Quellen der Menschheit

Caraka-Saṃhitā · Kalpasthana

Adhyāya 12: Dantidravanti Kalpa Zubereitungen aus Dantī und Dravantī

Mit dem zwölften Kapitel schließt das Kalpasthāna, und entsprechend trägt es doppeltes Gewicht: Zunächst behandelt es Dantī und Dravantī, zwei stark wirkende, scharfe und rasch wirksame Abführdrogen (vermutlich Baliospermum montanum beziehungsweise eine verwandte Art), deren dicke, elfenbeinfarben-braune Wurzeln zur Abmilderung ihrer Schärfe in Lehm gedämpft werden, bevor sie bei Bauchgeschwülsten, Bauchwassersucht, Blutarmut und Wurmbefall eingesetzt werden – achtundvierzig Rezepturen sind überliefert. Weit über die einzelne Droge hinaus zieht der Text am Ende jedoch Bilanz für das gesamte Kalpasthāna: Insgesamt 600 Rezepturen (355 zum Erbrechen, 245 zur Abführung) werden auf fünfzehn Leitdrogen zurückgeführt, dazu folgen grundsätzliche Erörterungen zur Klassifikation scharfer, mittlerer und milder Heilmittel sowie ein detailliertes System der Gewichts- und Hohlmaße (von der Guñjā-Beere bis zur Tulā). Dieser resümierende Schlussteil macht das Kapitel zu einer Art methodischem Nachwort der gesamten Pharmakologie der Emetika und Purgativa.

GEWICHTS- UND HOHLMASSE DES KALPASTHĀNA (Vers 87–97)
EinheitEntsprichtSynonyme
marīci6 trasareṇu–
sarṣapa6 marīci–
rakta8 sarṣapaGuñjā-Beere
taṇḍula2 rakta–
dhānyamāṣa2 taṇḍula–
yava2 dhānyamāṣaGerstenkorn
aṇḍikā4 yava–
māṣaka4 aṇḍikāHema, Dhānyaka
śāṇa3 māṣaka–
draṅkṣaṇa2 śāṇaKola, Badara
karṣa2 draṅkṣaṇaSuvarṇa, Akṣa, Biḍālapadaka, Picu, Pāṇitala, Tinduka, Kavalagraha
½ pala2 karṣa (suvarṇa)Śukti, Aṣṭamikā
pala2 × ½ palaMuṣṭi, Prakuñca, Caturthikā
prasṛta2 palaBilva, Ṣoḍaśikā, Āmra
kuḍava4 palaAñjali
aṣṭamāna4 prasṛta–
mānikā2 kuḍava–
prastha4 kuḍava–
āḍhaka4 prasthaPātra
kaṃsa8 prastha–
droṇa4 kaṃsaCārmaṇa, Nalvaṇa, Kalaśa, Ghaṭa, Unmāna
śūrpa2 droṇaKumbha
goṇī2 śūrpaKhārī, Bhāra
vāha32 śūrpa–
tulā100 pala–
Dieses Maßsystem (Māgadha-Maß, dem Kāliṅga-Maß vorgezogen) gilt für trockene Substanzen; für Flüssigkeiten und frisch ausgepresste Stoffe gilt das doppelte Maß (Vers 98). Einige Zwischenverhältnisse werden im Text nur beiläufig genannt und sind hier nach der wahrscheinlichsten Lesart aufsteigend geordnet.

athāto dantīdravantīkalpaṃ vyākhyāsyāmaḥ

Nun also werden wir das Kapitel über die Zubereitungen (kalpa) aus Dantī und Dravantī erklären.

iti ha smāha bhagavānātreyaḥ

So sprach der erhabene Ātreya.

dantyudumbaraparṇī syānnikumbho'tha mukūlakaḥ| dravantī nāmataścitrā nyagrodhī mūṣikāhvayā

Dantī wird auch Udumbaraparṇī, Nikumbha oder Mukūlaka genannt; Dravantī heißt der Bezeichnung nach auch Citrā, Nyagrodhī oder Mūṣikāhvā.

tayormūlāni saṅgṛhya sthirāṇi bahalāni ca| hastidantaprakārāṇi śyāvatāmrāṇi buddhimān

Der Kundige sammle von beiden die Wurzeln, die fest und dick sind, wie Elefantenstoßzähne geformt und bräunlich-kupferfarben.

pippalīmadhuliptāni svedayenmṛtkuśāntare| śoṣayedātape'gnyarkau hato hyeṣāṃ vikāśitām

Mit Pippalī und Honig bestrichen dünste er sie zwischen Lehm und Kuśa-Gras ein; er trockne sie in der Sonne oder am Feuer, denn dadurch wird ihre allzu stark ausbreitende (vikāśin) Wirkung gebrochen.

tīkṣṇoṣṇānyāśukārīṇi vikāśīni gurūṇi ca| vilāyayanti doṣau dvau mārutaṃ kopayanti ca

Roh sind sie scharf, heiß, rasch wirkend, ausbreitend (vikāśin) und schwer; sie lösen zwei der doṣas (die feinstofflichen Wirkprinzipien vāta, pitta und kapha) auf und erregen zugleich vāta.

dadhitakrasurāmaṇḍaiḥ piṇḍamakṣasamaṃ tayoḥ| priyālakolabadarapīluśīdhubhireva ca

Man trinke von beiden Wurzeln einen Klumpen von der Größe einer Akṣa-Beere zusammen mit Dadhi (Sauermilch), Takra (Buttermilch), dem Bodensatz von Surā oder mit dem Saft von Priyāla, Kola, Badara oder Pīlu –

pibedgulmodarī doṣairabhikhinnaśca yo naraḥ| gomṛgājarasaiḥ pāṇḍuḥ kṛmikoṣṭhī bhagandarī

