Quellen der Menschheit

Caraka-Saṃhitā · Kalpasthana

Adhyāya 4: Dhamargava Kalpa Zubereitungen aus Dhāmārgava

Das vierte Kalpasthāna-Kapitel widmet sich Dhāmārgava, einer Kürbisgewächs-Pflanze, deren botanische Zuordnung in der Sekundärliteratur uneinheitlich bleibt und die unter den Synonymen Karkoṭakī, Koṭhaphalā, Mahājālinī und Rājakośātakī geführt wird. Als Emetikum wird sie vor allem bei Vergiftungen, Bauchgeschwulsten (gulma), Bauchwassersucht (udara), Husten sowie bei im Rachen sitzendem Kapha eingesetzt. Verarbeitet werden Frucht, Blüte und junge Triebe zu Pillen, mit Milch oder Branntwein angesetzten Zubereitungen, Latwergen mit stärkenden Kräutern wie Jīvaka und Śatāvarī sowie zu Medizinalghee; auch der Saft verschiedener Tierdungarten dient als ungewöhnliches Trägermedium für manche Rezepturen. Mit sechzig überlieferten Zubereitungen schließt das Kapitel die viergliedrige Reihe der wichtigsten Kalpasthāna-Pflanzenkapitel ab, bevor die Caraka-Saṃhitā sich weiteren Emetika- und Abführdrogen zuwendet.

athāto dhāmārgavakalpaṃ vyākhyāsyāmaḥ

Nun werden wir das Kapitel über die Zubereitung (kalpa) des Dhāmārgava erklären.

iti ha smāha bhagavānātreyaḥ

So sprach der erhabene Ātreya:

karkoṭakī koṭhaphalā mahājālinireva ca| dhāmārgavasya paryāyā rājakośātakī tathā

Karkoṭakī, Koṭhaphalā und ebenso Mahājālinī sowie Rājakośātakī sind die Synonyme des Dhāmārgava.

gare gulmodare kāse vāte śleṣmāśayasthite| kaphe ca kaṇṭhavakrasthe kaphasañcayajeṣu ca

Bei Vergiftung (gara), bei Gulma (Bauchgeschwulst) und Udara (Bauchwassersucht), bei Husten (kāsa), bei vāta, das im Sitz des kapha sitzt, sowie bei kapha, das im Rachen und Mund sitzt, und bei den Krankheiten, die aus einer Ansammlung von kapha entstehen –

rogeṣveṣu prayojyaṃ syāt sthirāśca guravaśca ye phalaṃ puṣpaṃ pravālaṃ ca vidhinā tasya saṃharet

– bei diesen Krankheiten soll es angewendet werden. Man sammle nach der vorgeschriebenen Regel seine Frucht, Blüte und jungen Triebe (pravāla), sofern diese fest und schwer, das heißt ausgereift, sind.

pravālasvarasaṃ śuṣkaṃ kṛtvā ca gulikāḥ pṛthak| kovidārādibhiḥ peyāḥ kaṣāyairmadhukasya ca

Man trockne den ausgepressten frischen Saft der jungen Triebe und forme daraus einzelne Pillen; diese sind mit den Absuden von Kovidāra und dergleichen sowie von Süßholz (madhuka) einzunehmen.

puṣpādiṣu payoyogāścatvāraḥ pañcamī surā| pūrvavat... ... jīrṇaśuṣkāṇāmataḥ kalpaḥ pravakṣyate

Bei Blüte und dergleichen gibt es vier Zubereitungen mit Milch, als fünfte mit Branntwein (surā) – wie zuvor beschrieben [Text an dieser Stelle lückenhaft überliefert]. Nun wird die Zubereitung der gealterten, getrockneten Pflanzenteile dargelegt.

madhukasya kaṣāyeṇa bījakaṇṭhoddhṛtaṃ phalam| saguḍaṃ vyuṣitaṃ rātriṃ kovidārādibhistathā

Die von Samen und bitterem Stielansatz befreite Frucht, mit unraffiniertem Rohzucker (guḍa) versehen und eine Nacht lang im Absud von Süßholz oder ebenso von Kovidāra und dergleichen eingelegt –

dadyādgulmodarārtebhyo ye cāpyanye kaphāmayāḥ dadyādannena saṃyuktaṃ chardihṛdrogaśāntaye

– gebe man denen, die von Gulma und Udara geplagt sind, sowie auch bei anderen kapha-Erkrankungen; mit Speise vermischt gebe man sie, um Erbrechen (chardi) und Herzleiden (hṛdroga) zu besänftigen.

