athāto madanakalpaṃ vyākhyāsyāmaḥ
Nun also werden wir das Kapitel über die Zubereitungen mit der Madana-Frucht (madanakalpa) erklären.
Caraka-Saṃhitā · Kalpasthana
Mit diesem Kapitel eröffnet Ātreya das Kalpasthāna, den der Zubereitung von Brech- und Abführmitteln gewidmeten Teil der Caraka-Saṃhitā, und widmet sein erstes Kapitel der Madana-Frucht (madanaphala), die traditionell mit dem Strauch Randia dumetorum (Catunaregam spinosa) identifiziert wird und als sicherstes und mildestes aller Emetika gilt. Neben der botanischen Einführung liefert das Kapitel grundlegende pharmakologische Prinzipien: die Unterscheidung von vamana (Erbrechen, Ausleitung nach oben) und virecana (Abführen, nach unten), die Bedeutung von Sammelort, Jahreszeit und Aufbewahrung für die Wirkkraft (vīrya) der Drogen sowie die Vorbereitung des Patienten durch Ölung und Schwitzung. Insgesamt einhundert Rezepturen aus der Madana-Frucht – als Latwerge, Kügelchen, Gebäck oder Getränk – werden aufgezählt, versetzt mit Honig und Steinsalz zur Verflüssigung des Kapha. Das Kapitel legt damit die methodische Grundlage für die gesamte Emesis-Therapie innerhalb des Pañcakarma.
| Pflanze | Kategorie |
|---|---|
| Madana-Frucht | Brechmittel (vamana) |
| Jīmūtaka | Brechmittel (vamana) |
| Ikṣvāku | Brechmittel (vamana) |
| Dhāmārgava | Brechmittel (vamana) |
| Kuṭaja | Brechmittel (vamana) |
| Kṛtavedhana | Brechmittel (vamana) |
| Śyāmā | Abführmittel (virecana) |
| Trivṛt | Abführmittel (virecana) |
| Caturaṅgula | Abführmittel (virecana) |
| Tilvaka | Abführmittel (virecana) |
| Mahāvṛkṣa | Abführmittel (virecana) |
| Saptalā | Abführmittel (virecana) |
| Śaṅkhinī | Abführmittel (virecana) |
| Dantī | Abführmittel (virecana) |
| Dravantī | Abführmittel (virecana) |
athāto madanakalpaṃ vyākhyāsyāmaḥ
Nun also werden wir das Kapitel über die Zubereitungen mit der Madana-Frucht (madanakalpa) erklären.
iti ha smāha bhagavānātreyaḥ
So sprach der erhabene Ātreya.
atha khalu vamanavirecanārthaṃ vamanavirecanadravyāṇāṃ sukhopabhogatamaiḥ sahānyairdravyairvividhaiḥ kalpanārthaṃ bhedārthaṃ vibhāgārthaṃ cetyarthaḥ,tadyogānāṃ ca kriyāvidheḥ sukhopāyasya samyagupakalpanārthaṃ kalpasthānamupadekṣyāmo'gniveśa!
Nun also, o Agniveśa, werde ich das Kalpasthāna lehren: zum Zweck der rechten Anwendung von Brechmitteln (vamana) und Abführmitteln (virecana), das heißt, um ihre Zubereitung zusammen mit anderen, verschiedenartigen und besonders angenehm einzunehmenden Substanzen zu erklären, um sie zu unterscheiden und einzuteilen, und um die Anwendung dieser Rezepturen sowie ihre bequeme, sachgemäße Durchführung angemessen darzulegen.
tatra doṣaharaṇamūrdhvabhāgaṃ vamanasañjñakam, adhobhāgaṃ virecanasañjñakam; ubhayaṃ vā śarīramalavirecanādvirecanasañjñāṃ labhate
Dabei wird die Entfernung der doṣas (der drei Fehlsäfte oder Bioenergien vāta, pitta und kapha) nach oben als „Erbrechen“ (vamana) bezeichnet, die nach unten als „Abführen“ (virecana); beides zusammen aber erhält, da es den Körper von seinen Ausscheidungsstoffen (mala) reinigt, ebenfalls die Bezeichnung „virecana“.