– so trinke es, wer an Gulma (Bauchgeschwulst) oder Udara (Bauchwassersucht) leidet, wer von den doṣas geplagt ist, mit dem Saft von Rind, Wild oder Ziege, wer an Pāṇḍu (Blutarmut, Blässe), von pathogenen Mikroorganismen im Darm oder an Bhagandara (Analfistel) leidet.

tayoḥ kalke kaṣāye ca daśamūlarasāyute| kakṣyālajīvisarpeṣu dāhe ca vipacedghṛtam

Man koche Ghṛta mit dem Kalka (der Paste) und dem Kaṣāya (dem Absud) von beiden, versetzt mit dem Saft der Daśamūla (der zehn Wurzeln), zur Anwendung bei Kakṣyā, Alaji und Visarpa (entzündlichen, wandernden Hautkrankheiten) sowie bei Brennen (dāha).

tailaṃ mehe ca gulme ca sodāvarte kaphānile| catuḥsnehaṃ śakṛcchukravātasaṅgānilārtiṣu

Ein Öl bereite man ebenso bei Meha (Harnkrankheiten), bei Gulma, bei Udāvarta (dem nach oben gerichteten Stau) mit kapha und vāta; ein Vierfach-Fett (catuḥsneha, aus Ghṛta, Taila, Vasā und Majjā) bei Verhaltung von Kot, Samen oder Wind und bei durch vāta verursachten Schmerzen.

rase dantyajaśṛṅgayośca guḍakṣaudraghṛtānvitaḥ| lehaḥ siddho virekārthe dāhasantāpamehanut

Im Saft von Dantī und Ajaśṛṅgī gekocht und mit Guḍa, Honig und Ghṛta versetzt, ergibt sich eine Latwerge (leha) zum Zweck der Abführung; sie beseitigt Brennen, Fieberhitze und Meha.

vātatarṣe jvare paitte syāt sa evājagandhayā| dantīdravantyormūlāni pacedāmalakīrase

Dieselbe Latwerge, mit Ajagandhā statt Ajaśṛṅgī bereitet, hilft bei vāta-bedingtem Durst und bei pitta-bedingtem Fieber. Man koche die Wurzeln von Dantī und Dravantī im Saft der Āmalakī.

trīṃstu tasya kaṣāyasya bhāgau dvau phāṇitasya ca| tapte sarpiṣi taile vā bharjayettatra cāvapet

Von diesem Absud nehme man drei Teile und zwei Teile Phāṇita (eingedickten Zuckersaft); man röste dies in erhitztem Ghee oder Öl an und gebe hinzu –

kalkaṃ dantīdravantyośca śyāmādīnāṃ ca bhāgaśaḥ| tatsiddhaṃ prāśayellehaṃ sukhaṃ tena viricyate

– den Kalka von Dantī und Dravantī sowie von Śyāmā und den übrigen Kräutern, jeweils nach Anteilen. Diese fertig zubereitete Latwerge lasse man einnehmen; dadurch wird man sanft abgeführt.

rase ca daśamūlasya tathā baibhītake rase| harītakīrase caiva lehānevaṃ pacet pṛthak

Ebenso bereite man je eine eigene Latwerge im Saft der Daśamūla, im Saft der Bibhītakī und im Saft der Harītakī.

tayorbilvasamaṃ cūrṇaṃ tadraseneva bhāvitam| asṛṣṭe viśi vātotthe gulme cāmlayutaṃ śubham

Ein Pulver von beiden Wurzeln, in der Menge einer Bilva-Frucht, mit dem eigenen Saft imprägniert, wirkt gut bei ausbleibendem Stuhlgang und bei vāta-bedingtem Gulma, wenn man es zusammen mit etwas Saurem einnimmt.

pāṭayitvekṣukāṇḍaṃ vā kalkenālipya cāntarā| svedayitvā tataḥ khādet sukhaṃ tena viricyate

Oder man spalte ein Stück Zuckerrohr, bestreiche es innen mit dem Kalka, dünste es und esse es dann; dadurch wird man sanft abgeführt.

mūlaṃ dantīdravantyośca saha mudgairvipācayet| lāvavartīrakādyaiśca te rasāḥ syurvirecane

Man koche die Wurzel von Dantī und Dravantī zusammen mit Mudga (Mungbohnen) oder mit dem Fleisch von Lāva, Vartīra und ähnlichen Vögeln; diese Brühen dienen der Abführung.

tayorvā'pi kaṣāyeṇa yavāgūṃ jāṅgalaṃ rasam| māṣayūṣaṃ ca saṃskṛtya dadyāttaiśca viricyate

Oder man bereite mit dem Absud von beiden einen Reisschleim (yavāgū), eine Wildfleischbrühe (jāṅgala-rasa) oder eine Māṣa-Suppe und gebe sie dem Kranken; dadurch wird er abgeführt.

tatkaṣāyāttrayo bhāgā dvau sitāyāstathaiva ca| eko godhūmacūrṇānāṃ kāryā cotkārikā śubhā

Von diesem Absud nehme man drei Teile, ebenso zwei Teile Zucker (sitā) und einen Teil Weizenmehl; daraus bereite man einen wohlschmeckenden Utkārikā (Fladen).

modako vā'sya kalpena kāryastacca virecanam| tayoścāpi kaṣāyeṇa madyānyasyopakalpayet

Oder man bereite nach demselben Rezept einen Modaka (ein Kügelchen); auch dieser wirkt abführend. Mit dem Absud von beiden bereite man auch berauschende Getränke (madya).

dantīkvāthena cāloḍya dantītailena sādhitān| guḍalāvaṇikān bhakṣyān vividhān bhakṣayennaraḥ

