angesprochener (Vok.) [?] / evtl. Eigenname oder Tabu-Wort für Yama, Bedeutung unsicher
vīcyā
in deiner Rede (Instr.) [?]
nṝn
den Männern (Akk.Pl.)

yamasya mā yamyaṃ kāma āgant samāne yonau sahaśeyyāya jāyeva patye tanvaṃ riricyāṃ vi cid vṛheva rathyeva cakrā

Mich, Yamī, hat Verlangen nach Yama ergriffen, im gemeinsamen Lager mit ihm zu ruhen. Wie eine Gattin dem Gatten möchte ich meinen Leib überlassen - wie man Wagenräder auseinanderreißt. [Anm.: Der abschließende Vergleich ist bildhaft und in seiner genauen Bedeutung unsicher.]

Wort für Wort
yamasya
nach Yama (Gen.)
mā
mich (Akk.)
yamyaṃ
Yamī (Akk., Eigenname)
kāma
das Verlangen (Nom.)
āgant
hat ergriffen (3.Sg.Aor.)
samāne
im gemeinsamen (Lok.)
yonau
Lager (Lok.)
sahaśeyyāya
saha 'zusammen, mit' + śeyyāya 'zum Liegen, Ruhen' (Dat.) → zum Zusammenruhen (Dat.)
jāyeva
jāyā 'Gattin' (Nom.) + iva 'wie' → wie eine Gattin
patye
dem Gatten (Dat.)
tanvaṃ
den Leib (Akk.)
riricyāṃ
möchte ich überlassen (Optativ-Perf. 1.Sg.)
vi
aus- (Präverb)
cid
fürwahr (Partikel)
vṛheva
vṛha '(man) reißt auseinander' (2./3.Sg., generalisierend) + iva 'wie, als ob' → wie man auseinanderreißt [?]
rathyeva
rathyā 'des Wagens gehörig, Wagen-' + iva 'wie' → wie (die Räder) des Wagens [?]
cakrā
die Räder (Akk.Du.)

na tiṣṭhanti na ni miṣanty ete devānāṃ spaśa iha ye caranti anyena mad āhano yāhi tūyaṃ tena vi vṛha rathyeva cakrā

Sie stehen nicht still, sie schließen nicht die Augen - diese Späher der Götter, die hier umhergehen. Geh schnell mit einem anderen als mit mir; mit ihm reiße dein Verlangen auseinander, wie man Wagenräder trennt.

Wort für Wort
na
nicht
tiṣṭhanti
sie stehen still (3.Pl.Präs.)
na
nicht
ni
hinab- (Präverb)
miṣanty
sie schließen die Augen (3.Pl.Präs.)
ete
diese (Nom.Pl.)
devānāṃ
der Götter (Gen.Pl.)
spaśa
Späher (Nom.Pl.)
iha
hier (Adv.)
ye
die (Nom.Pl., Rel.)
caranti
sie gehen umher (3.Pl.Präs.)
anyena
mit einem anderen (Instr.)
mad
als mit mir (Abl.)
āhano
o Angesprochener (Vok.) [?] / evtl. Eigenname oder Tabu-Wort für Yama, Bedeutung unsicher
yāhi
geh! (Imperativ 2.Sg.)
tūyaṃ
schnell (Adv.)
tena
mit ihm (Instr.)
vi
aus- (Präverb)
vṛha
reiße auseinander! (Imperativ 2.Sg.)
rathyeva
rathyā 'des Wagens gehörig, Wagen-' + iva 'wie' → wie (die Räder) des Wagens [?]
cakrā
die Räder (Akk.Du.)

rātrībhir asmā ahabhir daśasyet sūryasya cakṣur muhur un mimīyāt divā pṛthivyā mithunā sabandhū yamīr yamasya vivṛhād ajāmi ||10|| {1}

Mit Nächten und Tagen möge man ihm dienen; das Auge der Sonne möge sich immer wieder erheben. Himmel und Erde, das verwandte Paar - Yamī soll das dem Blutsband Widersprechende von Yama fernhalten.

Wort für Wort
rātrībhir
mit Nächten (Instr.Pl.)
asmā
ihm (Dat.)
ahabhir
mit Tagen (Instr.Pl.)
daśasyet
möge man dienen (Optativ 3.Sg.)
sūryasya
der Sonne (Gen.)
cakṣur
das Auge (Nom.)
muhur
immer wieder (Adv.)
un
auf- (Präverb)
mimīyāt
möge sich erheben (Optativ 3.Sg.)
divā
Himmel (Nom.)
pṛthivyā
und Erde (Nom.fem.)
mithunā
das Paar (Nom.Du.)
sabandhū
sa- 'mit-, zusammen-' + bandhū 'die Verwandten' (Nom.Du.) → die (miteinander) verwandten (Nom.Du.)
yamīr
Yamī (Nom.)
yamasya
von Yama (Gen.)
vivṛhād
soll fernhalten (Optativ/Inj. 3.Sg.)
ajāmi
a- 'nicht, gegen' + jāmi 'Blutsverwandtschaft(sregel)' → das der Verwandtschaftsregel Widersprechende, der Inzest (Akk.)
||10||
(Verszählmarke: 10)
{1}
(Abschnittsmarke 1)

ā ghā tā gachān uttarā yugāni yatra jāmayaḥ kṛṇavann ajāmi upa barbṛhi vṛṣabhāya bāhum anyam ichasva subhage patiṃ mat

Fürwahr, jene späteren Zeitalter werden kommen, in denen Verwandte tun werden, was dem Blutsband widerspricht. Biete deinen Arm einem anderen Stier dar; suche dir, du Holde, einen anderen Gatten als mich.

Wort für Wort
ā
herbei (Präverb)
ghā
fürwahr (Partikel)
tā
jene (Nom.Pl.)
gachān
werden kommen (3.Pl.Konj.)
uttarā
späteren (Nom.Pl.)
yugāni
Zeitalter (Nom.Pl.)
yatra
wo, in denen (Adv.)
jāmayaḥ
die Verwandten (Nom.Pl.)
kṛṇavann
tun werden (3.Pl.Konj.)
ajāmi
a- 'nicht, gegen' + jāmi 'Blutsverwandtschaft(sregel)' → das der Verwandtschaftsregel Widersprechende (Akk.)
upa
hin- (Präverb)
barbṛhi
biete dar! (Imperativ 2.Sg.)
vṛṣabhāya
dem Stier (Dat.)
bāhum
den Arm (Akk.)
anyam
einen anderen (Akk.)
ichasva
suche dir! (Imperativ Med. 2.Sg.)
subhage
du Holde (Vok.)
patiṃ
Gatten (Akk.)
mat
als mich (Abl.)

kiṃ bhrātāsad yad anāthaṃ bhavāti kim u svasā yan nirṛtir nigachāt kāmamūtā bahv etad rapāmi tanvā me tanvaṃ saṃ pipṛgdhi

Wozu wäre ein Bruder da, wenn seine Schwester hilflos würde? Wozu auch eine Schwester, wenn Verderben sie ergriffe? Von Verlangen getrieben rede ich vieles davon: Vereinige deinen Leib mit meinem Leib!

Wort für Wort
kiṃ
wozu (Interrog.)
bhrātāsad
bhrātā 'der Bruder' (Nom.) + asat 'wäre, sei' (3.Sg.Opt./Konj. von as) → wäre der Bruder da
yad
wenn (Konj.)
anāthaṃ
a- 'ohne' + nāthaṃ 'Schutz, Zuflucht' → hilflos, schutzlos (Nom.)
bhavāti
würde (3.Sg.Präs./Konj.)
kim
wozu (Interrog.)
u
auch (Partikel)
svasā
die Schwester (Nom.)
yan
wenn
nirṛtir
das Verderben (Nom.)
nigachāt
ergriffe (3.Sg.Optativ/Inj.)
kāmamūtā
kāma- 'Verlangen' + mūtā 'getrieben, angetrieben' (Perf.Part.Pass.) → von Verlangen getrieben (Nom.)
bahv
vieles (Akk.)
etad
dies (Akk.)
rapāmi
ich rede (1.Sg.Präs.)
tanvā
mit dem Leib (Instr.)
me
meinem (Gen.)
tanvaṃ
den Leib (Akk.)
saṃ
zusammen (Präverb)
pipṛgdhi
vereinige! (Imperativ 2.Sg.)

na te nāthaṃ yamy atrāham asmi na te tanūṃ tanvā sam papṛcyām anyena mat pramudaḥ kalpayasva na te bhrātā subhage vaṣṭy etat

Ich, Yamī, bin hier nicht dein Schutz. Ich möchte meinen Leib nicht mit deinem Leib vereinigen. Verschaffe dir Freude mit einem anderen als mir; dein Bruder, du Holde, will dies nicht.

Wort für Wort
na
nicht
te
dein (Gen.)
nāthaṃ
der Schutz (Nom.)
yamy
Yamī (Nom.)
atrāham
atra 'hier' (Adv.) + aham 'ich' (Nom.) → hier ich
asmi
ich bin (1.Sg.Präs.)
na
nicht
te
deinem (Instr./Gen.)
tanūṃ
den Leib (Akk.)
tanvā
mit dem Leib (Instr.)
sam
zusammen (Präverb)
papṛcyām
möchte ich vereinigen (Optativ-Perf. 1.Sg.)
anyena
mit einem anderen (Instr.)
mat
als mich (Abl.)
pramudaḥ
Freude (Akk.Pl.)
kalpayasva
verschaffe dir! (Imperativ Med. 2.Sg.)
na
nicht
te
dein (Gen.)
bhrātā
der Bruder (Nom.)
subhage
du Holde (Vok.)
vaṣṭy
will (3.Sg.Präs.)
etat
dies (Akk.)

na vā u te tanūṃ tanvā saṃ pipṛcyāṃ pāpam āhur yaḥ svasāraṃ nigachāt asaṃyad etan manaso hṛdo me bhrātā svasuḥ śayane yac chayīya

Gewiss, ich möchte meinen Leib nicht mit deinem Leib vereinigen; man nennt es Sünde, wer sich der eigenen Schwester nähert. Das stimmt nicht mit meines Herzens Sinn überein, dass ein Bruder im Lager der Schwester liegen sollte.

