athātastrimarmīyāṃ siddhiṃ vyākhyāsyāmaḥ
Nun werden wir das Kapitel über die Heilkunst der drei (großen) Marman – die Trimarmīya Siddhi – erklären.
Caraka-Saṃhitā · Siddhisthana
Das neunte Kapitel gehört zu jenem Teil des Siddhisthāna, den nach der Überlieferung nicht mehr Caraka selbst, sondern der Redaktor Dṛḍhabala verfasste, um das ursprünglich unvollständige Werk abzuschließen. Im Zentrum stehen die drei großen marman (vitalen Punkte) – Herz, Kopf und Blase –, in denen prāṇa, das Leben selbst, verankert ist; wird einer von ihnen verletzt oder von aufgewühltem vāta bedrängt, drohen lebensbedrohliche Zustände wie Bewusstlosigkeit, Krämpfe (apatantraka) oder Benommenheit (tandrā), die mit Niesmitteln, herzstärkenden Kräutern und gezielter vāta-Beruhigung behandelt werden. Einen zweiten großen Abschnitt bildet die Nasya-Therapie, die Nasenbehandlung als „Pforte zum Kopf“, mit ihren fünf Formen und den Komplikationen bei falscher Anwendung. Botanisch treten unter anderem Balā, Rāsnā, Aśvagandhā und Guḍūcī hervor. So erweitert dieses Kapitel die Pañcakarma-Komplikationslehre um die überlebenswichtigen Zentren des Körpers und ein weiteres klassisches Reinigungsverfahren.
| Name | Kennzeichen |
|---|---|
| mūtraukasāda | brennender, weißlicher, dickflüssiger Harn durch Verdichtung von pitta und kapha |
| mūtrajaṭhara | gestauter Harn füllt den Unterleib, Schmerz ohne erkennbaren Anlass, Verdauungsschwäche |
| kṛcchra | Same löst sich nur schwer, vor oder nach dem Harnlassen |
| mūtrotsaṅga | abreißender Harnstrahl, Rest bleibt zurück, Schweregefühl im Glied |
| saṅkṣaya | Vertrocknen des Harns in der Blase durch vāta |
| mūtrātīta | verzögerter, nur langsamer Harnabgang nach langem Zurückhalten |
| anilāṣṭhīlā | bewegliche, erhabene, heftig schmerzende Verhärtung, verlegt Harn- und Kotweg |
| vātabasti | Harnverhaltung mit Schmerz und Jucken durch in der Blase gestauten vāta |
| uṣṇamāruta (uṣṇavāta) | rötlich-gelber, erhitzter Harn, Schmerz und Brennen beim Wasserlassen |
| vātakuṇḍalikā | Starre, Zerreißen, Schweregefühl, Harn- und Kotverhaltung, heftiger Schmerz |
| granthi (raktagranthi) | Geschwulst am Blasenausgang aus verdorbenem Blut, steinartiger Schmerz |
| viḍghāta | kotvermischter, nach Kot riechender Harn |
| bastikuṇḍala | verschobene, geschwollene Blase, Kolikschmerz, tropfenweiser Harnabgang |
| Form | Charakter |
|---|---|
| nāvana | ölige Nasenträufelung; zweifach: ölend (snehana) und reinigend (śodhana) |
| avapīḍa | Einträufeln von Presssaft; zweifach: reinigend und stopfend (stambhana) |
| dhmāpana | Einblasen von Pulver, reinigt die Körperkanäle (srotas) |
| dhūma | Rauchinhalation; dreifach, u.a. lindernd (śamana) |
| pratimarśa | tägliche, milde Ölanwendung; dient sowohl Vorbeugung als auch Heilung, ohne Doṣa-Voraussetzung |
athātastrimarmīyāṃ siddhiṃ vyākhyāsyāmaḥ
Nun werden wir das Kapitel über die Heilkunst der drei (großen) Marman – die Trimarmīya Siddhi – erklären.
iti ha smāha bhagavānātreyaḥ
So sprach der ehrwürdige Ātreya.
saptottaraṃ marmaśatamasmiñcharīre skandhaśākhāsamāśritamagniveśa!| teṣāmanyatamapīḍāyāṃ samadhikā pīḍā bhavati, cetanānibandhavaiśeṣyāt| tatra śākhāśritebhyo marmabhyaḥ skandhāśritāni garīyāṃsi, śākhānāṃ tadāśritatvāt; skandhāśritebhyo'pi hṛdvastiśirāṃsi, tanmūlatvāccharīrasya
Es gibt in diesem Körper einhundertsieben marman (vitale Punkte), Agniveśa, die sich auf den Rumpf (skandha) und die Gliedmaßen (śākhā) verteilen. Wird auch nur eines von ihnen verletzt, so entsteht ein überdurchschnittlich schwerer Schaden, weil dort das Bewusstsein (cetanā) in besonderer Weise verankert ist. Von den in den Gliedmaßen gelegenen marman sind die im Rumpf gelegenen bedeutsamer, da die Gliedmaßen von ihm abhängen; von den im Rumpf gelegenen marman wiederum sind Herz (hṛdaya), Blase (basti) und Kopf (śiras) noch gewichtiger, da in ihnen der Körper wurzelt.
tatra hṛdaye daśa dhamanyaḥ prāṇāpānau mano buddhiścetanā mahābhūtāni ca nābhyāmarā iva pratiṣṭhitāni, śirasi indriyāṇi indriyaprāṇavahāni ca srotāṃsi sūryamiva gabhastayaḥ saṃśritāni, bastistu sthūlagudamuṣkasevanīśukramūtravāhinīnāṃ nāḍī(lī)nāṃ madhye mūtradhāro'mbuvahānāṃ sarvasrotasāmudadhirivāpagānāṃ pratiṣṭhā, bahubhiśca tanmūlairmarmasañjñakaiḥ srotobhirgaganamiva dinakarakarairvyāptamidaṃ śarīram
Im Herzen sind, wie die Speichen an der Nabe eines Rades, die zehn großen Gefäße (dhamanī), Prāṇa und Apāna (die auf- und absteigenden Lebenswinde), Manas (Geist), Buddhi (Verstand), Cetanā (Bewusstsein) und die Mahābhūtāni (die groben Elemente) verankert. Im Kopf sind die Sinnesorgane (indriya) und die diese samt dem Prāṇa tragenden Kanäle (srotas) versammelt, wie die Strahlen in der Sonne. Der Basti (die Blase) aber ist inmitten der Kanäle, die Enddarm (sthūlaguda), Hodensack (muṣka), Dammnaht (sevanī), Samen (śukra) und Harn (mūtra) führen, die Trägerin des Harns und die Stütze aller wasserführenden Kanäle – wie das Meer die Stütze aller Flüsse ist. Und mit den vielen Kanälen, die von dort ausgehen und als marman bezeichnet werden, ist dieser Körper durchdrungen wie der Himmel von den Strahlen der Sonne.
teṣāṃ trayāṇāmanyatamasyāpi bhedādāśveva śarīrabhedaḥ syāt, āśrayanāśādāśritasyāpi vināśaḥ; tadupaghātāttu ghorataravyādhiprādurbhāvaḥ; tasmādetāni viśeṣeṇa rakṣyāṇi bāhyābhighādvātādibhyaśca
Wird auch nur eines dieser drei (Herz, Kopf, Blase) zerstört, so tritt sogleich die Zerstörung des ganzen Körpers ein, denn mit dem Untergang der Grundlage geht auch das darauf Gegründete zugrunde; wird eines von ihnen nur geschädigt, so treten überaus schreckliche Krankheiten hervor. Deshalb müssen diese besonders geschützt werden – sowohl vor äußerer Verletzung als auch vor vāta und den anderen (doṣas).