tatroṣṇa-tīkṣṇa-sūkṣma-vyavāyi-vikāśīnyauṣadhāni svavīryeṇa hṛdayamupetya dhamanīranusṛtya sthūlāṇusrotobhyaḥ kevalaṃ śarīragataṃdoṣasaṅghātamāgneyatvād viṣyandayanti, taikṣṇyād vicchindanti, sa vicchinnaḥ pariplavan [1] snehabhāvite kāyesnehāktabhājanasthamivakṣaudramasajjannaṇupravaṇabhāvādāmāśayamāgamyodānapraṇunno'gnivāyvātmakatvādūrdhvabhāgaprabhāvādauṣadhasyordhvamutkṣipyate,salilapṛthivyātmakatvādadhobhāgaprabhāvāccauṣadhasyādhaḥ pravartate, ubhayataścobhayaguṇatvāt| iti lakṣaṇoddeśaḥ
Dabei gilt: Heiße, scharfe, feinstoffliche, durchdringende (vyavāyin) und sich rasch ausbreitende (vikāśin) Heilmittel gelangen kraft ihrer eigenen Wirkkraft (vīrya) zum Herzen, folgen den Gefäßen (dhamanī) und lassen die im Körper angesammelte, in den groben wie feinen Kanälen (srotas) sitzende Doṣa-Masse durch ihre feurige (āgneya) Natur verflüssigen und durch ihre Schärfe zerteilen. Die so zerteilte Masse fließt umher und gelangt – da sie, wie Honig in einem geölten Gefäß, nicht haftet, sondern in feine Teilchen zerfällt – in den Magen (āmāśaya). Von dort wird sie durch das nach oben wirkende Vāta (udāna) und kraft der nach oben gerichteten Wirkung des aus Feuer und Wind bestehenden Heilmittels nach oben ausgestoßen; kraft der nach unten gerichteten Wirkung des aus Wasser und Erde bestehenden Heilmittels bewegt sie sich nach unten; und besitzt das Heilmittel beide Eigenschaften, wirkt es in beide Richtungen zugleich. So lautet die Darlegung der Kennzeichen.
tatra phala-jīmūtakekṣvāku-dhāmārgava-kuṭaja-kṛtavedhanānāṃ, śyāmā-trivṛccaturaṅgula-tilvaka-mahāvṛkṣa-saptalā-śaṅkhinī-dantī-dravantīnāṃ ca, nānāvidhadeśakālasambhavāsvāda-rasa-vīrya-vipāka-prabhāvagrahaṇād deha-doṣa-prakṛti-vayo-balāgni-bhakti-sātmya-rogāvasthādīnāṃ nānāprabhāvavattvācca, vicitragandha-varṇa-rasa-sparśānāmupayogasukhārthamasaṅkhyeyasaṃyogānāmapi casatāṃ dravyāṇāṃ vikalpamārgopadarśanārthaṃ ṣaḍvirecanayogaśatāni vyākhyāsyāmaḥ
Von der Madana-Frucht, Jīmūtaka, Ikṣvāku, Dhāmārgava, Kuṭaja und Kṛtavedhana als Brechmitteln sowie von Śyāmā, Trivṛt, Caturaṅgula, Tilvaka, Mahāvṛkṣa, Saptalā, Śaṅkhinī, Dantī und Dravantī als Abführmitteln – da diese je nach den verschiedenen Orten und Zeiten ihres Wachstums in Geschmack (rasa), Wirkkraft (vīrya), Wirkung nach der Verdauung (vipāka) und besonderer Wirkung (prabhāva) unterschiedlich sind, und da auch Körper, Doṣa, Konstitution (prakṛti), Lebensalter, Kraft, Verdauungsfeuer (agni), Ernährungsgewohnheit, Bekömmlichkeit (sātmya) und Krankheitsstadium je nach Fall verschiedene Wirkungen erfordern, und weil es zum bequemen Gebrauch von Substanzen mit den unterschiedlichsten Gerüchen, Farben, Geschmäckern und Berührungsqualitäten auch unzählige mögliche Kombinationen gibt – werden wir, um den Weg der rechten Auswahl aufzuzeigen, sechshundert Rezepturen für Brech- und Abführmittel erklären.
tāni tu dravyāṇi deśa-kāla-guṇa-bhājana-sampadvīryabalādhānāt kriyāsamarthatamāni bhavanti
Diese Substanzen aber werden erst durch die Vollkommenheit von Ort (deśa), Zeit (kāla), Eigenschaften (guṇa) und Aufbewahrungsgefäß (bhājana), wodurch ihre Wirkkraft und Kraft gestärkt werden, zur wirksamsten Durchführung der Behandlung fähig.