Mit dem Dantī-Absud angerührt und mit Dantī-Öl zubereitet, esse man verschiedene Speisen, die mit Guḍa oder Salz gewürzt sind.

dantīṃ dravantīṃ maricaṃ yavānīmupakuñcikām| nāgaraṃ hemadugdhāṃ ca citrakaṃ ceti cūrṇitam

Dantī, Dravantī, Marica (Pfeffer), Yavānī, Upakuñcikā, Nāgara (Ingwer), Hemadugdhā und Citraka pulverisiere man.

saptāhaṃ bhāvayenmūtre gavāṃ pāṇitalaṃ tataḥ| pibetghṛtena jīrṇe tu viriktaścāpi tarpaṇam

Man imprägniere dieses Pulver sieben Tage lang mit Kuhurin; dann trinke man davon eine Handvoll (pāṇitala) mit Ghee. Ist es verdaut, so nehme der Abgeführte danach auch Tarpaṇa (eine stärkende Speise) ein.

sarvarogaharaṃ mukhyaṃ sarveṣvṛtuṣu yaugikam| cūrṇaṃ tadanapāyitvādbālavṛddheṣu pūjitam

Dieses Pulver, das alle Krankheiten heilt, ist das vorzüglichste und in allen Jahreszeiten anwendbar; wegen seiner Unschädlichkeit wird es auch bei Kindern und Alten geschätzt.

durbhaktājīrṇapārśvārtigulmaplīhodareṣu ca| gaṇḍamālāsu vāte ca pāṇḍuroge ca śasyate

Es wird empfohlen bei schlechter Verdauung, bei Ajīrṇa (Verdauungsstörung), bei Flankenschmerz, bei Gulma, bei Milzvergrößerung, bei Udara (Bauchwassersucht), bei Gaṇḍamālā (Lymphknotenschwellungen), bei vāta-Erkrankungen und bei Pāṇḍuroga.

palaṃ citrakadantyośca harītakyāśca viṃśatiḥ| trivṛtpippalikarṣau dvau guḍasyāṣṭapalena tat

Je ein Pala Citraka und Dantī, zwanzig Harītakī-Früchte, je zwei Karṣa Trivṛt und Pippalī, dazu acht Pala Guḍa –

vinīya modakān kuryāddaśaikaṃ bhakṣayettataḥ| uṣṇāmbu ca pibeccānu daśame daśame'hni ca

– daraus verarbeite man elf Modaka; man esse davon jeweils am zehnten Tag einen und trinke danach warmes Wasser.

ete niṣparihārāḥ syuḥ sarvaroganibarhaṇāḥ| grahaṇīpāṇḍurogārśaḥkaṇḍūkoṭhānilāpahāḥ

Diese Modaka erfordern keine besonderen Diätvorschriften, heilen alle Krankheiten und beseitigen Grahaṇī (chronische Verdauungsschwäche), Pāṇḍuroga, Hämorrhoiden, Juckreiz, Koṭha (Hautausschlag) und vāta-Erkrankungen.

dantīdvipalaniryūho drākṣārdhaprasthasādhitaḥ | virecanaṃ pittakāse pāṇḍuroge ca śasyate

Ein Absud aus zwei Pala Dantī, mit einem halben Prastha Drākṣā (Rosinen) zubereitet, wirkt abführend und wird bei pitta-bedingtem Husten und bei Pāṇḍuroga empfohlen.

dantīkalkaṃ samaguḍaṃ śītavāriyutaṃ pibet| virecanaṃ mukhyatamaṃ kāmalāharamuttamam

Man trinke Dantī-Kalka mit der gleichen Menge Guḍa, versetzt mit kaltem Wasser; dies ist das vorzüglichste Abführmittel und ein hervorragendes Mittel gegen Kāmalā (Gelbsucht).

śyāmādantīrase gauḍaḥ pippalīphalacitrakaiḥ| lipte'riṣṭo'nilaśleṣmaplīhapāṇḍūdarāpahaḥ

Ein aus Guḍa bereiteter Wein (gauḍa), im Saft von Śyāmā und Dantī zusammen mit Pippalī-Früchten und Citraka angesetzt, ist als Ariṣṭa wirksam gegen vāta, kapha, Milzvergrößerung, Pāṇḍu und Udara.

tathā dantīdravantyośca kaṣāye sājagandhayoḥ| gauḍaḥ kāryo''jaśṛṅgyā vā sa vai sukhavirecanaḥ

Ebenso bereite man einen Guḍa-Wein im Absud von Dantī und Dravantī zusammen mit Ajagandhā, oder mit Ajaśṛṅgī; dieser führt sanft ab.

taccūrṇakvāthamāṣāmbukiṇvatoyasamudbhavā| madirā kaphagulmālpavahnipārśvakaṭigrahe

Ein aus dem Absud dieses Pulvers, aus Māṣa-Wasser und Gärwasser (kiṇva) hergestellter berauschender Trank (madirā) hilft bei kapha-bedingtem Gulma, bei schwacher Verdauungskraft und bei Steifheit in Flanke und Hüfte.

ajagandhākaṣāyeṇa sauvīrakatuṣodake| surākampillake yogau lodhravacca tayoḥ smṛtau

Mit dem Absud von Ajagandhā bereite man ebenso Sauvīraka (vergorenes Reiswasser) und Tuṣodaka (Spelzenwasser); ebenso sind Zubereitungen mit Surā und mit Kampillaka überliefert, und ebenso mit Lodhra.

