Quellen der Menschheit

Caraka-Saṃhitā · Siddhisthana

Adhyāya 2: Panchakarmiya Siddhi Anwendung und Kontraindikation der fünf Reinigungsverfahren

Das zweite Kapitel des Siddhisthāna führt die im vorangehenden Kalpanāsiddhi-Kapitel begonnene Systematik der fünf Reinigungsverfahren (pañcakarma) fort und legt minutiös fest, bei welchen Patienten und Krankheitsbildern Erbrechen, Abführung, das wässrige Klistier (āsthāpana/nirūha), das ölige Klistier (anuvāsana) und die Kopf- beziehungsweise Nasenreinigung (śirovirecana, nasya) jeweils angezeigt oder kontraindiziert sind – von Erschöpften, Schwangeren und Kindern bis zu Patienten mit Herzleiden oder verletztem Enddarm, samt Begründung der jeweiligen Gefahr. Zugleich werden die charakteristischen Indikationsgebiete der Verfahren nach den drei Doṣas geordnet: Erbrechen vor allem bei kapha-, Abführung bei pitta- und die Klistiere sowie die Nasentherapie bei vāta-bedingten Erkrankungen. Der Text mahnt abschließend zu ärztlichem Ermessen jenseits starrer Regeln. Wie schon im Vorkapitel tritt die botanische Einzeldroge hinter der klinischen Verfahrenslehre zurück; das Kapitel zeigt exemplarisch den Übergang der Saṃhitā von der Pharmakologie zur therapeutischen Praxis.

INDIKATIONSSCHWERPUNKTE DER FÜNF REINIGUNGSVERFAHREN (Vers 8–22)
VerfahrenVorherrschender DoṣaBeispielhafte Indikationen (Auswahl)
Erbrechen (vamana)kaphaPīnasa, Kuṣṭha, frisches Fieber, Rājayakṣman, Husten, Atemnot, Meha, Epilepsie, Wahnsinn, Ödem, Pāṇḍuroga u.a.
Abführung (virecana)pittaKuṣṭha, Fieber, Meha, Bhagandara, Bauchwassersucht, Arśas, Milzleiden, Gulma, Kāmalā, Vātarakta u.a.
Āsthāpana- (Nirūha-)BastivātaUdāvarta, Gulma, Herzkrankheit, Gelenk- und Gliederschmerzen, Wurmbefall, Verhaltung von Stuhl, Harn und Wind u.a.
Anuvāsana-Bastivāta (v.a. bei Trockenheit)wie beim Āsthāpana geeignet, insbesondere reine vāta-Krankheiten
Śirovirecana (Nasya)vāta u.a., oberhalb des SchlüsselbeinsKopfkrankheiten, Nackensteife, Timira, Ardhāvabhedaka, Zahnleiden, Sprachstörungen, Stottern u.a.
Der Text nennt zu jedem Verfahren zusätzlich ausführliche Listen ungeeigneter Patienten und Zustände (Kontraindikationen, Vers 8–9, 11–12, 14–15, 17–18, 20–21); diese sind hier nicht im Detail wiedergegeben.

athātaḥ pañcakarmīyāṃ siddhiṃ vyākhyāsyāmaḥ

Nun wollen wir das Kapitel über die Vollendung der fünf Verfahren (pañcakarma) darlegen.

iti ha smāha bhagavānātreyaḥ

So sprach der erhabene Ātreya.

yeṣāṃ yasmāt pañcakarmāṇyagniveśa na kārayet| yeṣāṃ ca kārayettāni tat sarvaṃ sampravakṣyate

Bei wem man die fünf Verfahren nicht anwenden soll und aus welchem Grund, Agniveśa, und bei wem man sie anwenden soll – all das wird nun vollständig dargelegt.

caṇḍaḥ sāhasiko bhīruḥ kṛtaghno vyagra eva ca| sadrājabhiṣajāṃ dveṣṭā taddviṣṭaḥ śokapīḍitaḥ

Der Jähzornige, der Tollkühne, der Ängstliche, der Undankbare, der Unstete, wer den König und die Ärzte verachtet, wer selbst von ihnen verachtet wird, und wer von Kummer geplagt ist –

yādṛcchiko mumūrṣuśca vihīnaḥ karaṇaiśca yaḥ| vairī vaidyavidagdhaśca śraddhāhīnaḥ suśaṅkitaḥ

wer unberechenbar handelt, wer im Sterben liegt, wer seiner Sinnesfähigkeiten beraubt ist, wer feindselig gesinnt ist, wer sich selbst für ärztekundig hält, wer ohne Vertrauen ist und wer übermäßig misstrauisch ist –

bhiṣajāmavidheyaśca nopakramyā bhiṣagvidā| etānupacaran vaidyo bahūn doṣānavāpnuyāt

und wer sich den Anweisungen der Ärzte nicht fügt: diese soll ein kundiger Arzt nicht behandeln. Der Arzt, der sie dennoch behandelt, zieht sich viele Verfehlungen (doṣa) zu.

ebhyo'nye samupakramyā narāḥ sarvairupakramaiḥ| avasthāṃ pravibhajyaiṣāṃ varjyaṃ kāryaṃ ca vakṣyate

