athātaścaturaṅgulakalpaṃ vyākhyāsyāmaḥ
Nun also wollen wir das Caturaṅgula-Kalpa (die Zubereitungslehre des Caturaṅgula) darlegen.
Caraka-Saṃhitā · Kalpasthana
Im achten Kapitel des Kalpasthāna wird Caturaṅgula behandelt, eine weitere Bezeichnung für den als Āragvadha oder Rājavṛkṣa bekannten Baum – die Röhrenkassie (Cassia fistula), deren Fruchtmark hier zu einem milden Abführmittel (virecana) verarbeitet wird. Anders als das scharfe Trivṛt des vorangehenden Kapitels gilt Caturaṅgula als sanft, süß und kühlend; der Text empfiehlt es ausdrücklich für Kinder, Greise, Verletzte und geschwächte Patienten sowie bei Fieber, Herzleiden und der windbedingten Störung Udāvarta. Die reifen Früchte werden nach siebentägiger Sandlagerung getrocknet, ihr Mark mit Traubensaft, Joghurtmolke, Zuckerrohrgetränken oder Trivṛt-Absud vermischt und teils zu Latwergen oder fermentierten Getränken (Ariṣṭa) weiterverarbeitet. Mit lediglich achtzehn Rezepturen gehört dieses Kapitel zu den knapperen des Kalpasthāna, was der milden, unkomplizierten Natur der Droge entspricht – ein bewusster Kontrast zu den vorangegangenen, kräftiger wirkenden Purgativmitteln.
athātaścaturaṅgulakalpaṃ vyākhyāsyāmaḥ
Nun also wollen wir das Caturaṅgula-Kalpa (die Zubereitungslehre des Caturaṅgula) darlegen.
iti ha smāha bhagavānātreyaḥ
So sprach fürwahr der ehrwürdige Ātreya.
āragvadho rājavṛkṣaḥ śampākaścaturaṅgulaḥ| pragrahaḥ kṛtamālaśca karṇikāro'vaghātakaḥ
Āragvadha, Rājavṛkṣa, Śampāka, Caturaṅgula, Pragraha, Kṛtamāla, Karṇikāra und Avaghātaka – so lauten die Namen dieser einen Pflanze (Cassia fistula, der Röhrenkassie).
jvarahṛdrogavātāsṛgudāvartādirogiṣu| rājavṛkṣo'dhikaṃ pathyo mṛdurmadhuraśītalaḥ
Bei Fieber (jvara), Herzleiden (hṛdroga), vātāsṛj (einer durch vāta verursachten Blutstörung, etwa gichtartiger Art) und udāvarta (aufwärts drängender Windstauung) sowie ähnlichen Krankheiten ist Rājavṛkṣa besonders zuträglich (pathya); er ist mild, süß und kühlend.
bāle vṛddhe kṣate kṣīṇe sukumāre ca mānave| yojyo mṛdvanapāyitvādviśeṣāccaturaṅgulaḥ
Für Kinder, Greise, Verletzte, Geschwächte und zarte Menschen ist Caturaṅgula besonders geeignet, da er mild wirkt und ohne schädliche Nachwirkungen abgeht.
phalakāle phalaṃ tasya grāhyaṃ pariṇataṃ ca yat| teṣaṃ guṇavatāṃ bhāraṃ sikatāsu nidhāpayet
Zur Zeit der Fruchtreife sammle man seine reifen Früchte; von diesen qualitätvollen Früchten lagere man eine Traglast im Sand ein.
saptarātrāt samuddhṛtya śoṣayedātape bhiṣak| tato majjānamuddhṛtya śucau bhāṇḍe nidhāpayet
Nach sieben Nächten hole der Arzt sie wieder hervor und trockne sie in der Sonne; danach entnehme er das Fruchtmark (majjan) und bewahre es in einem sauberen Gefäß auf.
drākṣārasayutaṃ dadyāddāhodāvartapīḍite| caturvarṣamukhe bāle yāvaddvādaśavārṣike
Mit Traubensaft vermischt gebe man es einem von Brennen (dāha) und udāvarta geplagten Kind, sei es vier Jahre alt oder bis zu zwölf Jahren.
