athātauttarabastisiddhiṃvyākhyāsyāmaḥ
Nun wollen wir die Vollendung des Uttarabasti (des urethralen bzw. vaginalen Klistiers) erklären.
Caraka-Saṃhitā · Siddhisthana
Mit diesem zwölften Kapitel endet das Siddhisthāna und damit die gesamte Caraka Saṃhitā – ein passender Schlussakkord, der zunächst die schonende Pflege stark geschwächter, durch Reinigungsverfahren ausgezehrter Patienten sowie kräftigende, oft aphrodisierend und fruchtbarkeitsfördernd wirkende Yāpana-Bastis behandelt, darunter über zweihundert Varianten aus Fleischsäften von Pfau, Fasan und Gans. Historisch-philologisch bedeutsam ist vor allem der Schlussteil: Er berichtet, dass Carakas ursprüngliches Werk im achten Kapitel des Siddhisthāna abbrach und erst der spätere Redaktor Dṛḍhabala aus Pañcanada die fehlenden Kapitel – darunter dieses letzte – ergänzte, und schließt mit einer Aufzählung der sechsundzwanzig Tantrayukti, der methodischen Grundprinzipien zur Textauslegung, sowie mit feierlichen Schlussversen über Sinn und Wert des zwölftausend Verse umfassenden Kompendiums. So verbindet der letzte Adhyāya praktische Therapiekunde mit einem seltenen Selbstzeugnis zur eigenen Entstehungsgeschichte des Textes.
| Verstoß (Apacāra) | Begleitkrankheiten (Upadrava) | Behandlung |
|---|---|---|
| Lautes Sprechen | Kieferklemme, Nackensteifheit, übermäßiges Speicheln, Stechen in Brust und Flanken, Stimmveränderung, Schluckauf, Atemnot | Rauchinhalation, Nasenmittel (nasya), Öl-Trinken, Fleischsäfte, Milch, Schweigen |
| Rütteln durch einen Wagen | Schmerzen in Gesäß, Flanke, Leiste, Hoden, Hüfte, Rücken; Gelenkschwäche, Hitze in den Gliedern, Fußschwellung, Taubheit | Ölung, Schwitzbehandlung (sveda), Meiden der Ursache |
| Langes Umhergehen | Wadenkrämpfe, Gliederschmerzen, Hitze in den Schultern, Pochen in Venen und Arterien, Atemnot, Husten | Trockene Schwitzbehandlung, fasten- und verdauungsfördernde Mittel |
| Langes Sitzen | Wie beim Wagenrütteln: Schmerzen in Gesäß, Flanke, Leiste, Hoden, Hüfte und Rücken | Wie beim Wagenrütteln |
| Essen bei unverdauter Speise | Mattigkeit, Erbrechen, Durchfall, Ohnmacht, Fieber, schmerzhafter Stuhldrang, Vergiftung durch Āma | Dem jeweiligen Doṣa entsprechende lindernde Maßnahmen |
| Genuss ungesunder Speisen | Hautausschlag, Mattigkeit, Grahaṇī (Verdauungsschwäche), Arśas (Hämorrhoiden) | Dem jeweiligen Doṣa entsprechende lindernde Maßnahmen |
| Schlafen am Tage | Anhänglichkeit, Knotenbildung, Schwäche, Blut im Urin, gerötete Augen, Gaumenbelag | Kräftiges Reiben, Massage, Übergießungen (Kapha-lindernd) |
| Geschlechtsverkehr | Zittern des Herzens, Gelenkschmerzen, Verdunkelung der Sinne | Öl aus lebenskräftigenden (jīvanīya) Kräutern und Milch |
| Tantrayukti | Bedeutung |
|---|---|
| Adhikaraṇa | Grundthema |
| Yoga | Verknüpfung |
| Hetvartha | Grund und Zweck |
| Padārtha | Bedeutung des einzelnen Wortes |
| Pradeśa | Verweis |
| Uddeśa | kurze Aufzählung |
| Nirdeśa | genaue Angabe |
| Vākyaśeṣa | Satzergänzung |
| Prayojana | Zweck |
| Upadeśa | Belehrung |
| Apadeśa | Begründung durch Beispiel |
| Atideśa | Übertragung |
| Arthāpatti | Schlussfolgerung aus dem Sinn |
| Nirṇaya | endgültige Entscheidung |
| Prasaṅga | Anknüpfung |
| Ekānta | ausnahmslose Regel |
| Anaikānta | Regel mit Ausnahme |
| Apavarga | Ausnahmebestimmung |
| Viparyaya | Gegenteil |
| Pūrvapakṣa | Einwand |
| Vidhāna | Anweisung |
| Anumata | Zustimmung |
| Vyākhyāna | Erläuterung |
| Saṃśaya | Zweifel |
| Atīta | Rückverweis |
| Anāgata | Vorverweis |
| Avekṣā | Rücksichtnahme |
| Svasañjñā | Eigenbezeichnung |
| Asamuccaya | Nichtverknüpfung |
| Nidarśana | Beispiel |
| Nirvacana | Worterklärung |
| Sanniyoga | Zusammenfügung |
| Vikalpana | Wahlmöglichkeit |
| Pratyutsāra | Zurückweisung |
| Uddhāra | Herausnahme |
| Sambhava | Ursprung |
athātauttarabastisiddhiṃvyākhyāsyāmaḥ
Nun wollen wir die Vollendung des Uttarabasti (des urethralen bzw. vaginalen Klistiers) erklären.
itihasmāhabhagavānātreyaḥ
So sprach der erhabene Ātreya.