Andere Menschen als diese dürfen mit allen Verfahren behandelt werden. Nachdem man ihren jeweiligen Zustand genau unterschieden hat, wird nun dargelegt, was bei ihnen zu unterlassen und was zu tun ist.

avamyāstāvat-kṣatakṣīṇātisthūlātikṛśabālavṛddhadurbalaśrāntapipāsitakṣudhitakarmabhārādhvahatopavāsamaithunādhyayanavyāyāmacintā-prasaktakṣāmagarbhiṇīsukumārasaṃvṛtakoṣṭhaduśchardanordhvaraktapittaprasaktacchardirūrdhvavātāsthāpitānuvāsitahṛdrogodāvartamūtrāghāta-plīhagulmodarāṣṭhīlāsvaropaghātatimiraśiraśaṅkhakarṇākṣiśūlārtāḥ

Nicht zum therapeutischen Erbrechen (vamana) geeignet sind demnach: der innerlich Verletzte (kṣata), der Erschöpfte/Entkräftete (kṣīṇa), der übermäßig Fette, der übermäßig Magere, das Kind, der Greis, der Schwache, der Ermüdete, der Durstige, der Hungrige; wer durch schwere Arbeit, das Tragen von Lasten, Wegstrapazen, Fasten, Geschlechtsverkehr, Studium, körperliche Anstrengung oder Sorgen abgezehrt und erschöpft ist; die Schwangere; wer von zarter, empfindlicher Konstitution ist (sukumāra); wer einen verengten, verstopften Bauch (saṃvṛtakoṣṭha) hat; wer nur mit Mühe erbricht; wer an aufwärts gerichtetem Blut-Pitta (ūrdhvaraktapitta, Blutungen im oberen Körperbereich) leidet; wer an anhaltendem Erbrechen leidet; wer an aufwärts gerichtetem Vāta leidet; wer soeben ein āsthāpana- (wässriges Reinigungsklistier) oder ein anuvāsana-basti (öliges Klistier) erhalten hat; wer an Herzkrankheit (hṛdroga), udāvarta (krampfartiger Aufwärtsdrang durch unterdrückte Körperbedürfnisse), Harnverhaltung (mūtrāghāta), Milzleiden, gulma (Bauchgeschwulst), Bauchwassersucht (udara), āṣṭhīlā (einer harten, steinartigen Bauchgeschwulst), Stimmverlust, Timira (grauem Star, Sehschwäche) oder Schmerzen in Kopf, Schläfen, Ohren oder Augen leidet.

tatra kṣatasya bhūyaḥ kṣaṇanādraktātipravṛttiḥ syāt, kṣīṇātisthūlakṛśabālavṛddhadurbalānāmauṣadhabalāsahatvāt prāṇoparodhaḥ,śrāntapipāsitakṣudhitānāṃ ca tadvat, karmabhārādhvahatopavāsamaithunādhyayanavyāyāmacintāprasaktakṣāmāṇāṃ raukṣyādvātaraktacchedakṣatabhayaṃ syāt, garbhiṇyā garbhavyāpadāmagarbhabhraṃśāccadāruṇā rogaprāptiḥ, sukumārasyahṛdayāpakarṣaṇādūrdhvamadho vā rudhirātipravṛttiḥ, saṃvṛtakoṣṭhaduśchardanayoratimātrapravāhaṇāddoṣāḥ samutkliṣṭā antaḥkoṣṭhe janayantyantarvisarpaṃ stambhaṃ jāḍyaṃ vaicittyaṃ maraṇaṃ vā, ūrdhvagaraktapittina udānamutkṣipya prāṇān haredraktaṃ cātipravartayet,prasaktacchardestadvat, ūrdhvavātāsthāpitānuvāsitānāmūrdhvaṃ vātātipravṛttiḥ, hṛdrogiṇohṛdayoparodhaḥ, udāvartino ghoratara udāvartaḥsyācchīghratarahantā, mūtrāghātādibhirārtānāṃ tīvrataraśūlaprādurbhāvaḥ, timirārtānāṃ timirātivṛddhiḥ, śiraḥśūlādiṣu śūlātivṛddhiḥ;tasmādete na vamyāḥ| sarveṣvapi tu khalveteṣu viṣagaraviruddhājīrṇābhyavahārāmakṛteṣvapratiṣiddhaṃ śīghratarakāritvādeṣāmiti