Wort für Wort
na
nicht
vā
wohl, gewiss (Partikel)
u
auch (Partikel)
te
deinem (Instr./Gen.)
tanūṃ
den Leib (Akk.)
tanvā
mit dem Leib (Instr.)
saṃ
zusammen (Präverb)
pipṛcyāṃ
möchte ich vereinigen (Optativ 1.Sg.)
pāpam
Sünde (Akk.)
āhur
man nennt (3.Pl.Perf.)
yaḥ
wer (Nom.)
svasāraṃ
die Schwester (Akk.)
nigachāt
sich nähert (3.Sg.Optativ/Inj.)
asaṃyad
a- 'nicht' + saṃyat 'übereinstimmend' (von sam+i, 'zusammengehend') → nicht übereinstimmend (Nom.)
etan
dies (Nom.)
manaso
mit dem Sinn (Gen./Abl.)
hṛdo
des Herzens (Gen.)
me
meines (Gen.)
bhrātā
der Bruder (Nom.)
svasuḥ
der Schwester (Gen.)
śayane
im Lager (Lok.)
yac
dass (Konj.)
chayīya
liegen sollte (Optativ 3.Sg.)

bato batāsi yama naiva te mano hṛdayaṃ cāvidām ā anyā kila tvāṃ kakṣyeva yuktaṃ pari ṣvajātau libujeva vṛkṣam

Ach, ach, so bist du, Yama! Wir haben wahrlich weder deinen Sinn noch dein Herz erkannt. Eine andere wird dich wohl umfangen wie ein angelegter Gurt, wie eine Schlingpflanze einen Baum umschlingt.

Wort für Wort
bato
ach (Interjektion)
batāsi
bata 'ach!' (Interjektion) + asi 'du bist' (2.Sg.) → ach, du bist
yama
o Yama (Vok.)
naiva
na 'nicht' + eva 'wahrlich, gerade' → nicht wahrlich, ganz und gar nicht
te
deinen (Gen.)
mano
Sinn (Akk.)
hṛdayaṃ
Herz (Akk.)
cāvidām
ca 'und' + avidāma 'wir haben erkannt' (1.Pl.Impf./Aor.) → und wir haben erkannt
ā
(Präverb)
anyā
eine andere (Nom.fem.)
kila
wohl, gewiss (Partikel)
tvāṃ
dich (Akk.)
kakṣyeva
kakṣyā 'Gurt, Gürtel' (Nom.) + iva 'wie' → wie ein (angelegter) Gurt
yuktaṃ
angelegt (Akk., Part.Perf.Pass.)
pari
ringsum (Präverb)
ṣvajātau
wird umfangen (3.Sg.Aor./Fut. Med.) [?]
libujeva
libujā 'Schlingpflanze' (Nom.) + iva 'wie' → wie eine Schlingpflanze
vṛkṣam
den Baum (Akk.)

anyam ū ṣu yamy anya u tvāṃ pari ṣvajātau libujeva vṛkṣam tasya vā tvaṃ mana ichā sa vā tavādhā kṛṇuṣva saṃvidaṃ subhadrām

Einen anderen möge Yamī umarmen, ein anderer wird dich umschlingen wie eine Schlingpflanze den Baum. Suche du seine Zuneigung, oder er die deine - schließt eine gute Übereinkunft.

Wort für Wort
anyam
einen anderen (Akk.)
ū
fürwahr (Partikel)
ṣu
wohl (Partikel)
yamy
Yamī (Nom.)
anya
ein anderer (Nom.)
u
aber (Partikel)
tvāṃ
dich (Akk.)
pari
ringsum (Präverb)
ṣvajātau
wird umschlingen (3.Sg.) [?]
libujeva
libujā 'Schlingpflanze' (Nom.) + iva 'wie' → wie eine Schlingpflanze
vṛkṣam
den Baum (Akk.)
tasya
seine (Gen.)
vā
oder (Partikel)
tvaṃ
du (Nom.)
mana
die Zuneigung, den Sinn (Akk.)
ichā
suche! (Imperativ 2.Sg.)
sa
er (Nom.)
vā
oder (Partikel)
tavādhā
tava 'dein' (Gen.) + adhā 'dann, ferner' (Partikel) → deine (Zuneigung) dann [?]
kṛṇuṣva
schließt! (Imperativ Med. 2.Sg.)
saṃvidaṃ
Übereinkunft (Akk.)
subhadrām
gute (Akk.fem.)

trīṇi chandāṃsi kavayo vi yetire pururūpaṃ darśataṃ viśvacakṣaṇam āpo vātā oṣadhayas tāny ekasmin bhuvana ārpitāni

Drei Formen des heiligen Wortes haben die Seher entfaltet: die vielgestaltige, sichtbare, alles sehende. Wasser, Winde, Pflanzen - sie alle sind in einem einzigen Wesen vereint.

Wort für Wort
trīṇi
drei (Akk.Pl.n.)
chandāṃsi
Formen des heiligen Wortes (Akk.Pl.)
kavayo
die Seher (Nom.Pl.)
vi
aus- (Präverb)
yetire
haben entfaltet (3.Pl.Perf.Med.)
pururūpaṃ
puru 'viel' + rūpaṃ 'gestaltig' → die vielgestaltige (Akk.)
darśataṃ
die sichtbare (Akk.)
viśvacakṣaṇam
viśva- 'all-' + cakṣaṇam 'sehend' → die alles sehende (Akk.)
āpo
Wasser (Nom.Pl.)
vātā
Winde (Nom.Pl.)
oṣadhayas
Pflanzen (Nom.Pl.)
tāny
sie (Nom.Pl.n.)
ekasmin
in einem einzigen (Lok.)
bhuvana
Wesen (Lok.)
ārpitāni
sind vereint (Nom.Pl., Part.Perf.Pass.)

vṛṣā vṛṣṇe duduhe dohasā divaḥ payāṃsi yahvo aditer adābhyaḥ viśvaṃ sa veda varuṇo yathā dhiyā sa yajñiyo yajati yajñiyāṃ ṛtūn

Der Bulle hat für den Bullen mit seiner Kraft die Milch des Himmels gemolken - der junge, untrügliche Sohn der Aditi. Er weiß alles, wie Varuṇa es mit seiner Einsicht weiß; als der Opferwürdige verehrt er die opferwürdigen Jahreszeiten.

Wort für Wort
vṛṣā
der Bulle (Nom.)
vṛṣṇe
für den Bullen (Dat.)
duduhe
hat gemolken (3.Sg.Perf.Med.)
dohasā
mit seiner Kraft (Instr.)
divaḥ
des Himmels (Gen.)
payāṃsi
die Milch (Akk.Pl.)
yahvo
der junge (Nom.)
aditer
der Aditi (Gen.)
adābhyaḥ
a- 'un-' + dābhyaḥ 'zu täuschen(d)' → der untrügliche (Nom.)
viśvaṃ
alles (Akk.)
sa
er (Nom.)
veda
weiß (3.Sg.Perf.)
varuṇo
Varuṇa (Nom.)
yathā
wie (Adv.)
dhiyā
mit Einsicht (Instr.)
sa
er (Nom.)
yajñiyo
der Opferwürdige (Nom.)
yajati
verehrt (3.Sg.Präs.)
yajñiyāṃ
die opferwürdigen (Akk.Pl.)
ṛtūn
die Jahreszeiten (Akk.Pl.)

rapad gandharvīr apyā ca yoṣaṇā nadasya nāde pari pātu no manaḥ iṣṭasya madhye aditir ni dhātu no bhrātā no jyeṣṭhaḥ prathamo vi vocati

Es schwatzt die Gandharvin, die Wassernymphe; im Tosen des Stromes möge unser Sinn behütet sein. Inmitten des Opfers möge Aditi uns einen Platz geben; unser ältester, erster Bruder möge dies verkünden. [Anm.: Der Vers ist stellenweise dunkel, die genauen Wortbezüge sind unsicher.]

Wort für Wort
rapad
es schwatzt (3.Sg.Präs.)
gandharvīr
die Gandharvin (Nom.)
apyā
wasserverwandt (Nom.fem.)
ca
und
yoṣaṇā
die Nymphe (Nom.)
nadasya
des Stromes (Gen.)
nāde
im Tosen (Lok.)
pari
ringsum (Präverb)
pātu
möge behüten (Imperativ 3.Sg.)
no
unser (Gen.)
manaḥ
Sinn (Nom.)
iṣṭasya
des Opfers (Gen.)
madhye
inmitten (Lok.)
aditir
Aditi (Nom.)
ni
nieder (Präverb)
dhātu
möge geben (Imperativ 3.Sg.)
no
uns (Dat.)
bhrātā
der Bruder (Nom.)
no
unser (Gen.)
jyeṣṭhaḥ
der älteste (Nom.)
prathamo
der erste (Nom.)
vi
(Präverb)
vocati
möge verkünden (3.Sg.Aor.Konj.)

so cit nu bhadrā kṣumatī yaśasvaty uṣā uvāsa manave svarvatī yad īm uśantam uśatām anu kratum agniṃ hotāraṃ vidathāya jījanan ||20|| {2}

Sie fürwahr, die glückbringende, nahrungsreiche, ruhmvolle Morgenröte, leuchtete dem Menschen, reich an Himmelslicht, als sie - die Begehrende, dem Willen der Begehrenden folgend - Agni, den Opferpriester, für die Opferversammlung erzeugten.

