athāta ikṣvākukalpaṃ vyākhyāsyāmaḥ
Nun wollen wir das Ikṣvākukalpa (das Kapitel über die Zubereitungen aus der Ikṣvāku-Pflanze) erläutern.
Caraka-Saṃhitā · Kalpasthana
Das dritte Kalpasthāna-Kapitel behandelt Ikṣvāku, den bitteren Flaschenkürbis (verwandt mit Lagenaria siceraria), der unter den Synonymen Phalinī, Lambā, Alābū und Tumbī bekannt ist und wegen seines emetischen Prinzips vor allem bei Kapha-bedingten Leiden wie Husten (kāsa), Atemnot (śvāsa), Vergiftung, Erbrechen und Fieber eingesetzt wird. Verwendet werden nahezu alle Pflanzenteile – junge Sprossen, Blüten, Fruchtfleisch, Samen und daraus gepresstes Öl –, zubereitet mit Milch, Buttermilch, Fleischbrühe oder Honig und Salz, wobei die Dosis schrittweise gesteigert wird. Auch ungewöhnliche Anwendungsformen wie das Riechen an einer Blütengirlande zur sanften Emesis werden erwähnt. Mit fünfundvierzig überlieferten Rezepturen zeigt das Kapitel exemplarisch, wie im Kalpasthāna eine einzelne Heilpflanze in ihrer gesamten therapeutischen Breite – von der Nahrungszubereitung bis zur Ölextraktion – erschlossen wird.
athāta ikṣvākukalpaṃ vyākhyāsyāmaḥ
Nun wollen wir das Ikṣvākukalpa (das Kapitel über die Zubereitungen aus der Ikṣvāku-Pflanze) erläutern.
iti ha smāha bhagavānātreyaḥ
So sprach der erhabene Ātreya.
siddhaṃ vakṣyāmyathekṣvākukalpaṃ yeṣāṃ praśasyate lambā'tha kaṭukālābūstumbī piṇḍaphalā tathā
Ich werde nun das bewährte Ikṣvākukalpa darlegen, für das Lambā, ferner die bittere Alābū (der Bitterkürbis), die Tumbī sowie ebenso die Piṇḍaphalā gerühmt werden.
ikṣvākuḥ phalinī caiva procyate tasya kalpanā kāsaśvāsaviṣacchardijvarārte kaphakarṣite
Ikṣvāku wird auch Phalinī genannt; seine Zubereitung ist bestimmt für den von Kāsa (Husten), Śvāsa (Atemnot), Gift, Erbrechen und Fieber Geplagten, der von Kapha (einem der drei Doṣas – der Lebensenergien, die Körper und Geist lenken, hier dem Prinzip von Schleim und Struktur) ausgezehrt ist
pratāmyati nare caiva vamanārthaṃ tadiṣyate apuṣpasya pravālānāṃ muṣṭiṃ prādeśasammitam
und der matt und kraftlos wird – für ihn ist diese Zubereitung zum Zweck des Erbrechens (Vamana, der therapeutischen Emesis) bestimmt. Man nehme eine Handvoll noch blütenloser junger Sprossen, von der Größe eines Prādeśa (der Spanne zwischen Daumen und Zeigefinger),
kṣīraprasthe śṛtaṃ dadyāt pittodrikte kaphajvare| puṣpādiṣu ca catvāraḥ kṣīre jīmūtake yathā
und lasse sie, in einem Prastha (Hohlmaß) Milch gekocht, bei Kapha-Fieber mit übermäßigem Pitta (dem Doṣa von Feuer und Stoffwechsel) verabreichen. Auch mit den Blüten und weiteren Teilen anstelle der Sprossen gibt es vier entsprechende Zubereitungen, ebenso in Milch, wie beim Jīmūtaka.