Beim Verletzten (kṣata) nämlich würde durch die erneute Erschütterung übermäßiger Blutfluss entstehen. Beim Entkräfteten, übermäßig Fetten, Mageren, Kind, Greis und Schwachen bestünde, da sie die Wirkkraft der Arznei nicht ertragen, eine Gefährdung der Lebenskräfte (prāṇa); ebenso beim Ermüdeten, Durstigen und Hungrigen. Bei denen, die durch schwere Arbeit, Lasttragen, Wegstrapazen, Fasten, Geschlechtsverkehr, Studium, Anstrengung oder Sorge abgezehrt sind, bestünde wegen der dadurch entstandenen Trockenheit die Gefahr von Vāta-Störung, Blutungen oder inneren Verletzungen. Bei der Schwangeren könnten Schädigungen des Fötus oder gar eine Fehlgeburt und daraus eine schwere Erkrankung entstehen. Bei der zart konstituierten Person könnte durch die Belastung des Herzens ein übermäßiger Blutfluss nach oben oder unten eintreten. Beim Menschen mit verengtem Bauch und bei dem, der nur mit Mühe erbricht, könnten durch übermäßiges Pressen die aufgewühlten doṣas (die Körpersäfte vāta, pitta, kapha) im Bauchinneren einen inneren Visarpa (sich ausbreitende Entzündung), Erstarrung, Betäubung, geistige Verwirrung oder gar den Tod hervorrufen. Beim an aufwärts gerichtetem Blut-Pitta Leidenden könnte es den udāna-Vāta aufwühlen, die Lebenskräfte gefährden und den Blutfluss übermäßig steigern; ebenso beim anhaltend Erbrechenden. Bei dem mit aufwärts gerichtetem Vāta sowie bei dem, der āsthāpana oder anuvāsana erhalten hat, käme es zu einem noch stärkeren Aufwärtsdrang des Vāta. Beim Herzkranken zu einer Bedrängung des Herzens. Beim an Udāvarta Leidenden entstünde ein noch schrecklicherer Udāvarta, der ihn sehr rasch töten würde. Bei denen, die an Harnverhaltung und Ähnlichem leiden, träte ein noch heftigerer Schmerz auf. Bei den an Timira Leidenden würde sich das Timira verstärken, bei Kopfschmerz und Ähnlichem der Schmerz. Deshalb sollen diese nicht zum Erbrechen gebracht werden. Bei all diesen jedoch ist es nicht verboten, wenn sie Gift, verarbeitetes Gift (garaviṣa), unverträgliche oder unverdaute (āma-erzeugende) Nahrung zu sich genommen haben – denn dort muss rasch gehandelt werden.

śeṣāstu vamyāḥ; viśeṣatastu pīnasakuṣṭhanavajvararājayakṣmakāsaśvāsagalagrahagalagaṇḍaślīpadamehamandāgniviruddhājīrṇānnavisūcikālasakaviṣagarapītadaṣṭadigdhaviddhādhaḥśoṇitapittapraseka (durnāma )hṛllāsārocakāvipākāpacyapasmāronmādātisāraśophapāṇḍurogamukhapākaduṣṭastanyādayaḥ śleṣmavyādhayo viśeṣeṇamahārogādhyāyoktāśca; eteṣu hi vamanaṃ pradhānatamamityuktaṃ kedārasetubhede śālyādyaśoṣadoṣavināśavat

Die Übrigen aber sind zum Erbrechen geeignet; insbesondere bei Pīnasa (chronischem Schnupfen), Kuṣṭha (Hautkrankheiten), frischem Fieber, Rājayakṣman (Schwindsucht), Husten, Atemnot, Halsverschluss, Halsgeschwulst, Ślīpada (Elephantiasis), Meha (Harnkrankheiten wie Diabetes), schwachem Verdauungsfeuer, unverträglicher oder unverdauter Nahrung, Visūcikā (choleraähnlicher Erkrankung), Alasaka, Vergiftung durch Gift oder garaviṣa, durch Trinken, Biss, Bestreichen oder Stich [Giftigem] Ausgesetzten, Blutungen im unteren Körperbereich, Pitta-Ausfluss (durnāma, Hämorrhoiden), Übelkeit, Appetitlosigkeit, mangelhafter Verdauung, Apacī (Skrofulose), Epilepsie, Wahnsinn, Durchfall, Ödem, Pāṇḍuroga (Blutarmut), Mundgeschwüren und verdorbener Muttermilch – all diesen und weiteren Kapha-bedingten Krankheiten, wie sie insbesondere im Kapitel über die großen Krankheiten (Mahārogādhyāya) genannt sind. Bei diesen gilt das therapeutische Erbrechen (vamana) als das wichtigste Mittel – so wie beim Durchbrechen des Damms eines Reisfeldes der Mangel behoben wird, der Reis und andere Pflanzen zum Verdorren bringen würde.

avirecyāstu subhagakṣatagudamuktanālādhobhāgaraktapittivilaṅghitadurbalendriyālpāgninirūḍhakāmādivyagrājīrṇinavajvari-madātyayitādhmātaśalyārditābhihatātisnigdharūkṣadāruṇakoṣṭhāḥ kṣatādayaśca garbhiṇyantāḥ

Nicht zur therapeutischen Abführung (virecana) geeignet sind aber: der zart Konstituierte (subhaga); wer einen verletzten After hat; wer eine offene Fistel oder einen vorgefallenen Mastdarm hat; wer an abwärts gerichtetem Blut-Pitta leidet; wer durch Fasten (langhana) geschwächt ist; wer schwache Sinnesorgane hat; wer ein schwaches Verdauungsfeuer hat; wer gerade ein nirūha-basti erhalten hat; wessen Geist durch Begierde und Ähnliches erregt ist; wer an Verdauungsstörung leidet; wer frisches Fieber hat; wer an den Folgen von Alkoholexzess leidet; wer aufgebläht ist; wer durch einen Fremdkörper verwundet oder geschlagen wurde; wer übermäßig geölt oder übermäßig ausgetrocknet ist; wer einen „harten“, heftig reagierenden Bauch (dāruṇakoṣṭha) hat – sowie all jene, die von kṣata (dem Verletzten) bis zur Schwangeren [oben für das Erbrechen] aufgezählt wurden.

