Quellen der Menschheit

Gopatha-Brāhmaṇa · Pūrva-Bhāga

Prapāṭhaka 1 Der erste Prapāṭhaka: Vom Urbrahman, dem Ur-Opfer und dem Ursprung der Silbe Om

Der erste Prapāṭhaka (Kaṇḍikā 1–39) beginnt, ungewöhnlich für ein Brāhmaṇa, nicht mit Opferregeln, sondern mit einem geschlossenen upaniṣadenartigen Text über das selbst-existierende Brahman, die Entstehung der Welt aus dem Urlaut Oṃ und die Kraft der drei Silben a-u-m (Kaṇḍikā 1–15, verwandt mit der Bṛhad-Āraṇyaka-Upaniṣad). Es folgen die als eigene "Praṇava-Upaniṣad" gezählten Kaṇḍikā 16–30 über die kosmologische Bedeutung der Silbe Oṃ und, in Kaṇḍikā 31–38, eine der Gāyatrī-Upaniṣad verwandte Erörterung des Gāyatrī-Mantras. Erst die knappe letzte Kaṇḍikā 39 (Ācamana, die rituelle Mundspülung) leitet zu den eigentlichen Ritualthemen der folgenden Prapāṭhakas über.

brahma ha vā idam agra āsīt svayambhv ekam eva. tad aikṣata: mahad vai yad ekam evāsmi, kurv ahaṃ madvan mātraṃ dvitīyaṃ devaṃ nirmimā iti. tad apsv ātmānaṃ samatapat, tasmāt taptāt, tasyālasya tasya saṃtatasya lalāṭe svedo yad ājñāyata, tenānandat. tad abravīn: mahad eva yat suvedam avidam aham iti. tad yad abravīn: mahad eva yat suvedam avidam aham iti, tasmāt suvedo 'bhavat. taṃ vā etat suvedaṃ salaṃ svedam ity ācakṣate parokṣeṇa; parokṣapriyā eva hi devā bhavanti pratyakṣadviṣaḥ.

Brahman allein war dies im Anfang, selbstentstanden, eines allein. Es erwog: 'Groß bin ich fürwahr, da ich nur eines bin; wohlan, ich will mir gemäß ein zweites Wesen erschaffen.' Da erhitzte es sich selbst in den Wassern (übte Askese). Von diesem Erhitzten, von seiner Mühsal, von seiner Dauer entstand auf seiner Stirn Schweiß, wie man wahrnahm; darüber freute es sich. Es sprach: 'Groß fürwahr ist, dass ich Wohlerkennendes (su-veda) erlangt habe.' Weil es sprach 'Wohlerkennendes habe ich erlangt', entstand daraus [der Name] Suveda. Diesen Suveda nennt man verhüllt 'Salz, Schweiß' [salam, svedam] – denn die Götter lieben das Verhüllte und verabscheuen das Offenkundige.

sa bhūyo apy āmyad bhūya atyad bhūya ātmānaṃ samatapat. sa ātmanas tasya saṃtatasya sarvebhyo romagartebhyaḥ pṛthak svedadhārāḥ prāsyandata. tā nirabravīd: ābhir vā etad bhṛtam idaṃ sarvaṃ dhārayiṣyāmi yad idaṃ kiṃ ca, ābhir vā etad bhṛtam idaṃ sarvaṃ jñāpayiṣyāmi yad idaṃ kiṃ ca, ābhir vā etad bhṛtam idaṃ sarvam āpyāyayiṣyāmi yad idaṃ kiṃ ca iti. tad yad abravīd ābhir vā etad bhṛtam idaṃ sarvaṃ dhārayiṣyāmi yad idaṃ kiṃ ca iti, tasmād dhārā abhavan; tāsāṃ dhārāṇāṃ dhāratvaṃ yac chrutaṃ dhriyate. tad yad abravīd ābhir vā etad bhṛtam idaṃ sarvaṃ jñāpayiṣyāmi yad idaṃ kiṃ ca iti, tasmāj jñātayo 'bhavan; teṣāṃ jñātīnāṃ jñātitvaṃ yac cāsmin puruṣo jñāyate. yac ca putraḥ, putnāma narakam anaṅkuśatattāraṃ, tasmāt tāyata iti putras, tasyaiva putratvam. tad yad abravīd ābhir vā etad bhṛtam idaṃ sarvam āpyāyayiṣyāmi yad idaṃ kiṃ ceti, tasmād āpo 'bhavan; tāsām apām āptvam āpnoti vai sa sarvān kāmān yān kāmayate.

Er/sie erhitzte sich selbst noch weiter, immer wieder. Aus allen Poren seines/ihres Körpers ließ er/sie einzelne Schweißströme rinnen. Zu ihnen sprach er/sie: 'Mit euch werde ich all dies, was auch immer es ist, tragen (dhārayiṣyāmi)'; 'Mit euch werde ich all dies bekannt machen (jñāpayiṣyāmi)'; 'Mit euch werde ich all dies durchtränken/gedeihen lassen (āpyāyayiṣyāmi).' Weil er/sie sprach 'mit euch werde ich dies tragen', entstanden daraus die Ströme (dhārāḥ) – das ist die Strom-heit der Ströme, dass das Fließende getragen wird. Weil er/sie sprach 'mit euch werde ich dies bekannt machen', entstanden die Verwandten (jñātayaḥ) – das ist ihre Verwandtschaft, dass durch sie der Mensch erkannt (jñāyate) wird. Und der Sohn (putra) [heißt so], weil er aus der Hölle namens 'Put' errettet (trāyate), daher 'put-tra' – das ist seine Sohnschaft. Weil er/sie sprach 'mit euch werde ich dies durchtränken', entstanden die Wasser (āpaḥ) – das ist ihre Wasser-heit, dass er dadurch alle Wünsche erlangt (āpnoti), die er begehrt.

sa āpaḥ sṛṣṭvā anvīkṣata. tāsu svāṃ chāyām apaśyat; tām icchamānasya svayaṃ reto 'skandat; tad apsu praty atiṣṭhata. tā [?] evābhy abhyatapat, samataptāt tasmāt tasya saṃtatasya sārdham eva retasā dvaidham abhavat. tāsām anyatarā atilavaṇā apeyā asvādyā [?], anyā svādyā peyā [?]. [retaḥ samudre... yad bhraśyat tasmād agniḥ samabhavat] [?]: bhṛgur iva vai sa sarveṣu lokeṣu bhāti ya evaṃ veda.

Er (Brahman) betrachtete [die Wasser], nachdem er sie geschaffen hatte. In ihnen sah er sein eigenes Spiegelbild; da es ihn danach verlangte, entfiel ihm von selbst der Same; dieser setzte sich in den Wassern fest. [Anm.: Der folgende Abschnitt ist im Scan an mehreren Stellen nicht sicher zu entziffern.] Durch fortgesetztes Erhitzen entstand aus [Same und Schweiß] zusammen eine Zweiheit: der eine Teil wurde überaus salzig und ungenießbar, der andere [trinkbar, süß] [Anm.: offenbar eine Erklärung der Entstehung des salzigen Meerwassers]. [?] Daraus ging (das Feuer und) die Gestalt des Bhṛgu hervor [?] – wie Bhṛgu leuchtet in allen Welten, wer dies so weiß.

[na hy] atharvan, etāsv evāpsv anviccheti. tad yad abravīd: atharvan, etāsv evāpsv anviccheti, tad atharvābhavat; tad atharvaṇo 'tharvatvam. tasya ha vā etasya bhagavato 'tharvaṇa ṛṣer yathaiva brahmaṇo lomāni yathāṅgāni yathā prāṇā, evam evāsya sarva ātmā samabhavat. tam atharvāṇaṃ brahmābravīt: prajāpate, prajāḥ sṛṣṭvā pālayasveti. tad yad abravīt: prajāpate, prajāḥ sṛṣṭvā pālayasveti, tasmāt prajāpatir abhavat; tat prajāpateḥ prajāpatitvam. atharvā vai prajāpatiḥ. prajāpatir iva vai sa sarveṣu lokeṣu bhāti ya evaṃ veda.

'[Nein], o Atharvan, suche sie eben in diesen Wassern selbst.' Weil es sprach: 'O Atharvan, suche sie eben in diesen Wassern selbst', deshalb entstand Atharvan; das ist die Atharvan-heit des Atharvan. Von diesem erhabenen Ṛṣi Atharvan nun wurde – wie zuvor von Brahman die Haare, wie die Glieder, wie die Lebenshauche – ebenso sein ganzes Selbst [zum Ursprung]. Zu diesem Atharvan sprach Brahman: 'O Prajāpati (Herr der Geschöpfe), erschaffe die Geschöpfe und hüte sie!' Weil es sprach: 'O Prajāpati, erschaffe die Geschöpfe und hüte sie', deshalb entstand [der Name] Prajāpati; das ist die Prajāpati-heit des Prajāpati. Atharvan fürwahr ist Prajāpati. Wie Prajāpati erscheint er in allen Welten, wer dies so weiß.

tam atharvāṇam ṛṣim abhy abhyatapat samatapat; tasmāc chrātāt tāt saṃtatād daśadhā ātharvaṇā ṛcaḥ [?] arimimīta: ekarcān dvṛcāṃs tṛcāṃś caturṛcān pañcarcāt ṣaḍarcāt saptarcān daśarcān iti. tān ātharvaṇa ṛṣīn abhy abhyatapat samaptebhyaḥ śrātebhyas tatebhyaḥ saṃtatebhyo daśadhā ātharvaṇān ārṣeyān arimimīta: ekādaśān dvādaśāṃś caturdaśān pañcadaśān ṣoḍaśān saptadaśān aṣṭādaśān navadaśān viṃśān iti. tān ātharvaṇa ṛṣīn ārṣeyān abhy abhyatapat samatapat, tebhyaḥ śrātebhyas tatebhyaḥ saṃtatebhyo yān malān apaśyat sa ātharvaṇo vedo 'bhavat. tam ātharvaṇaṃ vedam abhy abhyatapat samatapat; tasmāc chrātāt tāt saṃtatād oṃ iti mana evordhvam antaram udakrāmat. sa icchet: sarvair etair atharvabhir ātharvaṇaiś ca kurvīyeti; etayaiva tan mahāvyāhṛtyā kurvīti. sarvair vā etair atharvabhir ātharvaṇaiś ca kṛtaṃ bhavati ya evaṃ veda, yaś caivaṃ vidvān evam etayā mahāvyāhṛtyā kurute.

Diesen Ṛṣi Atharvan erhitzte er weiter, immer wieder. Aus dem so Erhitzten, Gedehnten, Fortdauernden entstanden zehnfach die Atharvan-Hymnen [Anm.: unsicher, ob 'ṛcaḥ' oder ein Eigenname gemeint ist], abgemessen zu: Ein-, Zwei-, Drei-, Vier-, Fünf-, Sechs-, Sieben- und Zehn-Vers-Hymnen. Diese Atharvan-Ṛṣis erhitzte er weiter; aus dem Erhitzten entstanden zehnfach die ihnen zugehörigen größeren Hymnen: Elf-, Zwölf-, Vierzehn-, Fünfzehn-, Sechzehn-, Siebzehn-, Achtzehn-, Neunzehn- und Zwanzig-Vers-Hymnen. Diese Atharvan-Ṛṣis erhitzte er weiter; und was er dabei als Essenz (mala) wahrnahm, das wurde der Atharvaveda. Diesen Atharvaveda erhitzte er weiter; aus dem Erhitzten, Gedehnten, Fortdauernden stieg als das Höchste, Innerste der Geist (manas) selbst empor: OM. Wer dies wisse, der wünsche: 'Mit all diesen Atharvan-Hymnen und Atharvan-Versen möge ich mein Werk vollbringen' – eben damit vollbringe er es durch diese große Váhṛti (OM). Denn wer dies so weiß, für den ist mit all diesen Atharvan-Hymnen das Werk getan; ebenso, wer als solcher Wissender in dieser Weise mit dieser großen Váhṛti sein Werk vollbringt. [Anm.: Die genaue Zuordnung der Zahlwörter zu den Hymnenlängen sowie der technische Terminus 'mala' (Rückstand/Essenz) sind nicht mit letzter Sicherheit zu deuten.]

sa bhūyo apy āmyad bhūya apy ad bhūya ātmānaṃ samatapat. sa ātmann eva trīḻ lokān abhinirmimīta: pṛthivīm antarikṣaṃ divam iti. sa khalu pādābhyām iva pṛthivīṃ nirmimītorasā antarikṣaṃ mūrdhnā divam. sa tāṃs trīḻ lokān abhy abhyatapat samaptebhyaḥ śrātebhyas tatebhyaḥ saṃtatebhyo 'gniṃ nirmimīta agniṃ vāyum ādityam iti. sa khalu pṛthivyā evāgniṃ nirmimītāntarikṣād vāyuṃ divaḥ ādityam. sa tāṃs trīn devān abhy abhyatapat samaptebhyaḥ śrātebhyas tatebhyaḥ saṃtatebhyas trīn vedān abhinirmimīta: ṛgvedaṃ yajurvedaṃ sāmavedam iti; agner ṛgvedaṃ vāyor yajurvedam ādityāt sāmavedam. sa tāṃs trīn vedān abhy abhyatapat samatapat tebhyaḥ śrātebhyas tatebhyas tisro vyāhṛtīr nirmimīta: bhūr bhuvaḥ svar iti. bhūr ity ṛgvedād uva iti yajurvedāt svar iti sāmavedāt. sa ya icchet: sarvair etair ṛgbhir yajurbhiḥ sāmabhir vedaiḥ kurvīyeti, etābhir eva tan mahāvyāhṛtibhiḥ kurvīti. sarvair vā etair ṛgbhir yajurbhiḥ sāmabhir vedaiḥ kṛtaṃ bhavati ya evaṃ veda, yaś caivaṃ vidvān evam etābhir mahāvyāhṛtibhiḥ kurute.