cūrṇairvā'pyutpalādīni bhāvitāni prabhūtaśaḥ| rasakṣīrayavāgvāditṛpto ghrātvā vamet sukham

Oder man tränke die Frucht wiederholt mit den Pulvern von Utpala (blauer Lotus) und dergleichen; nachdem man sich mit Fleischsaft, Milch oder Reisschleim (yavāgū) gesättigt hat, erbricht man leicht, nachdem man daran gerochen hat.

cūrṇīkṛtasya vartiṃ vā kṛtvā badarasammitām| vinīyāñjalimātre tu pibedgo'śvaśakṛdrase

Oder man forme aus dem Pulverisierten ein Stäbchen (vartī) von der Größe einer Jujube (badara), löse es in einer Handvoll Wasser auf und trinke es im Saft von Rinder- oder Pferdemist.

pṛṣatarṣyakuraṅgāhvagajoṣṭrāśvatarāvike| śvadaṃṣṭrakharakhaṅgānāṃ caivaṃ peyā śakṛdrase

Ebenso ist es zu trinken im Mistsaft von Pṛṣata (Fleckenhirsch), von Ṛṣya- und Kuraṅga-Antilope, von Elefant, Kamel, Maultier, Schaf, Hund, Esel und Nashorn (khaḍga).

jīvakarṣabhakau vīrāmātmaguptāṃ śatāvarīm| kākolīṃ śrāvaṇīṃ medāṃ mahāmedāṃ madhūlikām

Jīvaka und Ṛṣabhaka, Vīrā, Ātmaguptā, Śatāvarī, Kākolī, Śrāvaṇī, Medā, Mahāmedā und Madhūlikā –

ekaikaśo'bhisañcūrṇya saha dhāmārgaveṇa te| śarkarāmadhusaṃyuktā lehā hṛddāhakāsinām

– diese pulverisiere man einzeln fein und mische sie mit Dhāmārgava; mit Zucker und Honig versetzt, ergeben sie eine Latwerge (leha) für jene, die an Herzbrennen (hṛddāha) und Husten leiden.

sukhodakānupānāḥ syuḥ pittoṣmasahite kaphe dhānyatumburuyūṣeṇa kalkaḥ sarvaviṣāpahaḥ

Als Nachtrunk diene angenehm warmes Wasser, wenn kapha von der Hitze des pitta begleitet ist. Eine Paste (kalka) mit der Brühe von Koriander (dhānya) und Tumburu vertreibt jegliches Gift.

jātyāḥ saumanasāyinyā rajanyāścorakasya ca| vṛścīrasya mahākṣudrasahāhaimavatasya ca

Von Jātī, Saumanasāyinī, Rajanī (Kurkuma), Coraka, Vṛścīra, Mahākṣudrasahā und Haimavatī –

bimbyāḥ punarnavāyā vā kāsamardasya vā pṛthak | ekaṃ dhāmārgavaṃ dve vā kaṣāye parimṛdya tu

– oder von Bimbī, Punarnavā oder Kāsamarda, jeweils für sich: Man verreibe darin einen oder zwei Teile Dhāmārgava im Absud,

pūtaṃ manovikāreṣu pibedvamanamuttamam tacchṛtakṣīrajaṃ sarpiḥ sādhitaṃ vā phalādibhiḥ

seihe ihn und trinke ihn bei Geistesstörungen (manovikāra) als vorzügliches Brechmittel. Ebenso wirkt geklärtes Ghee, das mit darin gekochter Milch oder mit der Frucht und dergleichen zubereitet wurde.

pallave nava catvāraḥ kṣīra ekaḥ surāsave| kaṣāye viṃśatiḥ kalke daśa dvau ca śakṛdrase

Beim jungen Trieb (pallava) gibt es neun Zubereitungen, bei Milch vier, bei Branntwein (surāsava) eine, beim Absud (kaṣāya) zwanzig, bei der Paste (kalka) zehn und im Mistsaft zwei;

anna ekastathā ghreye daśa lehāstathā ghṛtam| kalpe dhāmārgavasyoktāḥ ṣaṣṭiryogā maharṣiṇā

bei Speise eine, ebenso beim Einatmen des Duftes (ghreya) zehn, ebenso bei Latwerge und Ghee – im Kapitel über Dhāmārgava wurden vom großen Weisen sechzig Rezepturen (yoga) genannt.

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