tatra subhagasya sukumārokto doṣaḥ syāt, kṣatagudasya kṣate gude prāṇoparodhakarīṃ rujāṃ janayet, muktanālamatipravṛttyā hanyāt,adhobhāgaraktapittinaṃ tadvat, vilaṅghitadurbalendriyālpāgninirūḍhā auṣadhavegaṃ na saheran, kāmādivyagramanaso na pravartate kṛcchreṇavā pravartamānamayogadoṣān kuryāt, ajīrṇina āmadoṣaḥ syāt, navajvariṇo'vipakvān doṣān na nirhared vātameva ca kopayet,madātyayitasya madyakṣīṇe dehe vāyuḥ prāṇoparodhaṃ kuryāt, ādhmātasyādhamato vā purīṣakoṣṭhe nicito vāyurvisarpansahasā''nāhaṃ tīvrataraṃ maraṇaṃ vā janayet, śalyārditābhihatayoḥ kṣate vāyurāśrito jīvitaṃ hiṃsyāt, atisnigdhasyātiyogabhayaṃbhavet, rūkṣasya vāyuraṅgapragrahaṃ kuryāt, dāruṇakoṣṭhasya virecanoddhatā doṣāhṛcchūlaparvabhedānāhāṅgamardacchardimūrcchāklamāñjanayitvā prāṇān hanyuḥ, kṣatādīnāṃ garbhiṇyantānāṃ chardanokto doṣaḥ syāt;tasmādete na virecyāḥ

Beim zart Konstituierten träte derselbe Fehler ein, der beim Zartkonstitutionierten oben genannt wurde. Beim Menschen mit verletztem After entstünde in der verletzten Afterregion ein lebensbedrohlicher Schmerz. Den mit offener Fistel oder vorgefallenem Mastdarm könnte ein übermäßiger Abführfluss töten, ebenso den mit abwärts gerichtetem Blut-Pitta. Der durch Fasten Geschwächte, wer schwache Sinnesorgane hat, wer schwaches Verdauungsfeuer hat, und wer gerade ein nirūha-basti erhalten hat, könnten die Wirkkraft der Arznei nicht ertragen. Bei dem, dessen Geist durch Begierde und Ähnliches erregt ist, wirkt sie entweder gar nicht, oder nur mit Mühe und verursacht dann Fehler durch unzureichende Wirkung. Beim an Verdauungsstörung Leidenden entstünde ein durch āma (Unverdautes) verursachter Fehler. Beim frisch Fiebernden würde sie die noch unverdauten doṣas nicht ausleiten, sondern nur den Vāta erregen. Beim an den Folgen von Alkoholexzess Leidenden würde im geschwächten Körper der Vāta die Lebenskräfte bedrängen. Beim Aufgeblähten könnte der im Kotdarm angesammelte, sich ausbreitende Vāta plötzlich eine noch heftigere Verstopfung oder gar den Tod verursachen. Bei dem durch einen Fremdkörper Verletzten und dem Geschlagenen könnte der sich in der Wunde festsetzende Vāta das Leben gefährden. Beim übermäßig Geölten bestünde die Gefahr einer Überdosierung. Beim übermäßig Ausgetrockneten könnte der Vāta eine Versteifung der Glieder verursachen. Beim Menschen mit „hartem“ Bauch könnten die durch die Abführung aufgewühlten doṣas Herzschmerz, Gelenkschmerzen, Verstopfung, Gliederschmerz, Erbrechen, Bewusstlosigkeit und Erschöpfung hervorrufen und so die Lebenskräfte vernichten. Bei den von kṣata bis zur Schwangeren [Aufgezählten] träten dieselben Fehler ein, die beim Erbrechen genannt wurden. Deshalb sollen diese nicht abgeführt werden.

śeṣāstu virecyāḥ; viśeṣatastukuṣṭhajvaramehordhvaraktapittabhagandarodarārśobradhnaplīhagulmārbudagalagaṇḍagranthivisūcikālasakamūtrāghātakrimikoṣṭhavisarpa-pāṇḍurogaśiraḥpārśvaśūlodāvartanetrāsyadāhahṛdrogavyaṅganīlikānetranāsikāsyasravaṇahalīmakaśvāsakāsakāmalā-pacyapasmāronmādavātaraktayoniretodoṣataimiryārocakāvipākacchardiśvayathūdaravisphoṭakādayaḥ pittavyādhayo viśeṣeṇamahārogādhyāyoktāśca; eteṣu hi virecanaṃ pradhānatamamityuktamagnyupaśame'gnigṛhavat