Er erhitzte sich selbst wiederum, immer weiter. Er brachte in sich selbst die drei Welten hervor: Erde, Luftraum, Himmel. Mit den Füßen gleichsam bildete er die Erde, mit der Brust den Luftraum, mit dem Haupt den Himmel. Diese drei Welten erhitzte er weiter; aus dem Erhitzten, Gedehnten, Fortdauernden brachte er Feuer, Wind und Sonne hervor. Aus der Erde bildete er das Feuer, aus dem Luftraum den Wind, aus dem Himmel die Sonne. Diese drei Götter erhitzte er weiter; aus dem Erhitzten, Gedehnten, Fortdauernden brachte er die drei Veden hervor: Ṛgveda, Yajurveda, Sāmaveda – aus Agni den Ṛgveda, aus Vāyu den Yajurveda, aus Āditya (der Sonne) den Sāmaveda. Diese drei Veden erhitzte er weiter; aus dem Erhitzten, Gedehnten entstanden die drei Vyāhṛtis (heiligen Ausrufe): Bhūḥ, Bhuvaḥ, Svar. 'Bhūḥ' stammt aus dem Ṛgveda, 'Bhuvaḥ' aus dem Yajurveda, 'Svar' aus dem Sāmaveda. Wer nun wünscht: 'Mit all diesen Ṛc-, Yajus- und Sāmanversen, mit den Veden, möchte ich mein Werk vollbringen' – der vollbringe es eben mit diesen großen Vyāhṛtis. Denn mit all diesen Versen und Veden ist es vollbracht für den, der dies so weiß, und der als solcher Wissender es in dieser Weise mit diesen großen Vyāhṛtis vollbringt.

tā yā asau retaḥ samudre vṛtvā atiṣṭhata, prācyo dakṣiṇāt pratīcyā udīcyaḥ samavadravata; tat samavadravata, tasmāt samudra ucyate. tā bhītā abruvan: bhagavan, lomeva vayaṃ rājānaṃ vṛṇīmahe iti. yac ca vratāt tiṣṭhad guṇā abhavat, tā etaṃ varāḥ salam ity ācakṣate parokṣeṇa; parokṣapriyā eva hi devā bhavanti pratyakṣadviṣaḥ. sa samudrād amucyata, sa mucyur abhavat; tā etaṃ mucyuṃ salaṃ mṛtyur ity ācakṣate parokṣeṇa; parokṣapriyā eva hi devā bhavanti pratyakṣadviṣaḥ. taṃ varāṇaṃ mṛtyum abhy abhyatapat samatapat, tasya brahmaṇas tasya saṃtatasya sarvebhya ṛkṣebhyo raso 'ntaraso 'raso 'bhavat; tam arasaṃ salam aṅgirā ity ācakṣate parokṣeṇa; parokṣapriyā eva hi devā bhavanti pratyakṣadviṣaḥ.

Jener Same, der, umgeben im Ozean [in den Urgewässern], dort verweilte – zu ihm strömten die östlichen, südlichen, westlichen, nördlichen [Gewässer] zusammen; weil sie zusammenströmten (samavadravata), heißt es 'samudra' (Ozean). Sie sprachen erschrocken: 'Herr, lasst uns [wie Haare, dicht beieinander?] einen König wählen.' [Anm.: dieser Satzteil bleibt unsicher.] Und was durch [eigenes] Gelübde (vrata) feststand, wurde qualitätsvoll (guṇavat); dies nennt man verhüllt 'vara, Salz' [d.h. Varuṇa] – denn die Götter lieben das Verhüllte und verabscheuen das Offenkundige. Er wurde aus dem Ozean freigelassen (amucyata); er wurde 'Mucyu'; diesen Mucyu nennt man verhüllt 'Salz, Mṛtyu (Tod)' – denn die Götter lieben das Verhüllte. Diesen mit Varuṇa [verbundenen] Tod erhitzte er weiter; aus jenem erhitzten, ausgedehnten Brahman entstand aus allen Ṛc-Versen die Essenz, die innere Essenz, das Essenzlose (arasa); dieses Essenzlose nennt man verhüllt 'Salz, Aṅgiras' – denn die Götter lieben das Verhüllte und verabscheuen das Offenkundige. [Anm.: Die Wortspiel-Etymologien (vara→Varuṇa, mucyu→Mṛtyu, arasa→Aṅgiras) sind lautspielerisch und nicht in jedem Fall sprachhistorisch stichhaltig.]

tam aṅgirasam ṛṣim abhy abhyatapat samatapat; tasmāc chrātāt tāt saṃtatād viṃśadhā aṅgirasa ṛcaḥ arimimīta. tān viṃśadhā aṅgirasa ṛṣīn abhy abhyatapat samaptebhyaḥ śrātebhyas tatebhyaḥ saṃtatebhyo daśadhā āṅgirasān ārṣeyān arimimīta: ṣoḍaśinaḥ aṣṭādaśinaḥ dvādaśina ekarcān dvṛcāṃs tṛcāṃś caturṛcān pañcarcān ṣaḍarcān iti. tān aṅgirasa ṛṣīn āṅgirasān ārṣeyān abhy abhyatapat samaptebhyaḥ śrātebhyas tatebhyaḥ saṃtatebhyo yān malān apaśyat sa āṅgiraso vedo 'bhavat. tam āṅgirasaṃ vedam abhy abhyatapat samatapat; tasmāc chrātāt tāt saṃtatād [āhann iti?] hetam antar vy abhavat. sa ya icchet: sarvair etair aṅgirobhir āṅgirasaiś ca kurvīyeti; etayaiva tan mahāvyāhṛtyā kurvīti. sarvair vā etair aṅgirobhir āṅgirasaiś ca kṛtaṃ bhavati ya evaṃ veda, yaś caivaṃ vidvān evam etayā mahāvyāhṛtyā kurute.

Diesen Ṛṣi Aṅgiras erhitzte er weiter; aus dem Erhitzten, Gedehnten, Fortdauernden entstanden zwanzigfach die Aṅgiras-Hymnen. Diese zwanzig Aṅgiras-Ṛṣis erhitzte er weiter; aus dem Erhitzten entstanden zehnfach die ihnen zugehörigen Hymnen: Sechzehn-, Achtzehn-, Zwölfversige, Ein-, Zwei-, Drei-, Vier-, Fünf- und Sechsversige. Diese Aṅgiras-Ṛṣis und ihre Hymnen erhitzte er weiter; und was er dabei als Essenz (mala) wahrnahm, das wurde der Āṅgirasa-Veda. Diesen Āṅgirasa-Veda erhitzte er weiter; aus dem Erhitzten, Gedehnten, Fortdauernden entstand in seinem Innersten [ein Laut, evtl. 'āhan'] [Anm.: die genaue Silbe ist im Scan unsicher, mit [?] markiert]. Wer nun wünscht: 'Mit all diesen Aṅgiras- und Āṅgirasa-Hymnen möge ich mein Werk vollbringen' – der vollbringe es eben mit dieser großen Váhṛti. Denn mit all diesen Hymnen ist es vollbracht für den, der dies so weiß, und der als solcher Wissender es in dieser Weise mit dieser großen Váhṛti vollbringt.

sa ūrdhvo atiṣṭhat, sa imāḻ lokān abhy abhrāt; tasmād aṅgiraso 'dhīyāna ūrdhvas tiṣṭhati. tad uktam: sa manasā dhyāyed yadi brahma, kiṃ ca manasā dhyāsyāmi, tathaiva tad aviśyati, tad dhasma tathaiva bhavati. tad yad etac choktam: śreṣṭho ha vedas tapaso 'dhi jñāto brahmākhyānāṃ dvitīye saṃbabhūva, yac chṛṇvate 'daṃ niveśanam manuṣyāṇāṃ dramas iti. tā vā etā aṅgirasāṃ jñātayo, yan menayaḥ karoti menibhir vīryaṃ ya evaṃ veda.

Er stand aufrecht empor; er blickte auf diese Welten herab. Deshalb steht, wer die Aṅgiras-Hymnen studiert, aufrecht. Dazu ist gesagt: Er möge mit dem Geist bedenken – was auch immer ich mit dem Geist an Brahman bedenken will, das wird eben so eintreffen, das geschieht eben so. Dazu ist folgender [Vers] gesprochen: 'Der Veda fürwahr ist, aus Askese erkannt, als zweiter unter den Brahman-Erzählungen entstanden; wer dies vernimmt, dem wird diese Niederlassung der Menschen zum Vermögen (dramas).' Dies sind fürwahr die Verwandtschaften der Aṅgiras[-Hymnen]; was einer mit Bedacht (menā) tut, geschieht durch solche Bedachtsamkeit mit Heldenkraft, wer dies so weiß. [Anm.: Der eingestreute Spruch sowie einzelne Wörter (menā, dramas) sind in ihrer genauen Bedeutung unsicher.]

sa diśo 'nvaicchat: prācīṃ dakṣiṇāṃ pratīcīm udīcīṃ dhruvām ūrdhvām iti. tās trai [ṣaḍ] abhy abhyatapat samatapat; tasmāc chrātāt tāt saṃtatāt pañca vedān nirmimīta: sarvavedaṃ piśācavedam asuravedam itihāsavedaṃ purāṇavedam iti. sa khalu prācyā eva diśaḥ sarvavedaṃ nirmimīta, dakṣiṇasyāḥ piśācavedaṃ, pratīcyā asuravedam, udīcyā itihāsavedaṃ, dhruvāyā ūrdhvāyāś ca purāṇavedam. sa tān eva vedān abhy abhyatapat samatapat; tebhyaḥ śrātebhyaḥ saṃtatebhyaḥ pañca mahāvyāhṛtīr nirmimīta: vṛdhat kar duh mahat tad iti. vṛdhad iti sarvavedāt, kar iti piśācavedāt, duh ity asuravedāt, mahad itītihāsavedāt, tad iti purāṇavedāt. sa ya icchet: sarvair etaiḥ pañcabhir vedaiḥ kurvīyeti, etābhir eva tan mahāvyāhṛtibhiḥ kurvīti. sarvair vā etaiḥ pañcabhir vedaiḥ kṛtaṃ bhavati ya evaṃ veda, yaś caivaṃ vidvān evam etābhir mahāvyāhṛtibhiḥ kurute.

Er suchte die Himmelsrichtungen auf: die östliche, südliche, westliche, nördliche, die feste (untere) und die obere. Diese [sechs] erhitzte er weiter; aus dem Erhitzten, Gedehnten, Fortdauernden schuf er fünf Veden: den Sarvaveda ('Allveda'), den Piśācaveda (Dämonenveda), den Asuraveda, den Itihāsaveda (Geschichtenveda) und den Purāṇaveda. Aus der östlichen Richtung schuf er den Sarvaveda, aus der südlichen den Piśācaveda, aus der westlichen den Asuraveda, aus der nördlichen den Itihāsaveda, aus der festen und der oberen den Purāṇaveda. Diese Veden erhitzte er weiter; aus dem Erhitzten, Gedehnten, Fortdauernden schuf er fünf große Vyāhṛtis: 'vṛdhat, kar, duh, mahat, tad'. 'Vṛdhat' stammt aus dem Sarvaveda, 'kar' aus dem Piśācaveda, 'duh' aus dem Asuraveda, 'mahat' aus dem Itihāsaveda, 'tad' aus dem Purāṇaveda. Wer nun wünscht: 'Mit all diesen fünf Veden möge ich mein Werk vollbringen' – der vollbringe es eben mit diesen großen Vyāhṛtis. Denn mit all diesen fünf Veden ist es vollbracht für den, der dies so weiß, und der als solcher Wissender es in dieser Weise mit diesen großen Vyāhṛtis vollbringt.

sa āvataś ca parāvataś cānvaicchat. tāv [?] abhy abhyatapat samatapat; tasmāc chrātāt tāt saṃtatāc cham ity ūrdhvam antaram udakrāmat. sa ya icchet: sarvair etair āvadbhiḥ parāvadbhiḥ kurvīyeti, etayaiva tan mahāvyāhṛtyā kurvīti. sarvair vā etair āvadbhiḥ parāvadbhiḥ kṛtaṃ bhavati ya evaṃ veda, yaś caivaṃ vidvān evam etayā mahāvyāhṛtyā kurute.