athasvalvāturaṃvaidyaḥsaṃśuddhaṃvamanādibhiḥ| durbalaṃkṛśamalpāgniṃmuktasandhānabandhanam
Einen Patienten nun, der durch Erbrechen (vamana) und die übrigen Reinigungsverfahren gereinigt wurde, der geschwächt, abgemagert und von schwachem Agni (Verdauungsfeuer) ist, dessen Gelenke und Bänder gelockert sind,
nirhṛtānilaviṇmūtrakaphapittaṃkṛśāśayam| śūnyadehaṃpratīkārāsahiṣṇuṃparipālayet
dessen Vāta, Kot, Urin, Kapha und Pitta ausgeleitet wurden, dessen innere Hohlräume ausgezehrt und dessen Körper entleert ist und der weitere Eingriffe kaum noch verträgt – einen solchen Patienten soll der Arzt sorgsam betreuen.
yathā'ṇḍaṃtaruṇaṃpūrṇaṃtailapātraṃyathaiva[1]ca| gopālaivadaṇḍīgāḥsarvasmādapacārataḥ
So wie ein frisches Ei, wie ein volles Ölgefäß, wie ein Hirte mit dem Stock seine Kühe – vor jeder Nachlässigkeit soll er ihn in jeder Hinsicht behüten.
agnisandhukṣaṇārthaṃtupūrvaṃpeyādinābhiṣak| rasottareṇopacaretkrameṇakramakovidaḥ
Um zunächst den Agni neu zu entfachen, soll der Arzt, der die rechte Reihenfolge kennt, ihn zuerst mit peyā (dünnem Reisschleim) und Ähnlichem versorgen und danach schrittweise zu Fleischsäften (rasa) übergehen.
snigdhāmlasvāduhṛdyānitato'mlalavaṇaurasau| svādutiktautatobhūyaḥkaṣāyakaṭukautataḥ
Zuerst öligsüße, säuerliche, dem Herzen zuträgliche Speisen; danach die Geschmacksrichtungen sauer und salzig; danach wiederum süß und bitter; danach herb und scharf.
anyo'nyapratyanīkānāṃrasānāṃsnigdharūkṣayoḥ| vyatyāsādupayogenaprakṛtiṃgamayedbhiṣak
Indem er einander entgegengesetzte Geschmäcker sowie Öliges und Trockenes abwechselnd anwendet, soll der Arzt den Patienten zu seiner gesunden Konstitution (prakṛti) zurückführen.
sarvakṣamohyasaṃsargoratiyuktaḥsthirendriyaḥ| balavānsattvasampannovijñeyaḥprakṛtiṃgataḥ
Wer alles verträgt, frei von krankhafter Vermischung der Doṣa ist, Lebensfreude hat, feste Sinnesorgane besitzt, kräftig und mit Sattva (geistiger Kraft) ausgestattet ist – der gilt als zu seiner natürlichen Konstitution zurückgekehrt.
etāṃprakṛtimaprāptaḥsarvavarjyānivarjayet| mahādoṣakarāṇyaṣṭāvimānituviśeṣataḥ
Solange er diesen Normalzustand nicht erreicht hat, soll er alles meiden, was zu meiden ist; insbesondere aber diese acht Dinge, die schwere Doṣa-Störungen hervorrufen:
uccairbhāṣyaṃrathakṣobhamavicaṅkramaṇāsane| ajīrṇāhitabhojyecadivāsvapnaṃsamaithunam
Lautes Sprechen, das Rütteln durch einen Wagen, langes Umhergehen und langes Sitzen, Essen bei noch unverdauter Speise und der Genuss ungesunder Speisen, Schlafen am Tage und Geschlechtsverkehr.
tajjādehordhvasarvādhomadhyapīḍāmadoṣajāḥ| śleṣmajāḥkṣayajāścaivavyādhyaḥsyuryathākramam
Daraus entstehen der Reihe nach Krankheiten, die – durch Doṣa-Störung bedingt – den ganzen Körper oben, unten und in der Mitte befallen, ferner solche, die aus Kapha, und solche, die aus Erschöpfung (kṣaya) entstehen.
teṣāṃvistaratoliṅgamekaikasyacabheṣajam| yathāvatsampravakṣyāmisiddhānbastīṃścayāpanān
Von diesen werde ich ausführlich die Krankheitszeichen und für jede einzelne das Heilmittel ordnungsgemäß darlegen, ebenso die bewährten Yāpana-Bastis (mild wirkende, erhaltende Klistiere).