tatra hṛdyabhihate kāsaśvāsabalakṣayakaṇṭhaśoṣaklomākarṣaṇajihvānirgamamukhatāluśoṣāpasmāronmādapralāpacittanāśādayaḥ syuḥ; śirasyabhihate manyāstambhārditacakṣurvibhramamohodveṣṭanaceṣṭānāśakāsaśvāsahanugrahamūkagadgadatvākṣinimīlana- gaṇḍaspandanajṛmbhaṇalālāsrāvasvarahānivadanajihmatvādīni, bastau tu vātamūtravarconigrahavaṅkṣaṇamehanabastiśūlakuṇḍalodāvartagulmānilāṣṭhīlopastambhanābhikukṣigudaśroṇigrahādayaḥ; vātādyupasṛṣṭānāṃ tveṣāṃ liṅgāni cikitsite sakriyāvidhīnyuktāni
Wird das Herz getroffen, so entstehen Husten (kāsa), Atemnot (śvāsa), Kraftverlust, Trockenheit des Halses, ein Zusammenziehen des Gaumensegels (klomam), Herausgleiten der Zunge, Trockenheit von Mund und Gaumen, Epilepsie (apasmāra), Wahnsinn (unmāda), wirres Reden (pralāpa), Verlust des Bewusstseins und Ähnliches. Wird der Kopf getroffen, so entstehen Nackenstarre (manyāstambha), krampfartiger Schmerz (ārdita), Sehstörungen, Bewusstlosigkeit, Verkrampfung, Lähmung der Bewegungen, Husten, Atemnot, Kieferklemme, Stummheit, Stottern, Augenlidverschluss, Zucken der Wangen, Gähnen, Speichelfluss, Stimmverlust und Schiefstand des Mundes und Ähnliches. Wird die Blase getroffen, so entstehen Zurückhalten von Wind, Harn und Kot, Schmerzen in Leiste, Glied und Blase, kolikartige Schmerzen (śūla), Verdrehung (kuṇḍala), Aufwärtsstauung der Winde mit Verstopfung (udāvarta), Windgeschwulst (gulma), Verhärtung (aṣṭhīla) sowie Verkrampfung von Nabel, Unterleib, After und Hüfte und Ähnliches. Die Kennzeichen dieser Störungen, soweit sie von vāta und den anderen doṣas hervorgerufen werden, sind samt den zugehörigen Behandlungsvorschriften bereits an anderer Stelle dargelegt worden.
kintvetāni viśeṣato'nilādrakṣyāṇi, anilo hi pittakaphasamudīraṇe hetuḥ prāṇamūlaṃ ca, sa bastikarmasādhyatamaḥ, tasmānna bastisamaṃ kiñcit karma marmaparipālanamasti| tatra ṣaḍāsthāpanaskandhān vimāne dvau cānuvāsanaskandhāviha ca vihitān bastīn buddhyā vicārya mahāmarmaparipālanārthaṃ prayojayedvātavyādhicikitsāṃ ca
Diese (drei marman) müssen jedoch besonders vor vāta geschützt werden, denn vāta ist die Ursache für die Erregung von pitta und kapha und zugleich die Wurzel des Prāṇa (Lebensatems); er ist am ehesten durch Basti-Behandlung (Klistiere) zu bezwingen. Deshalb gibt es keine Maßnahme, die dem Basti gleichkäme, um die marman zu schützen. Dabei soll man unter den sechs im Vimānasthāna genannten Āsthāpana-Klistieren und den beiden hier im Siddhisthāna genannten Anuvāsana-Klistieren mit Bedacht auswählen und sie zum Schutz der großen marman sowie zur Behandlung der Vāta-Krankheiten anwenden.
bhūyaśca hṛdyupasṛṣṭe hiṅgucūrṇaṃ lavaṇānāmanyatamacūrṇasaṃyuktaṃ mātuluṅgasya rasenānyena vā'mlena hṛdyena vā pāyayet, sthirādipañcamūlīrasaḥ saśarkaraḥ pānārthaṃ, bilvādipañcamūlarasasiddhā ca yavāgūḥ, hṛdrogavihitaṃ ca karma; mūrdhni tu vātopasṛṣṭe'bhyaṅgasvedanopanāhasnehapānanastaḥkarmāvapīḍanadhūmādīni; bastau tu kumbhīsvedaḥ, vartayaḥ, śyāmādibhirgomūtrasiddho nirūhaḥ, bilvādibhiśca surāsiddhaḥ, śarakāśekṣudarbhagokṣurakamūlaśṛtakṣīraiśca trapusairvārukharāśvābījayavarṣabhakavṛddhikalkito nirūhaḥ, pītadārusiddhatailenānuvāsanaṃ, tailvakaṃ ca sarpirvirekārthaṃ, śatāvarīgokṣurakabṛhatīkaṇṭakārikāguḍūcīpunarnavośīramadhukadvisārivālodhraśreyasīkuśakāśamūlakaṣāyakṣīracaturguṇaṃ balāvṛṣarṣabhakakharāśvopakuñcikāvatsakatrapusairvārubījaśitivārakamadhukavacāśatapuṣpāśmabhedakavarṣābhūmadanaphalakalkasiddhaṃ tailamuttarabastirnirūho vā śuddhasnigdhasvinnasya bastiśūlamūtravikārahara iti
Ist ferner das Herz betroffen, so gebe man Hiṅgu-Pulver, mit dem Pulver eines der Salze verbunden, im Saft der Zitrusfrucht mātuluṅga oder einem anderen sauren oder herzstärkenden Mittel zu trinken. Auch der mit Zucker versetzte Sud aus der Sthirā-Wurzelgruppe dient als Trank, ebenso ein mit dem Sud der Bilva-Wurzelgruppe bereiteter Grützebrei (yavāgū), sowie die für Herzkrankheiten vorgeschriebene Behandlung. Ist hingegen der Kopf von vāta befallen, so wende man Einölung (abhyaṅga), Schwitzbehandlung (svedana), Umschläge (upanāha), das Trinken von Ölen (snehapāna), Nasenbehandlung (nastaḥkarma), Kopfumschnürung (avapīḍana), Räucherung (dhūma) und Ähnliches an. Ist aber die Blase betroffen, so wende man ein Dampfbad mit dem Kumbhī-Gefäß an, Zäpfchen (varti), sowie ein mit Śyāmā und anderen Kräutern in Rindergülle bereitetes Nirūha-Klistier; ferner ein mit Bilva und anderen Mitteln in Surā bereitetes; auch ein Nirūha-Klistier, das mit den in Milch gekochten Wurzeln von śara, kāśa, ikṣu, darbha und gokṣuraka sowie mit trapusa, aiṣvāru-Samen, śitivāraka und vṛddhi zubereitet ist. Mit dem in Pītadāru bereiteten Öl gebe man ein Anuvāsana-Klistier; Tailvaka-Öl (mit Ghee) diene zur Abführung. Ein Öl, das aus dem Brei (kalka) von Śatāvarī, Gokṣuraka, Bṛhatī, Kaṇṭakārī, Guḍūcī, Punarnavā, Uśīra, Madhuka, den beiden Sārivā, Vālā, Lodhra, Śreyasī sowie dem Wurzelsud von Kuśa und Kāśa mit der vierfachen Menge Milch, dazu Balā, Vṛṣa, Ṛṣabhaka, Kharāśva, Upakuñcikā, Vatsaka, Trapusa, Aiṣvāru-Samen, Śitivāraka, Madhuka, Vacā, Śatapuṣpā, Aśmabhedaka und der Frucht der Varṣābhū bereitet ist, dient – als Uttarabasti oder als Nirūha-Klistier – bei einem gereinigten, geölten und geschwitzten Patienten zur Heilung von Blasenkoliken (bastiśūla) und Harnstörungen (mūtravikāra).
hṛdaye mūrdhni bastau ca nṛṇāṃ prāṇāḥ pratiṣṭhitāḥ| tasmātteṣāṃ sadā yatnaṃ kurvīta paripālane
Im Herzen, im Kopf und in der Blase ist beim Menschen das Leben (prāṇa) verankert. Deshalb soll man stets Sorge tragen, diese zu schützen.