Wort für Wort
so
sie (Nom.)
cit
fürwahr (Partikel)
nu
nun (Partikel)
bhadrā
die glückbringende (Nom.)
kṣumatī
nahrungsreiche (Nom.)
yaśasvaty
ruhmvolle (Nom.)
uṣā
die Morgenröte (Nom.)
uvāsa
leuchtete (3.Sg.Perf.)
manave
dem Menschen (Dat.)
svarvatī
reich an Himmelslicht (Nom.)
yad
als (Konj.)
īm
sie (Akk. enkl.)
uśantam
den Begehrenden (Akk.)
uśatām
der Begehrenden (Gen.Pl.)
anu
folgend (Präverb)
kratum
dem Willen (Akk.)
agniṃ
Agni (Akk.)
hotāraṃ
den Opferpriester (Akk.)
vidathāya
für die Opferversammlung (Dat.)
jījanan
erzeugten (3.Pl.Perf./Aor.)
||20||
(Verszählmarke: 20)
{2}
(Abschnittsmarke 2)

adha tyaṃ drapsaṃ vibhvaṃ vicakṣanaṃ vir ābharad iṣiraḥ śyeno adhvare yadī viśo vṛṇate dasmam āryā agniṃ hotāram adha dhīr ajāyata

Dann trug der rasche Falke im Opfer jenen mächtigen, weitschauenden Funken herbei, als die arischen Stämme den Wundertäter, Agni, zum Opferpriester erwählten - da entstand die fromme Dichtung.

Wort für Wort
adha
dann (Adv.)
tyaṃ
jenen (Akk.)
drapsaṃ
den Funken, Tropfen (Akk.)
vibhvaṃ
mächtigen (Akk.)
vicakṣanaṃ
weitschauenden (Akk.)
vir
der Vogel (Nom.)
ābharad
trug herbei (3.Sg.Aor./Impf.)
iṣiraḥ
der rasche (Nom.)
śyeno
der Falke (Nom.)
adhvare
im Opfer (Lok.)
yadī
als (Konj.)
viśo
die Stämme (Nom.Pl.)
vṛṇate
erwählen (3.Pl.Präs.Med.)
dasmam
den Wundertäter (Akk.)
āryā
die arischen (Nom.Pl.)
agniṃ
Agni (Akk.)
hotāram
zum Opferpriester (Akk.)
adha
da (Adv.)
dhīr
die Dichtung (Nom.)
ajāyata
entstand (3.Sg.Impf.Med.)

sadāsi raṇvo yavaseva puṣyate hotrābhir agne manuṣaḥ svadhvaraḥ viprasya vā yac chaśamāna ukthyo vājaṃ sasavāṃ upayāsi bhūribhiḥ

Immer bist du erfreulich, wie Vieh, das an guter Weide gedeiht; durch die Opferrufe, o Agni, machst du das Opfer des Menschen wohlvollzogen. Wenn du, der Preiswürdige, für den weisen Sänger wirkst, gewinnst du mit vielen Gaben reichlich Kraft.

Wort für Wort
sadāsi
sadā 'immer' (Adv.) + asi 'du bist' (2.Sg.) → immer bist du
raṇvo
erfreulich (Nom.)
yavaseva
yavasā 'Weide, Futter' + iva 'wie' → wie durch gute Weide (gedeihend)
puṣyate
gedeiht (3.Sg.Präs.Med.)
hotrābhir
durch die Opferrufe (Instr.Pl.)
agne
o Agni (Vok.)
manuṣaḥ
des Menschen (Gen.)
svadhvaraḥ
su- 'gut, wohl' + adhvaraḥ 'Opfer, Zeremonie' → wohlvollzogen, mit gutem Opfer (Nom.)
viprasya
des weisen Sängers (Gen.)
vā
oder (Partikel)
yac
wenn (Konj.)
chaśamāna
wirkend (Part.Präs.Med. Nom.)
ukthyo
der Preiswürdige (Nom.)
vājaṃ
Kraft (Akk.)
sasavāṃ
reichlich (Nom., Part.Perf.)
upayāsi
du gewinnst, kommst heran (2.Sg.Präs.)
bhūribhiḥ
mit vielen (Instr.Pl.)

ud īraya pitarā jāra ā bhagam iyakṣati haryato hṛtta iṣyati vivakti vahniḥ svapasyate makhas taviṣyate asuro vepate matī

Errege die beiden Eltern, Himmel und Erde; der Liebende strebt nach seinem Anteil, er begehrt zu opfern, von Herzen verlangend strebt er. Der Wagenlenker Agni erhebt seine Stimme, der Prächtige wirkt kunstvoll, er entfaltet seine Kraft, der Asura erbebt in andächtigem Sinnen. [Anm.: Dieser Vers ist sehr dicht und bildhaft; einzelne Bezüge bleiben unsicher.]

Wort für Wort
ud
auf- (Präverb)
īraya
errege! (Imperativ Kaus. 2.Sg.)
pitarā
die beiden Eltern (Akk.Du.)
jāra
der Liebende (Nom.)
ā
herbei (Präverb)
bhagam
den Anteil (Akk.)
iyakṣati
strebt (3.Sg.Präs.Desid.)
haryato
begehrend (Nom., Part.Präs.)
hṛtta
hṛt- 'Herz' + -tas (Ablativ-Suffix) → von Herzen (Abl.)
iṣyati
verlangt, strebt (3.Sg.Präs.)
vivakti
erhebt die Stimme (3.Sg.Präs.)
vahniḥ
der Wagenlenker, Agni (Nom.)
svapasyate
wirkt kunstvoll (3.Sg.Präs.Med.)
makhas
der Prächtige (Nom.)
taviṣyate
entfaltet seine Kraft (3.Sg.Präs.Med.)
asuro
der Asura (Nom.)
vepate
erbebt (3.Sg.Präs.Med.)
matī
in Sinnen (Instr.)

yas te agne sumatiṃ marto akhyat sahasaḥ sūno ati sa pra śṛṇve iṣaṃ dadhāno vahamāno aśvair ā sa dyumāṃ amavān bhūṣati dyūn

Welcher Sterbliche dein Wohlwollen erblickt hat, Agni, o Sohn der Kraft, der wird weithin gerühmt; Labung gewinnend, von Rossen getragen, wird er glanzvoll und kraftvoll seine Tage gestalten.

Wort für Wort
yas
welcher (Nom.)
te
dein (Gen.)
agne
o Agni (Vok.)
sumatiṃ
Wohlwollen (Akk.)
marto
der Sterbliche (Nom.)
akhyat
hat erblickt (3.Sg.Aor.)
sahasaḥ
der Kraft (Gen.)
sūno
o Sohn (Vok.)
ati
über- (Präverb)
sa
der (Nom.)
pra
(Präverb)
śṛṇve
wird gerühmt (3.Sg.Präs.Pass.)
iṣaṃ
Labung (Akk.)
dadhāno
gewinnend (Part.Präs.Med. Nom.)
vahamāno
getragen werdend (Part.Präs.Pass. Nom.)
aśvair
von Rossen (Instr.Pl.)
ā
herbei (Präverb)
sa
er (Nom.)
dyumāṃ
dyu 'Glanz, Himmel' + -mān (besitzanz. Suffix) → glanzvoll (Nom.)
amavān
ama 'Kraft' + -vān (besitzanz. Suffix) → kraftvoll (Nom.)
bhūṣati
wird gestalten (3.Sg.Präs.)
dyūn
Tage (Akk.Pl.)

śrudhī no agne sadane sadhasthe yukṣvā ratham amṛtasya dravitnum ā no vaha rodasī devaputre mākir devānām apa bhūr iha syāḥ

Höre uns, Agni, in deiner Wohnstatt, an der gemeinsamen Opferstätte; spanne den raschen Wagen der Unsterblichkeit an. Bring uns die beiden Welten herbei, deren Kinder die Götter sind; du sollst hier keinesfalls den Göttern fernbleiben.

Wort für Wort
śrudhī
höre! (Imperativ 2.Sg.)
no
uns (Akk.)
agne
o Agni (Vok.)
sadane
in deiner Wohnstatt (Lok.)
sadhasthe
an der gemeinsamen Opferstätte (Lok.)
yukṣvā
spanne an! (Imperativ Med. 2.Sg.)
ratham
den Wagen (Akk.)
amṛtasya
der Unsterblichkeit (Gen.)
dravitnum
den raschen (Akk.)
ā
herbei (Präverb)
no
uns (Akk.)
vaha
bring! (Imperativ 2.Sg.)
rodasī
die beiden Welten (Akk.Du.)
devaputre
deva- 'Götter' + putre 'Kinder' (Akk.Du.) → deren Kinder die Götter sind (Akk.Du., Bahuvrihi)
mākir
mā 'nicht' (Prohibitiv) + kir '(irgend)wer/was' → keinesfalls, nie
devānām
den Göttern (Abl./Gen.)
apa
fern (Präverb)
bhūr
du sollst sein (2.Sg.Aor.Inj.)
iha
hier (Adv.)
syāḥ
du sollst sein (Optativ 2.Sg.)

yad agna eṣā samitir bhavāti devī deveṣu yajatā yajatra ratnā ca yad vibhajāsi svadhāvo bhāgaṃ no atra vasumantaṃ vītāt

Wenn, Agni, diese göttliche Versammlung unter den Göttern opferwürdig sein wird, du Opferwürdiger, und wenn du, der Selbstherrliche, die Schätze verteilst, so nimm hier unseren güterreichen Anteil entgegen.

Wort für Wort
yad
wenn (Konj.)
agna
o Agni (Vok.)
eṣā
diese (Nom.fem.)
samitir
die Versammlung (Nom.)
bhavāti
sein wird (3.Sg.Präs./Konj.)
devī
göttliche (Nom.fem.)
deveṣu
unter den Göttern (Lok.Pl.)
yajatā
opferwürdig (Nom.fem.)
yajatra
du Opferwürdiger (Vok.)
ratnā
die Schätze (Akk.Pl.)
ca
und
yad
wenn (Konj.)
vibhajāsi
du verteilst (2.Sg.Präs./Konj.)
svadhāvo
du Selbstherrlicher (Vok.)
bhāgaṃ
den Anteil (Akk.)
no
unser (Gen.)
atra
hier (Adv.)
vasumantaṃ
güterreichen (Akk.)
vītāt
nimm entgegen! (Imperativ 2.Sg.)

anv agnir uṣasām agram akhyad anv ahāni prathamo jātavedāḥ anu sūrya uṣaso anu raśmīn dyāvāpṛthivī ā viveśa

Agni hat den Anbruch der Morgenröten wahrgenommen, den Anfang der Tage, er, der erste Allwissende; der Sonne, den Morgenröten, den Strahlen folgend, ist er in Himmel und Erde eingezogen.