Er suchte das Nahe (āvat) und das Ferne (parāvat) auf. Diese erhitzte er weiter; aus dem Erhitzten, Gedehnten, Fortdauernden stieg als das Höchste, Innerste der Laut 'śam' empor. Wer nun wünscht: 'Mit all diesem Nahen und Fernen möge ich mein Werk vollbringen' – der vollbringe es eben mit dieser großen Váhṛti. Denn mit allem Nahen und Fernen ist es vollbracht für den, der dies so weiß, und der als solcher Wissender es in dieser Weise mit dieser großen Váhṛti vollbringt.

sa bhūyo apy āmyad bhūya atyad bhūya ātmānaṃ samatapat. sa manasa eva candramasaṃ nirmimīta; nakhebhyo nakṣatrāṇi, lomabhya oṣadhivanaspatīn, indriyebhyaḥ prāṇebhyo 'nyān bahūn devān. sa bhūyo apy āmyad bhūya atyad bhūya ātmānaṃ samatapat. sa etaṃ trivṛtaṃ satatalum ekaviṃśatisaṃsthaṃ yajñam apaśyat; tad etam āṅgirasaṃ trivṛtaṃ satatalum ity āthāpy eṣa prākrīḍitaḥ ślokaḥ praty abhivadati: 'satsutyāḥ, sat ca pākayajña' iti.

Er erhitzte sich wiederum, immer weiter. Aus seinem Geist schuf er den Mond; aus seinen Nägeln die Sternbilder, aus seinen Haaren Kräuter und Bäume, aus seinen Sinnesorganen und Lebenshauchen die übrigen zahlreichen Götter. Er erhitzte sich wiederum, immer weiter. Er erschaute dieses dreifache, [fortlaufende], einundzwanzigfach geordnete Opfer; dieses ist jenes den Aṅgiras zugehörige dreifache, fortlaufende [Opfer]. Und darauf antwortet auch jener schon früher gespielte/zitierte Spruch: 'Wahrhaftig sind die Somapressungen, und wahrhaftig ist das Kuchenopfer (pākayajña).' [Anm.: Die genaue Bedeutung der Opfer-/Metrumsbezeichnung 'trivṛt satatalu ekaviṃśati' sowie des zitierten Sprüchleins bleibt unsicher.]

tam āhūtenāyajata; tasyāgnir hotāsīd, dyaur adhvaryuḥ, sūrya udgātā, candramā brahmā, parjanyaḥ sadasyaḥ, oṣadhivanaspatayaś camasādhvaryavaḥ, viśve devā hotrakāḥ, atharvāṅgiraso gotārāḥ. taṃ hi sma etam evaṃ vidvāṃsaḥ pūrve otriyā yajñaṃ tatam sāvasāya hutvā sma āhṛtyābhi vrajanti: mā no ayaṃ dharmo vyathaḥ pramattānām amṛtāḥ prajāḥ pradhāntīti. tān vā etān aririktān prasarpakān ity ācakṣate dakṣiṇāsamudrān. tam āhuḥ sma prajāpatir yadaiṣa yajña uttiṣṭhati, kuśalāḥ śraviṇo bhavaty ācaritino brahmacaryam aparācyā vā. tad yajñasya viriṣṭim ity ācakṣate. yajñasya viriṣṭam anu yajamāno viriṣyate; yajamānasya viriṣṭam anu ṛtvijāṃ viriṣṭam anu dakṣiṇā viriṣyate; dakṣiṇānāṃ viriṣṭam anu yajamānaḥ putrapaśubhir viriṣyate; putrapaśūnāṃ viriṣṭam anu yajamānaḥ svargeṇa lokena viriṣyate; svargasya lokasya viriṣṭam anu tasyārdhasya yogakṣemo viriṣyate, yasminn arthe yajata iti brāhmaṇam.

Er (der Jahreszyklus) opferte mit dem [ewigen] Anruf. Sein Hotṛ war Agni, sein Adhvaryu der Tag, sein Udgātṛ die Sonne, sein Brahman-Priester der Mond, sein Sadasya Parjanya, seine Camasādhvaryus Kräuter und Bäume, seine Hotrakas alle Götter, seine Gotṛs die Atharvāṅgiras. Diesen [Zyklus], wissend, führen die früheren Kenner das ausgebreitete Opfer zu Ende, opfern und ziehen fort: 'Auf dass uns dieser Dharma nicht ins Wanken bringe, während die unsterblichen Geschöpfe der Unachtsamen dahinschwinden.' Diese nennt man die 'sich zum südlichen Ozean fortbewegenden [Opfer]'. Man erzählt, Prajāpati habe gesagt: Wenn dieses Opfer emporsteigt, wird es reich an Ruhm für die, die es durch Enthaltsamkeit vollziehen, sei es rückwärts oder vorwärts gewandt. Dies nennt man den 'Mangel des Opfers'. Dem Mangel des Opfers folgt der Mangel des Opferherrn; dem Mangel des Opferherrn folgt der Mangel der Priester, [ihm] der Mangel der Opfergaben; dem Mangel der Opfergaben folgt der Mangel des Opferherrn an Söhnen und Vieh; diesem folgt der Mangel an der Himmelswelt; diesem folgt der Mangel an deren Wohlergehen (yogakṣema) – im Hinblick worauf man opfert, so das Brāhmaṇa. [Anm.: Diese Kaṇḍikā beschreibt eine kettenartige Übertragung eines rituellen 'Mangels'; einzelne Ausdrücke (aririktān prasarpakān) sind unsicher gedeutet.]

taṃ ha sma etam evaṃ vidvāṃsaṃ brahmāṇaṃ 'yajñaviriṣṭiṃ vā yajñaviriṣṭir no' ity upadhāvet: namas te 'stu bhagavan, yajñasya no viriṣṭiṃ saṃdhehīti. tac caiva viriṣṭaṃ syāt, tatrāgnim upasnāpya śālyudakaṃ kṛtvā, 'pṛthivyai śrotrāyeti' trir evāgniṃ saṃprokṣati, triḥ paryukṣati, triḥ kārayamāṇam ācāmayati ca saṃprokṣati ca yajñavāstu ca saṃprokṣaty āpyāyayati. vedānāṃ rasena yajñasya viriṣṭiṃ saṃdhīyate; tad yathā lavaṇena suvarṇaṃ saṃdhāt, suvarṇena rajataṃ, rajatena lohaṃ, lohena sīsaṃ, sīsena trapu, evam evāsya yajñasya viriṣṭaṃ saṃdhīyate. yajñasya saṃdhitim anu yajamānaḥ saṃdhīyate; yajamānasya saṃdhitim anu ṛtvijāṃ saṃdhīyate; ṛtvijāṃ saṃdhitim anu dakṣiṇāḥ saṃdhīyante; dakṣiṇānāṃ saṃdhitim anu yajamānaḥ putrapaśubhiḥ saṃdhīyate; putrapaśūnāṃ saṃdhitim anu yajamānaḥ svargeṇa lokena saṃdhīyate; svargasya lokasya saṃdhitim anu tasyārdhasya yogakṣemaḥ saṃdhīyate, yasminn arthe yajata iti brāhmaṇam.

Diesen so wissenden Brahman-Priester suche man auf, [wenn es heißt]: 'Es ist ein Opfermangel' oder 'wir haben einen Opfermangel', [und spreche]: 'Verehrung sei dir, o Herr; heile uns den Mangel unseres Opfers!' Und eben dieser Mangel werde [so geheilt]: Dort, nachdem man das Feuer besprengt hat, bereitet man Reiswasser mit den Worten 'der Erde zum Gehör' – dreimal besprengt man damit das Feuer, dreimal umkreist man es besprengend, dreimal lässt man den [Opferherrn] beim Vollziehen trinken und besprengt ihn zugleich; auch den Opferplatz besprengt und benetzt man. Mit dem Saft (der Essenz) der Veden wird der Mangel des Opfers geheilt; so wie man Gold mit Salz lötet, Silber mit Gold, Kupfer mit Silber, Blei mit Kupfer, Zinn mit Blei – ebenso wird der Mangel dieses Opfers geheilt. Der Heilung des Opfers folgt die Heilung des Opferherrn; dieser die Heilung der Priester; dieser die Heilung der Opfergaben; dieser die Heilung des Opferherrn an Söhnen und Vieh; dieser die Heilung des Opferherrn an der Himmelswelt; dieser die Heilung von deren Wohlergehen – im Hinblick worauf man opfert, so das Brāhmaṇa.

tad dha sma ātharvo devo vijānan: yajñaviriṣṭānām upaśamanam iti; ājñe [?] prāyaścittiḥ kriyate, api ca yad bahu vikramam yajñe vilomaṃ kriyate, na caivāsya kācana ārtir bhavati, na ca yajñaviṣkandham upayāty acyutiṃ punarmṛtyum apeti punarātim; kāmacāro 'sya sarveṣu lokeṣu bhāti ya evaṃ veda. yaś caivaṃ vidvān abrahmā bhavati, yasya caivaṃvidvān abrahmā dakṣiṇataḥ sado adhyāste, yasya caivaṃvidvān abrahmā dakṣiṇata udañjur āsīno, yajña āḍhyaḥ ūrtir anu śrotīti brāhmaṇam.

Der Gott Atharvan erkannte als Wissender: Für Opfermängel wird die Beruhigung/Sühne im Opfer bewirkt; und selbst wenn im Opfer vielfach Verkehrtes, Gegensinniges geschieht, entsteht daraus keinerlei Schaden; man gerät nicht in Opferverwirrung, Sturz, erneuten Tod oder erneutes Unheil – freier Wandel in allen Welten ist dem möglich, der dies so weiß. Und wer als solcher Wissender selbst kein [amtierender] Brahman-Priester ist [es aber weiß] – in dessen Nähe, rechts vom Sitz, ein solcher Wissender, obgleich kein Brahman-Priester, sitzt: dessen Opfer wird reich, sein Wohlergehen folgt ihm nach, so das Brāhmaṇa. [Anm.: Mehrere Fachtermini (upaśamana, viṣkandha, acyuti) sind rituell-technisch und nur ungefähr wiederzugeben; eine Textstelle bleibt unklar [?].]

brahma ha vai brahmaṇāṃ puṣkare sasrūte. sa khalu brahmā sṛṣṭacittam ārcchat: kenātmaikena antareṇa sarvāṃś ca kāmān sarvāṃś ca lokān sarvāṃś ca devān sarvāṃś ca vedān sarvāṃś ca yajñān sarvāṃś ca śabdān sarvāś ca vyuṣṭīḥ sarvāṇi ca bhūtāni sthāvarajaṅgamāny anubhaveyam iti. sa brahmacaryam acarat: 'syām' ity etad uttamam avirvāṇī, caturmātraṃ sarvavyāpi sarvaviśvayātayāma-brahma, brāhmī vyāhṛtir brahmadaivatā. tayā sarvāṃś ca kāmān sarvāṃś ca lokān sarvāṃś ca devān sarvāṃś ca vedān sarvāṃś ca yajñān sarvāṃś ca śabdān sarvāś ca vyuṣṭīḥ, sarvāṇi ca bhūtāni sthāvarajaṅgamāny anvabhavat. tasya prathamena varṇenāpyāyate śloka cānvabhavat; tasya dvitīyena varṇena tejo jyotiṣ cānvabhavat.