ābādhavarjanaṃ nityaṃ svasthavṛttānuvartanam| utpannārtivighātaśca marmaṇāṃ paripālanam
Beständiges Meiden von Schädigungen, ein Leben nach den Regeln der Gesundheitspflege (svasthavṛtta) sowie die Abwehr entstehender Beschwerden – das ist der Schutz der marman.
ata urdhvaṃ vikārā ye trimarmīye cikitsite| na proktā marmajāsteṣāṃ kāṃścidvakṣyāmi sauṣadhān
Im Anschluss daran will ich von den Störungen, die im Kapitel über die Behandlung der drei marman nicht behandelt wurden und nicht aus einer Marman-Verletzung entstehen, einige mitsamt ihren Heilmitteln darlegen.
kruddhaḥ svaiḥ kopanairvāyuḥ sthānādūrdhvaṃ prapadyate| pīḍayan hṛdayaṃ gatvā śiraḥ śaṅkhau ca pīḍayan
Der durch die ihn erregenden Ursachen erzürnte Vāta steigt von seinem Sitz nach oben und bedrängt, indem er zum Herzen gelangt, dieses sowie Kopf und Schläfen (śaṅkha).
dhanurvannamayedgātrāṇyākṣipenmohayettathā| (namayeccākṣipeccāṅgānyucchvāsaṃ niruṇaddhi ca)| kṛcchreṇa cāpyucchvasiti stabdhākṣo'tha nimīlakaḥ
Er krümmt die Glieder wie einen Bogen, verzerrt sie krampfhaft und raubt (dem Kranken) die Besinnung – (nach einer anderen Lesart: er krümmt und verzerrt die Glieder und hemmt zugleich den Atem). Nur mit Mühe atmet er, mit starrem Blick und geschlossenen Augen.
kapota iva kūjecca niḥsañjñaḥ so'patantrakaḥ| dṛṣṭiṃ saṃstambhya sañjñāṃ ca hatvā kaṇṭhena kūjati
Er gurrt wie eine Taube, ohne Bewusstsein – das ist der Apatantraka: er versteift den Blick, verliert die Besinnung und gurrt nur noch mit der Kehle.
hṛdi mukte naraḥ svāsthyaṃ yāti mohaṃ vṛte punaḥ| vāyunā dāruṇaṃ prāhureke tamapatānakam
Löst sich (der Krampf) im Herzen, erlangt der Mensch seine Gesundheit zurück; bleibt es verschlossen, verfällt er erneut der Bewusstlosigkeit. Manche nennen diesen von vāta verursachten, schrecklichen Zustand das Apatānaka.
śvasanaṃ kaphavātābhyāṃ ruddhaṃ tasya vimokṣayet| tīkṣṇaiḥ pradhamanaiḥ sañjñāṃ tāsu muktāsu vindati
Man befreie seine durch kapha und vāta verstopfte Atmung. Durch scharfe Niesmittel (pradhamana) erlangt er, sobald diese Verstopfung gelöst ist, das Bewusstsein zurück.
maricaṃ śigrubījāni viḍaṅgaṃ ca phaṇijjhakam| etāni sūkṣmacūrṇāni dadyācchīrṣavirecanam
Pfeffer (marica), Śigru-Samen, Viḍaṅga und Phaṇijjhaka – diese fein gepulvert gebe man als kopfreinigendes Niesmittel (śīrṣavirecana).
tumburūṇyabhayā hiṅgu pauṣkaraṃ lavaṇatrayam| yavakvāthāmbunā peyaṃ hṛdgrahe cāpatantrake
Tumburu, Abhayā, Hiṅgu, Pauṣkara und die drei Salze, in Gerstensud (yavakvātha) getrunken – (dies hilft) bei Herzverkrampfung (hṛdgraha) und Apatantraka.
hiṅgvamlavetasaṃ śuṇṭhīṃ sasauvarcaladāḍimam| pibedvātakaphaghnaṃ ca karma hṛdroganuddhitam
Hiṅgu, Amlavetasa und Ingwer (śuṇṭhī), zusammen mit Sauvarcala-Salz und Granatapfel getrunken, vertreibt vāta und kapha; dies ist die für Herzkrankheiten empfohlene Behandlung.
śodhanā bastayastīkṣṇā na hitāstasya kṛtsnaśaḥ| sauvarcalābhayāvyoṣaiḥ siddhaṃ tasmai ghṛtaṃ hitam
Scharfe reinigende Klistiere sind ihm (dem Herzkranken) insgesamt nicht zuträglich. Mit Sauvarcala-Salz, Abhayā und den drei Scharfstoffen (Ingwer, Pfeffer, Pippalī) bereitetes Ghee ist ihm zuträglich.
madhurasnigdhagurvannasevanāccintanācchramāt | śokādvyādhyanuṣaṅgācca vāyunodīritaḥ kaphaḥ
Durch den Genuss süßer, öliger, schwerer Speisen, durch Grübeln, durch Anstrengung, durch Kummer und im Gefolge einer Krankheit wird kapha von vāta angeregt.
yadā'sau samavaskandya hṛdayaṃ hṛdayāśrayān| samāvṛṇoti jñānādīṃstadā tandropajāyate
Wenn dieser (Kapha), das Herz überfallend, die dort wurzelnden Fähigkeiten wie Erkenntnis (jñāna) und Ähnliches umhüllt, dann entsteht Tandrā (Benommenheit, Schläfrigkeit).
hṛdaye vyākulībhāvo vākceṣṭendriyagauravam| manobuddhyaprasādaśca tandrāyā lakṣaṇaṃ matam
Verwirrung im Herzen, Schwerfälligkeit von Sprache, Bewegung und Sinnesorganen sowie Trübung von Geist und Verstand gelten als Kennzeichen der Tandrā.
kaphaghnaṃ tatra kartavyaṃ śodhanaṃ śamanāni ca| vyāyāmo raktamokṣaśca bhojyaṃ ca kaṭutiktakam
Dabei ist eine kapha-vertreibende Behandlung angezeigt: Reinigung (śodhana) und beruhigende Mittel (śamana), körperliche Bewegung, Aderlass sowie eine Kost aus scharfen und bitteren Speisen.
mūtraukasādo jaṭharaṃ kṛcchramutsaṅgasaṅkṣayau| mūtrātīto'nilāṣṭhīlā vātabastyuṣṇamārutau
Mūtraukasāda, Jaṭhara, Kṛcchra, Utsaṅga, Saṅkṣaya, Mūtrātīta, Anilāṣṭhīlā, Vātabasti und Uṣṇamāruta –
vātakuṇḍalikā granthirviḍghāto bastikuṇḍalam| trayodaśaite mūtrasya doṣāstāṃlliṅgataḥ śṛṇu vātakuṇḍalikā granthirviḍghātō bastikuṇḍalam| trayōdaśaitē mūtrasya dōṣāstāmṃlliṅgataḥ śr̥ṇu
– Vātakuṇḍalikā, Granthi, Viḍghāta und Bastikuṇḍala: dreizehn sind dies, die Fehler des Harns; höre ihre Kennzeichen.