caturaṅgulamajjñastu prasṛtaṃ vā'thavā'ñjalim surāmaṇḍena saṃyuktamathavā kolasīdhunā
Vom Fruchtmark des Caturaṅgula gebe man eine prasṛta- oder eine añjali-Menge (traditionelle Handmaße), vermischt entweder mit surāmaṇḍa (dem klaren Absatz des Surā-Bieres) oder mit kola-sīdhu (Jujube-Wein).
dadhimaṇḍena vā yuktaṃ rasenāmalakasya vā| kṛtvā śītakaṣāyaṃ taṃ pibet sauvīrakeṇa vā
Oder vermischt mit dadhimaṇḍa (Joghurtmolke) oder mit Amalaka-Saft; daraus bereite man einen kalten Absud (śītakaṣāya) und trinke ihn, auch zusammen mit sauvīraka (einem gesäuerten Getreidegetränk).
trivṛto vā kaṣāyeṇa majjñaḥ kalkaṃ tathā pibet| tathā bilvakaṣāyeṇa lavaṇakṣaudrasaṃyutam
Oder man trinke die Paste (kalka) des Fruchtmarks zusammen mit einem Trivṛt-Absud, ebenso mit einem Bilva-Absud, vermischt mit Salz und Honig.
kaṣāyeṇāthavā tasya trivṛccūrṇaṃ guḍānvitam| sādhayitvā śanairlehaṃ lehayenmātrayā naram
Oder man bereite mit dessen Absud das Trivṛt-Pulver zusammen mit Rohrzucker (guḍa), koche es langsam zu einer Latwerge (leha) ein und lasse den Kranken davon in angemessener Dosis lecken.
caturaṅgulasiddhādvā kṣīrādyadudiyādghṛtam| majjñaḥ kalkena dhātrīṇāṃ rase tatsādhitaṃ pibet
Oder man trinke das Ghee, das sich beim Kochen von Milch mit Caturaṅgula absetzt, zusammen mit der Paste des Fruchtmarks, verarbeitet in Amalaka-Saft (dhātrī-Saft).
tadeva daśamūlasya kulatthānāṃ yavasya ca| kaṣāye sādhitaṃ sarpiḥ kalkaiḥ śyāmādibhiḥ pibet
Eben dieses Ghee, gekocht im Absud der Daśamūla (der zehn Wurzeln), von Kulattha (Pferdebohnen) und Gerste, trinke man zusammen mit den Pasten von Śyāmā und anderen Drogen.
dantīkvāthe'ñjaliṃ majjñāḥ śampākasya guḍasya ca| dattvā māsārdhamāsasthamariṣṭaṃ pāyayeta ca
In einen Dantī-Absud gebe man eine añjali-Menge Fruchtmark von Śampāka sowie Rohrzucker; man lasse dies einen Monat oder einen halben Monat stehen und gebe diesen Ariṣṭa (fermentierten Trank) dann zu trinken.
yasya yat pānamannaṃ ca hṛdyaṃ svādvatha vā kaṭu| lavaṇaṃ vā bhavettena yuktaṃ dadyādvirecanam
Welches Getränk oder welche Speise jemandem angenehm ist – sei sie süß, scharf oder salzig –, damit vermischt gebe man das Abführmittel (virecana).
drākṣārase surāsīdhvordadhni cāmalakīrase| sauvīrake kaṣāye ca trivṛto bilvakasya ca
In Traubensaft, in Surā- oder Sīdhu-Bier, in Joghurt und in Amalaka-Saft, in Sauvīraka sowie im Absud von Trivṛt und von Bilva,
lehe'riṣṭe ghṛte dve ca yogā dvādaśa kīrtitāḥ| caturaṅgulakalpe'smin sukumārāḥ sukhodayāḥ
in Latwerge, in Ariṣṭa und in zwei Ghee-Zubereitungen – zwölf Rezepturen wurden so in diesem Caturaṅgula-Kalpa verkündet, milde und mit angenehmer Wirkung.