Wort für Wort
anv
folgend (Präverb)
agnir
Agni (Nom.)
uṣasām
der Morgenröten (Gen.Pl.)
agram
den Anbruch (Akk.)
akhyad
hat wahrgenommen (3.Sg.Aor.)
anv
folgend (Präverb)
ahāni
die Tage (Akk.Pl.)
prathamo
der erste (Nom.)
jātavedāḥ
der Allwissende (Nom.)
anu
folgend (Präverb)
sūrya
der Sonne (Gen.)
uṣaso
den Morgenröten (Gen.Pl.)
anu
folgend (Präverb)
raśmīn
den Strahlen (Akk.Pl.)
dyāvāpṛthivī
in Himmel und Erde (Akk.Du.)
ā
herbei (Präverb)
viveśa
ist eingezogen (3.Sg.Perf.)

praty agnir uṣasām agram akhyat praty ahāni prathamo jātavedāḥ prati sūryasya purudhā ca raśmīn prati dyāvāpṛthivī ā tatāna

Agni hat dem Anbruch der Morgenröten entgegengeblickt, dem Anfang der Tage entgegen, er, der erste Allwissende; den vielfältigen Strahlen der Sonne entgegen hat er sich ausgebreitet, Himmel und Erde entgegen.

Wort für Wort
praty
entgegen (Präverb)
agnir
Agni (Nom.)
uṣasām
der Morgenröten (Gen.Pl.)
agram
den Anbruch (Akk.)
akhyat
hat geblickt (3.Sg.Aor.)
praty
entgegen (Präverb)
ahāni
den Tagen (Akk.Pl.)
prathamo
der erste (Nom.)
jātavedāḥ
der Allwissende (Nom.)
prati
entgegen (Präverb)
sūryasya
der Sonne (Gen.)
purudhā
vielfältig (Adv.)
ca
und
raśmīn
den Strahlen (Akk.Pl.)
prati
entgegen (Präverb)
dyāvāpṛthivī
Himmel und Erde (Akk.Du.)
ā
(Präverb)
tatāna
hat sich ausgebreitet (3.Sg.Perf.)

dyāvā ha kṣāmā prathame ṛtenābhiśrāve bhavataḥ satyavācā devo yan martān yajathāya kṛṇvant sīdad dhotā pratyaṅ svam asuṃ yan

Himmel und Erde, die beiden ersten, sind durch die Weltordnung wahrhaft redend im gegenseitigen Vernehmen. Wenn der Gott die Sterblichen zum Opfern bereit macht, setzt sich der Opferpriester nieder, seinem eigenen Lebensatem entgegengehend. [Anm.: Die letzte Zeile ist bildhaft-knapp; die genaue Deutung ist unsicher.]

Wort für Wort
dyāvā
Himmel (Nom.Du.)
ha
wahrlich (Partikel)
kṣāmā
und Erde (Nom.Du.)
prathame
die beiden ersten (Nom.Du.)
ṛtenābhiśrāve
ṛtena 'durch die Weltordnung' (Instr.) + abhiśrāve 'im gegenseitigen Vernehmen' (Lok.) → durch die Weltordnung, im gegenseitigen Vernehmen (Sandhi zweier Wörter)
bhavataḥ
sind (3.Du.Präs.)
satyavācā
satya- 'wahr' + vācā 'redend' (Nom.Du.) → wahrhaft redend (Nom.Du.)
devo
der Gott (Nom.)
yan
wenn (Konj.)
martān
die Sterblichen (Akk.Pl.)
yajathāya
zum Opfern (Dat.)
kṛṇvant
bereit machend (Part.Präs. Nom.)
sīdad
setzt sich nieder (3.Sg.Präs./Inj.)
dhotā
der Opferpriester (Nom.)
pratyaṅ
entgegengehend (Nom., Part.)
svam
seinem eigenen (Akk.)
asuṃ
Lebensatem (Akk.)
yan
gehend (Part.Präs. Nom.)

devo devān paribhūr ṛtena vahā no havyaṃ prathamaś cikitvān dhūmaketuḥ samidhā bhāṛjīko mandro hotā nityo vācā yajīyān ||30|| {3}

Der Gott, der die Götter durch die Weltordnung überragt, bringe unsere Opfergabe dar, du erster, kundiger Agni, mit dem Rauch als Zeichen, durch das Brennholz erstrahlend, der erfreuliche, beständige Opferpriester, der durch sein Wort trefflicher opfert.

Wort für Wort
devo
der Gott (Nom.)
devān
die Götter (Akk.Pl.)
paribhūr
überragend (Nom., Part.)
ṛtena
durch die Weltordnung (Instr.)
vahā
bringe dar! (Imperativ 2.Sg.)
no
unsere (Akk.)
havyaṃ
Opfergabe (Akk.)
prathamaś
der erste (Nom.)
cikitvān
kundig (Nom., Part.Perf.)
dhūmaketuḥ
dhūma- 'Rauch' + ketuḥ 'Zeichen, Banner' → mit dem Rauch als Zeichen (Nom.)
samidhā
durch das Brennholz (Instr.)
bhāṛjīko
erstrahlend (Nom., Adj.)
mandro
der erfreuliche (Nom.)
hotā
der Opferpriester (Nom.)
nityo
der beständige (Nom.)
vācā
durch sein Wort (Instr.)
yajīyān
trefflicher opfernd (Nom., Komparativ)
||30||
(Verszählmarke: 30)
{3}
(Abschnittsmarke 3)

arcāmi vāṃ vardhāyāpo ghṛtasnū dyāvābhūmī śṛṇutaṃ rodasī me ahā yad devā asunītim āyan madhvā no atra pitarā śiśītām

Ich preise euch beide, um euch zu stärken, ihr schmalzreichen Gewässer; Himmel und Erde, ihr beiden Welten, hört mich, an den Tagen, da die Götter den Weg der Lebenskraft [den Totenweg] gingen. Mit Süße mögen uns hier die beiden Eltern laben.

Wort für Wort
arcāmi
ich preise (1.Sg.Präs.)
vāṃ
euch beide (Akk.Du.)
vardhāyāpo
vardhāya 'um zu stärken' (Dat., final) + apaḥ 'Gewässer, Wasser' (Akk./Nom.Pl.) → um die Gewässer zu stärken (Sandhi zweier Wörter)
ghṛtasnū
die schmalzreichen (Nom.Du.)
dyāvābhūmī
Himmel und Erde (Nom.Du., Dvandva)
śṛṇutaṃ
hört! (Imperativ Du.)
rodasī
ihr beiden Welten (Vok.Du.)
me
mich (Akk.)
ahā
an den Tagen (Akk.Pl.)
yad
als (Konj.)
devā
die Götter (Nom.Pl.)
asunītim
asu- 'Lebenskraft, Atem' + nītim 'Weg, Geleit' (Akk.) → den Weg der Lebenskraft ('Totengeleit')
āyan
gingen (3.Pl.Impf.)
madhvā
mit Süße (Instr.)
no
uns (Akk.)
atra
hier (Adv.)
pitarā
die beiden Eltern (Nom.Du.)
śiśītām
mögen laben (Optativ 3.Du.)

svāvṛg devasyāmṛtaṃ yadī gor ato jātāso dhārayanta urvī viśve devā anu tat te yajur gur duhe yad enī divyaṃ ghṛtam vāḥ

Das aus sich selbst gewundene Unsterbliche des Gottes, das von der Kuh stammt - davon geboren, mögen die weiten Welten es tragen; alle Götter folgten diesem für dich bestimmten Opferwort, als die scheckige Kuh das himmlische, schmalzreiche Wasser molk. [Anm.: Dieser Vers ist im Original stark verrätselt; die Übersetzung ist entsprechend unsicher.]

Wort für Wort
svāvṛg
sva- 'selbst' + āvṛg (von ā-vṛj 'sich winden') → das aus sich selbst gewundene (Nom.) [?]
devasyāmṛtaṃ
devasya 'des Gottes' (Gen.) + amṛtaṃ 'das Unsterbliche' (Akk.) → das Unsterbliche des Gottes (Sandhi zweier Wörter)
yadī
wenn, das (Konj./Rel.)
gor
von der Kuh (Abl./Gen.)
ato
davon (Adv.)
jātāso
geboren (Nom.Pl., Part.Perf.)
dhārayanta
mögen tragen (3.Pl.Optativ/Konj.)
urvī
die weiten Welten (Nom.fem.Pl.)
viśve
alle (Nom.Pl.)
devā
Götter (Nom.Pl.)
anu
folgend (Präverb)
tat
diesem (Akk.)
te
für dich (Dat.)
yajur
das Opferwort (Akk.)
gur
folgten (3.Pl.) [?]
duhe
molk (3.Sg.Perf.Med.)
yad
als (Konj.)
enī
die scheckige (Nom.fem.)
divyaṃ
himmlische (Akk.)
ghṛtam
schmalzreiche (Akk.)
vāḥ
Wasser (Akk.)

kiṃ svin no rājā jagṛhe kad asyāti vrataṃ cakṛmā ko vi veda mitras cid dhi ṣmā juhurāṇo devāṃ chloko na yātām api vājo asti

Was hat uns wohl unser König genommen? Wogegen haben wir sein Gebot verletzt? Wer weiß es genau? Selbst Mitra, wenn er sich abwendend zeigt - wie ein Loblied für die Wandelnden, so gibt es auch dafür eine Kraft. [Anm.: Der Vers ist insgesamt sehr dunkel überliefert; die Übersetzung gibt nur eine mögliche Annäherung wieder.]