Die Übrigen aber sind zur Abführung geeignet; insbesondere bei Kuṣṭha, Fieber, Meha, aufwärts gerichtetem Blut-Pitta, Bhagandara (Analfistel), Bauchwassersucht, Arśas (Hämorrhoiden), Bradhna (Hodenschwellung), Milzleiden, gulma, Arbuda (Geschwulst), Galagaṇḍa (Kropf), Granthi (Knoten), Visūcikā, Alasaka, Harnverhaltung, Wurmbefall des Darms, Visarpa (sich ausbreitender Hautentzündung), Pāṇḍuroga, Kopf- und Flankenschmerz, Udāvarta, Brennen in Augen und Mund, Herzkrankheit, Vyaṅga und Nīlikā (Gesichtsflecken), Ausfluss aus Augen, Nase und Mund, Halīmaka (einer Form der Gelbsucht), Atemnot, Husten, Kāmalā (Gelbsucht), Apacī, Epilepsie, Wahnsinn, Vātarakta (gichtartiger Erkrankung), Fehlern in Scheide und Samen, Sehschwäche, Appetitlosigkeit, Verdauungsstörung, Erbrechen, Ödem, Bauchwassersucht und Visphoṭaka (Blasenbildung) – all diesen und weiteren Pitta-bedingten Krankheiten, wie sie insbesondere im Kapitel über die großen Krankheiten genannt sind. Bei diesen gilt die Abführung als das wichtigste Mittel – so wie beim Löschen eines Brandes das eigens dafür bestimmte Haus mit den Löschmitteln.

karmakuddhabhītamattamūrcchitaprasaktacchardiniṣṭhīvikāśvāsakāsahikkābaddhacchidrodakodarādhmānālasakavisūcikāmaprajātāmātisāra-madhumehakuṣṭhārtāḥ

Nicht für das āsthāpana (wässrige Reinigungsklistier, nirūha-basti) geeignet sind: der von Arbeit Erschöpfte, der Zornige, der Ängstliche, der Berauschte, der Bewusstlose, wer anhaltend erbricht, wer übermäßig ausspuckt, wer an Atemnot, Husten oder Schluckauf leidet, wer verstopfte Körperöffnungen hat, wer an Wasserbauch (Aszites) oder Blähungen leidet, wer an Alasaka oder Visūcikā leidet, die Frau, die noch nicht entbunden hat, wer an Durchfall, Diabetes (madhumeha) oder Hautkrankheiten leidet.

tatrājīrṇyatisnigdhapītasnehānāṃ dūṣyodaraṃ mūrcchāśvayathurvā syāt, utkliṣṭadoṣamandāgnyorarocakastīvraḥ, yānaklāntasya kṣobhavyāpannobastirāśu dehaṃ śoṣayet, atidurbalakṣuttṛṣṇāśramārtānāṃ pūrvoktodoṣaḥ syāt, atikṛśasya kārśyaṃ punarjanayet,bhuktabhaktapītodakayorutkliśyordhvamadho vā vāyurbastimutkṣipya kṣipraṃ ghorān vikārāñjanayet, vamitaviriktayostu rūkṣaṃ śarīraṃ nirūhaḥkṣataṃ kṣāra iva dahet, kṛtanastaḥkarmaṇo vibhraṃśaṃ bhṛśasaṃruddhasrotasaḥ kuryāt, kruddhabhītayorbastirūrdhvamupaplavet, mattamūrcchitayo rbhṛśaṃvicalitāyāṃ sañjñāyāṃ cittopaghātād vyāpat syāt, prasaktacchardirniṣṭhīvikāśvāsakāsahikkārtānāmūrdhvībhūto vāyurūrdhvaṃ bastiṃ nayet,baddhacchidrodakodarādhmānārtānāṃ bhṛśataramādhmāpya bastiḥ prāṇān hiṃsyāt, alasakavisūcikāmaprajātāmātisāriṇāmāmakṛto doṣaḥsyāt, madhumehakuṣṭhinorvyādheḥ punarvṛddhiḥ; tasmādete nāsthāpyāḥ

Beim an Verdauungsstörung Leidenden und bei dem, der übermäßig geölt wurde oder Öl getrunken hat, könnten durch verdorbene Säfte Bauchwassersucht, Bewusstlosigkeit oder Ödem entstehen. Bei aufgewühlten doṣas und schwachem Verdauungsfeuer entstünde starke Appetitlosigkeit. Beim von der Fahrt Erschöpften könnte das durch die Erschütterung beeinträchtigte basti (Klistier) den Körper rasch austrocknen. Bei den sehr Schwachen, Hungrigen, Durstigen und Ermüdeten träten dieselben zuvor genannten Fehler ein. Beim übermäßig Mageren würde es die Abmagerung weiter verstärken. Bei dem, der gerade gegessen oder Wasser getrunken hat, könnte der aufgewühlte Vāta das basti nach oben oder unten hinaustreiben und rasch schreckliche Störungen hervorrufen. Bei dem, der gerade erbrochen hat oder abgeführt wurde, könnte das nirūha-basti den ausgetrockneten Körper wie Lauge eine Wunde verbrennen. Bei dem, der gerade eine Nasenbehandlung erhalten hat, könnte es bei stark verstopften Körperkanälen (srotas) zu einem Versagen der Wirkung kommen. Beim Zornigen und Ängstlichen könnte das basti nach oben ausweichen. Beim Berauschten und Bewusstlosen, deren Bewusstsein bereits stark gestört ist, könnte durch die Schädigung des Geistes schwerer Schaden entstehen. Bei dem, der anhaltend erbricht, ausspuckt oder an Atemnot, Husten oder Schluckauf leidet, könnte der aufwärts gerichtete Vāta das basti nach oben treiben. Bei dem mit verstopften Körperöffnungen, Wasserbauch oder Blähungen könnte das basti die Blähung noch weiter verstärken und die Lebenskräfte gefährden. Bei Alasaka, Visūcikā, der noch nicht entbundenen Frau und dem Durchfallkranken entstünde ein durch āma verursachter Fehler. Beim Diabetes- und Hautkrankheits-Kranken käme es zu einer erneuten Verschlimmerung der Krankheit. Deshalb sollen diese kein āsthāpana erhalten.