Brahman fürwahr floss/versammelte sich im Lotusteich der geistigen Kräfte. Da erwog Brahman mit geschaffenem Geist: 'Wie könnte ich mit einem einzigen inneren [Mittel] alle Wünsche, alle Welten, alle Götter, alle Veden, alle Opfer, alle Laute, alle Morgenerhellungen und alle Wesen, beweglich wie unbeweglich, umfassen?' Es übte Keuschheit (brahmacarya): 'Ich möchte sein' – dies ist die höchste, unveraltende Äußerung, viermaßig, alldurchdringend, alle Welt umfassend, das nie ermattende Brahman: die brahmische Váhṛti, mit Brahman als Gottheit. Mit ihr umfasste es alle Wünsche, alle Welten, alle Götter, alle Veden, alle Opfer, alle Laute, alle Morgenerhellungen und alle Wesen, beweglich wie unbeweglich. Durch ihren ersten Laut wird man gesättigt und erlangt Ruhm (śloka); durch ihren zweiten Laut erlangt man Glanz (tejas) und Licht (jyotis). [Anm.: Gemeint ist offenbar die viermaßige Silbe OM (a+u+m+Nachklang); einzelne Fachbegriffe bleiben unsicher.]

tasya prathamayā svaramātrayā pṛthivīm agnim oṣadhivanaspatīn nṛvedaṃ 'bhūr' iti vyāhṛtiṃ gāyatraṃ chandaḥ [?] vṛtaṃ stomaṃ prācīṃ diśaṃ vasu ṛtaṃ vācam adhyātmaṃ tridhā rasam ity indriyāṇy anvabhavat.

Durch seine erste Lautmaß-Stufe durchdrang es die Erde, Agni, Kräuter und Bäume, das Wissen der Menschen, die Váhṛti 'Bhūḥ', das Gāyatrī-Metrum, [ein bestimmtes] Metrum [?], das [zugehörige] Stoma, die östliche Himmelsrichtung, die Vasu[-Gottheiten], das Ṛta (die kosmische Ordnung), die Rede – innerlich –, und dreifach den Saft (rasa) als Sinneskraft. [Anm.: Diese und die folgenden Kaṇḍikās bieten eine Korrespondenzliste der Mātrās der Silbe OM; einzelne Fachbegriffe des Aufzählungskatalogs sind im Scan nicht mit letzter Sicherheit zu lesen, mit [?] markiert.]

tasya dvitīyayā svaramātrayāntarikṣaṃ vāyuṃ vanurvidaṃ 'bhuva' iti vyāhṛtiṃ traiṣṭubhaṃ chandaḥ pañcadaśaṃ stomaṃ pratīcīṃ diśaṃ grīṣmam ṛtuṃ prāṇam adhyātmaṃ nāsike gandhāghrāṇam iti indriyāṇy anvabhavat.

Durch seine zweite Lautmaß-Stufe durchdrang es den Luftraum, Vāyu (den Wind), das Wissen der Wesen (vanurvid), die Váhṛti 'Bhuvaḥ', das Triṣṭubh-Metrum, das fünfzehnfache Stoma, die westliche Himmelsrichtung, den Sommer als Jahreszeit, den Atem – innerlich –, [und] die beiden Nasenlöcher, das Riechen der Düfte als Sinneskraft.

tasya tṛtīyayā svaramātrayā divam ādityaṃ sāmavedaṃ 'svar' iti vyāhṛtiṃ jāgataṃ chandaḥ saptadaśaṃ stomam udīcīṃ diśaṃ varṣā ṛtuṃ jyotir adhyātmaṃ cakṣuṣī darśanam iti indriyāṇy anvabhavat.

Durch seine dritte Lautmaß-Stufe durchdrang es den Himmel, Āditya (die Sonne), den Sāmaveda, die Váhṛti 'Svar', das Jagatī-Metrum, das siebzehnfache Stoma, die nördliche Himmelsrichtung, die Regenzeit, das Licht – innerlich –, die beiden Augen, das Sehen als Sinneskraft.

tasya makāramātrayā [avaśiṣṭāni] chandāṃsy atharvavedaṃ nakṣatrāṇy 'om' iti svātmānaṃ jñam ādityāṅgirasām anuṣṭubhaṃ chanda ekaviṃśaṃ stomaṃ dakṣiṇāṃ diśaṃ śarad ṛtuṃ mano 'dhyātmaṃ jñānaṃ śravam iti indriyāṇy anvabhavat.

Durch die Silbe M durchdrang es die übrigen Metren, den Atharvaveda, die Sternbilder, [sich selbst als] OM, [die Verbindung von] Wissen, Sonne und Aṅgiras, das Anuṣṭubh-Metrum, das einundzwanzigfache Stoma, die südliche Himmelsrichtung, den Herbst als Jahreszeit, den Geist (manas) – innerlich –, das Erkennen und das Hören als Sinneskraft. [Anm.: Diese Zuordnung entspricht der bekannten upaniṣadischen Vierteilung der Silbe OM (vgl. Māṇḍūkya-Upaniṣad); Details der Aufzählung bleiben an einzelnen Stellen unsicher.]

tasya makārārdhamātrayetihāsapurāṇaṃ vākovākyaṃ gāthā nārāśaṃsīr upaniṣado 'nuśāsanānānīti; 'vṛdhat kar duh mahat tad' iti vyāhṛtiḥ svaraśayyā [?] svarnṛtyagītavāditrāṇy anvabhavac citraṃ daivataṃ vaidyutaṃ jyotiḥ [?] trayastriṃśat stomau dhruvām ūrdhvāṃ diśaṃ hemantaśiśirāv ṛtū śrotram adhyātmaṃ śabdaśravaṇam iti indriyāṇy anvabhavat.

Durch die halbe Mātrā des M durchdrang es Itihāsa und Purāṇa, das Streitgespräch (vākovākya), die Gāthās, die Nārāśaṃsī-Verse, die Upaniṣaden, die Lehrschriften und dergleichen; die Váhṛti 'vṛdhat kar duh mahat tad'; es durchdrang den himmlischen Tanz, Gesang und Instrumentalmusik, die vielfarbige [Welt], den Blitzglanz [?], die dreiunddreißigfachen Stomas, die feste und die obere Himmelsrichtung, Winter und Vorfrühling als Jahreszeiten, das Gehör – innerlich –, das Hören des Schalls als Sinneskraft. [Anm.: Diese Kaṇḍikā behandelt die 'überzählige', halbe Mātrā (den Nachklang) des OM mit einer sehr weiten Korrespondenzliste; mehrere Fachbegriffe bleiben unsicher.]

saivaikāntar grahaṇās tapaso 'gre prādurbabhūva brahmavedasyātharvāṇāṃ śukram, ata eva malāḥ prādurbabhūvuḥ. sa tu khalu malānām atapasā suṣupsānādhyāyādhyayanena yatnaṃ ca viriṣṭaṃ ca yātayāmaṃ ca karoti, tad atharvāṇāṃ tejasā pratyāyayan malā mām abhimukhī bhaveyur, māv iva mātaram abhinighnāṃsuḥ. purastād oṃkāraṃ prayuṅkte ity eva tad ṛcā pratyāyayed eva yajñasya purastād uktaṃ; tathā paścāt sṛjate hatayā yajñas tāyate. tad etad uktaṃ: 'yā purastād uktā ṛco 'ntare parame vyoman' iti, tad etad uktam. brāhmaṇo yaṃ kāmayeta [?] rātrim uṣitaḥ prāṅmukho vāgyato barhiṣy upaviśya sahasrakṛtva āvartayet, sidhyaty asyārthāḥ sarvakarmāṇi ceti brāhmaṇam.

Eben dieses [OM] allein erschien vor allem Ergreifen/Erfassen, am Anfang der Askese, als der Same (śukra) des Brahmaveda der Atharvans; eben daraus entstanden die 'Rückstände' (malāḥ, d.h. die daraus hervorgehenden Texte/Wesen). Wer nun durch Nicht-Askese, durch nachlässiges Studieren und Lehren Mühe, Mangel und Abnutzung (yātayāma) [in die Überlieferung] bringt – diesem sollen die Rückstände durch die Glut (tejas) der Atharvans, ihn überzeugend, entgegenkommen, gleichsam wie [Kinder] die Mutter aufsuchen. Man setzt den OM-Laut voran – eben dadurch überzeuge man mit dem Ṛc; was am Anfang des Opfers gesprochen wurde, [wird auch am Ende wiederholt]; ebenso wird es hinterher fortgesetzt, [und] durch das so Zusammengefügte wird das Opfer ausgedehnt. Dies eben ist gesagt: 'Was zuvor gesprochen wurde, [ist] inmitten der Ṛcs, im höchsten Himmel' – so ist dies gesagt. Ein Brahmane, der [etwas] wünscht, möge, nachdem er eine Nacht [gefastet] verbracht hat, nach Osten gewandt, mit zurückgehaltener Rede, auf dem Barhis sitzend, [OM] tausendmal wiederholen: seine Anliegen und alle Werke gelingen ihm – so das Brāhmaṇa. [Anm.: Diese Kaṇḍikā ist an mehreren Stellen sprachlich schwierig und die Bildrede (Rückstände, die 'wie zur Mutter' kommen) nur ungefähr zu deuten; einzelne Wörter mit [?] markiert.]

devā bhītā āsan: ka īmān asurān apahaniṣyatīti. ta oṃkāraṃ brahmaṇaḥ putraṃ jyeṣṭhaṃ dadṛśus. te tam abruvan: bhavatā mukhenemān asurāñ jayemeti. sa hovāca: kiṃ me prativāho bhaviṣyatīti. varaṃ vṛṇīṣveti. vṛṇā iti. sa varam avṛṇīta: na mām anīrayitvā brāhmaṇā brahma vedair yadi vadeyur abrahma tat syād iti. tatheti. te devā ha vai yajñasyottarārdhe śrutaiḥ saṃyattā āsaṃs, tān oṃkāreṇāgre dhīyad devā asurān parābhāvayat, tadā parābhāvayat, tasmād oṃkāraḥ pūrvam ucyate. yo ha vā etam oṃkāraṃ na veda, avaśī syād; atha ya evaṃ veda, brahmavaśī syād. iti tasmād oṃkāra ṛcy udbhavati, yajuṣi yajuḥ, sāmni sāma, sūtre sūtraṃ, brāhmaṇe brāhmaṇaṃ, śloke ślokaḥ, praṇave praṇava iti brāhmaṇam.

Die Götter waren voll Furcht: 'Wer wird diese Asuras hinwegschlagen?' Da erblickten sie den OM-Laut, den ältesten Sohn Brahmans. Zu ihm sprachen sie: 'Durch dein Antlitz mögen wir diese Asuras besiegen.' Er sprach: 'Was wird mir dafür als Gegenleistung zuteil?' 'Wähle eine Gunst!' 'Ich wähle', sprach er, und wählte die Gunst: 'Dass die Brahmanen mich nicht übergehen, wenn sie mit den Veda-Worten sprechen – ohne mich wäre es kein Brahman (kein gültiges Wort).' 'So sei es', [sprachen sie]. Diese Götter nun waren im hinteren Teil des Opfers mit dem Gehörten (Rezitierten) bewaffnet; sie stellten den OM-Laut voran, und die Götter besiegten die Asuras – damals besiegten sie sie; deshalb wird OM zuerst gesprochen. Wer diesen OM-Laut nicht kennt, ist nicht Herr [über sich]; wer aber dies so weiß, ist Herr des Brahman (Veda). Deshalb entsteht OM vor dem Ṛc, vor dem Yajus, vor dem Sāman, [gleichsam] Faden vor Faden, Brāhmaṇa vor Brāhmaṇa, Śloka vor Śloka, Praṇava (OM) vor Praṇava – so das Brāhmaṇa. [Anm.: Diese Erzählung von Göttern und Asuras, die um den heiligen Laut kämpfen, ist ein bekanntes Vedamotiv (vgl. die Udgītha-Erzählung der Chāndogya-Upaniṣad 1.2).]

'oṃkāraṃ kim ucāryati, kiṃ chandaḥ, ko varṇa' iti pūrve praśnāḥ; atha uttare: 'kasmād brahmavādina oṃkāram ādita[ḥ] kurvate, kiṃ daivataṃ, kiṃ jyotiṣam, kiṃ niruktam, kiṃ sthānam, kā prakṛtiḥ, kim ātmā' iti; ṣaḍviṃśat[ir] praśnāḥ pūrvottarāṇāṃ; trayo vargā dvādaśakā etair oṃkāraṃ vyākhyāsyāmaḥ.