Wort für Wort
kiṃ
was (Interrog.)
svin
wohl (Partikel)
no
uns (Dat.)
rājā
der König (Nom.)
jagṛhe
hat genommen (3.Sg.Perf.Med.)
kad
wogegen (Akk.)
asyāti
asya 'dessen, seines' (Gen.) + ati 'gegen, über... hinaus' (Präverb) → gegen sein (Gebot) [?]
vrataṃ
Gebot (Akk.)
cakṛmā
haben wir getan (1.Pl.Perf.)
ko
wer (Nom.)
vi
(Präverb)
veda
weiß (3.Sg.Perf.)
mitras
Mitra (Nom.)
cid
auch, selbst (Partikel)
dhi
denn (Partikel)
ṣmā
wohl (Partikel)
juhurāṇo
sich abwendend (Part.Präs.Med. Nom.)
devāṃ
die Götter (Akk.Pl.) [?]
chloko
das Loblied (Nom.)
na
wie (Vergleichspartikel)
yātām
für die Wandelnden (Gen.Pl.) [?]
api
auch (Partikel)
vājo
Kraft (Nom.)
asti
gibt es (3.Sg.Präs.)

durmantv atrāmṛtasya nāma salakṣmā yad viṣurūpā bhavāti yamasya yo manavate sumantv agne tam ṛṣva pāhy aprayuchan

Übel zu bedenken ist hier der Name des Unsterblichen, wenn die Gleichgeartete verschiedene Gestalt annimmt. Wer aber, o Agni, an Yama als etwas Gutes denkt, den beschütze, du Erhabener, unablässig.

Wort für Wort
durmantv
dur- 'schlecht, übel' + mantu 'zu bedenken(d)' → übel zu bedenken (Nom.)
atrāmṛtasya
atra 'hier' (Adv.) + amṛtasya 'des Unsterblichen' (Gen.) → hier des Unsterblichen
nāma
der Name (Nom.)
salakṣmā
sa- 'mit-, gleich-' + lakṣmā 'Merkmal, Kennzeichen' → die Gleichgeartete, die vom gleichen Merkmal (Nom.fem.)
yad
wenn (Konj.)
viṣurūpā
viṣu 'verschieden, entgegengesetzt' + rūpā 'Gestalt' → verschiedene Gestalt (Nom.fem.)
bhavāti
annimmt (3.Sg.Präs./Konj.)
yamasya
an Yama (Gen.)
yo
wer (Nom.)
manavate
denkt (3.Sg.Präs.Med.)
sumantv
su- 'gut' + mantu 'zu bedenken(d)' → als etwas Gutes zu bedenken(d) (Akk./Nom.)
agne
o Agni (Vok.)
tam
den (Akk.)
ṛṣva
du Erhabener (Vok.)
pāhy
beschütze! (Imperativ 2.Sg.)
aprayuchan
a- 'nicht, un-' + prayuchan 'nachlässig werdend, ermattend' (Part.Präs.) → unablässig, unermüdlich (Nom.)

yasmin devā vidathe mādayante vivasvataḥ sadane dhārayante sūrye jyotir adadhur māsy aktūn pari dyotaniṃ carato ajasrā

In der Opferversammlung, an der sich die Götter erfreuen, im Sitz des Vivasvant sich haltend, legten sie das Licht in die Sonne, die Nächte in den Mond; unermüdlich umkreisen Sonne und Mond das Leuchten.

Wort für Wort
yasmin
in welcher (Lok.)
devā
die Götter (Nom.Pl.)
vidathe
in der Opferversammlung (Lok.)
mādayante
sich erfreuen (3.Pl.Präs.Med.)
vivasvataḥ
des Vivasvant (Gen.)
sadane
im Sitz (Lok.)
dhārayante
sich haltend (3.Pl.Präs.Med.)
sūrye
in die Sonne (Lok.)
jyotir
das Licht (Akk.)
adadhur
legten (3.Pl.Perf.)
māsy
in den Mond (Lok.)
aktūn
die Nächte (Akk.Pl.)
pari
ringsum (Präverb)
dyotaniṃ
das Leuchten (Akk.)
carato
umkreisen (3.Du.Präs.)
ajasrā
a- 'nicht' + jasrā 'ermüdend, nachlassend' → unermüdlich (Nom.Du.)

yasmin devā manmani saṃcaranty apīcye na vayam asya vidma mitro no atrāditir anāgānt savitā devo varuṇāya vocat

In welchem geheimen Gedanken die Götter zusammenkommen, das wissen wir nicht. Mitra, und hier bei uns Aditi, die Schuldlose - der Gott Savitṛ sprach zu Varuṇa. [Anm.: Der Satzbau der mittleren Zeile ist unsicher.]

Wort für Wort
yasmin
in welchem (Lok.)
devā
die Götter (Nom.Pl.)
manmani
in dem Gedanken (Lok.)
saṃcaranty
zusammenkommen (3.Pl.Präs.)
apīcye
geheimen (Lok.)
na
nicht
vayam
wir (Nom.)
asya
dessen (Gen.)
vidma
wissen (1.Pl.Perf./Präs.)
mitro
Mitra (Nom.)
no
bei uns (Lok./Dat.)
atrāditir
atra 'hier' (Adv.) + aditir 'Aditi' (Nom.) → hier Aditi
anāgānt
die Schuldlose (Nom.)
savitā
Savitṛ (Nom.)
devo
der Gott (Nom.)
varuṇāya
zu Varuṇa (Dat.)
vocat
sprach (3.Sg.Aor.Inj.)

sakhāya ā śiṣāmahe brahmendrāya vajriṇe stuṣa ū ṣu nṛtamāya dhṛṣṇave

Als Freunde erbitten wir das heilige Wort für Indra, den Keulenträger; ich preise wohl den Mannhaftesten, den Kühnen.

Wort für Wort
sakhāya
als Freunde (Nom.Pl.)
ā
herbei (Präverb)
śiṣāmahe
wir erbitten (1.Pl.Präs.Med.)
brahmendrāya
brahma 'das heilige Wort' (Akk.) + indrāya 'für Indra' (Dat.) → das heilige Wort für Indra (Sandhi zweier Wörter)
vajriṇe
den Keulenträger (Dat.)
stuṣa
ich preise (1.Sg.Präs.)
ū
fürwahr (Partikel)
ṣu
wohl (Partikel)
nṛtamāya
den Mannhaftesten (Dat.)
dhṛṣṇave
den Kühnen (Dat.)

śavasā hy asi śruto vṛtrahatyena vṛtrahā maghair maghono ati śūra dāśasi

Durch deine Kraft ja bist du berühmt, durch die Erschlagung Vṛtras, du Vṛtratöter; mit deinen Gaben übertriffst du, o Held, sogar den Freigebigen, indem du schenkst.

Wort für Wort
śavasā
durch deine Kraft (Instr.)
hy
ja (Partikel)
asi
du bist
śruto
berühmt (Nom.)
vṛtrahatyena
vṛtra- 'Vṛtra (Dämon)' + hatyena 'durch das Erschlagen' (Instr.) → durch die Erschlagung Vṛtras (Instr.)
vṛtrahā
vṛtra- 'Vṛtra' + hā 'Töter, Schläger' (von han) → Vṛtratöter (Nom./Vok.)
maghair
mit Gaben (Instr.Pl.)
maghono
den Freigebigen (Akk.)
ati
über- (Präverb)
śūra
o Held (Vok.)
dāśasi
du schenkst (2.Sg.Präs.)

stego na kṣām aty eṣi pṛthivīṃ mahī no vātā iha vāntu bhūmau mitro no atra varuṇo yujamāno agnir vane na vy asṛṣṭa śokam

Wie ein Dieb durchziehst du das Land, die Erde; die großen Winde mögen hier für uns auf der Erde wehen. Mitra und Varuṇa, sich hier mit uns verbündend - Agni hat, wie im Wald, seine Flamme entfacht.

Wort für Wort
stego
wie ein Dieb (Nom.)
na
wie (Vergleichspartikel)
kṣām
das Land (Akk.)
aty
über- (Präverb)
eṣi
du durchziehst (2.Sg.Präs.)
pṛthivīṃ
die Erde (Akk.)
mahī
die großen (Nom.Pl.)
no
für uns (Dat.)
vātā
die Winde (Nom.Pl.)
iha
hier (Adv.)
vāntu
mögen wehen (Imperativ 3.Pl.)
bhūmau
auf der Erde (Lok.)
mitro
Mitra (Nom.)
no
mit uns (Instr./Dat.)
atra
hier (Adv.)
varuṇo
Varuṇa (Nom.)
yujamāno
sich verbündend (Part.Präs.Med. Nom.)
agnir
Agni (Nom.)
vane
im Wald (Lok.)
na
wie (Vergleichspartikel)
vy
aus- (Präverb)
asṛṣṭa
hat entfacht (3.Sg.Aor.Med.)
śokam
die Flamme (Akk.)

stuhi śrutaṃ gartasadaṃ janānāṃ rājānaṃ bhīmam upahatnum ugram mṛḍā jaritre rudra stavāno anyam asmat te ni vapantu senyam ||40|| {4}

Preise den berühmten, auf dem Herrschersitz thronenden König der Menschen, den furchtbaren, schlagkräftigen, gewaltigen. Sei gnädig dem Sänger, Rudra, wenn du gepriesen wirst; einen anderen als uns mögen deine Geschosse niederstrecken, den zum Kriegsvolk Gehörigen.