hanugrahamanyāstambhaniṣṭhīvanoraḥpārśvaśūlasvarabhedahikkāśvāsādayaḥsyuḥ(1)| sphikpārśvavaṅkṣaṇavṛṣaṇakaṭīpṛṣṭhavedanāsandhiskandhagrīvādaurbalyāṅgābhitāpapādaśophaprasvāpaharṣaṇādayaḥ (2)| piṇḍikodveṣṭanāṅgamardāṃsābhitāpasirādhamanīharṣaśvāsakāsādayaḥ(3)| atyāsanādrathakṣobhajāḥsphikpārśvavaṅkṣaṇavṛṣaṇakaṭīpṛṣṭhavedanādayaḥ(4)| gātrasādacchardyatīsāramūrcchājvarapravāhaṇāmaviṣādayaḥ(5)| pāmāgātrasādavātādiprakopajāścagrahaṇyarśovikārādayaḥ(6)| prasaṅgagranthijanmadaurbalyaraktamūtrākṣitātālulepāḥ(7)| vepatehṛdayaṃ,pīḍyantesandhayaḥ,tamaḥpraveśyataivaca(8)| ityevamebhiraṣṭabhirapacāraireteprādurbhavantyupadravāḥ
(1) Kieferklemme, Nackensteifheit, übermäßiges Speicheln, Stechen in Brust und Flanken, Veränderung der Stimme, Schluckauf, Atemnot und Ähnliches können entstehen; (2) Schmerzen in Gesäß, Flanke, Leiste, Hoden, Hüfte und Rücken, Schwäche in Gelenken, Schultern und Nacken, Hitzegefühl in den Gliedern, Fußschwellung, Taubheitsgefühl und Kribbeln und Ähnliches; (3) Wadenkrämpfe, Gliederschmerzen, Hitze in den Schultern, Pochen in Venen und Arterien, Atemnot, Husten und Ähnliches; (4) durch übermäßiges Sitzen entstehen, wie durch das Rütteln eines Wagens, Schmerzen in Gesäß, Flanke, Leiste, Hoden, Hüfte und Rücken und Ähnliches; (5) Mattigkeit des Körpers, Erbrechen, Durchfall, Ohnmacht, Fieber, schmerzhafter Stuhldrang und Vergiftung durch Āma (unverdaute Stoffe) und Ähnliches; (6) Hautausschlag, Mattigkeit des Körpers sowie durch Aufwallung von Vāta und den anderen Doṣa entstehende Störungen wie Grahaṇī (chronische Verdauungsschwäche) und Arśas (Hämorrhoiden) und Ähnliches; (7) übermäßige Anhänglichkeit, Bildung von Knoten, Entstehen von Schwäche, Blut im Urin, gerötete Augen und Belag auf dem Gaumen; (8) das Herz gerät ins Zittern, die Gelenke schmerzen, und es ist, als sinke man in Dunkelheit. So entstehen durch diese acht Verstöße (apacāra) diese Begleitkrankheiten (upadrava).
dhūmanasyoparibhaktasnehapānarasakṣīrādirvātaharaḥsarvovidhirmaunaṃca(1)| snehasvedādivātaharaṃkarmasarvaṃnidānavarjanaṃca(2)| rūkṣaḥsvedolaṅghanīyapācanīyadīpanīyauṣadhāvacāraṇaṃca(3)| viṣamāhitāśanajānāṃyathāsvaṃdoṣaharāḥkriyāḥ(4)| pragharṣaṇonmardanapariṣecanādiścaśleṣmaharaḥsarvovidhiḥ(5)| jīvanīyakṣīrasaṃsiddhaṃtailaṃsyāt
Rauchinhalation, Nasenmittel (nasya), Öl-Trinken nach dem Essen, Fleischsäfte, Milch und Ähnliches – jede Vāta-lindernde Maßnahme, sowie Schweigen, gegen die durch lautes Sprechen entstandenen Beschwerden. Ölung, Schwitzbehandlung (sveda) und alle übrigen Vāta-lindernden Maßnahmen sowie das Meiden der schädlichen Ursache, gegen die durch das Wagenrütteln entstandenen Beschwerden. Trockene Schwitzbehandlung sowie die Anwendung fastenfördernder, verdauungsfördernder und Agni-anregender Heilmittel, gegen die durch langes Gehen entstandenen Beschwerden. Für die durch unregelmäßige und ungesunde Ernährung entstandenen Beschwerden die dem jeweiligen Doṣa entsprechenden lindernden Maßnahmen. Kräftiges Reiben, Massage, Übergießungen und Ähnliches – jede Kapha-lindernde Maßnahme, gegen die durch Tagschlaf entstandenen Beschwerden. Für die durch übermäßigen Geschlechtsverkehr entstandenen Beschwerden soll ein mit lebenskräftigenden (jīvanīya) Kräutern und Milch gekochtes Öl verwendet werden,
sadyobalajananorasāyanaśceti(1)| palikānikhaṇḍaśaḥklṛptāniphalānicāṣṭauprakṣālyajalāḍhakekṣīrapādepacet| madhughṛtatailasaindhavayuktaṃsukhoṣṇaṃnirūhamekaṃdvautrīnvādadyāt| sthaviracirārśasāmapatyakāmānāṃ[2]ca(2)| tadvatsahacarabalādarbhamūlasārivāsiddhenapayasā(3)| madhukamadanapippalīkalkitenapūrvavadvastiḥ(4)| kāsajvaragulmaplīhārditastrīmadyakliṣṭānāṃsadyobalajananorasāyanaśca(5)| -cchukramūtravarcaḥsaṅge'nilajegulmahṛdrogādhmānabradhnapārśvapṛṣṭhakaṭīgrahasañjñānāśabalakṣayeṣuca(6)| sarvāṅgavisṛtavātaraktasaktaviṇmūtrastrīkheditahitovātaharobuddhimedhāgnibalajananaśca(7)| saguḍaghṛtatailalavaṇaḥkṣīṇaviṣamajvarakarśitasyabastiḥ(8)| saguḍaghṛtatailalavaṇayuktaḥpūrvavadbastiḥsthaviradurbalakṣīṇaśukrarudhirāṇāṃpathyatamaḥ(9)| madhukamadanakalkitaṃsamadhughṛtasaindhavaṃjvarārtebhyobastiṃdadyāt(10)| saghṛtasaindhavaḥkṣīṇendriyaviṣamajvarakarśitasyabastiḥśastaḥ(11)| saindhavasauvarcalayuktovastirvṛṣyatamobalavarṇajananaśca[5]| itiyāpanābastayodvādaśa