trividhaḥ khalu deśaḥ- jāṅgalaḥ, ānūpaḥ, sādhāraṇaśceti| tatra jāṅgalaḥ paryākāśabhūyiṣṭhaḥ, tarubhirapi ca kadara-khadirāsanāśvakarṇa-dhava-tiniśa-śallakī-sāla-somavalka-badarī-tindukāśvattha-vaṭāmalakīvanagahanaḥ, anekaśamī-kakubha-śiṃśapāprāyaḥ, sthiraśuṣkapavanabalavidhūyamānapranṛtyattaruṇaviṭapaḥ,pratatamṛgatṛṣṇikopagūḍhatanukharaparuṣasikatāśarkarābahulaḥ, lāvatittiricakorānucaritabhūmibhāgaḥ, vātapittabahulaḥ,sthirakaṭhinamanuṣyaprāyo jñeyaḥ, athānūpo hintālatamālanārikelakadalīvanagahanaḥ, saritsamudraparyantaprāyaḥ, śiśirapavanabahulaḥ,vañjulavānīropaśobhitatīrābhiḥ saridbhirupagatabhūmibhāgaḥ, kṣitidharanikuñjopaśobhitaḥ, mandapavanānuvījitakṣitiruhagahanaḥ,anekavanarājīpuṣpitavanagahanabhūmibhāgaḥ, snigdhatarupratānopagūḍhaḥ, haṃsa-cakravāka-balākā-nandīmukha-puṇḍarīka-kādamba-madgu -bhṛṅgarāja-śatapatra-mattakokilānunāditataruviṭapaḥ, sukumārapuruṣaḥ, pavanakaphaprāyo jñeyaḥ; anayorevadvayordeśayorvīrudvanaspativānaspatyaśakunimṛgagaṇayutaḥ sthirasukumārabalavarṇasaṃhananopapannasādhāraṇaguṇayuktapuruṣaḥsādhāraṇo jñeyaḥ
Es gibt bekanntlich drei Arten von Landschaft: jāṅgala (trocken), ānūpa (feucht) und sādhāraṇa (gemischt). Der jāṅgala-Landstrich ist überwiegend offen und weiträumig, mit dichten Wäldern aus Kadara-, Khadira-, Asana-, Śvakarṇa-, Dhava-, Tiniśa-, Śallakī-, Sāla-, Somavalka-, Badarī-, Tinduka-, Aśvattha- und Vaṭa-Bäumen bestanden, reich an Śamī-, Kakubha- und Śiṃśapā-Bäumen; seine jungen Zweige scheinen zu tanzen, hin- und hergewiegt von starken, trockenen Winden; er ist von weiten Luftspiegelungen durchzogen und voll von feinem, rauem, hartem Sand und Kies; sein Boden wird von Wachteln, Rebhühnern und Chakor-Vögeln durchstreift; er ist reich an Vāta und Pitta, und seine Bewohner sind, wie man weiß, kräftig und hartleibig. Der ānūpa-Landstrich ist dicht mit Hintāla-, Tamāla-, Kokospalmen- und Bananenhainen bestanden, liegt überwiegend an Flüssen und am Meer, ist reich an kühlem Wind; seine Flüsse haben Ufer, die mit Vañjula- und Vānīra-Gebüsch geschmückt sind, sein Boden ist von Hügeln und Lauben geschmückt und von sanftem Wind bewegtem, dichtem Baumbestand durchzogen, reich an vielerlei blühenden Wäldern und üppig rankenden Bäumen; seine Baumwipfel hallen wider vom Ruf der Schwäne, Cakravāka-Enten, Kraniche, Nandīmukha-, Puṇḍarīka- und Kādamba-Vögel, der Taucher, Bhṛṅgarāja- und Śatapatra-Vögel sowie trunkener Kuckucke; seine Bewohner sind zartgliedrig, und er ist reich an Vāta und Kapha. Die Landschaft, die beides in sich vereint – mit Kräutern, Sträuchern und Bäumen sowie Vogel- und Wildtierscharen beider Art versehen, deren Bewohner kräftig, zartgliedrig, stark, von guter Hautfarbe und festem Körperbau sind und die Eigenschaften beider teilen – wird als sādhāraṇa (gemischt) bezeichnet.
tatra deśe sādhāraṇe jāṅgale vā yathākālaṃ śiśirātapapavanasalilasevite same śucau pradakṣiṇodake śmaśāna-caitya-devayajanāgāra-sabhā-śvabhrārāma-valmīkoṣaravirahite kuśarohiṣāstīrṇe snigdhakṛṣṇamadhuramṛttike suvarṇavarṇamadhuramṛttike vāmṛdāvaphālakṛṣṭe'nupahate'nyairbalavattarairdrumairauṣadhāni jātāni praśasyante
In einer solchen gemischten oder trockenen Landschaft nun werden Heilpflanzen gelobt, die an einem Ort wachsen, der zur rechten Jahreszeit Kühle, Sonnenschein, Wind und Wasser genießt, eben und rein ist, dessen Gewässer im Uhrzeigersinn fließen, der frei ist von Leichenverbrennungsplätzen, Kultstätten, Tempeln, Versammlungshäusern, Gruben, Gärten und Termitenhügeln, der mit Kuśa- und Rohiṣa-Gras bedeckt ist, dessen Erde ölig-dunkel und süß oder goldfarben und süß ist, dessen Boden zwar weich, aber noch nicht vom Pflug bearbeitet wurde, und der nicht von anderen, kräftigeren Bäumen überwuchert und verdrängt wird.