Wort für Wort
stuhi
preise! (Imperativ 2.Sg.)
śrutaṃ
den berühmten (Akk.)
gartasadaṃ
garta- 'Herrschersitz, Wagensitz' + sadaṃ 'sitzend, thronend' → auf dem Herrschersitz thronend (Akk.)
janānāṃ
der Menschen (Gen.Pl.)
rājānaṃ
den König (Akk.)
bhīmam
den furchtbaren (Akk.)
upahatnum
den schlagkräftigen (Akk.)
ugram
gewaltigen (Akk.)
mṛḍā
sei gnädig! (Imperativ 2.Sg.)
jaritre
dem Sänger (Dat.)
rudra
o Rudra (Vok.)
stavāno
gepriesen werdend (Part.Präs.Pass. Nom.)
anyam
einen anderen (Akk.)
asmat
als uns (Abl.)
te
deine (Nom.Pl.)
ni
nieder (Präverb)
vapantu
mögen niederstrecken (Imperativ 3.Pl.)
senyam
den zum Kriegsvolk Gehörigen (Akk.)
||40||
(Verszählmarke: 40)
{4}
(Abschnittsmarke 4)

sarasvatīṃ devayanto havante sarasvatīm adhvare tāyamāne sarasvatīṃ sukṛto havante sarasvatī dāśuṣe vāryaṃ dāt

Die Gottergebenen rufen Sarasvatī an, Sarasvatī, wenn das Opfer ausgebreitet wird; die Rechtschaffenen rufen Sarasvatī an. Sarasvatī möge dem Opfernden die begehrenswerte Gabe schenken.

Wort für Wort
sarasvatīṃ
Sarasvatī (Akk., Flussgöttin)
devayanto
die Gottergebenen (Nom.Pl.)
havante
rufen an (3.Pl.Präs.Med.)
sarasvatīm
Sarasvatī (Akk.)
adhvare
beim Opfer (Lok.)
tāyamāne
wenn es ausgebreitet wird (Lok., Part.Präs.Pass.)
sarasvatīṃ
Sarasvatī (Akk.)
sukṛto
die Rechtschaffenen (Nom.Pl.)
havante
rufen an
sarasvatī
Sarasvatī (Nom.)
dāśuṣe
dem Opfernden (Dat.)
vāryaṃ
die begehrenswerte Gabe (Akk.)
dāt
möge schenken (3.Sg.Aor.Inj.)

sarasvatīṃ pitaro havante dakṣinā yajñam abhinakṣamāṇāḥ āsadyāsmin barhiṣi mādayadhvam anamīvā iṣa ā dhehy asme

Die Ahnen rufen Sarasvatī an, von rechts sich dem Opfer nähernd. Setzt euch nieder auf diesem Opferstreu und ergötzt euch! Verleih uns gesunde Labung.

Wort für Wort
sarasvatīṃ
Sarasvatī (Akk.)
pitaro
die Ahnen (Nom.Pl.)
havante
rufen an
dakṣinā
von rechts (Adv.)
yajñam
dem Opfer (Akk.)
abhinakṣamāṇāḥ
sich nähernd (Part.Präs.Med. Nom.Pl.)
āsadyāsmin
niedergesetzt; auf diesem (Absolutiv+Lok.)
barhiṣi
auf dem Opferstreu (Lok.)
mādayadhvam
ergötzt euch! (Imperativ Med. 2.Pl.)
anamīvā
gesunde (Akk.fem.)
iṣa
Labung (Akk.)
ā
herbei (Präverb)
dhehy
verleih! (Imperativ 2.Sg.)
asme
uns (Dat.Pl.)

sarasvati yā sarathaṃ yayāthokthaiḥ svadhābhir devi pitṛbhir madantī sahasrārgham iḍo atra bhāgaṃ rāyas poṣaṃ yajamānāya dhehi

Sarasvatī, die du mit denselben Ahnen auf einem Wagen gefahren bist, dich, o Göttin, an Lobliedern und Svadhā-Opfern mit den Vätern erfreuend - gib hier den tausendfach wertvollen Anteil der Opferspeise, verleih dem Opfernden Zuwachs an Reichtum.

Wort für Wort
sarasvati
o Sarasvatī (Vok.)
yā
die du (Nom.fem., Rel.)
sarathaṃ
auf einem Wagen (Akk./Adv.)
yayāthokthaiḥ
yayātha 'du bist gefahren' (2.Sg.Perf.) + ukthaiḥ 'mit Lobliedern' (Instr.Pl.) → du bist gefahren; mit Lobliedern (Sandhi zweier Wörter)
svadhābhir
mit Svadhā-Opfern (Instr.Pl.)
devi
o Göttin (Vok.)
pitṛbhir
mit den Vätern (Instr.Pl.)
madantī
dich erfreuend (Part.Präs. Nom.fem.)
sahasrārgham
sahasra- 'tausend' + argham 'Wert, Preis' → den tausendfach wertvollen (Akk.)
iḍo
der Opferspeise (Gen.)
atra
hier (Adv.)
bhāgaṃ
den Anteil (Akk.)
rāyas
an Reichtum (Gen.)
poṣaṃ
Zuwachs (Akk.)
yajamānāya
dem Opfernden (Dat.)
dhehi
verleih! (Imperativ 2.Sg.)

ud īratām avara ut parāsa un madhyamāḥ pitaraḥ somyāsaḥ asuṃ ya īyur avṛkā ṛtajñās te no 'vantu pitaro haveṣu

Es mögen sich erheben die näheren Ahnen und die entfernteren, und die mittleren, somaverwandten Väter - die zum ewigen Lebenshauch gegangen sind, die nicht-schädigenden, die der Weltordnung Kundigen: diese Väter mögen uns bei unseren Anrufungen beistehen.

Wort für Wort
ud
auf- (Präverb)
īratām
mögen sich erheben (Imperativ 3.Pl.Med.)
avara
die näheren (Nom.Pl.)
ut
auf- (Präverb)
parāsa
die entfernteren (Nom.Pl.)
un
auf- (Präverb)
madhyamāḥ
die mittleren (Nom.Pl.)
pitaraḥ
Väter (Nom.Pl.)
somyāsaḥ
somaverwandten (Nom.Pl.)
asuṃ
zum Lebenshauch (Akk.)
ya
die (Nom.Pl.)
īyur
gegangen sind (3.Pl.Perf.)
avṛkā
die nicht-schädigenden (Nom.Pl.)
ṛtajñās
die der Weltordnung Kundigen (Nom.Pl.)
te
diese (Nom.Pl.)
no
uns (Dat.)
'vantu
mögen beistehen (Imperativ 3.Pl.)
pitaro
Väter (Nom.Pl.)
haveṣu
bei den Anrufungen (Lok.Pl.)

āhaṃ pitṝnt suvidatrāṃ avitsi napātaṃ ca vikramaṇaṃ ca viṣṇoḥ barhiṣado ye svadhayā sutasya bhajanta pitvas ta ihāgamiṣṭhāḥ

Ich habe die hilfreichen Väter gefunden, und den Nachkommen sowie den Schritt Viṣṇus. Die auf dem Opferstreu Sitzenden, die mit der Svadhā-Speise am gepressten Soma und an der Nahrung teilhaben - diese sollen am liebsten hierherkommen.

Wort für Wort
āhaṃ
ich (Nom.)
pitṝnt
die Väter (Akk.Pl.)
suvidatrāṃ
su- 'gut' + vidatrāṃ 'hilfreich, gebend' → die hilfreichen (Akk.Pl.)
avitsi
habe gefunden (1.Sg.Aor.)
napātaṃ
den Nachkommen (Akk.)
ca
und
vikramaṇaṃ
den Schritt (Akk.)
ca
und
viṣṇoḥ
Viṣṇus (Gen.)
barhiṣado
die auf dem Opferstreu Sitzenden (Nom.Pl.)
ye
die (Nom.Pl.)
svadhayā
mit der Svadhā-Speise (Instr.)
sutasya
des gepressten Soma (Gen.)
bhajanta
teilhaben (3.Pl.Präs.)
pitvas
an der Nahrung (Gen.)
ta
diese (Nom.Pl.)
ihāgamiṣṭhāḥ
iha 'hier' (Adv.) + āgamiṣṭhāḥ 'am liebsten kommend' (Superlativ) → sollen am liebsten hierherkommen (Sandhi zweier Wörter)

idaṃ pitṛbhyo namo astv adya ye pūrvāso ye aparāsa īyuḥ ye pārthive rajasy ā niṣaktā ye vā nūnaṃ suvṛjanāsu dikṣu

Dies sei heute den Vätern eine Verehrung - denen, die als frühere, und denen, die als spätere gegangen sind, die im irdischen Raum eingebettet sind, oder die jetzt in den schön-umgrenzten Gegenden weilen.

Wort für Wort
idaṃ
dies (Nom.)
pitṛbhyo
den Vätern (Dat.Pl.)
namo
Verehrung (Nom.)
astv
sei! (Imperativ 3.Sg.)
adya
heute (Adv.)
ye
die (Nom.Pl.)
pūrvāso
als frühere (Nom.Pl.)
ye
die
aparāsa
als spätere (Nom.Pl.)
īyuḥ
gegangen sind (3.Pl.Perf.)
ye
die
pārthive
im irdischen (Lok.)
rajasy
Raum (Lok.)
ā
(Präverb)
niṣaktā
eingebettet (Nom.Pl., Part.Perf.Pass.)
ye
die
vā
oder (Partikel)
nūnaṃ
jetzt (Adv.)
suvṛjanāsu
su- 'gut, schön' + vṛjanāsu 'umgrenzt, Gehegen' (Lok.Pl.) → in den schön-umgrenzten (Lok.Pl.)
dikṣu
Gegenden (Lok.Pl.)

mātalī kavyair yamo aṅgirobhir bṛhaspatir ṛkvabhir vāvṛdhānaḥ yāṃś ca devā vāvṛdhur ye ca devāṃs te no 'vantu pitaro haveṣu

Mātali durch die Kavya-Väter, Yama durch die Aṅgiras-Väter, Bṛhaspati, gestärkt durch die Sänger-Väter - und die, welche die Götter gestärkt haben, und die, welche von den Göttern gestärkt wurden: diese Väter mögen uns bei unseren Anrufungen beistehen.