'Wie wird OM ausgesprochen? Welches Metrum [hat es]? Welcher Laut ist es?' – dies die vorderen Fragen. Dann die hinteren: 'Warum stellen die Brahman-Kenner den OM-Laut voran? Welche Gottheit [hat es]? Welches Licht? Welche Worterklärung (nirukta)? Welchen Ort? Welche Grundnatur (prakṛti)? Was ist sein Wesen (ātman)?' – [dies weitere Fragen]. [Insgesamt] sechsundzwanzig Fragen, vordere und hintere; drei Gruppen zu je zwölf [Silben-Betrachtungen] – mit diesen werden wir OM erklären. [Anm.: Die genaue Zählung der Fragengruppen ('drei Gruppen zu zwölf') ist im Scan nicht restlos klar; die Kaṇḍikā fungiert als Inhaltsübersicht für die folgenden Abschnitte über OM.]

indraḥ prajāpatim apṛcchad: bhagavan, abhihūya pṛcchāmīti. pṛccha vatseti abravīt: kim ayam oṃkāraḥ, kasya putraḥ, kiṃ caitac chandaḥ, kiṃ caitad varṇaḥ, kiṃ caitad brahma saṃpadyata iti. tasmāt te tad brahmauṃkāraṃ pūrvam ālikhe: svaritodātta ekākṣara oṃkāra ṛgvede, traisvaritodātta ekākṣara oṃkāro yajurvede, dīrghodātta ekākṣara oṃkāraḥ sāmavede, hrasvodātta ekākṣara oṃkāro 'tharvavede. udāttodātta dvipada a u ity ardhacatasro mātrā, makāre vyañjanam ity ākṣyoṃ. sā prathamā mātrā brahmadevatyā raktā varṇena; yas tāṃ dhyāyate nityaṃ sa gacched brahmaṇaḥ padam. yā sā dvitīyā mātrā viṣṇudevatyā kṛṣṇā varṇena; yas tāṃ dhyāyate nityaṃ sa gacchad vaiṣṇavaṃ padam. yā sā tṛtīyā mātrā aiśānadevatyā kapilā varṇena; yas tāṃ dhyāyate nityaṃ sa gacched aiśānaṃ padam. yā sārdhacaturthī mātrā sarvadevatyā vyaktībhūtā khaṃ vicarati śuddhasphaṭikasannibhā varṇena; yas tāṃ dhyāyate nityaṃ sa gacchet padam anāmakam. [tasyot]patti[ṃ] vipro yo na jānāti tat punar upajanayati [?]. tasmād brāhmaṇāvacanam ādartavyaṃ, yayā lātavyo gotro brāhmaṇāḥ, putro gāyatraṃ chandaḥ, śuklo varṇaḥ, puṃso vastraṃ, rudro devatā — oṃkāro vedānām.

Indra fragte Prajāpati: 'O Herr, ich rufe dich an und frage.' 'Frage, mein Kind', sprach er. 'Was ist dieses OM? Wessen Sohn ist es? Welches Metrum ist es? Welcher Laut ist es? Welches Brahman kommt darin zustande?' Deshalb zeichnete er dir zuvor jenes Brahman-OM auf: In der Ṛgveda-Rezitation ist OM einsilbig mit Svarita-Udātta-Akzent, im Yajurveda einsilbig mit Traisvarita-Udātta, im Sāmaveda einsilbig mit langem Udātta, im Atharvaveda einsilbig mit kurzem Udātta. Es besteht aus zwei betonten Silben a und u, zusammen dreieinhalb Mātrās, im M-Laut ein Konsonant – so wird 'OM' gebildet. Jene erste Mātrā hat Brahmā zur Gottheit und ist rot an Farbe; wer sie beständig betrachtet, gelangt zum Ort Brahmās. Jene zweite Mātrā hat Viṣṇu zur Gottheit und ist dunkel an Farbe; wer sie beständig betrachtet, gelangt zum Ort Viṣṇus. Jene dritte Mātrā hat Īśāna (Śiva) zur Gottheit und ist kapila-farben (bräunlich); wer sie beständig betrachtet, gelangt zum Ort Īśānas. Jene dreieinhalbte, letzte Mātrā hat alle Götter zur Gottheit, ist offenbar geworden, durchwandert den Raum, gleicht reinem Bergkristall an Farbe; wer sie beständig betrachtet, gelangt zum namenlosen Ort. Wer als Kenner (vipra) ihre Entstehung nicht kennt, [muss sie sich immer wieder neu] erzeugen [Anm.: Satzsinn unsicher]. Deshalb ist die Lehrrede des Brahmanen zu beachten, durch die zu erlangen sind: das [rechte] Geschlecht [wie] die Brahmanen, [wie] ein Sohn das Gāyatrī-Metrum, die weiße Farbe, das Gewand des Mannes, Rudra als Gottheit – OM [ist all dies] der Veden. [Anm.: Die metrisch-phonetische Terminologie (Akzentbezeichnungen je Veda) folgt einer alten Lehrtradition; der Satz über die 'Entstehung' und deren Nichtkenntnis ist im Scan unklar formuliert und sinngemäß wiedergegeben.]

ko dhātur ity: āpi-dhātur uṃ vatim anye ke [?] prasāmānyārthasāmānyaṃ nedīyas tasmād apy oṃkāraṃ — sarvam āpnotīty arthaḥ. sa kṛtsnam arthavat aprātipadikam adarśanaṃ [?]; pratyayasya nāma saṃpadyate; nipāteṣu cainaṃ vaiyākaraṇā udāttaṃ samāmananti. tad avyayībhūtam anyārthavācī śabdo na vyeti kadācana iti; sadṛśaṃ triṣu liṅgeṣu sarvāsu ca vibhaktiṣu vacaneṣu ca sarveṣu — yatra veti tad avyayam. ko vikāro cyavate? prasāraṇān na prati-a-kāra u-kāro vikāryā vād iti oṃkāro vikriyate: dvitīyo makāraḥ. evaṃ dvivarṇa ekākṣara om ity oṃkāro nirvṛttaḥ.

'Von welcher Wurzel [stammt OM]?' – 'Von der Wurzel api ('dazu, hinzu')', nach anderen von einer Wurzel 'vati' [?], mit allgemeiner, naheliegender Bedeutung; deshalb [heißt es] 'apy oṃkāraḥ' – im Sinne von 'er erlangt alles'. Es ist eine vollständige, bedeutungstragende, nicht als gewöhnliches Nominalstamm-Wort erscheinende [Form]; sie erhält den Status eines Suffixes. Auch bei den Partikeln setzen die Grammatiker dafür den Udātta-Akzent an. Als ein zum Unveränderlichen (avyaya) gewordenes, anders bedeutendes Wort weicht es niemals ab; gleichbleibend in allen drei Geschlechtern, allen Kasus und allen Numeri – darin [besteht] seine Unveränderlichkeit. Welcher Lautwandel liegt vor? Durch Dehnung (prasāraṇa) wird statt des A-Lautes der Laut O gebildet; durch diese Umwandlung entsteht der OM-Laut: [zuerst A, dann] O, als Zweites der M-Laut. So ist, zweilautig, einsilbig, 'OM' – der OM-Laut abgeleitet. [Anm.: Diese Kaṇḍikā ist eine grammatisch-technische Analyse der Silbe OM im Stil altindischer Sprachwissenschaft; die genaue grammatische Fachterminologie ist im Scan an mehreren Stellen unsicher zu lesen und daher sinngemäß statt wortwörtlich wiedergegeben.]

katimātra ity: ādes tisro mātrāḥ; adhyādāne hi pravate makāraś caturthī. kiṃ sthānam ity: uṣmā oṣṭhau sthānaṃ, nādānapradānakaraṇau [?] ca. kiṃsthānaṃ saṃdhi[s]? tad antaram avarṇaleśaḥ; karaṇaṃ yathoktam eṣaḥ pūrvo vivṛtakaraṇāsthitaḥ, dvitīyaḥ spṛṣṭakaraṇāsthitaḥ; na saṃyogo vidyate. ākhyātopasargānudāttasvaritaliṅgavibhaktivacanāni ca saṃsthānādhvani ācāryāḥ pūrve babhūvuḥ [...]; kaviḥ pañcālacaṇḍaḥ paripṛcchako babhūvāḥ [...]. tasmāt kāraṃ brūmo varṇānām — ayam idaṃ bhaviṣyatīti. ṣaḍaṅgavidas tattvādhīmahe. kiṃ chanda iti? gāyatraṃ hi chando, gāyatrī vai devānām; ekāntarā śvetavarṇā ca vyākhyātā. dvau dvādaśakau vargau — [dhāraṇavacanaṃ śaityaṃ, chandovacanaṃ ca] anyottarau dvau dvādaśakau vargau vedarcikaḥ [?] vyākhyātā. mala kalpo brāhmaṇam ṛg-yajuḥ-sāma-ātharvaṇair vā vyāhṛtiś caturṇāṃ vedānām ānupūrveṇa bhūr bhuvaḥ svar iti vyāhṛtayaḥ.

'Wieviele Mātrās [hat der A-Laut]?' – Drei Mātrās am Anfang; und beim Fortführen des Atems [wird] der M-Laut zur vierten. 'Welchen Artikulationsort [hat er]?' – Der Zischlaut/Hauchlaut hat die beiden Lippen zum Ort, [mit] Tonerzeugung und -abgabe als Werkzeug. Welchen Ort hat die Verbindung (saṃdhi)? Den Zwischenraum, einen Rest des A-Lautes; die Artikulationsweise ist wie gesagt: die erste [Stufe] beruht auf offener Artikulation, die zweite auf geschlossener (berührender) Artikulation; eine Konsonantenverbindung liegt nicht vor. Verb-, Präfix-, Ton- (udātta/svarita), Genus-, Kasus- und Numerus-Bezeichnungen in ihrer systematischen Ordnung [wurden] von den früheren Lehrmeistern [überliefert] [...]. Deshalb nennen wir es 'kāra' (Lautbildung) der Laute – 'so wird dies [gebildet]'. Wir, die die sechs Hilfswissenschaften (Vedāṅgas) kennen, erforschen das Wesentliche. 'Welches Metrum [hat OM]?' – Das Gāyatrī-Metrum; Gāyatrī gehört ja den Göttern; [es ist] durchgehend hell/weiß an Farbe erklärt. Zwei Zwölfergruppen [von Silben/Merkmalen] – [die eine mit Bezug auf...], die andere, zweite Zwölfergruppe wird als 'Veda-Vers' erklärt. Nach der Ordnung des Brāhmaṇa, des Ṛg-, Yajur-, Sāma- und Atharvaveda [ergeben sich] die vier Váhṛtis der vier Veden der Reihe nach: Bhūḥ, Bhuvaḥ, Svar [und die vierte]. [Anm.: Diese Kaṇḍikā (26–27) bietet eine hochtechnische phonetisch-grammatische Analyse der Silbe OM im Stil altindischer Lautlehre (Śikṣā); angesichts der dichten Fachterminologie und der Bildqualität ist die Übersetzung an mehreren Stellen eher sinngemäß-zusammenfassend als wortgetreu und mit erheblicher Unsicherheit behaftet.]

atha samīcya pravasti[t]āni śrūyate: dvāparād dāv ṛṣīṇām ekadeśo doṣapatiḥ [?] ... cilāmāpade tribhiḥ somaḥ pātavyaḥ, samāptam iva bhavati. tasmād agnayaḥ sāmānya-kāla-tejobhis ta sma tatra makarpayaḥ [?] paridevanāya cakrire. maruc chlokabhayaṃ prātaḥ smaḥ; na caitat sarvaiḥ samāhitam. te vayaṃ bhagavallomeva upādhāvāma: sarveṣām eva śarma bhavānīti. te tathety uktvā tūṣṇīm atiṣṭhan; anupasannebhya ity upasīdāmīti nicair babhūvuḥ. sa eṣa upanīya prāvāca: māmikām iva vyāhṛtim āditaḥ āditaḥ kṛṇadhi ity evaṃ māmakā ādhīyante; na ṛte bhṛgvaṅgirovidyāḥ somaḥ pātavyaḥ; ṛtvijaḥ parābhavanti; yajamāno rajjvā apadhvaṃsyati [?], śrutyā śrapadhvastā [?] tiṣṭhati; evam evottarottarād yogāt tokaṃ tokam praśāsvam ity evaṃ pratāyo na parābhaviṣyatīti. tathā ha tathā ha bhagavann iti prativediraḥ [ṛtvijo] grāhayāṃs, te tathā vītaśokabhayā babhūvuḥ. tasmād brahmavādina oṃkāram āditaḥ kurvate.