pittaṃ kapho dvāvapi vā bastau saṃhanyate yadā| mārutena tadā mūtraṃ raktaṃ pītaṃ ghanaṃ sṛjet
Wenn pitta, kapha oder beide zusammen sich, von vāta getrieben, in der Blase verdichten, dann scheidet man Harn aus, der rot, gelb oder dickflüssig ist.
sadāhaṃ śvetasāndraṃ vā sarvairvā lakṣaṇairyutam| mūtraukasādaṃ taṃ vidyāt pittaśleṣmaharairjayet
Ist er dabei brennend, weißlich und dickflüssig, oder mit allen genannten Merkmalen zugleich behaftet, so erkenne man dies als Mūtraukasāda; man behandle es mit pitta- und kapha-vertreibenden Mitteln.
vidhāraṇāt pratihataṃ vātodāvartitaṃ yadā| pūrayatyudaraṃ mūtraṃ tadā tadanimittaruk
Wenn der durch Zurückhalten (des Harndrangs) gehemmte, von vāta nach oben gestaute Harn den Unterleib auffüllt, so entsteht dadurch ein Schmerz ohne erkennbaren äußeren Anlass –
apaktimūtraviṭsaṅgaistanmūtrajaṭharaṃ vadet| mūtravairecanīṃ tatra cikitsāṃ samprayojayet
– verbunden mit Verdauungsschwäche sowie Verhaltung von Harn und Kot; dies nenne man Mūtrajaṭhara. Dabei wende man eine harnausleitende (mūtravairecanī) Behandlung an.
hiṅgudviruttaraṃ cūrṇaṃ trimarmīye prakīrtitam| hanyānmūtrodarānāhamādhmānaṃ gudameḍhrayoḥ
Das im Trimarmīya-Kapitel genannte Hiṅgu-dviruttara-Pulver hebt Harn- und Bauchverstopfung (mūtrodarānāha) sowie Blähung von After und Glied auf.
mūtritasya vyavāyāttu reto vātoddhataṃ cyutam| pūrvaṃ mūtrasya paścādvā sravet kṛcchraṃ taducyate
Wenn bei jemandem, der uriniert hat, durch nachfolgenden Geschlechtsverkehr der von vāta aufgewühlte Same sich löst und – vor dem Harn oder danach – nur mit Mühe abfließt, so nennt man dies Kṛcchra.
khavaiguṇyānilākṣepaiḥ kiñcinmūtraṃ ca tiṣṭhati| maṇisandhau sravet paścāttadarugvā'tha cātiruk
Durch eine Störung der Kanäle (khavaiguṇya) und stoßweise vāta-Anfälle bleibt ein wenig Harn zurück; danach tröpfelt er am Übergang zur Eichel (maṇisandhi) ab – mit Schmerz oder auch mit heftigem Schmerz.
mūtrotsaṅgaḥ sa vicchinnamuccheṣaguruśephasaḥ | vātākṛtirbhavedvātānmūtre śuṣyati saṅkṣayaḥ
Das ist Mūtrotsaṅga: der Harnstrahl reißt ab, es bleibt ein Rest zurück, das Glied fühlt sich schwer an, (der Zustand) nimmt vāta-Prägung an. Vertrocknet der Harn (in der Blase) durch vāta, so ist das Saṅkṣaya.
ciraṃ dhārayato mūtraṃ tvarayā na pravartate| mehamānasya mandaṃ vā mūtrātītaḥ sa ucyate
Wer den Harn lange zurückgehalten hat, bei dem setzt er sich nicht rasch in Gang, oder er fließt beim Harnlassen nur langsam – das nennt man Mūtrātīta.
ādhmāpayan bastigudaṃ ruddhvā vāyuścalonnatām| kuryāttīvrārtimaṣṭhīlāṃ mūtraviṇmārgarodhinīm
Der (durch Zurückhalten des Harns) gestaute vāta bläht Blase und After auf und erzeugt eine bewegliche, erhabene, heftig schmerzende Verhärtung (aṣṭhīlā), die die Wege von Harn und Kot verlegt.
mūtraṃ dhārayato bastau vāyuḥ kruddho vidhāraṇāt| mūtrarodhārtikaṇḍūbhirvātabastiḥ sa ucyate
Wenn bei jemandem, der den Harn zurückhält, in der Blase der vāta durch dieses Zurückhalten erregt wird und dies mit Harnverhaltung, Schmerz und Jucken einhergeht, so nennt man dies Vātabasti.
uṣmaṇā soṣmakaṃ mūtraṃ śoṣayan raktapītakam| uṣṇavātaḥ sṛjet kṛcchrādbastyupasthārtidāhavān
Der Uṣṇavāta trocknet mit seiner Hitze den erhitzten Harn aus, sodass er rötlich-gelb wird; der Kranke scheidet ihn nur mit Mühe aus, unter Schmerz und Brennen in Blase und Scham.
gatisaṅgādudāvṛttaḥ sa mūtrasthānamārgayoḥ| mūtrasya viguṇo vāyurbhagnavyāviddhakuṇḍalī
Durch eine Blockade des Abflusses nach oben getrieben, wird der für den Harn zuständige vāta in Blasenraum und Harnweg gestört und wie ein zerbrochenes, verdrehtes (Gebilde) aufgerollt –
mūtraṃ vihanti saṃstambhabhaṅgagauravaveṣṭanaiḥ| tīvraruṅmūtraviṭsaṅgairvātakuṇḍaliketi sā
– und behindert dabei den Harn durch Starre, Zerreißen, Schweregefühl und Zusammenschnürung, verbunden mit heftigem Schmerz sowie Harn- und Kotverhaltung: dies nennt man Vātakuṇḍalikā.
raktaṃ vātakaphādduṣṭaṃ bastidvāre sudāruṇam| granthiṃ kuryāt sa kṛcchreṇa sṛjenmūtraṃ tadāvṛtam
Durch vāta und kapha verdorbenes Blut bildet am Blasenausgang eine überaus schlimme Geschwulst, einen Granthi (Knoten); der Kranke scheidet den Harn nur mit Mühe aus, da er von diesem umschlossen wird.
aśmarīsamaśūlaṃ taṃ raktagranthiṃ pracakṣate| rūkṣadurbalayorvātenodāvṛttaṃ śakṛdyadā
Diesen, der Schmerzen wie ein Blasenstein (aśmarī) verursacht, nennt man Raktagranthi. Wenn bei einem mageren, geschwächten Menschen der Kot durch vāta nach oben gestaut wird –
mūtrasrotaḥ prapadyeta viṭsaṃsṛṣṭaṃ tadā naraḥ| viḍgandhaṃ mūtrayet kṛcchrādviḍvighātaṃ vinirdiśet
– und in die Harnwege eindringt, dann uriniert der Mensch mit Kot vermischten, nach Kot riechenden Harn, nur mit Mühe; dies bezeichne man als Viḍghāta.
drutādhvalaṅghanāyāsādabhighātāt prapīḍanāt| svasthānādvastirudvṛttaḥ sthūlastiṣṭhati garbhavat
Durch schnelles Gehen, weite Sprünge, Anstrengung, einen Stoß oder starken Druck wird die Blase aus ihrem Sitz verschoben und bleibt geschwollen zurück, wie bei einer Schwangerschaft.