Wort für Wort
mātalī
Mātali (Nom.)
kavyair
durch die Kavya-Väter (Instr.Pl.)
yamo
Yama (Nom.)
aṅgirobhir
durch die Aṅgiras-Väter (Instr.Pl.)
bṛhaspatir
Bṛhaspati (Nom.)
ṛkvabhir
durch die Sänger-Väter (Instr.Pl.)
vāvṛdhānaḥ
gestärkt (Nom., Part.Perf.Med.)
yāṃś
die welche (Akk.Pl., Rel.)
ca
und
devā
die Götter (Nom.Pl.)
vāvṛdhur
gestärkt haben (3.Pl.Perf.)
ye
die welche (Nom.Pl.)
ca
und
devāṃs
von den Göttern (Akk.Pl.)
te
diese (Nom.Pl.)
no
uns (Dat.)
'vantu
mögen beistehen (Imperativ 3.Pl.)
pitaro
Väter (Nom.Pl.)
haveṣu
bei den Anrufungen (Lok.Pl.)

svāduṣ kilāyaṃ madhumāṃ utāyaṃ tīvraḥ kilāyaṃ rasavāṃ utāyam uto nv asya papivāṃsam indraṃ na kaś cana sahata āhaveṣu

Süß fürwahr ist dieser Soma, honigreich ist er auch, kräftig fürwahr ist dieser, saftreich ist er auch. Und nun: Indra, der von ihm getrunken hat, übertrifft niemand in den Kämpfen.

Wort für Wort
svāduṣ
süß (Nom.)
kilāyaṃ
kila 'fürwahr' (Partikel) + ayaṃ 'dieser' (Nom.) → fürwahr dieser
madhumāṃ
honigreich (Nom.)
utāyaṃ
uta 'und' + ayaṃ 'dieser' (Nom.) → und dieser
tīvraḥ
kräftig (Nom.)
kilāyaṃ
kila 'fürwahr' (Partikel) + ayaṃ 'dieser' (Nom.) → fürwahr dieser
rasavāṃ
saftreich (Nom.)
utāyam
uta 'und' + ayam 'dieser' (Nom.) → und dieser
uto
und (Partikel)
nv
nun (Partikel)
asya
von ihm (Gen.)
papivāṃsam
den getrunken habenden (Akk., Part.Perf.)
indraṃ
Indra (Akk.)
na
nicht
kaś
irgendwer (Nom.)
cana
irgend (Partikel)
sahata
übertrifft (3.Sg.Präs.Med.)
āhaveṣu
in den Kämpfen (Lok.Pl.)

pareyivāṃsaṃ pravato mahīr iti bahubhyaḥ panthām anupaspaśānam vaivasvataṃ saṃgamanaṃ janānāṃ yamaṃ rājānaṃ haviṣā saparyata

Den, der über die großen Abhänge dahingegangen ist, der für viele den Weg erkundet hat, den Vaivasvata, den Sammelplatz der Menschen - Yama, den König, verehrt mit der Opfergabe.

Wort für Wort
pareyivāṃsaṃ
den dahingegangenen (Akk., Part.Perf.)
pravato
über die Abhänge (Akk.Pl.)
mahīr
großen (Akk.Pl.fem.)
iti
so (Partikel)
bahubhyaḥ
für viele (Dat.Pl.)
panthām
den Weg (Akk.)
anupaspaśānam
erkundend (Akk., Part.Präs.Med.)
vaivasvataṃ
den Vaivasvata (Akk.)
saṃgamanaṃ
den Sammelplatz (Akk.)
janānāṃ
der Menschen (Gen.Pl.)
yamaṃ
Yama (Akk.)
rājānaṃ
den König (Akk.)
haviṣā
mit der Opfergabe (Instr.)
saparyata
verehrt! (Imperativ 2.Pl.)

yamo no gātuṃ prathamo viveda naiṣā gavyūtir apabhartavā u yatrā naḥ pūrve pitaraḥ paretā enā jajñānāḥ pathyā anu svāḥ ||50|| {5}

Yama hat als erster für uns den Weg gefunden; dieser Weg ist nicht mehr rückgängig zu machen. Wohin unsere früheren Väter gegangen sind, dorthin folgen die Geborenen auf ihren eigenen Pfaden.

Wort für Wort
yamo
Yama (Nom.)
no
für uns (Dat.)
gātuṃ
den Weg (Akk.)
prathamo
als erster (Nom.)
viveda
hat gefunden (3.Sg.Perf.)
naiṣā
na 'nicht' + eṣā 'diese' (Nom.fem.) → nicht diese
gavyūtir
der Weg (Nom.)
apabhartavā
apa- 'weg-' + bhartavai 'zu tragen(d)' (Infinitiv/Gerundiv) → wegzutragen, rückgängig zu machen [?]
u
fürwahr (Partikel)
yatrā
wohin (Adv.)
naḥ
unsere (Gen.)
pūrve
früheren (Nom.Pl.)
pitaraḥ
Väter (Nom.Pl.)
paretā
gegangen sind (Nom.Pl., Part.Perf.)
enā
auf diesem (Instr.)
jajñānāḥ
die Geborenen (Nom.Pl., Part.Perf.)
pathyā
Pfaden (Instr.Pl.)
anu
entlang (Präverb)
svāḥ
eigenen (Instr.Pl.)
||50||
(Verszählmarke: 50)
{5}
(Abschnittsmarke 5)

barhiṣadaḥ pitara ūty arvāg imā vo havyā cakṛmā juṣadhvam ta ā gatāvasā śaṃtamenādhā naḥ śaṃ yor arapo dadhāta

Ihr auf dem Opferstreu sitzenden Väter, wendet euch mit eurer Hilfe herwärts; diese Opfergaben haben wir für euch bereitet - genießt sie! Kommt herbei mit eurem heilsamsten Schutz, und gewährt uns dann Heil und Wohlergehen, frei von Gebrechen.

Wort für Wort
barhiṣadaḥ
die auf dem Opferstreu Sitzenden (Vok.Pl.)
pitara
o Väter (Vok.Pl.)
ūty
mit Hilfe (Instr.)
arvāg
herwärts (Adv.)
imā
diese (Akk.Pl.)
vo
für euch (Dat.)
havyā
Opfergaben (Akk.Pl.)
cakṛmā
wir haben bereitet (1.Pl.Perf.)
juṣadhvam
genießt! (Imperativ Med. 2.Pl.)
ta
ihr (Nom.Pl.)
ā
herbei (Präverb)
gatāvasā
gata 'gekommen' (Part.Perf.) + avasā 'mit Schutz, Hilfe' (Instr.) → (kommt) mit Schutz [?]
śaṃtamenādhā
śaṃtamena 'mit dem heilsamsten' (Instr.) + adhā 'dann' (Adv.) → mit dem heilsamsten (Schutz), dann
naḥ
uns (Dat.)
śaṃ
Heil (Akk.)
yor
Wohlergehen (Akk.)
arapo
frei von Gebrechen (Akk.)
dadhāta
gewährt! (Imperativ 2.Pl.)

ācyā jānu dakṣiṇato niṣadyedaṃ no havir abhi gṛṇantu viśve mā hiṃsiṣṭa pitaraḥ kena cin no yad va āgaḥ puruṣatā karāma

Das Knie beugend, zu eurer Rechten euch niedersetzend, möget ihr alle diese unsere Opfergabe anerkennen. Schadet uns nicht, ihr Väter, in irgendeiner Weise - für das Unrecht, das wir euch aus menschlicher Unzulänglichkeit angetan haben mögen.

Wort für Wort
ācyā
beugend (Absolutiv/Instr.) [?]
jānu
das Knie (Akk.)
dakṣiṇato
zur Rechten (Adv.)
niṣadyedaṃ
niṣadya 'euch niedersetzend' (Absolutiv) + idaṃ 'dies' (Akk.) → euch niedersetzend, dies (Opfer anerkennend)
no
unsere (Gen.)
havir
Opfergabe (Akk.)
abhi
(Präverb)
gṛṇantu
möget anerkennen (Imperativ 3.Pl.)
viśve
alle (Nom.Pl.)
mā
nicht (Prohibitiv)
hiṃsiṣṭa
schadet! (Imperativ Aor. 2.Pl.)
pitaraḥ
o Väter (Vok.Pl.)
kena
in irgendeiner (Instr.)
cin
irgend (Partikel)
no
uns (Akk.)
yad
das (Rel.)
va
euch (Dat.)
āgaḥ
Unrecht (Akk.)
puruṣatā
puruṣa- 'Mensch' + -tā (Abstraktsuffix) → aus menschlicher Unzulänglichkeit (Instr.)
karāma
wir angetan haben mögen (1.Pl.Optativ)

tvaṣṭā duhitre vahatuṃ kṛṇoti tenedaṃ viśvaṃ bhuvanaṃ sam eti yamasya mātā paryuhyamānā maho jāyā vivasvato nanāśa

Tvaṣṭṛ bereitet für seine Tochter die Aussteuer zur Brautfahrt; dadurch kommt diese ganze Welt zusammen. Yamas Mutter, als Braut heimgeführt, die erhabene Gattin des Vivasvant, verschwand.

Wort für Wort
tvaṣṭā
Tvaṣṭṛ (Nom.)
duhitre
für seine Tochter (Dat.)
vahatuṃ
die Aussteuer, Brautfahrt (Akk.)
kṛṇoti
bereitet (3.Sg.Präs.)
tenedaṃ
tena 'dadurch' (Instr.) + idaṃ 'diese' (Nom./Akk.) → dadurch diese
viśvaṃ
ganze (Akk.)
bhuvanaṃ
Welt (Akk.)
sam
zusammen (Präverb)
eti
kommt (3.Sg.Präs.)
yamasya
Yamas (Gen.)
mātā
Mutter (Nom.)
paryuhyamānā
als Braut heimgeführt (Nom.fem., Part.Präs.Pass.)
maho
die erhabene (Nom.fem.)
jāyā
Gattin (Nom.)
vivasvato
des Vivasvant (Gen.)
nanāśa
verschwand (3.Sg.Perf.)

prehi prehi pathibhiḥ pūryāṇair yenā te pūrve pitaraḥ paretāḥ ubhā rājānau svadhayā madantau yamaṃ paśyāsi varuṇaṃ ca devam

Geh, geh auf den altbewährten Wegen, auf denen deine früheren Väter gegangen sind. Die beiden Könige, sich an der Svadhā-Speise erfreuend, Yama und den Gott Varuṇa, sollst du erblicken.