das sofort Kraft verleiht und als Rasāyana (Verjüngungsmittel) wirkt. Man nehme acht Früchte, je ein Pala schwer, in Stücke geschnitten, wasche sie und koche sie in einem Āḍhaka Wasser mit einem Viertelanteil Milch; mit Honig, Ghee, Öl und Steinsalz versetzt und angenehm warm, gebe man davon einen, zwei oder drei Nirūha-Bastis (reinigende Klistiere) – für Alte, für solche mit langbestehenden Hämorrhoiden und für solche, die sich Nachkommenschaft wünschen. Ebenso, mit Milch bereitet, die mit Sahacara, Balā, der Wurzel des Darbha-Grases und Sārivā gekocht und mit einer Paste aus Madhuka, Madana und Pippalī versetzt wurde, gebe man einen Basti wie zuvor – für die von Husten, Fieber, Gulma (Bauchgeschwulst), Milzleiden, Ardita (Gesichtslähmung), übermäßigem Geschlechtsverkehr oder Alkohol Geschwächten; er verleiht sofort Kraft und wirkt als Rasāyana. Bei Rückhaltung von Samen, Urin und Stuhl, bei Vāta-bedingtem Gulma, Herzleiden, Blähungen, Bradhna (Hodenschwellung), bei Steifheit in Flanke, Rücken und Hüfte, bei Bewusstlosigkeit und bei Kraftverlust ist er zuträglich. Zuträglich auch für den, dessen Vāta sich über den ganzen Körper ausgebreitet hat, für den mit zurückgehaltenem Kot und Urin und für den durch Frauen Erschöpften – er lindert Vāta und mehrt Verstand, geistige Klarheit, Agni und Kraft. Mit Jaggery, Ghee, Öl und Salz versetzt, ist er ein Basti für den durch unregelmäßiges Fieber Abgemagerten; ebenso zubereitet ist er höchst zuträglich für Alte, Schwache und solche, deren Samen und Blut geschwunden sind. Mit einer Paste aus Madhuka und Madana bereitet und mit Honig, Ghee und Steinsalz versetzt, soll man diesen Basti den Fieberkranken geben. Mit Ghee und Steinsalz versetzt, ist er empfohlen für den, dessen Sinnesorgane geschwächt sind und der durch unregelmäßiges Fieber abgemagert ist. Mit Saindhava- und Sauvarcala-Salz versetzt, ist er höchst aphrodisierend (vṛṣya) und verleiht Kraft und schönen Teint. So sind die zwölf Yāpana-Bastis beschrieben.
kalpaścaiṣaśikhigonardahaṃsasārasāṇḍaraseṣusyāt
Und diese Zubereitungsweise gilt ebenso für die Fleischsäfte von Pfau, Fasan, Gans und Kranich sowie für deren Eier.
pippalīkalkoghṛtatailaguḍasaindhavayuktobastirbalavarṇaśukrajananorasāyanaśca(1)| śarkarāmadhughṛtayuktaṃstrīṣvatikāmānāṃbalajananobastiḥ(2)| bastiṃdadyātstrīṣvatiprasaktakṣīṇendriyebhyobalavarṇakaram(3)| kalpaścaiṣaviṣkirapratudaprasahāmbucareṣusyāt,akṣīrorohitādiṣucamatsyeṣu(4)| rathagajahayabhagnavātabalāsakaprabhṛtyudāvartavātasaktamūtravarcaśśukāṇāṃhitatamaśca(5)| saindhavekṣurakātmaguptāphalakalkasaṃsṛṣṭobastirvṛddhānāmapibalajananaḥ(6)| ityetebastayaḥparamavṛṣyāḥuccaṭakekṣurakātmaguptāśṛtakṣīrapratibhojanānupānātstrīśatagāminaṃnaraṃkuryuḥ(7)| madhughṛtasaindhavayuktaḥkiñcillavaṇitobastiḥ(8)| mustahapuṣākalkīkṛtaḥsalavaṇobastiḥpādagulphorujānujaṅghātrikavaṅkṣaṇabastivṛṣaṇānilarogaharaḥ(9)| mṛgaviṣkirānūpabileśayānāmetenaivakalpenabastayodeyāḥ(10)| madhughṛtadviprasṛtastulyoṣṇodakaḥśatapuṣpārdhapalaḥsaindhavārdhākṣayuktobastirvṛṣyatamomūtrakṛcchrapittavātaharaḥ(11)| sadyoghṛtatailavasāmajjacatuṣprasthaṃhapuṣārdhapalaṃsaindhavārdhākṣayuktobastirvṛṣyatamomūtrakṛcchrapittavyādhiharorasāyanaḥ(12)| bṛṃhaṇobalavarṇakaronirupadravovṛṣyatamorasāyanaḥkrimikuṣṭhodāvartagulmārśobradhnaplīhamehaharaḥ(13)| nirupadravobastimeḍhrapākaparikartikāmūtrakṛcchrapittavyādhiharorasāyanaśca(14)| pūrvavadbastirvātabalāsapādaharṣagulmatrikorujānūrunikuñcanabastivṛṣaṇameḍhratrikapṛṣṭhaśūlaharaḥ(15)| śatāhvākalkitaḥsalavaṇobastiḥsarvavātarogaharaḥ(16)| pāṇḍurogājīrṇavisūcikālasakeṣu[5]deyaiti