tatra yāni kālajātānyupāgatasampūrṇapramāṇa-rasavīrya-gandhāni kālātapāgnisalilapavanajantubhiranupahatagandha-varṇa-rasa-sparśa-prabhāvāṇi pratyagrāṇyudīcyāṃ diśi sthitāni; teṣāṃ śākhāpalāśamaciraprarūḍhaṃ varṣāvasantayorgrāhyaṃ, grīṣme mūlāni śiśire vāśīrṇaprarūḍhaparṇānāṃ, śaradi tvakkandakṣīrāṇi, hemante sārāṇi, yathartu puṣpaphalamiti; maṅgalācāraḥ kalyāṇavṛttaḥ śuciḥśuklavāsāḥ sampūjya devatā aśvinau gobrāhmaṇāṃśca kṛtopavāsaḥ prāṅmukha udaṅmukho vā gṛhṇīyāt
Von diesen Pflanzen sammle man solche, die zur rechten Jahreszeit gewachsen sind, ihr volles Maß an Geschmack, Wirkkraft und Duft erreicht haben, deren Geruch, Farbe, Geschmack, Tastqualität und Wirkung nicht durch ungünstige Zeit, Sonnenhitze, Feuer, Wasser, Wind oder Ungeziefer beeinträchtigt sind, die frisch sind und in nördlicher Richtung stehen. Man sammle: Zweige und Blätter kurz nach ihrem Austrieb, in der Regenzeit und im Frühling; die Wurzeln im Sommer; im Spätwinter (śiśira) die Blätter, wenn sie zuvor abgefallen und wieder neu ausgetrieben sind; im Herbst Rinde, Knollen und Milchsaft; im Frost (hemanta) das Kernholz; und Blüten und Früchte jeweils zu ihrer Jahreszeit. Dabei soll man, nachdem man verheißungsvolle Riten vollzogen hat, sich rechtschaffen verhalten, rein und in weißer Kleidung gekleidet sein, die Gottheiten, die Aśvin-Zwillinge, Kühe und Brahmanen verehrt haben und gefastet haben, und mit dem Gesicht nach Osten oder Norden gewandt sammeln.
gṛhītvā cānurūpaguṇavadbhājanasthānyāgāreṣū prāgudagdvāreṣu nivātapravātaikadeśeṣu nityapuṣpopahārabalikarmavatsu, agni-salilopasveda-dhūma-rajo-mūṣaka-catuṣpadāmanabhigamanīyāni svavacchannāni śikyeṣvāsajya sthāpayet
Hat man sie gesammelt, so bewahre man sie – in Gefäße mit passenden Eigenschaften gelegt – in Häusern mit Türen nach Osten oder Norden auf, an windgeschützten, aber teils luftigen Orten, wo täglich Blumenopfer und Opfergaben dargebracht werden; wohlbedeckt hänge man sie in Hängevorrichtungen (śikya) auf, an Stellen, die für Feuer, Wasser, Dampf, Rauch, Staub, Mäuse und vierfüßige Tiere unzugänglich sind, und bewahre sie so sorgfältig auf.
tāni ca yathādoṣaṃ prayuñjīta surā-sauvīraka-tuṣodaka-maireya-medaka-dhānyāmla -phalāmla-dadhyamlādibhirvāte, mṛdvīkāmalaka -madhu-madhuka-parūṣaka-phāṇitakṣīrādibhiḥ pitte, śleṣmaṇi tu madhu-mūtra-kaṣāyādibhirbhāvitānyāloḍitāni ca; ityuddeśaḥ| taṃ vistareṇa dravya-deha-doṣa-sātmyādīni pravibhajya vyākhyāsyāmaḥ
Man wende diese Heilmittel je nach dem betroffenen Doṣa an: bei Vāta mit Surā (Gärgetränk), Sauvīraka, Reisspelzenwasser, Maireya, Medaka und sauren Getreide-, Frucht- oder Joghurtzubereitungen imprägniert; bei Pitta mit Weintrauben, Āmalaka, Honig, Süßholz, Parūṣaka, Rohrzuckersirup und Milch imprägniert; bei Kapha aber mit Honig, Urin, Absuden und dergleichen imprägniert und verrührt. So lautet die Übersicht. Wir werden sie nun im Einzelnen darlegen, indem wir Substanz, Körperkonstitution, Doṣa, Bekömmlichkeit (sātmya) und dergleichen unterscheiden.