[Anm.: Diese Kaṇḍikā ist im Scan an sehr vielen Stellen kaum lesbar bzw. der Text selbst offenbar korrupt überliefert; nur einzelne Wendungen sind mit Sicherheit zu deuten.] Dazu wird berichtet, im Zusammenhang [mit dem Streit der] Ṛṣis, [dass] man mit drei[fachen Zeremonien?] Soma trinken solle, [worauf ein Opfer] gleichsam vollendet erscheint. Deshalb [beklagten sich] die Feuer/Priester gemeinsam mit Zeitgenossenschaft und Glut [?] dort klagend. '[Wir sind] am Morgen aus Furcht vor dem Marut-Spruch [?]'; und dies war nicht mit allen abgestimmt. So näherten wir uns, o Herr, gleichsam wie Haare [dicht beieinander, um Schutz zu suchen]: 'Mögest du aller Schutz/Heil sein!' Sie, so sprechend, verharrten schweigend; 'zu den nicht Genahten' [sprach er]: 'so nähere ich mich' – sie wurden [dann] leise. Dieser [Lehrer], sie herangeführt habend, sprach: 'Wie meine eigene Váhṛti von Anfang zu Anfang bringe [sie hervor]' – so werden die Meinigen unterwiesen; nicht ohne die Kenntnis von Bhṛgu und Aṅgiras darf Soma getrunken werden – sonst unterliegen die Priester; der Opferherr löst sich [aus der Bindung], durch das Rezitierte bleibt er fest stehen; so, von einer Verbindung zur nächsten fortschreitend, wird Nachkommenschaft um Nachkommenschaft [geschützt], und diese Ausdehnung [des Opfers] wird nicht zunichtewerden. 'So sei es, so sei es, o Herr' – so antworteten die kundigen Priester, indem sie [die Schüler] unterwiesen; so wurden sie frei von Kummer und Furcht. Deshalb setzen die Kenner des Brahman (Veda) den OM-Laut an den Anfang. [Diese Übersetzung ist wegen der schlechten Lesbarkeit des Ausgangstexts mit besonderer Vorsicht zu genießen und gibt nur den ungefähren Sinn wieder; sie schließt den Bogen zur Erzählung von Kaṇḍikā 23 (Sieg der Götter durch OM).]

kiṃ daivatam ity: agnir daivataṃ, tad eva jyotir, gāyatraṃ chandaḥ, pṛthivī sthānam; agniś cinvāno purohitaṃ yajñasya devam ṛtvijaṃ hotāram, ṛtvidhātam ity evamādi kṛtvā ṛgvedam adhīyate. vāyoḥ vāyur daivataṃ, tad eva jyotis, traiṣṭubhaṃ chandaḥ, antarikṣaṃ sthānam; 'iṣe tvorje tvā vāyavaḥ sa devo vaḥ savitā prārpayatu śreṣṭhatamāya karmaṇā' ity evamādi kṛtvā yajurvedam adhīyate. sāmnām ādityo daivataṃ, tad eva jyotir, jāgataṃ chandaḥ, dyauḥ sthānam; 'agra āyāhi vītaye gṛṇāno havyadātaye ni hotā satsi barhiṣi' ity evamādi kṛtvā sāmavedam adhīyate. atharvāṇāṃ candramā daivataṃ, tad eva jyotiḥ, sarvāṇi chandāṃsy, āpaḥ sthānaṃ; 'śaṃ no devīr abhiṣṭaya' ity evamādi kṛtvātharvavedam adhīyate. addhā sarvo 'yaṃ sthāvarajaṅgamo bhūtagrāmaḥ saṃbhavati; tasmāt sarvam āpomayaṃ bhūtaṃ, sarvaṃ bhṛgvaṅgiromayam. anayor eva trayo vedā bhṛgvaṅgirasaḥ śritā ity abhi[jñā]tiḥ; prakṛtir āpo, oṃkāreṇa caitasmāt. yas [tasmād] purovāca: bhṛgvaṅgirovidā saṃskṛto 'nyān vedān adhīyīta, nānyatra saṃskṛto bhṛgvaṅgirasaḥ adhīyīta. sāmaveda eva khilaśrutir brahmacaryeṇa, caitasmād atharvāṅgiraso ha yo veda, sa veda sarvam iti brāhmaṇam.

'Welche Gottheit [hat der Ṛgveda]?' – Agni ist die Gottheit, eben er ist das Licht, das Gāyatrī-Metrum, die Erde der Ort; man studiert den Ṛgveda mit Sprüchen wie 'Agni, der [als Priester] erwählt, der Hauspriester, der Gott des Opfers, der Ṛtvij, der Hotṛ, der Ordnungsträger'. [Beim] Yajurveda: Vāyu ist die Gottheit, eben er das Licht, das Triṣṭubh-Metrum, der Luftraum der Ort; man studiert ihn mit Sprüchen wie 'Für Speise, für Kraft dich; ihr Vāyus, jener Gott Savitṛ möge euch zur besten Handlung fördern'. Bei den Sāman-Gesängen ist Āditya (die Sonne) die Gottheit, eben er das Licht, das Jagatī-Metrum, der Himmel der Ort; man studiert sie mit Sprüchen wie 'Komm zuerst zum Genuss, gepriesen zur Opfergabe, setze dich als Hotṛ auf das Barhis'. Bei den Atharvan[-Sprüchen] ist der Mond die Gottheit, eben er das Licht, alle Metren [zugleich], das Wasser der Ort; man studiert sie mit Sprüchen wie 'Heil uns, ihr Göttinnen, zu unserem Beistand'. Wahrlich, aus diesen [vier] entsteht die ganze Schar der beweglichen und unbeweglichen Wesen; deshalb ist alles Seiende aus Wasser gemacht, alles aus Bhṛgu-und-Aṅgiras gemacht. Auf diesen beiden [Prinzipien] beruhen die drei [übrigen] Veden – Bhṛgu und Aṅgiras sind [ihre] Stütze, so ist es bekannt; die Grundnatur ist Wasser, [erschlossen] eben durch OM. Deshalb wurde früher gesagt: Wer durch die Kenntnis von Bhṛgu-Aṅgiras geweiht (saṃskṛta) ist, der studiere die anderen Veden; nicht anders geweiht studiere man Bhṛgu-Aṅgiras [d.h. den Atharvaveda]. Im Sāmaveda gibt es eine Zusatzüberlieferung (khila-śruti) durch Keuschheitsleben (brahmacarya); und deshalb: wer den Atharvāṅgirasa[-Veda] kennt, der kennt alles – so das Brāhmaṇa.

adhyātmam ātmaibhiḥ ṣaḍ yam ātmaikaivalyam oṃkāraḥ. ātmānaṃ nirudhya saṅgamamātrīṃ bhūtārthacintāṃ cityed atikramya vedebhyaḥ sarvaṃ adhyātmaphalaṃ prāpnotīty arthaḥ. savitarka jñānamayam ity anaiḥ praśnaiḥ prativacanaiś ca yathārthaṃ padam anuviśvitya prakaraṇād dhi prabalo viṣayaḥ syāt sarvasmin vākovākya iti brāhmaṇam.

Bezüglich des Selbst (adhyātma) [ist] durch das Selbst mit den [Sinnesorganen] die Alleinheit des Selbst OM. Indem man das Selbst zurückhält, allein auf Sammlung [gerichtet], das Sinnen über den Sachverhalt der Wesen überschreitend, erlangt man aus den Veden die volle, auf das Selbst bezogene Frucht – das ist der Sinn. [OM ist] mit Erwägung, aus Erkenntnis bestehend; mit solchen Fragen und Antworten erforsche man den wahren Sinn: im jeweiligen Zusammenhang (prakaraṇa) ist ja der dort behandelte Gegenstand vorherrschend, in jedem Streitgespräch (vākovākya) – so das Brāhmaṇa. [Anm.: Diese kurze, stark komprimiert-philosophische Kaṇḍikā ist in der Wortfolge stellenweise unsicher und sinngemäß statt wortwörtlich wiedergegeben.]

etad dha sma vidvāṃsam maudgalyaṃ glāvo maitreyo 'dhyāgacchat. sa tasmin brahmacaryaṃ vasan vijñāya uvāca: kiṃ svin mayi ayaṃ maudgalyo 'dhyeti, yad asmin brahmacaryaṃ vasatīti? tad dhi maudgalyasyāntevāsī śuśrāva; sa ācāryāyātra ācaṣṭa: ūrdhīyāno vā ayaṃ bhavantam avocad, ayam ajñātir bhavati; kiṃ saumya vidvān iti — trīn vedān brūte bho iti. tasya, saumya, yo vipṛṣṭo vinigīrṣur antevāsī, taṃ me hvayeti. tam ānuśrāvya tam abhyuvāca: asāv iti bho, iti. kiṃ saumya, ta ācāryo 'dhyayata iti? trīn vedān brūte bho, iti. yat tu khalu, saumya, asmi — sarve vedā mukhato gṛhītāḥ, kathaṃ ta evam ācāryo bhāṣate, kathaṃ nu śiṣṭaḥ śiṣṭebhya evaṃ bhāṣeran? yaṃ kaṃ nāma praśnaṃ pṛcchāmi na taṃ vivadati, na kaṃ nāma etad iti. sa ha maudgalyaḥ svam antevāsinam uvāca: parehi, saumya, glāvaṃ maitreyam upasīda, adhīhi bhoḥ sāvitrīṃ gāyatrīṃ caturviṃśatiyoniṃ dvādaśamithunāṃ, yasyāṃ bhṛgvaṅgirasaś catvāraḥ, yasyāṃ sarvam idaṃ śritaṃ, tāṃ bhavān pravaktum arhatīti. sa varam avṛṇīta: ūrdhīyāno bhaviṣyaty ācāryavāc; brahmacārī brahmacāriṇaḥ [...] sāvitrīṃ prāha; iti vakṣyati tattvaṃ brūyād ūrdhīyānam. taṃ vai bhavān maudgalyam avocat: sa vā yaṃ praśnam aprākṣīt, na taṃ vy avocaṃ; purā saṃvatsarād ārtim ariṣyasīti. sa tatrānvagāt, yatraitaro babhūva; taṃ ha prapṛccha, sa ha na pratipede. tam hovāca: ūrdhīyānaṃ taṃ vai bhavān maudgalyam avocat, sa vā yaṃ praśnam aprākṣīt na taṃ vy avocaṃ; purā saṃvatsarād ārtim ariṣyasīti. sa ha maitreyaḥ svāntevāsinam uvāca: yathārthaṃ bhavataḥ, yathāguruṃ, yathā manaḥ vipraśrūyatām. ūrdhīyāno vā ahaṃ maudgalyam avocaṃ, sa mā yaṃ praśnam aprākṣīt, na taṃ vy avocaṃ; vām upeṣyāmi, śāntiṃ kariṣyāmīti. sa ha maitreyaḥ prātaḥ samitpāṇir maudgalyam upasadāsīt: kim artham iti? ūrdhīyāno vā ahaṃ bhavantam avocaṃ; tvaṃ mā yaṃ praśnam aprākṣīḥ, na taṃ vy avocaṃ; vām upeṣyāmi, śāntiṃ kariṣyāmīti.

Zu diesem Weisen, [namens] Maudgalya, kam einst Glāva Maitreya [als Schüler]. Während dieser bei ihm die Schülerzeit (Brahmacarya) verbrachte, bemerkte [Maudgalya etwas] und sprach: 'Kommt dieser wirklich zu mir, dem Maudgalya, um zu lernen, da er bei mir die Schülerzeit verbringt?' Dies vernahm ein Mitschüler Maudgalyas und berichtete es dem Lehrer: 'Ūrdhīyāna hat über Euch gesagt, dieser [Glāva] sei ohne rechte Kenntnis – »Was, mein Lieber, weiß der schon? Er trägt [nur] die drei Veden vor, mein Herr.«' [Der Lehrer sprach]: 'Ruf mir, mein Lieber, jenen Mitschüler, der befragt wurde und [es] verheimlichen wollte.' Er ließ ihn rufen und sprach ihn an. 'Der da, mein Herr.' – 'Was, mein Lieber, lehrt dich dein Lehrer?' – 'Er trägt die drei Veden vor, mein Herr.' – 'Was aber, mein Lieber, bin dann ich? Alle Veden sind doch von mir mündlich empfangen; wie kann der Lehrer so sprechen, wie können Belehrte so zu Belehrten sprechen? Welche Frage ich auch stelle, er widerspricht ihr nicht – wie kann das sein?' Da sprach Maudgalya zu seinem Schüler: 'Geh, mein Lieber, wende dich an Glāva Maitreya, lerne bei ihm die Sāvitrī (das Gāyatrī-Mantra) mit den vierundzwanzig Ursprüngen und den zwölf Paaren, auf der die vier [Veden] von Bhṛgu und Aṅgiras beruhen, auf der all dies ruht – diese möge er dir vortragen.' Er wählte sich eine Gunst: Ūrdhīyāna solle vom Lehrer zurechtgewiesen werden [...]; er trägt die Sāvitrī vor; so wird er den wahren Sachverhalt sprechen und Ūrdhīyāna zurechtweisen. Du hast über [euren Lehrer] Maudgalya gesagt: 'Was er auch fragte, ich widersprach ihm nicht' – binnen eines Jahres wirst du Leid erfahren. Er ging dorthin, wo jener [Ūrdhīyāna] weilte; er befragte ihn, doch jener antwortete nicht. Da sprach er zu ihm: 'Du hast über [unseren Lehrer] Maudgalya gesagt: was er auch fragte, du widersprachst ihm nicht – binnen eines Jahres wirst du Leid erfahren.' Da sprach Maitreya zu seinem eigenen Schüler: 'Wie es der Wahrheit, wie es dem Lehrer, wie es dem rechten Sinn entspricht, möge man vernehmen: Ich, Ūrdhīyāna, habe über Maudgalya gesagt – was er mich auch fragte, ich widersprach ihm nicht; ich will zu euch beiden kommen und Frieden stiften.' Da stand Maitreya am Morgen, das Opferholz in der Hand, vor Maudgalya: 'Wozu [bist du gekommen]?' – 'Ich, Ūrdhīyāna, habe über Euch gesagt: Was Ihr mich auch fragtet, ich widersprach nicht; ich will zu euch beiden kommen und Frieden stiften.' [Anm.: Diese Kaṇḍikā erzählt eine Lehrer-Schüler-Anekdote (Maudgalya, Glāva Maitreya, ein Mitschüler namens Ūrdhīyāna) über den rechten Vortrag der Sāvitrī (Gāyatrī); mehrere Eigennamen und Einzelheiten sind im Scan nicht restlos sicher zu lesen und daher mit Vorbehalt wiedergegeben.]