(dadhyādiṣu trayaḥ pañca priyālādyaistrayo rase| sneheṣu vai trayo lehyāḥ ṣaṭ cūrṇe tveka eva ca

(Bei den mit Dadhi und Ähnlichem bereiteten Rezepten sind es drei und fünf, bei den mit Priyāla und Ähnlichem bereiteten Säften drei; bei den Ölzubereitungen sind es drei, bei den Latwergen sechs, beim Pulver aber nur eines,

ikṣāvekastathā mudgamāṃsānāṃ ca rasāstrayaḥ| yavāgvādau trayaścaiva ukta utkārikāvidhau

beim Zuckerrohr eines, ebenso bei den Brühen aus Mudga und Fleisch drei, bei Yavāgū und Ähnlichem drei, und eines wurde bei der Zubereitung des Utkārikā genannt,

ekaśca modake madye caikastatkvāthatailake| cūrṇamekaṃ punaścaiko modakaḥ pañca cāsave

eines beim Modaka, eines beim Wein, eines bei dessen Absud und Öl, eines beim Pulver, wiederum eines beim Modaka, fünf beim Āsava (Gärgetränk),

ekaḥ sauvīrake'thaiko yogaḥ syāttu tuṣodake| ekā suraikaḥ kampille tathā pañca ghṛte smṛtāḥ )

eines beim Sauvīraka, eine Zubereitung beim Tuṣodaka, eine bei der Surā, eine beim Kampillaka, ebenso fünf beim Ghṛta sind überliefert.)

dantīdravantīkalpe'smin proktāḥ ṣoḍaśakāstrayaḥ| nānāvidhānāṃ yogānāṃ bhaktidoṣāmayānprati

In diesem Kapitel über die Dantī-Dravantī-Zubereitungen wurden also drei Gruppen zu je sechzehn – insgesamt achtundvierzig – verschiedenartige Rezepturen für die jeweilige Speiseform, den doṣa und die Krankheit genannt.

triśataṃ pañcapañcāśadyogānāṃ vamane smṛtam| dve śate navakāḥ pañca yogānāṃ tu virecane

Dreihundertfünfundfünfzig Rezepturen sind für das Erbrechen (vamana) überliefert, zweihundertfünfundvierzig Rezepturen aber für die Abführung (virecana).

ūrdhvānulomabhāgānāmityuktāni śatāni ṣaṭ| prādhānyataḥ samāśritya dravyāṇi daśa pañca ca

Für die nach oben und nach unten wirkenden Teile wurden also insgesamt sechshundert Rezepturen genannt, gestützt vor allem auf fünfzehn Hauptdrogen (dravya).

yaddhi yena pradhānena dravyaṃ samupasṛjyate| tatsañjñakaḥ sa yogo vai bhavatīti viniścayaḥ

Denn nach welcher Droge, die als Hauptbestandteil (pradhāna) eingesetzt wird, ein Rezept zusammengestellt ist, danach wird es benannt – das ist die feststehende Regel.

phalādīnāṃ pradhānānāṃ guṇabhūtāḥ surādayaḥ| te hi tānyanuvartante manujendramivetare

Früchte und andere Hauptbestandteile sind das Wesentliche; Surā und die übrigen Zutaten sind nur Begleitstoffe – sie folgen jenen, wie Untertanen einem König folgen.

viruddhavīryamapyeṣāṃ pradhānānāmabādhakam| adhikaṃ tulyavīrye hi kriyāsāmarthyamiṣyate

Selbst eine entgegengesetzte Wirkkraft (vīrya) dieser Begleitstoffe beeinträchtigt die Hauptdrogen nicht; denn bei gleicher Wirkkraft wird sogar eine gesteigerte Wirksamkeit angenommen.

iṣṭavarṇarasasparśagandhārthaṃ prati cāmayam| ato viruddhavīryāṇāṃ prayoga iti niścitam

Um Farbe, Geschmack, Tastbarkeit und Geruch angenehm zu gestalten, sowie im Hinblick auf die jeweilige Krankheit, ist demnach die Verwendung von Stoffen entgegengesetzter Wirkkraft festgelegt.

bhūyaścaiṣāṃ balādhānaṃ kāryaṃ svarasabhāvanaiḥ| subhāvitaṃ hyalpamapi dravyaṃ syādbahukarmakṛt

Ferner soll deren Kraft durch Imprägnierung (bhāvanā) mit dem eigenen Saft vermehrt werden; denn eine gut imprägnierte Droge wirkt, selbst wenn sie gering an Menge ist, in vielfacher Weise.

svarasaistulyavīryairvā tasmāddravyāṇi bhāvayet alpasyāpi mahārthatvaṃ prabhūtasyālpakarmatām

Daher imprägniere man die Drogen mit ihrem eigenen Saft oder mit Säften gleicher Wirkkraft; so erlangt auch eine geringe Menge große Wirksamkeit, während eine unangemessen zubereitete große Menge nur geringe Wirkung entfaltet.

kuryāt saṃyogaviśleṣakālasaṃskārayuktibhiḥ pradeśamātrametāvaddraṣṭavyamiha ṣaṭśatam

Durch Verbindung, Trennung, die rechte Zeit, die Zubereitungsweise und geschickte Methode lässt sich dies bewirken; all dies ist hier nur beispielhaft zu verstehen – ebenso die genannten sechshundert Rezepturen.

svabuddhyaivaṃ sahasrāṇi koṭīrvā'pi prakalpayet| bahudravyavikalpatvādyogasaṅkhyā na vidyate

Ebenso kann man nach eigenem Verstand Tausende oder gar Millionen weiterer Rezepturen zusammenstellen; da die Kombinationsmöglichkeiten der Drogen so zahlreich sind, gibt es keine feste Gesamtzahl der Rezepturen.

tīkṣṇamadhyamṛdūnāṃ tu teṣāṃ śṛṇuta lakṣaṇam| sukhaṃ kṣipraṃ mahāvegamasaktaṃ yat pravartate