vamanadravyāṇāṃ madanaphalāni śreṣṭhatamānyācakṣate, anapāyitvāt| tāni vasantagrīṣmayorantare [puṣyāśvayugbhyāṃ mṛgaśirasā vā gṛhṇīyānmaitre muhūrte| yāni pakvānyakāṇānyaharitāni pāṇḍūnyakrimīṇyapūtīnyajantujagdhānyahrasvāni; tāni pramṛjya , kuśapuṭe baddhvā,gomayenālipya, yavatu(bu)ṣamāṣaśālikulatthamudgapalānāmanyatame nidadhyādaṣṭarātram| ata ūrdhvaṃ mṛdūbhūtāni madhviṣṭagandhānyuddhṛtya śoṣayet| suśuṣkāṇāṃ phalapippalīruddharet | tāsāṃ ghṛtadadhimadhupalalavimṛditānāṃ punaḥ śuṣkāṇāṃ navaṃ kalaśaṃ supramṛṣṭavālukamarajaskamākaṇṭhaṃ pūrayitvā svavacchannaṃ svanuguptaṃśikyeṣvāsajya samyak sthāpayet
Unter den Brechmitteln werden die Madana-Früchte als die vorzüglichsten bezeichnet, weil sie ungefährlich sind. Man sammle sie zwischen Frühling und Sommer, unter den Mondhäusern Puṣya oder Aśvayuj oder unter Mṛgaśiras, zur günstigen Stunde des Maitra-Muhūrta – solche Früchte, die reif, nicht einäugig-verkümmert, nicht grün, nicht blassgelb, nicht wurmstichig, nicht faulig, nicht von Tieren angefressen und nicht zu klein sind. Man reinige sie, binde sie in ein Bündel aus Kuśa-Gras, bestreiche es mit Kuhmist und lege es acht Nächte lang in eines der folgenden ein: Gerste, Reisspelzen, Urdbohnen, Reis, Kulattha- oder Mungbohnen. Danach, wenn sie weich geworden sind und einen angenehm honigartigen Duft angenommen haben, hole man sie heraus und trockne sie. Von den gut getrockneten löse man die Samenkerne (phalapippalī) heraus. Diese knete man mit Ghee, Joghurt, Honig und Sesampaste durch, lasse sie erneut trocknen und fülle sie dann in ein neues, gut gereinigtes, staubfreies Tongefäß bis knapp unter den Hals; wohlbedeckt und wohlverwahrt hänge man es in Hängevorrichtungen auf und bewahre es sorgfältig auf.
atha cchardanīyamāturaṃ dvyahaṃ tryahaṃ vā snehasvedopapannaṃ śvaśchardayitavyamiti grāmyānūpaudakamāṃsarasa-kṣīra-dadhi-māṣa-tila-śākādibhiḥ samutkleśitaśleṣmāṇaṃ vyuṣitaṃ jīrṇāhāraṃ pūrvāhṇe kṛtabalihomamaṅgalaprāyaścittaṃ nirannamanatisnigdhaṃ yavāgvāghṛtamātrāṃ pītavantaṃ, tāsāṃ phalapippalīnāmantarnakhamuṣṭiṃ yāvadvā sādhu manyeta jarjarīkṛtya yaṣṭimadhukaṣāyeṇa kovidāra-karbudāra-nīpa-vidula-bimbī-śaṇapuṣpī-sadāpuṣpī-pratyakpuṣpīkaṣāyāṇāmanyatamena vā rātrimuṣitaṃ vimṛdya pūtaṃ madhusaindhavayuktaṃsukhoṣṇaṃ kṛtvā pūrṇaṃ śarāvaṃ mantreṇānenābhimantrayet- 'ॐ brahmadakṣāśvirudrendrabhūcandrārkānilānalāḥ| ṛṣayaḥ sauṣadhigrāmā bhūtasaṅghāśca pāntu te| rasāyanamivarṣīṇāṃ devānāmamṛtaṃ yathā| sudhevottamanāgānāṃ bhaiṣajyamidamastu te' ityevamabhimantryodaṅmukhaṃ prāṅmukhaṃ vā''turaṃ pāyayecchleṣmajvaragulmapratiśyāyārtaṃ viśeṣeṇa punaḥ punarāpittāgamanāt, tena sādhuvamati; hīnavegaṃ tu pippalyāmalaka-sarṣapa-vacākalkalavaṇoṣṇodakaiḥ punaḥ punaḥ pravartayedāpittadarśanāt| ityeṣa sarvaśchardanayogavidhiḥ
Nun zum Patienten, der zum Erbrechen gebracht werden soll: Er habe zwei oder drei Tage zuvor Ölung (sneha) und Schwitzbehandlung (sveda) erhalten, und man kündige ihm an, dass er am nächsten Tag erbrechen wird. Man mache ihn kapha-reich durch Speisen wie Fleisch von Haus- und Sumpf- oder Wassertieren, Milch, Joghurt, Urdbohnen, Sesam und Blattgemüse, gegeben am Vorabend, so dass die Speise bis zum Morgen verdaut ist. Am Vormittag, nachdem er Opfer, Feueropfer und verheißungsvolle Riten vollzogen hat, nehme er, ohne feste Nahrung, eine nicht allzu ölige Portion Reisschleim mit einer Dosis Ghee zu