athāto vatsakakalpaṃ vyākhyāsyāmaḥ
Nun also werden wir das Vatsaka-Kalpa (die Zubereitungslehre der Rezepturen aus Vatsaka) erklären.
Caraka-Saṃhitā · Kalpasthana
Das fünfte Kapitel des Kalpasthāna behandelt den Vatsaka, botanisch identisch mit dem bekannten Kuṭaja (Holarrhena antidysenterica), aus dessen Samen (Indrayava) und Früchten ein klassisches Brechmittel (vamana) gegen pitta und kapha bereitet wird. Der Titel „Kalpa" verweist auf die für dieses Sthāna typische Form: Ausgehend von einer Leitdroge entfaltet der Text systematisch Rezepturvarianten, hier achtzehn, mit Trägerstoffen wie Süßholzsud, Milch oder Salzwasser. Botanisch bemerkenswert ist die Unterscheidung von männlicher Pflanze (große Früchte, weiße Blüten) und weiblicher, als Śyāmā bezeichneter Form mit rötlichen Blüten, die als milder gilt und auch für empfindliche Patienten sowie bei Herzleiden, Fieber und Vātarakta empfohlen wird. Als fünftes Kapitel eröffnet es im engeren Sinn die Reihe der Einzeldrogen-Monographien des Kalpasthāna, die nach dem einleitenden Madana-Kalpa mit dem Erbrechen als Hauptthema fortgesetzt wird.
athāto vatsakakalpaṃ vyākhyāsyāmaḥ
Nun also werden wir das Vatsaka-Kalpa (die Zubereitungslehre der Rezepturen aus Vatsaka) erklären.
iti ha smāha bhagavānātreyaḥ
So sprach der erhabene Ātreya.
atha vatsakanāmāni bhedaṃ strīpuṃsayostathā| kalpaṃ cāsya pravakṣyāmi vistareṇa yathātatham
Nun werde ich die Namen des Vatsaka sowie den Unterschied zwischen seiner weiblichen und männlichen Pflanze nennen, und ebenso werde ich seine Zubereitung (kalpa) ausführlich und wahrheitsgetreu darlegen.
vatsakaḥ kuṭajaḥ śakro vṛkṣako girimallikā| bījānīndrayavāstasya tathocyante kaliṅgakāḥ
Vatsaka, Kuṭaja, Śakra, Vṛkṣaka und Girimallikā – so werden seine (verschiedenen) Namen genannt; seine Samen wiederum heißen Indrayava, ebenso auch Kaliṅgaka.
bṛhatphalaḥ śvetapuṣpaḥ snigdhapatraḥ pumān bhavet| śyāmā cāruṇapuṣpā strī phalavṛntaistathā'ṇubhiḥ
Die männliche Pflanze hat große Früchte, weiße Blüten und glänzende, ölige Blätter. Die weibliche Pflanze, Śyāmā genannt, hat rötliche Blüten und ebenso kleine, feine Fruchtstiele.
raktapittakaphaghnastu sukumāreṣvanatyayaḥ| hṛdrogajvaravātāsṛgvīsarpādiṣu śasyate
Sie (die weibliche Pflanze) beseitigt Blutstörungen (rakta), pitta und kapha, ist bei zarten, empfindlichen Patienten ohne Gefahr anwendbar und wird bei Herzleiden, Fieber, Vātarakta (Gicht/Blutgicht) sowie Vīsarpa (kriechenden Hautausschlägen) und dergleichen empfohlen.
kāle phalāni saṅgṛhyā tayoḥ śuṣkāṇi nikṣipet | teṣāmantarnakhaṃ muṣṭiṃ jarjarīkṛtya bhāvayet
Man sammle zur rechten Jahreszeit die Früchte beider Pflanzen und lege die getrockneten beiseite. Davon nehme man eine Handvoll im Maß eines antarnakha (etwa fingernagelbreit gehäuft), zerstoße sie fein und tränke sie ein (bhāvana, wiederholtes Einweichen und Trocknen).
madhukasya kaṣāyeṇa kovidārādibhistathā| niśi sthitaṃ vimṛdyaitallavaṇakṣaudrasaṃyutam
Man tränke sie mit einem Sud aus Madhuka (Süßholz) sowie ebenso mit einem Sud aus Kovidāra und weiteren (Drogen); über Nacht stehengelassen, zerreibe man dies am Morgen und vermenge es mit Salz und Honig.
pibettadvamanaṃ śreṣṭhaṃ pittaśleṣmanibarhaṇam aṣṭāhaṃ payasā''rkeṇa teṣāṃ cūrṇāni bhāvayet
Dies trinke man; es ist ein vorzügliches Brechmittel (vamana), das pitta und śleṣman (kapha) vernichtet. Acht Tage lang tränke man die Pulver dieser Samen mit Milch, die man der Sonne aussetzt (arka-bhāvana).
jīvakasya kaṣāyeṇa tataḥ pāṇitalaṃ pibet| phalajīmūtakekṣvākujīvantīnāṃ pṛthak tathā
Danach trinke man eine Handvoll (pāṇitala) davon zusammen mit einem Sud aus Jīvaka; ebenso, jeweils für sich, mit einem Sud aus den Früchten von Jīmūtaka, Ikṣvāku und Jīvantī.
sarṣapāṇāṃ madhūkānāṃ lavaṇasyāthavā'mbunā kṛśareṇāthavā yuktaṃ vidadhyādvamanaṃ bhiṣak
Oder der Arzt bereite das Brechmittel mit Senfkörnern (sarṣapa), mit Madhūka-Blüten, mit Salzwasser, oder auch mit Kṛśara (einem gewürzten Reis-Linsen-Brei) vermischt.
kaṣāyairnava cūrṇaiśca pañcoktāḥ salilaistrayaḥ| ekaśca kṛśarāyāṃ syādyogāste'ṣṭādaśa smṛtāḥ
Neun (Rezepturen) werden mit Absuden (kaṣāya) genannt, fünf mit Pulvern (cūrṇa), drei mit Wasser, und eine mit Kṛśara – so werden, wie überliefert, achtzehn Zubereitungen (yoga) gezählt.