śūlaspandanadāhārto binduṃ binduṃ sravatyapi| pīḍitastu sṛjeddhārāṃ saṃstambhodveṣṭanārtimān
Von Kolikschmerz, Pochen und Brennen geplagt, scheidet der Kranke den Harn nur Tropfen für Tropfen aus; unter Druck jedoch entleert er ihn im Strahl, wobei ihn Starre, Zusammenschnürung und Schmerz quälen.
bastikuṇḍalamāhustaṃ ghoraṃ śastraviṣopamam| pavanaprabalaṃ prāyo durnivāramabuddhibhiḥ
Dies nennt man Bastikuṇḍala, ein schreckliches Leiden, einem Waffenhieb oder Gift vergleichbar, meist von starkem vāta beherrscht und für Unkundige schwer zu heilen.
tasmin pittānvite dāhaḥ śūlaṃ mūtravivarṇatā| śleṣmaṇā gauravaṃ śophaḥ snigdhaṃ mūtraṃ ghanaṃ sitam
Ist dabei pitta beteiligt, so treten Brennen, Kolikschmerz und Verfärbung des Harns auf; ist kapha beteiligt, Schweregefühl und Schwellung, während der Harn dabei ölig, dickflüssig und weiß ist.
śleṣmaruddhabilo bastiḥ pittodīrṇo na sidhyati| avibhrāntabilaḥ sādhyo na tu yaḥ kuṇḍalīkṛtaḥ
Ist die Öffnung der Blase durch kapha verstopft und zugleich durch pitta gereizt, so lässt sich das Leiden nicht heilen; ist die Öffnung dagegen nicht verdreht, so ist es heilbar – nicht aber, wenn sie sich (zu einem Wulst) verdreht hat.
syādvastau kuṇḍalībhūte hṛnmohaḥ śvāsa eva ca doṣādhikyamavekṣyaitān mūtrakṛcchraharairjayet
Hat sich die Blase verdreht, so können Herzbeklemmung (hṛnmoha) und Atemnot eintreten. Man beachte in all diesen Fällen das Übermaß des jeweiligen doṣa und behandle sie mit den Mitteln, die Harnkoliken (mūtrakṛcchra) beseitigen.
bastimuttarabastiṃ ca sarveṣāmeva dāpayet | puṣpanetraṃ tu haimaṃ syācchlakṣṇamauttarabastikam
Bei ihnen allen soll man Basti- und Uttarabasti-Behandlung (Klistier bzw. Blaseninstillation über einen Katheter) anwenden. Der Puṣpanetra, das Röhrchen für den Uttarabasti, soll aus Gold sein, glatt gearbeitet –
jātyaśvahanavṛntena samaṃ gopucchasaṃsthitam| raupyaṃ vā sarṣapacchidraṃ dvikarṇaṃ dvādaśāṅgulam
– gefertigt wie der Kieferknochen eines edlen Pferdes, gleichmäßig geformt in der Art eines Kuhschwanzes; oder aus Silber, mit einer Öffnung fein wie ein Senfkorn, mit zwei 'Ohren' (Griffen) versehen und zwölf aṅgula lang.
tenājabastiyuktena snehasyārdhapalaṃ nayet| yathāvayoviśeṣeṇa snehamātrāṃ vikalpya vā
Mit diesem, versehen mit einer kleinen Ziegenblase (als Spritzbeutel), führe man ein halbes pala Öl ein – je nach Alter des Patienten die Ölmenge entsprechend abwandelnd.
snātasya bhuktabhaktasya rasena payasā'pi vā| sṛṣṭaviṇmūtravegasya pīṭhe jānusame mṛdau
Bei einem, der gebadet und leichte Kost – mit Fleischbrühe oder auch mit Milch – gegessen hat und bei dem sich bereits Kot- und Harndrang eingestellt haben, lasse man ihn auf einem weichen, kniehohen Sitz Platz nehmen –
ṛjoḥ sukhopaviṣṭasya hṛṣṭe meḍhre ghṛtāktayā| śalākayā'nviṣya gatiṃ yadyapratihatā vrajet
– aufrecht und bequem sitzend, mit erregtem Glied; man suche mit einer mit Ghee bestrichenen Sonde (śalākā) den Weg auf, und lässt sie sich ungehindert einführen, (fahre man fort) –
tataḥ śephaḥpramāṇena puṣpanetraṃ praveśayet| gudavanmūtramārgeṇa praṇayedanu sevanīm
– dann führe man den Puṣpanetra-Katheter entsprechend der Länge des Gliedes ein, wie (einen Klistierschlauch) durch den After, durch die Harnröhre, und leite ihn bis zur Dammnaht (sevanī) vor.
hiṃsyādatigataṃ bastimūne sneho na gacchati| sukhaṃ prapīḍya niṣkampaṃ niṣkarṣennetrameva ca
Geht man zu weit hinein, schädigt man die Blase; (dringt man nicht weit genug vor,) so gelangt das Öl nicht (bis zu ihrer Wurzel). Man drücke sanft und ohne Erschütterung und ziehe dann den Katheter (netra) wieder heraus.
pratyāgate dvitīyaṃ ca tṛtīyaṃ ca pradāpayet| anāgacchannupekṣyastu rajanīvyuṣitasya ca
Ist das Öl zurückgeflossen, gebe man ein zweites und ein drittes Mal (Öl); kommt es nicht zurück, so unterbleibe (ein weiterer Versuch); (erst) nach Verstreichen einer Nacht (wiederhole man die Prozedur).
pippalīlavaṇāgāradhūmāpāmārgasarṣapaiḥ| vārtākurasanirguṇḍīśampākaiḥ sasahācaraiḥ
Mit Pippalī, Saindhava-Salz, Āgāradhūma (Rußsalz), Apāmārga, Senfkörnern, dem Saft der Vārtāku-Frucht, Nirguṇḍī und Śampāka, zusammen mit Sahācara –
mūtrāmlapiṣṭaiḥ saguḍairvartiṃ kṛtvā praveśayet| agre tu sarṣapākārāṃ paścārdhe māṣasammitām
– in Harn und Saurem verrieben, mit Guḍa (Rohzucker) versetzt, forme man ein Zäpfchen (varti) und führe es ein: am vorderen Ende senfkorngroß, in der hinteren Hälfte von der Größe einer Māṣa-Bohne –
netradīrghāṃ ghṛtābhyaktāṃ sukumārāmabhaṅgurām| netravanmūtranāḍyāṃ tu pāyau cāṅguṣṭhasammitām
– so lang wie der Katheter (netra), mit Ghee bestrichen, sehr weich und nicht brüchig; für die Harnröhre entspreche es der Dicke des Katheters, für den After der Dicke eines Daumens.
snehe pratyāgate tābhyāmānuvāsaniko vidhiḥ| parihāraśca savyāpat sasamyagdattalakṣaṇaḥ
Wenn das Öl bei beiden [Verfahren] wieder ausgetreten ist, folgt die Anuvāsana-Anwendung (ölige Retentionsklistier); ebenso sind die Vorsichtsmaßnahmen bei Komplikationen (vyāpad) und die Merkmale einer ordnungsgemäß verabreichten Behandlung zu beachten, wie zuvor beschrieben.
strīṇāmārtavakāle tu pratikarma tadācaret| garbhāsanā sukhaṃ snehaṃ tadā''datte hyapāvṛtā
Bei Frauen sollte man die entsprechende Behandlung zur Zeit der Menstruation (ārtava-kāla) durchführen. Der Sitz des Kindes (die Gebärmutter) ist dann offen (apāvṛtā) und nimmt das Öl leicht und angenehm auf.
garbhaṃ yonistadā śīghraṃ jite gṛhṇāti mārute| bastijeṣu vikāreṣu yonivibhraṃśajeṣu ca
Die Yoni (Gebärmutter/Genitaltrakt) empfängt dann rasch den Keim (garbha), wenn der vāta bezwungen ist. Diese Behandlung ist angezeigt bei Störungen, die von der Blase (basti) ausgehen, sowie bei solchen, die durch Vorfall der Yoni (yonivibhraṃśa) entstehen,
yoniśūleṣu tīvreṣu yonivyāpatsvasṛgdare| aprasravati mūtre ca binduṃ binduṃ sravatyapi
bei heftigen Schmerzen der Yoni, bei Erkrankungen der Yoni, bei Asṛgdara (übermäßiger Menstruationsblutung), wenn der Urin nicht fließt, und auch wenn er nur tropfenweise abgeht.