Hört nun die Kennzeichen der scharfen (tīkṣṇa), mittleren (madhya) und milden (mṛdu) Mittel: Als scharf gilt, was leicht, rasch, mit starkem Drang und ohne Stocken hervortritt,

nātiglānikaraṃ pāyau hṛdaye na ca rukkaram| antarāśayamakṣiṇvan kṛtsnaṃ doṣaṃ nirasyati

was keine übermäßige Erschöpfung verursacht, weder am After noch am Herzen Schmerz bereitet, das innere Körperinnere nicht schädigt und den gesamten doṣa vollständig entfernt –

virecanaṃ nirūho vā tattīkṣṇamiti nirdiśet| jalāgnikīṭairaspṛṣṭaṃ deśakālaguṇānvitam

dieses Abführmittel oder auch dieser Nirūha-Einlauf wird als scharf bezeichnet, sofern es unversehrt von Wasser, Feuer und Ungeziefer ist und den Eigenschaften von Ort und Zeit entspricht.

īṣanmātrādhikairyuktaṃ tulyavīryaiḥ subhāvitam| snehasvedopapannasya tīkṣṇatvaṃ yāti bheṣajam

Ein Heilmittel, das mit etwas größeren Mengen der Begleitstoffe gleicher Wirkkraft versehen und gut imprägniert ist und einem nach Ölung (sneha) und Schwitzbehandlung (sveda) Behandelten gegeben wird, erlangt dadurch erst recht scharfe Wirkung.

kiñcidebhirguṇairhīnaṃ pūrvoktairmātrayā tathā| snigdhasvinnasya vā samyaṅmadhyaṃ bhavati bheṣajam

Ein Heilmittel, das an diesen Eigenschaften und ebenso an der Dosis etwas geringer ist als das eben genannte, oder das einem ordnungsgemäß Geölten und Geschwitzten gegeben wird, gilt als mittelstark (madhya).

mandavīryaṃ virūkṣasya hīnamātraṃ tu bheṣajam| atulyavīryaiḥ saṃyuktaṃ mṛdu syānmandavegavat

Ein Heilmittel von schwacher Wirkkraft, in geringer Dosis, einem nicht Geölten gegeben und mit Stoffen ungleicher Wirkkraft kombiniert, gilt als mild (mṛdu) und wirkt mit schwachem Drang.

akṛtsnadoṣaharaṇādaśuddhī te balīyasām| madhyāvarabalānāṃ tu prayojye siddhimicchatā

Weil die milden und mittleren Mittel den doṣa nicht vollständig entfernen, bewirken sie bei kräftigen Patienten keine vollständige Reinigung; wer aber bei Patienten mittlerer oder geringer Kraft Erfolg erzielen will, muss sie dennoch einsetzen.

tīkṣṇo madhyo mṛdurvyādhiḥ sarvamadhyālpalakṣaṇaḥ| tīkṣṇādīni balāvekṣī bheṣajānyeṣu yojayet

Auch die Krankheit selbst kann stark, mittel oder mild sein, in ihrer Gesamtheit, mittleren oder geringen Ausprägung; wer die Kraft von Patient und Krankheit berücksichtigt, wende bei ihnen die scharfen, mittleren oder milden Heilmittel entsprechend an.

deyaṃ tvanirhṛte pūrvaṃ pīte paścāt punaḥ punaḥ| bheṣajaṃ vamanārthīyaṃ prāya āpittadarśanāt

Ist der doṣa nach der ersten Einnahme nicht ausgeschieden, so gebe man das zum Erbrechen bestimmte Heilmittel wiederholt, in der Regel bis Galle (pitta) im Erbrochenen sichtbar wird.

balatraividhyamālakṣya doṣāṇāmāturasya ca| punaḥ pradadyādbhaiṣajyaṃ sarvaśo vā vivarjayet

Unter Berücksichtigung der drei Kraftgrade der doṣas und des Kranken gebe man das Heilmittel erneut oder unterlasse es ganz.

nirhṛte vā'pi jīrṇe vā doṣanirharaṇe budhaḥ| bheṣaje'nyatprayuñjīta prārthayansiddhimuttamām

Ist der doṣa ausgeschieden oder das Heilmittel bereits verdaut, so wende der Kundige, der den besten Erfolg erstrebt, bei der weiteren Ausscheidung des doṣa ein anderes Heilmittel an.

apakvaṃ vamanaṃ doṣaṃ pacyamānaṃ virecanam| nirharedvamanasyātaḥ pākaṃ na pratipālayet

Das Brechmittel entfernt den doṣa im unverdauten Zustand, das Abführmittel im bereits verdauenden Zustand; man warte daher beim Brechmittel nicht dessen weitere Verdauung ab.

pīte prasraṃsane doṣānna nirhatya jarāṃ gate| vamite cauṣadhe dhīraḥ pāyayedauṣadhaṃ punaḥ

Hat das eingenommene Abführmittel (prasraṃsana) den doṣa nicht ausgeschieden und ist bereits verdaut, oder hat der Patient das Brechmittel ohne Wirkung erbrochen, so lasse der Erfahrene das Heilmittel erneut einnehmen.

dīptāgniṃ bahudoṣaṃ tu dṛḍhasnehaguṇaṃ naram| duḥśuddhaṃ tadaharbhuktaṃ śvobhūte pāyayet punaḥ

Einem Menschen mit starkem Verdauungsfeuer (agni), viel doṣa und fest verankerter Ölungswirkung, der an diesem Tag nur unzureichend gereinigt wurde, gebe man, nachdem er gegessen hat, am folgenden Tag das Mittel erneut.

durbalo bahudoṣaśca doṣapākena yo naraḥ| viricyate śanairbhojyairbhūyastamanusārayet