Ein Basti mit Pippalī-Paste, versetzt mit Ghee, Öl, Jaggery und Steinsalz, verleiht Kraft, Teint und Samen und wirkt als Rasāyana. Mit Zucker, Honig und Ghee versetzt, verleiht ein Basti Kraft denen, die übermäßiges Verlangen nach Frauen haben; man gebe diesen kraft- und teinterzeugenden Basti auch denen, die übermäßig an Frauen hängen und deren Sinnesorgane erschöpft sind. Diese Zubereitung gilt auch für Hühnervögel, Schnabelvögel, Raubtiere und Wassertiere sowie, ohne Milch, für Fische wie den Rohita und andere; sie ist zudem höchst zuträglich bei durch Wagen-, Elefanten- oder Pferdefahrt hervorgerufenen Vāta-Verletzungen, bei Balāsaka und ähnlichen Leiden, bei Udāvarta, bei Vāta-Stauung sowie bei zurückgehaltenem Urin, Stuhl und Samen. Mit Steinsalz, Ikṣuraka und einer Paste aus Ātmaguptā-Früchten versetzt, verleiht ein Basti Kraft auch alten Menschen. So sind diese Bastis höchst aphrodisierend; zusammen mit einer aus Uccaṭaka, Ikṣuraka und Ātmaguptā gekochten Milch, nach jeder Mahlzeit als Nachtrunk genommen, machen sie den Mann fähig, mit hundert Frauen zu verkehren. Mit Honig, Ghee und Steinsalz versetzt und leicht gesalzen – ein mit einer Paste aus Musta und Hapuṣā bereiteter, gesalzener Basti heilt Vāta-Erkrankungen in Fuß, Knöchel, Oberschenkel, Knie, Unterschenkel, Kreuzbein, Leiste, Blasenregion und Hoden. Nach ebendieser Zubereitungsweise sollen auch Bastis aus Wildtieren, Hühnervögeln, Sumpftieren und höhlenbewohnenden Tieren gegeben werden. Ein Basti aus je zwei Prasṛta Honig und Ghee, ebensoviel warmem Wasser, einem halben Pala Śatapuṣpā und einem halben Akṣa Steinsalz ist höchst aphrodisierend und lindert Harnbeschwerden (mūtrakṛcchra), Pitta und Vāta. Ein Basti aus vier Prastha frischem Ghee, Öl, Fett und Knochenmark, versetzt mit einem halben Pala Hapuṣā und einem halben Akṣa Steinsalz, ist höchst aphrodisierend, lindert Harnbeschwerden und Pitta-bedingte Krankheiten und wirkt als Rasāyana; er ist aufbauend, verleiht Kraft und Teint, ist frei von Nebenwirkungen, höchst aphrodisierend und ein Rasāyana, und heilt Würmer (krimi), Hautkrankheiten (kuṣṭha), Udāvarta, Gulma, Hämorrhoiden, Bradhna, Milzleiden und Meha (Harnwegsleiden). Ein nebenwirkungsfreier Basti heilt Eiterung des Penis, Parikartikā (schneidenden Schmerz im Analbereich), Harnbeschwerden und Pitta-Krankheiten und wirkt als Rasāyana. Ein Basti wie zuvor heilt Vāta-Kapha-Störungen, Kribbeln in den Füßen, Gulma sowie das Zusammenziehen von Kreuzbein, Oberschenkel und Knie, und Schmerzen in Blase, Hoden, Penis, Kreuzbein und Rücken. Ein mit einer Paste aus Śatāhvā bereiteter, gesalzener Basti heilt alle Vāta-Krankheiten; er soll bei Pāṇḍu (Blutarmut), Ajīrṇa (Verdauungsstörung), Visūcikā (choleraartiger Erkrankung) und Alasaka gegeben werden.
ataūrdhvaṃvṛṣyatamānsnehānvakṣyāmaḥ| barhijīvañjīvakuliṅgahaṃsāṇḍarasavasāmajjādeścaprasthaṃdattvāsādhayet| taṃsnehaṃtribhāgamākṣikaṃmaṅgalāśīḥstutidevatārcanairbastiṃgamayet| pathyatamaṃrasāyanamuttamaṃvalīpalitanāśanaṃvidyāt(1) kaṇṭakārījīvakarṣabhakakṣudrasahāmahāsahāśatāvarīmedāpippalīhrīberatvakpatrakalkāṃścadattvāsādhayet| brahmaghoṣādināvidhināsiddhaṃbastiṃdadyāt| tenastrīśataṃgacchet;nacātrāstevihārāhārayantraṇākācit| eṣavṛṣyobalyobṛṃhaṇaāyuṣyovalīpalitanutkṣatakṣīṇanaṣṭaśukraviṣamajvarārtānāṃvyāpannayonīnāṃcapathyatamaḥ(2)| śaṭīsahacarasahasravīryāvarāṅgalodhrāṇāmakṣamātrairdviguṇaśarkaraiḥkalkaiḥsādhayet| bahmaghoṣādināvidhināsiddhaṃbastiṃdadyāt| śvāsakāsaharastribhāgamākṣikovalīpalitanudvarṇarūpabalamāṃsaśukravardhanaḥ(3) | ityeterasāyanāḥsnehabastayaḥsativibhaveśatapākāḥsahasrapākāvākāryāvīryabalādhānārthamiti