yogā haritapāṇḍūnāṃ surāmaṇḍena pañcamaḥ| phalasvarasabhāgaṃ ca triguṇakṣīrasādhitam
Es gibt Rezepturen gegen Haritapāṇḍu (eine Form der Gelbsucht mit grünlicher Blässe); die fünfte davon wird mit Surāmaṇḍa (dem Schaum des gegorenen Getränks Surā) bereitet. Man nehme ferner einen gleichen Anteil frischen Fruchtsaft, mit der dreifachen Menge Milch gekocht.
uraḥsthite kaphe dadyāt svarabhede ca pīnase| jīrṇe madhyoddhṛte kṣīraṃ prakṣipettadyadā dadhi
Dies gebe man, wenn Kapha sich in der Brust festgesetzt hat, sowie bei Heiserkeit und bei Pīnasa (Schnupfen). Ist es ausgereift und die mittlere Schicht entnommen, so gieße man Milch hinzu, sobald der Rest zu Dadhi (Sauermilch) geworden ist.
jātaṃ syāt sakaphe kāse śvāse vamyāṃ ca tat pibet| ajākṣīreṇa bījāni bhāvayet pāyayet ca
Ist der Sauermilch-Ansatz entstanden, trinke man ihn bei Kapha-bedingtem Husten und bei Atemnot sowie zum Erbrechen. Die Samen tränke man in Ziegenmilch und gebe sie zu trinken –
viṣagulmodaragranthigaṇḍeṣu ślīpadeṣu ca| mastunā vā phalānmadhyaṃ pāṇḍukuṣṭhaviṣārditaḥ
bei Vergiftung, Gulma (abdominalen Geschwulsten), Udara (Bauchwassersucht), Granthi (Drüsenschwellungen) und Gaṇḍa (Kropf) sowie bei Ślīpada (Elephantiasis). Oder man gebe das Fruchtfleisch mit Mastu (Molke) dem von Pāṇḍu (Blutarmut/Gelbsucht), Kuṣṭha (Hautkrankheit) oder Gift Geplagten.
tena takraṃ vipakvaṃ vā sakṣaudralavaṇaṃ pibet tumbyā phalarasaiḥ śuṣkaiḥ sapuṣpairavacūrṇitam
Mit diesem Fruchtfleisch bereite man Buttermilch, gekocht oder ungekocht, und trinke sie mit Honig und Salz versetzt; oder man nehme ein mit getrocknetem Fruchtsaft der Tumbī und ihren Blüten bestäubtes Pulver.
chardayenmālyamāghrāya gandhasampatsukhocitaḥ bhakṣayet phalamadhyaṃ vā guḍena palalena ca
Man löse Erbrechen aus, indem man an einer entsprechend duftenden Blütengirlande riecht – geeignet für den, dem eine angenehme Behandlung durch Wohlgeruch zusagt. Oder man esse das Fruchtfleisch mit Rohrzucker (Guḍa) und Sesampaste (Palala).
ikṣvākuphalatailaṃ vā siddhaṃ vā pūrvavadghṛtam | pañcāśaddaśavṛddhāni phalādīnāṃ yathottaram
Oder man verwende Öl aus der Ikṣvāku-Frucht, oder wie zuvor bereitetes Ghee. Die Dosen der Früchte und der übrigen Zutaten steigert man stufenweise von zehn bis auf fünfzig.
pibedvimṛdya bījāni kaṣāyeṣvāśataṃ pṛthak| yaṣṭyāhvakovidārādyairmuṣṭimantarnakhaṃ pibet
Man zerreibe die Samen und trinke sie in Abkochungen, jeweils gesondert, bis zu hundert Einheiten; mit Abkochungen von Yaṣṭyāhva (Süßholz), Kovidāra und dergleichen trinke man eine lockere Handvoll (antarnakham – „mit eingezogenen Nägeln“ gemessen).