vidadhyāduttaraṃ bastiṃ yathāsvauṣadhasaṃskṛtam puṣpanetrapramāṇaṃ tu pramadānāṃ daśāṅgulam
Man verabreiche die Uttara-Basti (obere Klistier-/Spülbehandlung), zubereitet mit den jeweils passenden Heilmitteln entsprechend dem Zustand. Das Puṣpanetra genannte Röhrchen soll für Frauen zehn Aṅgula (Fingerbreiten) lang sein,
mūtrasrotaḥparīṇāhaṃ mudgasroto'nuvāhi ca| apatyamārge nārīṇāṃ vidheyaṃ caturaṅgulam
im Umfang dem Kaliber des Harnkanals (mūtrasrotas) entsprechend, wie der Durchmesser eines Mudga-Korns; für den Geburtsweg der Frauen soll es vier Aṅgula im Umfang betragen,
dvyaṅgulaṃ mūtramārge tu bālāyāstvekamaṅgulam| uttānāyāḥ śayānāyāḥ samyak saṅkocya sakthinī
für den Harnweg zwei Aṅgula, für ein Mädchen (bālā) nur ein Aṅgula. Die Frau soll auf dem Rücken liegen, mit ordentlich angezogenen Oberschenkeln,
athāsyāḥ praṇayennetramanuvaṃśagataṃ sukham| dvistriścaturiti snehānahorātreṇa yojayet
dann führe man ihr das Röhrchen sanft entlang des natürlichen Kanals ein. Zwei-, drei- oder viermal am Tag und in der Nacht soll man die Ölbehandlungen durchführen.
bastau, bastau praṇīte ca vartiḥ pīnatarā bhavet| trirātraṃ karma kurvīta snehamātrāṃ vivardhayet
Bei jeder erneuten Basti-Gabe soll die Menge etwas größer werden. Man führe die Behandlung drei Nächte lang durch und steigere dabei die Ölmenge.
anenaiva vidhānena karma kuryāt punastryahāt ataḥ śirovikārāṇāṃ kaścidbhedaḥ pravakṣyate
Nach demselben Verfahren soll man die Behandlung nach weiteren drei Tagen erneut durchführen. Nun sollen im Folgenden einige Arten der Kopfkrankheiten (śirovikāra) dargestellt werden.
raktapittānilā duṣṭāḥ śaṅkhadeśe vimūrcchitāḥ| tīvrarugdāharāgaṃ hi śophaṃ kurvanti dāruṇam
Wenn Blut (rakta), Pitta und Vāta verdorben sind und sich in der Schläfenregion (śaṅkha-deśa) vermengt haben, verursachen sie eine schreckliche Schwellung mit heftigem Schmerz, Hitzegefühl und Rötung.
sa śiro viṣavadvegī nirudhyāśu galaṃ tathā| trirātrājjīvitaṃ hanti śaṅkhako nāma nāmataḥ
Diese Krankheit, rasch wie Gift, verschließt schnell auch den Kopf und die Kehle; sie tötet binnen drei Nächten – sie heißt Śaṅkhaka (Schläfenkrankheit).
paraṃ tryahājjīvati cet pratyākhyāyācaret kriyām| śirovirekasekādi sarvaṃ vīsarpanucca yat
Überlebt der Kranke über drei Tage hinaus, soll man, auch wenn man die Prognose für ungünstig erklärt hat, dennoch behandeln: Kopfreinigung (śirovireka), Übergießungen (seka) und alle Maßnahmen, die auch bei Vīsarpa (Erysipel, wandernder Hautentzündung) angewendet werden.
rūkṣātyadhyaśanāt pūrvavātāvaśyāyamaithunaiḥ| vegasandhāraṇāyāsavyāyāmaiḥ kupito'nilaḥ
Durch trockene Kost, übermäßiges Essen, den vorangehenden Ostwind (pūrvavāta) und Morgentau, durch Geschlechtsverkehr, durch Unterdrücken natürlicher Bedürfnisse, durch Anstrengung und übermäßige Bewegung wird der vāta erregt.
kevalaḥ sakapho vā'rdhaṃ gṛhītvā śirasastataḥ| manyābhrūśaṅkhakarṇākṣilalāṭārdhe'tivedanām
Dieser erregte vāta, allein oder zusammen mit kapha, ergreift eine Kopfhälfte und verursacht dann starke Schmerzen in der halben Nackenmuskulatur (manyā), Augenbraue, Schläfe, Ohr, Auge und Stirn –
śastrāraṇinibhāṃ kuryāttīvrāṃ so'rdhāvabhedakaḥ| nayanaṃ vā'thavā śrotramativṛddho vināśayet
einen heftigen Schmerz, der wie ein Stich mit einer Waffe oder wie ein Reibholz (araṇi) empfunden wird; das ist der Ardhāvabhedaka (einseitiger Kopfschmerz, Migräne). Nimmt er stark zu, kann er das Auge oder das Ohr zerstören.
catuḥsnehottamā mātrā śiraḥkāyavirecanam| nāḍīsvedo ghṛtaṃ jīrṇaṃ bastikarmānuvāsanam
Zur Behandlung dienen: die beste Dosis der vier Öle (catuḥsneha – Ghee, Öl, Fett, Knochenmark), Reinigung von Kopf und Körper, Röhrenschwitzung (nāḍīsveda), gereiftes Ghee, Basti-Behandlung und Anuvāsana.
upanāhaḥ śirobastirdahanaṃ cātra śasyate| pratiśyāye śiroroge yaccoddiṣṭaṃ cikitsitam
Auch Umschlag (upanāha), Kopf-Basti (śirobasti) und Kauterisation (dahana) werden hier empfohlen. Ebenso gilt alles, was für Pratiśyāya (Schnupfen) und allgemeine Kopfkrankheit vorgeschrieben wurde.
sandhāraṇādajīrṇādyairmastiṣkaṃ raktamārutau| duṣṭau dūṣayatastacca duṣṭaṃ tābhyāṃ vimūrcchitam
Durch Unterdrücken natürlicher Bedürfnisse, Verdauungsstörung und Ähnliches werden Blut und Vāta verdorben und verderben ihrerseits das Gehirn (mastiṣka); und dieses verdorbene Gehirn gerät durch die beiden zusammen in Verwirrung.
sūryodayeṃ'śusantāpāddravaṃ viṣyandate śanaiḥ| tato dine śiraḥśūlaṃ dinavṛddhyā vivardhate
Bei Sonnenaufgang, durch die Hitze der Sonnenstrahlen, sickert die Flüssigkeit langsam heraus; dann nimmt im Laufe des Tages der Kopfschmerz mit fortschreitendem Tag stetig zu,
dinakṣaye tataḥ styāne mastiṣke sampraśāmyati| sūryāvartaḥ sa tatra syāt sarpirauttarabhaktikam
am Tagesende jedoch, wenn das Gehirn erstarrt (styāna) ist, lässt er vollständig nach. Das ist der Sūryāvarta (sonnengebundener Kopfschmerz); hier gebe man Ghee, das nach dem Essen einzunehmen ist.