Bei einem schwachen Menschen mit viel doṣa, der durch die Verdauung (pāka) des doṣa nur langsam abgeführt wird, unterstütze man den Vorgang weiter durch geeignete Speisen.

vamanaiśca virekaiśca viśuddhasyāpramāṇataḥ | bhojanāntarapānābhyāṃ doṣaśeṣaṃ śamaṃ nayet

Bei jemandem, der durch Brech- und Abführmittel unvollständig gereinigt wurde, bringe man den verbliebenen doṣa durch geeignete Speisen und Getränke zwischen den Mahlzeiten zur Ruhe.

durbalaṃ śodhitaṃ pūrvamalpadoṣaṃ ca mānavam| aparijñātakoṣṭhaṃ ca pāyayetauṣadhaṃ mṛdu

Einem Schwachen, einem bereits zuvor Gereinigten, einem Menschen mit geringem doṣa oder einem, dessen Koṣṭha (Verdauungstyp) man nicht kennt, gebe man ein mildes Heilmittel.

śreyo mṛdvasakṛtpītamalpabādhaṃ niratyayam| na cātitīkṣṇaṃ yat kṣipraṃ janayetprāṇasaṃśayam

Besser ist ein mildes, mehrfach eingenommenes Mittel, das wenig belastet und ungefährlich ist, als ein allzu scharfes, das rasch Lebensgefahr hervorrufen könnte.

durbalo'pi mahādoṣo virecyo bahuśo'lpaśaḥ| mṛdubhirbheṣajairdoṣā hanyurhyenamanirhṛtāḥ

Auch ein Schwacher mit großer doṣa-Menge soll wiederholt in kleinen Dosen abgeführt werden; denn würden die doṣas mit milden Mitteln nicht vollständig ausgeschieden, könnten sie ihn sonst schädigen.

yasyordhvaṃ kaphasaṃsṛṣṭaṃ pītaṃ yātyānulomikam| vamitaṃ kavalaiḥ śuddhaṃ laṅghitaṃ pāyayettu tam

Wessen Brechmittel, obwohl mit kapha vermischt eingenommen, nach unten statt nach oben wirkt, dem gebe man, nachdem er durch Mundspülungen (kavala) gereinigt und danach dem Fasten unterzogen wurde, das Mittel erneut.

vibaddhe'lpe cirāddoṣe sravatyuṣṇaṃ pibejjalam| tenādhmānaṃ tṛṣā cchardirvibandhaścaiva śāmyati

Ist der doṣa nur gering und stockt lange, ohne auszutreten, so trinke man warmes Wasser; dadurch werden Blähung, Durst, Erbrechen und Verstopfung beseitigt.

bheṣajaṃ doṣaruddhaṃ cennordhvaṃ nādhaḥ pravartate| sodgāraṃ sāṅgaśūlaṃ ca svedaṃ tatrāvacārayet

Wirkt das durch den doṣa blockierte Heilmittel weder nach oben noch nach unten und treten dabei Aufstoßen und Gliederschmerzen auf, so wende man eine Schwitzbehandlung an.

suvirikte tu sodgāramāśvevauṣadhamullikhet| atipravartanaṃ jīrṇe suśītaiḥ stambhayedbhiṣak

Ist der Patient gut abgeführt, zeigt aber noch Aufstoßen, so entferne man sofort den Rest des Heilmittels; bei übermäßiger Wirkung stille sie der Arzt, sobald sie sich gelegt hat, mit stark kühlenden Mitteln.

kadācicchleṣmaṇā ruddhaṃ tiṣṭhatyurasi bheṣajam| kṣīṇe śleṣmaṇi sāyāhne rātrau vā tatpravartate

Mitunter bleibt das Heilmittel, durch kapha blockiert, in der Brust stehen; sobald der kapha abgenommen hat, wirkt es am Abend oder in der Nacht.

rūkṣānāhārayorjīrṇe viṣṭabhyordhvaṃ gate'pi vā| vāyunā bheṣaje tvanyat sasnehalavaṇaṃ pibet

Bei Trockenheit und Appetitlosigkeit, wenn das Mittel bereits verdaut ist, oder wenn es durch vāta blockiert nach oben verhalten wird, trinke man ein anderes Mittel mit Öl und Salz.

tṛṇmohabhramamūrcchāyāḥ syuścejjīryati bheṣaje| pittaghnaṃ svādu śītaṃ ca bheṣajaṃ tatra śasyate

Treten bei der Verdauung des Heilmittels Durst, Verwirrung, Schwindel oder Ohnmacht auf, so wird dabei ein pitta-beruhigendes, süßes und kühlendes Mittel empfohlen.

lālāhṛllāsaviṣṭambhalomaharṣāḥ kaphāvṛte| bheṣajaṃ tatra tīkṣṇoṣṇaṃ kaṭvādi kaphanuddhitam

Bei Speichelfluss, Übelkeit, Blockade und Haarsträuben, wenn das Mittel von kapha umhüllt ist, wird dabei ein scharfes, heißes, bitter-scharfes Mittel empfohlen, das den kapha austreibt.

susnigdhaṃ krūrakoṣṭhaṃ ca laṅghayedavirecitam| tenāsya snehajaḥ śleṣmā saṅgaścaivopaśāmyati

Einen gut Geölten mit hartem Koṣṭha, der nicht abgeführt wurde, lasse man fasten; dadurch legen sich der durch die Ölung entstandene kapha und auch die Blockade.

rūkṣa-bahvanila-krūrakoṣṭha-vyāyāmaśālinām | dīptāgnīnāṃ ca bhaiṣajyamaviricyaiva jīryati

Bei Menschen mit Trockenheit, viel vāta, hartem Koṣṭha, viel körperlicher Betätigung und starkem Verdauungsfeuer wird das Heilmittel verdaut, ohne dass eine Abführung eintritt.