sa hovāc: atra vā etac ca sarvaṃ ca kṛtaṃ pāpakena tvayā, na cara mā kuruṣva; yo 'yaṃ mama kalyāṇas, te dadāmi; tena yāhīti. sa hovāca: etad devātrāvipraṃ cānṛśaṃsyaṃ ca; yathā bhavān āho, upāyāmi tvaiva bhavantam iti. ta hovāca [tathā] iti. taṃ hopetya prapṛccha: kiṃ svid āgho bhoḥ savitur vareṇyaṃ bhargo devasya kavayaḥ, kim aṅgā dhiyo vicetranti [?] yadi tāḥ pravetya, pracodayāt savitā yābhir eti. tasmā etat provāca: vedāś ca chandāṃsi savitur vareṇyaṃ bhargo devasya, kavayo janmanaḥ karmāṇi dhiyas tāḍate [?]; prabravīmi pracodayāt savitā yābhir eti. tam upasaṃgṛhya prapaccha: adhīhi bhoḥ, kaḥ savitā, kā sāvitrī.

Er sprach: 'Hier ist alles, das Gute wie das Böse, durch dich getan; verfahre nicht [weiter so], tu es nicht; was mir an Heil zukommt, das gebe ich dir – damit gehe.' Er sprach: 'Dies ist göttliche Freiheit von Falschheit und Grausamkeit; wie du bist, [so nehme ich es an] – ich nähere mich eben dir.' Sie sprachen: 'So sei es.' Er ging zu ihm hin und fragte: 'Was ist wohl, o Herr, jenes »begehrenswerte Licht (bhargas) des Gottes Savitṛ«? Was erkennen die Weisen mit ihren Gedanken (dhī), wenn sie es erforschen – womit möge Savitṛ [unsere Gedanken] antreiben, womit er einhergeht?' Ihm antwortete er darauf: 'Die Veden und Metren sind »das begehrenswerte Licht des Gottes Savitṛ«; die Weisen [erkennen] von Geburt an die Taten, die Gedanken lenken [dorthin] – ich verkünde: »Savitṛ möge antreiben« – womit er einhergeht.' Ihn ergreifend fragte er weiter: 'Lehre mich, Herr: Wer ist Savitṛ? Was ist die Sāvitrī?' [Anm.: Dies leitet zur berühmten Sāvitrī/Gāyatrī-Formel (tat savitur vareṇyaṃ bhargo devasya dhīmahi ...) über; die genaue Wortfolge einiger Sätze bleibt im Scan unsicher.]

mana eva savitā, vāk sāvitrī; yatra khalv eva manas, tad vāk, yatra vai vāk, tan mana ity ete dve yonī ekaṃ mithunam. pṛthivī sviva savitā, agnis sāvitrī [?]; yatra khalv eva agnis tat pṛthivī, yatra vai pṛthivī tad agnir ity ete dve yonī ekaṃ mithunam. vāyur eva savitā, antarikṣaṃ sāvitrī; yatra khalv eva vāyus tad antarikṣaṃ, yatra vā antarikṣaṃ tad vāyur ity ete dve yonī ekaṃ mithunam. āditya eva savitā, dyauḥ sāvitrī; yatra khalv evādityas tad dyaur, yatraiva dyaus tad ādityaḥ ity ete dve yonī ekaṃ mithunam. candramā eva savitā, nakṣatrāṇi sāvitrī; yatra khalv eva candramās tan nakṣatrāṇi, yatra vai nakṣatrāṇi tac candramā ity ete dve yonī ekaṃ mithunam. ahar eva savitā, rātriḥ sāvitrī; yatra khalv evāhas tad rātrir, yatra vai rātris tad ahar ity ete dve yonī ekaṃ mithunam. uṣṇam eva savitā, śītaṃ sāvitrī; yatra khalv evoṣṇaṃ tac chītaṃ, yatra vai śītaṃ tad uṣṇam ity ete dve yonī ekaṃ mithunam. abhram eva savitā, varṣaṃ sāvitrī; yatra khalv evābhraṃ tad varṣaṃ, yatra vai varṣaṃ tad abhram ity ete dve yonī ekaṃ mithunam. vidyud eva savitā, stanayitnuḥ sāvitrī; yatra khalv eva vidyut tat stanayitnur, yatra vai stanayitnus tad vidyud ity ete dve yonī ekaṃ mithunam. prāṇa eva savitā, annaṃ sāvitrī; yatra khalv eva prāṇas tad annaṃ, yatra vā annaṃ tat prāṇa ity ete dve yonī ekaṃ mithunam. vedā eva savitā, chandāṃsi sāvitrī; yatra khalv eva vedās tac chandāṃsi, yatra vai chandāṃsi tad vedā ity ete dve yonī ekaṃ mithunam. yajña eva savitā, dakṣiṇāḥ sāvitrī; yatra khalv eva yajñas tad dakṣiṇā, yatra vai dakṣiṇās tad yajña ity ete dve yonī ekaṃ mithunam. etad dhaitad vidvāṃsam upakāri astu brahmacārī; te saṃsthita ity etad vāsas turācito babhūva; athāgnyenāprāgnīd ity etad ādyāsu yonīṣv ita etebhyo vai mithunebhyaḥ saṃbhūto brahmacārī mama purāyuṣaṃ preyād iti.

Der Geist (manas) allein ist Savitṛ, die Rede (vāc) ist Sāvitrī; wo eben der Geist ist, dort ist die Rede, wo eben die Rede ist, dort ist der Geist – dies sind zwei Ursprünge, ein Paar. Die Erde ist Savitṛ, Agni ist Sāvitrī [gemäß dem Muster]; wo eben Agni ist, dort ist die Erde, wo eben die Erde ist, dort ist Agni – zwei Ursprünge, ein Paar. Vāyu (der Wind) allein ist Savitṛ, der Luftraum ist Sāvitrī – wo eben Vāyu, dort der Luftraum, und umgekehrt – ein Paar. Āditya (die Sonne) allein ist Savitṛ, der Himmel ist Sāvitrī – wo eben Āditya, dort der Himmel, und umgekehrt – ein Paar. Der Mond allein ist Savitṛ, die Sternbilder sind Sāvitrī – wo eben der Mond, dort die Sterne, und umgekehrt – ein Paar. Der Tag allein ist Savitṛ, die Nacht ist Sāvitrī – wo eben der Tag, dort die Nacht, und umgekehrt – ein Paar. Die Hitze allein ist Savitṛ, die Kälte ist Sāvitrī – wo eben Hitze, dort Kälte, und umgekehrt – ein Paar. Die Wolke allein ist Savitṛ, der Regen ist Sāvitrī – wo eben Wolke, dort Regen, und umgekehrt – ein Paar. Der Blitz allein ist Savitṛ, der Donner ist Sāvitrī – wo eben Blitz, dort Donner, und umgekehrt – ein Paar. Der Atem allein ist Savitṛ, die Speise ist Sāvitrī – wo eben Atem, dort Speise, und umgekehrt – ein Paar. Die Veden allein sind Savitṛ, die Metren sind Sāvitrī – wo eben die Veden, dort die Metren, und umgekehrt – ein Paar. Das Opfer allein ist Savitṛ, die Opfergaben sind Sāvitrī – wo eben das Opfer, dort die Opfergabe, und umgekehrt – ein Paar. Dies eben ist [die Lehre], die ein solcher Wissender darlegen möge; der Brahmacārī sei darin gefestigt; [es folgt eine rituelle Anweisung zum Ankleiden und Feueranzünden] – aus diesen ursprünglichen Paaren entstanden, möge der Brahmacārī vor mir zu meiner vollen Lebensspanne gelangen. [Anm.: Der abschließende rituelle Satz (Kleidung, Feueranzünden) ist im Scan unsicher und nur sinngemäß wiedergegeben.]

brahma hedaṃ śriyaṃ pratiṣṭhānāyatanam aicchat; tat tapas taptvā, yadi tad ṛte dhriyeta, tat satye pratyatiṣṭhat. sa savitā sāvitryā brahmāṇāṃ sṛṣṭvā tat sāvitrīṃ paryadadhāt: tat savitur vareṇyam iti savitryāḥ prathamaḥ pādaḥ. pṛthivyarthaṃ samadadhāt: tam agnim agninā, śriyaṃ śriyā, śriyaṃ striyā, mithunena prajayā, prajayā karma, karmaṇā tapas, tapasā satyaṃ, satyena brahma, brahmaṇā brāhmaṇaṃ, brāhmaṇena vrataṃ, vratena vai brāhmaṇāḥ saṃśitā bhavanty aśūnyo bhavaty avihnino bhavaty avihnino 'sya tat turavihniṃ jīvanaṃ bhavati ya evaṃ veda; yaś caivaṃ vidvān evam etat sāvitryāḥ prathamaṃ pādaṃ vyācaṣṭe.

Brahman fürwahr suchte diesen Glanz als Grundlage und Stätte; nachdem es diese Askese geübt hatte – wenn dies ohne sie bestehen sollte – so stand es in Wahrheit fest. Savitṛ, nachdem er durch die Sāvitrī die Brahman-Kräfte erschaffen hatte, umgab sie mit der Sāvitrī: 'tat savitur vareṇyam' – dies ist der erste Pāda der Sāvitrī. Für die Erde legte er fest: Agni durch Agni, Glanz durch Glanz, Glanz durch die Frau, das Paar durch Nachkommenschaft, Nachkommenschaft durch das Werk, das Werk durch die Tat, Askese durch Askese, Wahrheit durch Wahrheit, Brahman durch Brahman, den Brahmanen durch den Brahmanen, das Gelübde durch das Gelübde. Fürwahr, die Brahmanen werden dadurch geschärft, werden nicht besitzlos, nicht ohne Feuer; ihm wird dadurch zähes Leben zuteil, wer dies so weiß. Und wer als solcher Wissender dies so rezitiert, erklärt damit den ersten Pāda der Sāvitrī. [Anm.: Die genaue syntaktische Struktur der Aufzählungskette sowie einzelne Wörter sind nicht restlos sicher gedeutet.]

bhargo devasya dhīmahīti sāvitryā dvitīyaḥ pādaḥ. antarikṣeṇa vāyuḥ samadadhāt: vāyuṣā vāyuṃ, varṣaṃ varṣeṇauṣadhivanaspatīn oṣadhivanaspatibhiḥ paśūn paśubhiḥ, karma karmaṇā, tapas tapasā, satyaṃ satyena, brahma brahmaṇā, brāhmaṇaṃ brāhmaṇena, vrataṃ vratena vai brāhmaṇāḥ saṃśitā bhavanty aśūnyo bhavaty avihnino bhavaty avihnino 'sya tat turavihniṃ jīvanaṃ bhavati ya evaṃ veda; yaś caivaṃ vidvān evam etat sāvitryā dvitīyaṃ pādaṃ vyācaṣṭe.