śeṣāstvāsthāpyāḥ; viśeṣatastusarvāṅgaikāṅgakukṣirogavātavarcomūtraśukrasaṅgabalavarṇamāṃsaretaḥkṣayadoṣādhmānāṅgasuptikrimikoṣṭhodāvartaśuddhātisāra-parvabhedābhitāpaplīhagulmaśūlahṛdrogabhagandaronmādajvarabradhnaśiraḥkarṇaśūlahṛdayapārśvapṛṣṭhakaṭīgrahavepanākṣepakagauravātilāghava-rajaḥkṣayārtaviṣamāgnisphigjānujaṅghorugulphapārṣṇiprapadayonibāhvaṅgulistanāntadantanakhaparvāsthiśūla-śoṣastambhāntrakūjaparikartikālpālpasaśabdogragandhotthānādayo vātavyādhayo viśeṣeṇa mahārogādhyāyoktāśca;eteṣvāsthāpanaṃ pradhānatamamityuktaṃ vanaspatimūlacchedavat

Die Übrigen aber sind für āsthāpana geeignet; insbesondere bei Krankheiten des ganzen Körpers, einzelner Glieder oder des Unterleibs; Verhaltung von Blähungen, Kot, Harn oder Samen; Schwund von Kraft, Hautfarbe, Muskelfleisch oder Samen; allgemeinen doṣa-Fehlern; Blähungen; Taubheitsgefühl der Glieder; Wurmbefall des Darms; Udāvarta; Durchfall nach [übermäßiger] Reinigung; Gelenkschmerzen, als würden die Gelenke auseinanderbrechen; Brennen; Milz- und gulma-Leiden; Stechschmerz; Herzkrankheit; Bhagandara; Wahnsinn; Fieber; Bradhna; Kopf- und Ohrenschmerz; Verkrampfung in Herzgegend, Flanken, Rücken oder Hüfte; Zittern; Krämpfen; übermäßiger Schwere oder Leichtigkeit [des Körpers]; Ausbleiben der Menstruation; unregelmäßigem Verdauungsfeuer; Schmerzen in Gesäß, Knie, Unterschenkel, Oberschenkel, Knöchel, Ferse, Fußballen, Scham- und Geburtsregion, Arm, Fingern, Brustwarzen, Zähnen, Nägeln, Gelenken oder Knochen; Auszehrung; Erstarrung; Darmknurren; schneidendem Schmerz (parikartikā); geringem, aber hörbarem und übelriechendem Windabgang – all diesen und weiteren Vāta-Krankheiten, wie sie insbesondere im Kapitel über die großen Krankheiten genannt sind. Bei diesen gilt āsthāpana als das wichtigste Mittel – so wie das Abschneiden der Wurzel eines Baumes diesen vollständig vernichtet.

ya evānāsthāpyāsta evānanuvāsyāḥ syuḥ;viśeṣatastvabhuktabhaktanavajvarapāṇḍurogakāmalāpramehārśaḥpratiśyāyārocakamandāgnidurbalaplīhakaphodarorustambhavarcobheda-viṣagarapītapittakaphābhiṣyandagurukoṣṭhaślīpadagalagaṇḍāpacikrimikoṣṭhinaḥ

Wer nicht für āsthāpana geeignet ist, ist auch nicht für anuvāsana (das ölige Klistier) geeignet; insbesondere wer nüchtern ist, wer frisches Fieber, Pāṇḍuroga, Kāmalā, Prameha, Arśas oder Pratiśyāya (Schnupfen) hat, wer an Appetitlosigkeit oder schwachem, geschwächtem Verdauungsfeuer leidet, wer an Milzleiden mit Kapha-bedingter Bauchwassersucht, Steifheit der Oberschenkel oder Kotunregelmäßigkeiten leidet, wer Gift oder garaviṣa zu sich genommen hat, wer an einem durch Pitta oder Kapha verursachten „Verklebungs“-Zustand (abhiṣyanda) mit schwerem Bauch leidet, oder wer an Ślīpada, Galagaṇḍa, Apacī oder Wurmbefall des Darms leidet.

tatrābhuktabhaktasyānāvṛtamārgatvādūrdhvamativartate snehaḥ, navajvarapāṇḍurogakāmalāpramehiṇāṃ doṣānutkliśyodarañjanayet,arśasasyārśāṃsyabhiṣyandyādhmānaṃ kuryāt, arocakārtasyānnagṛddhiṃ punarhanyāt, mandāgnidurbalayormandataramagniṃ kuryāt,pratiśyāyaplīhādimatāṃ bhṛśamutkliṣṭadoṣāṇāṃ bhūya eva doṣaṃ vardhayet; tasmādete nānuvāsyāḥ