tebhyo bastiṃ purā dattvā paścāddadyādvirecanam| bastipravartitaṃ doṣaṃ harecchīghraṃ virecanam

Diesen gebe man zuerst einen Bastī (Einlauf) und danach ein Abführmittel; das Abführmittel entfernt dann rasch den durch den Bastī in Bewegung gesetzten doṣa.

rūkṣāśanāḥ karmanityā ye narā dīptapāvakāḥ| teṣāṃ doṣāḥ kṣayaṃ yānti karmavātātapāgnibhiḥ

Bei Menschen, die sich trocken ernähren, ständig körperlich arbeiten und ein starkes Verdauungsfeuer besitzen, schwinden die doṣas durch Arbeit, Wind, Sonnenhitze und inneres Feuer.

viruddhādhyaśanājīrṇadoṣānapi sahanti te| snehyāste mārutādrakṣyā nāvyādhau tān viśodhayet

Sie ertragen sogar die doṣas, die durch unverträgliche Speisenkombinationen, Überessen und Ajīrṇa entstehen; sie brauchen Ölung und müssen vor vāta geschützt werden; man reinige sie nicht ohne vorliegende Krankheit.

nātisnigdhaśarīrāya dadyāt snehavirecanam| snehotkliṣṭaśarīrāya rūkṣaṃ dadyādvirecanam

Einem Körper, der nicht übermäßig geölt ist, gebe man ein öliges Abführmittel; einem Körper, dessen Ölbehandlung bereits zu übermäßiger Erregung geführt hat, gebe man ein trockenes Abführmittel.

evaṃ jñātvā vidhiṃ dhīro deśakālapramāṇavit| virecanaṃ virecyebhyaḥ prayacchannāparādhyati

Wer so die Vorschrift kennt und Ort, Zeit und Maß beherrscht, macht keinen Fehler, wenn er den dafür Geeigneten das Abführmittel verabreicht.

vibhraṃśo viṣavadyasya samyagyogo yathā'mṛtam| kāleṣvavaśyaṃ peyaṃ ca tasmādyatnāt prayojayet

Ein Fehlgriff bei der Anwendung wirkt wie Gift, eine richtige Anwendung dagegen wie Nektar (amṛta); da es zu den vorgeschriebenen Zeiten unbedingt eingenommen werden muss, wende man es daher mit größter Sorgfalt an.

dravyapramāṇaṃ tu yaduktamasminmadhyeṣu tat koṣṭhavayobaleṣu| tanmūlamālambya bhavedvikalpyaṃ teṣāṃ vikalpyo'bhyadhikonabhāvaḥ

Das Maß der Droge (dravya), das hier genannt wurde, gilt für mittlere Fälle hinsichtlich Koṣṭha (Verdauungstyp), Lebensalter und Kraft; ausgehend von diesem Grundmaß ist es je nach diesen Faktoren zu variieren – ein Mehr oder Weniger ist dabei zulässig.

ṣaḍ dhvaṃśyastu marīciḥ syāt ṣaṇmarīcyastu sarṣapaḥ| aṣṭau te sarṣapā raktāstaṇḍulaścāpi taddvayam

Sechs Staubteilchen (trasareṇu) ergeben ein Marīci (die Größe eines Pfefferkorns); sechs Marīci ergeben ein Sarṣapa (Senfkorn); acht Sarṣapa ergeben eine Rakta (Guñjā-Beere); und zwei davon ergeben einen Taṇḍula (Reiskorn).

dhānyamāṣo bhavedeko dhānyamāṣadvayaṃ yavaḥ| aṇḍikā te tu catvārastāścatasrastu māṣakaḥ

Ein Taṇḍula-Paar ergibt einen Dhānyamāṣa; zwei Dhānyamāṣa ergeben ein Yava (Gerstenkorn); vier Yava ergeben eine Aṇḍikā; und vier Aṇḍikā ergeben einen Māṣaka.

hemaśca dhānyakaścokto bhavecchāṇastu te trayaḥ| śāṇau dvau draṅkṣaṇaṃ vidyāt kolaṃ badarameva ca

Hema, auch Dhānyaka genannt, entspricht ebenfalls einem Māṣaka; drei davon ergeben einen Śāṇa; zwei Śāṇa ergeben, wie man weiß, ein Draṅkṣaṇa, das auch Kola oder Badara heißt.

vidyāddvau draṅkṣaṇau karṣaṃ suvarṇaṃ cākṣameva ca| biḍālapadakaṃ caiva picuṃ pāṇitalaṃ tathā

Zwei Draṅkṣaṇa, so weiß man, ergeben einen Karṣa, der auch Suvarṇa, Akṣa, Biḍālapadaka, Picu oder Pāṇitala heißt,

tindukaṃ ca vijānīyāt kavalagrahameva ca| dve suvarṇe palārdhaṃ syācchuktiraṣṭamikā tathā

ebenso Tinduka oder Kavalagraha genannt. Zwei Suvarṇa ergeben ein halbes Pala, das auch Śukti oder Aṣṭamikā heißt.

dve palārdhe palaṃ muṣṭiḥ prakuñco'tha caturthikā| bilvaṃ ṣoḍaśikā cāmraṃ dve pale prasṛtaṃ viduḥ

Zwei halbe Pala ergeben ein Pala, das auch Muṣṭi, Prakuñca oder Caturthikā heißt. Bilva, Ṣoḍaśikā oder Āmra – so nennt man auch zwei Pala, die man als Prasṛta kennt.

aṣṭamānaṃ tu vijñeyaṃ kuḍavau dvau tu mānikā| palaṃ caturguṇaṃ vidyādañjaliṃ kuḍavaṃ tathā

