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Caraka-Saṃhitā · Kalpasthana

Adhyāya 2: Jimutaka Kalpa Zubereitungen aus Jīmūtaka

Das kurze zweite Kalpasthāna-Kapitel ist der Pflanze Jīmūtaka gewidmet, deren botanische Identität in der modernen Forschung nicht restlos geklärt ist, die aber wie ihre Verwandten Garāgarī, Veṇī und Devatāḍaka der Familie der Kürbisgewächse zugeordnet wird und als Emetikum bei Fieber, Atemnot (śvāsa) und Schluckauf (hikkā) eingesetzt wird. Ausführlich beschrieben werden Zubereitungen aus Frucht und Blüte je nach Reifegrad – von milchbasierten Speisen über vergorene Getränke (śukti) bis zu Abkochungen mit Guḍūcī, Süßholz oder Nimba –, die je nach vorherrschendem Doṣa und Fieberform ausgewählt werden. Ein aus der Milch der Pflanze bereitetes Medizinalghee gilt als besonders wirksames Brechmittel. Insgesamt neununddreißig Rezepturen fasst das Kapitel zusammen und reiht sich damit in die Gruppe der sechs klassischen Emetika-Pflanzen ein, die Ātreya zu Beginn des Kalpasthāna aufgezählt hatte.

athāto jīmūtakakalpaṃ vyākhyāsyāmaḥ

Nun werden wir das Kapitel über die Zubereitung (kalpa) des Jīmūtaka erklären.

iti ha smāha bhagavānātreyaḥ

So sprach der erhabene Ātreya:

kalpaṃ jīmūtakasyemaṃ phalapuṣpāśrayaṃ śuṇu| garāgarī ca veṇī ca tathā syāddevatāḍakaḥ

Höre diese Zubereitung des Jīmūtaka, die sich auf seine Frucht und Blüte stützt; ebenso soll sie auch für Garāgarī, Veṇī und Devatāḍaka gelten.

jīmūtakaṃ tridoṣaghnaṃ yathāsvauṣadhakalpitam| prayoktavyaṃ jvaraśvāsahikkādyeṣvāmayeṣu ca

Jīmūtaka, das die drei doṣas (vāta, pitta, kapha) beseitigt, nach der ihm eigenen Zubereitungsweise hergestellt, ist bei Fieber, Atemnot (śvāsa), Schluckauf (hikkā) und ähnlichen Krankheiten anzuwenden.

yathoktaguṇayuktānāṃ deśajānāṃ yathāvidhi| payaḥ puṣpe'sya, nirvṛtte phale peyā payaskṛtā

Von den (Pflanzen) mit den genannten Eigenschaften, die in der dafür geeigneten Gegend gewachsen sind, gebe man vorschriftsmäßig zur Zeit der Blüte Milch; ist die Frucht ausgereift, trinke man einen mit Milch bereiteten Reisschleim (peyā).

lomaśe kṣīrasantānaṃ, dadhyuttaramalomaśe| śṛte payasi dadhyamlaṃ jātaṃ haritapāṇḍuke

Ist die Frucht noch flaumig behaart, gebe man eine fortlaufend zubereitete Milchspeise; ist sie über das flaumige Stadium hinaus, Dickmilch (dadhi); ist die Milch gekocht (und weiterverarbeitet), so entsteht saure Dickmilch, sobald die Frucht grüngelblich geworden ist.

jīrṇānāṃ ca suśuṣkāṇāṃ nyastānāṃ bhājane śucau| cūrṇasya payasā śuktiṃ vātapittārditaḥ pibet

Von Früchten, die gereift, gut getrocknet und in einem sauberen Gefäß aufbewahrt sind: Wer von vāta und pitta geplagt ist, trinke die mit Milch angesetzte Gärflüssigkeit (śukti) des Pulvers (cūrṇa).

āsutya ca surāmaṇḍe mṛditvā prasrutaṃ pibet| kaphaje'rocake kāse pāṇḍuroge sayakṣmaṇi

Nachdem man das Pulver in surāmaṇḍa – dem Schaum bzw. Bodensatz von gegorenem Getränk – angesetzt und tüchtig durchgeknetet hat, trinke man die ausgepresste Flüssigkeit: bei kapha-bedingter Appetitlosigkeit (arocaka), bei Husten (kāsa), bei pāṇḍu-roga (Blutarmut mit Gelbfärbung) und bei damit verbundener Schwindsucht (yakṣma).

dve cāpothyāthavā trīṇi guḍūcyā madhukasya vā| kovidārādikānāṃ vā nimbasya kuṭajasya vā

Oder man nehme zwei, auch drei Teile von Guḍūcī, von Süßholz (madhuka), von den Pflanzen der Kovidāra-Gruppe, von Nimba oder von Kuṭaja,

kaṣāyeṣvāsutaṃ pūtvā tenaiva vidhinā pibet| athavā''ragvadhādīnāṃ saptānāṃ pūrvavat pibet

setze in deren Absud (kaṣāya) das Pulver an und filtere es; nach eben dieser Methode trinke man es. Oder man trinke es ebenso mit dem Absud der sieben Pflanzen der Āragvadha-Gruppe.

ekaikasya kaṣāyeṇa pittaśleṣmajvarārditaḥ

Wer von einem durch pitta und kapha (śleṣma) verursachten Fieber geplagt ist, trinke es mit dem Absud jeweils einer einzelnen dieser Pflanzen.

jīvakarṣabhakekṣūṇāṃ śatāvaryā rasena vā| pittaśleṣmajvare dadyādvātapittajvare'thavā

Oder man gebe es mit dem Saft von Jīvaka, Ṛṣabhaka, Zuckerrohr (ikṣu) oder Śatāvarī – bei Fieber durch pitta und kapha, oder bei Fieber durch vāta und pitta.

tathā jīmūtakakṣīrāt samutpannaṃ pacedghṛtam| phalādīnāṃ kaṣāyeṇa śreṣṭhaṃ tadvamanaṃ matam

Ebenso bereite man aus der Milch des Jīmūtaka ein Ghṛta (Medizinalghee), gekocht mit dem Absud seiner Frucht und anderer Teile; dieses gilt als das beste Mittel zum Erbrechen (vamana).

ṣaṭ kṣīre madirāmaṇḍe eko dvādaśa cāpare| sapta cāragvadhādīnāṃ kaṣāye'ṣṭau ca vartiṣu

Sechs Rezepturen mit Milch, eine mit madirāmaṇḍa, und zwölf weitere anderer Art; sieben mit dem Absud der Āragvadha-Gruppe und acht in Form von Pastillen (varti);

jīvakādiṣu catvāro ghṛtaṃ caikaṃ prakīrtitam| kalpe jīmūtakānāṃ ca yogāstriṃśannavādhikāḥ

vier bei der Jīvaka-Gruppe, und eine wird als Ghṛta-Rezeptur genannt. Im Kapitel über die Zubereitung des Jīmūtaka sind es somit neununddreißig Rezepturen (yoga) insgesamt.

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