śiraḥkāyavirekau ca mūrdhnā trisnehadhāraṇam | jāṅgalairupanāhaśca ghṛtakṣīraiśca secanam
Reinigung von Kopf und Körper, das Halten dreier Öle (trisneha) auf dem Scheitel, Umschläge mit Jāṅgala-Fleisch (Fleisch von Wildtieren trockener Gebiete) sowie Übergießungen mit Ghee und Milch sind angezeigt.
barhitittirilāvādiśṛtakṣīrotthitaṃ ghṛtam| syānnāvanaṃ jīvanīyakṣīrāṣṭaguṇasādhitam
Ghee, das aus Milch gewonnen wird, die mit Pfau (barhi), Rebhuhn (tittiri), Wachtel (lāva) und Ähnlichem gekocht wurde, dient als Nasya; ebenso ein mit dem Achtfachen an Milch der Jīvanīya-Gruppe (lebenskräftigender Kräuter) zubereitetes Öl.
(upavāsātiśokātirūkṣaśītālpabhojanaiḥ)| duṣṭā doṣāstrayo manyāpaścādghāṭāsu vedanām
Durch Fasten, übermäßigen Kummer, allzu trockene und kalte sowie zu geringe Nahrung werden die drei Doṣas verdorben und verursachen in der Nackenmuskulatur (manyā) und im Hinterkopf (paścādghāṭā) Schmerzen,
tīvrāṃ kurvanti sā cākṣibhrūśaṅkheṣvavatiṣṭhate| spandanaṃ gaṇḍapārśvasya netrarogaṃ hanugraham
die heftig sind und sich in Augen, Augenbrauen und Schläfen festsetzen; sie verursachen ein Pochen an der Wangenseite, Augenkrankheit und Kieferklemme (hanugraha).
so'nantavātastaṃ hanyāt sirārkāvartanāśanaiḥ| vāto rūkṣādibhiḥ kruddhaḥ śiraḥkampamudīrayet
Diese Krankheit heißt Anantavāta; man behandle sie mit Aderlass, mit Arka-Einreibungen und lindernden Mitteln. Vāta, durch Trockenes und Ähnliches erregt, verursacht ferner Kopfzittern (śiraḥkampa).
tatrāmṛtābalārāsnāmahāśvetāśvagandhakaiḥ| snehasvedādi vātaghnaṃ śastaṃ nasyaṃ ca tarpaṇam
Hierbei sind Amṛtā (Guḍūcī), Balā, Rāsnā, Mahāśvetā und Aśvagandhā, Ölung, Schwitzung und dergleichen als vāta-beseitigende Mittel empfohlen, ebenso Nasya, insbesondere Tarpaṇa (nährendes Nasya).
nastaḥkarma ca kurvīta śirorogeṣu śāstravid| dvāraṃ hi śiraso nāsā tena tad vyāpya hanti tān
Wer die Wissenschaft kennt, soll bei Kopfkrankheiten die Nasya-Behandlung (nastaḥkarma) durchführen; denn die Nase ist die Pforte des Kopfes – durch sie durchdringt die Arznei den Kopf und beseitigt jene Krankheiten.
nāvanaṃ cāvapīḍaśca dhmāpanaṃ dhūma eva ca| pratimarśaśca vijñeyaṃ nastaḥkarma tu pañcadhā
Nāvana (ölige Nasenträufelung), Avapīḍa (Einträufeln von Presssaft), Dhmāpana (Einblasen), Dhūma (Rauchinhalation) und Pratimarśa (leichte tägliche Nasenanwendung) – so ist die Nasya-Behandlung als fünffach zu verstehen.
snehanaṃ śodhanaṃ caiva dvividhaṃ nāvanaṃ smṛtam| śodhanaḥ stambhanaśca syādavapīḍo dvidhā mataḥ
Nāvana gilt als zweifach: ölend (snehana) und reinigend (śodhana). Avapīḍa gilt ebenfalls als zweifach: reinigend und stopfend/adstringierend (stambhana).
cūrṇasyādhmāpanaṃ taddhi dehasrotoviśodhanam | vijñeyastrividho dhūmaḥ prāguktaḥ śamanādikaḥ
Dhmāpana ist das Einblasen von Pulver, das die Körperkanäle (srotas) reinigt. Dhūma ist, wie zuvor gesagt, dreifach zu verstehen: lindernd (śamana) und so weiter.
pratimarśo bhavet sneho nirdoṣa ubhayārthakṛt| evaṃ tadrecanaṃ karma tarpaṇaṃ śamanaṃ tridhā
Pratimarśa besteht aus Öl, wird auch bei fehlender Doṣa-Störung angewendet und dient beiden Zwecken – Vorbeugung und Heilung. So ist jene Nasya-Behandlung dreifach: reinigend (recana), nährend (tarpaṇa) und lindernd (śamana).
stambhasuptigurutvādyāḥ ślaiṣmikā ye śirogadāḥ| śirovirecanaṃ teṣu nastaḥkarma praśasyate
Bei jenen kapha-bedingten Kopfkrankheiten, die durch Steifheit (stambha), Taubheitsgefühl (supti), Schweregefühl und Ähnliches gekennzeichnet sind, wird die kopfreinigende Nasya-Behandlung empfohlen.
ye ca vātātmakā rogāḥ śiraḥkampārditādayaḥ| śirasastarpaṇaṃ teṣu nastaḥkarma praśasyate
Und bei jenen Krankheiten vātischer Natur wie Kopfzittern und Ārdita (Fazialislähmung) und Ähnlichem wird die nährende (tarpaṇa) Nasya-Behandlung des Kopfes empfohlen.
raktapittādirogeṣu śamanaṃ nasyamiṣyate| dhmāpanaṃ dhūmapānaṃ ca tathā yogyeṣu śasyate
Bei Krankheiten, die von Blut und Pitta und Ähnlichem herrühren, wird lindernde (śamana) Nasya empfohlen; ebenso werden Dhmāpana und Rauchinhalation bei den jeweils geeigneten Zuständen empfohlen.
(doṣādikaṃ samīkṣyaiva bhiṣak samyak ca kārayet) phalādibheṣajaṃ proktaṃ śiraso yadvirecanam
Nachdem der Arzt Doṣa und Übriges sorgfältig geprüft hat, soll er die Behandlung richtig durchführen. Das Heilmittel, beginnend mit Früchten (phala), das als kopfreinigendes Mittel genannt wurde –
taccūrṇaṃ kalpayettena pacet snehaṃ virecanam| yaduktaṃ madhuraskandhe bheṣajaṃ tena tarpaṇam
dieses lasse man zu Pulver verarbeiten und koche damit das reinigende Öl. Was im Abschnitt über die süße Gruppe (madhuraskandha) als Heilmittel genannt wurde, damit bereite man das Tarpaṇa-Öl.
sādhayitvā bhiṣak snehaṃ nastaḥ kuryādvidhānavit prāksūrye madhyasūrye vā prākkṛtāvaśyakasya ca
Nachdem der Arzt, der das Verfahren beherrscht, das Öl zubereitet hat, soll er die Nasya-Behandlung vor Sonnenaufgang oder zur Mittagszeit durchführen, jedenfalls bevor der Patient seine morgendlichen notwendigen Verrichtungen erledigt hat.
uttānasya śayānasya śayane svāstṛte sukham| pralambaśirasaḥ kiñcit kiñcit pādonnatasya ca
Der Patient liege auf dem Rücken, auf einem bequemen, gut hergerichteten Lager, mit dem Kopf leicht nach unten hängend und den Füßen leicht erhöht.