Im Weiteren werde ich die höchst aphrodisierenden Öle beschreiben. Man nehme je ein Prastha an Fleischsaft, Fett und Knochenmark von Pfau, Jīvañjīva-Vogel, Kuliṅga-Sperling und Gans sowie deren Eiern und koche damit ein Öl; dieses Öl soll man, mit Honig zu einem Drittel versetzt, unter Segenssprüchen, guten Wünschen, Lobpreisungen und Verehrung der Gottheiten als Basti verabreichen. Man wisse, dass dieser Basti höchst zuträglich, ein hervorragendes Rasāyana und ein Mittel gegen Falten und graues Haar ist. Man füge Pasten aus Kaṇṭakārī, Jīvaka, Ṛṣabhaka, Kṣudrasahā, Mahāsahā, Śatāvarī, Medā, Pippalī, Hrībera sowie Zimtrinde und Zimtblatt hinzu und koche das Öl; man verabreiche den nach der mit vedischer Rezitation (Brahmaghoṣa) beginnenden Methode zubereiteten Basti. Dadurch kann der Mann mit hundert Frauen verkehren, ohne dass dabei irgendeine Einschränkung von Lebensweise oder Ernährung bestünde. Dieser Basti ist aphrodisierend, kräftigend, aufbauend, lebensverlängernd, beseitigt Falten und graues Haar und ist höchst zuträglich für die durch Verletzung, Erschöpfung, Samenverlust oder unregelmäßiges Fieber Leidenden sowie für Frauen mit gestörten Geschlechtsorganen. Man koche mit Pasten aus Śaṭī, Sahacara, Sahasravīryā, Varāṅga und Lodhra, je einem Akṣa an Menge, mit der doppelten Menge Zucker, und verabreiche den nach der genannten Methode zubereiteten Basti; er lindert Atemnot und Husten, beseitigt Falten und graues Haar und mehrt Teint, Erscheinung, Kraft, Körpersubstanz und Samen. So sind diese verjüngenden Öl-Bastis beschrieben; bei entsprechenden Mitteln soll man sie hundertfach oder gar tausendfach gekocht anwenden, um Vīrya (Zeugungskraft) und Kraft zu verleihen.
ityetebastayaḥsnehāścoktāyāpanasañjñitāḥ| svasthānāmāturāṇāṃcavṛddhānāṃcāvirodhināḥ
So sind diese Öl-Bastis, die 'Yāpana' genannt werden, dargelegt; sie sind für Gesunde, Kranke und Alte gleichermaßen unbedenklich.
ativyavāyaśīlānāṃśukramāṃsabalapradāḥ| sarvarogapraśamanāḥsarveṣvṛtuṣuyaugikāḥ
Für diejenigen, die übermäßigen Geschlechtsverkehr pflegen, verleihen sie Samen, Körpersubstanz und Kraft; sie lindern alle Krankheiten und können zu jeder Jahreszeit angewendet werden.
nārīṇāmaprajātānāṃnarāṇāṃcāpyapatyadāḥ| ubhayārthakarādṛṣṭāḥsnehabastinirūhayoḥ
Kinderlosen Frauen wie auch Männern verleihen sie Nachkommenschaft; sowohl als Öl-Basti als auch als wässriges Nirūha-Klistier haben sie sich für beide Zwecke als wirksam erwiesen.
vyāyāmomaithunaṃmadyaṃmadhūniśiśirāmbuca| sambhojanaṃrathakṣobhobastiṣveteṣugarhitam
Körperliche Anstrengung, Geschlechtsverkehr, Alkohol, Honigweine, kaltes Wasser, übermäßiges gemeinsames Essen sowie das Rütteln durch einen Wagen sind während der Anwendung dieser Bastis zu meiden.
śikhigonardahaṃsāṇḍairdakṣavadbastayastrayaḥ| viṃśatirviṣkiraistriṃśatpratudaiḥprasahairnava
Mit den Eiern von Pfau, Fasan und Gans lassen sich, wie mit Hahneneiern, drei Bastis herstellen; mit Hühnervögeln zwanzig, mit Schnabelvögeln dreißig, mit Raubtieren neun.
viṃśatiścatathāsaptaviṃśatiścāmbucāribhiḥ| navamatsyādibhiścaivaśikhikalpenabastayaḥ
Ebenso zwanzig, dazu siebenundzwanzig mit Wassertieren, und neun mit Fischen und Ähnlichem – jeweils nach der Zubereitungsweise des Pfau-Basti.
daśakarkaṭakādyaiścakūrmakalkenabastayaḥ| mṛgaiḥsaptadaśaikonaviṃśatirviṣkirairdaśa[2]
Zehn mit Krabben und Ähnlichem sowie mit Schildkröten-Paste; siebzehn mit Wildtieren, neunzehn weitere, zehn mit Hühnervögeln.
ānūpairdakṣaśikhivadbhūśayaiścacaturdaśa| ekonatriṃśadityetesahasnehaiḥsamāsataḥ
Mit Sumpftieren wie bei Hahn und Pfau, und mit erdbewohnenden Tieren vierzehn – insgesamt sind es, kurz zusammengefasst, neunundzwanzig, samt den Öl-Bastis.
proktāvistaraśobhinnādveśateṣoḍaśottare| etemākṣikasaṃyuktāḥkurvantyativṛṣaṃ[3]naram
Im Einzelnen ausführlich dargelegt, sind es zweihundertsechzehn verschiedene Bastis; mit Honig versetzt, machen sie den Mann außerordentlich potent.
nātiyogaṃnavā'yogaṃstambhitāstecakurvate|| mṛdutvānnanivartanteyasyatveteprayojitāḥ
Sie bewirken weder eine Über- noch eine Unterwirkung, auch nicht bei denen mit gestauten Ausscheidungen; wegen ihrer Milde bleiben sie – bei wem auch immer sie angewendet werden – nicht ohne Wirkung.