Aṣṭamāna soll man kennen als das Vierfache des Prasṛta; zwei Kuḍava aber ergeben eine Mānikā. Man wisse: das Vierfache des Pala ist ein Añjali, und ebenso ein Kuḍava.

catvāraḥ kuḍavāḥ prasthaścatuḥprasthamathāḍhakam| pātraṃ tadeva vijñeyaṃ kaṃsaḥ prasthāṣṭakaṃ tathā

Vier Kuḍava ergeben einen Prastha; vier Prastha ergeben ein Āḍhaka, das auch Pātra genannt wird; acht Prastha ergeben ebenso einen Kaṃsa.

kaṃsaścaturguṇo droṇaścārmaṇaṃ nalvaṇaṃ ca tat| sa eva kalaśaḥ khyāto ghaṭamunmānameva ca

Vier Kaṃsa ergeben einen Droṇa, der auch Cārmaṇa oder Nalvaṇa heißt; derselbe wird auch Kalaśa, Ghaṭa oder Unmāna genannt.

droṇastu dviguṇaḥ śūrpo vijñeyaḥ kumbha eva ca| goṇīṃ śūrpadvayaṃ vidyāt khārīṃ bhāraṃ tathaiva ca

Der zweifache Droṇa ergibt, wie man weiß, einen Śūrpa, der auch Kumbha heißt; zwei Śūrpa ergeben eine Goṇī, die auch Khārī oder Bhāra genannt wird.

dvātriṃśataṃ vijānīyādvāhaṃ śūrpāṇi buddhimān| tulāṃ śatapalaṃ vidyāt parimāṇaviśāradaḥ

Der Kundige wisse, dass zweiunddreißig Śūrpa einen Vāha ergeben; der im Messen Erfahrene wisse, dass hundert Pala eine Tulā ergeben.

śuṣkadravyeṣvidaṃ mānamevamādi prakīrtitam| dviguṇaṃ taddraveṣviṣṭaṃ tathā sadyoddhṛteṣu ca

Dieses und das vorher genannte Maß gilt für trockene Substanzen; für flüssige und ebenso für frisch ausgepresste Substanzen gilt das Doppelte.

yaddhi mānaṃ tulā proktā palaṃ vā tat prayojayet| anukte parimāṇe tu tulyaṃ mānaṃ prakīrtitam

Wo immer als Maß Tulā oder Pala genannt wird, wende man dieses an; wird kein Maß genannt, so gilt jeweils das gleiche Maß wie bei der zuvor genannten Substanz.

dravakārye'pi cānukte sarvatra salilaṃ smṛtam| yataśca pādanirdeśaścaturbhāgastataśca saḥ

Wird bei einer Flüssigkeitsanwendung nichts Näheres genannt, so ist überall Wasser gemeint; und wo 'pāda' (ein Viertel) angegeben wird, bedeutet dies stets ein Viertel der Gesamtmenge.

jalasnehauṣadhānāṃ tu pramāṇaṃ yatra neritam | tatra syādauṣadhāt snehaḥ snehāttoyaṃ caturguṇam

Wird das Maß von Wasser, Öl (sneha) und Heilkraut nicht angegeben, so soll das Öl das Vierfache des Heilkrauts betragen und das Wasser das Vierfache des Öls.

snehapākastridhā jñeyo mṛdurmadhyaḥ kharastathā| tulye kalkena niryāse bheṣajānāṃ mṛduḥ smṛtaḥ

Die Kochung des Öls (sneha-pāka) ist dreifach zu unterscheiden: mild (mṛdu), mittel (madhya) und hart (khara). Ist der ausgekochte Absud (niryāsa) der Heilstoffe der Menge des Kalka gleich, so gilt die Kochung als mild.

saṃyāva iva niryāse madhyo darvīṃ vimuñcati| śīryamāṇe tu niryāse vartamāne kharastathā

Bei mittlerer Kochung löst sich der Kalka vom Löffel wie ein Brei (saṃyāva); ist der Absud fast verschwunden und nur noch die Paste vorhanden, so gilt die Kochung als hart (khara).

kharo'bhyaṅge smṛtaḥ pāko, mṛdurnastaḥkriyāsu ca| madhyapākaṃ tu pānārthe bastau ca viniyojayet

Die harte Kochung gilt für die Einreibung (abhyaṅga), die milde für die Nasenanwendungen (nasya); die mittlere Kochung aber verwende man zum Trinken und für den Bastī (Einlauf).

mānaṃ ca dvividhaṃ prāhuḥ kāliṅgaṃ māgadhaṃ tathā| kāliṅgānmāgadhaṃ śreṣṭhamevaṃ mānavido viduḥ

Man unterscheidet zwei Arten von Maßsystemen: das Kāliṅga und das Māgadha; das Māgadha-Maß gilt gegenüber dem Kāliṅga-Maß als das bessere – so wissen es die im Messen Kundigen.

kalpārthaḥ śodhanaṃ sañjñā pṛthagghetuḥ pravartane| deśādīnāṃ phalādīnāṃ guṇā yogaśatāni ṣaṭ

Dargelegt wurden: der Zweck der Zubereitung (kalpa), die Reinigung, die Benennung der Rezepte, die jeweils eigenen Gründe für ihre Wirkung, die Eigenschaften von Ort und anderem sowie von Frucht und anderem, und sechshundert Rezepturen.

vikalpaheturnāmāni tīkṣṇamadhyālpalakṣaṇam| vidhiścāvasthiko mānaṃ snehapākaśca darśitaḥ

Ferner dargelegt wurden: der Grund für die Variation der Dosierung, die Namen der Maße, die Kennzeichen von stark, mittel und schwach wirkenden Mitteln, die situationsbedingte Vorgehensweise, das Maßsystem und die Kochung des Öls.

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