sich. Man nehme dann von jenen Samenkernen so viel, wie unter einen Fingernagel passt, oder soviel, wie man für angemessen hält, zerstoße sie fein und weiche sie über Nacht ein – in einem Sud aus Süßholz oder wahlweise aus Kovidāra, Karbudāra, Nīpa, Vidula, Bimbī, Śaṇapuṣpī, Sadāpuṣpī oder Pratyakpuṣpī. Am Morgen zerreibe man sie, seihe sie durch, versetze sie mit Honig und Steinsalz und erwärme sie angenehm. Über eine volle Schale dieses Trankes spreche man folgenden Segensspruch: „Oṃ. Brahmā, Dakṣa, die Aśvins, Rudra, Indra, die Erde, der Mond, die Sonne, der Wind und das Feuer, die Ṛṣis, die Schar der Heilkräuter und die Scharen der Wesen mögen dich beschützen. Möge dies für dich zur wirksamen Verjüngungskur der Ṛṣis werden, wie das Amṛta für die Götter, wie der Nektar für die edelsten Schlangenwesen – möge dies deine Arznei sein.“ Nach diesem Segensspruch gebe man dem nach Norden oder Osten blickenden Patienten den Trank zu trinken – besonders bei kapha-bedingtem Fieber, Gulma (Verhärtung im Bauch) und Schnupfen immer wieder, bis Galle im Erbrochenen erscheint; dann erbricht er gut. Bleibt die Wirkung schwach, so fördere man das Erbrechen wiederholt mit warmem, mit einer Paste aus Pippalī, Āmalaka, Senfsamen und Vacā versetztem Wasser, bis Galle erscheint. Dies ist die vollständige Anleitung für sämtliche Brechmittel-Rezepturen.
sarveṣu tu madhusaindhavaṃ kaphavilayanacchedārthaṃ vamaneṣu vidadhyāt| na coṣṇavirodho madhunaśchardanayogayuktasya, avipakvapratyāgamanāddoṣanirharaṇācca
Bei allen Brechmitteln jedoch gebe man Honig und Steinsalz hinzu, um den Kapha zu verflüssigen und zu zertrennen. Und es besteht kein Widerspruch darin, Honig mit Warmem zu verbinden, wenn er Teil eines Erbrechenmittels ist – denn der Trank kommt unverdaut wieder zurück und führt so die Doṣas ab.
phalapippalīnāṃ dvau dvau bhāgau kovidārādikaṣāyeṇa triḥsaptakṛtvaḥ srāvayet, tena rasena tṛtīyaṃ bhāgaṃ piṣṭvā mātrāṃharītakībhirbibhītakairāmalairvā tulyāṃ vartayet, tāsāmekāṃ dve vā pūrvoktānāṃ kaṣāyāṇāmanyatamasyāñjalimātreṇa vimṛdyabalavacchleṣmaprasekagranthijvarodarāruciṣu pāyayediti samānaṃ pūrveṇa
Man übergieße die Samenkerne der Madana-Frucht, je zu zwei Teilen, einundzwanzigmal mit dem Sud aus Kovidāra u.a., zerreibe sie dann mit einem Drittel dieses Suds und forme daraus, zu gleichen Teilen mit Harītakī, Bibhītaka oder Āmalaka vermengt, Kügelchen der üblichen Dosis. Von diesen reibe man eines oder zwei mit einer Handvoll eines der zuvor genannten Absude ein und gebe sie – wie zuvor beschrieben – bei kräftigem Speichelfluss, Halsdrüsengeschwulst, Fieber, Bauchleiden und Appetitlosigkeit zu trinken.
phalapippalīkṣīraṃ, tena vā kṣīrayavāgūmadhobhāge raktapitte hṛddāhe ca; tajjasya vā dadhna uttarakaṃ kaphaccharditamakaprasekeṣu ; tasyavā payasaḥ śītasya santānikāñjaliṃ pitte prakupite uraḥkaṇṭhahṛdaye ca tanukaphopadigdhe, iti samānaṃ pūrveṇa
Man gebe ebenso Milch, in der die Samenkerne der Madana-Frucht gekocht wurden, oder damit einen Milch-Reisschleim, bei Blutungen im unteren Körperbereich und bei Sodbrennen; oder den obersten Rahm des daraus bereiteten Joghurts bei kapha-bedingtem Erbrechen und übermäßigem Speichelfluss; oder eine Handvoll der obersten Haut dieser Milch, kalt, bei erregtem Pitta sowie bei Brust-, Hals- und Herzbeschwerden, die von zähem Kapha überzogen sind – wie zuvor beschrieben.