Beim Nüchternen würde das Öl, da die Wege nicht durch Speise bedeckt sind, nach oben übertreten. Bei frischem Fieber, Pāṇḍuroga, Kāmalā und Prameha würde es die doṣas aufwühlen und einen Bauchwassersucht-Zustand hervorrufen. Bei Arśas würde es die Hämorrhoiden anschwellen lassen und Blähungen verursachen. Beim Appetitlosen würde es die ohnehin geringe Nahrungslust weiter beeinträchtigen. Bei schwachem Verdauungsfeuer würde es dieses noch weiter schwächen. Bei Pratiśyāya, Milzleiden und Ähnlichem mit stark aufgewühlten doṣas würde es den Fehler noch weiter verstärken. Deshalb sollen diese kein anuvāsana erhalten.

ya evāsthāpyāsta evānuvāsyāḥ; viśeṣatastu rūkṣatīkṣṇāgnayaḥ kevalavātarogārtāśca; eteṣu hyanuvāsanaṃ pradhānatamamityuktaṃ mūledrumaprasekavat

Wer für āsthāpana geeignet ist, ist auch für anuvāsana geeignet; insbesondere wer trocken ist und ein scharfes Verdauungsfeuer hat, sowie wer ausschließlich an Vāta-Krankheiten leidet. Bei diesen gilt anuvāsana als das wichtigste Mittel – so wie das Begießen der Wurzel eines Baumes diesen am besten nährt.

aśirovirecanārhāstu ajīrṇibhuktabhaktapītasnehamadyatoyapātukāmāḥ snātaśirāḥ snātukāmaḥkṣuttṛṣṇāśramārtamattamūrcchitaśastradaṇḍahatavyavāyavyāyāmapānaklāntanavajvaraśokābhitaptaviriktānuvāsitagarbhiṇīnavapratiśyāyārtāḥ,anṛtau durdine ceti

Für śirovirecana (die Kopf- und Nasenreinigung, nasya) nicht geeignet sind: wer an Verdauungsstörung leidet, wer gerade gegessen hat, wer gerade Öl, Alkohol oder Wasser getrunken hat oder trinken möchte, wer sich gerade den Kopf gewaschen hat, wer gerade baden möchte, wer hungrig, durstig oder erschöpft ist, der Berauschte, der Bewusstlose, wer durch Waffe oder Stock verletzt wurde, wer von Geschlechtsverkehr, Anstrengung oder Trinken erschöpft ist, wer frisches Fieber hat, wer von Kummer versehrt ist, wer gerade abgeführt oder wer gerade anuvāsana erhalten hat, die Schwangere, wer an frischem Schnupfen leidet – sowie zur falschen Jahreszeit und an einem trüben Tag.

tatrājīrṇibhuktabhaktayordoṣa ūrdhvavahāni srotāṃsyāvṛtya kāsaśvāsacchardipratiśyāyāñjanayet, pītasnehamadyatoyapātukāmānāṃ kṛte capibatāṃ mukhanāsāsrāvākṣyupadehatimiraśirorogāñjanayet, snātaśirasaḥ kṛte ca snānācchirasaḥ pratiśyāyaṃ, kṣudhārtasya vātaprakopaṃ,tṛṣṇārtasya punastṛṣṇābhivṛddhiṃ mukhaśoṣaṃ ca, śramārtamattamūrcchitānāmāsthāpanoktaṃ doṣaṃ janayet, śastradaṇḍahatayostīvratarāṃ rujaṃjanayet, vyavāyavyāyāmapānaklāntānāṃ śiraḥskandhanetroraḥpīḍanaṃ, navajvaraśokābhitaptayorūṣmā netranāḍīranusṛtya timiraṃ jvaravṛddhiṃca kuryāt, viriktasya vāyurindriyopaghātaṃ kuryāt, anuvāsitasya kaphaḥ śirogurutvakaṇḍūkrimidoṣāñjanayet, garbhiṇyā garbhaṃstambhayet sa kāṇaḥ kuṇiḥ pakṣahataḥ pīṭhasarpī vā jāyate, navapratiśyāyārtasya srotāṃsi vyāpādayet, anṛtau durdine ca śītadoṣānpūtinasyaṃ śirorogaṃ ca janayet; tasmādete na śirovirecanārhāḥ

Bei Verdauungsstörung und gerade Gegessenem würden die doṣas die aufwärts führenden Kanäle verlegen und Husten, Atemnot, Erbrechen oder Schnupfen hervorrufen. Bei denen, die Öl, Alkohol oder Wasser getrunken haben oder trinken wollen, würde es Ausfluss aus Mund und Nase, Verklebung der Augen, Timira und Kopfschmerz hervorrufen. Bei dem, der sich den Kopf gewaschen hat, würde es Schnupfen hervorrufen. Beim Hungrigen würde es Vāta erregen. Beim Durstigen würde es den Durst weiter steigern und den Mund austrocknen. Beim Erschöpften, Berauschten und Bewusstlosen würde es dieselben Fehler hervorrufen, die bei āsthāpana genannt wurden. Bei den durch Waffe oder Stock Verletzten würde es noch heftigeren Schmerz hervorrufen. Bei den von Geschlechtsverkehr, Anstrengung oder Trinken Erschöpften würde es Druckschmerz in Kopf, Schultern, Augen und Brust hervorrufen. Bei frischem Fieber und Kummer würde die erregte Hitze den Augenkanälen entlang wandern und Timira sowie eine Verschlimmerung des Fiebers verursachen. Beim gerade Abgeführten würde der Vāta die Sinnesorgane schädigen. Bei dem, der gerade anuvāsana erhalten hat, würde Kapha Schwere im Kopf, Juckreiz und Wurmbefall verursachen. Bei der Schwangeren könnte es den Fötus schädigen, sodass das Kind einäugig, verkrüppelt, halbseitig gelähmt oder gehunfähig zur Welt käme. Beim frisch Erkälteten würde es die Körperkanäle schädigen. Zur falschen Jahreszeit und an einem trüben Tag würde es kältebedingte Fehler, übelriechenden Nasenausfluss und Kopfkrankheit hervorrufen. Deshalb sind diese nicht für śirovirecana geeignet.