Wort für Wort
prehi
geh! (Imperativ 2.Sg.)
prehi
geh!
pathibhiḥ
auf den Wegen (Instr.Pl.)
pūryāṇair
altbewährten (Instr.Pl.)
yenā
auf denen (Instr.)
te
deine (Nom.Pl.)
pūrve
früheren (Nom.Pl.)
pitaraḥ
Väter (Nom.Pl.)
paretāḥ
gegangen sind (Nom.Pl., Part.Perf.)
ubhā
die beiden (Akk.Du.)
rājānau
Könige (Akk.Du.)
svadhayā
an der Svadhā-Speise (Instr.)
madantau
sich erfreuend (Akk.Du., Part.Präs.)
yamaṃ
Yama (Akk.)
paśyāsi
sollst du erblicken (Optativ/Konj. 2.Sg.)
varuṇaṃ
Varuṇa (Akk.)
ca
und
devam
den Gott (Akk.)

apeta vīta vi ca sarpatāto 'smā etaṃ pitaro lokam akran ahobhir adbhir aktubhir vyaktaṃ yamo dadāty avasānam asmai

Weicht, entfernt euch, kriecht auseinander von hier! Diesem Verstorbenen haben die Väter diesen Ort bereitet, ausgestattet mit Tagen, Wassern und Nächten; Yama gewährt ihm eine Ruhestätte.

Wort für Wort
apeta
weicht! (Imperativ 2.Pl.)
vīta
entfernt euch! (Imperativ 2.Pl.)
vi
aus- (Präverb)
ca
und
sarpatāto
sarpata 'kriecht!' (Imp. 2.Pl.) + -tas (Ablativsuffix 'von hier') → kriecht auseinander von hier!
'smā
diesem (Dat.)
etaṃ
diesen (Akk.)
pitaro
die Väter (Nom.Pl.)
lokam
Ort (Akk.)
akran
haben bereitet (3.Pl.Aor.)
ahobhir
mit Tagen (Instr.Pl.)
adbhir
mit Wassern (Instr.Pl.)
aktubhir
mit Nächten (Instr.Pl.)
vyaktaṃ
ausgestattet (Akk.)
yamo
Yama (Nom.)
dadāty
gewährt (3.Sg.Präs.)
avasānam
Ruhestätte (Akk.)
asmai
ihm (Dat.)

uśantas tvedhīmahy uśantaḥ sam idhīmahi uśann uśata ā vaha pitṝn haviṣe attave

Begehrend wollen wir dich entzünden, begehrend wollen wir dich entfachen. Du, der Begehrende, fahre die begehrenden Väter herbei, damit sie die Opfergabe verzehren.

Wort für Wort
uśantas
begehrend (Nom.Pl.)
tvedhīmahy
tvā 'dich' (Akk.) + idhīmahi 'wollen wir entzünden' (1.Pl.Optativ) → wollen wir dich entzünden
uśantaḥ
begehrend (Nom.Pl.)
sam
zusammen (Präverb)
idhīmahi
wollen wir entfachen (1.Pl.Optativ)
uśann
der Begehrende (Nom.)
uśata
die begehrenden (Akk.Pl.)
ā
herbei (Präverb)
vaha
fahre! (Imperativ 2.Sg.)
pitṝn
die Väter (Akk.Pl.)
haviṣe
für die Opfergabe (Dat.)
attave
zu verzehren (Infinitiv)

dyumantas tvedhīmahi dyumantaḥ sam idhīmahi dyumān dyumata ā vaha pitṝn haviṣe attave

Glanzvoll wollen wir dich entzünden, glanzvoll wollen wir dich entfachen. Du, der Glanzvolle, fahre die glanzvollen Väter herbei, damit sie die Opfergabe verzehren.

Wort für Wort
dyumantas
glanzvoll (Nom.Pl.)
tvedhīmahi
tvā 'dich' (Akk.) + idhīmahi 'wollen wir entzünden' (1.Pl.Optativ) → wollen wir dich entzünden
dyumantaḥ
glanzvoll (Nom.Pl.)
sam
zusammen (Präverb)
idhīmahi
wollen wir entfachen (1.Pl.Optativ)
dyumān
der Glanzvolle (Nom.)
dyumata
die glanzvollen (Akk.Pl.)
ā
herbei (Präverb)
vaha
fahre! (Imperativ 2.Sg.)
pitṝn
die Väter (Akk.Pl.)
haviṣe
für die Opfergabe (Dat.)
attave
zu verzehren (Infinitiv)

aṅgiraso naḥ pitaro navagvā atharvāṇo bhṛgavaḥ somyāsaḥ teṣāṃ vayaṃ sumatau yajñiyānām api bhadre saumanase syāma

Die Aṅgiras, unsere Väter, die Navagvas, die Atharvans, die Bhṛgus, die somaverwandten Ahnen - in deren Wohlwollen, der Opferwürdigen, möchten wir sein, möchten wir in ihrer gütigen Zuneigung stehen.

Wort für Wort
aṅgiraso
die Aṅgiras (Nom.Pl.)
naḥ
unsere (Gen.Pl.)
pitaro
Väter (Nom.Pl.)
navagvā
die Navagvas (Nom.Pl.)
atharvāṇo
die Atharvans (Nom.Pl.)
bhṛgavaḥ
die Bhṛgus (Nom.Pl.)
somyāsaḥ
somaverwandten (Nom.Pl.)
teṣāṃ
deren (Gen.Pl.)
vayaṃ
wir (Nom.)
sumatau
im Wohlwollen (Lok.)
yajñiyānām
der Opferwürdigen (Gen.Pl.)
api
auch (Partikel)
bhadre
in gütiger (Lok.)
saumanase
Zuneigung (Lok.)
syāma
möchten wir sein (Optativ 1.Pl.)

aṅgirobhir yajñiyair ā gahīha yama vairūpair iha mādayasva vivasvantaṃ huve yaḥ pitā te 'smin barhiṣy ā niṣadya

Komm hierher, Yama, mit den opferwürdigen Aṅgiras, erfreue dich hier mit den Vairūpas! Ich rufe Vivasvant an, der dein Vater ist, nachdem du dich auf diesem Opferstreu niedergelassen hast.

Wort für Wort
aṅgirobhir
mit den Aṅgiras (Instr.Pl.)
yajñiyair
opferwürdigen (Instr.Pl.)
ā
herbei (Präverb)
gahīha
komm hierher! (Imperativ 2.Sg.)
yama
o Yama (Vok.)
vairūpair
mit den Vairūpas (Instr.Pl.)
iha
hier (Adv.)
mādayasva
erfreue dich! (Imperativ Med. 2.Sg.)
vivasvantaṃ
Vivasvant (Akk.)
huve
ich rufe an (1.Sg.Präs.Med.)
yaḥ
der (Nom.)
pitā
Vater (Nom.)
te
dein (Gen.)
'smin
auf diesem (Lok.)
barhiṣy
Opferstreu (Lok.)
ā
(Präverb)
niṣadya
nachdem du dich niedergelassen hast (Absolutiv)

imaṃ yama prastaram ā hi rohāṅgirobhiḥ pitṛbhiḥ saṃvidānaḥ ā tvā mantrāḥ kaviśastā vahantv enā rājan haviṣo mādayasva

Besteige, Yama, dieses Opferlager, dich mit den Aṅgiras-Vätern einig fühlend. Es mögen dich die von den Sehern gesprochenen Sprüche herbeiführen; erfreue dich, o König, an dieser Opfergabe.

Wort für Wort
imaṃ
dieses (Akk.)
yama
o Yama (Vok.)
prastaram
das Opferlager (Akk.)
ā
herbei (Präverb)
hi
ja (Partikel)
rohāṅgirobhiḥ
roha 'besteige!' (Imp. 2.Sg.) + aṅgirobhiḥ 'mit den Aṅgiras' (Instr.Pl.) → besteige, mit den Aṅgiras-Vätern (Sandhi zweier Wörter)
pitṛbhiḥ
mit den Vätern (Instr.Pl.)
saṃvidānaḥ
dich einig fühlend (Nom., Part.Perf.Med.)
ā
herbei (Präverb)
tvā
dich (Akk.)
mantrāḥ
die Sprüche (Nom.Pl.)
kaviśastā
von den Sehern gesprochen (Nom.Pl., Adj.)
vahantv
mögen herbeiführen (Imperativ 3.Pl.)
enā
an dieser (Instr.)
rājan
o König (Vok.)
haviṣo
Opfergabe (Gen.)
mādayasva
erfreue dich! (Imperativ Med. 2.Sg.)

ita eta udāruhan divas pṛṣṭhānv āruhan pra bhūrjayo yathā pathā dyām aṅgiraso yayuḥ ||61|| {6}

Von hier stiegen sie empor, sie bestiegen die Höhen des Himmels, eilend wie [?] - auf dem Weg zogen die Aṅgiras zum Himmel. [Anm.: Das Wort 'bhūrjayaḥ' ist in seiner Bedeutung unsicher, evtl. 'die Eilenden' oder ein Vergleich mit Birkenblättern.]

Wort für Wort
ita
von hier (Adv.)
eta
sie (Nom.Pl.)
udāruhan
stiegen empor (3.Pl.Impf.)
divas
des Himmels (Gen.)
pṛṣṭhānv
pṛṣṭhāni 'die Höhen, Rücken' (Akk.Pl.) + anu 'entlang' (Präverb) → die Höhen entlang
āruhan
sie bestiegen (3.Pl.Impf.)
pra
voran (Präverb)
bhūrjayo
eilend [?] (Nom.Pl.)
yathā
wie (Adv.)
pathā
auf dem Weg (Instr.)
dyām
zum Himmel (Akk.)
aṅgiraso
die Aṅgiras (Nom.Pl.)
yayuḥ
zogen (3.Pl.Perf.)
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(Verszählmarke: 61)
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(Abschnittsmarke 6)

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