phalapippalīśṛtakṣīrānnavanītamutpannaṃ phalādikalkakaṣāyasiddhaṃ kaphābhibhūtāgniṃ viśuṣyaddehaṃ ca mātrayā pāyayediti samānaṃpūrveṇa
Die aus der mit den Samenkernen der Madana-Frucht gekochten Milch gewonnene frische Butter, gekocht mit einer Paste und einem Sud aus Madana-Frucht u.a., gebe man in angemessener Dosis demjenigen zu trinken, dessen Verdauungsfeuer von Kapha überwältigt ist und dessen Körper abmagert – wie zuvor beschrieben.
phalapippalīnāṃ phalādikaṣāyeṇa triḥsaptakṛtvaḥ suparibhāvitena puṣparajaḥprakāśena cūrṇena sarasi sañjātaṃ [1] bṛhatsaroruhaṃsāyāhne'vacūrṇayet, tadrātrivyuṣitaṃ prabhāte punaravacūrṇitamuddhṛtya haridrākṛsarakṣīrayavāgūnāmanyatamaṃsaindhavaguḍaphāṇitayuktamākaṇṭhaṃ pītavantamāghrāpayet sukumāramutkliṣṭapittakaphamauṣadhadveṣiṇamiti samānaṃ pūrveṇa
Man bestäube am Abend eine große, in einem Teich gewachsene Lotosblüte mit dem Pulver der Samenkerne der Madana-Frucht, die einundzwanzigmal mit einem Sud aus Madana-Frucht u.a. gut imprägniert und zu blütenstaubfeinem Pulver verarbeitet wurden. Die Blüte lasse man über Nacht so stehen, bestäube sie am Morgen erneut, nehme sie dann heraus und lasse den zartgliedrigen Patienten, dessen Pitta und Kapha erregt sind und der Abneigung gegen Arzneien hat, daran riechen – nachdem er zuvor eine bis zum Hals reichende Portion von entweder Gerstenbrei mit Kurkuma, Kṛsara (Reis-Bohnen-Brei) oder Milch-Reisschleim, versetzt mit Steinsalz und Rohrzuckersirup, getrunken hat – wie zuvor beschrieben.
phalapippalīnāṃ bhallātakavidhiparisrutaṃ svarasaṃ paktvā phāṇitībhūtamātantulībhāvāllehayet; ātapaśuṣkaṃ vā cūrṇīkṛtaṃjīmūtakādikaṣāyeṇa pitte kaphasthānagate pāyayediti samānaṃ pūrveṇa
Man koche den nach der Bhallātaka-Methode ausgepressten Saft der Samenkerne der Madana-Frucht, bis er sirupartig und fadenziehend wird, und lasse ihn als Latwerge auflecken; oder man trockne ihn in der Sonne, pulverisiere ihn und gebe ihn mit einem Sud aus Jīmūtaka u.a. zu trinken, wenn Pitta in den Bereich des Kapha übergetreten ist – wie zuvor beschrieben.
phalapippalīcūrṇāni pūrvavat phalādīnāṃ ṣaṇṇāmanyatamakaṣāyasrutāni vartikriyāḥ phalādikaṣāyopasarjanāḥ peyā iti samānaṃpūrveṇa
Man imprägniere das Pulver der Samenkerne der Madana-Frucht wie zuvor mit dem Sud eines der sechs genannten Mittel, forme daraus Kügelchen und trinke sie, mit einem Sud aus Madana-Frucht u.a. versetzt, als Trank – wie zuvor beschrieben.
phalapippalīnāmāragvadha -vṛkṣaka-svādukaṇṭaka-pāṭhā-pāṭalā-śārṅgeṣṭā-mūrvā-saptaparṇa-naktamāla-picumarda-paṭola-suṣavī-guḍūcī-somavalka-dvīpikānāṃ pippalī-pippalīmūla-hastipippalī-citraka-śṛṅgaverāṇāṃ cānyatamakaṣāyeṇa siddho leha itisamānaṃ pūrveṇa
Eine mit dem Sud eines der folgenden Mittel bereitete Latwerge aus den Samenkernen der Madana-Frucht – Āragvadha, Vṛkṣaka, Svādukaṇṭaka, Pāṭhā, Pāṭalā, Śārṅgeṣṭā, Mūrvā, Saptaparṇa, Naktamāla, Picumarda (Nimba), Paṭola, Suṣavī, Guḍūcī, Somavalka, Dvīpikā, oder Pippalī, Pippalīmūla, Hastipippalī, Citraka, Śṛṅgavera – wie zuvor beschrieben.