śeṣāstvarhāḥ, viśeṣatastu śirodantamanyāstambhagalahanugrahapīnasagalaśuṇḍikāśālūkaśukratimiravartmarogavyaṅgo pajihvikārdhāvabhedakagrīvāskandhāṃsāsyanāsikākarṇākṣimūrdhakapālaśirorogārditāpatantrakāpatānakagalagaṇḍa-dantaśūlaharṣacālākṣirājyarbudasvarabhedavāggrahagadgadakrathanādaya ūrdhvajatrugatāścavātādivikārāḥ paripakvāśca; eteṣu śirovirecanaṃpradhānatamamityuktaṃ, taddhyuttamāṅgamanupraviśya muñjādīṣikāmivāsaktāṃ kevalaṃ vikārakaraṃ doṣamapakarṣati

Die Übrigen aber sind geeignet; insbesondere bei Krankheiten des Kopfes, der Zähne; Nackensteife; Verkrampfung von Hals und Kiefer; Pīnasa; Schwellungen von Halszäpfchen und Gaumen; Timira; Lidkrankheiten; Vyaṅga; Zäpfchenschwellung; Ardhāvabhedaka (halbseitigem Kopfschmerz); Krankheiten von Nacken, Schulter, Achsel, Mund, Nase, Ohr, Auge, Scheitel, Schädel und Kopf; Ārditā (Gesichtslähmung); Apatantraka und Āpatānaka (Krampfkrankheiten); Galagaṇḍa; Zahnschmerz; abnormem Kribbeln und Wackeln der Zähne; Äderchen im Auge; Arbuda; Stimmveränderung; Sprachverlust; Stottern; Rasselgeräusch – all diesen und weiteren, oberhalb des Schlüsselbeins gelegenen, durch Vāta und andere doṣas verursachten, bereits ausgereiften Störungen. Bei diesen gilt śirovirecana als das wichtigste Mittel, denn es dringt in das oberste Körperglied ein und zieht, wie eine im Schilfhalm steckende Nadel, einzig den krankmachenden doṣa heraus.

prāvṛṭśaradvasantetareṣvātyayikeṣu rogeṣu nāvanaṃ kuryāt kṛtrimaguṇopadhānāt; grīṣme pūrvāhṇe, śīte madhyāhne, varṣāsvadurdine ceti

Außerhalb von Regenzeit-Beginn, Herbst und Frühling soll man nasya nur bei akuten (ātyayika) Erkrankungen anwenden, da man dann die [jahreszeitlich fehlenden] Eigenschaften künstlich herstellen muss; im Sommer am Vormittag, in der Kälte am Mittag, und in der Regenzeit nicht an trüben Tagen.

iti pañcavidhaṃ karma vistareṇa nidarśitam| yebhyo yanna hitaṃ yasmāt karma yebhyaśca yaddhitam

So wurden die fünf Verfahren ausführlich dargelegt: wem welches Verfahren aus welchem Grund nicht zuträglich ist, und wem welches zuträglich ist.

na caikāntena nirdiṣṭe'pyarthe'bhiniviśedbudhaḥ| svayamapyatra vaidyena tarkyaṃ buddhimatā bhavet

Doch soll sich der Kundige nicht starr an eine [nur] allgemein festgelegte Regel klammern; auch der verständige Arzt muss hierbei selbst eigenständig urteilen.

utpadyeta hi sā'vasthā deśakālabalaṃ prati| yasyāṃ kāryamakāryaṃ syāt karma kāryaṃ ca varjitam

Denn es kann, je nach Ort, Zeit und Kraft [des Patienten], eine Lage entstehen, in der das eigentlich nicht Anzuwendende anzuwenden und das eigentlich Anzuwendende zu unterlassen ist.

chardirhṛdrogagulmānāṃ vamanaṃ sve cikitsite| avasthāṃ prāpya nirdiṣṭaṃ kuṣṭhināṃ bastikarma ca

So ist etwa bei Erbrechen, Herzkrankheit und gulma das therapeutische Erbrechen in ihrer jeweiligen Behandlung dann vorgesehen, wenn der entsprechende Zustand eintritt – ebenso das basti-Verfahren bei Kuṣṭha-Kranken.

tasmāt satyapi nirdeśe kuryādūhya svayaṃ dhiyā| vinā tarkeṇa yā siddhiryadṛcchāsiddhireva sā

Deshalb soll man, selbst wenn eine allgemeine Anweisung vorliegt, stets nach eigenem Urteilsvermögen abwägend handeln; ein Erfolg ohne eigenständige Überlegung ist nur ein Zufallserfolg.

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