samūtrairbastibhistīkṣṇairāsthāpyaḥkṣipramevasaḥ|| śophāgnināśapāṇḍutvaśūlārśaḥparikartikāḥ
Kehrt der Basti nicht zurück, so soll der Patient umgehend mit scharfen, harntreibenden Āsthāpana-Bastis (kräftig reinigenden Klistieren) behandelt werden; andernfalls entstehen Schwellung, Erlöschen des Agni, Blässe, Stechen, Hämorrhoiden und Parikartikā,
syurjvaraścātisāraścayāpanātyarthasevanāt|| ariṣṭakṣīrasīdhvādyātatreṣṭādīpanīkriyā
sowie Fieber und Durchfall durch übermäßigen Gebrauch der Yāpana-Bastis. In diesem Fall sind Ariṣṭa (fermentierte Arzneiweine), Milch, Sīdhu (Zuckerrohrwein) und dergleichen sowie Agni-anregende Maßnahmen angezeigt.
yuktyātasmānniṣevetayāpanānnaprasaṅgataḥ| ityuccairbhāṣyapūrvāṇāṃvyāpadaḥsacikitsitāḥ
Deshalb soll man die Yāpana-Bastis mit Umsicht anwenden, nicht aus bloßer Gewohnheit. So wurden die durch lautes Sprechen und die übrigen Verstöße verursachten Krankheiten samt ihrer Behandlung dargelegt –
vistareṇapṛthakproktāstebhyorakṣennaraṃsadā|| karmaṇāṃvamanādināmasamyakkaraṇāpadām
ausführlich und einzeln dargelegt; vor diesen Gefahren, die aus der unsachgemäßen Durchführung der Reinigungsverfahren wie Erbrechen und Ähnlichem entstehen, soll man den Menschen stets bewahren.
yatroktaṃsādhanaṃsthānesiddhisthānaṃtaducyate|| ityadhyāyaśataṃviṃśamātreyamunivāṅmayam
Der Abschnitt, in dem die entsprechenden Heilmittel dargelegt werden, wird 'Siddhisthāna' (Abschnitt der Vollendung) genannt. So endet das hundertzwanzigste Kapitel, das Wortwerk des weisen Ātreya,
hitārthaṃprāṇināṃproktamagniveśenadhīmatā|| dīrghamāyuryaśaḥsvāsthyaṃ[1]trivargaṃcāpipuṣkalam
das zum Wohle der Lebewesen von dem weisen Agniveśa verkündet wurde – langes Leben, Ruhm, Gesundheit und in Fülle auch die drei Lebensziele (Trivarga: Tugend, Wohlstand, Lust).
siddhiṃcānuttamāṃlokeprāpnotividhināpaṭhan|| vistārayatileśoktaṃsaṅkṣipatyativistaram
Wer es ordnungsgemäß studiert, erlangt höchste Vollkommenheit in der Welt. Der Bearbeiter erweitert, was nur knapp gesagt war, und kürzt, was allzu ausführlich war.
saṃskartākurutetantraṃpurāṇaṃcapunarnavam| atastantrottamamidaṃcarakeṇātibuddhinā
Der Redaktor macht aus dem alten Lehrwerk (tantra) wieder ein neues. Deshalb entstand dieses vortreffliche Werk durch den hochweisen Caraka,
saṃskṛtaṃtattvasampūrṇaṃtribhāgenopalakṣyate| tacchaṅkaraṃbhūtapatiṃsamprasādyasamāpayat
redigiert und zur Wahrheit vervollständigt – erkennbar an dem ihm zuzuschreibenden Drittel-Anteil. Er vollendete es, nachdem er Śaṅkara, den Herrn der Wesen, günstig gestimmt hatte.
akhaṇḍārthaṃdṛḍhabalojātaḥpañcanadepure| kṛtvābahubhyastantrebhyoviśeṣoñchaśiloccayam
Dṛḍhabala, geboren in der Stadt Pañcanada, hat, um den Sinn des Werkes vollständig zu machen, aus vielen anderen Lehrwerken eine besondere Auslese kostbarer Inhalte zusammengetragen
saptadaśauṣadhādhyāyasiddhikalpairapūrayat| idamanyūnaśabdārthaṃtantradoṣavivarjitam
und damit die siebzehn fehlenden Kapitel über Heilmittel sowie das Siddhisthāna und das Kalpasthāna ergänzt. Dieses Werk ist nun an Wort und Sinn nicht mangelhaft und frei von Fehlern des Lehrwerks,
ṣaḍviṃśatāvicitrābhirbhūṣitaṃtantrayuktibhiḥ|| tatrādhikaraṇaṃyogohetvartho'rthaḥpadasyaca
geschmückt mit sechsundzwanzig mannigfaltigen Tantrayukti (methodischen Grundsätzen der Textauslegung). Diese sind: Adhikaraṇa (Grundthema), Yoga (Verknüpfung), Hetvartha (Grund und Zweck), die Bedeutung des einzelnen Wortes (Padārtha),
pradeśoddeśanirdeśavākyaśeṣāḥprayojanam| upadeśāpadeśātideśārthāpattinirṇayāḥ
Pradeśa (Verweis), Uddeśa (kurze Aufzählung), Nirdeśa (genaue Angabe), Vākyaśeṣa (Satzergänzung), Prayojana (Zweck), Upadeśa (Belehrung), Apadeśa (Begründung durch Beispiel), Atideśa (Übertragung), Arthāpatti (Schlussfolgerung aus dem Sinn) und Nirṇaya (endgültige Entscheidung),
prasaṅgaikāntanaikāntāḥsāpavargoviparyayaḥ| pūrvapakṣavidhānānumatavyākhyānasaṃśayāḥ
Prasaṅga (Anknüpfung), Ekānta (ausnahmslose Regel) und Anaikānta (Regel mit Ausnahme), Apavarga (Ausnahmebestimmung), Viparyaya (Gegenteil), Pūrvapakṣa (Einwand), Vidhāna (Anweisung), Anumata (Zustimmung), Vyākhyāna (Erläuterung) und Saṃśaya (Zweifel),
atītānāgatāvekṣāsvasañjñohyasamuccayāḥ| nidarśanaṃnirvacanaṃsanniyogovikalpanam
Atīta (Rückverweis), Anāgata (Vorverweis), Avekṣā (Rücksichtnahme), Svasañjñā (Eigenbezeichnung) und Asamuccaya (Nichtverknüpfung), Nidarśana (Beispiel), Nirvacana (Worterklärung), Sanniyoga (Zusammenfügung) und Vikalpana (Wahlmöglichkeit),
pratyutsārastathoddhāraḥsambhavastantrayuktayaḥ|| tantresamāsavyāsoktebhavantyetāhikṛtsnaśaḥ
sowie Pratyutsāra (Zurückweisung), Uddhāra (Herausnahme) und Sambhava (Ursprung) – dies sind die Tantrayukti, die im Lehrwerk, sei es zusammengefasst oder ausführlich, vollständig dargelegt werden.