dadyānnāsāpuṭe snehaṃ tarpaṇaṃ buddhimān bhiṣak| anavākśiraso nasyaṃ na śiraḥ pratipadyate
Der kluge Arzt gebe das ölige, nährende Mittel in die Nasenlöcher. Nasya, das bei nicht zurückgeneigtem Kopf (anavākśiras) gegeben wird, erreicht den Kopf nicht;
atyavākśiraso nasyaṃ mastuluṅge'vatiṣṭhati| ata evaṃśayānasya śuddhyarthaṃ svedayecchiraḥ
Nasya, das bei allzu weit zurückgeneigtem Kopf gegeben wird, setzt sich im Gehirn (mastuluṅga) fest. Daher soll man bei einem so liegenden Patienten den Kopf zur Reinigung zunächst schwitzen (svedana).
saṃsvedya nāsāmunnamya vāmenāṅguṣṭhaparvaṇā| hastena dakṣiṇenātha kuryādubhayataḥ samam
Nach dem Schwitzen hebe man die Nasenspitze mit dem Gelenk des linken Daumens an, und mit der rechten Hand gebe man das Mittel gleichmäßig auf beiden Seiten,
praṇāḍyā picunā vā'pi nastaḥsnehaṃ yathāvidhi| kṛte ca svedayedbhūya ākarṣecca punaḥ punaḥ
mit einem Röhrchen (praṇāḍī) oder mit einem Wattebausch (picu), das ölige Nasya-Mittel nach der Vorschrift. Ist dies geschehen, soll man erneut schwitzen lassen und den Patienten das Mittel wiederholt einziehen lassen,
taṃ snehaṃ śleṣmaṇā sākaṃ tathā sneho na tiṣṭhati| svedenotkleśitaḥ śleṣmā nastaḥkarmaṇyupasthitaḥ
damit das Öl nicht zusammen mit dem kapha im Kopf verbleibt; denn das durch die Schwitzung aufgewühlte kapha steht während der Nasya-Behandlung bereit zur Ausscheidung.
bhūyaḥ snehasya śaityena śirasi styāyate tataḥ| śrotramanyāgalādyeṣu vikārāya sa kalpate
Andernfalls würde es durch die Kälte des Öls im Kopf erneut erstarren und in der Folge Störungen in Ohr, Nacken (manyā), Kehle und Ähnlichem verursachen.
tato nastaḥkṛte dhūmaṃ pibet kaphavināśanam | hitānnabhuṅnivātoṣṇasevī syānniyatendriyaḥ
Daher soll man nach der Nasya-Gabe kapha-vernichtenden Rauch inhalieren. Der Patient soll zuträgliche Nahrung zu sich nehmen, an einem windgeschützten, warmen Ort verweilen und seine Sinne beherrscht halten.
vidhireṣo'vapīḍasya kāryaḥ pradhmāpanasya tu| tat ṣaḍaṅgulayā nāḍyā dhameccūrṇaṃ mukhena tu
Dies ist das Verfahren für Avapīḍa. Für Pradhmāpana (Einblasen) jedoch soll man das Pulver mit einem sechs Aṅgula langen Röhrchen mit dem Mund einblasen.
viriktaśirasaṃ tūṣṇaṃ pāyayitvā'mbu bhojayet| laghu triṣvaviruddhaṃ ca nivātasthamatandritaḥ
Wenn der Kopf gereinigt ist, gebe man dem Patienten warmes Wasser zu trinken und lasse ihn dann essen; die Kost sei leicht, für alle drei Doṣas unbedenklich, und er halte sich sorgfältig an einem windgeschützten Ort auf.
virekaśuddho doṣasya kopanaṃ yasya sevate| sa doṣo vicaraṃstatra karoti svān gadān bahūn
Wer, durch Purgation gereinigt, dennoch etwas genießt, das einen bestimmten Doṣa erregt – dieser Doṣa, der sich dann im Körper ausbreitet, verursacht dort viele ihm eigene Krankheiten.
yathāsvaṃ vihitāṃ teṣu kriyāṃ kuryādvicakṣaṇaḥ| akālakṛtajātānāṃ rogāṇāmanurūpataḥ
Der Kundige soll bei diesen Krankheiten die jeweils passende Behandlung anwenden, entsprechend den Krankheiten, die durch unzeitige Anwendung der Behandlung entstanden sind.
ajīrṇe bhojane bhukte toye pīte'tha durdine| pratiśyāye nave snāte snehapāne'nuvāsane
Bei Verdauungsstörung, unmittelbar nach eingenommener Mahlzeit, nach getrunkenem Wasser, an einem schlechten Wettertag, bei Schnupfen, unmittelbar nach dem Baden, nach Öleinnahme oder nach Anuvāsana darf keine Nasya-Behandlung gegeben werden –
nāvanaṃ snehanaṃ rogān karoti ślaiṣmikān bahūn| tatra śleṣmaharaḥ sarvastīkṣṇoṣṇādirvidhirhitaḥ
geschieht dies dennoch, verursacht die ölende Nasenträufelung viele kapha-bedingte Krankheiten. In diesem Fall ist jede kapha-beseitigende Behandlung – scharf, heiß und dergleichen – heilsam.
kṣāme virecite garbhe vyāyāmābhihate tṛṣi| vāto rūkṣeṇa nasyena kruddhaḥ svāñjanayedgadān
Bei einem Abgemagerten, bei einem Purgierten, bei einer Schwangeren, bei einem durch Anstrengung Geschwächten oder bei einem Durstigen: Wird der vāta durch trockenes Nasya erregt, verursacht er seine eigenen charakteristischen Krankheiten.
tatra vātaharaḥ sarvo vidhiḥ snehanabṛṃhaṇaḥ| svedādiḥ, syādghṛtaṃ kṣīraṃ garbhiṇyāstu viśeṣataḥ
In diesem Fall ist jede vāta-beseitigende, ölende und kräftigende (bṛṃhaṇa) Behandlung angezeigt, samt Schwitzung und Ähnlichem; Ghee und Milch sind besonders für die Schwangere geeignet.
jvaraśokātitaptānāṃ timiraṃ madyapasya tu| rūkṣaiḥ śītāñjanairlepaiḥ puṭapākaiśca sādhayet
Bei jenen, die durch Fieber oder Kummer stark gequält sind, sowie bei Timira (Sehschwäche) eines Alkoholtrinkers, behandle man mit trockenen, kühlenden Augensalben (añjana), Salben (lepa) und Puṭapāka (einer speziellen Augenbehandlung).
snehanaṃ śodhanaṃ caiva dvividhaṃ nāvanaṃ matam| pratimarśastu nasyārthaṃ karoti na ca doṣāvān
Nāvana gilt als zweifach: ölend und reinigend. Pratimarśa jedoch dient dem allgemeinen Zweck der Nasenbehandlung und setzt keine Doṣa-Störung voraus.
nastaḥ snehāṅguliṃ dadyāt prātarniśi ca sarvadā| na cocchiṅghedarogāṇāṃ pratimarśaḥ sa dārḍhyakṛt
Man gebe stets morgens und abends einen Finger breit Öl als Nasya (Pratimarśa); dabei soll man das Mittel nicht heftig einziehen. Dieses Pratimarśa verleiht Festigkeit.
trīṇi yasmāt pradhānāni marmāṇyabhihateṣu ca| teṣu liṅgaṃ cikitsāṃ ca rogabhedāśca sauṣadhāḥ
Da es drei Hauptmarman (vitale Punkte) gibt, wurden für den Fall, dass diese verletzt werden, ihre Anzeichen, ihre Behandlung sowie die Krankheitsarten samt ihren Heilmitteln dargestellt.
vidhiruttarabasteśca nastaḥkarmavidhistathā| savyāpadbheṣajaṃ siddhau marmākhyāyāṃ prakīrtitam
Das Verfahren der Uttara-Basti sowie das Verfahren der Nasya-Behandlung, samt den Heilmitteln für ihre Komplikationen, wurden im Siddhisthāna, im Kapitel „Marma“ (Trimarmīya), verkündet.