'Bhargo devasya dhīmahi' – dies ist der zweite Pāda der Sāvitrī. Durch den Luftraum legte er Vāyu fest: Wind durch Wind, Regen durch Regen, Kräuter und Bäume durch Kräuter und Bäume, Vieh durch Vieh, das Werk durch die Tat, Askese durch Askese, Wahrheit durch Wahrheit, Brahman durch Brahman, den Brahmanen durch den Brahmanen, das Gelübde durch das Gelübde. Fürwahr, die Brahmanen werden dadurch geschärft, werden nicht besitzlos, nicht ohne Feuer; ihm wird zähes Leben zuteil, wer dies so weiß. Und wer als solcher Wissender dies so rezitiert, erklärt damit den zweiten Pāda der Sāvitrī.

dhiyo yo naḥ pracodayād iti sāvitryās tṛtīyaḥ pādaḥ. divā sāma samadadhāt: sāmnādityam, ādityena raśmīn, raśmibhir varṣaṃ, varṣeṇauṣadhivanaspatīn, oṣadhivanaspatibhiḥ paśūn, paśubhiḥ karma, karmaṇā tapas, tapasā satyaṃ, satyena brahma, brahmaṇā brāhmaṇaṃ, brāhmaṇena vrataṃ, vratena vai brāhmaṇāḥ saṃśitā bhavanty aśūnyo bhavaty avihnino bhavaty avihnino 'sya tat turavihniṃ jīvanaṃ bhavati ya evaṃ veda; yaś caivaṃ vidvān evam etat sāvitryās tṛtīyaṃ pādaṃ vyācaṣṭe.

'Dhiyo yo naḥ pracodayāt' – dies ist der dritte Pāda der Sāvitrī. Durch den Himmel legte er den Sāman-Gesang fest: den Sāman durch Āditya, Āditya durch die Strahlen, die Strahlen durch den Regen, den Regen durch Kräuter und Bäume, diese durch Vieh, Vieh durch das Werk, das Werk durch die Tat, Askese durch Askese, Wahrheit durch Wahrheit, Brahman durch Brahman, den Brahmanen durch den Brahmanen, das Gelübde durch das Gelübde. Fürwahr, die Brahmanen werden dadurch geschärft, werden nicht besitzlos, nicht ohne Feuer; ihm wird zähes Leben zuteil, wer dies so weiß. Und wer als solcher Wissender dies so rezitiert, erklärt damit den dritten Pāda der Sāvitrī.

tena ha vā evaṃvidā brāhmaṇena brahmābhipannaṃ śasitam; brahmaṇākāśam abhipannaṃ śasitaṃ parāmṛṣṭam; ākāśenābhipanno vāyur abhipannaḥ śasitaḥ parāmṛṣṭo vāyunā; jyotir abhipannaṃ śasitaṃ parāmṛṣṭaṃ jyotiṣāpo 'bhipannāḥ śasitāḥ parāmṛṣṭā adbhir bhūmir abhipannā śasitā parāmṛṣṭā bhūmyānnam abhipannaṃ śasitam; prāṇena prāṇo 'bhipannaḥ śasitaḥ parāmṛṣṭo manaḥ; mano 'bhipannaṃ śasitaṃ parāmṛṣṭaṃ manasā vāg abhipannā śasitā; vedā abhipannāḥ śasitāḥ parāmṛṣṭā vedair yajño 'bhipannaḥ śasitaḥ parāmṛṣṭaḥ. tāni ha vā etāni dvādaśa mahābhūtāny evaṃvidi pratiṣṭhitāni; teṣāṃ yajña eva prārdhyaḥ.

Durch diesen so wissenden Brahmanen fürwahr ist alles von Brahman umfasst, geschärft; von Brahman ist der Raum (ākāśa) umfasst, geschärft, ergriffen; vom Raum ist der Wind (Vāyu) umfasst, geschärft, ergriffen; von Vāyu ist das Licht umfasst, geschärft, ergriffen; vom Licht sind die Wasser umfasst, geschärft, ergriffen; von den Wassern ist die Erde umfasst, geschärft, ergriffen; von der Erde ist die Speise umfasst, geschärft; durch den Atem ist der Atem umfasst, geschärft, ergriffen; vom Geist ist der Geist umfasst, geschärft, ergriffen; durch den Geist ist die Rede umfasst, geschärft; von der Rede sind die Veden umfasst, geschärft, ergriffen; durch die Veden ist das Opfer umfasst, geschärft, ergriffen. Diese zwölf großen Elemente (mahābhūta) fürwahr sind in einem solchen Wissenden gegründet; für sie ist eben das Opfer das Höchste zu erstreben.

taṃ ha sma etam evaṃvidvāṃso manyante vidvenām iti yathātathyam avidvāṃsaḥ: ayaṃ yajño vedeṣu pratiṣṭhitaḥ; vedā vāci pratiṣṭhitāḥ; vāg manasi pratiṣṭhitā; manaḥ prāṇe pratiṣṭhitaṃ; prāṇo 'nne pratiṣṭhitaḥ; annaṃ bhūmau pratiṣṭhitaṃ; bhūmir apsu pratiṣṭhitā; āpo jyotiṣi pratiṣṭhitāḥ; jyotir vāyau pratiṣṭhitaṃ; vāyur ākāśe pratiṣṭhitaḥ; ākāśaṃ brahmaṇi pratiṣṭhitaṃ; brahma brāhmaṇe brahmavidi pratiṣṭhitam. yo ha vā evaṃ vits, sa brahmavit; puṇyaṃ ca kīrtiṃ ca labhate, surabhīṃś ca gandhān, apahatapāpmā, sa tāṃ śriyam aśnute ya evaṃ veda; yaś caivaṃvid enāṃ vedānāṃ mātaraṃ sāvitrīṃ saṃpadam upaniṣadam upāsta iti brāhmaṇam.

Dies halten die so Wissenden für 'wahres Wissen', die Unwissenden aber [erkennen es] nicht in Wahrheit: Dieses Opfer ist in den Veden gegründet; die Veden sind in der Rede gegründet; die Rede ist im Geist gegründet; der Geist ist im Atem gegründet; der Atem ist in der Speise gegründet; die Speise ist in der Erde gegründet; die Erde ist in den Wassern gegründet; die Wasser sind im Licht gegründet; das Licht ist im Wind gegründet; der Wind ist im Raum gegründet; der Raum ist im Brahman gegründet; Brahman ist im Brahmanen, im Kenner des Brahman, gegründet. Wer dies fürwahr so weiß, der ist ein Kenner des Brahman; er erlangt Verdienst und Ruhm, duftende Wohlgerüche, ist frei von Sündenbefleckung, und er erlangt Glanz und Wohlstand, wer dies so weiß. Und wer als solcher Wissender diese Mutter der Veden, die Sāvitrī, als Vollendung (saṃpad) und Geheimlehre (upaniṣad) verehrt – so das Brāhmaṇa.

āpo garbhaṃ janayantīr ity: ayaṃ garbhaḥ puruṣaḥ, sa yajño 'gnir yajñaḥ; prāṇīyamānāḥ prāṅ kāyate; tasmād ācamanīyaṃ pūrvam ācāmyate. sa yad ācāmati triḥ ācāmati, dviḥ pariśumbhati [...]. jīvasthiti-sūktena triḥ ācāmati. sa yat pūrvam ācāmati, sat prāṇāṃs tān etena asmin āpyāyayati; yā kṣemā vācyāḥ śarīrān mātrās, tasyaitat paurṇamāsīṣṭi-kāmāmāvāsyāṃ śraddhāṃ dīkṣāṃ yajñaṃ dakṣiṇās tān etena asmin āpyāyayaty āpo 'mṛtam. sa yad dvitīyam ācāmati sat, yān antāṃs tān etena asmin āpyāyayati; yā kṣemā vācyāḥ śarīrān mātrās, tad vaitat pṛthivīm ā liṅga [?] divaṃ, māsān ṛtūn ārdhamāsān saṃvatsarāṃs tān etena asmin āpyāyayaty āpo 'mṛtam. puruṣo brahmā vā etāṃ prāptim agamo bhavati; tasmād vidyāt: puruṣam idam puṇḍarīkam iti. prāṇa eva sa puri śete, saṃpuri śeta iti puriśayaṃ; salaṃ prāṇaṃ puruṣa ity ācakṣate parokṣeṇa; parokṣapriyā eva hi devā bhavanti pratyakṣadviṣaḥ. sa yat pūrvam ācāmati, purastād oṃ tenāsmin avarundhe; sa yad dvitīyam ācāmati āyur ubhāgau tenāsmin avarundhe; sa yat tṛtīyam ācāmati, saṃsthitaromāṃs tenāsmin avarundhe. sa yad dviḥ pariṣvambhati, tat saṃmitasaṃvarhiḥ. sa yat sarvāṇi khāni [...] dehanābhy āyacchati; yac cānyad ātāraṃ, [...] yajñaḥ skandati sarvaṃ tenāsmin avarundhe. sa yad apūrvān malān prayuṅkte, sarvam idharate; kṛtam evaitad asya sarveṣu lokeṣu sarveṣu deveṣu sarveṣu vedeṣu sarveṣu bhūteṣu sarveṣu sattveṣu kāmacāraḥ, kāmavimocanaṃ bhavaty, ardhe ca na pramīyate ya evaṃ veda. tad yad etac choktam: āpo bhṛgvaṅgiro dvayam, āpo bhṛgvaṅgiromayam āpomayaṃ bhūtaṃ sarvaṃ bhṛgvaṅgiromayam aśnute; trayo vedā bhṛgūn aṅgiraso 'nugāḥ. apāṃ puṣyaṃ mūrtir ākāśaṃ pavitram uttamam ity ācamya abhy ucca ātmānam anumalvata: indra trividiti brāhmaṇam.

'Die Wasser erzeugen den Keim' – dies bedeutet: dieser Keim ist der Mensch (puruṣa); er ist das Opfer, Agni ist das Opfer; als der Belebte wird er nach vorn geboren; deshalb spült man sich zuerst mit dem Ācamana-Wasser den Mund. Wenn man Wasser sippt, sippt man dreimal; zweimal reinigt man [die Hände] [Anm.: rituelle Einzelheiten unsicher]. Man rezitiert dreimal mit dem 'Jīvasthiti'-Spruch (dem Spruch vom Bestehen des Lebens). Was man zuerst sippt – dadurch sättigt man die Atemkräfte in diesem [Opferer]; was an ruhevollen, im Körper auszusprechenden Maßen [besteht] – das sind Vollmond- und Neumondopfer, Wunschopfer, Glaube, Weihe, Opfer, Opfergaben – diese sättigt man dadurch in ihm; [dies bringt] Wasser, Unsterblichkeit. Was man zum zweiten Mal sippt – dadurch sättigt man [weitere Kräfte]: das ist die Erde bis zum Himmel, die Monate, Jahreszeiten, Halbmonate, Jahre – diese sättigt man dadurch in ihm; Wasser, Unsterblichkeit. Puruṣa, oder Brahman, erlangt diese Erreichung; deshalb wisse man: 'Puruṣa ist diese Lotusblüte (puṇḍarīka).' Eben der Atem (prāṇa) liegt in der Burg (puri) – 'er liegt zusammen in der Burg', daher [der Name] 'Puriśaya' (in der Burg liegend); diesen Atem nennt man verhüllt 'Salz, Puruṣa' – denn die Götter lieben das Verhüllte und verabscheuen das Offenkundige. Was man zuerst sippt, dadurch gewinnt man das, was vorne ist, durch OM; was man zum zweiten Mal sippt, dadurch gewinnt man die beiden Anteile der Lebenszeit; was man zum dritten Mal sippt, dadurch gewinnt man die geordneten [Sinnesorgane/Haare]. Was man zweimal umkreisend reinigt, das ist das zugemessene Zurechtstutzen. Was durch alle Körperöffnungen [geschieht], erstreckt sich bis zum ganzen Leib; und was sonst zum Geber [gehört] und wodurch das Opfer sich ausdehnt – all dies gewinnt man dadurch in ihm. Was man an überkommenen Resten (mala) anwendet, dadurch befördert man alles; getan ist ihm dies in allen Welten, allen Göttern, allen Veden, allen Wesen, allen Seienden; freier Wandel und Erlösung vom Begehren wird ihm zuteil, und er stirbt nicht vor der Zeit, wer dies so weiß. Dazu ist gesagt: 'Wasser und Bhṛgu-Aṅgiras, dies zwei; aus Wasser gemacht, aus Bhṛgu-Aṅgiras gemacht ist alles Seiende – er erlangt das aus Bhṛgu-Aṅgiras Gemachte; die drei Veden sind Nachfolger von Bhṛgu und Aṅgiras.' 'Der Wasser Blüte, Gestalt, der Raum, das Reinigungsmittel, das Höchste' – so spreche man beim Sippen und richte das Selbst empor: 'Indra, der Dreifachkundige' – so das Brāhmaṇa. [Anm.: Diese lange, abschließende Kaṇḍikā über den rituellen Mundspülungsritus (ācamana) und seine kosmische Symbolik enthält mehrere Fachausdrücke und Satzfragmente, die im Scan nicht restlos sicher zu lesen sind; die Übersetzung gibt den erkennbaren Sinn wieder, bleibt aber an mehreren Stellen sinngemäß und mit [?] behaftet.]

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