ekadeśenadṛśyantesamāsābhihitetathā|| yathā'mbujavanasyārkaḥpradīpoveśmanoyathā
Auch wenn sie nur an einer einzigen Stelle angewendet werden, entfalten sie doch ihre Wirkung im Ganzen – wie die Sonne den Lotusteich erhellt oder eine Lampe das ganze Haus.
prabodhanaprakāśārthāstathātantrasyayuktayaḥ|| ekasminnapiyasyehaśāstrelabdhāspadāmatiḥ
Ebenso dienen die methodischen Grundsätze des Lehrwerks dem Erwecken des Verständnisses und der Erhellung. Wessen Verstand hier in einem einzigen Lehrwerk festen Halt gefunden hat,
saśāstramanyadapyāśuyuktijñatvātprabudhyate| adhīyāno'piśāstrāṇitantrayuktyāvinābhiṣak| nādhigacchatiśāstrārthānarthānbhāgyakṣayeyathā
der versteht dank dieser Kenntnis der Methodik rasch auch ein anderes Lehrwerk. Ein Arzt hingegen, der die Lehrwerke studiert, ohne die Tantrayukti zu beherrschen, erfasst deren Sinn nicht – so wie einer bei schwindendem Glück den Wert der Dinge nicht erkennt.
durgṛhītaṃkṣiṇotyevaśāstraṃśastramivābudham| sugṛhītaṃtadevajñaṃśāstraṃśastraṃcarakṣati
Ein schlecht erfasstes Lehrwerk vernichtet den Unwissenden geradeso wie eine falsch geführte Waffe; dasselbe Lehrwerk aber, gut erfasst, schützt den Kundigen wie eine recht geführte Waffe.
(tasmādetāḥpravakṣyantevistareṇottarepunaḥ| tattvajñānārthamasyaivatantrasyaguṇadoṣataḥ)
Deshalb werden diese Tantrayukti später noch einmal ausführlich dargelegt werden – zum wahren Verständnis dieses Lehrwerks hinsichtlich seiner Vorzüge und Mängel.
idamakhilamadhītyasamyagarthānvimṛśatiyo'vimanāḥprayoganityaḥ| samanujasukhajīvitapradātābhavatidhṛtismṛtibuddhidharmavṛddhaḥ
Wer dieses Werk vollständig studiert, mit klarem, ungetrübtem Sinn über seine Bedeutungen nachsinnt und es stets in die Praxis umsetzt, der wird zu einem, der den Menschen Glück und Leben schenkt, und wächst an Standhaftigkeit, Erinnerungsvermögen, Verstand und Dharma (Tugend).
(yasyadvādaśasāhasrīhṛditiṣṭhatisaṃhitā| so'rthajñaḥsavicārajñaścikitsākuśalaścasaḥ
Wer in seinem Herzen dieses aus zwölftausend Versen bestehende Kompendium (Saṃhitā) bewahrt, der ist ein Kenner des Sinns, ein Kenner der rechten Überlegung und geschickt in der Heilkunst.
rogāṃsteṣāṃcikitsāṃcasakimarthaṃnabudhyate| cikitsāvahniveśasyasusthāturahitaṃprati
Warum sollte er dann die Krankheiten und deren Behandlung nicht verstehen? Die Heilkunst des Agniveśa lehrt, was dem wohletablierten, gesunden Patienten zuträglich ist –
siddhisthāne'ṣṭameprāptetasmindṛḍhabalenatu| siddhisthānaṃsvasiddhyarthaṃsamāsenasamāpitam) siddhisthāneuttarabastisiddhirnāmadvādaśo'dhyāyaḥ
Als im Siddhisthāna das achte Kapitel erreicht war, wo Carakas ursprünglicher Text endete, wurde das Siddhisthāna von Dṛḍhabala zu seiner eigenen Vollendung in gedrängter Kürze fertiggestellt. So endet im Siddhisthāna das zwölfte Kapitel mit dem Titel 'Die Vollendung des Uttarabasti'.