phalapippalīṣvelā-hareṇukā-śatapuṣpā-kustumburu-tagara-kuṣṭha-tvak-coraka-marubakāguru-guggulvelavāluka-śrīveṣṭaka-paripelava-māṃsī-śaileyaka-sthauṇeyaka-sarala-pārāvatapadyaśokarohiṇīnāṃ viṃśateranyatamasya kaṣāyeṇa sādhitotkārikā utkārikākalpena,modakā vā modakakalpena, yathādoṣarogabhakti prayojyā iti samānaṃ pūrveṇa
Man bereite die Samenkerne der Madana-Frucht mit dem Sud eines der zwanzig Mittel – Elā, Hareṇukā, Śatapuṣpā, Kustumburu, Tagara, Kuṣṭha, Zimtrinde, Coraka, Marubaka, Aguru, Guggulu, Elavāluka, Śrīveṣṭaka, Paripelava, Māṃsī, Śaileyaka, Sthauṇeyaka, Sarala, Pārāvatapadī, Aśokarohiṇī – zu einem Kuchen (utkārikā) nach Art der Utkārikā-Zubereitung oder zu Kügelchen (modaka) nach Art der Modaka-Zubereitung; man verabreiche sie je nach Doṣa und Krankheitsbild – wie zuvor beschrieben.
phalapippalīsvarasakaṣāyaparibhāvitāni tilaśālitaṇḍulapiṣṭāni tatkaṣāyopasarjanāni śaṣkulīkalpena vā śaṣkulyaḥ,pūpakalpena vā pūpāḥ iti samānaṃ pūrveṇa
Man imprägniere zu Mehl vermahlenen Sesam und Reis mit dem Saft oder Sud der Samenkerne der Madana-Frucht und bereite daraus, mit demselben Sud versetzt, entweder Śaṣkulī-Gebäck nach Art der Śaṣkulī-Zubereitung oder Pūpa-Fladen nach Art der Pūpa-Zubereitung – wie zuvor beschrieben.
etenaiva ca kalpena sumukha-surasa-kuṭheraka-kāṇḍīra-kālamālaka-parṇāsaka-kṣavaka-phaṇijjhaka-gṛñjana-kāsamarda-bhṛṅgarājānāṃpoṭekṣuvālikā-kālaṅkataka-daṇḍairakāṇāṃ cānyatamasya kaṣāyeṇa kārayet
Nach eben diesem Verfahren bereite man sie auch mit dem Sud eines der Kräuter Sumukha, Surasa, Kuṭheraka, Kāṇḍīra, Kālamālaka, Parṇāsaka, Kṣavaka, Phaṇijjhaka, Gṛñjana, Kāsamarda, Bhṛṅgarāja, Poṭekṣuvālikā, Kālaṅkataka oder Daṇḍairaka.
tathā badaraṣāḍava-rāga-leha-modakotkārikā-tarpaṇa-pānaka-māṃsarasa-yūṣa-madyānāṃ madanaphalānyanyatamenopasṛjyayathādoṣarogabhakti dadyāt; taiḥ sādhu vamatīti
Ebenso vermenge man die Madana-Früchte mit einer der folgenden Zubereitungen – Badara-Ṣāḍava (Beeren-Chutney), Rāga (Fruchtmus), Leha (Latwerge), Modaka, Utkārikā, Tarpaṇa (Röstmehltrunk), Pānaka (Fruchtgetränk), Fleischbrühe, Gemüsesuppe oder Wein – und gebe sie je nach Doṣa und Krankheitsbild; damit erbricht der Patient gut.
madanaḥ karahāṭaśca rāṭhaḥ piṇḍītakaḥ phalam| śvasanaśceti paryāyairucyate tasya kalpanā
Madana, Karahāṭa, Rāṭha, Piṇḍītaka, Phala und Śvasana – mit diesen Synonymen wird diese Pflanze bezeichnet. Damit ist die Beschreibung ihrer Zubereitungen abgeschlossen.
nava yogāḥ kaṣāyeṣu, mātrāsvaṣṭau , payoghṛte| pañca, phāṇitacūrṇe dvau ghreye, vartikriyāsu ṣaṭ
Neun Rezepturen gibt es bei den Absuden, acht bei den einfachen Dosen, fünf bei Milch und Ghee, zwei bei Sirup und Pulver, eine beim Riechmittel, sechs bei den Kügelchen-Zubereitungen.
viṃśatirviṃśatirlehamodakotkārikāsu ca| śaṣkulīpūpayoścoktā yogāḥ ṣoḍaśa ṣoḍaśa
Je zwanzig Rezepturen wurden bei der Latwerge, den Kügelchen und dem Kuchen genannt, und je sechzehn bei Śaṣkulī- und Pūpa-Gebäck.
daśānye ṣāḍavādyeṣu trayastriṃśadidaṃ śatam| yogānāṃ vidhivaddiṣṭaṃ phalakalpe maharṣiṇā
Zehn weitere finden sich bei Ṣāḍava und dergleichen; mit diesen dreiunddreißig ist die Zahl Hundert vollständig. So wurden die Rezepturen im Phalakalpa (dem Kapitel über die Madana-Frucht) vom großen Weisen der Ordnung gemäß dargelegt.