kaṣāyaiḥ kovidārādyairmātrāśca phalavat smṛtāḥ bilvamūlakaṣāyeṇa tumbībījāñjaliṃ pacet
Bei Abkochungen von Kovidāra und dergleichen gelten dieselben Dosen wie bei der Frucht. Mit einer Abkochung der Bilva-Wurzel koche man eine doppelte Handvoll (Añjali) Tumbī-Samen.
pūtasyāsya trayo bhāgāścaturthaḥ phāṇitasya tu| saghṛto bījabhāgaśca piṣṭānardhāṃśikāṃstathā
Von diesem, nachdem es durchgeseiht ist, nehme man drei Teile, dazu einen vierten Teil Phāṇita (Rohzuckersirup), einen mit Ghee versetzten Teil Samen und ebenso halbe Anteile gemahlener Zutaten von
mahājālinijīmūtakṛtavedhanavatsakān| taṃ lehaṃ sādhayeddarvyā ghaṭṭayanmṛdunā'gninā
Mahājālinī, Nijīmūta, Kṛtavedhana und Vatsaka (Kuṭaja-Samen). Diesen Leha (eine Latwerge) bereite man mit der Schöpfkelle, indem man ihn bei sanftem Feuer ständig umrührt,
yāvat syāttantumattoye patitaṃ tu na śīryate| taṃ lihanmātrayā lehaṃ pramathyāṃ ca pibedanu
bis er, ins Wasser getropft, Fäden zieht und sich nicht auflöst. Diese Latwerge nehme man löffelweise in der vorgeschriebenen Dosis ein und trinke danach eine Pramathyā (ein aufgeschlagenes Buttermilchgetränk).
kalpa eṣo'gnimanthādau catuṣke pṛthagucyate śaktubhirvā pibenmanthaṃ tumbīsvarasabhāvitaiḥ
Diese Zubereitungsweise wird auch gesondert für die Gruppe der vier Drogen angegeben, die mit Agnimantha beginnt. Oder man trinke einen Mantha (ein verrührtes Getränk) aus Śaktu (geröstetem Gerstenmehl), das mit frischem Tumbī-Saft getränkt wurde,
kaphaje'tha jvare kāse kaṇṭharogeṣvarocake| gulme mehe praseke ca kalkaṃ māṃsarasaiḥ pibet
bei Kapha-bedingtem Fieber, Husten, Halskrankheiten, Appetitlosigkeit (Arocaka), Gulma, Meha (Harnwegserkrankungen) und übermäßigem Speichelfluss (Praseka) – man trinke die Paste (Kalka) mit Fleischbrühe.
naraḥ sādhu vamatyevaṃ na ca daurbalyamaśnute| payasyaṣṭau surāmaṇḍa-mastu-takreṣu ca trayaḥ| ghreyaṃ sapalalaṃ tailaṃ vardhamānāḥ phaleṣu ṣaṭ
So erbricht der Mensch geordnet und erleidet dabei keine Schwäche. Von diesen Rezepturen gibt es acht in Milch, drei in Surāmaṇḍa, Molke und Buttermilch, eine zum Riechen, eine mit Sesampaste, eine als Öl sowie sechs mit stufenweise gesteigerter Dosis der Frucht,
ghṛtamekaṃ kaṣāyeṣu navānye madhukādiṣu| aṣṭau vartikriyā lehāḥ pañca mantho rasastathā
eine mit Ghee, neun weitere in Abkochungen angefangen mit Süßholz (Madhuka), acht als Vartis (medizinische Stäbchen), etliche als Lehas (Latwergen), fünf als Mantha und ebenso welche als Rasa (Fleischbrühe-Zubereitung).
yogā ikṣvākukalpe te catvāriṃśacca pañca ca| uktā maharṣiṇā samyak prajānāṃ hitakāmyayā
Diese Rezepturen des Ikṣvākukalpa sind fünfundvierzig an der Zahl; sie wurden vom großen Weisen zutreffend gelehrt, aus dem Wunsch, den Geschöpfen Wohl zu bringen.